Buchkritiken
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Alle Buchbesprechungen und -tipps

Prosatext, Teil 1

Neapel. Sichtbar Verborgen

Neapel ist gewissermaßen der Mikrokosmos eines unsichtbaren Europas, meint die Literaturwissenschaftlerin Marion Gees, die in den letzten Jahren immer wieder dorthin gereist ist. Geleitet von der Lektüre neapolitanischer Schriftsteller ebenso wie von geschichtlichen Überblicken hat sie die Stadt erwandert und ihre Eindrücke festgehalten.

William Melvin Kelley, Ein anderer Takt

»Ein anderer Takt«

Die totalitäre Tendenz der ‚politischen Korrektheit’ erschwert den differenzierten Zugang zu Problemen, die die Gesellschaft seit Jahrhunderten bis heute belasten. Gudrun Braunsperger empfiehlt das 1962 geschriebene und jetzt auf Deutsch erschienene Buch „Ein anderer Takt“ von William Melvin Kelley, worin es um Rassentrennung geht, aber nicht um Schwarzweißmalerei.

Olivia Wenzel, 1000 Serpentinen Angst

Unbefangen Bananen essen

Es ist nicht außergewöhnlich, dass die Lektüre die Träume der Lesenden beeinflusst. Wenn die Lektüre allerdings die „1000 Serpentinen Angst“ von Olivia Wenzel ist, kann man mit Albträumen rechnen. Riccarda Gleichauf hat den autofiktionalen Roman der Dramatikerin gelesen und mit ihm ein Plädoyer gegen die Diskriminierung.

Buchkritik

Dystopische Schattierung

Die Welt war unverständlich geworden. Alle Gewissheit hatte sich verflüchtigt im Jahre 1920. Es erstaunt nicht, dass Wolfgang Martynkewicz ein Centennium zurückblickt, in ein Jahr, in dem sich die angewachsenen gesellschaftlichen Unsicherheiten bündeln. Auffällig ist nur, wie ähnlich sich manches heute wiederfindet, bemerkt Gudrun Braunsperger nach der Lektüre von Martynkewiczs Buch „1920. Am Nullpunkt des Sinns“.

Klaus Buhlerts Mammuthörspiel »Die Enden der Parabel«

14 Stunden Thomas Pynchon

Ein Heulen kommt über den Himmel: 1981 kam Thomas Pynchons „Gravity’s Rainbow“ auf Deutsch heraus, hieß „Die Enden der Parabel“ und war sofort Kult. Niemand wusste wirklich warum. Der Komponist und Regisseur Klaus Buhlert hat nun eine Hörspielbearbeitung des Romans erarbeitet, die 14 Stunden dauert. Harry Oberländer hat sich durchgehört.

Lutz Seiler, Stern 111

Das Leben anstelle eines anderen

Als Günter Schabowski am 9. November 1989 das neue Reisegesetz, sprich: die Grenzöffnung, verkündete, wirkte das wie ein unfassbares Missverständnis. Der Mauerfall versetzte die Deutschen aus dem Osten plötzlich in eine Orientierungslosigkeit, an der Lutz Seilers Roman „Stern 111“ ansetzt. Barbara Sievering beschreibt die charakteristischen Elemente des Buches.

Buchkritik

Olga Forsch, Russisches Narrenschiff

Nicht nur in der stalinistischen Sowjetunion, auch von der westeuropäischen Linken wurden solche Bücher geschmäht. Die revolutionäre Intelligenzija, die sich hoffnungsvoll an der Neugestaltung der Gesellschaft beteiligen wollte, wurde rasch kriminalisiert und mit dem Tode bedroht. Wie Olga Forsch diesen Prozess in „Russisches Narrenschiff“ gestaltet hat, beschreibt Gudrun Braunsperger.

Poesie über die Ambivalenz der Erinnerung

Nichts war so wie es war

Bildern und Erinnerungen schreiben wir oft reflexartig zu, die Wirklichkeit exakt wiederzugeben. Dabei überspielen wir unsere Erinnerung permanent. Die Kamera oder das Gedächtnis reproduziert Sequenzen von trügerischer Strahlkraft – was bleibt ist stonewashed brainwashed memory. In ihrem Gedichtband »Häuser, komplett aus Licht« eröffnet uns Martina Weber die Unmöglichkeit einer unverfälschten Erinnerung, betont Elnas Nazem.

Norbert W. Schlinkerts Eichendorff-Novellierung

Nichts taugt m e h r !

Norbert Wilhelm Schlinkert kennt sich mit dem Absurden aus. Sein Buch „Tauge/Nichts“, das sich auf Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ bezieht, hat Alban Nikolai Herbst begeistert und geschmerzt. Und er hat einen erheblichen Gegenwartsbezug geltend gemacht. Schlinkerts Held ist kein romantischer Taugenichts, sondern ein moderner Tunichtgut.

Patricio Prons neuer Roman

Erzähler und Diagnostiker unserer Zeit

Literatur, Politik und Verbrechen stehen in komplizierten Beziehungen zueinander. Anhand einer Familiengeschichte, deren Ziel es ist, die Vorgänge während eines faschistischen Schriftstellerkongresses kurz vor Kriegsende aufzuklären, erzählt Patricio Pron in seinem Roman „Vergieß deine Tränen für keinen, der in diesen Straßen lebt“, wie die Grenzen zwischen Recht und Unrecht, von Schuld und Unschuld trügen. Gudrun Braunsperger empfiehlt das anspruchsvolle Buch.

Iris Wolff, So tun, als ob es regnet

Sich aus dem Augenblick davonstehlen

Es sind die Nebenfiguren, die die Autorin Iris Wolff in ihrem Roman „So tun, als ob es regnet“ in ein besonderes Licht rückt. Das ist einer der vielen Gründe, warum er als literarisches Kleinod der Gegenwartsliteratur bezeichnet werden kann, meint Riccarda Gleichauf.

Erinnerung an Christoph Meckels Tarnkappe

Die Rede vom Blut

Der Schriftsteller und Grafiker Christoph Meckel ist im Alter von 84 Jahren in Freiburg im Breisgau gestorben. Er gehörte zu den wenigen mehrfachbegabten Künstlern, die mit großem Anspruch und auf hohem Niveau starke persönliche Werke schufen. Mit der Erinnerung an seine lyrische Arbeit, die in der umfangreichen „Tarnkappe“ zusammengefaßt ist, soll seiner gedacht sein.

Zum 150. Geburtstag des Periodensystems der Elemente

Wie aus vier Elementen erst 63 und dann 118 wurden

Indem die Vereinten Nationen und die UNESCO das Jahr 2019 zum internationalen Gedenkjahr für das Periodensystem der Elemente ausriefen, haben sie eine kleine Veröffentlichungswelle losgetreten. Jenseits von Fachkreisen haben neue populärwissenschaftliche Bücher die Geschichte des Periodensystems und die daraus folgenden Konsequenzen für die moderne Wissenschaft nacherzählt. Stefana Sabin hat einige dieser Bücher gelesen.

Mehdizadeh, Unter dem Tschador meiner Mutter

Kindheitsgeschichten voller Poesie

Die im Iran geborene Autorin Behjat Mehdizadeh hat in ihrem Buch „Unter dem Tschador meiner Mutter“ neun Kindheitserzählungen veröffentlicht, in denen sie liebevoll ihre Erinnerungen literarisch umsetzt. Susanne Konrad hat das Buch mit Freude gelesen und empfiehlt es sogar für den Einsatz im Unterricht.

Das Neue ist immer und überall

Von der Blütezeit lyrischer Anthologien

Es regnet lyrische Anthologien. Kein Grund, sich dagegen abzuschirmen. Im Gegenteil: Was da auf uns kommt, imprägniert uns gegen die eigene geistige Degeneration. Die Kunstwerke der poetischen Bezweifler, Vordenker, Anreger und Sänger, die in diesen Büchern zusammengetragen sind, hat Bernd Leukert gesichtet und eine Anthologie der Anthologien erstellt.

Alexander Brill, Vaterseelenallein

Leben, Liebe und Theater

Alexander Brill, Jahrgang 1944, hat ein sehr persönliches Buch geschrieben. Er offenbart seine seelischen Qualen auf der Suche nach einem Vater – als Kind, als Schauspieler, als Mann – und lässt den Leser an einer Odyssee durch sein Leben teilhaben. Walter H. Krämer hat „Vaterseelenallein“ gelesen.

Mareike Gronich, Das politische Erzählen

Jenseits des Themas

Der vielversprechende Titel „Das politische Erzählen“ wird in der Dissertation von Mareike Gronich durch den Untertitel eingeengt: „Zur Funktion narrativer Strukturen in Wolfgang Koeppens ‚Das Treibhaus‘ und Uwe Johnsons ‚Das dritte Buch über Achim‘“. Thomas Rothschild hat die Forschungsarbeit einer kritischen Lektüre unterzogen.

Lyrik

Niemand kennt das Drehbuch des anderen

Martina Weber gehört nicht zu den Bühnenstars unter den Lyrikerinnen. Gleichwohl schreibt sie nicht nur juristische Fachliteratur und Ratgeber für Lyriker, sondern bringt ihre Erfahrung in redaktionelle Arbeit oder etwa in das Zentrum für junge Literatur in Darmstadt ein. Nach ihrem Debütband „Erinnerungen an einen Rohstoff“ sind nun Gedichte mit dem Titel „Häuser, komplett aus Licht“ erschienen, die Nicola Quaß empfiehlt.

Nicola Pugliese, Malacqua

Tiefstes Menschenbuch, Neapel

Neapel ist eine aus Zuwanderungen ganzer Bevölkerungsgruppen zusammenmontierte Stadt. Der unterschiedliche Charakter ihrer Viertel erzählt noch heute davon. Dennoch hat sich eine neapolitanische Mentalität herausgebildet, die in Nicola Puglieses Roman „Malacqua, Vier Tage Regen über Neapel in Erwartung, daß etwas Außergewöhnliches geschieht“ zum Tragen kommt. Alban Nikolai Herbst hat darin das Außergewöhnliche gefunden.

Erik Fosnes Hansen, Ein Hummerleben

So viel ist sicher

Erik Fosnes Hansens Roman „Ein Hummerleben“ erzählt aus der Sicht eines Jugendlichen vom Niedergang eines traditionsreichen norwegischen Grand Hotels. In diesem Buch geht es nicht nur um Schulden, sondern auch um Schuld, in die Menschen geraten. Gudrun Braunsperger hat es gelesen.

Sven Stillich, Was von uns übrig bleibt

Spaziergänge im Garten des Menschlichen

Welche Spuren hinterlassen wir in der Welt oder bei anderen Menschen? Welche Rolle spielen die Dinge, die uns umgeben? Sven Stillichs Sachbuch „Was von uns übrig bleibt“ begibt sich auf eine Spurensuche. Es ist ein empfehlenswertes Buch, das zu Herzen geht, findet Otto A. Böhmer.

Katja Oskamp: Marzahn, mon amour

So schillernd wie grau

In „Marzahn, mon amour“ erzählt Katja Oskamp Geschichten aus einem Fußpflegesalon. Dessen Kunden wohnen in Berlin-Marzahn, einst das größte Plattenbaugebiet der DDR. Oskamps Buch ist eine Liebeserklärung. Es räumt mit Vorurteilen auf, findet Riccarda Gleichauf.

Alban Nikolai Herbst: Aeolia.Gesang

Ein Stück Musik

Die erste Insel, die im zehnten Gesang der Odyssee vom Listenreichen angetrieben wird, ist die schwimmende Insel Aeolia, wo Aeolos, der Gott der Winde, wohnt. Der hilft dem Irrenden mit einem Sack voller widriger Winde zur Heimkehr. Dazu kommt es aber nicht. Alban Nikolai Herbst hat sich in seinem Poem „Aeolia“ aus dieser alten Geschichte in eine gegenwärtige voller neuer Details hineingeschrieben, und Ute Stefanie Strasser findet es unbeschreiblich.

Bianca Döring, Im Mangoschatten

Vom Tod umfangen

Bianca Döring hat ein Buch veröffentlicht, das „von der Vergänglichkeit“ handelt. Ihre Erzählung „Im Mangoschatten“ ist eine eindringliche Auseinandersetzung mit dem Altern, dem Sterben und dem Tod. Sie geht ebenso radikal wie poetisch mit dem Thema um, meint Harry Oberländer.

Deniz Utlu, Gegen Morgen

Die Nacht ist fast vorüber

„Gegen Morgen“ handelt von einer tiefen Erschütterung, ausgelöst durch die Erfahrung der Möglichkeit eines plötzlichen Todes. Seinen kunstvoll konstruierten Roman erzählt Deniz Utlu in einem scheinbar nüchternen und realistischen Ton. Marion Victor würdigt dessen poetische Qualitäten.

Undine Radzeviciute, Das Blut ist blau

Eine Welt stürzt ein

Undiné Radzevi?i?t? macht sich auf die Spuren ihrer Familiengeschichte. Ihr Roman „Das Blut ist blau“ setzt mit der Erinnerung an die Niederlage gegen die Polnisch-Litauische Union in Tannenberg ein, die 1410 den Niedergang des Deutschen Ordens einleitete. Hat man sich einmal auf die Zeitreise nach Livland eingelassen, wird man belohnt, meint Gudrun Braunsperger.

Martin R. Dean, Warum wir zusammen sind

Die Zukunft ist gealtert

In seinem jüngsten Roman erzählt Martin R. Dean von einem Treffen miteinander befreundeter Mittelklassepaare in einem ehemaligen Landhotel. Die alternden Protagonisten leiden keine Not, sind aber bisweilen verzweifelt. Otto A. Böhmer hat das Buch mit dem programmatischen Titel „Warum wir zusammen sind“ gelesen.

Jiri Weil, Mendelssohn auf dem Dach

Tragische Verstrickungen

Ji?í Weils 1960 posthum erschienener Roman „Mendelssohn auf dem Dach“ handelt von der Besetzung Prags durch die Nationalsozialisten. In mehreren Erzählsträngen begegnen sich Täter und Opfer, Unterdrücker und Mitläufer, Kollaborateure, Verräter und ohnmächtige Bürger. Gudrun Braunsperger stellt den Epochenroman vor.

Elena Ferrante: Frau im Dunkeln

Die Freiheit verlangt ihren Preis

Der 2006 im Original erschienene Roman „Frau im Dunkeln“ von Elena Ferrante erzählt von einem heißen Sommer an der süditalienischen Küste. Es ist ein Buch über die hellen und die düsteren Seiten der Mutterschaft. Gudrun Braunsperger hat ein kleines Meisterwerk gelesen.

Violaine Huisman, Die Entflohene

Maman bleibt Violaines Heldin

In ihrem Debüt „Die Entflohene“ erzählt die New Yorker Autorin Violaine Huisman die dramatische Geschichte ihrer emotional unberechenbaren Mutter, die in Frankreich der späten Sechziger selbstbestimmt ihren Weg einschlug. Gudrun Braunsperger hat die poetische Dokumentation einer wahren Geschichte gelesen.

