26.01.2020 - Wohin mit der Sehnsucht?

In jeder glücklichen Liebe verbirgt sich ein Verlangen nach dem Unerfüllten. Es ist die Sehnsucht nach einem Menschen, wie er war, bevor man die Beziehung mit ihm eingegangen ist. Nicht… Weiterlesen

25.01.2020 - Witzlos

Geschichten, die man zu oft erzählt, verlieren ihre Pointe. Weil man sie selber nicht mehr hören kann, geben sie auch nicht mehr zu Gehör, was ihr springender Punkt ist. Was… Weiterlesen

24.01.2020 - Gedankenlose Gegenwart

Die Gegenwart ist gedankenlos. Was unmittelbar ins Auge fällt, mit Händen zu greifen ist, lässt sich nicht reflektieren. Zum Deuten gehört die Distanz, zum Begreifen der Befund. „Wie denken ohne… Weiterlesen

23.01.2020 - Schocktherapie

Um schleichende Krisen zu erkennen, bedarf es der Phantasie und des Vorausblicks. Da helfen auch eindringliche Worte der Weit- und Einsichtigen wenig. Das Reden entlastet vielmehr vom Mangel an Handlung;… Weiterlesen

22.01.2020 - Machtmissbrauch

Die Macht steht in schlechtem Ruf, weil die meisten, die nach ihr streben, sie zwingend brauchen, um sich selbst aufzuwerten. Sie gewinnen Größe allein, indem sie andere klein halten. Einmal… Weiterlesen

21.01.2020 - Was ist Liebe?

„Was spürst du?“ „Freundschaft. Aber nicht Liebe.“ „Und sonst?“ „Ja, Geborgenheit, Verlangen und Körperlust, Hilfe, Sehnsucht, eine Art Zuhause, Gelassenheit, vielleicht auch Glück, Kraft oder Entschlossenheit, Stille und Sanftmut. Aber… Weiterlesen

20.01.2020 - Mutterliebe, Vaterliebe

Gelegentlich erfasst, beim Blick auf die eigenen Gewohnheiten, einen der Schrecken, dass die Gesten der Mutter oder die Marotten des Vaters sich über den Generationswechsel hin unwillkürlich erhalten haben. Eine… Weiterlesen

19.01.2020 - Länger leben

Das Geheimnis langen, zufriedenen Lebens? Eine solide Eitelkeit bis ins hohe Alter.

18.01.2020 - Nicht vergessen

Ein System, das nichts vergisst, bewahrt nicht das Leben, sondern sorgt dafür, dass es seine Lebendigkeit verliert. Nichts ist unerträglicher, als Menschen zu begegnen, die als eifrige Protokollanten des Alltags… Weiterlesen

17.01.2020 - Die schweigende Mehrheit

Schweigende Mehrheiten bilden sich weniger aus Mangel an Mut, sondern meist dort, wo zwischen Denken und Handeln eine breite Kluft vorherrscht. Sie verhindert, dass Worte ohne Folgen genügten oder Taten… Weiterlesen

16.01.2020 - Am Anfang

Alles hat einen Anfang, auch wenn wir ihn nie zu fassen bekommen. Im Nachhinein, vielleicht, lässt sich sagen, wann eine Geschichte begonnen hat, wie ein Ding in die Welt gekommen… Weiterlesen

15.01.2020 - Klasse

Missverständlich ist das Wort „klassisch“ immer dann, wenn es gebraucht wird als Synonym fürs Altertümliche. Im Gegenteil meint ein klassisches Design oder eine klassische Schönheit jene Eleganz, die die Zeiten… Weiterlesen

14.01.2020 - Die Moral von der Geschicht’

Wer liebt, braucht keine Moral. Er weiß, wie er handeln muss, damit sein Tun bestehen kann vor den Augen derer, die es angeht. So könnte ein Grundsatz lauten, der sich… Weiterlesen

13.01.2020 - Dramaturgie der Freundschaft

Unter allen Vorzügen, die eine veritable Freundschaft mit sich bringt, gehört die beiläufige Talentförderung zu den beglückendsten. Wenn das Gespräch mit dem Vertrauten jedesmal sich unwillkürlich als Pointenfeuerwerk entwickelt, in… Weiterlesen

