14.10.2019 - Der Tag, an dem sie Schluss machte

Aus dem noch ungeschriebenen Roman Am Tag, an dem sie mit ihm Schluss gemacht hatte, waren die Fernsehnachrichten genau eine halbe Minute zu kurz. Zwanzig Uhr vierzehn und dreißig Sekunden… Weiterlesen

13.10.2019 - Jung geblieben

Die Alltagsrede kennt den anerkennenden Ausdruck „jung geblieben“ für Ältere, die sich gut gehalten haben. Es ist eine falsche Wendung, falsch nicht nur als nichtige Schmeichelei, sondern vor allem wegen… Weiterlesen

12.10.2019 - Der Spieler

Die erste und einfachste Regel beim Spiel, das auf den Sieg zielt, lautet: Mach die Unberechenbarkeit zum Kalkül. Und rechne mit den Launen der anderen.

11.10.2019 - Ohne Verlustangst

Warum ist der so gefährlich, der nichts zu verlieren hat? Er kann voll ins Risiko gehen.

10.10.2019 - Die Zähne ausbeißen

Am Geheimnis beißt sich die Neugier die Zähne aus. Was sich nur selber erschließt, lässt sich nicht entschlüsseln.

09.10.2019 - Verlauf

Gespräche über das Ende sollten nur im Gehen stattfinden. In der Bewegung verliert das Ende seine Gültigkeit.

08.10.2019 - Die zwei Seiten des Schönen

Dass das Schöne bedrohlich sein kann und das Bedrohliche schön, ist nirgendwo so anschaulich wie beim Wetter.

07.10.2019 - Das Leben leben

Das Leben ist so einfach. Es wird nur schwierig, wenn wir das tun, worauf es gerade Lust hat.

06.10.2019 - Vor dem Ende

In vielen Geschichten hat der Vorbote ihres Endes einen Namen: Er heißt Gleichgültigkeit.

05.10.2019 - Das Los des Willens

Wie bedeutend die Rolle des Willens im Ensemble der Vernunftbegabungen ist, merkt man schon daran, dass niemand mit sich und der Welt zufrieden sein kann, der mit sich und der… Weiterlesen

04.10.2019 - Schwarz auf weiß

Aus der Serie „Sinnvolle Schreibfehler“: Anthroposophische Geseelschaft  

03.10.2019 - Na dann nicht

Verantwortlich sein bedeutet, nicht getan haben zu müssen, worum es schließlich geht. Es ist die Qual nach der Wahl. In den beiden Grundbegriffen Freiheit und Verantwortung haben Gesellschaften sich den… Weiterlesen

02.10.2019 - Denk mal

Poesie des Problems Mit anderen denken – Gespräch. An andere denken – Gebet. Für andere denken – Geborgenheit. Statt anderer denken – Gefahr. Trotz anderer denken – Gebot.

01.10.2019 - Abenteuer

Die meisten Abenteuer beginnen mit dem Willen, die Belastbarkeit von fremden Grenzen zu testen, und enden mit der Erfahrung, die Grenzen der eigenen Belastbarkeit kennengelernt zu haben.

30.09.2019 - Schamlose Siege

Gerade jene Erfolge, die sich der Schwäche des Gegners verdanken, sollten zu nichts Anlass geben als zu Demut. Ein Wahlsieg, der kaum errungen wurde, sondern sich als Nebeneffekt ergeben hat,… Weiterlesen

29.09.2019 - Amtsenthebung, Amtserhebung

Seitdem der belgische Soziologe Daniel Warnotte im Jahr 1937 in einem Text über Bürokratie den stillschweigenden Übergriff von beruflichen Verfahren, Methoden oder Funktionen auf andere Lebenskontexte beschrieben hat, heißt diese… Weiterlesen

28.09.2019 - Tauschgeschäft

Nichts liegt ferner als ein Meinungsaustausch, wenn die eigenen Anschauungen aus einer festen Überzeugung stammen. Was sollte man als adäquaten Gegenwert erhalten? Die prinzipienfreien Sichtweisen der anderen?

27.09.2019 - Futur zwei

Unter allen grammatikalischen Zeitformen ist das Futur zwei die anmaßendste. Wer so spricht, hat in Gedanken schon beschlossen, was in der Wirklichkeit vielleicht noch nicht einmal begonnen hatte. Die Vergangenheit… Weiterlesen

26.09.2019 - Wort und Wörter

Weil Worte mehr sind als die Wörter, die wir gebrauchen, können sie eine Welt verändern.

25.09.2019 - Schreibblockade

Die Schreibhemmnis ist die einzige Blockade, die durch einen Sitzstreik aufgehoben wird. Man muss nur warten, bis der Gedanke kommt, der sich nie ankündigt.

24.09.2019 - Das ganz Große und das große Ganze

Zu den bedeutenden Lernleistungen unserer Zeit wird vielleicht gehört haben, dass es dieser Generation erstmals gelingen mag, ein leidenschaftliches Gefühl zu entwickeln für das Abstrakte: eine künftige Menschheit, für die… Weiterlesen

23.09.2019 - Unmut, Mut, Übermut

Der Unmut zürnt: Unmöglich! Das alles! Die Mutlosigkeit zaudert: Lass schauen, was möglich ist. Der Mut zeigt: Was wirklich werden soll, muss man möglich machen. Der Übermut zuckt: Nur das… Weiterlesen

22.09.2019 - Risikobewertung

Vor knapp hundert Jahren, 1921, veröffentlichte der Begründer der Chicagoer Schule, der Wirtschaftswissenschaftler Frank Hyneman Knight, eine Studie über das Verhältnis von Risiko und Profit.* In ihr stellt er die… Weiterlesen

21.09.2019 - Die Wissenschaft hat festgestellt

Zu den Grundvoraussetzungen von Wissenschaft gehört spätestens seit der Aufklärung, dass sie auch zu sich selbst ein skeptisches Verhältnis entwickelt hat. Wie aus der Zeit gefallen mutet daher an, wenn… Weiterlesen

erstellt am 03.2.2017

Kolumne

NOTIZEN von Jürgen Werner

In der Kolumne NOTIZEN schreibt der Philosoph Jürgen Werner täglich Gedankensplitter nieder, nicht auf Papier, aber in seinem Blog. Faust-Kultur gibt sie regelmäßig in Auszügen wieder. Die Kurzform ist die Kunst derer, die keine Zeit haben. Aber auch das Maß der Verdichtung, das ein Gedanke oder eine Beobachtung verträgt. So mag sich später entscheiden, ob der rasch skizzierte Satz nach einer Auslegung verlangt, die beiläufige Bemerkung vertieft werden will. Notizen sind unentschlossen. Am meisten faszinieren sie, wenn der Zufallsfund genau konstruiert ist und die knappe Art aussieht, als sei alles gesagt. Von Jürgen Werner ist jüngst im Frankfurter Verlag tertium datur das Buch »Tagesrationen. Ein Alphabet des Lebens« erschienen, ein Band, der mit erhellenden Reflexionen und aphoristischen Pointen dem Selbstverstehen des Menschen den Weg bereitet. (Texte © Jürgen Werner)