Leila Slimani, All das zu verlieren

Wie eine Sprechblase

Leïla Slimanis 2014 auf Französisch erschienener Roman „All das zu verlieren“ sorgte in ihrem Geburtsland Marokko für Aufregung, weil die Autorin sexuelle Begierden einer verheirateten Frau auf direkte Weise ausspricht. Jetzt liegt das Buch in deutscher Übersetzung vor. Ruthard Stäblein hat es einer kritischen Lektüre unterzogen.

Österreichische Literatur

Kerschbaumer liest Heller

Die österreichische Schriftstellerin Marie-Thérèse Kerschbaumer hat ein schmales Bändchen über André Hellers 2016 erschienener Roman „Das Buch vom Süden“ veröffentlicht. Kerschbaumer kümmert sich dabei nicht um die in den Feuilletons ausgetragene Kontroverse. Thomas Rothschild hat über das Büchlein und seine Vorgeschichte nachgedacht.

Dieter M. Gräf: Falsches Rot

recension

Mit Gedichten und Fotografien folgt Dieter M. Gräf in seinem Buch „Falsches Rot“ der blutigen Farbe vom Täuferreich von Münster bis Sarajewo durch die Jahrhunderte. Harry Oberländer hat es rezensiert, und zwar, nach edlem Modus unter Lyrikern, im poetischen Gewande.

Dilek Güngör, Ich bin Özlem

(K)ein Merkmal unter vielen

Die Protagonistin des neuen Romans von Dilek Güngör ist in Deutschland aufgewachsen und kennt das Geburtsland ihrer Eltern nur von Urlaubsreisen. Für ihre Umgebung ist Özlem dennoch immer auch eine Türkin, und das macht sie wütend. Riccarda Gleichauf hat „Ich bin Özlem“ gelesen.

Hamlet. Widerstand gegen den Überwachungsstaat

Schlag nach bei Shakespeare

Welches Theaterstück hat die schreibende Zunft mehr beschäftigt als Shakespeares „Hamlet“? Und es beschäftigt weiter. Bernhard H.F. Taureck hat mit „Hamlet. Widerstand gegen den Überwachungsstaat“ nicht nur ein Netz fabelhafter Analogien im Schrifttum aufgetan; er hat auch im Hamlet den ersten Auftritt des modernen Menschen auf der viktorianischen Bühne erkannt. Enno Rudolph hat das Buch gelesen.

Elizabeth Bishops Gedichte

Ich bin eine Elizabeth

Die US-amerikanische Schriftstellerin Elizabeth Bishop, die 1979 starb, hat lange und akribisch an ihren Gedichten gearbeitet. Autobiographische Bezüge hat sie bedacht vermieden. Dafür hat sie viele Hinweise auf ihre literarischen Traditionszusammenhänge über ihr Werk verstreut. 2018 erschien eine zweisprachige Ausgabe ihrer Poesie, ausgewählt und übersetzt von Steffen Popp. Marcel Inhoff hat sich damit auseinandergesetzt.

Angela Lehner, Vater unser

Welt des Wahns

Eva Gruber wird in eine geschlossene Anstalt eingeliefert, weil sie eine Kindergartengruppe erschossen hat. Das jedenfalls behauptet sie. Ist es Wahrheit oder Lüge, Überzeugung oder Phantasie? Diese Fragen tauchen auf während der Lektüre von Angela Lehners Debütroman „Vater unser“. Gudrun Braunsperger stellt das Buch vor.

Alice Grünfelder, Die Wüstengängerin

Chinas wilder Westen

In ihrem Roman „Die Wüstengängerin“ verwebt Alice Grünfelder die Geschichte zweier Frauen, die ins westchinesische Gebiet Xinjiang reisen, in dem das Volk der Uiguren lebt. Grünfelders literarisches Debüt enthält viele differenzierte Wahrheiten über China, findet Karin Betz.

Thomas Sautner, Großmutters Haus

Sprung ins Leben

Zwischen Literatur und echtem Leben bewegt sich Malina, Ich-Erzählerin in Thomas Sautners Roman „Großmutters Haus“. Am Ende trauert sie um eine geliebte Autorin, hat aber auch ihre tot geglaubte Großmutter gefunden. Es ist ein vergnügliches wie tiefsinniges Buch, meint Gudrun Braunsperger.

Edouard Louis

Macron stiehlt dir das Essen

Der Pariser Schriftsteller Édouard Louis ist ein Star der französischen Literaturszene. „Wer hat meinen Vater umgebracht“ heißt sein dritter, kürzlich erschienener Roman. Darin klagt Louis die Präsidenten der Republik einschließlich Emmanuel Macron an. Walter H. Krämer hat die literarische Kampfansage gelesen.

Lisa McInerney, Glorreiche Ketzereien

Das Böse ausräuchern

Die 1981 geborene Autorin Lisa McInerney hat zunächst als Bloggerin auf sich aufmerksam gemacht. In ihrem Romandebüt „Glorreiche Ketzereien“ wirft McInerney einen humorvoll-entlarvenden Blick auf die irische Gesellschaft. Riccarda Gleichauf empfiehlt das Buch.

Christina Hesselholdt, Gefährten

Frauen sind stärker

In Christina Hesselholdts aus dem Dänischen übersetzten Roman „Gefährten“ berichten Frauen und Männer aus wechselnden Perspektiven von dem, was gewesen ist, weniger davon, was noch kommen könnte. „Gefährten“ ist ein Meisterstück spielerisch vereinnahmter Erinnerungskultur, findet Otto A. Böhmer.

Neue Gedichte von Sascha Anderson

»zu Lebzeiten mit ohne Ich.«

Sascha Andersons neue Gedichte, die mit Vignetten von Alissa Walser unter dem Titel „So taucht Sprache ins Sprechen ein, um zu vergessen.“ erschienen sind, gilt es zu erobern. Denn sie bilden die Denkbewegung mit ab, die sie hervorgebracht hat. Marcus Roloff hat sie nachgelesen.

Frank Witzel, Vondenloh

»Na, Helga, kennst du mich noch?«

Frank Witzels neu aufgelegter Roman „Vondenloh“ dreht sich um Leben und Werk einer geheimnisvollen Schriftstellerin, deren Romane 120 Seiten nie überschreiten und stets Bestseller werden. „Vondenloh“ ist Kulturbetriebs-Krimi und Provinzsatire zugleich. Vincent Sauer empfiehlt den Roman.

Jan Kjaerstad, Das Norman-Areal

Nach dem Holozän

Jan Kjærstads Roman „Das Norman-Areal“ handelt von John Richard Norman, der als leidenschaftlicher Leser in Oslo aufwächst. Der Protagonist wird Lektor bei einem renommierten Verlag, bis seine Lesefähigkeit unerwartet schwindet. Alban Nikolai Herbst hat sich mit dem Roman auseinandergesetzt und ordnet ihn der phantastischen Literatur zu.

Bodo Kirchhoff: Dämmer und Aufruhr

Wunden und Wunder

Bodo Kirchhoffs autobiographischer Roman „Dämmer und Aufruhr“ ist ein Versuch, vor sich selbst Rechenschaft abzulegen und den Motiven der Rebellion eines heranwachsenden Achtundsechzigers auf den Grund zu gehen. Gudrun Braunsperger hat den „Roman der frühen Jahre“ gelesen.

Autorinnen aus vier Kontinenten

Liebhaberinnen und Mütter

Die Anthologie „Vollmond hinter fahlgelben Wolken“ versammelt Kurzgeschichten von Autorinnen aus vier Kontinenten. Die Innen- und Außenansichten der Protagonistinnen eröffnen neue Wahrnehmungswelten und brechen mit stereotypen Rollenbildern, findet Riccarda Gleichauf.

Anne Reinecke, Leinsee

Eine Beziehung mit Folgen

Anne Reineckes Debüt „Leinsee“ erzählt vom Kunstbetrieb und von noch viel mehr. Die 1978 geborene Autorin führt ihre Leser durch eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, die sich unbemerkt anbahnt und zusehends spektakulärer wird. „Leinsee“ ist ein unterhaltsamer, fast märchenhaft anmutender Roman, meint Otto A. Böhmer.

Marina Zwetajewa, Ich schicke meinen Schatten voraus

»Die Wahrheit ist eine Überläuferin«

Marina Zwetajewa (1892-1941) gilt neben Anna Achmatowa als bedeutendste russische Dichterin des 20. Jahrhunderts. Dank einer neuen Übersetzung von Elke Erb, Ilma Rakusa, Margret Schubert und Marie-Luise Bott lässt sich jetzt ihre in den dreißiger Jahren entstandene Prosa entdecken. Gudrun Braunsperger empfiehlt den bei Suhrkamp erschienenen Band.

Ludwig Lugmeier: Die Leben des Käpt’n Bilbo

Das Leben, ein Abenteuerroman

Jack Bilbo wurde 1907 als Hugo Cyrill Kulp Baruch in eine großbürgerliche jüdische Familie in Berlin geboren. Mit wechselnden Identitäten schlug er sich durch das Zeitalter der Extreme. Bekannt wurde er als Schriftsteller, Maler, Galerist und Kneipier. Ludwig Lugmeier widmet Bilbo einen „Faktenroman“, den Dominik Irtenkauf gelesen hat.

Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten

Tod eines Kommunisten

In einer Trilogie erzählt die deutsch-rumänische Schriftstellerin Carmen-Francesca Banciu von der ideologischen und geographischen Emanzipation einer Tochter von ihren Eltern. Der dritte Band ist in diesem Frühjahr erschienen und wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert. Stefana Sabin hat „Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten!“ gelesen.

Ralf Rothmann, Der Gott jenes Sommers

Kein Mond über den Feldern

Im Mittelpunkt von Ralf Rothmanns neuem Roman „Der Gott jenes Sommers“ steht ein zwölfjähriges Mädchen, das Anfang 1945 mit ihrer Mutter und der älteren Schwester aus Kiel aufs Land fliehen muss. Rothmann beschreibt einen Mikrokosmos des Schreckens. Otto A. Böhmer hat den Roman gelesen.

Lucy Fricke: Töchter

Zum Heulen schön

Zwei Freundinnen um die vierzig und ein todgeweihter Vater, der es sich in den Kopf gesetzt hat, in der Schweiz zu sterben: Mit ihrem vierten Roman „Töchter“ ist der 1974 geborenen, in Berlin lebenden Schriftstellerin Lucy Fricke eine furiose, an Volten reiche Road-Novel gelungen, findet Peter Henning.

Khaled Khalifa, Der Tod

Ein Ende im Nichts

Wann beginnt eine Revolution? In Khaled Khalifas Roman „Der Tod ist ein mühseliges Geschäft“, der in Syrien spielt, lange vor dem sogenannten „Arabischen Frühling“ 2011. Riccarda Gleichauf hat sich mit der schwer erträglichen Lektüre auseinandergesetzt.

Saskia Hennig von Lange: Hier beginnt der Wald

In die Wildnis

Saskia Hennig von Lange beherrscht die Technik des Suspense, ohne einen Krimi zu schreiben. Der Protagonist ihrer Romanparabel „Hier beginnt der Wald“ bewegt sich heraus aus einer Gesellschaft, die das Unbewusste unter Kontrolle hat, hinein in dessen wilde und gefährliche Zone. Gudrun Braunsperger hat das Buch gelesen.

Alban Nikolai Herbst: Axel Ruoff, Apatit

Stein aus Frau

Die künstlerische Verwandlung einer Statue in einen Menschen ist, seit der mythische Bildhauer Pygmalion auf Zypern dieses Wunderwerk vollführte, immer wieder imitiert und variiert worden. Der umgekehrte Weg, nämlich der in die mineralische Erstarrung, ist wegen geringerer Attraktivität nicht gerne beschritten worden. Axel Ruoff aber hat das in seinem Roman “Apatit” mit guten zeitgenössischen Gründen gewagt, und Alban Nikolai Herbst ist davon beeindruckt.

Giwi Margwelaschwili

Leselebenswelten

Im Jahr 2016 besuchte der Verleger Jörg Sundermeier Giwi Margwelaschwili in Georgien. Er befragte den 1927 geborenen, in Berlin aufgewachsenen Autor nach seinem Leben und Werk. Herausgekommen ist der Band „Bedeutungswelten“: Ein lebendiges Porträt eines aufgeweckten Geistes, meint Dominik Irtenkauf.

Lyrik

Gerd-Peter Eigners nachgelassenes Mammut

Möglicherweise verhält es sich mit Gerd-Peter Eigner wie mit dem Mammut in seinem gleichnamigen Gedicht: Es ist weiter da, das Tier, nur entzieht es sich aus Sanftmut und Diskretion den schwachen menschlichen Blicken. Alban Nikolai Herbst hat dem streitbaren Schriftsteller ein Epitaph geschrieben.

Hans Pleschinski: Wiesenstein

Der Dichter geht am Stock

Im Deutschland und im Ausland galt er einst als Autor von Rang. 1912 erhielt Gerhart Hauptmann (1862-1946) den Literaturnobelpreis. Später verblasste sein Ruhm. Hans Pleschinski macht Hauptmann zum Protagonisten seines im letzten Kriegsjahr spielenden Romans „Wiesenstein“. Otto A. Böhmer empfiehlt das Buch.

Buchbesprechung

Auf Schatten gewachsen

Die Geschichte, die zwei Psychotherapeuten sich und uns in Gert Heidenreichs neuem Roman „Schweigekind“ erzählen, handelt von einer Generation, die auf Schatten gewachsen ist, ohne zu wissen, wer sie geworfen hatte. Das Buch ist ein Krimi, zugleich ein Gesellschaftsroman des gehobenen Kunst- und Kulturbetriebs. Harry Oberländer findet es lesenswert.

Otto A Böhmer: Der Fortführer von Botho Strauß

Die alten Töne

In seinem neuen Buch „Der Fortführer“ äußert sich Botho Strauß zum Großen und Ganzen und auch zu Kleinkram, den er bedenklich oder gerade noch erträglich findet. Der Titel ist Programm: Strauß führt fort, was die großen Alten einmal begonnen haben, ehe man ihnen das Wort entzog. Otto A. Böhmer hat das Buch mit Gewinn gelesen.

Ekaterine Togonidze: Einsame Schwestern

Zweie, aber ach! doch eins.

Die 1981 geborene Schriftstellerin Ekaterine Togonidze hat mit ihrem Debütroman „Einsame Schwestern“ das in Georgien bis heute verdrängte Thema Behinderung poetisch verarbeitet. Der Roman ist jüngst auf Deutsch erschienen, und Alban Nikolai Herbst hatte Freude an der Lektüre.

Postmigrantisches Erzählen

Der Pferdeschwanz der Anderen

Nava Ebrahimi hat 2017 für „Sechzehn Wörter“ den Österreichischen Buchpreis in der Kategorie Debüt bekommen. In ihrem Erstling schickt die Wahl-Grazerin ihre Erzählerin Mona auf eine Reise zwischen Köln und Iran. Warum der Roman mehr ist als eine Homecoming-Story und trotz einiger gängiger Iran-Motive keine Klischees reproduziert, beleuchtet Maryam Aras.

