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Vom Altern und vom Tod handelt „Mein pochendes Leben“, der erste Roman der südkoreanischen Schriftstellerin Ae-Ran Kim. Kürzlich stellte sie das Buch in Frankfurt vor. Riccarda Gleichauf berichtet von der Lesung.

Weltempfänger Salon

Romane wie Songtexte lesen

Die Schriftstellerin Ae-Ran Kim ist so etwas wie ein Shootingstar in Südkorea. Ihr erster Roman, der jetzt auf Deutsch im Cass Verlag unter dem Titel „Mein pochendes Leben“ erschienen ist, verkaufte sich dort über 150.000 Mal. Und das, obwohl man auf den ersten Blick meint, es mit ausschließlich bedrückenden Themen zu tun zu haben: dem Altern und dem Tod.

Eigentlich gehe es aber um die Liebe, erklären Verlegerin Katja Cassing (Cass Verlag) und LITPROM-Geschäftsleiterin Anita Djafari einstimmig. Aber deutsche LeserInnen davon zu überzeugen, sei nicht ganz einfach. Oft schauten sie nur kurz in den Klappentext und sähen, dass es sich wohl um eine traurige Geschichte handle.

Wer der von LITPROM organisierten Lesung im Rahmen der Reihe „Weltempfänger Salon“ am 22. März im Haus des Buches in Frankfurt beigewohnt hat, der konnte sich davon überzeugen, dass „Mein pochendes Leben“ zwar ein ernstes Thema behandelt, dabei aber voll humorvoller und starker Dialoge steckt, die ungemein leichtfüßig daherkommen. Das Altern betrifft jeden Menschen – Ae-Ran Kim hat eine seltene Krankheit zum Motiv ausgewählt, um darüber zu erzählen: Progerie, die Krankheit des vorzeitigen Alterns. Arum, der Protagonist, leidet darunter mit 17 Jahren den Körper eines 80-Jährigen zu besitzen. Durch sein schwieriges Alleinstellungsmerkmal in der Gesellschaft, ist er gleichzeitig ein nachdenklicher Mensch und der richtige, um universelle Fragen über Leben und Tod zu stellen.

Kim las an dem Abend zunächst auf Koreanisch. Gebannt konnte man dem wunderschön weichen und poetischen Klang der Sprache lauschen, ohne dass man sich gestört davon fühlte, kein einziges Wort zu verstehen. Kims Stimme hatte etwas von einem Musikinstrument, und man hätte ewig zuhören können. Die deutsche Übersetzung las der Schauspieler Jochen Nix, der gerade die humorvollen Szenen der Geschichte durch die richtigen Betonungen hervorzuheben wusste.

Auf die Frage aus dem aufmerksamen Publikum, wie wichtig Kim das Poetische im eigenen Schreiben sei, antwortete sie, dass ihre Romane wie Songtexte gelesen werden sollten.

Das leuchtet nach dieser Performance ein, und es würde nicht verwundern, wenn Ae-Ran Kim dieses Jahr den LiBeraturpreis 2018 gewänne. Das Voting beginnt am 23. Mai und Sie können mitentscheiden!

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erstellt am 27.3.2018

Ae-ran Kim, Foto: Dahium Paik
Ae-ran Kim, Foto: Dahium Paik
Für den LiBeraturpreis 2018 nominiert:

Die nominierten Autorinnen