18.02.2019 - Weltunordnung

Im Sprachspiel der Doppelkonjunktionen lässt sich die Entwicklung der politischen Welt in den Jahren seit dem Ende des Kalten Kriegs über die Globalisierungseuphorie hin zu einer neuen Fragilität des Friedens… Weiterlesen

17.02.2019 - Im Gespräch sein, im Gespräch bleiben

Nirgendwo ist das Denken dem Unternehmertum ähnlicher als im Dialog. Er beginnt mit einer Unterscheidung, dem Willen, eine Sache anders zu machen, der den Grund abgibt dafür, dass man miteinander… Weiterlesen

16.02.2019 - Fehlhaltung

Die edelsten Haltungen degenerieren zu Starrsinn und Prinzipienreiterei, wenn sie sich nicht immer wieder bewähren im Wandel des Lebens, der Strategien, des sozialen Umfelds. Aber taugen sie dann noch als… Weiterlesen

15.02.2019 - Besitzstand

Die Rolle des Possessivpronomens, das aus früher schulischer Kunde noch als besitzanzeigendes Fürwort im Gedächtnis ist, beschränkt sich in der Anrede auf eine Art Koordinatensystem im Beziehungsfeld. „Mein lieber Freund“, „meine… Weiterlesen

14.02.2019 - Bewusstseinsvergessenheit

Als ob man auf die unvermittelt gestellte Frage: Was denkst du? immer gleich eine Antwort parat haben müsste, wenn man sie überhaupt geben wollte. Sie unterstellt, dass das Denken sich… Weiterlesen

13.02.2019 - Hochbegabt

Seltsam, dass die höchsten Begabungen des Menschseins alle einhergehen mit einer größeren Verletzbarkeit: die Liebe und die Intelligenz, das Einfühlen und Mitdenken. Als ob mit der Furcht, verwundet zu werden… Weiterlesen

12.02.2019 - Ermöglicher sein

An den ehemaligen Präfekten des Erzbischöflichen Konvikts in Konstanz – Martin Heidegger war dort einige Jahre zur Schule gegangen – schreibt der Philosoph, der gerade sein Hauptwerk „Sein und Zeit“… Weiterlesen

11.02.2019 - Applaus-Banausen

In den Gotteshäusern, kaum dass der diensthabende Organist den Schlussakkord der Bach-Toccata angespielt hat, setzt der Applaus der Gemeinde ein, den sie aus dem Konzerthaus übernommen hat: genauso indiskret, leicht… Weiterlesen

10.02.2019 - Farbe bekennen

Das Bildwort „Farbe bekennen“, das den Mut anschaulich machen soll, zu den eigenen Überzeugungen zu stehen und sie öffentlich zu rechtfertigen, ist dem Unbewussten und Ungelenkten viel näher als einem… Weiterlesen

09.02.2019 - Mehr Nähe

Drei Wochen Abwesenheit vom Schreibtisch, und der Postberg, der sich in der Zwischenzeit aufgebaut hat, droht über Manuskripte und Notizzettel zu stürzen. Es sind nicht die Rechnungen, die aufgelaufen sind,… Weiterlesen

08.02.2019 - Ich bin fertig

Für jeden lebendigen Geist hat die Vorstellung, mit einer Sache fertig zu sein, etwas Gewaltsames. Es gibt kein Ende außer in der allgemeinen Annahme, dass nichts ewig dauert. Von Fall… Weiterlesen

07.02.2019 - To do-Listen

Das Unmaß der kleinen Helferlein, die als Applikationen für das Telefon sich anbieten, den Tag besser, effizienter, schneller, übersichtlicher, anschaulicher, genauer, fordernder, konsequenter zu organisieren, spricht nicht vom Erfolg solcher… Weiterlesen

06.02.2019 - Der Graben der Vernunft

Er hielt jedes tiefere Problem, sobald er den Mut gefunden hatte, es auszusprechen, auch schon für gelöst. Sie hingegen fand, dass die verschwiegensten Gedanken, sobald sie in Worte gekleidet zwischen… Weiterlesen

05.02.2019 - Zur Kenntnis

Wahre Macht zeigt sich an Ignoranz. Sie entscheidet, was sie zu ihrer Kenntnis nimmt, und kann ungestraft, auch auf öffentliche Anklagen, einfach nicht reagieren.

