18.06.2019 - Alle unsere großen Wörter

Alle unsere großen Wörter – und zu ihnen zählen: Sinn, Freiheit, Wahrheit, das Ganze, der  letzte Grund, die Liebe, nicht zuletzt: Leben – deren Aufgaben sind größer als deren Bedeutung.… Weiterlesen

17.06.2019 - Veröffentlichungspflicht

Jeder Text, der nicht den strengen Regeln der Veröffentlichungspflicht folgt, sondern in die Publikation freiwillig drängt, muss sich gefallen lassen, nach den noch strikteren Maßstäben der Verführungskunst beurteilt zu werden.… Weiterlesen

16.06.2019 - Ohne Widerstand

Ohne Widerstand: das ist die Formel der Einsamkeit. Weil die beste Eigenschaft der Freunde fehlt, nämlich dass sie die Einwände vortragen, zu denen man selber nicht den Mut hat, dass… Weiterlesen

15.06.2019 - Zu Gast bei Schlitzohren

Nur wenigen Restaurants glückt jene gastfreundliche Schlitzohrigkeit, die den Besucher so effizient über den Tisch zieht und deren kleine Betrügereien so offenkundig sind, dass es ihm peinlich wäre, auf sie… Weiterlesen

14.06.2019 - Sind die echt?

Im öffentlichen Diskurs ist die Echtheit derzeit so populär, dass sie schon wieder aufgesetzt wirkt. Nicht jeder, der sagt, er sage, was er denkt, denkt nach, bevor er etwas sagt;… Weiterlesen

13.06.2019 - Theorie, praktisch betrachtet

Jede Theorie arbeitet an der Entmachtung ihrer Interpreten.

12.06.2019 - Grenzüberschreitungen

Freundschaft, Kollegialität, Nachbarschaft, Verwandtschaft oder Familie, sie alle sind verschiedene Orts- und Abstandsbezeichnungen, die verhindern sollen, dass sich Nebenmenschen, die wild zwischen Mitmenschlichkeit und Unmenschlichkeit hin- und herpendeln, einander zu… Weiterlesen

11.06.2019 - Sanftmut

Ein zartes Wort: Sanftmut ist die Erinnerung an die Leidenschaft, dass sie Zeit braucht.

10.06.2019 - Grenzen des Künstlichen

Nicht seine Intelligenz macht den Menschen zum Menschen. Aber Geist. Es kann keinen künstlichen Geist geben, wie künstliche Intelligenz in Maschinen die Welt längst bevölkert. Was Geist ist? Das Chaos… Weiterlesen

09.06.2019 - Erträgliche Wahrheit

Es ist lebensklug, den Geist der Wahrheit, der den Menschen seit den Tagen von Pfingsten geschenkt ist, auch den Tröster zu nennen. Das ist nicht eine und dieselbe Eigenschaft; es… Weiterlesen

08.06.2019 - Demonstranten

Gestern liefen sie wieder durch die Stadt, am späten Freitagvormittag. Und demonstrierten lautstark für ihre, für die Zukunft aller. Begleitet von ein paar blaulichternden Motorrädern zogen sie die Verkehrsader entlang… Weiterlesen

07.06.2019 - Genau

Der Fahrgast, der um die Anschlussverbindung fürchtet, weil die Bahn mal wieder hoffnungslos verspätet ist, wendet sich hilfesuchend an die Zugchefin. Er nennt die aktuell erwartete Ankunftszeit und verweist darauf,… Weiterlesen

06.06.2019 - Bremspolitik, Politikbremse

Viele Aufgaben, deren sich die Politik gestalterisch annimmt, resultieren aus den vielen Aufgaben, denen sich die Politik mit großem Gestaltungswillen angenommen hat. Das Maß der Lösungen bestimmt das Maß der… Weiterlesen

05.06.2019 - Bist du wach?

