Jungheinrich: CD-Empfehlungen
TSCHAIKOWSKIJ-OPERN IN HISTORISCHEN AUFNAHMEN

Ein Kontinent der Kontraste und Leidenschaften

Dass sich die Ästhetik musikalischer Aufführungen verändert und die technische Entwicklung hörbar daran beteiligt ist, belegen allein historische Aufnahmen. Aber nicht nur deshalb sind solche ‚Ausgrabungen’ wie die sämtlichen Opern von Pjotr Iljitsch Tschaikowskij, 1936 bis 1963 eingespielt von bedeutenden Künstlern und Kollektiven, wahre Schatztruhen. Hans-Klaus Jungheinrich hat sich darin umgehört.

CD: Schubert, Pärt, Louis Glass und Korngold

Symphonie – Hauptsache, Nebensache?

Die Musikgeschichte ist ungerecht. Werke, die die Tür zu neuen ästhetischen Entwicklungen öffneten, selbst aber vor der Schwelle verblieben, versetzt sie gerne und bestenfalls in die Fußnoten. Hans-Klaus Jungheinrich hat sich daraufhin auf CD veröffentlichte Musik von Arvo Pärt, Louis Glass und Erich Wolfgang Korngold, aber auch von Franz Schubert angehört.

Weltkriegsmusik von Debussy und Hahn

Zauber der Zweieinsamkeit

1915, Richard Strauss komponiert die Alpensinfonie, es ist Krieg, und selbst die meisten Komponisten sind davon begeistert. Und in Frankreich beziehen Claude Debussy und Reynaldo Hahn mit Hilfe von zwei Pianisten Stellung. Hans-Klaus Jungheinrich hat die vom Duo Tal & Groethuysen eingespielte und auf CD erschienene Weltkriegsmusik gehört.

Urspruch, Telemann, Bach, Maderna

Fußspuren in Südhessen

Das Seltene, fast schon Verschwundene und das Besondere wird von leidenschaftlichen Suchern entdeckt, von Musikern jenseits des Showbusiness realisiert und aufgenommen, von wenigen CD-Labels publiziert und von singulären Musikjournalisten an die Öffentlichkeit gebracht. Hans-Klaus Jungheinrich würdigt neu veröffentlichte Musik von Anton Urspruch, Georg Philipp Telemann, J.S. Bach und Bruno Maderna.

CD: Tippett, Dukas, Schwarzkopf

Vom Wühltisch

Nicht immer entspricht der Inhalt den Versprechungen auf der Verpackung. Und wenn es sich um CDs handelt, ist eine Überprüfung an Ort und Stelle meist nicht möglich. Aber mit schrumpfenden Preisen wächst die Versuchung. Hans-Klaus Jungheinrich ist ihr erlegen, und er hat mit Tippetts „Midsummer Marriage“, Dukas‘ „Ariane“ und Elisabeth Schwarzkopf Überraschungen erlebt.

CD: Highlights der Oper Frankfurt

Fokus auf das Seltene

Dass die Zeit die zeitgenössischen Kunstwerke mit der Zeit in zu recht zu vergessende und in als Kulturgüter zu bewahrende sortiert, ist zu jeder Zeit unrecht, ungerecht und unter Qualitätskriterien unverantwortlich. Hans-Klaus Jungheinrich zieht musikalische Werke ans Licht, die die blinde und taube Zeit glaubte ignorieren zu müssen, diesmal Highlights der Oper Frankfurt und Jaromir Weinbergers „Wallenstein“.

Neue Blicke auf Mendelssohn Bartholdy

Tatzenhiebe des Wunderkindes

Ein Komponist aus jüdischer Familie konvertiert zum Protestantismus und beschenkt die evangelische Gesellschaft mit herrlicher, kühn zwischen Vergangenheit und Zukunft entworfener Musik. Man soll nicht glauben, was das für Folgen für Felix Mendelssohn Bartholdy und sein Werk hatte. Hans-Klaus Jungheinrich berichtet von Peter Gülkes Mendelssohn-Monographie und der Einspielung sämtlicher Symphonien mit den Heidelberger Sinfonikern unter der Leitung von Thomas Fey.

Lieder, Balladen und ein Melodram

Singen. Sprechen. Schweigen

Wer in Italien und Frankreich Stadtfestivals besucht, wird vielleicht bemerken, dass dort, anders als im deutschsprachigen Bereich, die Tradition des Melodrams fortlebt. Seltene Beispiele dieser losen Kunstgattung, aber auch der historisch gewordenen Ballade hat Hans-Klaus Jungheinrich anhand von CD-Neuerscheinungen mit Werken von Strauss, Schubert, Loewe und Schumann aufgegriffen.

Streichquartette

Vier – mehr oder weniger

Das Streichquartett gilt als die bedeutendste Kammermusikgattung. Mozart und Beethoven führten es zur Vollendung, Schubert in ungeahnte Abgründe, die Brahms und Dvorák vertieften. Im 20. Jahrhundert wurden Schönberg, Bartók und Schostakowitsch Großmeister der Quartettkunst. Hans-Klaus Jungheinrich stellt neue CD-Aufnahmen aus der edlen Welt der Streichquartett- und Kammerkünste vor.