04.02.2019 - Falsche Gesellschaft

Der kleine Unterschied eines Umlauts zwischen Belustigung und Belästigung markiert das sicherste Indiz, in falscher Gesellschaft zu sein. Nie fühlt man sich fremder als im Kreis von heiter gestimmten Menschen,… Weiterlesen

03.02.2019 - Sprachgewalt

Wer immer wieder sich durch Worte bedroht und angegriffen fühlt, hat noch nicht erlebt, wie groß die Bedrohung und wie heftig der Angrifff sein kann, wenn die Worte fehlen.

02.02.2019 - Wohlfühlwort

Es gibt ein politisches Interesse, nicht genau sagen zu müssen, welche Gesellschaftsvorstellungen sich hinter der Formel von der sozialen Gerechtigkeit verbergen. In dem Maße, wie das unklar bleibt, klingt die… Weiterlesen

01.02.2019 - Verhandlungssicher

Die sicherste Methode, in Verhandlungen am Ende zu unterliegen, ist, unbedingt siegen zu wollen. Wer um jeden Preis gewinnen will, zahlt ihn auch. Sich vom Triumph abhängig zu machen, nimmt… Weiterlesen

31.01.2019 - Zuvielstimmigkeit

Das ist noch immer die Alltagserfahrung einer reifen Demokratie, dass im Bemühen, die Vielstimmigkeit eines Volks zu vereinen, vor allem dessen innere Vielheit und Gespaltenheit sichtbar wird, je stimmiger Entscheidungen… Weiterlesen

30.01.2019 - Scheidungsrichter

So mancher Trennungsprozess, der sich über viele Jahre hinzieht und begleitet ist von schwergewichtigen Vorwürfen und abgrundtiefen Zerwürfnissen, kurz aufflackernden Zeichen der Versöhnung oder maßlosen Nachforderungen an Ansprüchen, entpuppt sich,… Weiterlesen

29.01.2019 - Konfliktlogik

In jedem Konflikt verbirgt sich für den, der die Ruhe behält und genau hinschaut, auch die Einsicht, dass das Leben allenfalls einer höheren Logik folgt (wenn es sich denn logisch… Weiterlesen

28.01.2019 - Warum Manager Rhetorik lernen

Nicht selten ist der Anlass eines Managers, sich in der Kunst der Beredsamkeit zu üben sein Wunsch, die eigene Entscheidungsschwäche geschickt zu kaschieren.

27.01.2019 - Vertrautes Gespräch über Nichts

Dialogfetzen aus dem noch ungeschriebenen Roman Sie: „Ich habe keine Geheimnisse vor dir. Echt.“ Er: „Ok. Dann erzähle mir. Alles.“ Sie: „Wie jetzt? Wüsste gar nicht, wo ich anfangen sollte.“… Weiterlesen

26.01.2019 - Undemokratisch

Das ist ein wesentliches Kennzeichen von Qualität, dass sie nicht danach strebt, mehrheitsfähig zu sein. Schön und gut, wenn ihr viele beistimmen; aber sie wird weder schön noch gut dadurch,… Weiterlesen

erstellt am 03.2.2017

Kolumne

NOTIZEN von Jürgen Werner

In der Kolumne NOTIZEN schreibt der Philosoph Jürgen Werner täglich Gedankensplitter nieder, nicht auf Papier, aber in seinem Blog. Faust-Kultur gibt sie regelmäßig in Auszügen wieder. Die Kurzform ist die Kunst derer, die keine Zeit haben. Aber auch das Maß der Verdichtung, das ein Gedanke oder eine Beobachtung verträgt. So mag sich später entscheiden, ob der rasch skizzierte Satz nach einer Auslegung verlangt, die beiläufige Bemerkung vertieft werden will. Notizen sind unentschlossen. Am meisten faszinieren sie, wenn der Zufallsfund genau konstruiert ist und die knappe Art aussieht, als sei alles gesagt. Von Jürgen Werner ist jüngst im Frankfurter Verlag tertium datur das Buch »Tagesrationen. Ein Alphabet des Lebens« erschienen, ein Band, der mit erhellenden Reflexionen und aphoristischen Pointen dem Selbstverstehen des Menschen den Weg bereitet. (Texte © Jürgen Werner)