50. Todestag von Hermann Hesse

Prügel für den Steppenwolf

»Gute Gesinnung, wenig Geist«, »schwärmerisch singender Asket in kurzen Hosen«: Sein Kritikerleben lang hat Marcel Reich-Ranicki versucht, Hermann Hesse »aus der Literaturgeschichte herauszukatapultieren«. Woher rührt diese Aversion, warum die nicht endenden Diskriminierungsversuche? Anlässlich des 50. Todestags des Dichters versucht Volker Michels, langjähriger Hesse-Lektor bei Suhrkamp, Herausgeber und intimer Kenner des Gesamtwerks, den Gründen auf die Spur zu kommen. Eine scharfe Attacke auf Reich-Ranicki, eine leidenschaftliche Verteidigung Hermann Hesses. mehr

Kontrapunkt von Thomas Rothschild

dpa und demokratische Öffentlichkeit

Das stärkste Argument für die Pressefreiheit liegt im journalistischen Anspruch, die Bevölkerung gründlich und umfassend über politische, soziale und kulturelle Zustände zu informieren, weil nur informierte Menschen souverän am demokratischen Prozess teilnehmen können, das heißt, wenn sie die Wahl haben. Dass die Informationsmedien einem ökonomisch-politischen Korruptionsprozess ausgesetzt sind, ist ein alter Vorwurf. Tatsache ist, dass sie ihrem Anspruch nur bedingt gerecht werden. Mit der Jahrestagung des P.E.N., der, 1921 in England gegründet, sich als Anwalt des freien Wortes versteht und sich weltweit für verfolgte und unterdrückte Schriftsteller einsetzt, hat Thomas Rothschild ein brisantes Beispiel zur Sprache gebracht. mehr

Gespräch mit Gerhard Polt

Indien muss warten

Der Kabarettist, Darsteller, Sprachkünstler und Philosoph Gerhard Polt feierte gerade seinen 70. Geburtstag. Jürgen Roth sprach mit ihm über den Biergarten, das Wetter, die Zeit und andere windige Dinge. mehr

Künstlerinnen-Porträt

Das weibliche Territorium der Justine Otto

Justine Otto beeindruckt mit einer handwerklich äußerst geschickten Malerei und vieldeutig-rätselhaften Darstellungen, in denen sie junge Frauen zwischen Schuld und Unschuld, Zartheit und Grausamkeit positioniert. »Albträume mit der malerischen Wucht eines Haudegens« nennt Jean-Christophe Ammann diese Werke. Faust veröffentlicht einen Auszug aus dem Katalogbeitrag des früheren Leiters des Frankfurter Museums für Moderne Kunst über die Künstlerin und stellt ihre Gemälde vor. mehr

Olympische Spiele

Heiner Goebbels bekommt den Ibsen-Preis

Heiner Goebbels Biographie spiegelt den Weg eines unentwegt schöpferischen Menschen. Wer in sein Werkverzeichnis blickt, dem kann angesichts der schieren Fülle schwindelig werden. Weltweit schenkte man dem Künstler lange größere Aufmerksamkeit, als in seiner Heimat. Jetzt hat der Theaterautor, Regisseur und Komponist Heiner Goebbels den Internationalen Ibsen-Preis 2012 der norwegischen Regierung erhalten. Eine Kurzbiografie und Auszüge aus eigenen Texten finden sie hier

Zeitzeugen-Video

Erinnerung an Ivan Nagel

Ivan Nagel, dieser wagemutige, ja waghalsige Intendant, dieser sanfte, kultivierte Herr, dieser feinsinnige Erforscher des Theaters und der Kunst konnte einem mit seinen kühnen und manchmal abenteuerlichen Gedankengängen den Kopf verdrehen. Nun da er tot ist, bleiben uns seine Bücher und ein Zeitzeugen-Video, in dem er die Herkunft des Gemäldes erklärt. mehr

Pier Paolo Pasolini – 90. Geburtstag 2012

Messianische Paradoxie

Pier Paolo Pasolini war Katholik und postulierte zugleich in seinen Werken einen unbedingten Atheismus. Eine »messianische Paradoxie« prägte, so Harry Oberländer, den Weg des großen Filmregisseurs. Der Frankfurter Autor beschreibt Pasolinis Lebensweg und lenkt den Blick auf seine Jugend im Friaul, seinen Regionalismus und Antifaschismus im Italien Mussolinis und auf seine Filme: Passionsgeschichten vom Leiden des Menschen. mehr

Laudatio auf Helmut Böttiger

Späher und Landvermesser

Ein Kulturjournalist, der sich den kommerziellen Kriterien entzieht und sich auf die künstlerischen konzentriert, hat keinen leichten Stand, wird aber zuweilen belohnt. Der 1977 vom Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel gestiftete Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik wurde nun dem Schriftsteller und Journalisten Helmut Böttiger zugesprochen. Die Laudatio hielt der Filmschauspieler, Dramaturg, Übersetzer und Essayist Hanns Zischler. Nachzulesen ist sie hier

Audio

Michael Krüger liest Gedichte

Zugegeben: nicht alle Dichter haben die Fähigkeit, ihre eigenen Texte überzeugend vorzutragen. Michael Krüger aber hat sie. Frei von Manierismen, vom falschen Pathos, von der manischen Untertreibung oder der peinlichen Übertreibung liest er seine Verse. mehr

Audio-Mitschnitte

Thomas Meinecke im Gespräch mit Klaus Walter

Thomas Meinecke hat bisher noch keine Plagiatsdebatte durchstehen müssen. Dabei gehören Zitate ohne Anführungszeichen und Quellenverweise bei ihm zum künstlerischen Konzept. In den fünf Vorträgen, die er als Gast der Frankfurter Poetikdozentur unter dem Titel »Ich als Text« gehalten hat, war kein Satz ursprünglich von ihm selbst verfasst. Die Lesungen bestanden vielmehr aus einem Zitate-Strom, der den Ton des Autors nur vermittelt ahnbar macht. Wer erleben will, wie sich Thomas Meinecke mit eigenen Worten zeigt, muss ihn im Gespräch erleben. Antworten auf Fragen von Klaus Walter sind hier in Ausschnitten zusammengeführt. mehr

Eine Annäherung

Auf Umwegen zu Ann Cotten

Gedichte können ihre Leserinnen und Leser im Handstreich erobern. Es gibt aber auch Gedichte, die wollen erobert werden. Beim ersten Rendezvous zeigen sie sich abweisend und verschlossen. Bemüht man sich aber um sie, enthüllen sie allmählich ihre Gestalt, ihr kompliziertes Innenleben und ihre eigensinnigen Verhältnisse. Diese Erfahrung kann man mit den Gedichten von Ann Cotten machen, um die sich der Literaturwissenschaftler Malte Kleinjung bemühte. Was sich ihm dabei offenbarte, lesen Sie hier

Gespräch mit Bazon Brock

Jetzt wird es komplex

Bazon Brock ist emeritierter Professor für Ästhetik, Kunsttheoretiker und Künstler. Er hat mit Joseph Beuys gearbeitet und von 1968 bis 1992 die Besucherschulen der documenta in Kassel geleitet. Die Fragen stellte der taz-Autor Alem Grabovac, der sich im Brock'schen Sinne zur Weltgemeinschaft der Nichtskönnenden und Nichtswissenden zählt. hier

Faust-Gespräch: Philosophie im Film

Vom Verschwinden der Realität

Ein Gespräch zwischen Filmregisseur Burghard Schlicht und Thomas Regehly über Wirklichkeitsvorstellungen von Michel de Montaigne, Jean Baudrillard und Hans Blumenberg. – Burghard Schlicht hat in drei philosophischen Film-Reportagen einen visuellen Zugang zu den unterschiedlichen Denkwelten realisiert und zeigt, wie die Welt der Begriffe ins Bild zu setzen ist. mehr

Lebenswerk

Als der Dichter starb, hinterließ er einen Vierzeiler. Der Sohn erbte zwei Zeilen und die Tochter erbte zwei Zeilen.

