das halbe wort

Jan Skudlarek

2011 hatte ich die Ehre, Teil der Publikums-Jury der taz beim Open Mike zu sein. Es war mein erster Open Mike, und ich war etwas überfordert mit dieser geballten Ladung an Lesungen, gefühlte hundert waren es. Gerade bei diesen sehr dichten Texten der Lyriker*innen, Tristan Marquardt war zum Beispiel dabei, Charlotte Warsen ebenso. Und Jan Skudlarek, zum zweiten Mal. Als er an der Reihe war, stand die Luft bereits, Menschen gähnten. Ich konnte mich kaum noch konzentrieren. Und dann wurde ich überrascht. Da saß ein Lyriker, der seine Verse auswendig rezitierte, mit fast geschlossenen Augen – wie religiöse Juden bei der Thora-Lektüre – so zumindest erschien mir das. Es war eine komplizierte Sprache, sie klang mathematisch, sie klang für mich so, als gäbe es keinen Zufall, als wären alle Worte so gesetzt, wie sie gesetzt werden MÜSSEN. Eines dieser Gedichte, so meine ich mich zu erinnern, war „als karnivorer winter“. Schon damals dachte ich: Das klingt so technisch. So könnte ich mich nie ausdrücken. Ist er Mathematiker? Ist er Ingenieur? Jan Skudlareks Gedichte klingen technisch, clean. Und doch spüre ich die psychischen Abgründe, die dahinter stecken. Was sagt das aus, wenn solch technischen Begriffe auf die Beschreibung von Natur stoßen? Der Wald als Symbol wofür? Freud wird genannt „beim verlassen des basiscamps“: Die Natur als Chaos, als unkontrolliertes Etwas, als unkontrollierbares Unterbewusstsein? Ich staunte, während ich ihm beim Open Mike lauschte. Was steckt hinter dieser Lyrik, hinter diesen nicht leicht greifbaren Gedichten?

Jannis Plastargias

gedichte

Von Jan Skudlarek

Kommentare

Kommentar eintragen









erstellt am 26.4.2014

Jan Skudlarek
Jan Skudlarek Foto (Ausschnitt): Sebastian Stolte

Jan Skudlarek, geboren 1986 in Hamm (Westf.). Aufgewachsen in Spanien und NRW, Studium in Münster bis Ende 2010. Danach Umsiedlung nach Berlin. Ab 2008 Veröffentlichungen von Gedichten in Zeitschriften und Anthologien. Im November 2013 erschien “elektrosmog” bei Luxbooks.

Jan Skudlarek
ELEKTROSMOG
Gedichte. Illustriert von Simone Kornappel
Englisch Broschur, 100 Seiten
ISBN: 978-3-939557-74-6
Luxbooks, Wiesbaden 2013

Buch bestellen