18.08.2019 - Jenseits des Vergleichs

Ein Mitmensch ist jene seltene Form der Artgenossenschaft, in der einer dem anderen nicht gleichgültig ist, ohne dass sich einer mit dem anderen vergleichen muss.

17.08.2019 - Happy End

Nur in der Erzählung, nicht im Leben interessiert sich niemand dafür, wie die Geschichte weitergeht, wenn sie in ein happy end mündet. Der schönste Ausgang, den eine lebendige Sache haben kann,… Weiterlesen

16.08.2019 - Sensibelchen

Selten zeigt sich Freiheit entschlossener als in jenem Akt, in dem sie erstmals entscheidet, dass nicht alles, was einen Menschen angeht, ihn auch angehen muss. Nur weil die Welt drängelt… Weiterlesen

15.08.2019 - Unerschütterliches Fundament

Frei nach René Descartes: Ich bin schlecht gelaunt, also bin ich.

14.08.2019 - Schule des Lebens

Es ist ein Ausweis von Qualität, wenn das, was die Erwachsenen zum ersten Schultag, für die Kleinen zum Glück unverständlich, den „Ernst des Lebens“ nennen, in dieser Institution der pädagogischen… Weiterlesen

13.08.2019 - Die Stimmungen der Stadt

Es gehört zum Wesen der Großstadt, dass sie für jede Stimmung einladende Orte bereithält. Das Kaffeehaus lockt den Passanten, wenn es Bindfäden regnet, zum gelassenen Verweilen hinter Buch oder Tageszeitung.… Weiterlesen

12.08.2019 - Enttäuschungsfestigkeit

Jedes politische System ist die Reaktion auf eine Enttäuschung mit dem Vorläufermodell. Die nationalsozialistische Diktatur lässt sich als „gleichsam instinktive Antwort eines Geistes“  lesen, der „in der Führung der öffentlichen… Weiterlesen

11.08.2019 - Überrasch mich, aber erschreck mich nicht

In jeder Erwartung steckt der heimliche Wunsch, sie möge übertroffen werden. Was wir ersehnen, ist nicht das, was kommen soll, sondern dass es ein wenig anders kommt, als man denkt.

10.08.2019 - Nicht alles, nicht sofort

Aus dem Französischen stammt das Wort triage. Unter Kaufleuten bedeutet es den Ausschuss einer Ware, die geerntet oder produziert wurde, jene wurmstichigen Äpfel etwa, die zur Seite gelegt und für den… Weiterlesen

09.08.2019 - Hin- und Rückrunde

Wenn es um nichts mehr geht, weil alles schon entschieden ist, könnte es unversehens um alles gehen, weil man meinte, nichts müsse mehr geschehen. Solange Fakten nicht geschaffen sind, bleiben… Weiterlesen

08.08.2019 - Hahaha

Was die Welt einen könnte: ein großes, weit schallendes Gelächter über die Dreistigkeit ihrer Mächtigen.

07.08.2019 - Die Sucht, sich zu sehnen

Eine Liebe voller Sehnsucht zeigt nicht deren Unerfülltheit, sondern die Größe des Gefühls. Erfüllt ist eine Liebe nicht, wenn sie alles bekommt, wonach sie verlangt, sondern wenn ihr gerade so… Weiterlesen

06.08.2019 - Lügners Angst

Die größte Angst des Lügners, – nicht bei einer Unwahrheit ertappt zu werden, sondern – als Weltverdreher entlarvt, lässt ihn mit den billigsten rhetorischen Mitteln die Hauptunterscheidung nivellieren, die im… Weiterlesen

05.08.2019 - Wenn das Denken faul wird

Die meisten Vorurteile entstehen, weil richtige Gedanken nicht zu Ende gedacht worden sind. Sie entstammen weniger Unwissenheit als der Ungeduld mit einem Verstand, der für seine besten Leistungen Zeit braucht… Weiterlesen

04.08.2019 - Was bleibt, wenn die Formen wechseln?