Ungekürzte Kurzgeschichte
Walter Gerlach

Faust-Gespräch mit Boualem Sansal

»So sieht keine Revolution aus«

Der algerische Autor Boualem Sansal, der 2011 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten hat, unterscheidet Stufen, die zu einer Revolution führen. Der Zorn in Nordafrika sei, wie das Beispiel Tunesien zeige, bisher vor allem eine »Revolte« gegen Arbeitslosigkeit und Erniedrigung. Es fehle der arabischen Freiheitsbewegung, so Sansal, eine auf die Zukunft gerichtete Vision. In einem Faust-Gespräch während der Arabischen Literaturtage in Frankfurt appelliert Boualem Sansal an die demokratischen Kräfte, sich zusammenzuschließen und geeint den islamistischen Bewegungen entgegenzutreten. mehr  

Zur Aktualität Ernst Blochs

Tagträume des Zukünftigen

Der alttestamentarische Furor und die barocke Eloquenz, mit denen Ernst Bloch seine Reden und Lesungen vortrug, blieben einem in Erinnerung, aber auch die enormen Sprachbilder, in die er seine Erkenntnisse kleidete. Dieser Abraham a Sancta Clara der Studentenbewegung konfrontierte die politisierte Jugend mit den fremd gewordenen Argumenten abendländischer Bildung, was allein deshalb schwer in den Wind zu schlagen war, weil es auf dem Vehikel eines abgewandelten Marxismus daher kam. Otto A. Böhmer erinnert an die Aktualität dieses starken Denkers. mehr

Hohelied der Skepsis

Heines Hiob

Vor allem für jüdische Dichter, die die Katastrophen des 20. Jahrhunderts miterlebt und überlebt haben, wurde Hiob, der tragische biblische Held, zum Symbol der Leidensfähigkeit. Aber auch schon für Heinrich Heine war Hiob eine wieder auftauchende Figur. Der Schweizer Literaturwissenschaftler Alfred Bodenheimer zeigt in seinem Aufsatz, wo in Heines Dichtung die Hiob-Geschichte Reflexe hinterlassen hat. mehr

TRAGISCHER VORFALL Nr. 56 von Philipp Mosetter

Faust-Gespräch mit Gerald Zschorsch

Absichtlich absichtslos

Gerald Zschorsch ist ein Dichter aus Elsterberg im Voigtland, an dem, seit 30 Jahren in Frankfurt am Main ansässig, die Gefängniszelle seiner rebellischen Jugend festsitzt wie an der Schnecke das Haus. Es verwundert nicht, wenn in den überwiegend kurzen, lakonischen Gedichten eine Radikalität erscheint, die der Gewalt, die ihm zugefügt wurde, eine kämpferische Energie entgegensetzt. Anlässlich seines 60. Geburtstags sprach Harry Oberländer mit dem Dichter hier
Eine Auswahl seiner Gedichte lesen und hören Sie hier

Zum Tod von Horst-Eberhard Richter

Mahner und Verfechter des Prinzips Hoffnung

Der international angesehene Psychoanalytiker, Familientherapeut und Friedensaktivist Horst- Eberhard Richter ist Ende 2011 im Alter von 88 Jahren gestorben. Hans-Jürgen Wirth, ein Wegbegleiter Richters seit den 1970er Jahren, erinnert an ihn und sein Werk. mehr

Briefwechsel

Joseph Roth schreibt

an Stefan Zweig

Bedeutende Briefwechsel, schriftliche Gespräche unter vier Augen, die von der ganzen Welt mitgehört werden wollen, sind stets mit einer besonderen Sorgfalt formuliert, und die attraktive Mixtur aus persönlicher Befindlichkeit und (welt-)politischer Bezugnahme, aus Intimität und kulturellem Interesse weckt unsere Neugier. Mit einer Reihe von Briefen berühmter Autoren, die Raimund Fellinger auswählt und vorstellt, wollen wir dieser Neugier entgegenkommen. Wir beginnen mit einem Brief von Joseph Roth an Stefan Zweig aus dem Jahr 1935. mehr

Faszinosum Deutsch

Wörter und Unwörter

»Keine Angst vor Anglizismen« sagt Gerhard Stickel und zeigt, daß und wie der Wortschatz der deutschen Sprache sich ständig erneuert, nicht nur durch die Entlehnung von Wörtern aus anderen Sprachen, sondern mehr noch durch die Bildung neuer Wörter aus vorhandenen eigenen Wörtern und Wortteilen. Die deutsche Sprache wird zum Faszinosum in diesem Vortrag des ehemaligen Direktor des Instituts für Deutsche Sprache, den Faust hier veröffentlicht. mehr

Ästhetische Betrachtungen

Goethe und die Gotik

» … eile herbei, daß du schauest sein treffliches Werk«, fordert Goethe in seinem Frühwerk Von deutscher Baukunst aus dem Jahr 1773 auf, in dem er dem Erbauer des Straßburger Münsters huldigt. Später steht der Dichter der gotischen Architektur weitaus kritischer gegenüber. Dieser Entwicklung folgte Hubertus Kohle in einem Vortrag, den Faust hier veröffentlicht. mehr

Im Video von Harald Ortlieb liest Olga Martynova aus ihrem Roman »Sogar Papageien überleben uns« (Droschl Verlag, Graz).

Faust-Gespräch mit Olga Martynova

Nicht im Komsomol

In ihren Gedichten fiel schon mal ein finsterer Tschetschene in unrasierten Schlaf, und ein Russe gab seinem Panzer Hafer. Eine Eule, die durch den nächtlichen Wald flog, vergaß, was sie wusste, als sie im Baumloch saß. Selbst der Kakadu hatte alle Sprachen vergessen. Sonst aber evozieren ihre Strophen Wahrnehmungen, die unsere Vernunft nicht anerkennt. Die in Frankfurt lebende russische Lyrikerin Olga Martynova erhält das diesjährige Frankfurter Autorenstipendium. Sie hat mit ihrer Poesie die Ahnung bestätigt, dass zwischen Himmel und Erde etwas für uns Wesentliches existiert, von dem wir bestenfalls träumen können. Nun bringt sie das Spielerische ins Spiel. mehr

Klaus Reichert

Zwischen den Zeilen

Wer über eine Google-Übersetzung einmal herzlich gelacht hat und dann versucht, eine korrekte Fassung des fremdsprachigen Textes zu erstellen, kann an der eigenen Gewissheit irre werden. Im Italienischen gibt es das böse Wortspiel mit traduttore traditore, in dem das Übersetzen mit dem Verräter in eins gesetzt wird. Folgen wir den Ausführungen des prominenten Übersetzers der Werke von William Shakespeare und James Joyce, Klaus Reichert, dann liegt dem eine fundamentale Wahrheit zugrunde. In Zwischen den Zeilen – Über das Un-Angemessene der Übersetzung erfahren wir anhand frappierender Beispiele, dass Übersetzen heißt: Verwandlung einer Gestalt in eine andere. mehr

