Unabhängigkeit und Werbefreiheit, Nachhaltigkeit und Archivfunktionen kosten Geld. Damit www.faustkultur.de, eines der wenigen Qualitäts-Portale im Netz, weiterhin eine »Kultur-Oase« bleibt, können Sie uns unterstützen. Spenden sind willkommen!

Bankverbindung der Faust-Kultur-Stiftung:
Nassauische Sparkasse, IBAN: DE89 5105 0015 0159 0420 01, BIC: NASSDE55XXX

Ich möchte für Faust-Kultur spenden


Am 8. September 1936 kommt der Maler Helmuth Macke unter ungeklärten Umständen auf dem Bodensee zu Tode. Sieben Jahre später werden bei einem Bombenangriff auf seine Heimatstadt Krefeld gut zwei Drittel seiner Werke vernichtet. Nun zeigt das August Macke Haus in Bonn das Werk von Helmuth Macke im Kontext der expressionistischen Malerei. Stefana Sabin hat die Werkschau besucht.

Ausstellung: Helmuth Macke im Bonn

Der vergessene Cousin

Die Familie des Ingenieurs Macke zog aus dem Sauerland nach Köln, dann nach Bonn, wo Sohn August ab 1900 das Gymnasium besuchte. Aber schon als Unterprimaner brach August die Schulausbildung ab, studierte an der Kunstakademie in Düsseldorf und wurde schließlich zum renommiertesten Vertreter des Rheinischen Expressionismus. Nach Studienaufenthalte in Paris und Berlin, Reisen nach Italien und Tunesien und Sommeraufenthalten am Tegernsee kehrte August Macke an den Rhein zurück, nach Bonn, wo er mit seiner Frau Elisabeth ein spätklassizistisches Haus bezog. In dem Atelier, das er im Dachgeschoss nach eigenen Plänen ausbauen ließ, schuf er bis zu seinem Tod in den ersten Monaten des Ersten Weltkriegs den größten Teil seines Werks – darunter viele Bilder, die deutliche motivische Bezüge zur Stadt Bonn und zur unmittelbaren Umgebung des Hauses aufweisen.

Dieses Haus wurde durch bürgerschaftliches Engagement erhalten und wird seit 1991 als Museum vom Verein August Macke Haus e.V. betrieben und von der Stiftung August Macke Haus der Sparkasse in Bonn getragen. Zwar wirkt das Macke Haus, das kürzlich behutsam renoviert und durch ein unauffälligen schicken Neubau erweitert wurde, eher bescheiden im Vergleich zur protzigen Bundeskunsthalle und zum Haus der Geschichte – aber wie das Beethoven-Haus in der Innenstadt ist es ein stadthistorisches Juwel und ein kultureller Ort, an dem immer wieder besondere Ausstellungen zu sehen sind.

In Ergänzung an die von der Direktorin des Hauses Klara Drenker-Nagel konzipierte Dauerausstellung zu Leben und Werk von August Macke zeigt das Museum eine Ausstellung zu seinem Cousin: „Helmuth Macke. Im Dialog mit seinen expressionistischen Künstlerfreunden.“ Diese Ausstellung entstand 2016 zum 80. Todestag des Künstlers in Konstanz und wird im Museum August Macke Haus zum Abschluss einer bundesweiten Tournee präsentiert.

Helmuth Macke: Karussell am Rheinufer, 1924

Helmuth Macke: Karussell am Rheinufer, 1924, Öl auf Leinwand, Kunstmuseen Krefeld

Helmuth Macke, 1861 in Krefeld geboren und 1936 bei einem Bootsunfall im Bodensee ums Leben gekommen, war ein ausgebildeter Künstler: Er studierte an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Krefeld (heute: Hochschule Niederrhein) bei Johan Thorn Prikker, einem niederländischen Maler, der seit 1904 in Krefeld unterrichtete und der sich zwischen freier und angewandter Kunst bewegte. Zu seinen Kommilitonen gehörten Heinrich Campendonk und Wilhelm Wieger, mit denen er eine anhaltende Freundschaft unterhielt – ebenso wie zu Franz und Maria Marc und den Künstlern des Blauen Reiters, die er bei seinem einjährigen Aufenthalt in München kennenlernte, und zu Erich Heckel und den Künstlern der Brücke, denen er in Berlin begegnete. Und zu seinem Cousin August Macke pflegte Hellmuth einen regen Kontakt.

Die Ausstellung wird ihrem Titel gerecht und zeigt das Werk Hellmuth Mackes im Kontext der Malerei seiner Freunde Heinrich Campendonk, Wilhelm Wieger, August Macke, Franz und Maria Marc, Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky, Erich Heckel, Max Pechstein sowie Hans Thuar und macht seine künstlerische Position als Vertreter der damaligen Avantgarde deutlich. Nicht nur Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen, die einen Eindruck des originellen, in Vergessenheit geratenen Werks geben, sondern auch Kunsthandwerkliches wird gezeigt, so ein von Helmuth Macke eigenhändig bemaltes achtteiliges Schlafzimmer-Ensemble, das zum allerersten Mal museal präsentiert wird.

Der Faust-Kultur-Newsletter

Jeden Donnerstag neu: Mit aktuellen Themen und Beiträgen zu Literatur, Kunst, Bühne, Musik, Film und Gesellschaft.

Der Faust-Kultur-Newsletter ist kostenlos. Jetzt anmelden!
Tragen Sie bitte hier Ihre E-Mail-Adresse ein.

Kommentare

Kommentar eintragen









erstellt am 05.6.2018

August Macke: Helmuth Macke, 1909

August Macke: Helmuth Macke, 1909, Bleistift, Kohle, Tuschfeder, Kunstmuseum Bonn, Leihgabe aus Privatbesitz, Foto: Reni Hansen

Ausstellung in Bonn

Helmuth Macke. Im Dialog mit seinen expressionistischen Künstlerfreunden

Bis 17. Juni 2018

August Macke Haus

Katalog zur Ausstellung:

Ina Ewers-Schultz (Hg.)
HELMUTH MACKE. Im Dialog mit seinen expressionistischen Künstlerfreunden
192 Seiten
270 farbige Abb., 64 s/w Abb.
ISBN 978-3-86832-334-4
Wienand Verlag

Katalog bestellen