12.01.2020 - Schönheit

In jedem Schönem ist ein Versprechen versteckt auf mehr als den kunstvollen Genuss. Es lockt den Betrachter aus der Rolle des Beobachters heraus. Verführt zum Anfassen hält er dann nicht… Weiterlesen

11.01.2020 - Paradiesvögel

„Eine Frage: Sind Sie religiös?“ überrumpelte die Dame den Passanten, der an der Fußgängerampel stehengeblieben war. Das Paar, das an der Häuserecke seine frommen Blätter seit Stunden feilbot, hatte den… Weiterlesen

10.01.2020 - Verzögerungen im Betriebsablauf

Der Gast hört die schneidende Stimme des Zugbegleiters schon von weitem durch das langgezogene Abteil drohend dringen: „Zugestiegene, die Fahrscheine“. Ihn kümmert es noch nicht, weil er vertieft ist in… Weiterlesen

09.01.2020 - Tabula rasa

Jene, die an ein Tabu rühren, um die Belastbarkeit ungeschriebener Gesetze zu prüfen, sei es aus Lust an der Provokation oder in bester aufklärerischer Absicht, verkennen, dass das, was sie… Weiterlesen

08.01.2020 - In der Vorhölle der guten Vorsätze

Eine Woche guter Vorsätze, die zu Jahresbeginn Katerstimmung gar nicht erst aufkommen ließen, zeigt vornehmlich, dass die meisten Ansätze, das Leben in einigen Aspekten radikal umzugestalten, sich schon heimlich verbündet… Weiterlesen

07.01.2020 - Immobilienboom

Früher war die Hausbank die erste Adresse, an die sich wandte, wer finanziell in Not geraten war. Seit der Finanzkrise ist die Hausbank jenes Institut, das einem die Immobilie verkauft,… Weiterlesen

06.01.2020 - Ein freier Wunsch

Nicht selten erfährt man erst durch die Erfüllung, wie blödsinnig der Wunsch gewesen ist, den man als stille Sehnsucht lang mit sich getragen hat.

05.01.2020 - Anspruchslos durch den Tag

Wem das Leben zu kompliziert ist, der muss nur auf seine Erwartungen verzichten. Dann wird es einfach, weil es aufhört, das eigene zu sein.

04.01.2020 - Ziffern und Zahlen

Jedes Preisschild, jede Größenangabe, jede Berechnung und Bezifferung verändert das Wesen einer Sache oder Person. Messen ist kein folgenloser Akt. Was einen Rang bekommen hat, ein Gewicht, nach einem Marktwert… Weiterlesen

03.01.2020 - Regelwut

Die Zahl der geschriebenen Gesetze ergibt eine genaue Anschauung vom Maß des Misstrauens, das der Staat seinen Bürgern gegenüber hegt. Es gehört zu den fatalen Folgen engmaschiger Kontrolle, dass die… Weiterlesen

erstellt am 03.2.2017

Kolumne

NOTIZEN von Jürgen Werner

In der Kolumne NOTIZEN schreibt der Philosoph Jürgen Werner täglich Gedankensplitter nieder, nicht auf Papier, aber in seinem Blog. Faust-Kultur gibt sie regelmäßig in Auszügen wieder. Die Kurzform ist die Kunst derer, die keine Zeit haben. Aber auch das Maß der Verdichtung, das ein Gedanke oder eine Beobachtung verträgt. So mag sich später entscheiden, ob der rasch skizzierte Satz nach einer Auslegung verlangt, die beiläufige Bemerkung vertieft werden will. Notizen sind unentschlossen. Am meisten faszinieren sie, wenn der Zufallsfund genau konstruiert ist und die knappe Art aussieht, als sei alles gesagt. Von Jürgen Werner ist jüngst im Frankfurter Verlag tertium datur das Buch »Tagesrationen. Ein Alphabet des Lebens« erschienen, ein Band, der mit erhellenden Reflexionen und aphoristischen Pointen dem Selbstverstehen des Menschen den Weg bereitet. (Texte © Jürgen Werner)