Siebzig druckgraphische Werke des englischen Malers, Kupferstechers und Radierers William Hogarth (1697–1764) sind in der Graphischen Sammlung des Städelschen Kunstinstituts zu sehen. Sie zählen zum alten Bestand der Städelschen Sammlung und werden wegen ihrer hohen Lichtempfindlichkeit nur selten ausgestellt.

Ausstellung in Frankfurt

Der Storyboard-Artist William Hogarth

Szenen des modernen Lebens in einem neuen Medium der Reproduktion

Nur wenige wussten die Übel der Großstadt, die Gefahren der Eitelkeit und die Verlockungen des leichten Lebens so bissig festzuhalten wie der Londoner Maler und Graphiker William Hogarth (1697–1764). Die Fotografie war noch nicht erfunden, London eine Kolonial- und Handelsmetropole mit hungernden Kindern, Kranken und Notleidenden.

William Hogarth bekam die soziale Härte Londons schon als Kind zu spüren. Sein Vater Richard hatte dort ein Kaffeehaus gegründet, in dem nur Latein gesprochen werden sollte. Der Erfolg blieb aus, der Vater verschuldete sich so hoch, dass er samt Familie für mehrere Jahre ins Fleet-Gefängnis wandern musste. Dort begegnete Sohn William schon früh das „wahre“ und heikle Leben, das er später so realitätsnah wiedergeben sollte.

Hogarth erlernte nach der Freilassung das Kupferstich-Handwerk zunächst bei einem Graveur, dann bei dem Hofmaler Sir James Thornhill, er schuf Szenenbilder zur berühmten „Bettleroper“ von John Gay und heiratete heimlich die Tochter seines Lehrers, der ihm später die Türen zur besseren Gesellschaft öffnete. Auch hier erkannte Hogarth Beispiele gesellschaftlicher Doppelmoral. Detailliert spiegelt er in seinem graphischen Werk Missstände wie Trunksucht, Prostitution und Gewalt wider.

Mit „A Harlots Progress“, „Der Weg einer Hure“, dem Schicksal eines armen Mädchens vom Lande in acht Blättern, illustriert er, dass auf Prostitution Diebstahl, Zwangsarbeit, Syphilis und der Tod folgen. Damit gelingt ihm der Durchbruch zum Erfolg. Und er wird über Englands Grenzen hinaus wahrgenommen. Der deutsche Gelehrte und scharfsinnige Aphoristiker Georg Christoph Lichtenberg erläutert dem deutschen Publikum der Goethe-Zeit die Szene, in der die Kupplerin Mother Needham und ein Unbekannter die noch unschuldige Molly Hackabout in London empfangen: „Der Mann da mit einem Fuße im Hofe, mit dem anderen noch im Hause; die linke Hand auf einen Stock gestützt, ist der berüchtigte Obrist Carters. Wer weiß, mit welcher Leichtigkeit Hogarth Gesichter und Formen traf, den muss es freuen, auf diesem Blatt die Physiognomie eines der größten Schurken aufbewahrt zu sehen, den der Grabstichel je verewigt hat.”

Bis zu seinem Tod hat Hogarth sich seiner bisweilen sarkastischen Kritik an den Verhältnissen gewidmet. Nur wenige britische Künstler erlangten im 18. Jahrhundert einen solchen Weltruhm. William Hogarth, der als wichtiger Vorläufer der modernen Karikatur in die Geschichte einging, ist einer von ihnen. Seine Welt ist seine Bühne auf dem Papier. Und da von seiner Bildergeschichte vom gefallenen Mädchen Molly zahllose Raubkopien in Umlauf gekommen waren, forderte Hogarth deren Verbot. So bleibt sein Name auch wegen des sogenannten Hogarth-Acts, des ersten, vom Parlament verabschiedeten Urheberschutzgesetzes, im Gedächtnis.

Die 70 druckgrafischen Werke des englischen Malers, Kupferstechers und Radierers William Hogarth sind bis zum 6. September in der Graphischen Sammlung des Kunstinstituts zu sehen. Sie zählen zum alten Bestand der Städelschen Sammlung und werden wegen ihrer hohen Lichtempfindlichkeit nur selten ausgestellt. Die 200-Jahr-Feier des Städel war Anlass, sie nun hervorzuholen und so berühmte Kupferstichfolgen wie: „A Harlot´s Progress“ („Der Weg einer Dirne“, 1732), „A Rake's Progress“ („ Der Weg eines Liederlichen“, 1735), „Marriage à la mode“ („Die Heirat nach der Mode“, 1745) zu zeigen. Zu sehen sind zudem Charakterstudien, politische „Kommentare“ zum Siebenjährigen Krieg und Reflexion seines künstlerischen Schaffens, die er 1753 in dem Buch „The Analysis of Beauty“ („Die Analyse der Schönheit“) veröffentlicht hat.

erstellt am 12.6.2015

William Hogarth Das lachende Publikum, 1733, Radierung, 18,7 × 17,2 cm, Städel Museum, Frankfurt am Main. Foto: Städel Museum – ARTHOTHEK

Ausstellung in Frankfurt

Laster des Lebens. Druckgraphik von William Hogarth

10. Juni bis 6. September 2015

Kuratorin: Annett Gerlach

Städel Museum

William Hogarth Die Eheschließung, 1745, Radierung und Kupferstich, 38,4 × 46,8 cm (gestochen von G. J.-B. Scotin), Städel Museum, Frankfurt am Main. Foto: Städel Museum – ARTHOTHEK