Martin Lüdke hat in seinem Arbeitszimmer, vor den vollen Regalen, stapelweise neue und auch einige alte Bücher deponiert. Eine Möglichkeit, sie abzuarbeiten, bietet diese liederliche Liste mit jeweils neun Titeln. Hier bespricht Lüdke Bernd Cailloux‘ „Haschischgeschichten“.

Lüdkes liederliche Liste

Bernd Cailloux: Surabaya Gold

Mit seinem Roman „Das Geschäftsjahr 1968/69“, schon der Titel ist das, was Connaisseure eine Petitesse nennen, ist Bernd Calloux ein absoluter Leckerbissen für alle des Lesens kundigen Mitbürger, die zwischen 1919 und 1990 geboren sind, gelungen. Studentenbewegung, Jugendrevolte, politisches Aufbegehren aus der Sicht von fitten Typen beschrieben, die es verstehen, mit Lichtorgeln in den aufkommenden Discos Geschäfte zu machen und gleichwohl die Bewegung voranzubringen. Die jetzt von Cailloux vorgelegten Haschischgeschichten sind in der gleichen Zeit angesiedelt. Die frühen Siebziger Jahre. Haste Haschisch in der Tasche haste immer was zu nasche, sagte man damals in Frankfurt. Cailloux kennt sich bestens aus in dieser Szene. Und so beschreibt er nicht nur die kleinen und großen Abenteuer, die mit der Beschaffung und dem Gebrauch des Krauts einhergehen, sondern die Mentalität einer Generation, die vom politischen Engagement her kam und in der Hippie-Kultur gestrandet ist. Der Joint ist mein Freund. Das kleine Büchlein, stabil und preiswert dazu, liest sich flott und flüssig und eignet sich überdies bestens als Geschenk für all die freundlichen Nachbarn, denen ein leicht süßlicher Geruch auch heute noch sauer aufstößt.

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erstellt am 22.6.2016

Bernd Cailloux
Surabaya Gold – Haschischgeschichten
Gebunden, 139 Seiten
ISBN: 978-3-518-46672-8
Suhrkamp Verlag, Berlin 2016

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