OP-Verse

Aus tiefster Not

Chirurgen greifen in unser Leben ein. Und es besteht die Gefahr, dass es sich nach dem Eingriff ganz anders oder gar nicht fortsetzt. Bernd Leukert hat Verse aus dem Klinikbett von Ria Endres, Robert Gernhardt und Paul-Henri Campbell gelesen, in denen die Gefahr präsent ist.

Kurzgeschichten von PH Gruner

In die Ferne

In dem jüngst erschienenen Band „Die extrem kurze Zeit der Seligkeit“ versammelt der Darmstädter Wissenschaftler, Autor und Künstler PH Gruner zehn Kurzgeschichten und ein Hörspiel. Das Buch bedient extrem ansprechend die Bedürfnisse weit- und weltläufiger Seelen, findet Bruno Laberthier.

Gerlind Reinshagen, Atem anhalten

Verramschte Leben

Die 1926 geborene, seit langem in Berlin lebende Autorin Gerlind Reinshagen hat Theaterstücke und Hörspiele, Romane und Geschichten geschrieben. Nun sind bei Suhrkamp ihre gesammelten Gedichte erschienen: „Atem anhalten“. Reinshagen hat gerade auch jüngeren Generationen etwas zu sagen, meint Riccarda Gleichauf.

Ida Hegazi Hoyer: Das schwarze Paradies

Insel des Teufels

Ein Zahnarzt verlässt die Großstadt und wandert auf eine einsame Insel aus. Seine Robinsonade steht am Beginn einer zwischen Phantasie und Wirklichkeit changierenden Erzählung über „das schwarze Paradies“. Gudrun Braunsperger hat den gleichnamigen Roman der 1981 geborenen norwegischen Autorin Ida Hegazi Høyer gelesen.

Frank Schuster, Sternenfutter

Der Weg allen Fleisches

In „Sternenfutter“ erzählt Frank Schuster unaufgeregt und ohne moralischen Zeigefinger von einer Zukunft, in der Menschen zum Hauptnahrungsmittel für Außerirdische werden. Bruno Laberthier hat den Roman gelesen.

Gert Loschütz: Ein schönes Paar

Lebensspuren

Es hatte so gut angefangen mit den beiden in schwieriger Zeit. Der Sohn folgt den Spuren einer Ehe, der Ehe seiner Eltern. Marion Victor hat „Ein schönes Paar“, das neue Buch von Gert Loschütz, gelesen und hat sich davon begeistern lassen.

Anna-Elisabeth Mayer, Am Himmel

Mordfall im kaiserlichen Wien

In ihrem Roman „Am Himmel“ versucht Anna-Elisabeth Mayer, die Umstände des Mordes an einer Wiener Millionär im Jahr 1881 zu rekonstruieren. Der historische Kriminalfall bietet der Autorin reichlich Stoff. „Am Himmel“ ist eine immer mal wieder langatmige Lektüre mit durchaus starken Passagen, findet Gudrun Braunsperger.

Wolfgang Hilbig – Eine Biographie

Aus der Asche

Sprachgewaltig und metaphernstark hat er in kulturfeindlichem Ambiente sich selbst erschrieben. Wolfgang Hilbig, 1941 in Meuselwitz geboren und 2007 in Berlin gestorben, hat niemandem gedient, nicht einmal sich selbst. Harry Oberländer hat sich mit dem ost- und westdeutschen Schriftsteller beschäftigt und sich mit der Hilbig-Biographie von Michael Opitz befasst.

Lautstärke ist weiblich

Poesie und Performanz

Lange galt Poetry Slam als ein von Männern dominiertes Format. Nun versammelt eine von Clara Nielsen und Nora Gomringer herausgegebene Anthologie Texte von fünfzig der besten deutschsprachigen Slampoetinnen. Der Sammelband ist eine schillernde Fundgrube und eröffnet neue Sichtweisen, meint Riccarda Gleichauf.

Ilijas Shansugirow, Das Lied von Kulager

Der Helden Freund

„Das Lied von Kulager“ ist ein modernes Epos, das 1936 in Fortsetzungen in einer kasachischen Zeitung veröffentlicht wurde. Sein Autor, Ilijas Shansugirow, war Lyriker und hat unter anderem Puschkin ins Kasachische übertragen. Gert Heidenreich hat Shansugirows Epos auf Deutsch nachgedichtet, und Thomas Rothschild empfiehlt den Band.

Arundhati Roy, Das Ministerium des äußersten Glücks

Rettung auf der Endstation

Schonungslos beschreibt Arundhati Roy in ihrem Roman „Das Ministerium des äußersten Glücks“ die Grausamkeiten im indischen Vielvölkerstaat. Doch im größten Leid lässt sie auch Zuneigung und Fürsorge entstehen. Das Geschehen gipfelt in einem Zentrum des Glücks und der Geborgenheit. Clair Lüdenbach hat Roys zweiten Roman gelesen.

Sasha Marianna Salzmann: Außer sich

Orte, Jahrzehnte, Gefühle

Die Theaterautorin, Essayistin und Dramaturgin Sasha Marianna Salzmann hat einen Roman geschrieben, der so ist wie sein Titel: „Außer sich“. Das Buch führt die Leser von der Sowjetunion über ein Asylheim in der westdeutschen Provinz bis ins heutige Istanbul. Es ist, als würde Salzmann einem mehrere Bücher in einem schenken, meint Lena Gorelik.

Rodrigo Hasbun, Die Affekte

Es könnte so gewesen sein

Die Familie Ertl emigrierte Anfang der fünfziger Jahre von München nach Bolivien, nachdem die Karriere des Bergsteigers und Dokumentarfilmers Hans Ertl in der Bundesrepublik ins Stocken geraten war. In seinem Roman „Die Affekte“ unternimmt Rodrigo Hasbún den Versuch einer Annäherung an die Geschichte dieser Familie. Gudrun Braunsperger hat das Buch gelesen.

Salman Rushdie, Golden House

Die Tragödie des amerikanischen Traums

Die Gegenwart der Neuen Welt als epische Tragödie zu betrachten, das gelingt dem Märchenerzähler Salman Rushdie in seinem neuen Roman „Golden House“. Clair Lüdenbach hat die komplexe Geschichte, in der sich das heutige Amerika und die Geschichte und Gegenwart Indiens spiegeln, gelesen.

Hédi Kaddour: Die Großmächtigen

Hollywood im Maghreb

Glaubt man heute eine gesellschaftspolitische Farce zu erleben, so vollzog sich in den 1920er Jahren die dazugehörige Tragödie. Hédi Kaddour beschreibt in seinem Roman „Die Großmächtigen“ das nahende Ende einer kolonialen Großmacht und das politische Ränkespiel zwischen den Weltkriegen. Clair Lüdenbach hat das Buch gelesen.

DIE GEDICHTE DOROTHY PARKERS

Liebe ist für die Unglücklichen

Dorothy Parker, die Ikone der New Yorker Literaturszene, hatte enormen Erfolg mit ihren Gedichten. Diese Gedichte aber waren Ergebnis der erfolglosen Seite ihres Lebens, der Suche nach dem Glück. Bernd Leukert hat ihr poetisches Werk in der zweisprachigen Ausgabe gelesen.

Lana Lux, Kukolka

Ein Kind ohne Kindheit

„Kukolka“ bedeutet auf Russisch „Püppchen“. So wird Samira, die kindliche Protagonistin des gleichnamigen Romans von Lana Lux, genannt. Das Buch zeichnet ihren Weg ins soziale Milieu von Ausbeutung und Menschenhandel nach. Es ist die Geschichte des weiblichen Alter Egos von Oliver Twist, ins 21. Jahrhundert und in die Ukraine übertragen, meint Gudrun Braunsperger.

Nenninger, Warum läuft Kind C Amok?

Der Amokläufer in uns

„Warum läuft Kind C Amok?“: Der Titel des Debütromans von Kristina Nenninger stellt vordergründig eine Frage und enthält gleichzeitig eine Hoffnung. Er verspricht, Antwort(en) zu geben darauf, wieso Carla, ein pubertierendes, aber eigentlich liebenswertes Mädchen, irgendwann ihrem Hass freien Lauf lässt und tötet. Riccarda Gleichauf hat das Buch gelesen.

Henning Burk: Hitler, Braunau und ich

Ein Buch der Aufklärung

In Braunau am Inn wurde genau fünf Monate nach dem Tod Adolf Hitlers der Autor und Regisseur Henning Burk geboren, dessen Urgroßmutter bei den Hitlers Haushälterin und möglicherweise des Diktators Hebamme war. Burk fragt: Kann man eigene Schuldlosigkeit ertragen? – Boris von Brauchitsch, Kunsthistoriker, Fotograf und Schriftsteller, bespricht Burks Buch „Hitler, Braunau und ich“.

Das Verschwinden der Adele Bedeau

Unter Beobachtung

Im Frühjahr 2017 erschien Graeme Macrae Burnets Thriller „Sein blutiges Projekt“ in deutscher Übersetzung. Im Herbst folgte „Das Verschwinden der Adèle Bedeau“, ein intelligenter Kriminalroman und eine Hommage an den französischen psychologischen Krimi in Georges Simenons Tradition. Kirsten Reimers ist sehr angetan.

Aya Cissoko, Ma

Fremde Vertrautheit

In ihrem Roman „Ma“ erzählt die 1978 geborene Autorin Aya Cissoko vom Aufwachsen in zwei Kulturen. Sie lässt den Leser in die teils fremden Welten einer Familie eintauchen, die aus Mali stammt und in Paris lebt. Das Buch zeigt, dass es eine Bereicherung ist, zweisprachig zu leben, meint Riccarda Gleichauf.

Malmquist, In jedem Augenblick unseres Lebens

Das Leid annehmen

Von einer Prüfung, die über Verlust und Trauer in ein neues Leben führt, berichtet der Debütroman des 1978 geborenen schwedischen Autors Tom Malmquist. Erzählt wird die Geschichte von Karin und Tom, die als Liebesgeschichte nicht ins Glück, sondern in den Tod führt. „In jedem Augenblick unseres Lebens“ ist ein bewegender Roman, meint Otto A. Böhmer.

Ria Endres, Roulett im Föhn

Die veruntreute Hölle

Das Glück, in einer Stadt am Lech zu wohnen, sich mit einem Spieler zu verbinden, in schweren Widerspruch zwischen Glauben und Kirche zu geraten, gemobbt und geächtet zu werden, dem Wunsch nach Selbsttötung und dem zu leben nachzugeben, ist endlich. Aber groteske Gegenkräfte führen Frieda in hohem Bogen aus dem Unglück: „Leben ist doch besser als tot sein.“ Harry Oberländer begrüßt den Roman „Roulett im Föhn“ von Ria Endres.

Markus Orths, Max

Rebell und Provokateur

Markus Orths hat einen Roman über das Leben von Max Ernst (1891-1976) geschrieben. Darin verfolgt Orths nicht nur die Lebensstationen des Künstlers zwischen Deutschland, Frankreich und den USA. Er folgt auch allen Verästelungen, die sich durch die Begegnungen mit dessen Lebens- und Liebesbegleiterinnen ergeben. Gudrun Braunsperger hat den Roman gelesen.

Bernd Leukert

John Ashberys „Flussbild/Flow Chart“

Einst gehörte John Ashbery zusammen mit Lawrence Ferlinghetti und Allen Ginsberg zu den einflussreichen Beat-Poeten der Neuen Welt. Nun ist der größte lebende US-amerikanische Dichter der Gegenwart 90jährig gestorben. Bernd Leukert hat sich mit seinem letzten auf Deutsch erschienen Buch, dem Langgedicht »Flussbild/Flow Chart«, auseinandergesetzt.

Rachel Cusk Roman Transit

Man bleibt unter sich

Von einer Selbstsuche, die keine sein will, erzählt Rachel Cusks jüngster Roman. Die Ich-Erzählerin Faye ist Schriftstellerin und hat eine Art Lebenskrise hinter sich. Mit ihren zwei Söhnen zieht sie vom Land zurück nach London, in ein Haus, das sich als Bruchbude erweist. „Transit“ ist ein kluger wie unterhaltsamer Roman, meint Otto A. Böhmer.

Stefanie Sargnagel, Statusmeldungen

Ein kotiges Ungeheuer

Die österreichische Autorin Stefanie Sargnagel nimmt die Leser ihres neuen Buchs auf eine Gedankenreise mit, die während der Flüchtlingskrise im Juli 2015 beginnt und Anfang 2017 in Klagenfurt endet. In kurzen Sentenzen kommentiert Sargnagel ihre Umgebung und mischt ihre „Statusmeldungen“ mit persönlichen Details. Riccarda Gleichauf hat das Buch gelesen.

Wittgenstein und Heidegger

Solitäre der Philosophie

Zwei exemplarische Lebensgeschichten der Philosophie erzählt Manfred Geier in dem Buch „Wittgenstein und Heidegger“. In einer Art Doppelbiographie bringt es zwei Denker zusammen, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben. Otto A. Böhmer hat das Buch gelesen und empfiehlt, genauer hinzuschauen.

Nancy Hüngers neuer Gedichtband

Die Stille dazwischen

Nancy Hüngers Gedichte sind ausgefeilte Wortkompositionen, die oft schwerelos und improvisiert wirken. Wer sich ihnen widmet, nimmt teil an ihrer Sprachlust und der Melancholie, die das Komische und das Leidvolle zusammensieht. Bernd Leukert hat Hüngers neues Buch gelesen.

Emmanuel Carrere, Ein russischer Roman

Das Gespenst der Geschichte

Der Pariser Schriftsteller, Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Emmanuel Carrère hat, von den russischen Wurzeln seiner Familie mütterlicherseits ausgehend, ein autobiographisches Buch geschrieben. Sein „russischer Roman“ ist ein Bekenntnis und zugleich eine künstlerische Synthese, meint Gudrun Braunsperger.

Karl Heinz Bohrer, Jetzt

Ganz der Alte

Der 1932 geborene Literaturwissenschaftler Karl Heinz Bohrer hat seine Autobiografie mit dem Titel „Jetzt. Geschichte meines Abenteuers mit der Phantasie“ vorgelegt. Bohrer blickt unter anderem auf seine Anfänge bei der FAZ, spätere Auslandserfahrungen und seine Zeit an der Universität Bielefeld zurück. Otto A. Böhmer empfiehlt das Buch.

Larry Brown: Fay

Ein besseres Leben

2004 starb der US-amerikanische Autor Larry Brown im Alter von gerade einmal 53 Jahren. In den USA längst ein Klassiker des „Rough South“, der authentischen, ungeschönten Literatur der Südstaaten, ist er im deutschsprachigen Gebiet weitgehend unbekannt. Mit „Fay“ erscheint erstmals eines seiner Werke in deutscher Sprache – eine Entdeckung, findet Kirsten Reimers.

