21.08.2018 - Menschen im Café

Er saß im schönsten Art déco-Kaffeehaus der Stadt, stilecht auf einem der harten Bugholz-Stühle seinem Gesprächspartner zugewandt. Immer wieder aber irrten seine Blicke ab, magisch angezogen von einem Pärchen, das… Weiterlesen

20.08.2018 - Das öffentliche Hinterzimmer

Der Populismus schielt auf die Mehrheit; die Demokratie schützt die Minderheit in einer Gesellschaft. Er will die die Masse erreichen; sie sucht das Individuum zu überzeugen. Hier wird mit der… Weiterlesen

19.08.2018 - Stimmigkeit

Die öffentliche Ignoranz der Konsistenz („Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?“), indem Widersprüchliches für stimmig erklärt und die Lüge zur Wahrheit erhoben wird, indem schwerwiegende Unterschiede seelenruhig eingeebnet werden… Weiterlesen

18.08.2018 - Person und Funktion

Auch im Privaten, nicht nur im Professionellen, übernimmt eine Person im Verhältnis zu einer anderen eine Reihe von Funktionen. Freundschafts- oder Liebesbeziehungen sind nie frei von Zwecken. Es gehört zum… Weiterlesen

17.08.2018 - Alleinherrschaft

Diktaturen scheitern nicht politisch, sondern wirtschaftlich oder militärisch.

16.08.2018 - Das Glück der Rede

„Das Glück in der öffentlichen Rede erlebt der Redner in dem Maße, wie es ihm gelingt, sich im Sprechen zu vergessen und mit dem Publikum ein Spiel zu spielen.“ –… Weiterlesen

16.08.2018 - Der Zweck des Optimismus

Es ist von der Natur schon wohleingerichtet, dass der nachhaltigeren Erfolg hat, der im Kleinen Großes entdeckt, als jener andere, der dem Großen stets kleinlich begegnet. Im Grunde ist diese… Weiterlesen

15.08.2018 - Herzrasen

Panik: jene Angst, die so viel Stress hat, dass sie keine Zeit für sich findet.

14.08.2018 - Weltenbrand

Es gibt Menschen, denen von innen her so kalt ist, dass es schon eines Weltenbrands bedürfte, sie zu wärmen. Gefährlich, wenn sie Macht haben, ein solches Großfeuer zu entzünden. Man… Weiterlesen

13.08.2018 - Insektenkunde

Weniger an der Körpergröße noch am vielzähligen Gebrauch des Stachels lassen sich Taillenwespen unmittelbar unterscheiden von jenen Flüglern, die bestäuben und sammeln, sich indes auch in Staaten organisieren wie die… Weiterlesen

12.08.2018 - Theoretisch gesehen

Jede gute Theorie entsteht aus dem Bedürfnis, schärfer zu sehen als andere, und überrascht im Maße ihrer Faszination mit der nüchternen Entdeckung, nun weniger zu sehen als andere. Denken bewegt… Weiterlesen

11.08.2018 - Bahnchaos

Im überfüllten Zug findet der Passagier keinen Sitzplatz. Die Gänge sind vollgestellt mit Koffern, Taschen, Beuteln; es ist kein Vorankommen. Nur zwischen den Wagons, an der Tür, wo die Luft… Weiterlesen

10.08.2018 - Hindernisrennen

In jeder guten Beziehung ist der Partner zugleich Entwicklung wie Behinderung. Die Art, wie mit der Lebenseinschränkung durch den anderen umgegangen wird, gibt zuverlässig Auskunft über den Ernst und die… Weiterlesen

09.08.2018 - Not-Wendigkeit

Not macht nicht erfinderisch, sondern ist jener Zustand, in dem einem nichts mehr einfällt.

