Die neue Reihe „Im Blickwinkel“ nähert sich erklärungsbedürftigen zeitgenössischen Kunstwerken. Diesmal stellt Claudia Olbrych „STEPS“ vor, ein Werk der 1949 geborenen Amerikanerin Kay Rosen.

Im Blickwinkel

Kay Rosen: STEPS

Kay Rosen: STEPS (2013-2016), hier: rote Latexfarbe auf weißer Wand, variable Größe

Kay Rosen: STEPS (2013-2016), hier: rote Latexfarbe auf weißer Wand, variable Größe
Courtesy Philipp Pflug Contemporary, Foto: Wolfgang Günzel

Die amerikanische Konzeptkünstlerin Kay Rosen, Jahrgang 1949, arbeitet mit Sprache und Schrift. Einzelne Buchstaben und Worte werden zerteilt oder in Gruppen kombiniert, gespiegelt, übereinander gelegt, neu geordnet, um Ecken oder in Kurven gelegt, bilden Objekte oder werden als Skulpturen im öffentlichen Raum ausgestellt. Meist einfache Wortgebilde generiert sie dabei zu Zeichen und Bildern voller Assoziationen.

Bei der Wandmalerei „STEPS“ geht die Künstlerin auf spielerische Art und Weise auf die Gegebenheiten des Raumes ein, da sie die Arbeit an prominenter Stelle direkt zwischen dem Eingang zu den Räumen der Frankfurter Galerie Philipp Pflug Contemporary und – noch passender – neben der Treppe ins obere Stockwerk platziert hat. Der Name FRED ASTAIRE ist mit roten Großbuchstaben auf fünf untereinander liegenden Ebenen neu angeordnet worden, so dass nun die Worte RED STAIR zu lesen sind und die übrigen einzelnen Buchstaben am Anfang, in der Mitte und am Ende jeweils isoliert stehen. Durch die Aufteilung von zwei Wörtern in die fünf neuen Wort- bzw. Buchstabengruppen F, RED, A, STAIR, E verlangsamt sich das horizontale Lesen in Leserichtung und leitet den Blick des Betrachter in Form eines Treppenverlaufes von links oben nach rechts unten. Damit wird der performative Charakter der Malerei deutlich. Und gleichzeitig werden durch eine auf den ersten Blick doch so einfache Arbeit beim Betrachter eine Reihe von Assoziationen ausgelöst: So mancher sieht Fred Astaire die imaginäre Treppe stepptanzend herunterkommen, anderen kommt sogar der berühmte amerikanische Feuerwehrmann Red Adair in den Sinn.

Kay Rosen studierte zunächst Sprachwissenschaften, wechselte aber schon bald zur Kunst, weil sich ihrer Meinung nach die interessantesten Dinge über Sprache am besten visualisiert darstellen lassen. Damit eröffnete sich ihr eine Metaebene, mit der sie Sprache auf eine völlig neue Weise erforschen kann. So entwickelte Rosen schon früh ihre eigene Typografie, die sie in den letzten Jahren ausschließlich in unveränderter Form nutzt, und überprüft mit viel Sinn für Humor Wort für Wort auf seine ästhetische Wirkung. Die Anordnung des Textes, das typografische Erscheinungsbild, Klang und Rhythmus von Sprache und ihre spezifischen lexikalischen Strukturen sind die elementare ästhetische Basis ihrer Arbeit. 

Mit dem Besuch der Ausstellung „BAROKEN“ von Kay Rosen kann man sich von der Schönheit und der Poetik ihrer Sprachbilder überzeugen, man sollte sich allerdings beeilen, da sie am 21. Mai 2016 endet. Von der Wandmalerei „STEPS“ wird dann nichts mehr zu sehen sein.

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erstellt am 14.5.2016
aktualisiert am 17.5.2016

Die Reihe Im Blickwinkel nähert sich zeitgenössischen Kunstwerken, die uns in Museen, Kunstvereinen und Galerien begegnen und oft voller Fragen zurücklassen. Die kurzen und präzisen Werkbetrachtungen eröffnen neue Blickwinkel und Denkräume.

Ausstellung

Kay Rosen. BAROKEN

9. April – 21. Mai 2016

Philipp Pflug Contemporary
Berliner Straße 32, 60311 Frankfurt a.M.

Siehe auch:
Kay Rosen