Kathy Zarnegin, Chaya

Abenteurerin der Sprachen

Als 14-Jährige wird Chaya, die in Teheran geborene Protagonistin des gleichnamigen Romans von Kathy Zarnegin, in die Schweiz geschickt. Dort lernt sie die deutsche Sprache, schreibt Gedichte, studiert Philosophie und bleibt dennoch eine Exotin. Riccarda Gleichauf hat den Roman mit Gewinn gelesen.

Monika Geier: Alles so hell da vorn

Die Unterschätzte

In Monika Geiers „Alles so hell da vorn“ ermittelt die leicht chaotische Ludwigshafener Kriminalkommissarin Bettina Boll zum siebten Mal. Geier ist eine der besten deutschen Krimiautorinnen der Gegenwart, meint Kirsten Reimers.

Katja Kettu, Feuerherz

Ein genialer Roman

Die Finnin Verna, Protagonistin in Katja Kettus Roman „Feuerherz“, kommt ins nordrussische Dorf Lawra, um den Leichnam des Vaters zu identifizieren. Es ist das Jahr 2015, und Verna gerät in einen Politthriller, in dem sich die rätselhaften Lücken in ihrer Familiengeschichte schließen lassen. Gudrun Braunsperger empfiehlt das Buch.

Daniel Schreiber: Zuhause

Wo geht es nach Hause?

In seinem neuen Buch erzählt der Kunstkritiker und Essayist Daniel Schreiber von der Suche nach einem Zuhause. Schreiber changiert dabei zwischen autobiografisch gefärbten Betrachtungen und Paraphrasen aus Philosophie, Soziologie und Psychoanalyse. „Zuhause“ ist eine angenehme, nur selten schwergewichtige Lektüre, meint Eugen El.

Nora Bossong: Rotlicht

Lust ohne Zauber

In ihrem Essayband „Rotlicht“ erforscht die 1982 geborene Autorin Nora Bossong das Geschäft mit der Liebe. Sie möchte überdies die weibliche Sexualität besser kennenlernen. Bossong besucht Sexkinos und Table-Dance-Bars, Swingerclubs und eine Erotikmesse. Riccarda Gleichauf hat die Gesellschaftsstudie gelesen.

Michael Fehr, Glanz und Schatten

Glänzende Schattengewächse

„Glanz und Schatten“ ist die dritte Buchveröffentlichung des 1982 geborenen Berner Autors Michael Fehr. Die Erzählungen sind keine linearen Geschichten, sie verweigern sich ihrem Genre. Man liest Verse ohne Versmaß. Karin Betz hat sich auf Fehrs verlockend-schauerliche Bilderwelt eingelassen.

Steven Millhauser: Zaubernacht

Novellenwunder

Sie wurde missdeutet, missverstanden, missbraucht, geschmäht, verdammt und ist wohl dennoch nicht zu tilgen: Die Romantik lebt – von der Romantik. Der amerikanische Schriftsteller Steven Millhauser hat in seiner Novelle „Zaubernacht“ literarische Figuren dieser Epoche für eine gemeinsame Handlung versammelt, und Alban Nikolai Herbst findet sie wunderbar.

Martin-Luther-Biografien

Fünf Neuformen eines Reformators

Deutschland feiert 2017 das Reformationsjubiläum: Martin Luthers Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg jährt sich zum 500. Mal. Hans-Klaus Jungheinrich hat aus diesem Anlass fünf neue, groß angelegte Luther-Biografien sowie einige kleinere, nicht zu unterschätzende Schriften gelesen und ausgewertet.

Daniel Wisser: Löwen in der Einöde

Die Zeit der Helden ist vorbei

Der 1971 geborene österreichische Autor Daniel Wisser ist ein genauer Beobachter seiner Zeitgenossen. Wie sein Protagonist Michael Braun hat auch er die Kindheit in den siebziger Jahren und die Jugend in den Achtzigern und Neunzigern verbracht. Wissers Roman „Löwen in der Einöde“ handelt von Orientierungslosigkeit angesichts des gesellschaftlichen Wandels. Gudrun Braunsperger hat das Buch gelesen.

Szilárd Borbély: Die Mittellosen

Eine abgestumpfte Welt

Aus der Perspektive eines Elfjährigen erzählt, ist Szilárd Borbélys bitterböser Roman „Die Mittellosen“ ein literarisches Dokument der menschlichen Niederungen. Der Autor, geboren 1963 im nordöstlichen Winkel Ungarns in dörflichen Verhältnissen, hat sich im Februar 2014 das Leben genommen. „Die Mittellosen“ gehören zu den ganz wichtigen Büchern der Gegenwart, meint Ina Hartwig.

Philipp Mosetter: Die Einladung

Ein erträgliches Unheil

Ein Mann, der eigentlich nie Geburtstag feiert, lässt sich dazu hinreißen, Freunde einzuladen, um seinen Geburtstag zum ersten Mal mit ihnen zu begehen. Philipp Mosetter erzählt von Begegnungen, die besser hätten vermieden werden sollen. „Die Einladung“ ist ein witziges, auch wehmütig stimmendes Buch, meint Otto A. Böhmer.

Feridun Zaimoglus Luther-Roman

Das kalte Feuer in Luthers Träumen

Feridun Zaimoglus Roman „Evangelio“ handelt von Martin Luthers Aufenthalt auf der Wartburg in den Jahren 1521/22. Der Autor hat sich durch die Sprache des 16. Jahrhunderts gearbeitet, deren drastische Formulierungen und deren Grobianismus durch Überlieferung verbürgt ist. Harry Oberländer hat Zaimoglus Luther-Roman gelesen.

Gisela von Wysocki, Wiesengrund

»Die Wirklichkeit legt eine Atempause ein«

Gisela von Wysockis Roman „Wiesengrund“ handelt von einem Philosophen, den man zu kennen meint: Theodor W. Adorno. Die Autorin erzählt aus der Sicht einer zu Beginn des Romans siebzehn Jahre jungen, in Salzburg beheimateten Frau. „Wiesengrund“ ist ein großartiger Roman, den zu lesen nur hartgesottenen Adorniten Missvergnügen bereiten dürfte, meint Otto A. Böhmer.

Alissa Walser, Eindeutiger Versuch einer Verführung

Lautes im Leisen

Alissa Walser hat einen neuen Erzählband vorgelegt: „Eindeutiger Versuch einer Verführung“. Walsers Texte sind Momentaufnahmen gescheiterter Kommunikation in zwischenmenschlichen Beziehungen. Riccarda Gleichauf hat das Buch mit Gewinn gelesen.

Iman Humaidan, Fünfzig Gramm Paradies

Schwarze Flecken im Herzen

In ihrem Roman „Fünfzig Gramm Paradies“ erzählt Iman Humaidan vom Leben während des libanesischen Bürgerkrieges und der Zeit danach. Es ist ein Buch der Grautöne in zahllosen Schattierungen, die den Kolorit der Gesellschaft des Nahen Ostens in einer dramatischen Epoche nachzeichnen, meint Gudrun Braunsperger.

Nora Gomringer: Moden

Kribbeln auf der Haut

Nora Gomringers jüngster Lyrikband „Moden“ umfasst 25 Gedichte, dazu ebenso viele Collagen von Reimar Limmer, ein Umschlagbild, das an ein Modemagazin denken lässt, Schnittbögen als Vorsatzblatt und eine Audio-CD, auf der Gomringer ihre Gedichte selbst liest. Karin Betz empfiehlt den Band.

Graeme Macrae Burnet: Sein blutiges Projekt

Vexierbild eines Mörders

Ein brutaler dreifacher Mord an der Nordwestküste Schottlands – aus der Not heraus oder aus niederen Motiven? Graeme Macrae Burnet überlässt in seinem literarischen Puzzle „Sein blutiges Projekt“ dem Leser die Entscheidung. Ein intelligentes Spiel um die Konstruktion von Wirklichkeit im Diskurs, meint Kirsten Reimers.

Anna Kim, Die große Heimkehr

Auf der Suche nach Wahrheit

Der autobiographisch motivierte Roman „Die große Heimkehr“ von Anna Kim ist ein Versuch, der komplexen Geschichte Koreas im 20. Jahrhundert Gehör zu verschaffen. Es ist die Geschichte einer Region, die über Jahrzehnte hinweg zerrissen blieb im Kampf um die politische Einflussnahme durch die USA gegen die Sowjetunion. Gudrun Braunsperger hat Kims Roman gelesen.

Raoul Schrott, Erste Erde Epos

Eine allumfassende Reise

Dass man Wissen auch zu Poesie, ja zu einem einzigen großen Weltgedicht machen kann, führt der österreichische Schriftsteller Raoul Schrott vor. Mit seinem monumentalen Buch „Erste Erde Epos“ erzählt er die Geschichte der Menschwerdung unseres Wissens als Langgedicht. Otto A. Böhmer hat das wuchtige und Geduld erfordernde Werk gelesen.

Sibylle Berg: Wunderbare Jahre

»Ich wünsche Ihnen ein schönes Leben!«

In ihrem Buch „Wunderbare Jahre. Als wir noch die Welt bereisten“ setzt Sibylle Berg auf kompromisslose Konfrontation mit der Gegenwart. An ihren neunzehn Reisezielen dominiert häufig die brutale Fratze der Welt, frei von Abenteuerlust, Romantik und Spaß. Reinhard Boos hat das Buch gelesen.

Sloterdijk, Das Schelling-Projekt

Die gelehrte Sau rauslassen

Der Philosoph Peter Sloterdijk hat, ungeachtet diverser anderer Projekte, die bedient werden wollten, der Literatur einen Besuch abgestattet. Ein Roman mit dem leicht verrätselten Titel „Das Schelling-Projekt“ ist entstanden. Otto A. Böhmer hat Sloterdijks Roman gelesen und fand darin wenig Lobenswertes.

Kronauer, Der Scheik von Aachen

Immer nach Hause

Brigitte Kronauers neuer Roman „Der Scheik von Aachen“ erzählt von den Zumutungen der Wirklichkeit, denen manchmal nur noch mit begründeten Träumen beizukommen ist. Im Mittelpunkt steht die nicht mehr ganz junge Anita Jannemann, die aus Zürich in ihre Heimatstadt Aachen zurückgekehrt ist. Am Ende dieses Romans feiert die Liebe eine Auferstehung, weiß Otto A. Böhmer.

Pawel Salzman, Die Welpen

Eine Welt der Unmenschlichkeit

Pawel Salzmans Romanfragment „Die Welpen“ erschien 2012 im russischen Original, im Jahr des 100. Geburtstags des Autors. Der 1985 verstorbene Künstler und Schriftsteller hatte von 1932 an jahrzehntelang an dem Roman gearbeitet. Salzman dokumentiert die Düsternis einer von Revolution, Bürgerkrieg, Not und Entbehrung geprägten Epoche. Gudrun Braunsperger hat das Buch gelesen.

Flasar, Ich nannte ihn Krawatte

Die Kraft der Melancholie

Ein Angestellter, der nicht mehr in der Firma ist und ein Schüler, der seit über einem Jahr nicht mehr in die Schule geht, begegnen sich auf einer Parkbank und kommen ins Gespräch. In ihrem Roman „Ich nannte ihn Krawatte“ erzählt Milena Michiko Flašar die Geschichte zweier Menschen, die außerhalb der gesellschaftlichen Normen stehen. Riccarda Gleichauf hat das Buch gelesen.

Bettine und Achim von Arnim

Eine große Liebesgeschichte

Der Gutsbesitzer und Schriftsteller Achim von Arnim heiratete 1811 die kapriziöse Bettine Brentano. In dem Buch „Bettine und Achim von Arnim“ erzählt Hildegard Baumgart nun „die Geschichte einer ungewöhnlichen Ehe“. Es ist ein reichhaltiges Buch, das zu Herzen geht und sogar Romantikkenner mit Neuigkeiten versorgt, meint Otto A. Böhmer.

Andre Hellers »Buch vom Süden«

Feine Sehnsuchtsmischung

André Hellers neuer Roman erzählt von Julian, einem „fleißigen Taugenichts“ im Nachkriegsösterreich, den es in den Süden zieht. Peter Strasser hat „Das Buch vom Süden“ kritisch gelesen, nicht ohne die Kultur der Heller-Claqueure zu würdigen. Das Buch hat sich, laut Verlagsangabe, bereits mehr als fünfundsiebzigtausendmal verkauft.

Shumona Sinha: Erschlagt die Armen

Sprachgymnasten ohne Balance

Die Autorin Shumona Sinha wurde 1973 im indischen Kalkutta geboren, seit 2001 lebt sie in Paris. Sinha schreibt ihre Texte auf Französisch. In ihrem 2015 auf Deutsch erschienenen Skandalroman „Erschlagt die Armen!“ erhalten die Leser Einblick in die Pariser Migrationsbehörde. Riccarda Gleichauf hat das Buch gelesen.

Gedichte von Bernhard und Herbert

Zuweilen bissig

Tatsächlich gibt es ‚Gesammelte Gedichte’ von noch lebenden Autoren. Man fragt sich also, mag die Dichterin oder der Dichter denn nicht mehr dichten? Bernd Leukert denkt über das Gesammelte nach und stellt die Gedichtsammlungen von Thomas Bernhard und Zbigniew Herbert vor.

Kurt Drawerts Gedichtband »Der Körper meiner Zeit«

Sehr gerne fremd

Mutig und übermütig geht er mit der Form um, mit melancholischem Witz und enormer Erfahrung balanciert er seine Poesie über den aktuellen und ewigen Abgründen. Kurt Drawert hat sich mit seinem Großgedicht „Der Körper meiner Zeit“ als empfindsames Medium unserer Gegenwart gezeigt. Bernd Leukert schätzt seine Kunst der lyrischen Reflexion.

KATJA LANGE-MÜLLERS ROMAN »DREHTÜR«

Was vom Helfen übrig bleibt

„Drehtür“ heißt der jüngste Roman von Katja Lange-Müller. Darin geht es um teils groteske und komische, aber auch ganz und gar übliche, gewohnte Katastrophen. Katja Lange-Müller hat die Fähigkeit erworben, dem Grauen so zu begegnen, dass es uns Lachen macht, meint Harry Oberländer.

Gösweiner, Traurige Freiheit

Emanzipiert einsam

Friederike Gösweiners Roman „Traurige Freiheit“ thematisiert die prekären Lebensumstände der „Generation Praktikum“. Hannah, die 30-jährige Protagonistin, zieht für ein journalistisches Volontariat nach Berlin und jobbt dort als Kellnerin. Ihre neue Freiheit wird zu einem Fall in die Tiefe. Riccarda Gleichauf hat das Buch gelesen.

Neue Bücher zu Hermann Hesse

Der Selbstsucher mit dem grünen Daumen

Noch immer ist Hermann Hesse ein Bestsellerautor. Sein Leben und sein Lebensstil sind eine Quelle für fiktionale und wissenschaftliche Erkundungen. Thomas Lang durchleuchtet in seinem neuesten Roman Hesses erste Ehe, und ein prächtiger Bildband präsentiert Hesses Garten am Bodensee, wo sich diese Ehe abspielte. Stefana Sabin hält beide Bücher für schöne Ergänzungen zur Hesse-Philologie.