JAZZ- UND KLASSIKLABEL ECM

Geister der Improvisation

Von Paul Bley bis György Kurtág: Manfred Eicher ist mit seinem Label ECM eine ruhmreiche Institution der Musikproduktion geworden. Er hat nicht nur eine Vielzahl Jazzmusiker entdeckt, etabliert und immer wieder in sein Repertoire eingebunden, sondern auch die Kunstmusik vom Mittelalter bis heute auf überraschend sinnliche und ungewöhnliche Weise neu angeboten. Hans-Klaus Jungheinrich würdigt anhand letzthin erschienener CDs die Arbeit des eigenwilligen Produzenten.

UNTERHALTSAMES AUS DEM 18. JAHRHUNDERT

Die Kunst der Informierten

Die Musen sind keine Totengöttinnen, sondern triebhafte Betreiberinnen der Künste. Jede Realisation einer Komposition verlangt ihre wirkungsmächtige Verlebendigung. Hans-Klaus Jungheinrich zeigt anhand von Mozarts „La clemenza di Tito“ und Telemanns geistlicher Vokalmusik, wie weit dieses Verlangen greift.

Kottmann, Urspruch, Allende-Blin

Aus Frankfurt und der Welt

Anders als Nigel Kennedy oder David Garrett ist Alois Kottmann davon überzeugt, dass Musik kein Mittel zur Selbstdarstellung ist, sondern ein Medium der Kommunikation zwischen Menschen. Deshalb ist er auch kein Popstar, sondern ein Musiker mit höchstem Anspruch. Hans-Klaus Jungheinrich würdigt seine kürzlich erschienenen Einspielungen auf CD, sowie die Wiederentdeckung von Anton Urspruch und die Kammermusik von Juan Allende-Blin.

CD: Opern von Pfitzner und Martinu

Opern-Schmerzenskinder

Die Vergangenheit ist ein Moloch, der alles vernichtet, was nicht aufgeschrieben, aufgenommen und aufgehoben wird. Besonders flüchtig ist die Musik, selbst wenn ihre Notate, die Noten, weiter vorhanden sind. Unter den Wiederentdeckungen auf CD, die Hans-Klaus Jungheinrich ins Bewusstsein zieht, sind diesmal zwei Opern: Pfitzners „Rose vom Liebesgarten“ und Martinus „Griechische Passion“.

CD: Cage, Bach, Purcell, Mozart

Autoritäten

Das gilt für die katholische Messe und das Konzert: Dass auch Rituale stets neu belebt werden müssen, um nicht für alle Beteiligten sinn- und wertlos zu werden, verdeutlicht Hans-Klaus Jungheinrich in seiner CD-Revue, die diesmal von Cage über Bach, Purcell bis zu Mozart reicht und darüber hinaus die Funktion der Konzertzugaben reflektiert.

Werke von Richard Strauss

Großes Behagen, große Trauer

Man hat sicher vergessen, dass Richard Strauss Ende des 19. Jahrhunderts als Avantgardist galt. Das poetische Programm seiner Musik nutzte er zur Formbildung, nicht aber, um „gewisse Vorgänge des Lebens“ zu beschreiben. Hans-Klaus Jungheinrich offenbart nun anlässlich einer Neuveröffentlichung der ‚Metamorphosen’ und der ‚Sinfonia domestica’ auf CD, wie indiskret diese Musik dennoch von den ‚Vorgängen’ plaudert.

Jungheinrichs CD-Empfehlungen im März

Von Kakanien nach New York

1848, als sich Europa gegen die Restauration erhebt, entsteht in Paris die zeitkritische, frivole Operette, 1860 in Wien deren ambivalentes Gegenstück, das in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts museal geworden war. Hans-Klaus Jungheinrich ist nun auf die ‚kakanische’ Operette „The Student Prince“ von Sigmund Romberg gestoßen, die 1930 in New York uraufgeführt wurde, außerdem auf Werke, die zur selben Zeit für das Radio komponiert wurden.

Die Michael Gielen Edition Vol. 4

Romantische Überraschungen

Der Dirigent Michael Gielen wuchs in Gesellschaft klangvoller Namen auf. Der Vater war der Wiener Schauspieler und Regisseur Josef Gielen, die Mutter die Schauspielerin Rosa Steuermann, Schwester Salka Viertels, Eduard und Zygmunt Steuermanns. 1940 emigrierte die Familie nach Argentinien. Hans-Klaus Jungheinrich beschreibt anhand der 4. Ausgabe der Gielen-Edition die profilierte Position des „antitraditionalistischen“ Dirigenten.

KLEINE WERKSCHAU BEIM MAINZER WERGO-LABEL

Eine Adresse für Neues

Hans-Klaus Jungheinrich hat sich beim Mainzer Musiklabel Wergo umgesehen. Entdeckt hat er Bemerkenswertes von Rolf Riehm, Aribert Reimann, Toshio Hosokawa, Rebecca Saunders, Brian Ferneyhough, Klaus Lang, Carola Bauckholt, Jorge E. López und Harry Partch.

