Maschen der Kunst
Maschen der Kunst

Verdichtungsverdichtung

Die in der Kunst seit der Moderne auftretenden Versuche, bildliche Ereignisverdichtung zu sabotieren, ändern wenig daran, dass jedes Bild im Hinblick auf gestaltete Visualität eine Oase in der Wüste des Nichtbildes ist. Zuweilen verdichten Künstler bereits Verdichtetes nochmals, wie Christian Janecke an diversen Beispielen zeigt.

Maschen der Kunst

Wimmelbildnerei

Als Wimmelbilder kennt man kleinteilige, ereignisüberhäufte Kinderbuchdarstellungen. Künstler nutzen deren Ästhetik zuweilen zwecks Idyllbrechung. Mehrheitlich allerdings wollen sie an den archaisierenden Effekten des Wimmelbildes teilhaben, meint Christian Janecke.

Maschen der Kunst

Traduktionismus

Als Traduktionismus kann man die künstlerische Marotte bezeichnen, um jeden Preis etwas aus dem einen in ein anderes Medium, Material oder auch eine Struktur zu übertragen. Zur Masche wird Traduktionismus dort, wo es um möglichst spektakuläre oder originelle Übersetzungen geht, meint Christian Janecke.

MASCHEN DER KUNST

Skizzismus

Nur im Dschungel eines von Marktgesichtspunkten, Eitelkeiten und Bildungsverzicht durchwirkten Kunstfeldes konnte die Tugend der Sorgfalt in Verruf geraten. Stattdessen wuchert eine Metaphysik des Skizzismus, vor deren Hintergrund jede Ausgestaltung eines Einfalls auf den Vorwurf der Pedanterie gefasst sein muss, meint Christian Janecke.

MASCHEN DER KUNST

Partizipationsfolklore

Partizipation im Kunstfeld hat hat eine Geschichte, die sich von naivster Betrachteranimation bis zum kunstvermittelten Selbstbildungs-Empowerment erstreckt. Letztendlich will sie die Kunst in Belehrung überführen, meint Christian Janecke.

Maschen der Kunst

Modellhaftigkeit

An Modelle abstrakter, struktureller Art denkt man nicht, wenn es um Kunst geht, aber es gibt sie dort durchaus. Warum sind Künstler also bereit, sich auf spröde und formelhafte Bedeutungsmöglichkeiten von Modellen einzulassen? Die meisten Künstler paraphrasieren sie nur oder halten es mit einer bloß modellistischen Attitüde, meint Christian Janecke.

Maschen der Kunst

Kunsthochschulkunst

Jugendkult, verinnerlichtes Scheitern, Akademie-Folklore: Gemeinsam begünstigen diese Zutaten die Herausbildung von Kunsthochschulkunst. Darin findet sich der Galgenhumor und das spröde Understatement jener, die den wirklichen Grund zum Sarkasmus eigentlich noch vor sich haben, meint Christian Janecke.

Maschen der Kunst

Kostpröbchenkunst

Multiples bieten einen meist schmächtigen, aber doch repräsentativen Ausschnitt eines größeren künstlerischen Unikats dar. Hierbei kann man von Kostpröbchenkunst sprechen. Genau genommen handelt es sich dabei um eine Masche nicht so sehr der Kunst, als vielmehr des Marktes, meint Christian Janecke.

MASCHEN DER KUNST

Privatismus

Wenn man zum unmittelbaren Umfeld des Künstlers gehören muss, um all die Signale dekodieren und unerlässliche Details eines Kunstwerks einordnen zu können, dann haben wir es mit Privatismus zu tun. Ohnehin haben in der Kunstwelt argumentative Auseinandersetzungen ausgedient und dem Privaten Platz gemacht, meint Christian Janecke.

Maschen der Kunst

Hängungsmischmasch

Nicht nur der Fotograf Wolfgang Tillmans präsentiert seine Arbeiten in einer zuweilen verstreuten Hängung. Eine solche Anordnung von Bildern ist längst zu einer Masche geworden. Das Hängungsmischmasch taucht häufig dort auf, wo man lieber auf einen Schwarm von Werken oder den Schwarm als das Werk setzt, meint Christian Janecke.

Maschen der Kunst

Mobilitätslook

Seit den 1980er Jahren steht der Einsatz von Containern programmatisch für eine transportable und flexibel einsetzbare Kunst. Allerdings hat sich aus der Vorliebe für Mobilität längst eine Masche der Kunst gebildet, der Mobilitätslook, so Christian Janecke.

MASCHEN DER KUNST

Filmhuberei

Es ist eine eifrige Trittbrettfahrerei am Film bei der Bildenden Kunst klassischen Zuschnitts zu beobachten. Die Kunstszene blickt begehrlich auf dessen Glamour, den Chic, Thrill oder auch das Narrative. Christian Janecke bezeichnet dieses Phänomen als Filmhuberei.

Maschen der Kunst

Eleganzerzwingung

Wenn heute von Eleganz die Rede ist, sind meist besonders gelungene Gebrauchsgegenstände gemeint. In der Kunst hingegen ist das Elegante darstellbar, aber nicht selbst erreichbar. Deshalb kann die Eleganzerzwingung nur ein vergebliches Vorgehen bezeichnen, findet Christian Janecke.

Maschen der Kunst

Amoralismus

Nach Oscar Wilde ist jede Kunst amoralisch, außer jener, die zum Handeln anstacheln, also aufs Ethische hinauswill. So positionieren sich Künstler bis heute gegen jede außerästhetische Konsequenz ihrer Arbeit. Ungeachtet seiner vielfältigen historischen Anbindungen bleibt der Amoralismus jedoch eine Haltung überspielter Resignation, meint Christian Janecke.

Maschen der Kunst

Wortwörtlichkeit

Wortwörtlichkeit als Masche der Kunst errichtet bloß den Anschein des ganz ernst Gemeinten, um just auf diesem Wege in der Banalisierung, der schieren Schildbürgerei oder im Kalauer zu landen. Joseph Beuys hingegen hat es verstanden, statt der kalauernden die bedeutungsschwangere Seite hervorzukehren, meint Christian Janecke.

MASCHEN DER KUNST

Eventualitätenplattform

Ihre große Zeit hatte sie in den 1990er Jahren: Bei der Eventualitätenplattform handelt es sich um eine begrenzte Fläche, bereitgestellt im Museum oder markiert als Areal im öffentlichen Raum für Betrachter alias Nutzer, die sich darauf in irgendeiner Weise ergehen sollen. Christian Janecke stellt diese Masche der Kunst anhand diverser Beispiele vor.

Maschen der Kunst

Irreversibilismus

Allerorten ist in der Moderne eine Mentalität programmatischer Umkehrbarkeit, der Eindämmung des Irreversiblen, anzutreffen. In der Kunst wird sie lustvoll und teils zynisch unterlaufen. Das künstlerische Faible für Unabwendbarkeit ist jedoch in die Jahre gekommen, meint Christian Janecke. Es sei zu einer Masche geworden, dem Irreversibilismus.

Maschen der Kunst

Beiläufigkeitskultivierung

Die in der zeitgenössischen Kunst herrschenden Routinen – ihre Maschen – sind Thema einer neuen Reihe des Kunsthistorikers Christian Janecke. Zum Auftakt diskutiert Janecke die Beiläufigkeitskultivierung: den Wunsch, nicht gesehen zu werden.

erstellt am 02.10.2014