Faust-Gespräch

»Phantastisch zu spüren, wie mein Gedicht wächst«

Kurz nach der Verleihung des Literaturnobelpreises 2011 war es schwer geworden, Gedichtbände von Tomas Tranströmer zu bekommen. Im Nu waren die vorhandenen ausverkauft. Ist er bis dahin ein Dichter der Dichter gewesen? Wird er jetzt auch von den Lesern wahrgenommen? Auskünfte über Arbeitsweise und die Bedeutung Tranströmers gibt der Übersetzer Hanns Grössel, der sämtliche Gedichte des schwedischen Poeten ins Deutsche gebracht hat. mehr

So viele ›Ichs‹ kann ich gar nicht sein

Peter O. Chotjewitz: Éducation sentimentale

Was für eine Leistung! Über 30 Bücher hat er übersetzt, vor allem Dario Fo und Leonardo Sciascia, über 40 Bücher hat er selbst verfasst, und dennoch gilt er als Szeneschriftsteller. Die Erinnerungen, die Peter O. Chotjewitz vor seinem Tod für Jürgen Roth zur Sprache brachte, lassen noch einmal den leidenschaftlichen Schilderer unserer Verhältnisse hervortreten. Dass er nun verstummt ist, ist ein Jammer, denn man möchte doch weiterlesen. mehr

Im Kurzvideo von Harald Ortlieb liest Ilija Trojanow aus: »Zu den heiligen Quellen des Islam. Als Pilger nach Mekka und Medina«.

Buchkritik von Raimund Fellinger

Eine verpatzte Gelegenheit

Sie haben eine Gelegenheit verpasst und ein Buch verpatzt: Die ehemaligen Lektoren Karlheinz Braun, Klaus Reichert, Peter Urban und Urs Widmer hatten die Absicht, in einer eigenen Publikation den von ihnen zwischen September und November 1968 gestarteten Versuch zu beschreiben und zu erklären, die Entscheidungsstrukturen im Suhrkamp und Insel Verlag grundlegend zu ändern. mehr

Von Suhrkamp zum Verlag der Autoren

Chronik der Lektoren

Die »Chronik der Lektoren«, Erinnerungen von vier am sogenannten ›Aufstand der Lektoren‹ 1968/69 im Suhrkamp Verlag Beteiligten: Karlheinz Braun, Klaus Reichert, Peter Urban und Urs Widmer, sowie Briefe des 2006 gestorbenen Walter Boehlich, dem damaligen Cheflektor, sind gerade erschienen. Jeder der Zeitzeugen schildert differenziert die Auseinandersetzungen, die Vorgeschichte(n) und die Konsequenzen aus seiner Sicht. Faust bring Auszüge daraus hier

Faust-Interview mit Nino Haratischwili

Nichts darf künstlich wirken

Die 28-jährige georgische Regisseurin und Autorin Nino Haratischwili ist ein Ausnahmetalent. Ihr neuer Roman »Mein sanfter Zwilling« ist zum besten Buch der unabhängigen Verlage 2011 gekürt worden. Andrea Pollmeier sprach mit der Autorin. mehr

Peter Sloterdijk und die Höchstgewächse des Denkens

Der Gegensänger

Gab es seit Friedrich Nietzsche einen deutschen Philosophen, der jenseits akademischer Kreise, also in der Öffentlichkeit, so präsent war, wie Peter Sloterdijk? Von seinen Kollegen wird er als Nicht-Philosoph geschmäht, von seinen Lesern als anregender Schriftsteller geschätzt. Indem er gesellschaftlich verwurzelte Überzeugungen konsequent zuende dachte, brachte er unangenehme Befunde zur Sprache, die gegen ihn verwendet wurden. Und von seiner überbordenden Formulierungslust hat er sich nicht selten zu prekären Positionen fortreißen lassen. Otto A. Böhmer hat den streitbaren Mann porträtiert. mehr

Faust-Fragen an

Philipp Mosetter

Die Faust-Fragen beantwortet hier der in Frankfurt und Wien lebende Autor und Kabarettist Philipp Mosetter, der für Faust auch einige seiner »Tragischen Vorfällle« verfilmt hat: hier

Kurzer Essay über lange Gedichte

Geisterzeichen, Engels-Töne

Poesie? Kurz oder lang? – Wir kennen den Ausdruck der Fassungslosigkeit auf den Gesichtern derjenigen, die erfahren, dass wir uns für Gedichte interessieren. Wie konnte das passieren? Darauf gibt es zu viele Antworten. Die weitverbreitete Geringschätzung der Poesie ließe sich plausibel mit unserem modernen Nützlichkeitsdenken erklären. Bernd Leukert hat sich in seinem kurzen Essay zum langen Gedicht mit der Poeterey befasst, mit den poetischen Regeln wie Regelverstößen und ist dabei auf einige Widersprüche gestoßen. mehr

Fotografie

Alexander Paul Englert: Momentum

»Wie sind Sie denn darauf gekommen?« – diese Frage bekommt ein Schriftsteller wohl am häufigsten gestellt. Alexander Paul Englert sucht eine Antwort mit den Mitteln der Fotografie: Der Frankfurter Fotograf zeigt Autorinnen und Autoren in Szenarien oder an Orten, die ihnen Impulse zur literarischen Produktion gegeben haben. So sind Englert verblüffende, hintergründige fotografische Inszenierungen gelungen. Faust zeigt eine Auswahl hier

Porträtfotografie

Harald Schröder: Stopover

Der Frankfurter Fotograf Harald Schröder fotografierte aufstrebende und schon berühmte Autoren von Hans Magnus Enzensberger, Herta Müller, Wim Wenders bis zu Mario Vargas Llosa während eines »Stopovers« in Frankfurt im Hotelzimmer, auf der Buchmesse oder im Restaurant. Faust stellt eine Auswahl vor. hier

Faust-Gespräch mit Rotraut De Clerck

Lucian Freud – Malerei ohne Feigenblatt

Die Frankfurter Psychoanalytikerin Rotraut De Clerck beschäftigt sich seit über zwanzig Jahren mit dem Werk des britischen Malers Lucian Freud, der gerade im Alter von 88 Jahren in seinem Londoner Atelier gestorben ist. Über Freuds »durchlässigen Zugang zum Unbewussten«, Schnittstellen mit dem Werk des Großvaters Sigmund Freud und die Abgrenzung zu pornografischen Zuweisungen spricht sie im Faust-Interview. mehr

FAUST-Gespräch mit Thomas Rosenlöcher

Ich bin immer ein »Randstädt’« gewesen

Für Thomas Rosenlöcher hat die Zeit der Wanderjahre begonnen. Als Stadtschreiber in Bergen-Enkheim verbrachte er fast ein Jahr fern von Dresden in der Nähe von Apfelbaumwiesen und Mainmetropole. Er suchte bewusst diesen Kontrast und – wie nur wenige Autoren vor ihm – die Nähe zu den Bürgern. Nachdenkliche Kritik und einen nüchternen Blick auf den Zeitenwandel nach der Wende prägen seine lyrischen Beiträge. Ein Interview, Audiomitschnitte aus seiner letzten Lesung und seine Stadtschreiber-Rede finden sie hier

ShortCut von Harald Ortlieb

Videolesung von Peter Henning

Der Regisseur Harald Ortlieb inszeniert Literatur filmisch und weckt damit Appetit auf Lesestoff und Autor. Ein Versuch, der Persönlichkeit des Schriftstellers durch den von ihm formulierten Text mit Chiffren des bewegten Bildes sowie seiner Stimme näher zu kommen. Die Langfassung des Videos mit Peter Henning, der aus seinem neuen Roman »Leichtes Beben« liest, sehen Sie hier

