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1958 drehte Hollywood-Regisseur Stanley Kramer den Film „Flucht in Ketten“. Er bringt zwei sehr unterschiedliche Themen zusammen: die Flucht und den Rassismus in den USA. Nun ist der oscarprämierte Film auf DVD erschienen. Er hat nichts an Spannung verloren, meint Thomas Rothschild.

DVD

Lange vor Obama

Die Hollywoodstudios haben mit Filmkunst so viel zu tun wie die amerikanischen Fast-Food-Ketten mit Kochkunst. Das Leitziel der Filmindustrie, die Ilja Ehrenburg so treffend als „Traumfabrik“ bezeichnet hat, ist die Geldvermehrung. Die investierten Millionen sollen mit möglichst hoher Rendite wieder eingespielt werden. Dafür ist fast jedes Mittel recht. Trotzdem sind in Hollywood immer wieder einzelne Filme entstanden, die als spannende Publikumsware funktionieren und zugleich eine humanistische Botschaft verbreiten. Zu den Regisseuren, die diese schwierige Synthese ein Leben lang angestrebt haben, gehörte Stanley Kramer.

1958 drehte er „Flucht in Ketten“. Dieser Film bringt zwei sehr unterschiedliche Themen zusammen: die Flucht, die etwa in „Diamanten der Nacht“ von Jan Němec im Zentrum der Handlung steht, und den Rassismus in den USA. Ein paar Jahre später, als die Bürgerrechtsbewegung Schlagzeilen machte, dachte man, die Diskriminierung der Farbigen würde der Vergangenheit angehören. Diese Hoffnung spiegelte sich auch in mehreren Filmen. Inzwischen wissen wir, dass der Rassismus in den USA nur andere Formen angenommen hat, aber keineswegs verschwunden ist.

In „Flucht in Ketten“ durchläuft Johnny Jackson, gespielt von Tony Curtis, einen Lernprozess. Auf den zunächst verachteten Noah Cullen, verkörpert von Sidney Poitier, angewiesen, weil er an ihn angekettet ist, überwindet er nach und nach seine Vorurteile. Die beiden Gefängnisinsassen konnten bei einem Unfall fliehen und werden nun den ganzen Film hindurch gejagt. Unter den Verfolgern gibt es blutrünstige Scharfmacher, aber auch den von Theodore Bikel gespielten Sheriff Max Muller, der Züge von Menschlichkeit zeigt und alle Versuche zur Lynchjustiz im Ansatz erstickt.

Der Film arbeitet mit Klischees, und manche Szene mag heute unbeholfen erscheinen: 1958 wurde mit der Kamera und am Schneidetisch gearbeitet, digitale Tricktechniken gab es noch nicht. Gerade diese Einfachheit des Schwarz-Weiß-Films macht ihn aber bis heute sehenswert. Wenn Sidney Poitier und Tony Curtis sich einen reißenden Strom hinab treiben lassen oder versuchen, aus einer glitschigen Lehmgrube zu klettern, hat das nichts an Spannung verloren. Die DVD von Studiocanal/Arthaus kann in der Originalfassung und deutsch synchronisiert abgespielt werden und erfreut durch eine vorzügliche Bildqualität.

Filmtrailer „Flucht in Ketten“ (The Defiant Ones)

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erstellt am 23.3.2018

Flucht in Ketten (The Defiant Ones)
Regie: Stanley Kramer
Darsteller: Tony Curtis, Sidney Poitier et al.
USA, 1958
DVD, Studiocanal Arthaus

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