Martin Lüdke hat in seinem Arbeitszimmer, vor den vollen Regalen, stapelweise neue und auch einige alte Bücher deponiert. Eine Möglichkeit, sie abzuarbeiten, bietet diese liederliche Liste mit jeweils neun Titeln. Hier bespricht Lüdke den Michelin Guide 2016 für Großbritannien und Irland.

Lüdkes liederliche Liste

The Michelin Guide 2016 Great Britain & Ireland

Seit einigen Jahren stellt sich, mit zunehmender Dringlichkeit, die schlichte Frage, wozu braucht man heute noch Hotel- und Restaurantführer in Buchform? Sie sind teuer, unvollständig und oft auch noch schwer, Ballast im Gepäck. Denn alles, wirklich ausnahmslos alles, ist im Internet zu finden. Sogar der Guide Michelin hat neuerdings alle seine Informationen, und das übrigens kostenfrei, ins Netz gestellt.

Die Frage lässt sich trotzdem nicht einfach beantworten. Natürlich hat man, vor allem unterwegs und fern jeder Flatrate-Heimat, nicht immer Zugang zum Internet. Zudem bietet das Buch noch andere Vorteile: es ist kompakt. Was man sich im Netz verstreut zusammensuchen muss, ist hier zwischen zwei Deckel gepresst. Auch das hat was!

Der neue Guide Michelin für Großbritannien & Irland bietet kompakte Angaben über 2.300 Restaurants, gut aufgeschlüsselt von den absoluten Spitzenküchen mit entsprechenden Preisen bis zu guten Kneipen mit solider Küche bei annehmbaren Kosten. Knapp 1.800 Hotels sind aufgelistet, über dreihundert neue Häuser wurden aufgenommen. Fast zwölfhundert Seiten, zugegeben nicht ganz billig.

Eine Konsequenz, die der gedruckte Guide Michelin aus der neueren Entwicklung gezogen hat, ist eine deutlich verbesserte, gestraffte Information. Musste man sich noch bis vor wenigen Jahren mit einigen, wenigen, allerdings stets verlässlichen Symbolen bescheiden, ein kleiner roter Schaukelstuhl, in der oberen Leiste eines aufgeführten Hotels angebracht, garantierte zum Beispiel absolute Ruhe und (fast schon) Beschaulichkeit. Heute dagegen findet man zusätzlich knappe, meist informative Beschreibungen der Umgebung, der Art der Einrichtung etc. Ebenso bei den Restaurants, dazu werden Ausrichtung der Küche, Spezialitäten aufgeführt. Sucht man beispielsweise, wie ich kürzlich bei der Planung einer England-Reise, Angaben über Cambridge, so erfährt man – allerdings auch im Netz – dass es dort sowohl ein Ein-Sterne- und sogar ein Zwei-Sterne-Restaurant gibt. Speisekarte und Weinliste sind mit einem Klick verfügbar. Preise, Öffnungszeiten, alles. Eine Reiseplanung, Internetanschluss allerdings vorausgesetzt, lässt sich so von Hause bestens bewerkstelligen. Trotzdem bevorzuge ich immer noch den Führer selbst. Denn er bietet alle die Informationen, die ich brauche auf engem Raum, übersichtlich geordnet, zudem den Kontext. Also etwa die Umgebung, die sich im Internet deutlich mühsamer ermitteln lässt. Besondere Hotels, ausgefallene Restaurants, da helfen die diversen Karten des Guide Michelin sehr viel schneller weiter. Und ein weiterer Vorteil kommt noch hinzu. Das Buch kann man, speziell auf Reisen, immer bei sich haben. Und ist, immer, bestens informiert, auch (ich finde das nützlich) über Einwohnerzahl einer Stadt, Meereshöhe, Entfernung zu Nachbarstädten. Gibt es, beispielsweise, in der Nähe von Newcastle, ein (preiswerteres) Hotel in schöner und ruhiger Umgebung? Ja, aber erst in Warkworth, direkt am Meer, Landhaus-Stil, im „Schatten“ des Schlosses, antik eingerichtet usw., Doppelzimmer ab 95 Pfund. Für solche Funde lohnt der Führer. (Ich versuchte gerade, übers Internet natürlich, zu buchen, leider ausgebucht!) Das Wichtigste aber: die Restaurants. Wenn man verlässlich gut essen gehen möchte, dann kommt man ohne den Guide Michelin wirklich nicht aus. Wir sind nach vielen, vielen Jahren erst zweimal enttäuscht worden. In beiden Fällen war im nächsten Jahr der Stern weg.

Kommentare

Kommentar eintragen









erstellt am 07.7.2016

The Michelin Guide 2016 Great Britain & Ireland
1152 Seiten
ISBN-13: 978-2067202900

Buch bestellen