Das Genie aus dem Osten und seine Mutter

»Glücklich, das war ich nicht«

Für Elfriede Jelinek »hat es nur zwei Genies in Deutschland nach dem Krieg gegeben, im Westen Fassbinder, im Osten Schleef«. Der zweite Band des Briefwechsels zwischen dem genialen Schriftsteller, Fotografen, Theatermacher, Maler, Schauspieler Einar Schleef und seiner Mutter Gertrud ist jetzt erschienen, und er dokumentiert vor allem, wie der Sohn die Mutter zu Erzählungen aus ihrem Leben drängt – später wesentliches Material für seinen Roman »Gertrud«. Raimund Fellinger stellt das Buch vor, und faust gibt Einblick in einen der Briefe Schleefs. mehr

Im Kurzvideo von Harald Ortlieb liest Paulus Böhmer aus seinem Gedicht »An Angel«

Goethe-Plakette an Paulus Böhmer

Ein Abend im Literaturbüro

Der Poet Paulus Böhmer ist nicht nur der Meister des »rhythmisch-epischen Großgedichts«, wie es in diesem großen Netzlexikon heißt; er ist auch ein rühriger Literaturvermittler gewesen, nämlich von 1985 bis 2001, als Leiter des von ihm mitbegründeten Frankfurter Literaturbüros (heute: Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.). Dafür ist er nun am 12. August mit der Goethe-Plakette des Landes Hessen ausgezeichnet worden. Harry Oberländer erinnerte an einen Abend im Literaturbüro mehr

Kunst

Walter Grasskamp befragt Ben Willikens

Ben Willikens bühnenartige Raumvisionen sind bekannt durch ihre sachlich-kühle Atmosphäre. Der 1939 in Leipzig geborene Künstler studierte Malerei an der Staatlichen Akademie der Künste in Stuttgart. 1982 übernahm er eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Er wechselte 1991 an die Akademie der Bildenden Künste in München, die er von 1999 bis 2004 als Rektor leitete. Soeben sind Gespräche von Walter Grasskamp mit dem vielfach ausgezeichneten Künstler in Buchform erschienen. Wir bringen einen Auszug, in dem Willikens von seinen künstlerischen Anfängen und der Zeit in der Villa Romana berichtet. mehr

Gesellschaft

Good Economy

oder warum Marketing noch lange keine Haltung ist

Der Autor und Kabarettist Philipp Mosetter hielt diese Rede vor einem kleinen Kreis ausgewählter Unternehmerpersönlichkeiten in Wien. Weil seine Überlegungen ein globales Problem ansprechen, macht faust sie hier einem größeren Publikum zugänglich, denn: »Man muss dem ›Guten‹ schon sehr auf die Finger schauen«. mehr

Closeup von Harald Ortlieb

Bettina Khano: SpanSpace

Erinnerung an Wolfgang Deichsel

Der Frankenstein-Deichsel

Wolfgang Deichsel hat wie kein anderer Autor in den vergangenen 40 Jahren das Theaterleben in Frankfurt geprägt. Das Bild vom hessischen Molière ist nach den erfolgreichen »Barock am Main«-Aufführungen besonders präsent. Dass es da noch einen anderen Deichsel gab – den »Frankenstein-Deichsel« – beschreibt Marion Victor in ihrer Erinnerung an den im Februar verstorbenen Künstler. mehr

Theater und Wirklichkeit

Peter Iden: Die Ästhetik des Politischen

Peter Iden ist inzwischen selbst ein Teil der deutschsprachigen Theatergeschichte. In seinem neuen Buch hat er nicht nur eine Auswahl seiner rund 3000 Kritiken zusammengeführt, sondern auch Grundzüge der Theaterentwicklung in Zeitabschnitte gegliedert und beschrieben. faust gibt diesen persönlichen Blick auf fünfzig Jahre Bühnenleben in loser Folge. Folge 2: hier

Faust-Gespräch mit Oleg Jurjew

Ich bin eher der andere

Oleg Jurjew lebt in Rufweite vom Frankfurter Zoo. Hier entstehen die Werke, für die ihm zum Beispiel 2010 der Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil zugesprochen worden ist. Über seine Art des Schreibens, den besonderen Ton des Lyrikers und über Reminiszenzen an seine Geburtsstadt, das damalige Leningrad, spricht der Literaturwissenschaftler und Komponist akusmatischer Stücke Bernd Leukert mit dem Autor: hierUrsula Krechel führt in ihrer Preis-Laudatio kongenial in Jurjews Werk ein: hier

Hubertus Kohle

Alexandre Cabanel zwischen Tradition und Moderne

Einem der herausragenden Vertreter der französischen Salonmalerei des 19. Jahrhunderts, Alexandre Cabanel (1823-1889), widmet das Kölner Wallraf-Richartz-Museum eine gelungene Ausstellung. Sie war der Anlass für den Münchener Kunsthistoriker Hubertus Kohle, in einem Vortrag die Stellung Cabanels in seiner Zeit im Hinblick auf den heutige Blick auf jene Epoche der Kunst geradezurücken, welcher sich allein an den Avantgardebewegungen Realismus, Impressionismus und den drei Vätern der Moderne, Gauguin, Cézanne und van Gogh, orientiert. mehr

Philosophie

E. M. Cioran oder Geniestreich eines Übermüdeten

Ein Syphilitiker wäre er gern gewesen. Schon als 22-Jähriger glaubte E. M. Cioran, die Bestialität der Welt habe all ihre Vorräte an Verderbnis und Gift ihn ihm vergossen. Faust erinnert an den Schriftsteller und Essayisten mit dem Beitrag »Geister der Nacht« von Otto A. Böhmer sowie mit einem Aufsatz E. M. Ciorans aus der Zeit seines faschistischen Irrwegs »Verzicht auf Freiheit«

Ein FaustVideo von Harald Ortlieb litchannel.tv

FaustVideo

Peter Kurzeck diktiert seinen Roman »Vorabend«

Im Literaturhaus Frankfurt diktierte Peter Kurzeck seinen neuen Roman »Vorabend«, der im Stroemfeld Verlag erschienen ist. Für dieses Werk erhält Peter Kurzeck den diesjährigen Grimmelshausenpreis. Ein Gespräch mit Peter Kurzeck führte Achim Stanislawski.

Expression

Kenn ein Land, wo die Blumen aus Glas,
wo die Blume versteinert sind.
Wo nur dornig wächst das Gras,
wo feurig bläst der Wind.

Kenn ein Land, wo regiert nur die Nacht,
wo der Funke glimmt und erlischt.
Wo man niemals wieder mehr lacht,
wo man Masken trägt, statt ein Gesicht.

Kenn ein Land, wo man Sterne verehrt,
wo man Menschen zu Göttern macht.
Wo man fördert das was verkehrt,
wo man hinter Mauern erwacht.

Kenn ein Land, wo man scharf ist auf Blut,
wo man Kinder zu Greisen macht.
Wo man schlecht ist, und man sagt gut,
wo man’s weinen hört fast jede Nacht.

Kenn ein Land, wo die Liebe zum Tod,
wo das nicht sein erstrebenswert ist.
Wo die Menschen in geistiger Not,
wo man eines Tages zerbricht.

Kenn den Tag, wo ein jeder bezahlt,
wo entschieden wird, wer, wie und wann.
Wo man letztmalig hört einen Schrei,
wo man sich wieder anschauen kann.