08.08.2018 - Flüssig bleiben

Gespräche, bei denen zu trinken angeboten wird, kommen tatsächlich flüssiger voran. Das liegt aber nicht am Tee oder dem Cocktail, sondern schlicht an der Gelegenheit, Pausen im Reden einlegen zu… Weiterlesen

07.08.2018 - Lebenskonflikte

Muss das sein, dass nicht sein darf, was sein will, obwohl sein könnte, was sein soll? Darf sein, was sein soll, wenn nicht sein will, was sein müsste, um zu… Weiterlesen

06.08.2018 - Kunstgriff des Schönen

Um nicht zum Objekt der Begierde oder des Neids zu werden, sucht vieles, was auffällig schön ist, sich künstlich hässlich zu machen. Es ist eine der traurigsten Begleiterscheinungen des Außergwöhnlichen,… Weiterlesen

05.08.2018 - So kann man das auch sehen

„Sie haben meinen Horizont erweitert.“ Was so unsinnig ist, wie es dankbar ausgesprochen wird – Horizonte lassen sich nie dehnen, sie sind die Sichtgrenzen von Perspektiven –, hinterlässt nur eine… Weiterlesen

04.08.2018 - It’s Party Time

Party: ein Abend, an dem die Tischgespräche über die bemüht originellen Antworten nicht hinauskommen, die man einander auf die unoriginelle Frage gibt, was der andere so mache („… beruflich, meine… Weiterlesen

03.08.2018 - Ohne Moral

Das ist meist die Armut einer Moral: dass sie nichts anderes versucht, als das Unmoralische zu hemmen. Anstatt sich selber aus einer Haltung abzuleiten und zu einer Handlung zu entwickeln.… Weiterlesen

02.08.2018 - Was die Welt zusammenhält

Was die Welt im Innersten zusammenhält: Äußerlichkeiten. Aber es sind nicht die Gesetze, Regeln, Abläufe oder Strukturen, die Floskeln der Höflichkeit, die Achtung der Hierarchien, das ordentliche und pünktliche Nebeneinander,… Weiterlesen

01.08.2018 - Landschaftskunde

Diese Landschaft hat ein Gesicht; sein Gesicht ist wie eine Landschaft: Was haben beide metaphorisch gemein? Landschaft und Gesicht sprechen nur deswegen eine Sprache, weil man sich in ihnen aufhalten… Weiterlesen

31.07.2018 - Zu romantisch

Jede Romantik geht zugrunde an ihrer eigenen Übertreibung. Sie endet als klebrige Nostalgie, als süßer Kitsch, als frommer Wunsch, nicht zuletzt als ideologischer Terror.

30.07.2018 - Prüfungsgespräch

„Das ist ja trivial.“ „So? Dann geben Sie mir doch mal die ungewöhnliche Erklärung für das Gewöhnliche.“ „Äh, das verstehe ich jetzt nicht.“ „Na, das Wort trivial steht für ,gewöhnlich’ und stammt… Weiterlesen

erstellt am 03.2.2017

Kolumne

NOTIZEN von Jürgen Werner

In der Kolumne NOTIZEN schreibt der Philosoph Jürgen Werner täglich Gedankensplitter nieder, nicht auf Papier, aber in seinem Blog. Faust-Kultur gibt sie regelmäßig in Auszügen wieder. Die Kurzform ist die Kunst derer, die keine Zeit haben. Aber auch das Maß der Verdichtung, das ein Gedanke oder eine Beobachtung verträgt. So mag sich später entscheiden, ob der rasch skizzierte Satz nach einer Auslegung verlangt, die beiläufige Bemerkung vertieft werden will. Notizen sind unentschlossen. Am meisten faszinieren sie, wenn der Zufallsfund genau konstruiert ist und die knappe Art aussieht, als sei alles gesagt. Von Jürgen Werner ist jüngst im Frankfurter Verlag tertium datur das Buch »Tagesrationen. Ein Alphabet des Lebens« erschienen, ein Band, der mit erhellenden Reflexionen und aphoristischen Pointen dem Selbstverstehen des Menschen den Weg bereitet. (Texte © Jürgen Werner)