Breier, Zahl und Moral

Der fachgelehrte Teufel

Auf den ersten Blick haben Zahl und Moral nicht miteinander zu tun. Albert Breier hat sich viele Jahre mit dem Einfluss der Mathematik auf unser Selbstverständnis in Geschichte und Gegenwart beschäftigt und ein imposantes Buch darüber geschrieben. Bernd Leukert hat es gelesen.

Lavant, Aufzeichungen aus dem Irrenhaus

Ein erzähltes Stück Leben

Die Schriftstellerin Christine Lavant (1915-1973) ist in den 1950er Jahren durch ihre Lyrik bekannt geworden. Ihre „Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus“ wurden erst 2001 publiziert. Darin erzählt Lavant von ihrem Aufenthalt in der „Landes-Irrenanstalt“ Klagenfurt im Jahr 1935. Das Buch liest sich stellenweise wie ein phantastisches Stück Prosa, meint Riccarda Gleichauf.

Silke Scheuermann: Wovon wir lebten

Der Ernst des Lebens hat begonnen

Der Protagonist in Silke Scheuermanns neuem Roman „Wovon wir lebten“ heißt Marten und lebt in Offenbach – einem lästigen Vorort von Frankfurt, wie die Frankfurter meinen. Scheuermann erzählt von Martens Erwachsenwerden, von seinem Weg vom Drogenkurier zum Spitzenkoch. „Wovon wir lebten“ ist ein Roman, der sehr zu loben ist, meint Otto A. Böhmer.

Neue Bücher von Anthony Doerr

Mut zur Detailtreue

Im deutschsprachigen Raum wurde der 1973 geborene amerikanische Schriftsteller Anthony Doerr mit dem hochgelobten Roman „Alles Licht, das wir nicht sehen“ aus dem Jahr 2014 bekannt. Nun sind Doerrs Novelle „Memory Wall“ und sein Roman „Winklers Traum vom Wasser“ auf Deutsch erschienen. Otto A. Böhmer hat sie mit Gewinn gelesen.

Veza Canetti: Die gelbe Straße

Abgründe in heller Farbe

Elias Canetti ist ein bekannter Name der Weltliteratur, seine Frau Veza Canetti kennen hingegen nur wenige. Ihr Roman „Die gelbe Straße“ spielt im Wien der 1930er Jahre und wurde erst 1990 veröffentlicht. Darin geht es um Individuen, deren moralisches und unmoralisches Handeln im Mikrokosmos unter die Lupe genommen wird. Riccarda Gleichauf hat das Buch gelesen.

Reder, Reise zum Anfang der Erde

Den Eurozentrismus zu Grabe getragen

Ewart Reders Roman „Reise zum Anfang der Erde“ spielt im Jahr 2029. Darin kämpft die Selbsthilfe-Kommune „Zusammen=Arbeit“ gegen die Abholzung eines Waldes und zugleich gegen das Gefühl, überflüssig zu sein. Reder hat eine komplexe und grenzüberschreitende Erzählung für das 21. Jahrhundert geschaffen, meint Matthias Abel.

Christoph Meckels „für Clarisse“

Ein Hund mit neunzig Zähnen

Christoph Meckel hat einen Band mit Gedichten und Radierungen, „für Clarisse“, veröffentlicht. Wer ist Clarisse? Das ist ein Traumkind unbestimmten Alters, dem man gerne Verse schenkt. Bernd Leukert hat sie mit Gewinn gelesen.

Ria Endres, Fresko ohne Blau

Die Bücher, die Bienen, der Tod

In einem klösterlichen Mädchengymnasium in Voralpenland entfaltet sich die Handlung von Ria Endres’ Roman „Fresko ohne Blau“. Endres erzählt von einer bewegten zweiten Hälfte der 1960er Jahre, von einer Welt, die ins Wanken gerät. Harry Oberländer hat das Buch gelesen.

Kate Tempests Großstadtroman

Die Großstadt, ein pulsierendes Monster

Kate Tempest ist eine erfolgreiche Rapperin und Spoken-Word-Artistin. In ihrem Roman „Worauf du dich verlassen kannst“ erzählt sie von jungen Menschen in London, die sich in Zeiten der Wirtschaftskrise eine Existenz aufbauen möchten und nach Sinn suchen. Tempests Figuren rappeln sich trotz der Krise immer wieder unbeirrt auf, berichtet Riccarda Gleichauf.

Günter Kunert, Vertrackte Affären

Aus Gewissheit wird Verstörung

Das Unerwartete lässt sich am besten beschreiben, wenn man dafür die knappe Form wählt. Ein Virtuose sparsam bestückter Überraschungsprosa ist Günter Kunert. Kunerts neues Buch „Vertrackte Affären“ bietet vergnügliche Geschichten für Leute, die sich gern irritieren lassen, meint Otto A. Böhmer.

Alejchem: Tewje, der Milchmann

»Je mehr Habenichts, desto mehr Hoffnung.«

In Kiew 1859 geboren und in New York 1916 gestorben, war Scholem Alejchem ein jiddischer Volksschriftsteller, dessen Roman „Tewje, der Milchmann“ nicht zuletzt dank der Umwandlung zum Broadway-Musical zum Welterfolg wurde. Der österreichische Jiddist Armin Eidherr hat den Roman neu übersetzt und Tewjes Alltagsweisheit in neuer Form gegossen, berichtet Stefana Sabin.

REZENSIONSGESPRÄCH

Menschen in der Diktatur

Für seinen Roman „Die Wolfssymphonie” erhielt Marius Daniel Popescu 2008 den Robert-Walser-Preis. Darin geht es um das Leben in Ceausescus Diktatur, um das Land der Einheitspartei, der Popescu eine vielfältige Symphonie aus Wiederholungen, Variationen und Sprachspielen entgegenstellt. Hanne Kulessa ist begeistert.

Maxim Billers Roman »Biografie«

Keine Langeweile

Maxim Billers fast 900-seitiger Roman „Biografie“ spaltet die Kritiker. Beim Frankfurter Festival „LiteraTurm“ stellte Biller das Buch im Gespräch mit Daniel Cohn-Bendit vor. Eugen El hat den Roman gelesen und war bei der Buchvorstellung in Frankfurt dabei.

Howard Jacobson, Shylock

Eine heikle Abmachung

In seiner Nacherzählung des „Kaufmann von Venedig“ erweckt der britische Romancier Howard Jacobson Shakespeares Shylock zu neuem fiktionalen Leben. Jacobsons Roman ist eine Reflexion über jüdische Selbstzweifel und jüdische Werte, aber auch eine frische Deutung des Shakespeareschen Stücks, meint Stefana Sabin.

Eric Giebel, Im roten Sand

Bildungsroman en miniature

Im Zentrum der Erzählung „Im roten Sand“ von Eric Giebel steht eine typisch deutsche Familie in den siebziger und achtziger Jahren: Großvater war im Krieg und später in Gefangenschaft, Großmutter im BDM. Eine Familie, die es geschafft hat, die Kriegserlebnisse zu verdrängen und sich nun den kritischen Fragen ihrer Enkel stellen muss. Elke Barker hat das Buch gelesen.

Buchkritiken

Antje Wagner, Unicorns don't swim

George Steiner, Ein langer Samstag

Der Onkel Kafkas

Der hochbetagte Universalgelehrte George Steiner wurde 2014 von der Journalistin und Verlagsleiterin der Éditions du Seuil, Laure Adler, in ein Gespräch verwickelt, in dem er zu den verschiedensten Themen seine Ansichten verriet. Die Bekenntnisse sind nun als Buch auf Deutsch erschienen, und Otto A. Böhmer hat es gelesen.

Guntram Vesper, Frohburg

Erinnerungsbilder

Von verdichteter Gegenwart, in der so viel Vergangenheit mitspielt, dass es schon mal wehtun kann, berichtet *+Guntram Vespers+* Roman »Frohburg«, der mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2016 ausgezeichnet wurde. „Frohburg“ ist ein ungemein reichhaltiges Buch, das den Leser in seinen Bann zieht, meint *Otto A. Böhmer*.

Damm, Sommerregen der Liebe

Eine faszinierende Frau

Von der besonderen Beziehung Johann Wolfgang Goethes zur Hofdame Charlotte von Stein erzählt Sigrid Damms neues Buch „Sommerregen der Liebe“. Der Goethe-Kennerin par excellence ist ein wunderbares Buch gelungen, das in eine fein bemessene Welt zurückführt, meint Otto A. Böhmer.

Hofstede, Der Himmel über Paris

Eine unmögliche Liebe

In „Der Himmel über Paris“, dem Debütroman der jungen niederländischen Autorin Bregje Hofstede, geht es um die Liebe in all ihrer wundersamen Eigenmächtigkeit. Der Roman ist durchweg gut erzählt, vorzüglich übersetzt und spart nicht mit feiner Ironie, meint Otto A. Böhmer.

Dutli, Die Liebenden von Mantua

Göttliche Eiscreme

Im Februar 2007 wurden in Valdaro, einem Vorort der italienischen Stadt Mantua, zwei Skelette aus der Jungsteinzeit gefunden, die eng umschlungen in einem Grab lagen: „Die Liebenden von Mantua“ oder auch „Die Liebenden von Valdaro“. Darauf basiert Ralph Dutlis neuer Roman, und er steckt voller Überraschungen, meint Harry Oberländer.

T. S. Eliot, Das öde Land

Ein Urort der modernen Poesie

T. S. Eliots Langgedicht „The Waste Land“ gehört zu den Marksteinen der literarischen Moderne. Es zu übersetzen zählt zu den schwierigsten Vorhaben. Der Lyriker und Essayist Norbert Hummelt hat das Gedicht sprachlich in die Gegenwart transponiert und dabei verflacht, meint Stefana Sabin.

Ott, Die Auferstehung

Heile Familien und ihre Abgründe

Ein Familienvater stirbt, und die erwachsenen Kinder versammeln sich am Totenbett. Die Ausgangssituation des neuen Romans von Karl-Heinz Ott ist nicht ganz ungewöhnlich. „Die Auferstehung“ ist ein kluger, manchmal auch witziger Roman, der die Freunde philosophischer Höhenflüge ebenso bedient wie die Verehrer salopper Streitkultur, meint Otto A. Böhmer.

T. S. Eliot, Vier Quartette

Der Tanz um den stillen Moment

Dass wir am Ende dort ankommen, wo wir begannen, gehört zu den mystischen Einsichten, die die „Vier Quartette“ von Thomas Stearns Eliot als ‚Summa’ kennzeichnen, als Schlussstein seines poetischen Schaffens. Jan Volker Röhnert hat sich in das kunstvoll gebaute, von Norbert Hummelt neu übersetzte Werk vertieft und preist es wegen seiner Aktualität.

Sowjetische Literatur

Die Banalität des Absurden

Die wichtigsten Werke des legendären sowjetischen Autorenpaars Ilja Ilf und Jewgeni Petrow sind nun auch der deutschsprachigen Leserschaft zugänglich. Ilf und Petrow schufen eine Art sozialistischen Surrealismus. Stefana Sabin stellt die aufwendig gestalteten Bände vor.

Köhlmeier, Das Lied von den Riesen

Deftiges Honorar

In vierzeiligen Strophen erzählt Michael Köhlmeier die Geschichte eines Riesen, den er „Kristall“ nennt und der in den einzelnen Abschnitten Figuren aus Mythen und Märchen unterschiedlicher Herkunft begegnet. Köhlmeier hat schon literarisch und auch thematisch bedeutendere Werke geschrieben, meint Thomas Rothschild

Ani, Der namenlose Tag

Jenseits der Regelaltersgrenze

Der Schriftsteller Friedrich Ani ist ein Krimiautor von Format. In seinem neuen Roman „Der namenlose Tag“ schickt er den Kriminalkommissar Jakob Franck ins Rennen. Der frisch gebackene Ruheständler wird in einen älteren Fall hineingezogen. Anis Roman gewinnt seine Spannung aus einer beharrlichen Langsamkeit, meint Otto A. Böhmer.

Buchkritik: Doris Knecht, Wald

Neuanfang in der Natur

Im neuen Roman „Wald” der österreichischen Autorin und Kolumnistin Doris Knecht ist der Wald für die Protagonistin die einzige verbliebene Rückzugsmöglichkeit. Dort versucht sie einen Neuanfang. In Knechts provokantem Roman geht es nicht zuletzt um den Wunsch nach mehr Wärme in partnerschaftlichen Beziehungen, meint Riccarda Gleichauf.

Der Autor Henry James

Von Künstlern und Verzweifelten

Das Lavieren zwischen der amerikanischen Moderne und der europäischen Tradition war das prototypische Thema des Schriftstellers Henry James. Zwei gelungene Neuübersetzungen wollen nun die Wiederentdeckung des Erzählgroßmeisters anstoßen, berichtet Stefana Sabin.

Buchkritik

Kassandras Fluch

Anke Stellings Roman „Bodentiefe Fenster“ fragt, wie es möglich ist, dass Mütter zu Kindsmörderinnen werden. Wie die Psyche einer solchen Person aussehen könnte, wird durch die Lektüre des Romans deutlich. Stark wird der Text vor allem in den Beschreibungen der Fragilität des Daseins der Protagonistin, meint Riccarda Gleichauf.

Solitude Atlas

Kein Zentrum, keine Peripherie

Im 25. Jahr ihres Bestehens präsentiert die Akademie Schloss Solitude ihre Sicht auf die Welt mit einem großen Atlas. Der Band versammelt Schilderungen aus etwa hundert Städten und Orten der Welt, verfasst von rund zweihundert ehemaligen Stipendiaten der Akademie aus annähernd fünfzig Ländern aller Kontinente, berichtet Volker Breidecker.

Heike Geißler: Saisonarbeit

Wir Leiharbeiter

Die freischaffende Übersetzerin und Autorin Heike Geißler beschreibt in „Saisonarbeit“ ihre Erfahrungen als Leiharbeiterin bei Amazon in Leipzig. Geißler balanciert meisterhaft zwischen zwischen literarischem Erzählen und politischem Inhalt, meint Riccarda Gleichauf.

Vorbereitung auf das nächste Leben

Vernarbte Seelen

Der amerikanische Autor Atticus Lish kann auf Einsätze als Irak-Kämpfer zurückblicken und geht lieber ins Fitnessstudio als in Buchläden. Sein Roman „Vorbereitung auf das nächste Leben“ erzählt davon, was es heißt, in den Weiten Amerikas auf eine verwandte, verständnisvolle Seele zu treffen. Das Buch ist anstrengend und höchst befriedigend zugleich, meint Peter Henning.

Friederike Mayröckers Prosatexte

Madonna und das Lämmchen

Die Grande Dame der österreichischen Poesie, Friederike Mayröcker, hat nach den „Études“ den zweiten Band ihrer Prosa-Texturen vorgelegt, „Cahier“. In ihm führt die Autorin ihre eigenwillige und einzigartige Schreibweise fort. Bernd Leukert hat sich eingelesen.