Gerald Zschorsch

© Suhrkamp Verlag

Stigma
Bildbetrachtung

Szenographien der Langsamkeit

Die Videoinstallation Stigma von Jonas Englert beeindruckte beim diesjährigen Rundgang der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Ralph Fischer hat sich von dem Werk des jungen Künstlers »entschleunigen« lassen und seine Gedanken und Eindrücke beschrieben. mehr

Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) ist nicht neu, aber je länger und häufiger die Schwächen von Wirtschafts-, Steuer und Gesellschaftssystem in den Blick treten, desto reizvoller ist es, den Gaul einmal völlig anders aufzuzäumen. Eine Gruppe Kulturschaffender aus den Bereichen Kunst, Design, Film und Politik hat sich ein halbes Jahr intensiv mit dem BGE auseinandergesetzt. Die dabei entstandenen Filme zeigt Faust in loser Reihenfolge:
‪Wer profitiert von einem BGE?‬

Künstler-Porträt

Klaus Schneider – Löcher im Licht

Verbindendes und Trennendes in der Wahrnehmung von Text und Bild stehen im Mittelpunkt des Interesses von Klaus Schneider. Bekannt wurde der Künstler durch die Verwendung der Blindenschrift als für Sehende visuell unverständliche serielle Variation von abstrakter Form. Faust stellt den Frankfurter mit einem Beitrag von Stefanie Bickel vor. mehr

Clair Lüdenbach

Weben und Wissen

Klaus Reichert hat mehr als einen Reiseführer geschrieben. Es ist ein Tagebuch mit allen eindrücklichen und profanen Gedanken des Tages, aber ebenso ein Werk mit unzähligen Querverweisen zur Geschichte der Menschheit. Trotz aller Dichte der Beobachtungen sind die »Türkischen Tagebücher« eine unterhaltsame Lektüre. mehr

Der Maler Wilhelm Steinhausen

Die Welt aus feinem Stoffe gemacht

Das Museum Giersch in Frankfurt widmet dem Maler Wilhelm Steinhausen (1846-1924) eine längst überfällige Ausstellung. Der Nachlass, der sich noch zum großen Teil in der Hand der Familie und einer gemeinnützigen Stiftung befindet, sollte nicht nur durch die aktuelle Schau in den Blick rücken. Er ist auch Teil der Kunstgeschichte der Stadt. mehr

Franziska Lüdtke

Die Königin der Mäuse

Hanns Zischler ist bekannt für seine Vielseitigkeit als Schauspieler, Übersetzer und Autor. In seinen bisherigen Büchern beschäftigte er sich mit Kafka und James Joyce. Jetzt hat er mit »Lady Earl Grey« ein verspieltes, hintersinniges Märchen geschrieben, liebevoll illustriert von Hanno Rink. mehr

Interview

Die Gekränktheit alter Männer

In einem politisch problematischen Kommentar zur Lage im Nahen Osten hat Günter Grass seinen moralischen Zeigefinger auf Israel gerichtet und vor der angeblich drohenden atomaren Katastrophe gewarnt. Die Feuilletons haben die Auseinandersetzung um das sogenannte Gedicht von Grass zu einer öffentlichen Debatte stilisiert. FAUST dokumentiert das Gespräch, das Dirk Frank, Pressereferent der Goethe-Universität Frankfurt, mit dem Sozialpsychologen Hans-Jürgen Wirth geführt hat. mehr

Thomas Rothschild

Der Kreis der Hölle

Vladimir Vertlibs autobiographischer Roman »Schimons Schweigen« | Man kann ja darüber streiten, ob Israel in der öffentlichen Wahrnehmung eher idealisiert oder eher diffamiert wird. In der Belletristik jedenfalls kommt dieses Land mitsamt seiner Politik gut weg. Romane und Erzählungen, die sich um die Perspektive von Palästinensern bemühen, muss man mit der Lupe suchen. mehr

Kunstprojekt – Jörg Ahrnt

Maker Unknown

In der Frankfurter Weißfrauen Diakoniekirche liegt ein Teppich, installiert von Jörg Ahrnt. Was es damit auf sich hat und wie sich die Aussage eines Objekts im Kunstkontext darstellt, erläutert der Kurator Peter Cross. mehr

Claas Janssen & Tommy Mayer

CARTOON

mehr

Die Tagebücher von Erich Mühsam

Auf der Suche nach der verlorenen Revolution

Sie sind eine große späte Entdeckung: die Tagebücher des 1878 geborenen Poeten, Publizisten und anarchistischen Politikers Erich Mühsam, eines Revolutionärs, der für seine führende Rolle in der Münchner Räterepublik in Festungshaft saß und der 1934 von den Nazis im KZ Oranienburg ermordet wurde. Eine Einführung sowie Auszüge finden Sie hier.

Martin Lüdke

Der kleine Rest des Todes

Alles ist klar, auch wenn erstmal vieles unklar bleibt. Ariane, eine junge Frau, dreiunddreißig Jahre alt, Doktorandin, hatte sich wohl auch zu Studienzwecken sechs Monate in einem Zen-buddhistischen Kloster in Indien aufgehalten und war erst vor wenigen Tagen nach Deutschland zurückgekehrt. mehr

Faust-Gespräch mit Richard Obermayr

Der leichte Zweifel soll bleiben

Richard Obermayr ist ein junger österreichischer Autor, dessen Romane Der gefälschte Himmel und Das Fenster zu den besten Prosatexten der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur zählen. Olga Martynova stellt den Autor mit einer persönlichen Empfehlung vor, die eigenen Positionen seines Schreibens erläutert er zudem im Faust-Gespräch hier

Stefana Sabin

Der narkoleptische Polizist

Wie der hierzulande berühmtere Amos Oz gehört auch Jehoschua Kenaz zu jener Generation israelischer Schriftsteller, die die Gründung des Staates und seine Entwicklung miterlebt haben. mehr

Literarischer Streifzug

»Geräuschvolle Anwesenheit«

Buenos Aires war im frühen 20. Jahrhundert eine Metropole im Aufbruch, durchtränkt von europäischer Kultur. Künstler wie Pablo Neruda und Federico García Lorca galten hier in den 30er Jahren als die »Attraktionen« und trafen im Café Tortoni oder bei nächtlichen Streifzügen mit einheimischen Geistesgrößen zusammen. Das Leben der beiden Dichter in der Hauptstadt Argentiniens beschreibt Sieglinde Oehrlein. mehr

Volker Braun

Die hellen Haufen

Der Aufstand, von dem hier berichtet wird, hat nicht stattgefunden. Er war auch mehr ein Krieg, der nur von einer Seite geführt wurde, und die andere hat stillgehalten. Wenn er seine Wahrheit hat, so nicht, weil er gewesen wäre, sondern weil er denkbar ist. mehr

Das Vermächtnis des Spielers

Mahmud Darwisch

Als junger Mann schuf er mit seinem Gedicht »Ein Liebender aus Palästina« den Namen Palästina neu, der nach der Gründung des Staates Israel abgeschafft worden war. Mahmud Darwisch wurde zur »Stimme der Palästinenser«, zum Dichter eines staatenlosen Palästina. Das letzte Buch, das er vor seinem Tod veröffentlichte, »Der Würfelspieler«, lässt sich als Vermächtnis eines Künstlers lesen, dem diese repräsentative Rolle längst zur Bürde geworden war. Zu entdecken ist ein Meister der interkulturellen Dichtung. mehr

Buchkritik von Detlev Claussen

Die Schrecken der Geistesgeschichte

In seinem neuen Buch will Manfred Geier keine trockene Philosophiegeschichte schreiben, sondern er möchte Aufklärung als europäisches Projekt beschreiben. Dabei stolpert er, wie Detlev Claussen behauptet, über die Fallstricke des Biographismus und missversteht das Wichtigste: dass nämlich die alte Aufklärung kein europäisches, sondern ein kosmopolitisches Projekt war. mehr