Müdigkeit und Wachheit sind beide Weisen der Weltdistanz. Im Dämmerzustand des Geistes entzieht sich die Wirklichkeit; die Wahrnehmung ist getrübt. In den Präsenzphasen des Bewusstseins hält das Subjekt Abstand; das… Weiterlesen

04.06.2019 - Vertrauen, Versprechen, Vertrag

Wenn irgendwo, entscheidet sich in der Grauzone zwischen Versprechen und Vertrag, was Anstand heißt. Wo noch nichts schwarz auf weiß geschrieben und unterschrieben ist, wird viel ins Blaue geredet und… Weiterlesen

03.06.2019 - Nicht möglich

Der plötzliche Rücktritt ist eine Lehrstunde in Modallogik: Was offiziell niemand für möglich gehalten hat und insgeheim einige bewirkten, erschien einer als unausweichlich, um ihre Not zu wenden. Nun ist… Weiterlesen

02.06.2019 - Die Rolle der Führungskraft

Zwölf Thesen zur Unternehmensführung, ohne das Wort „Digitalisierung“ zu gebrauchen: 1. Führungskraft zu sein, ist eine Rolle. Kein Status. Als Rolle erfüllt sie Pflichten und Funktionen. Als Status hat sie… Weiterlesen

01.06.2019 - Drei Wünsche

Die schlaue Antwort des Kinds, was es denn begehrte, wenn es drei Wünsche frei hätte – als letzter, spätestens, kommt nicht selten: sich alles wünschen zu können – deutet die… Weiterlesen

31.05.2019 - Mit dem Licht gespielt

Noch heute heißen einige Kinos wie in früheren Tagen: Lichtspiele. Das war ein Wort für den Film, das fortlaufende Bild. Die Theater, in denen die Zelluloidstreifen gezeigt wurden, haben die… Weiterlesen

30.05.2019 - Himmelfahrt

Nichts lässt so erwachsen werden wie endgültige Abschiede.

29.05.2019 - Liebesgenuss

Was Denken und Handeln aufgesplittet erleben: das Bewusstsein betrachtet die Welt, die Tat genießt sie, fällt in der Liebe zusammen. Die Liebe ist die einzige Lebensform, in der Lust und… Weiterlesen

28.05.2019 - Halten Sie Abstand, bitte!

Anbiederung ist jene Form des Entgegenkommens, die kein Gespür besitzt, wann sie haltmachen muss. Es ist gerade aufdringliche Nähe, nicht Ignoranz und Distanz, die zu Abstoßungsreaktionen führt. In ihren späten… Weiterlesen

27.05.2019 - Freigebigkeit

Nur die freien Geister haben ein freigebiges Gemüt. Wenig besorgt darum, dass ihnen am anderen Tag nichts Neues mehr einfällt, verschenken sie sich im Augenblick ohne Vorbehalt. Nicht wer viel… Weiterlesen

26.05.2019 - Fragen an Europa

Wie lautet eigentlich die Frage, auf die Europa die Antwort darstellt? Auf den grellbunten Plakaten, die den Weg zur Wahlurne säumen, stehen knapp gefasste lösungsähnliche Parolen, rätselhafte Versprechen, unverhohlene Ressentiments,… Weiterlesen

erstellt am 03.2.2017

Kolumne

NOTIZEN von Jürgen Werner

In der Kolumne NOTIZEN schreibt der Philosoph Jürgen Werner täglich Gedankensplitter nieder, nicht auf Papier, aber in seinem Blog. Faust-Kultur gibt sie regelmäßig in Auszügen wieder. Die Kurzform ist die Kunst derer, die keine Zeit haben. Aber auch das Maß der Verdichtung, das ein Gedanke oder eine Beobachtung verträgt. So mag sich später entscheiden, ob der rasch skizzierte Satz nach einer Auslegung verlangt, die beiläufige Bemerkung vertieft werden will. Notizen sind unentschlossen. Am meisten faszinieren sie, wenn der Zufallsfund genau konstruiert ist und die knappe Art aussieht, als sei alles gesagt. Von Jürgen Werner ist jüngst im Frankfurter Verlag tertium datur das Buch »Tagesrationen. Ein Alphabet des Lebens« erschienen, ein Band, der mit erhellenden Reflexionen und aphoristischen Pointen dem Selbstverstehen des Menschen den Weg bereitet. (Texte © Jürgen Werner)