Annegret Held, Armut ist ein brennend Hemd

Geschichte einer Landschaft

Annegret Helds Roman „Armut ist ein brennend Hemd“ erzählt die Geschichte eines fiktiven Ortes im Westerwald. Er spielt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, einer von Stillstand, harter Arbeit, Hunger, Not und Leiden geprägten Zeit. Es ist ein großartiges Buch, meint Martin Lüdke.

Ulrich Raulffs Geschichte einer epochalen Trennung

Der kentaurische Pakt

Das „Jahrhundert der Pferde“ von „Goethe bis zum Zweiten Weltkrieg“ ist Dreh- und Angelpunkt des monumentalen neuen Buchs von Ulrich Raulff. Raulff schreibt seine Geschichte aus der Gewissheit der epochalen Trennung von Mensch und Pferd. Dieses Buch lässt einen nicht mehr los, meint Detlev Claussen.

Marlene Streeruwitz' Roman „Nachkommen“

Die Regeln des Patriarchats

Die Protagonistin von Marlene Streeruwitz' Roman „Nachkommen“ ist eine 20-jährige Autorin, die es mit ihrem Romandebüt auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat. Streeruwitz thematisiert den Verfall der Literatur in einer Gesellschaft des Spektakels und die Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau, berichtet Riccarda Gleichauf.

Erich Mühsams Tagebücher in der Festungshaft

»Und jetzt will ich an Zenzl schreiben«

Der Schriftsteller und Anarchist Erich Mühsam (1878-1934) war maßgeblich an der Ausrufung der Münchner Räterepublik im Jahr 1919 mitbeteiligt. Nach deren Niederschlagung kam Mühsam in Festungshaft. Im Verbrecher Verlag ist nun ein weiterer Band seiner Tagebücher erschienen, in dem Mühsam sein Leben in Haft festhält. Harry Oberländer hat das Buch gelesen.

Doris Dörrie: »Diebe und Vampire«

Helden haben keine Ladehemmung

Die Autorin, Regisseurin und Filmemacherin Doris Dörrie hat einen Roman über die von Schriftstellern gefürchtete Volkskrankheit Schreibblockade vorgelegt. „Diebe und Vampire“ ist ein schönes Buch, das unterhaltsam ist, nachdenklich stimmt und am Schluss mit einer fein gewebten Pointe aufwartet, meint Otto A. Böhmer.

Steve Sem-Sandbergs Roman „Die Auserwählten“

Die Literatur gibt den Opfern eine Stimme zurück

Steve Sem-Sandberg hat mit „Die Erwählten“ einen Roman über die Verbrechen am Wiener Kinderkrankenhaus „Am Spiegelgrund“ während der Nazizeit vorgelegt. Sem-Sandberg präsentiert die Geschichte als einfachen Bericht, lässt den Leser vor Wut beben, treibt ihm die Tränen in die Augen. „Die Erwählten“ ist ein großer Roman, meint Martin Lüdke.

Andreas Kollenders neuer Roman

Eine unbeugsame Seele

Per Zufall stieß der Hamburger Schriftsteller Andreas Kollender auf die Geschichte des Spions Fritz Kolbe, begann zu recherchieren und schrieb darüber einen Roman. Kollenders „Kolbe“ zeigt, wie ein deutscher David todesmutig gegen den übermächtigen Goliath namens Naziregime agiert. Peter Henning empfiehlt das Buch.

Adam Soboczynski, »Fabelhafte Eigenschaften«

Neues aus dem Betrieb

Adam Soboczynski, Co-Leiter des ZEIT-Feuilletons, hat mit „Fabelhafte Eigenschaften“ seinen ersten Roman vorgelegt. Darin wimmelt es von Vertretern der urbanen Kultur- und Kreativelite mittleren Alters, die sich auf hohem Niveau zu langweilen scheinen. Nicht zuletzt daran scheitert Soboczynskis Roman, meint Eugen El.

Nigel Barley Indonesien-Bücher

Abendmahl und Pin-Up Girls

Der britische Ethnologe Nigel Barley erzählt in seinen Büchern von Indonesien. Es sind zum einen seine Erfahrungen bei den Toraja, die Barley erzählerisch ausgestaltet und mit Dialogen bestückt. In „Bali – Das letzte Paradies“ demonstriert Barley das Wechselspiel zwischen europäischer und balinesischer Kultur, berichtet Ruthard Stäblein.

Laurie Penny: Unsagbare Dinge

Verlorene Jungs – Perfekte Mädchen

»Feminismus ist für alle da«, erklärt die Autorin und Bloggerin Laurie Penny in ihrem neuen Buch »Unsagbare Dinge: Sex, Lügen und Revolution« und deckt dabei ohne falsche Zurückhaltung Pathologien unserer scheinbar so »gegenderten« westlichen Kulturen auf. Riccarda Gleichauf stellt eine neue weibliche Stimme vor, die dem längst überholten Alice-Schwarzer-Feminismus Konkurrenz macht.

Christoph Meckel: „Tarnkappe“

Die Rede vom Blut

Christoph Meckel hat es fertiggebracht, ein starker Lyriker und ein beharrlicher Einzelgänger zu sein und zu bleiben. Zu seinem 80. Geburtstag sind seine „Gesammelten Gedichte“ erschienen, die Bernd Leukert gerne weiterempfiehlt.

Karl Wolfgang Flenders Debüt

Geld, Sex, Ökofraß

Mit „Greenwash Inc.“ hat der 1986 geborene Autor Karl Wolfgang Flender seinen Debütroman vorgelegt. Dessen Protagonist Thomas Hessel poliert den Ruf von Unternehmen durch Fairness- und Nachhaltigkeitskampagnen auf. Obwohl um Aktualität bemüht, ist Flenders Roman literarisch kaum nachhaltig, meint Moritz Müller-Schwefe.

Tagebuch eines Philosophen

Die Maske „Kojève“

Ingo Ebener liest Alexandre Kojevès nun auf Deutsch erschienenes »Tagebuch eines Philosophen« und erkennt in den frühen Notizen des einflussreichen Hegel-Interpreten mehr als bloße Formsuche und Stilübung, nämlich die Freude an dem Spiel mit der Maske.

Pogacar, Schwarzes Land

Der Bauch gefüllt mit fremden Uhren

Die junge kroatische Poesie hat einen bemerkenswerten Protagonisten, den 1984 in Split geborenen Marko Pogacar. Sein neuer Gedichtband „Schwarzes Land“ ist zweisprachig, also auch deutschsprechenden Leserinnen und Lesern zugänglich. Eric Giebel stellt das Buch vor.

Jugendbuch

Von Bankern, Philosophen und Kindern

Der Zürcher diaphanes-Verlag publiziert seit kurzem eine Reihe liebevoll bebilderter Philosophen-Porträts für junge Leser. Nun ist auch ein Band über Hannah Arendt erschienen. Es wäre zu wünschen, dass Kinderbücher wie dieses noch Platz finden in den Regalen der Kleinen, meint Heimito Nollé.

Buchkritik

Ein Meer von Blut und Tränen

*+Stefano D`Arrigo+* hat in seinem außergewöhnlichen Roman *Horcynus Orca* mythologische Erzählungen mit den großen Krisen der Gegenwart in Verbindung gebracht und damit ein europäisches Großwerk geschaffen, in dem der kriegerische Killerwal eine Hauptrolle spielt. *Dieter Maier* schreibt, warum dieses Buch so wichtig ist.

Krimikritik

Abwärts

Sara Grans düsteres Krimidebüt „Dope“ führt in den letzten Höllenkreis der Heroinabhängigkeit hinter den schillernden Fassaden New Yorks der fünfziger Jahre. Ein Roman von großer Wucht und Unmittelbarkeit mit einer sehr eigenen Handschrift, meint Kirsten Reimers.

Gaitskill: Der verschwundene Kater

Befreiender Verlust

Seit vielen Jahren schreibt Mary Gaitskill eine in ihrer psychologischen Dichte und Genauigkeit beeindruckende Kurzprosa. 2014 ist ihre Erzählung „Lost Cat“ auf Deutsch erschienen. Wie Gaitskill es versteht, den Verlust ihrer Katze zum Anlass zu nehmen, um über ihr eigenes Dasein als Frau, Freundin und Partnerin streifende Fragen nachzudenken, ist famos, meint Peter Henning.

Aphorismen von Jules Renard

Melancholie und Leichtigkeit

Unter dem Titel „Das Leben wird überschätzt“ hat Henning Ritter Aphorismen des französischen Autors Jules Renard (1864-1910) zusammengestellt und übersetzt. Sie sind eine faszinierende Lektüre, meint Heimito Nollé.

Hörbuch

Ein Traumpaar

Peter Fitz' und Otto Sanders Darbietung von Samuel Becketts Kurzroman „Mercier und Camier“ wurde 1982 vom Schweizer Radio als Hörspiel produziert. Die Aufnahme liegt nun ungekürzt auf zwei CDs vor. Sie ist geeignet, alles, was als Hörbuch kursiert, in den Bereich der Belanglosigkeit zu verweisen, meint Thomas Rothschild.

Drei Salinger-Bücher

Brillantfeuerwerk der Worte

Als Liebender abgewiesen zu werden gehört zu den schlimmsten Erfahrungen, die ein Menschenleben verpfuschen, aber auch zu einer Quelle künstlerischer Kreativität werden können. Peter Henning hat in drei neuen Büchern von und über Jerome D. Salinger, den 2010 verstorbenen Schöpfer des „Fänger im Roggen“, diesen Zusammenhang ausgemacht.

Max Anna: Die Farm

Eine zerrissene Gesellschaft voller Hass

Max Annas’ Debütroman „Die Farm“ zeichnet ein scharfsichtiges Porträt der südafrikanischen Gesellschaft, eingebettet in eine hochspannende Story, findet Kirsten Reimers.

Farrell: Die Belagerung von Krishnapur

Der erste Schritt

Mit Messern, Gabeln und Marmorköpfen der britischen Denker verteidigten zuletzt die Belagerten von Krishnapur ihr Leben. Von einer grotesken wie wahren Geschichte aus Indien der Kolonialzeit handelt James Gordon Farrells Buch „Die Belagerung von Krishnapur“. Clair Lüdenbach hat es gelesen.

Klonovsky, Aphorismen und Ähnliches

Die Vulgarität des Hasses

Der Focus-Autor Michael Klonovsky positioniert sich deutlich rechts von der politischen Mitte und liefert mit dem Band „Aphorismen und Ähnliches“ einen Rundumschlag. Klonovsky steht für eine meinungsgetriebene Spielart plakativer zeitgenössischer Aphoristik, meint Tobias Grüterich.

Silvio Blatters Familienroman

Ungewisse Bilanz

Im Mittelpunkt des neuen Romans von Silvio Blatter stehen zwei ältere Menschen, die eigentlich zufrieden auf ihre Vergangenheit zurückblicken können. Und doch werden sie von der Frage umgetrieben, wie sie das letzte Lebensdrittel gestalten sollen, ohne es am Ende zu bereuen. Die Lektüre ist schmerzhaft, aber auch befreiend, meint Peter Henning.

Buchkritik

Finis terrae: In die Steppe!

Der Lyriker Horst Samson ist ein Kind der Verbannung. „Und wenn du willst, vergiss“ versammelt Samsons Gedichte aus drei Bänden. Zwei sind unter den Bedingungen der Überwachung und Zensur geschrieben, einen hat Horst Samson als freier Schriftsteller verfasst, berichtet Eric Giebel.

Buchkritik

Abenteuerreise nach Besserland

Alexandra Friedmann, 1984 im weißrussischen Gomel geboren, kam 1989 mit ihrer Familie nach Deutschland. In ihrem autobiografisch gefärbten Romandebüt „Besserland“ erzählt die in Berlin lebende Autorin von einer hürdenreichen und zuweilen abenteuerlichen Auswanderung. Eugen El hat das Buch gelesen.

Buchempfehlung

Das Leben neu erfinden

In seinem Debütroman „Sterndeutung“ umkreist der ukrainisch-deutsche Schriftsteller Jan Himmelfarb einen Lebenslauf zwischen Krieg, Verfolgung, Totalitarismus und Emigration. Stefana Sabin hat das Buch gelesen.

Burke, Absolute Zero Cool

Schwindende Gewissheiten

Mit seinem nun auf Deutsch vorliegenden Roman „Absolute Zero Cool“ sprengt der Ire Declan Burke die Grenzen des Krimigenres und jongliert gekonnt mit literarischen Themen, Topoi und Zitaten, meint Kirsten Reimers.

Klaus Modick: Konzert ohne Dichter

Der Wille zum Werk

In seinem neuen Roman zeichnet Klaus Modick die Stimmung in der Künstlerkolonie Worpswede zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach und erzählt dabei die Geschichte eines der berühmtesten dort entstandenen Gemälde. Stefana Sabin hat das Buch gelesen.

Luís de Camões in Übersetzungen aus vier Jahrhunderten

Die liebe Seele

Als ihn der schwarze Tod holte, war das Land, für das er als Soldat und Dichter gekämpft hatte, verloren. Das Werk des Luís de Camões, der die Edda der Portugiesen verfasste, ist in der Sammlung „Com que voz? Mit welcher Stimme?“ Übersetzern aus vier Jahrhunderten willkommen gewesen. Bernd Leukert hat sie gelesen.

Buchkritik

Addio, Giorgio! Addio, Coccinella!

Aus Enkelinnenperspektive erzählt Barbara Zeizinger, wie erst nach dem irritierend erfolgten Tod des Großvaters die schuldhafte Verstrickung erkennbar wird, die den hoch betagten Staatsanwalt ein Leben lang begleitet hat. Eric Giebel stellt den Roman, aus dem ein Auszug nachfolgend veröffentlicht wird, vor.

Natascha Wodin: Alter, fremdes Land

Etwas Besseres als den Tod findet man sogar im Alter

Über die Zumutungen des Alters hat die Schriftstellerin Natascha Wodin einen Roman geschrieben, dessen Titel schon programmatisch anmutet: Alter, fremdes Land. Wodin ist es hoch anzurechnen, dass sie den Niedergang eigener Befindlichkeiten ohne Larmoyanz oder Aufdringlichkeit beschreibt, meint Otto A. Böhmer.

Rolf Hosfelds neue Heine-Biographie

Göttliche Bosheit

An Biographien berühmter Dichter und Denker mangelt es auf dem Buchmarkt nicht. Heinrich Heine rangiert dabei, nach Goethe, auf Platz zwei. Nun hat Rolf Hosfeld eine weitere, über 500 Seiten starke Heine-Biographie vorgelegt. Wer sich über Heine informieren will, wird bei Hosfeld ordentlich bedient, meint Otto A. Böhmer.