Erinnerung an Alfred Edel

Der dialektische Casanova

Eine gewisse Hemmungslosigkeit gehörte sicher zu den Voraussetzungen seines Berufslebens, das von seinem Lebensberuf nicht abzugrenzen war. Denn Alfred Edel, der Grenzgänger der Vernunft, der irrlichternde Stand-up-Denker und Selbstdarsteller ist uns mit seiner Erzähl- und Erklärungswut in der Erinnerung haftengeblieben. Er war die Verkörperung des unmerklichen Übergangs von Pathos und Komik, von elaborierter Begrifflichkeit und abgründigem Nonsens, also der Zeit enthoben. Merkwürdig, dass er jetzt 80 Jahre alt geworden wäre. Jürgen Roth erinnert sich hier

Kunstmesse 2012

Kunst in Karlsruhe

Während gerade die Proteste gegen die kürzlich von der EU-Kommission geforderte Mehrwertsteuererhöhung von Kunstwerken von 7 auf 19 Prozent bei Künstlern und Händlern lauter werden, eröffnete zum 9. Mal die Art Karlsruhe. Nach der der Beerdigung der Berliner Messe Artforum ist sie neben der Art Cologne eine der letzten in Deutschland stattfindenden Kunstmessen von Bedeutung und Größe. mehr

Das Erbe von Anne Frank

Rückkehr ohne Heimkehr

Anne Franks Familiengeschichte wird im Jüdischen Museum in Frankfurt sichtbar bleiben. Zusammen mit dem Anne Frank Fonds Basel soll dort ein »Familie Frank Zentrum« entstehen. Alltagsgegenstände wie Briefe, Geschirr und Mobiliar der ehemals Frankfurter Familie helfen, die Erinnerung an die von den Nationalsozialisten Ermordeten zu bewahren. mehr

Buchkritik von Martin Lüdke

Die sterblich Verliebten

Es sind genaue Beobachtungen und die sich daran anschließenden Reflexionen, die Marías’ Roman wenigstens in seiner ersten Hälfte weit über das übliche Thriller-Niveau hinaus heben. Auch, etwa, Überlegungen über den Unterschied zwischen Liebe und Verliebtheit. mehr

Junge Literatur

Freiraum »Schreibzimmer«

Gehen lernt in der Regel jeder. Einen Stift halten auch. Doch eigene Gedichte zu schreiben, trauen sich nur wenige. Warum eigentlich? Kreatives Können gehört offenbar nicht zu dem Teil des Weltwissens, das selbstverständlich an nachfolgende Generationen weitergegeben wird. Literarische Experimente der jungen Generation haben keinen verlässlichen Platz in den Feuilletons. Sie sind auf Sonderseiten zu finden, fein säuberlich abgegrenzt von dem, was die Allgemeinheit wichtig nimmt. Inmitten von Faust finden sich hingegen Beiträge auch dieser Generation. Entstanden sind sie zum Beispiel im »Schreibzimmer« – einer Schreibwerkstatt des Frankfurter Literaturhauses. Jamal Tuschick stellt den Kollektiv-Roman »Alle ihre Gründe« vor, der in diesem Jahr von schreibbegeisterten Jugendlichen und jungen Erwachsenen entwickelt worden ist. mehr

Eine Ausstellung

Demonstrationen

In Zusammenarbeit mit dem Exzellenzcluster Normative Ordnungen an der Frankfurter Goethe-Universität, der sich den Aushandlungsprozessen zwischen Bürgern und Staat widmet, will die Ausstellung »Demonstrationen« im Frankfurter Kunstverein zeigen, wie diese Verfahren die Kunst in den Dienst nehmen oder von ihr in den Dienst genommen werden. mehr

Dichter | Pädagoge | Maler | Musiker

Tagore – Das Genie aus dem Osten

Wirft man in Bengalen ein Samenkorn achtlos auf den Boden, so gedeiht dort bald ein großer Baum. Deshalb, so sagt man, dichten und singen die Bengalen lieber, als sich um ihr tägliches Brot zu sorgen. In dem Dichter, Musiker, Pädagogen und Maler Rabindranath Tagore ging die Saat doppelt auf. Er lebte auf seinem fruchtbaren Grund, und für seine Gedichte erhielt er den Literaturnobelpreis. Clair Lüdenbach erinnert an die indische Lichtgestalt aus der Zeit, als Indien um seine Unabhängigkeit kämpfte. mehr

Auf den Spuren Henrik Ibsens

Des Dichters Techtelmechtel in Tirol

Was wissen wir schon von Ibsen? Ja, Nora oder Ein Puppenheim, Gespenster, Die Wildente, Hedda Gabler und freilich Peer Gynt. Ob wir die Schauspiele gesehen haben oder nicht, diese Titel haben wir zusammen mit dem Namen Henrik Ibsen im Gedächtnis. Auch dass er Norweger war, ist uns bewusst, aber wohl nicht, dass er 27 Jahre seines Lebens im Ausland verbracht hat, zuerst in Rom, dann in Dresden und München. Die Ferien verbrachte er aber gerne in Südtirol. Johannes Winter hat ihn dort getroffen, – sagen wir, nahezu. mehr

Rede eines literarischen Vermittlers

Der Beruf des Lektors

Die Universität Greifswald hat am 4. Februar dem Cheflektor des Suhrkamp Verlags Raimund Fellinger die Ehrendoktorwürde verliehen und sein besonderes Engagement für die deutsche Gegenwartsliteratur gewürdigt. Sein Wirken habe »zur nachhaltigen Förderung und Sichtbarmachung der deutschen Literatur beigetragen.«. Faust dokumentiert seine Dankesrede. hier

Martin Lüdke über

Peter Nadas’ »Parallelgeschichten«

Nadas ist da. Endlich. Das Erscheinen der deutschen Ausgabe dieser »Parallelgeschichten« darf als europäisches Ereignis gefeiert werden. Das ungarische Original, bereits 2005 erschienen, hatte dem Autor zwar kräftige Lobenshymnen von seinen Kollegen und den ungarischen Intellektuellen, aber auch mächtige Schwierigkeiten von der aufgebrachten »Stimme des Volkes« eingebracht. Der Roman war und ist eine Provokation … mehr

Buchkritik von Bernd Leukert

Monsieur Teste ist wieder da

Kein Wunder, dass Thomas Bernhard, den die französische Literatur sonst gar nicht interessierte, das Buch immer wieder kaufen musste, weil er es immer wieder zerlas. Es geht ein säulenheiliger Anspruch von diesen beschreibend-reflektierenden Texten aus, der auf ein paradoxes Ziel hinausläuft: Monsieur Teste ist unmöglich. Seine Art, sich und die Welt zu analysieren, ist eine Art zu sterben. Es ist »Der fremde Blick auf die Dinge, der Blick eines Menschen, der nicht versteht, der außerhalb dieser Welt steht, Auge an der Grenze zwischen Sein und Nichtsein – es ist der des Denkers.« mehr

Fotografie

Christian Minke – Power to the People

Auf einer mehrmonatigen Reise durch den Nahen Osten hielt sich Christian Minke im Januar 2011 in Ägypten auf. Als dort der Aufstand am 25. Januar begann, begleitete der Künstler die Proteste mit der Fotokamera. mehr

