Gespräch mit Jean-Luc Nancy

Philosophie der Mit-ologie

Ob der französische Philosoph Jean-Luc Nancy das tagespolitische Geschehen oder Themen anderer großer Philosophen aufgreift, er lässt stets an seinem Denken, das mehr ein Spurensuchen ist, teilhaben. Im folgenden Auszug aus dem Gespräch, das Redakteure der Zeitschrift Otium mit ihm führten, erweist sich Nancy einmal mehr als ein Denker, der sich verstärkt auch im Politischen lokalisiert. mehr

Ein Atelierbesuch bei Jürgen Krause

Rhythmus und Struktur

Der Künstler Jürgen Krause arbeitet täglich parallel an fünf Werkgruppen. Mit seiner klar strukturierten Arbeit legt er Prozesse hinter Zeichnung, Malerei und Bildhauerei frei. Eugen El hat Krause in dessen Frankfurter Atelier besucht. mehr

Interview mit Sadik J. Al-Azm

Nicht-Handeln verschärft Konflikt in Syrien

Warum hatte die syrische Bevölkerung im Westen bisher keine Stimme? Welche Folgen hat diese pragmatische Realpolitik? Im Gespräch mit Andrea Pollmeier, das hier auszugsweise dokumentiert wird, erläutert der international hoch angesehene syrische Philosoph Sadik J. Al-Azm Hintergründe der Kriegssituation in Syrien. mehr

Lena Gorelik im Faust-Gespräch

Die Menschen, nicht der Staat

In ihren Büchern thematisiert die 1981 in Leningrad geborene, in München lebende Schriftstellerin Lena Gorelik den Alltag der Migration, jüdische Identität und das Fortleben sowjetischer Geschichte. Im Faust-Gespräch mit Eugen El erzählt Gorelik von den Fallstricken des Schreibens und von ihren Erinnerungen an Russland. mehr

Cioran reloaded, Teil 2

Entschleunigung und Transparenz

In der zweiten Hälfte seines Beitrags geht Alexandru Bulucz der Frage nach, ob die Entschleunigung im Werk E. M. Ciorans als das Pendant der Beschleunigung und daher als dialekitsch begriffen werden kann oder ob sie sich nicht vielmehr jeglicher Dialektik entzieht. mehr

Eva Demski im Gespräch mit Harry Oberländer

Ich habe keine Angst gehabt

Die Frankfurter Schriftstellerin Eva Demski, deren dritter Roman »Scheintod« jetzt wiederveröffentlicht wurde, erzählt im Gespräch mit Harry Oberländer von ihrem Vater, von Marcel Reich-Ranicki und davon, dass sie das ganze Idealismusgetue gründlich satt hat. mehr

Kultfilme DVD & Blu-ray

Meilensteine der Filmgeschichte

Zwei Meilensteine der Filmgeschichte sind kürzlich neu auf DVD und Blu-ray herausgekommen: Jean-Luc Godards »Außer Atem« und Jim Jarmuschs »Down by Law«. Thomas Rothschild stellt die beiden Kultfilme, die einen jugendlichen, zur guten bürgerlichen Gesellschaft quer stehenden Helden prägten, vor. mehr

Deutsche Geschichte

Gulag-Absolventen

Zu dem Wenigen, was wir der Geschichte abgewinnen können, gehört die Einsicht, dass Menschenverachtung ein Kennzeichen totalitärer Gesellschaften ist. Jamal Tuschick war im Gefängnis Hohenschönhausen, einem der jüngeren Tatorte auf deutschem Boden. mehr

Cioran reloaded, Teil 1

Entschleunigung und Transparenz

Der erste Teil von Alexandru Bulucz' Beitrag zum Problem der Entschleunigung im Werk E. M. Ciorans ist eine Auseinandersetzung mit der Eigentümlichkeit seiner Aphorismen und der Kritik an seine philosophischen Mitstreiter. mehr

Heinrich Klotz, die Postmoderne und das DAM

Das Schwimmen auf einer herrlichen Welle

Das Deutsche Architekturmuseum zeigt anlässlich seines dreißigsten Geburtstages eine Ausstellung, die die Revision der Moderne als erstes Thema des Hauses ernst nimmt und gleichfalls das Wirken des Gründungsdirektors Heinrich Klotz anhand seiner Aufzeichnungen und Ankäufe beleuchtet. Isa Bickmann hat die Frankfurter Ausstellung besucht. mehr

Nino Haratischwili im Faust-Gespräch

Den Fluch brechen

Nino Haratischwili blickt aus georgischer Sicht auf hundert Jahre Zeitgeschichte. Ihr opulenter Roman Das achte Leben ist vor dem Hintergrund der Konflikte in der Ukraine hochaktuell und zudem ein bedeutsames Werk der Gegenwartsliteratur. Dass es auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis fehlt, ist unverzeihlich. Andrea Pollmeier führt ein Gespräch mit der Autorin. mehr

