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10.12.2019 - Die Kraft des Widerwillens

In allen Bühnenberufen, der Schauspielerei, dem Fußball, dem öffentlichen Denken, dem Musiktheater, der Moderation oder Beratung, bildet die Unlust einen unterschätzten Antrieb. Nicht selten tritt jemand widerwillig auf, und ist… Weiterlesen

09.12.2019 - Lebensglück

Man kann genügend Glück im Leben haben, und das Leben als Glück nicht empfinden. Umgekehrt: Wer das Leben als Glück ansieht, wird sich um das Glück im Leben wenig sorgen.

08.12.2019 - Stress

„Es eilt!“ Stimmt. Aber für wen? „Lass dir Zeit.“ Ok. Aber ich muss sie dir stehlen. „Kein Stress.“ Schade. Ich bin fertig. „Kein Problem.“ Zu dumm. Hätte mich gern erkenntlich… Weiterlesen

07.12.2019 - Himmel und Hölle

Was einige glauben, es geschehe im Himmel, ist in Wahrheit die Hölle: Alle wissen von allen alles. Offenbarung bedeutet nicht radikale Aufklärung, sondern meint den Schutz des Geheimnisses, das jeder… Weiterlesen

06.12.2019 - Bestimmungsaufheller

Definitionen sind kürzeste Erzählungen. In jeder Bestimmung steckt meist mehr als eine Geschichte. Was an den Anfang einer Erörterung gesetzt wird und deren Verlauf genau prägt, zeigt sich, man muss… Weiterlesen

05.12.2019 - Ganz schön dreist

So manche Beleidigung hat nur den einen Zweck: den anderen besser kennenzulernen.

04.12.2019 - Verfallsgeschichten

Ein Glaube, der sich missversteht als höheres Wertesystem, fällt in die Untiefen der Macht: Er urteilt, statt zu versöhnen; er erzieht, statt zu lieben; er herrscht, statt zu warten; er… Weiterlesen

03.12.2019 - Das Recht zur Aufklärung

So mancher scharfe Gestus, der Angelegenheiten unklar nennt und Geheimnisse dunkel, droht zugleich mit lückenloser Aufklärung. Und sieht sich im Recht, weil im Licht der Wahrheit. Als ob jeder, der… Weiterlesen

02.12.2019 - Sklerotische Gesellschaft

Der Bürokrat ist die extreme Gegenvorstellung zum Genie. Frei von Würfen und Entwürfen, Wildheit und Wahn, sondern gewohnt, seine Lebensordnung über die Unterordnung zu gewinnen, sieht er, selber überraschend an… Weiterlesen

01.12.2019 - Ja, was nun?

„Können wir uns nicht duzen?“ „Herzlich gern können Sie mich duzen, wenn ich dich weiter siezen darf.“

30.11.2019 - Verdacht und Wahrheit

Verdächtigt zu werden ist anstrengend. Es zwingt nicht nur in die schweren Mühen der Beweislast, aus der zu befreien allenfalls über ein Angebot gelingt, das Einblick in die Fakten gewährt.… Weiterlesen

29.11.2019 - Captatio benevolentiae

Eine alte Auftrittsregel lautet, man solle das Publikum nicht beschimpfen, dessen Applaus man noch genießen will. Was Harry Rowohlt mal die „Anschleimphase“ genannt hat, die ersten schmeichelhaften Sätze an die… Weiterlesen

28.11.2019 - Halbzeitbilanz

Es wäre viel gewonnen, wenn die üblichen Usancen in den Parlamentsdebatten umgedreht würden, so dass nicht mehr Selbstlob und Generalabrechnung einander gegenüberstehen, sondern die Regierung gezwungen wäre, ihr schärfster Kritiker… Weiterlesen

27.11.2019 - Ergebnisoffen

Was lässt sich denn über ein Gespräch am Anfang ernsthaft Triftigeres sagen, als dass es ergebnisoffen sei? Die Unterredungen, denen das Attribut betont beigelegt wird, heißen aber weniger so, weil… Weiterlesen

