Maria Haesele hat einige Dutzend im Wortsinn wunderbare Geschichten zusammengetragen und in einem Buch veröffentlicht: „Eucharistische Wunder aus aller Welt“. Die fromme Dame will den Lesern zeigen: „Christus lebt. Er gibt uns ständig neue Zeichen seiner unbegreiflichen Liebe und Gegenwart.“ Martin Lüdke hat das Buch gelesen.

Lüdkes liederliche Liste

Maria Haesele: Eucharistische Wunder aus aller Welt

Diese, man darf hoffentlich sagen: Anthologie (man muss nämlich von einer „Blütenlese“ sprechen), also diese Anthologie enthält, im Wortsinn, wunderbare Geschichten. Allerdings sollte man sie auch glauben, um ihr ‚Wunderbares’ zu erhalten.

So hat sich beispielsweise am 25. Juli 1516 dem greisen Pfarrherrn von Rellinghausen bei Köln ein schreckliches Bild gezeigt. Das Tabernakel in seiner Kirche war aufgebrochen, die geweihten Gefäße samt den heiligen Hostien waren geraubt. Dazu sollte man wissen, dass in der Katholischen Kirche die heilige Eucharistie, will heißen „Christi Realpräsenz im Altarssakrament“, als größtes Wunder gilt. Christus, so wird angenommen, sei „in der Hostie wahrhaft und wirklich gegenwärtig, mit Fleisch und Blut, mit Gottheit und Menschheit“. Gar nicht auszudenken, dass es Mäuse in der Kirche geben könnte, die den leib des Herren verzehren und sich an seinem Blut berauschen.

Zurück zu unserem greisen Pfarrherrn. Seine Betrübnis war grenzenlos. Eilends trommelte er seine Schäfchen zusammen. Betend und weinend bat die Gemeinde ihren Herrgott um Verzeihung und erflehte ein Zeichen, um das gestohlene Gut alsbald in die Kirche zurückführen zu können. Und, welch ein Wunder, das Gebet fand Gehör. Tags drauf kam ein junger Schäfer ins Dorf gerannt und kündete den versammelten Leuten, dass sich seine gesamte Herde um ein kleines Gebüsch herum auf die Knie niedergelassen hatte. In dem Gebüsch lagen die heiligen Hostien. Der „gottlose Dieb“ hatte sie dort hineingeworfen. „Sogleich folgte der Pfarrherr mit allem Volke dem Hirtenbuben hinaus auf die Wiese, wo die Schäflein noch immer ehrfürchtig ihren“, ja, so heißt es tatsächlich, „ihren Schöpfer umringten.“

Um die Creutzfeldt-Jakobsche Krankheit, etwas schlichter auch Rinderwahnsinn genannt, kann es sich natürlich nicht gehandelt haben. Denn es waren Schafe, die in die Knie gegangen sind.

Das ist, zugegeben, lange her. Vor guten fünfzig Jahren hingegen besuchte ein, wie es heißt, „kommunistischer Soldat“ das chinesisches Kloster von Bui-Chui. Eine Nonne bat ihn in dieser „Wohnstätte Gottes“ um entsprechende Ehrfurcht. Der Soldat verlangte hingegen: „Zeige mir, wo sich Gott befindet!“ Die arglose Nonne zeigte auf das Tabernakel. Der Soldat nahm nun sein Gewehr und schoss. Die Kugel durchschlug das Tabernakel, das Ziborium zerbrach, die heiligen Hostien fielen heraus. Und, um es kurz zu machen, der, wohlgemerkt „kommunistische“, Soldat fiel tot um. Aus einem Dekret des „Hl. Papstes Pius X.“ wird noch folgendes Zitat beigefügt:

„Es ist das heiße Verlangen Jesu und der Kirche, dass die Gläubigen täglich zum heiligen Gastmahl hinzutreten.“ „Aus dieser sakramentalen Verbundenheit sollen sie Kraft schöpfen, um ihr Triebleben in Zucht zu halten.“ (Dazu kann Wein, das Blut des Herrn, in größeren Mengen genossen, tatsächlich einiges beitragen.)

Die Zürcher Sekundarschullehrerin Dr. Maria Haesele hat diese beiden Geschichten und noch einige Dutzend mehr zusammengetragen, „sorgfältig recherchiert“, und in diesem Buch veröffentlicht. Gewiss nicht zu unserem Vergnügen, doch sicher zu unserer Erbauung. Die fromme Dame will uns zeigen, ich fürchte tatsächlich, sie will uns beweisen: „Christus lebt: Er gibt uns ständig neue Zeichen seiner unbegreiflichen Liebe und Gegenwart. Dieses Buch“, so sagt sie nämlich weiter, sei „ein Beweis dafür, wie er die Seinen liebt, wie er im Sakrament seiner unendlichen Liebe bei uns bleibt alle Tage bis ans Ende der Welt.“

Wie gesagt, es sind buchstäblich wunderbare Geschichten. Man kann sie glauben. Der hier unternommene Versuch, zu beweisen, was sich nur glauben lässt, macht dieses Buch allerdings zu einem wahrhaft gottvollen Geschenk für alle Menschen, denen wir durch diese „Anthologie“, also durch die Blume stecken wollen, dass wir sie zu den Armen im Geiste zählen und dem Himmelreich anheimstellen.

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erstellt am 12.9.2016

Maria Haesele
Eucharistische Wunder aus aller Welt
Broschiert, 254 Seiten, zahlreiche Abb.
ISBN-13: 9783717106456
Christiana Verlag, Kißlegg 2016

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