Markus Fischers aktuelle Studie zu „unserem” Celan

»Aber hat sich hier nicht jäh etwas aufgetan?«

„Celan-Lektüren“ nennt Markus Fischer in Anlehnung an Peter Szondis bahnbrechende nachgelassene „Celan-Studien“ seine eigene wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Paul Celans Dichtung und Poetologie. Mit den Mitteln der Komparatistik, Literatur- und Translationswissenschaft gelingt ihm eine schlüssige Celan-Vergegenwärtigung, meint Vasile V. Poenaru.

Wilhelm Genazinos »Bei Regen im Saal«

Im Leerlauf des Lebens

Der Schriftsteller Wilhelm Genazino hat seine letzten Romane durchweg mit etwas antriebsarmen Helden bestückt. Auch in seinem neuen Buch, „Bei Regen im Saal“, treffen wir auf einen Erzähler, der seine besten Jahre hinter sich hat. Weniger wäre mehr gewesen in diesem Roman, meint Otto A. Böhmer.

Buchkritik

Hochzeits-Türmerisches

PH Gruner, der erste Darmstädter Turmschreiber, legt mit »La Tour du Mariage« eine reichlich mit Fotos gesättigte Kurzgeschichten-Sammlung vor. Der Band liefert in kompaktem Format Bilder und Belege, die anzuschauen und zu lesen schlichtweg ein Genuss sind, findet Bruno Laberthier.

Tom Bresemanns neuer Gedichtband

Lyrische Widerborstigkeit

Tom Bresemanns bildungsaffine Gedichte sind bei den Kritikern vor allem für Witz, Wut und Widerborstigkeit bekannt. Ob er in seinem neuen Gedichtband „Arbeiten und wohnen im Denkmal“ dieser Linie treu bleibt, untersucht Alexandru Bulucz.

Bedrückende Lektüre: Fritz J. Raddatz‘ Tagebücher

Zur Schau gestellt

Es gibt Exibitionisten der Kulturszene, die können mehr ausziehen als sie anhaben. Der langjährige Feuilletonchef der ZEIT, Fritz J. Raddatz, veröffentlichte 2010 und 2014 seine Tagebücher in zwei Bänden. Detlev Claussen warnt ausdrücklich vor der Lektüre dieses Spiegelkabinetts der Eitelkeiten.

BUCHKRITIK

»Verlassen von sich selbst«

Der Schriftsteller Marcus Kolpa, Protagonist von Marcel Mörings Roman „Im Wald“, sucht Schutz im Vergessen und im Verdrängen. Eines Tages lassen sich die ihn quälenden Fragen plötzlich nicht länger aufschieben, und er begibt sich auf eine schmerzhafte Expedition in die Vergangenheit. Mit „Im Wald“ ist Möring ein mutiger, mitreißender Roman geglückt, findet Peter Henning.

MARTIN WALSERS TAGEBÜCHER 1979 BIS 1981

So geht Kulturgeschichte

Das Tagebuch eines Schriftstellers, in dem das Private als ausgestellte Intimität öffentlich wird, ist eine problematische Gattung. Der Fall liegt jedoch anders bei Martin Walser, der sein Leben zum Instrument seines Schreibens gemacht hat. Nun sind Walsers Tagebücher aus den Jahren 1979 bis 1981 erschienen und Martin Lüdke hat sie gelesen.

Raja Alems Roman »Das Halsband der Tauben«

Ein Wimmelbild aus Mekka

Zwei Hauptthemen ziehen sich wie ein roter Faden durch Raja Alems Roman „Das Halsband der Tauben“: zum einen der schändliche Umgang der saudiarabischen Behörden mit dem islamischen Erbe, zum anderen der verachtende Blick auf den weiblichen Körper, berichtet Larissa Bender.

Rax Rinnekangas' Roman »Der Mond flieht«

Unschuldig schuldig werden

Der Roman des Autors Rax Rinnekangas „Der Mond flieht“ spielt im nüchtern-ekstatischen Milieu der finnischen Erweckungsbewegung. Er handelt von Schuld und vom Erwachsenwerden und ist eine ideale Lektüre für mondlose Nächte, findet Ruthard Stäblein.

Albert Ostermaiers Gedichtband »Außer mir«

Stiefelschritte der Ameisen

Albert Ostermaier ist ein äußerst produktiver Autor, der in seinem neuen Gedichtband »Außer mir« der ekstatischen Liebe mit feinen und grellen Sprachbildern zu Leibe rückt. Bernd Leukert hat das Buch gelesen.

Irmgard Maria Ostermann: »Das Ende der Aufzählung«

Vergängliche Leidenschaft

Vera, die als Stipendiatin nach Griechenland kommt, erwartet dort all das, was sie bis dahin vermißte: ein anderes, intensives Leben, eine bezaubernde Landschaft, Liebe und Glück. Der Roman „Das Ende der Aufzählung” von Irmgard Maria Ostermann korrigiert die Erwartungen. Reinhard Boos hat das Buch gelesen.

Bruce Holbert: »Einsame Tiere«

»Geschichte. Ein Wort, viele Möglichkeiten, oder?«

Bruce Holberts Debütroman „Einsame Tiere“ spielt im US-Bundesstaat Washington Anfang der dreißiger Jahre. Holbert gelingt es, das Westerngenre zu modernisieren – mit Elementen des Serienkillerthrillers, großer Wortgewalt und ebenso poetischen wie entsetzlichen Bildern, meint Kirsten Reimers.

Thornton Wilder: Die Brücke von San Luis Rey

Die Brücke in den Tod

In seinem zweiten Roman »Die Brücke von San Luis Rey« kombinierte Thornton Wilder Liebes- mit Leidensgeschichten, das Tragische mit dem Pikaresken und entwarf ein traditionelles humanistisches Menschenbild. Anlässlich einer neuen deutschen Übersetzung hat Stefana Sabin den Roman wieder gelesen.

Franzobels Krimidebüt »Wiener Wunder«

Singulärer Rausch

Womöglich zeichnet sich hier ein Trend ab: Schriftsteller der sogenannten E-Literatur versuchen sich am Krimigenre. Nach Sibylle Lewitscharoff hat nun Franzobel mit »Wiener Wunder« seinen ersten Krimi vorgelegt. Kirsten Reimers hat ihn gelesen.

Nic Pizzolattos Roman „Galveston“

»Manche Erfahrungen überlebt man nicht«

Nic Pizzolatto, Drehbuchautor der aufsehenerregenden, kontrovers diskutierten TV-Serie „True Detective“, legte 2011 sein Romandebüt vor: „Galveston“. Nun ist es auf Deutsch erschienen und Kirsten Reimers hat es gelesen.

Joshua Cohens Kurzgeschichtenband

Nachrichten aus Neuland

In Amerika hat er bereits zahlreiche Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht. Jetzt liegt mit „Vier neue Nachrichten“ im Schöffling Verlag das erste Mal ein Band von Joshua Cohen in deutscher Übersetzung vor. Cohen zeigt sich als ein moderner Erzähler, der die Fragen nach Identität und Wirklichkeit im digitalen Zeitalter literarisch gekonnt reflektiert, meint Michael Helwig.

KINDERBUCH

Ein Gerücht geht um in Baddbaddpur

In Indien ist Anushka Ravishankar bei Eltern und Kindern längst ein klangvoller Name. Nun ist ihr Buch „Ein Gerücht geht um in Baddbaddpur“ auch ins Deutsche übersetzt worden. Clair Lüdenbach hat es gelesen.

Buchkritik

Mit Hut und Blauharz

Mit ihrem neuen Roman »Wunderlich fährt nach Norden« vollzieht Marion Brasch einen Genrewechsel. Sie erzählt eine melancholische Geschichte, die die Grenzen der Realität und Logik überschreitet und der Phantasie Raum gibt. Literatur darf das, meint Stefan Geyer.

„Schluckspecht“ von Peter Wawerzinek

Vom Trinken und von Trinkern

Der Berliner Schriftsteller Peter Wawerzinek hat ein Talent, menschliche Katastrophen in Literatur zu verwandeln. Und er schöpft seinen literarischen Stoff aus der eigenen Biografie. In seinem jüngsten Roman „Schluckspecht“ zeichnet Wawerzinek ein klares Bild vom Trinken und von Trinkern, meint Alexandra Hartmann.

Sibylle Lewitscharoffs Kriminalroman „Killmousky“

Der falsche Maßstab

Kühnheit wurde Sibylle Lewitscharoff in der Laudatio zu ihrem Büchnerpreis attestiert. Doch daran fehlt es ihrem Krimidebüt „Killmousky“ im beträchtlichen Maße. Kirsten Reimers hat das Buch gelesen.

Volker Weidermanns literarischer Essay „Ostende“

Ein letzter Sommer

In „Ostende“ erzählt Volker Weidermann vom Sommer 1936, als sich eine Gruppe deutschsprachiger Exil-Schriftsteller im belgischen Badeort traf. Im Mittelpunkt des Essays stehen Stefan Zweig und Joseph Roth. Weidermann vermag die Balance zwischen literarischem Anspruch und Faktentreue zu halten, meint Eugen El.

Blaise Cendrars »Monsterroman«

»Kunstvoll verspielt und absolut moralfrei«

Blaise Cendrars war ein genialer Haudegen, bereiste schon mit 16 die ganze Welt, ein Abenteurer, der als Fremdenlegionär den rechten Arm verlor, der experimentelle Filme machte und seine innovativen Gedichte selbst druckte. Nun ist in der ›Anderen Bibliothek‹ sein starker Roman »Moravagine« neu herausgekommen und hat Martin Lüdke beeindruckt.

Eric Giebel

Über den Dächern das Licht / Nad St?echami Sv?tlo

Mit Gedichten möchte Klára H?rková Brücken bilden. In ihrer deutsch-tschechischen Anthologie »Über den Dächern das Licht / Nad St?echami Sv?tlo« sind ihre filigranen Brücken jedoch bewusst so schmal gestaltet, dass sich die Passanten bei der Begegnung in die Augen schauen müssen. Eric Giebel hat sich in das Werk der 1962 in Prag geborenen Dichterin eingearbeitet und mit ihr gesprochen.

Nancy Hünger: »Wir sind golden, wir sind aus Blut«

Sprung und Falte

Wenn die Haare glühen wie leuchtende Antennen, die heimlich Signale nach oben senden, befinden wir uns in einem poetischen Text von Nancy Hünger. Bernd Leukert hat ihr neues Buch gelesen und empfiehlt es nachdrücklich.

Otto A. Böhmer

Blumenfresser

Der ungarische Schriftsteller Laszló Darvasi gilt als Autor, der seine Leser unterhält und ihnen zugleich einiges zumutet. „Blumenfresser" ist kunstvoll geschrieben, poetisch bedacht und freudloser Gegenwart aufs feinste enthoben, meint Otto A. Böhmer.

Buchkritik: 30. April 1945

Führerlos

Mit einem Schuss begann die Westbindung der Deutschen. So finden sich der Selbstmord Hitlers und die Aufteilung Deutschlands zusammengebunden in Alexander Kluges Buch »30. April 1945 – Der Tag, an dem Hitler sich erschoß und die Westbindung der Deutschen begann«. Johannes Winter hat das Buch gelesen. mehr

Buchkritik: Hermann Kinder, Der Weg allen Fleisches

Mehr als eine Krankenakte

Hermann Kinders neue Erzählung „Der Weg allen Fleisches“ schildert die Geschichte einer Krankheit. Zu Beginn noch undramatisch, führt sie auf einen Leidensweg, der kaum auszuhalten ist. Kinder hat eine anrührende Erzählung geschrieben, die weit mehr ist als eine poetisch aufbereitete Krankenakte, findet Otto A. Böhmer.

Hans Höllers „Der unbekannte Thomas Bernhard“

Eine Liebeserklärung an Thomas Bernhard

Neun Bernhard-Studien versammelt ein neuer, im Korrekturverlag erschienener Band des emeritierten Salzburger Germanistikprofessors Hans Höller. Alexandru Bulucz verteidigt Höllers emphatischen Ansatz, schließlich sei die Literaturwissenschaft, die Philo-logie, buchstäblich Liebe.

Philosophie: Jean-Luc Nancy

Hermeneias Annoncen

In seiner Schrift „Die Mit-Teilung der Stimmen“ versucht sich der französische Philosoph Jean-Luc Nancy an einer Neubewertung der für die deutschen Geisteswissenschaften kanonischen Hermeneutikliteratur. Tillmann Reik hat diese frühe Schrift Nancys, die nun ins Deutsche übertragen wurde, gelesen.

Acht neue Erzählungen von Amos Oz

Immer wieder Regen

Um den Defizit zwischen individueller Sehnsucht und kollektiver Zufriedenheit im Kibbuz der sechziger Jahre kreisen acht neue Erzählungen von Amos Oz. Die emotionellen Nöte der Kibbuzniks reichen aber nicht mehr aus, um das psychologische Porträt einer Generation abzugeben, findet Stefana Sabin.

Belletristik

Liebe ist alles

Der Schriftsteller und Übersetzer Günter Ohnemus will einen Liebesroman ohne Liebesgeschichte schreiben und erzählt von einer spannungslosen Dreiecksbeziehung. Die Figuren im Roman scheinen dennoch zu wissen, dass Liebe alles ist, meint Stefana Sabin.

Bruno Laberthier

Die Dicken und der Diakon

In zeitgemäßer E-Book-Form bricht Carlo Schäfer mit den Gesetzmäßigkeiten der Krimiliteratur, indem er auf Subversion durch Witz, Kodderschnauze und Sinnverweigerung setzt. Der Tod dreier Männer heißt Schäfers Werk, das Bruno Laberthier äußerst lesenswert findet.

Charles Dudley Warner und die Gartenarbeit

Kampf dem Unkraut

Als Mitglied der intellektuellen Kommune „Nook Farm” betätige sich der Essayist Charles Dudley Warner auch als Hobbygärtner und bündelte seine Erfahrungen zu einem Gartenbuch, das 1870 zuerst erschien und das seitdem immer wieder aufgelegt wird. Gerade ist wieder eine deutsche Ausgabe erschienen.

Henning: Mary Miller

»Weisses Rauschen«

Was für eine Idee! Eine Autofahrt von Alabama nach Florida, um die Apokalypse zu erleben, als mobiler Kommentar amerikanischer Zustände. Mary Miller hat daraus ihren Roman „Süßer König Jesus“ gemacht, Alissa Walser hat ihn übersetzt; und Peter Henning empfiehlt ihn.

Lyrik: Altaf Tyrewala

Mumbai im Zorngesang

Bollywood? Stars und Glamour? Die rund 12 Millionen Einwohner Mumbais kennen ihre Stadt von einer anderen Seite, die Altaf Tyrewala in einem gewaltigen, zornigen Gedicht besingt: »Das Ministerium der verletzten Gefühle«. Bernd Leukert hat es gelesen.

Buchkritik von Peter Henning

»Krieg«

Arnold, der Protagonist in Jochen Rauschs zweitem Roman, ist im Krieg. Mit seinen nie schweigenden Dämonen, mit seinem nicht nachlassenden Schmerz. Rauschs Roman, der die Geschichte eines scheinbar total gewordenen Verlusts erzählt, ist ein literarisches Ereignis, findet Peter Henning.