Viel lässt sich erkennen über Tiefe und Weitsicht, Kraft oder Strenge einer Äußerung, wenn man die Formen wechselt: Man dürfte Philosophie nur dichten*. Und Liebeserklärungen ausschließlich in der Art einer… Weiterlesen

03.08.2019 - Gartengestaltung

Was viele Briten für Probleme mit Europa haben, lässt sich schon an der Gestaltung der Gärten sehen: Der englische Gärtner behandelt die Natur so, dass er aus ihr herausarbeitet, was… Weiterlesen

02.08.2019 - Alles über die Lösung von Problemen

Die meisten Probleme lösen sich, wenn sie nur in der richtigen Form ausgesprochen werden.

01.08.2019 - Der autoritäre Charakter

Je unfähiger eine Kommunikation ist, Differenzen auszuhalten, desto größer ihr Hang zum Machtwort. Das beendet die Auseinandersetzung, ohne sie sich austragen zu lassen, und duldet die Alternative aus widerstrebenden Weltsichten… Weiterlesen

31.07.2019 - Eins nach dem andern

Der größte Unterschied zwischen der Lektüre eines Journals auf Papier und dem Lesen einer Zeitung im Internet: In der digitalen Ausgabe, bei gleicher Anzahl der Texte, fehlt die Dramaturgie. Wer… Weiterlesen

30.07.2019 - Die Härte des Gesetzes

Ein Gesetzeswerk, das das Herz einer freien Gesellschaft schützt – ihren Willen zur Toleranz –, muss umso härter angewandt und wörtlicher ausgelegt werden, je näher die Attacken gegen dieses zentrale… Weiterlesen

29.07.2019 - Opposition

Meist bildet sich Gegnerschaft weniger über ausgelassene Gelegenheiten oder verpatzte Projekte, die man besser zu beherrschen meint. Viel eher entsteht der Widerstand, weil all diese misslungenen Aufgaben von denen verschwiegen… Weiterlesen

28.07.2019 - Was sich nicht sagen lässt

„Von einem Journalisten Diskretion zu erwarten, wäre so, als belegte man ihn mit einem Berufsverbot.“ „Im Gegenteil. Nur weil er schweigsam ist, erfährt er Neuigkeiten. Die schönsten Geschichten lassen sich… Weiterlesen

27.07.2019 - Politische Unvernunft

Der Erfolg des Populismus hängt nicht zuletzt an einer wachsenden Vielzahl von Menschen, denen es politisch genügt, wenn sie sich berauschen können daran, es „den anderen“, den etablierten oder „Altparteien“,… Weiterlesen

26.07.2019 - Bildkraft

Immer wieder steht im Zusammenhang mit großen technischen Sprüngen – vor fünfzig Jahren war es der Mondbesuch, heute sind es vielleicht: die Steuerung der Selbstheilung weltgeißelnder Krankheiten, der Ersatz von… Weiterlesen

erstellt am 03.2.2017

Kolumne

NOTIZEN von Jürgen Werner

In der Kolumne NOTIZEN schreibt der Philosoph Jürgen Werner täglich Gedankensplitter nieder, nicht auf Papier, aber in seinem Blog. Faust-Kultur gibt sie regelmäßig in Auszügen wieder. Die Kurzform ist die Kunst derer, die keine Zeit haben. Aber auch das Maß der Verdichtung, das ein Gedanke oder eine Beobachtung verträgt. So mag sich später entscheiden, ob der rasch skizzierte Satz nach einer Auslegung verlangt, die beiläufige Bemerkung vertieft werden will. Notizen sind unentschlossen. Am meisten faszinieren sie, wenn der Zufallsfund genau konstruiert ist und die knappe Art aussieht, als sei alles gesagt. Von Jürgen Werner ist jüngst im Frankfurter Verlag tertium datur das Buch »Tagesrationen. Ein Alphabet des Lebens« erschienen, ein Band, der mit erhellenden Reflexionen und aphoristischen Pointen dem Selbstverstehen des Menschen den Weg bereitet. (Texte © Jürgen Werner)