26.11.2019 - Schöne neue Welt

Die Dystopien der Gegenwart, jene Untergangsszenarien und Verfallsgeschichten, in denen die Welt ungehemmt ihrem Ende zusteuert, unterscheiden sich von den modernen Utopien, den Vorstellungen von Fortschrittssegnungen und Innovationskraft, weniger, als… Weiterlesen

25.11.2019 - Konversationsfaulheit

Gelegentlich gerät man in eine Gesprächsrunde, der ein unbekannter Gast mit Namen vorgestellt wird und dann seinem Schicksal überlassen. Der arme Kerl muss sich nun behaupten im Reigen der Anspielungen… Weiterlesen

24.11.2019 - Mein Lieber

In der Anrede, die den digitalen Formen des Briefersatzes vorangestellt ist, finden sich kaum noch die beiden überkommenen „Lieber Herr …“ oder „Sehr geehrter Herr …“, je nach den Graden… Weiterlesen

23.11.2019 - Selbstmissverständnis

So holprig das Wort über die Lippen kommt, so sperrig ist der Begriff der Authentizität. Was soll das sein, die unverfälschte Übereinstimmung mit sich selbst, wenn dieses „Selbst“ kaum als… Weiterlesen

22.11.2019 - Ertränkt vom Dank

Nirgendwo ist die maßvolle Bestimmung so schwierig wie beim Dank. Entweder reicht das kurz erwiderte Wort der Erkenntlichkeit nicht annähernd aus, um der besonders gewährten Leistung zu entsprechen. Oder die… Weiterlesen

21.11.2019 - Lippen lesen

Der Fahrgast, kaum dass er seinen Sitzplatz eingenommen hat, befreit das frisch gekaufte Buch von der Folie und schlägt es auf. Schon beim Lesen der ersten Sätze hellt sich sein… Weiterlesen

20.11.2019 - Nichts zu verlieren

Es kann gelegentlich sinnvoll sein, sich auf dem Karriereweg in streitigen Dingen geschmeidig zurückzuhalten und nicht anzuecken. Die Einübung in diese Art der Urteilsabstinenz scheint bei allzu vielen allerdings so… Weiterlesen

19.11.2019 - Trauen und Trauern

„Zum Glück“, sagte die Gastwirtin erleichtert. „Ich hatte schon gedacht, Sie wollten für eine Trauergemeinschaft reservieren, die sich nach der Beerdigung trifft. Ich habe nämlich zur selben Zeit eine Hochzeitsgesellschaft… Weiterlesen

18.11.2019 - Freiheit der Kunst

Als am 24. Januar 1975, eine Stunde vor Mitternacht, sich der Pianist Keith Jarrett an sein Instrument setzte, von dem er gelegentlich sagte, dass er es hasse, entstand eines der… Weiterlesen

17.11.2019 - Pöbelpolitik

Schlechtes Benehmen hat immer den Vorteil der Überrumpelung. Bis sich Widerstand und Widerworte jenseits der unmittelbaren Empörung gebildet haben, die nicht mit gleicher Münze heimzahlen, sondern fein austariert antworten, hat… Weiterlesen

erstellt am 03.2.2017

Kolumne

NOTIZEN von Jürgen Werner

In der Kolumne NOTIZEN schreibt der Philosoph Jürgen Werner täglich Gedankensplitter nieder, nicht auf Papier, aber in seinem Blog. Faust-Kultur gibt sie regelmäßig in Auszügen wieder. Die Kurzform ist die Kunst derer, die keine Zeit haben. Aber auch das Maß der Verdichtung, das ein Gedanke oder eine Beobachtung verträgt. So mag sich später entscheiden, ob der rasch skizzierte Satz nach einer Auslegung verlangt, die beiläufige Bemerkung vertieft werden will. Notizen sind unentschlossen. Am meisten faszinieren sie, wenn der Zufallsfund genau konstruiert ist und die knappe Art aussieht, als sei alles gesagt. Von Jürgen Werner ist jüngst im Frankfurter Verlag tertium datur das Buch »Tagesrationen. Ein Alphabet des Lebens« erschienen, ein Band, der mit erhellenden Reflexionen und aphoristischen Pointen dem Selbstverstehen des Menschen den Weg bereitet. (Texte © Jürgen Werner)