Erasmus Schöfer: Kinder des Sisyfos

Sisyfos' Kinder schlagen das Erbe aus

In einen vierteiligen Romanzyklus hat Erasmus Schöfer die Historie der bundesdeutschen Linken ausgebreitet – als eine optimistisch bis ins digitale Zeitalter fortgeschriebene Traditionslinie der Entwicklungs- und Bildungsromane. Zeitgeschichte entfaltet sich vor dem, der sich auf »Die Kinder des Sisyfos« einlässt, stellt Marianne Walz fest.

Lyrik: Andrea Zanzottos »Dorfspiel«

Fremd wie zuhause

Der venetische Dichter Andrea Zanzotto gehört zu den bedeutenden Erneuerern der italienischen Lyrik. Er, der Freund Pasolinis, Montales oder Luzis, der Libretti für Fellinis Filme schrieb, hat die Dichtung sein Leben lang gegen ideologische Inanspruchnahme verteidigt. Das „kleine Buch außer der Reihe“ mit ausgewählten Gedichten Zanzottos, „Dorfspiel“, hat Bernd Leukert beschäftigt.

Peter Henning

„London NW“, Zadie Smith' neuer Roman, markiert eine Rückkehr an den Ort ihrer Kindheit – den Londoner Stadtteil Willesden. Nach einer siebenjährigen Pause und gezielten Ausflügen in die Essayistik meldet sich die englische Schriftstellerin mit diesem Roman zurück. Das Warten hat sich gelohnt, findet Peter Henning.

Buchkritik

Visionen und Täuschungen

„Im Kopf von Bruno Schulz“ heißt Maxim Billers stilistisch souveräne und dennoch verstörende Hommage auf den 1942 ermordeten Schriftsteller und Zeichner Bruno Schulz. Eugen El hat die Novelle gelesen.

Literaturzeitschrift

Wahnsinn – die Literaturzeitschrift »metamorphosen«

Warum ist es für eine Literaturzeitschrift bezeichnend, dass sie sich an dem Thema ‚Wahnsinn‘ abarbeitet? Dieser Frage geht Alexandru Bulucz nach und durchläuft dabei „Nicht-Orte, Nicht-Plätze wie Flughäfen, Bahnsteige und Sanatorien“ in Moritz Müller-Schwefes Literaturzeitschrift metamorphosen.

Jan Wilm

Gerhard Falkners „Pergamon Poems“

Wahrscheinlich wurde immer über die Vergangenheit geschrieben, um mit ihr die Gegenwart zu kommentieren. Selten aber geschah dies mit Hilfe der Sinnlichkeit. Gerhard Falkner hat auf diese Weise 21 Gedichte zu den Reliefs im Fries des Berliner Pergamonaltars geschrieben. Und Jan Wilm preist die große, geheimnisvolle Kunst der „Pergamon Poems“.

Ein Erlebnisbericht zu Arno Schmidt

Tina oder über die Unsterblichkeit

Wo fällt man gleich über »Spitzbrüste voller Ungedeih«? Klar, in »Tina oder über die Unsterblichkeit«. So beginnt nämlich für Arno Schmidt der Weg ins Elysium. Was »Tina« darüber hinaus anrichten kann, schildert Gregor Szyndler in seinem rezensierenden Erlebnisbericht.

Experimentelle Gedichte von Tristan Marquardt

»Du musst das System nicht checken, um es zu hacken«

Wer Gedichte liest – vermutet man – möchte Vertrautes wiedererkennen, – aber mit einem fremden Blick. Er möchte lesen, was er immer schon dachte, – aber so eben nicht. Tristan Marquardt hat sich diesem Leser mit seinem Band »das amortisiert sich nicht« gestellt und Malte Abraham zeigt sich davon begeistert.

Alexandru Bulucz

Thomas Bernhard und Gerhard Fritsch: Der Briefwechsel

Gerhard Fritsch war ein Freund, der Thomas Bernhard früh zur Seite stand und ihm eine öffentliche Bühne verschaffte, von der ihn später Theaterdirektoren und Verleger abholen konnten.

Stefana Sabin

Auf dem Weg zur Mehrsprachigkeit

Die Zeiten der klaren sprachlichen Identität ist vorbei! Mehrsprachigkeit scheint alltäglich geworden zu sein. Was Mehrsprachigkeit tatsächlich bedeutet und wie das Verhältnis der Nationalsprachen zu der einen Weltsprache ist, beschreiben mehrere neue Bücher, die Stefana Sabin gelesen hat und kritisch kommentiert. 

Otto A. Böhmer

Brigitte Kronauer: Gewäsch und Gewimmel

Was passiert, wenn man nach dem besten Buch noch ein besseres schreibt? Brigitte Kronauer hat einen genauen Blick auf die Gegenwart geworfen und ihre Beobachtungen mit heiterer Gelassenheit in ihren Roman »Gewäsch und Gewimmel« einfließen lassen. Otto A. Böhmer bewundert das Buch.

Thomas Scholz

Matthias Göritz: Träumer und Sünder

Trotz aller Anekdoten über Stars, Filme und ihre Traumfabrik ist Matthias Göritz' „Träumer und Sünder“ kein Film-Roman, sondern eine Geschichte über die Nachfolge, über das Weitergeben und –führen eines Lebens durch das Erzählen der Geschichte eines Menschen.

Enno Rudolph zum Briefwechsel

Hans Blumenberg und Jacob Taubes

Der Religionssoziologe Jacob Taubes muss ein beeindruckender Rhetoriker gewesen sein, der dem Philosophen Hans Blumenberg beharrlich eine Zusammenarbeit antrug. Warum beide hoffnungslos aneinander vorbei redeten, erklärt Enno Rudolph in seiner Besprechung des Briefwechsels.

Friedrich von Borries: RLF

Alternativlosgesellschaft?

Als im letzten Jahrhundert in der Folge der Studentenbewegung die Suche nach einem alternativen Leben begann, hatte man das real existierende als das falsche erkannt. Nun, nach mehr als vierzig Jahren, muss sich diese Erkenntnis erst verbreiten. Friedrich von Borries hat mit seinem neuen Buch die Vorbereitungen getroffen. Christian J. Grothaus stellt das Aufklärungswerk vor.

Buchkritiken

Rüdiger Safranski, Goethe

Gorelik: Die Listensammlerin

Liebe in Zeiten der Diktatur

Wie schreibt man die Geschichte einer Familie, die erfahren musste, dass das Streben nach einem selbstbestimmten Leben unter den Bedingungen einer Diktatur zum Scheitern verurteilt ist? Dieser Frage geht Lena Goreliks neuer Roman nach, den Eugen El für Faust Kultur gelesen hat.

Lyrik

Die gesammelten Verse von Wilhelm Klemm

Jorge Luis Borges übertrug 1920 mehrere seiner Gedichte ins Spanische. Er kannte Apollinaire, Hofmannsthal, Carl Einstein und Kurt Schwitters: Wilhelm Klemm war ein äußerst produktiver Dichter, dessen »Gesammelte Verse« Bernd Leukert hier vorstellt.

Literaturzeitschrift

Flandziu

Alexandru Bulucz stellt die nach einer Figur aus dem Werk Wolfgang Koeppens benannte Zeitschrift Flandziu anhand eines Textes des Herausgebers Jürgen Klein zur Erinnerungskultur vor.

Entgegnung

Versuch über Jacob Taubes

»Geschwätziger Irrtum« ist Hans-Martin Lohmanns Besprechung überschrieben. Darin bezeichnete er den Religionswissenschaftler Taubes als Scharlatan. Frei von einem Anspruch auf Objektivität macht Alexandru Bulucz in seiner Replik eine andere Sichtweise geltend.

buchauszug

Polizeiliche Vernehmung

Das »Narrenstück«, das der Übersetzer und Journalist Jan Cornelius veröffentlicht hat, ist eine literarische Montage aus autobiographischen und fiktionalen Skizzen, in denen er die Wirklichkeit mit scharfer Feder beschreibt. Der besonderer Reiz des Romans entsteht aus der Mischung aus verzweifeltem Humor und komischem Realismus.

Peter Henning über Raymond Carver

Wir haben nur Worte

Worte finden angesichts des nahenden Todes: Raymond Carvers letztes Buch, der nun erstmals auf Deutsch vorliegende Band »Ein neuer Pfad zum Wasserfall«, versammelt gut fünfzig Gedichte aus der Feder des 1988 im Alter von 50 Jahren an Lungenkrebs verstorbenen Amerikaners. Eine Buchkritik von Peter Henning.

Buchkritiken

The Lesson Today

Wend Kässens

Naechster Halt Himmelreich

Nähe und Distanz, emotionaler Ernst und mitleidloser Witz sind ihm geläufig. Otto A. Böhmer ist beides: erzählender Philosoph und philosophischer Erzähler. In beiden Fällen ist er auf hohem Niveau unterhaltsam. Seinen neuen Roman »Nächster Halt Himmelreich« nennt Wend Kässens ein literarisches Ereignis.

Buchkritiken

Max Sessner, Warum gerade heute

Buchkritiken

Channah Trzebiner, Die Enkelin

Buchkritiken

Tuschick: Interview zu Thomas Brasch

Buchkritiken

Thomas Brasch, Gedichte

Bernd Leukert

Fred und Franz

Das neue Buch des Schweizer Schriftstellers Arno Camenisch heißt »Fred und Franz«. Der Tonfall, den der Autor so unverwechselbar etabliert hatte, ist darin in eine neue Fassung gebracht. Bernd Leukert hat das Buch gelesen.

Ruthard Stäblein

Idiopathie

Vom Leben der Mittdreißiger im ostenglischen Norwich erzählt Sam Byers' Debütroman »Idiopathie«. Mit sarkastischem Humor umschreibt der Autor den Narzissmus seiner Figuren. Eine Buchkritik von Ruthard Stäblein.

Erstveröffentlichung vor 50 Jahren

Die Glasglocke

Im Juni 1953, als die Rosenbergs auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurden, ist Sylvia Plath in New York. Der Gedanke, mit Strom verbrannt zu werden, macht sie krank. So beginnt ihr einziger Roman Die Glasglocke, der vor 50 Jahren erstmals veröffentlicht wird. Vier Wochen danach begeht sie Selbstmord. Jan Wilm hat das einzigartige Buch wiedergelesen.

Buchkritiken

einzlkind, Gretchen

Buchkritiken

Amicis: Liebe und Gymnastik

Malte Kleinjung

Frühling der Barbaren

In seinem Debüt »Frühling der Barbaren« weckt der Schweizer Jonas Lüscher ein Gespür für Ambivalenzen und die Komplexität sozialer Phänomene.

Bruno Laberthier

Reisen nach Timbuktu

Die Tagesaktualität liefert zwar keinen zwingenden Grund, aber doch einen Anlass, sich den zwei Timbuktu-Textern René Caillié und Thomas Stangl zuzuwenden.

Bernd Leukert

Die vergessene Realität

Wolfram Ettes »Kritik der Tragödie. Über dramatische Entschleunigung« beschreibt den Zusammenhang zwischen politisch-kulturellem Kontext und der Entwicklung der Tragödie von Aischylos bis Heiner Müller. Bernd Leukert ist davon begeistert.

Buchkritiken

D'Annunzio, Alcyone

Buchkritiken

Martina Weber, Erinnerungen an einen Rohstoff

Buchkritiken

Jürgen Trabant: Weltansichten

Buchkritiken

Briefwechsel Kracauer/Unseld

Buchkritiken

Detlev Claussen über Kracauers Frankfurter Stücke

Buchkritiken

Ghosh, Der rauchblaue Fluss

Novelle von Petrow Wsewolod

Die Manon Lescaut von Turdej

Im Jahr 1946 schrieb der eben aus dem Krieg heimgekehrte Leningrader Kunstwissenschaftler Wsewolod Petrow (1912 – 1979) eine Novelle mit dem Titel Die Manon Lescaut von Turdej.

Bernd Leukert

Halt dich fern

Nancy Hüngers erster Prosatext ist eine Reflexion über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten von Kommunikation in einer bezwingenden Sprache, die im Leser lange nachwirkt.

Überetzungsvergleich

Beowulf

Die Geschichte über die Heldentaten des Gotenprinzen Beowulf ist in einem heute unverständlichen angelsächsischen Dialekt niedergeschrieben worden und wurde – und wird - immer wieder nicht nur  ins moderne Englisch, sondern auch ins Deutsche übersetzt. Stefana Sabin vergleicht die letzten zwei deutschen Übersetzungen.

Buchkritiken

Victor Serge, Die grosse Ernüchterung

Interview mit Jakuba Katalpa

Die aus Deutschland

Die tschechische Autorin Jakuba Katalpa hat einen Roman über das schwierige Verhältnis zwischen Deutschen und Tschechen geschrieben. Er umfasst die Jahre 1912 bis 2000, repräsentiert von einfühlsam gezeichneten Charakteren, und bietet Spannung und Tiefe. Eva Novak hat die Autorin über die Inhalte ihres Buches befragt.

Übersetzungsvergleich

Chinua Achebe »Alles zerfällt«

Chinua Achebe, der als Begründer der zeitgenössischen afrikanischen Literatur gilt, ist im Alter von 82 Jahren in Boston gestorben. Sein Hauptwerk, Things Fall Apart, ist 2012 für den Fischer Verlag von Uda Strätling neu übersetzt worden. Den veränderten Blick auf das Werk Achebes erläutert Silke Pfeiffer.

Buchkritiken

Buzzati, Tatarenwüste

Buchkritiken

Lütfiye Güzel: Let´s go Güzel

Buchkritiken

Andreas Hapkemeyer: Und das soll Dichtung sein

Buchkritiken

Alles bestens. Karikaturen & Cartoons aus Österreich

Buchkritiken

Ales Steger, Buch der Körper

Buchkritiken

Jannis P., Pilgerreise

Buchkritiken

Knissel: Drei Worte auf einmal

Buchkritiken

Oleg Jurjew, Die Nacht barfuß

Buchkritiken

PH Gruner: Wunderlich und die Logik

Buchkritiken

Annegret Held: Apollonia

Buchkritiken

Kiran Nagarkar: Die Statisten

Buchkritiken

Dirk Braun: Im Inneren des Landes

Buchkritiken

die horen: Dichter über Dichter

Buchkritiken

Guido Rohm: Fleischwölfe

Buchkritiken

A.L.Kennedy: Das Blaue Buch

Internationaler Literaturpreis

Open City

Der aus Nigeria stammende amerikanische Autor Teju Cole und die Übersetzerin Christine Richter Nilsson erhielten für den Roman Open City den Internationalen Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt 2013. Jan Wilm hat das Buch für Faust-Kultur besprochen.

Buchkritiken

Tim Parks, Sex ist verboten

Buchkritiken

Traumtagebuch von Schnitzler

Buchkritiken

Sunil Mann, Uferwechse

Buchkritiken

Britta Schröder

Buchkritiken

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erstellt am 21.9.2013