Arabische Literaturtage

Ein Traum von Freiheit

Literarische Themen mussten bei den Arabischen Literaturtagen, die im Januar erstmals in Frankfurt stattfanden, hinter der Politik und ihrer beklemmenden Aktualität zurückstehen. Die Autoren, die im Exil leben oder teilweise erst in letzter Minute ausreisen durften, saßen als direkte Augenzeugen auf den Podien. Eindrücke von den Literaturtagen beschreibt Volker Breidecker hier

Schauspieler-Porträt

Der Nerd, den wir lieben

Bislang war Jonah Hill auf der Kinoleinwand der ewige Teenager. Für seine Rolle in »Moneyball« wurde er nun für den Oscar nominiert. mehr

Gespräch mit Sami al Hajj

Selbst die Wärter waren Gefangene

Im Januar vor genau zehn Jahren landete das erste Flugzeug mit Häftlingen in Guantanamo Bay. Seitdem wurden 779 Menschen ohne Anklage festgehalten, 171 von ihnen sind noch in Haft. Der Sudanese Sami al Hajj kam vor vier Jahren frei, nahm seine Arbeit bei Al Jazeera wieder auf und gründete das „Guantanamo Justice Centre”. Warum Guantanamo-Geschichten nicht mit der Freilassung enden und er sich dennoch glücklich schätzt, erzählte er Stephanie Doetzer in Doha. mehr

Faust-Gespräch mit Mansura Eseddin

Die Bedeutung der Nischen

Die ägyptische Autorin und Journalistin Mansura Eseddin nahm auch an den Arabischen Literaturtagen in Frankfurt teil. Mit politischen Analysen und Augenzeugenberichten hat sie sich in deutschsprachigen Medien bereits einen Namen gemacht. Im Faust-Gespräch warnt Mansura Eseddin vor der Rückkehr von Folter und Angst unter der Militärregierung. Sie beschreibt den irreführenden Missbrauch von Sprache und unterschiedliche Freiheitsbilder arabischer Frauen. mehr

Theater und Wirklichkeit

Das Erbe Shylocks

Am Schauspiel Frankfurt wird Shakespeares »Der Kaufmann von Venedig« neu inszeniert. Die Inszenierung geht von einer virulenten Aktualität des Shakespeareschen Stücks aus: Antonio und Shylock sind unter uns – das implizieren auch Rainer Hank und Stefana Sabin in ihren sehr unterschiedlichen Büchern, aus denen FAUST Auszüge vorab veröffentlicht. mehr

Faust-Gespräch

Ich habe es nicht für möglich gehalten

Die aragonesische Königinwitwe, Margarete von Prades, hat ihm als Dank für seine Sangeskunst goldene Ringe in den Bart eingeflochten, und in Paris schenkte ihm Königin Isabeau für seine Performance einen Diamanten. Oswald von Wolkenstein, Kriegerpoet in einer Tradition, die mit Archilochos beginnt, war der Superstar seiner Zeit. Und er war viel mehr. Der Singer/Songwriter des frühen 15. Jahrhunderts war ein empfindsamer und wagemutiger Dichter, der seine Zeit in bündige Worte gefasst hat. Gerhard Ruiss hat seine Lieder und Gedichte neu übertragen. Ein Gespräch mit ihm, beider Texte und eine Buchbesprechung finden sich hier

Künstler-Porträt

Sofi Žezmer – Die Dinge blicken zurück

Lebhaft farbig und vielgestaltig kommen sie daher, die Raumobjekte der Künstlerin Sofi Žezmer. Doch so verspielt sie erscheinen, bei näherer Betrachtung offenbaren sie eine große Ernsthaftigkeit: Farben und Formen finden wohlüberlegt zueinander. Nur wenige Künstler vermögen den Betrachter auf diese Weise visuell als auch gedanklich anzuregen. Faust stellt die Künstlerin in einem Portrait vor. mehr

Neuerscheinung

Martin Lüdke: Meine Moderne

Der Frankfurter Literaturkritiker Martin Lüdke blickt auf seine Lese- und Schreiblaufbahn zurück. Seine private Literaturgeschichte ist gerade im Verlag Das Wunderhorn erschienen. Faust veröffentlicht Auszüge aus dem Vorwort mehr

Faust-Gespräch mit John Ralston Saul

Denkmuster der Vergangenheit

Der kanadische Autor und Präsident des PEN International John Ralston Saul warnt vor einem negativen Nationalismus, der als Reaktion auf eine fehlgeleitete Globalisierung wiederkehrt. Das Nationalstaatsdenken der Kolonialzeit sei nicht überwunden, sondern noch immer Teil der intellektuellen Architektur Europas. Über das Wechselspiel von Demokratieverlust und Globalisierung, überkommene Denkmuster in der Europäischen Union und Elemente erfolgreicher Immigrationspolitik äußert sich Saul in einem Faust-Gespräch. mehr

100. Todestag

Der Visionär Gustav Mahler

Schon früh erkannte Mahler, dass er zwischen Lebenskraft und Todessehnsucht zerrissen ist – und tatsächlich wird die besondere Spannung, die seine Kompositionen kennzeichnet, aus dem Aufeinanderprallen dieser konträren Stimmungen genährt. Vielleicht deshalb wirkt Mahlers Musik visionär, wie Ute Jung-Kaiser in ihrem Beitrag erklärt. mehr

Porträt

Slava Seidel

Slava Seidel steht dieses Mal im Mittelpunkt unserer Serie von Künstlerporträts. Ihre monochromen Welten in Sepia, gemalt auf Papier und Leinwand, irritieren und lassen schwindeln – Claudia Olbrych bringt sie näher. mehr

Faust-Empfehlung

Pina Bausch-Kalender

Der Kalender 2012 zeigt Fotografien von Günter Krings aus den achtziger Jahren, die in Schwarzweiß die einzigartige Stärke der Bauschschen Choreographien im Standbild sichtbar machen. mehr

Psychoanalyse

Die Entstehung der Freud’schen Theorie

Die Geschichte der Psychoanalyse ist bisher vor allem aus der Perspektive ihres Begründers Sigmund Freud erzählt worden. Der renommierte Psychiater George Makari nutzt neues Archivmaterial, um die Entwicklung von 1870 bis 1945 nachzuvollziehen. George Makaris »Revolution der Seele« ist jetzt erstmals in deutscher Übersetzung beim Psychosozial-Verlag erschienen. Faust veröffentlicht einen Auszug aus dem ersten Teil. mehr

Liao Yiwu

Held wider Willen

Liao Yiwu ist im Sommer 2011 aus China geflohen, um sein Buch »Für ein Lied und hundert Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen« publizieren zu können. Mehrfach hatte der Fischer-Verlag aus Sicherheitsgründen die Veröffentlichung bereits verschoben. Liao lebt jetzt in einer Art Exil in Deutschland. Hier hatte er bereits ein Jahr zuvor erstmals offen über die Lebenssituation in China gesprochen. Sein bis ins Mark erschütternder Vortrag des Gedichts »Für einen zum Tode Verurteilten« ist bis heute unvergessen. FAUST widmet Liao Yiwu einen Schwerpunkt und hat Beiträge über seine erschienenen Werke, Audio-Mitschnitte und ein Porträt des Soziologen Detlev Claussen zusammengeführt. mehr

Text und Audio

Alban Nikolai Herbst liest

Gibt es etwas, was unserer Sinnlichkeit entgeht? Etwa etwas Übersinnliches? Durch die Philosophiegeschichte zieht sich das Problem wie ein Tau, das nicht durch’s Nadelöhr geht. Alban Nikolai Herbst hat den Strick in der sechsten seiner Bamberger Elegien »Das bleibende Thier« wieder aufgenommen und mit empfindsamer Sinnlichkeit, provozierender Reflexion und starker Lebenserfahrung getränkt. Poetische Intensität, die man lesen und hören kann. mehr

