Auch für 2017 hat der Insel Verlag einen Kalender mit Gedanken, Geschichten und Gedichten Hermann Hesses zusammengestellt. Eine tragische Grundstimmung wird darin angeschlagen, immer wieder zur vollen Tragik entfaltet, ohne die unfreiwillige Komik dabei zu unterschlagen, berichtet Martin Lüdke.

Lüdkes liederliche Liste

Hermann Hesse. Kalender für das Jahr 2017

Der Sommer, der noch nicht so recht angefangen hat, geht langsam schon zu Ende. Das heißt, verlagstechnisch gesprochen, die neuen Kalender für das neue Jahr 2017 kommen. Sicher gilt dabei der alte Kalenderspruch: Nicht alles ist Gold, was glänzt. Aber goldiger Glanz ist dem uns seit langen Jahren vertrauten Hermann-Hesse-Kalender wahrlich nicht abzusprechen.

Zugegeben: Geschmacksache. Aber es gibt sie noch, die Hermann-Hesse-Verehrer, die schon bei dem Betrachten der zart/gefälligen Pastellfarben von Hesses alpinen Aquarellen matt feuchten Glanz in die Augen bekommen. Alles echt hübsch, wie auch die Texte, die Volker Michels, der Großmeister aller Hesse-Editionen, im vollen Bewusstsein der Erwartungen seiner Konsumenten, hier wieder zusammengestellt hat. Eine leicht tragische Grundstimmung wird angeschlagen, immer mal wieder zur vollen Tragik entfaltet, ohne die sicher unfreiwillige Komik dabei völlig zu unterschlagen.

„Daß ich so oft mit leisem Leid
Durch die begrünten Äcker gehe
Und in den Lüften hoch und weit
Die hellen Wolken fahren sehe“.

Das leise Leid, so wusste Hesse sehr wohl, lässt sich locker steigern:

„Auf den Tod eines kleinen Kindes
Jetzt bist du schon gegangen, Kind,
Und hast vom Leben nichts erfahren,
Indes in unsern welken Jahren
Wir alten noch gefangen sind.“

Grock, Hesses Mit-Schweizer und zu dessen Zeiten der wohl berühmteste Clown der Welt, hätte hier sicher sein berühmtes „Nit mööööglich“ untergebracht. Dabei ist für Hesse ja noch vieles möglich gewesen. Ich fürchte sogar, er hat, was immer er sagte, vieles davon auch ehrlich gemeint. Im „Tagesbuch eines Entgleisten“, 1922, schrieb er:

„Wie ein Traum fährt mein Leben dahin, und wie ein Maskenfest. Überall Weibergelächter, überall vergessener Wein, hundertfarbig in seltsam zerrissener Schönheit blickt mich das Licht aus all den Scherben an.“

So kommt man mit Hermann Hesse durchs Jahr. Wehmütig beschwingt und traurig gestimmt, sogar mit Zuversicht und mehr noch mit Licht. Der Kalender enthält, neben den bundesdeutschen Schulferien, auch die Todes- und Geburtsdaten von Dichtern und Denkern, am 9. April, meinem Geburtstag etwa, ist auch Charles Baudelaire geboren, 1821, und 1553 schon Francois Rabelais gestorben. Tröstlich, möchte ich meinen.

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erstellt am 21.8.2016

Hermann Hesse
Kalender für das Jahr 2017
Broschiert, 154 Seiten
ISBN-13: 9783458361633
Insel Verlag, Berlin 2016

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