Europoesie
Norwegische Lyrik

Götter aus Stein

Die Natur Norwegens ist spektakulär. Und neben den ewig singenden Wäldern floriert auch die Romanliteratur. In deren Schatten wächst beharrlich eine vielfältige Poesie, die in zweisprachigen Ausgaben bei uns eher spärlich veröffentlicht ist. Eine kurze Rückschau von Bernd Leukert.

Europoesie: Moya Cannon

Goldköpfige Basstölpel

Die Provinz Ulster ist nicht Teil des britischen Nordirland, aber man spricht dort Englisch. Das County Donegal gehört dazu, die Heimat der Lyrikerin Moya Cannon. Fünf Gedichtbände hat sie bisher veröffentlicht. Daraus haben Eva Bourke und Eric Giebel eine Auswahl ins Deutsche übersetzt, und offensichtlich ist es ihnen leichtgefallen. Bernd Leukert hat sich im „Privaten Land“ umgesehen.

Gedichte in drei Sprachen von Anna Maria Bacher

Zwischen Moos und Farn

In Anna Maria Bachers Gedichtband „Öigublêkch/ Augenblicke/ Colpo d’occhio“ ist die Natur so präsent, wie sie aus ihrem Walserdeutsch herauszubrechen scheint. Was geschieht damit im Deutschen und Italienischen? Die Übersetzungen erinnern an eine aussterbende Kultur. Bernd Leukert hat sich mit den fremden Welten befasst.

Europoesie: Orsolya Kalasz

Hüterin der unbenannten Dinge

Die ungarische Lyrikerin Orsolya Kalász lebt in Budapest und Berlin, schreibt auf Ungarisch und auf Deutsch. Die Berührungspunkte, die beide Sprachen miteinander haben, sind beschränkt. Mit ihrer Verwandlungskunst findet die Poetin einen Ausweg aus dem Dilemma der Zweisprachigkeit. Bernd Leukert stellt Kalász’ zweisprachigen Band „alles, was wird, will seinen strauch“ vor.

Pierre de Ronsards zweisprachige »Sonette für Hélène«

Gebildete Brüste

Ein alter Mann verliebt sich in eine junge schöne Frau. Das ist unmöglich und kommt immer wieder vor. Der französische Dichter Pierre de Ronsard hat diese Konstellation zur Basis seiner „Sonette für Hélène“ und der „Verstreuten Amoren“ gemacht. Und zwar meisterlich. Bernd Leukert empfiehlt das Buch nicht nur alten Männern und empfindsamen jungen Frauen.

Europoesie: Rozalie Hirs

In Sprachen denken

Die Lyrikerin Rozalie Hirs ist in ihrer niederländischen Heimat mit fünf Gedichtbänden bekannt. Zwei Verlage in Deutschland haben ihre anspruchsvollen Gedichte in zwei und mehrsprachigen Ausgaben veröffentlicht. Bernd Leukert hat diese polyglotte Bibliothek staunend durchlesen.

Dmitri Dragilew und Gleb Schulpjakow

Musikalität und Gefahr

Es sind vor allem die kleinen Verlage, die sich um die Lyrik der Gegenwart kümmern. Darunter gibt es nicht wenige, die mit ihren zweisprachigen Ausgaben bewirken, womit sich die Politik schwertut: unsere Kenntnis der Eigenarten und Traditionen unserer nichtdeutschen Nachbarn, der kulturellen Differenz. Bernd Leukert stellt die russischen Dichter Dmitri Dragilew und Gleb Schulpjakow vor, die im hochroth Verlag erschienen sind.

Europoesie: Anneke Brassinga

Schimmernde Täublein

Der Tod des Vergil brachte die Lyrikerin Anneke Brassinga hervor: Als Übersetzerin von Hermann Brochs bekanntestem Roman beschloss sie, Gedichte zu schreiben. Eine Auswahl ihrer Gedichte sind wiederum für eine zweisprachige Ausgabe ins Deutsche übersetzt worden. Bernd Leukert hat sich in das Buch „Fata Morgana, dürste nach uns“ und in die Übersetzungsprobleme versenkt.

Europoesie: John Burnside

Haarlose Engel

John Burnside ist wohl der bekannteste Schriftsteller Schottlands. Eine Auswahl seiner Gedichte mit dem Titel „Anweisung für eine Himmelsbestattung“ ist in einer englisch-deutschen Ausgabe erschienen, die dem Übersetzer Iain Galbraith wohl gelungen ist. Bernd Leukert stellt das Buch in der Reihe ‚Europoesie’ vor.

Europoesie: Els Moors

Wein um die Lippen

Die flämische Lyrikerin Els Moors schlägt einen unbefangenen, leichten Ton an, der aber seinen dunklen Untergrund nicht verbirgt. Ihre „Lieder vom Pferd über Bord“ sind in einer zweisprachigen Ausgabe erschienen. Moors kommt aus Belgien, das Buch aus Berlin. Bernd Leukert stellt die Lyrikerin in der Reihe „Europoesie“ vor.

Europoesie: Roberta Dapunt

Bedürftig der Stille

Wer sich mit der europäischen Sprachenvielfalt beschäftigt, stößt nach den Staatssprachen schnell auf eine Vielzahl von Minderheitensprachen, die nicht dialektal, sondern eigenständig sind. Roberta Dapunt schreibt ihre Gedichte auf Italienisch und Ladinisch, wie es im Gadertal gesprochen wird. In ihrer konzentrierten Poesie geht es um Landleben, Glauben und Zugewandtheit.

Europoesie: Giorgio Caproni

In die Mutter verliebt

Giorgio Capronis Gedichtband „Il seme del piangere / Die Saat des Weinens” aus dem Jahr 1959 ist, zum ersten Mal vollständig übersetzt, in einer zweisprachigen Ausgabe erschienen. Im umfangreichen Werk des großen, illusionslosen Lakonikers fällt dieses Buch mit einem anderen Ton auf. Denn es enthält die Livorneser Gedichte. Ein Beitrag aus der Reihe »Europoesie« von Bernd Leukert.

EUROPOESIE: GIOVANNI GIOVIANO PONTANO

Die Versuchung der Akademiker

Die Römer machten das Lateinische zur lingua franca in Europa, die Einwanderer das Englische in Amerika. Europa heute mit seiner Sprachenvielfalt braucht Übersetzung. Und nirgendwo tritt die Unmöglichkeit, aber auch der Reichtum der Verständigungsmöglichkeiten zutage, wie in zweisprachigen Gedichtbänden, die unter der Rubrik „Europoesie“ besprochen werden. Wir beginnen mit Giovanni Pontanos „Baiae“, - mit lateinischen Elfsilblern!

erstellt am 10.3.2017