Künstler-Porträt

Magnellis einzigartige Druckgrafik

Alberto Magnelli (Florenz 1888 – Meudon 1971) ist einer der wichtigsten italienischen Künstler des 20. Jahrhunderts. Seine künstlerische Arbeit setzt 1907 ein, in einer der aufregendsten Zeiten der Avantgarde-Bewegungen Europas, an der Schnittstelle zwischen Kubismus, Expressionismus, Orphismus und früher Abstraktion. Die Frankfurter Westend Galerie, im Hause der Deutsch-Italienischen Vereinigung, zeigt nach 1974 zum zweiten Mal eine Einzelausstellung des Künstlers. Den präsentierten Werken mit dem Schwerpunkt auf die zwischen 1950 bis 1970 entstandene Graphik und einigen früheren Ölgemälden hat sie einen Katalog gewidmet, dessen einführenden Text von Daniel Abadie Faust Kultur vorstellt. mehr

Kunst & Protest

Off Limit

Sprachlos sind selbst diejenigen, die sonst zu allem etwas zu sagen haben. Keiner Partei, keiner Gesinnung kann man hier Schuld anlasten. Occupy Wall Street ist ideologisch nicht zu fassen. Vielleicht gerade deshalb wird diese Bewegung sehr ernst genommen. Da beginnt offenbar etwas Neues, das sich mit Furcht und Hoffnung verbindet, und es beginnt mit Kunst und Legalität. Der Dokumentarfilmer Eduard Erne war mitten im New Yorker Protestgetümmel und hat für Faust Details des künstlerisch-politischen Getriebes im Schatten der mächtigsten Börse mitgeteilt. mehr

Kein richtiges Leben im falschen

Eine Liebe auf den zweiten Blick

Gerade in der Falschheit liegt die Echtheit von Los Angeles: urbanistisch eher konzeptlos und gesellschaftlich stets gefährdet, ist die glitzernde Riesenmetropole ein Sehnsuchtsort und ein Fantasieort nicht nur, aber vor allem für Europäer. Die Schnappschüsse, die Stefana Sabin festgehalten hat, und die Kalifornien-Erinnerungen von Detlev Claussen geben private Eindrücke wieder und versuchen dennoch, der Stadt-Wirklichkeit näher zu kommen. mehr

Chinesische Lyrik

Yu Jian: »Akte 0«

Der chinesische Lyriker Yu Jian hat erstmals Deutschland bereist. Seine Gedichtsammlung »Akte 0« zählt zu den renommiertesten Beispielen zeitgenössischer chinesischer Lyrik und hat in China lebhafte Diskussionen entfacht. Der umgangssprachliche Ton seiner Gedichte ist auch westlichen Lesern unmittelbar zugänglich, entzieht sich jedoch einfachen Zuweisungen. Yu Jian bricht, fern der Hauptstadt in Yunnan lebend, mit orthodoxen politischen und poetischen Konventionen und bleibt doch bewusst Teil des Systems. Der Bonner Sinologe Marc Hermann hat die Gedichte übersetzt und in einem Nachwort zum im Horlemann Verlag erschienenen Gedichtband Hintergründe erläutert. mehr

Buchhandel im Wandel

Alles zum halben Preis …

In Deutschland machen die Verlage die Buchpreise. Doch neue Handelsplattformen, das EBook und andere Entwicklungen rund um das Internet hebeln die Preise langsam aus. Hat sich die Buchpreisbindung überlebt? Und bestimmt bald der Leser die Preise der Bücher? Volker S. Stahr ist diesen Fragen nachgegangen. mehr

Ausstellung im Städel

Beckmann & Amerika

In diesem Herbst gibt es gleich drei groß angelegte thematische Ausstellungen, die das Werk von Max Beckmann beleuchten: In Basel werden die Landschaften, in Leipzig die Porträts und in Frankfurt das Spätwerk gezeigt. »Beckmann & Amerika« heißt die Ausstellung im Frankfurter Städel, die Jutta Schütt kuratierte. In ihrer Eröffnungsrede, die Faust hier dokumentiert, erläutert sie ihre Vorgehensweise. mehr

Komponist auf internationaler Bühne

Matthias Pintscher

Matthias Pintscher gehört zu den meistbeachteten Komponisten seiner Generation. Seine Orchesterstücke werden von großen Orchestern unter berühmten Dirigenten aufgeführt, und es sind immer wieder besondere Solisten, die sich für seine Musik begeistern, wie der Cellist Truls Mørg oder die Sopranistin Marisol Montalvo. Nun hat er ein Konzert für die Stargeigerin Julia Fischer komponiert, das am 28. September in der Alten Oper Frankfurt seine deutsche Erstaufführung erfuhr. mehr

Der Lyriker Rolf Haufs

Melancholie & Übermut

Wer dem Dichter Rolf Haufs begegnet, erlebt ihn als außerordentlich ernsten Menschen. Und wer seine Gedichte liest, findet in ihnen ebenfalls diesen tiefen Ernst. Und dennoch gelingt es ihm offenbar, darin poetische Spielarten zu kultivieren, die sich über diese Grundierung erheben und mit der Lust am Grotesken darauf hinabzusehen. Martin Lüdke hat sich mit Mensch und Werk auseinandergesetzt und erklärt ihren Zusammenhang. mehr

Text und Audio

Marcus Roloff liest

Der Überdruß an den traditionellen Erzählformen hat ihm das prosaische Schreiben verleidet. Marcus Roloff, geboren 1973 in Neubrandenburg, ging auf der Suche nach sprachlicher Konzentration den Weg zum Nadelöhr der literarischen Kunst, zum Gedicht. mehr

Finanzkrise

Schuldenbremse – ein politischer Mythos?

»Schuldenbremsen sind regelmäßig ein Diktat der wirtschaftlich stärkeren Länder, die sich ihrer solidarischen Pflichten gegenüber den Schwächeren entziehen.« Der renommierte Sozialethiker Friedhelm Hengsbach kommentiert die wirtschaftspolitische Rhetorik. mehr

Künstler-Porträt

Bunte Unterhöschen, Exorzismen und Einsamkeit

Die Videoarbeiten und Fotoserien der amerikanischen Künstlerin Laurel Nakadate sind so umstritten wie berührend, zeigt sie sich doch im narzisstisch anmutendem Körpereinsatz in Situationen, die alles andere als angenehm sind. Claudia Olbrych stellt Nakadate in einem Porträt vor. hier

Würdigung

»Eine Neugier, die aufs Ganze geht«

Wenn das Werk von Franz Mon in die inzwischen historisch gewordene Schublade der »Konkreten Poesie« gezwängt wird, knirscht und knittert es vernehmlich, meint sein Verleger Klaus Ramm. Mons erfindungsreiche Sprache, seine bizarren Wendungen und lautmalerischen Phantasien haben eine innere Dynamik entwickelt, die weit über die konkrete Poesie hinaus führt. In diesem Jahr hat der in Frankfurt lebende Dichter, Hörspielautor und Künstler seinen 85. Geburtstag gefeiert. Gedichte, Collagen, Audiobeiträge und die Laudatio von Klaus Ramm führen in das umfangreiche Werk von Franz Mon ein. weiter

Open Air

Sgt. Dylan’s Band

So wie im feuchten Dunst und unter der schweren Luft dieses Sonnabends hat man den einsamen und meist mürrischen Magier noch selten auf der Bühne erlebt … weiter