Jungheinrichs Musik-Besprechung Dezember

Sieben Klaviere und die Zeit

Als es noch Tonbänder gab, bemerkte der amerikanische Komponist Steve Reich, dass das gleiche Stück, gleichzeitig auf zwei Tonbandgeräten abgespielt, nicht synchron blieb. Die graduelle Verschiebung klingender Strukturen blieb seitdem die Basis seines Schaffens. Dass die Übertragung solcher Mechanik auf die Spieldisziplin von Musikern absurde Züge trägt, hört Hans-Klaus Jungheinrich in Aufnahmen der Klaviermusik von Steve Reich, Terry Riley, nicht aber von Alberto Ginastera.

CD: Ennio Morricone

Solitär der Filmmusik

Ennio Morricone ist wohl der bekannteste Filmmusikkomponist unserer Zeit. Mit seiner für das Genre innovativen Arbeit hat er einprägsame Klangikonen geschaffen, mit denen er das Gebot, gegenüber dem Bild unauffällig zu bleiben, konsequent übertrat. Hans-Klaus Jungheinrich hat sich das auf CD neu erschienene Titel-Potpourri des 88jährigen Meisters angehört.

Neue Klassik-CDs

Goldesels Erben

Sicher gab es Leute, für die der klassische Kanon von Monteverdi bis Strawinsky auf CDs eine Frage des repräsentativ ausgestatteten Haushalts war. Aber es gab auch solche, für die das nachvollziehende Hören der Tonkonserven ein ästhetisches Training bedeutet und deshalb ein Bedürfnis ist. Beide sind nun offenbar von den zuständigen Plattenfirmen weltweit genügend bestückt. Und nun? Hans-Klaus Jungheinrich hat sich umgehört.

Von Arvo Pärt zum Basler Totentanz

Spirituell behaucht

Wenn wir zugeben, dass es eine von Religionen unabhängige Frömmigkeit gibt, die nach meditativer Einfachheit sucht oder nach mystischem Erleben, dann finden wir schnell eine Musik, die dieser Suche strukturell entspricht und sie andächtig unterstützt. In Aufnahmen der Werke von Arvo Pärt, Hans Abrahamsen, Bent Sörensen, Jan van Gilse und Frank Martin, die neu auf CD erschienen, hat Hans-Klaus Jungheinrich dieser Haltung nachgespürt.

AUSNAHME-PIANISTIN MARTHA ARGERICH

Frühe Vollkommenheit

Wir müssen einsehen, dass es Leistungen gibt, die nicht zu überbieten sind. Die Pianistin Martha Argerich, die sich mit guten Gründen vom Konzertbetrieb zurückgezogen hat, hat sie erbracht, und Hans-Klaus Jungheinrich empfiehlt ihre neue CD mit Werken von Mozart, Beethoven, Prokofiew und Ravel.

CDs: Strawinsky, Reger und Braunfels

Übersetzung als Kunstform

In der Musik sind Noten Notate. Die Musiker müssen die Idee des Gelesenen erfassen und in Klang umsetzen. Darum heißen sie auch Interpreten. Die Grenze von der Interpretation zur Bearbeitung ist fließend. Es gibt aber auch freiwillige Bearbeitungen, deren Reiz Hans-Klaus Jungheinrich anhand von CD-Neuerscheinungen mit Musik von Strawinsky, Reger und Braunfels beschreibt.

DIE MACHT DER STIMMEN

Gesungen – großformatig oder mit Fragment-Hintergrund

Dass die Sieger die Geschichte schreiben, gilt auch für die Künste, selbst wenn es dabei um Pyrrhussiege geht. Wie heißen denn die Sieger, die sich gegen die Komponisten Franz Schmidt und Carl Goldmark durchgesetzt haben? Hans-Klaus Jungheinrich stellt deren und Claude Debussys Werke auf neuen CDs vor.

CD: Claude Vivier

Todeslust und Lebenshunger

Der Komponist Claude Vivier hatte im Einflussbereich der Nachkriegsavantgarde wohl keine Chance. Erst nach seinem Tod konnte man in Amsterdam hören, was für eine originäre und starke Musik er geschrieben hatte. Hans-Klaus Jungheinrich stellt nun eine neue CD mit Viviers Oper „Kopernikus“ und anderes vor.

Der sowjetische Dirigent Jewgenij Mrawinskij

Wiederkehr einer Legende

Der sowjetische Dirigent Jewgenij Mrawinskij kann jetzt wiederentdeckt werden. Eine CD-Kassette präsentiert rund sieben Stunden Musik mit Mrawinskij und „seinen“ Leningrader Philharmonikern. Hans-Klaus Jungheinrich hat sich die Aufnahmen angehört und sieht in Mrawinskij einen vielseitigen Dirigenten und einen Pionier in Sachen Tschaikowskij.

erstellt am 20.2.2017