Essay von Jean-Luc Nancy

Heidegger und wir

Jean-Luc Nancys Stellungnahme, in der er Heideggers »seinsgeschichtlichen Antisemitismus« (Peter Trawny) erörtert, kommt absichtsvoll ein halbes Jahr nach Erscheinen der »Schwarzen Hefte«, weil sie auch auf den medialen Streit um Heidegger antwortet, der vor allem in Frankreich ausgetragen wurde. mehr

Belarussische Literatur

Offenheit für das Unterschätzte

Immer noch scheint Belarus (Weißrussland) für viele Deutsche ein weißer Fleck auf der europäischen Landkarte zu sein. Eugen El sprach mit dem Leipziger Übersetzer Thomas Weiler über die Besonderheiten der belarussischen Sprache und Literatur sowie über ihren Stellenwert in Deutschland und der Welt. mehr

Ausstellung: Fotografien von Herlinde Koelbl

TARGETS

Sechs Jahre lang zog es die Fotografin Herlinde Koelbl zu den unterschiedlichsten Truppenübungsplätzen der Welt. Schießziele aus 30 Ländern hat sie fotografiert und im Projekt TARGETS zusammengeführt. Alexandra Hartmann beschreibt die Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin. mehr

Glaser-Preis 2014 an Ror Wolf

Ein Augenblick des Entzückens

Ror Wolf ist für seine Hörcollagen zum Fußball bekannt; für seine kunstvollen Gedichte, Prosatexte und Bildcollagen aber sollte er vom poetischen Himmel einen Stern bekommen. Nun hat man ihm für sein literarisches Schaffen den Georg-K.-Glaser-Preis verliehen. Wir gratulieren mit einer Hommage von Jürgen Roth. mehr

Medientheorie

Das Museum im Zeitalter der Globalisierung

Weil im digitalen Zeitalter die Museen so museal wirken, fordert Peter Weibel, Direktor des Zentrums für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, das performative und perforierte Museum der globalisierten Gegenwart. mehr

Reportage

Bei den »Corinthern« am Walchensee

Es schien der perfekte Rückzugsort. Am Ufer des Walchensees im oberbayerischen Urfeld kaufte sich der Maler Lovis Corinth 1919 ein Haus und fand dort zu seinem Altersstil. Das entdeckte Johannes Winter auf seinen Wanderungen durch Bildmotive und andere Landschaften. mehr

80. Geburtstag von Oskar Negt

Arbeit und menschliche Würde

Oskar Negt hat sich seine intellektuelle Redlichkeit durch nichts abhandeln lassen. Als Forscher, Lehrer und Autor ist er eine Instanz. Detlev Claussen gratuliert ihm zum 80. Geburtstag. Temporär und exklusiv zeigt Faust-Kultur überdies einen Ausschnitt aus Jonas Englerts Videoarbeit »Zoon Politikon«, in dem Oskar Negt von seinem Leben erzählt. mehr

Zum 100. Geburtstag des rumänischen Malers Jules Perahim

Der letzte Surrealist

Wie andere rumänische Künstler vor ihm ist auch der Maler Jules Perahim nach Paris emigriert und hat dort Karriere gemacht. Er galt als letzter Surrealist. Stefana Sabin erinnert an Leben und Werk des vor hundert Jahren in Bukarest geborenen Malers. mehr

Stadtforschung

»Die Revolution der Städte« wieder lesen

Der Slogan »Das Recht auf die Stadt« hat in den letzten fünfundvierzig Jahren eine enorme Karriere gemacht. Nur die wenigsten wissen aber, dass er zunächst der Titel eines Manifests von Henri Lefebvre war. Klaus Ronneberger stellt den französischen Philosophen anlässlich der Wiederauflage seiner »Revolution der Städte« vor. mehr

Daniel Kehlmanns Frankfurter Poetikvorlesung

Geister der Nachkriegszeit

In seiner Frankfurter Poetikvorlesung ließ Daniel Kehlmann die Themen und Motive seines Schreibens deutlich werden. Das zweite große Thema von Kehlmanns Vorlesung war die schwierige, wenn nicht unmögliche Suche nach Gerechtigkeit und Ethik in der Nachkriegszeit, berichtet Eugen El. mehr

internationaler literaturpreis 2014 an

Dany Laferrière & Beate Thill

Dany Laferrière ist ein Meister frivoler, melancholischer oder auch witziger Buchtitel, sagt Laudator Hans Christoph Buch über den haitianischen Autor. Sein erster, von Beate Thill ins Deutsche übersetzter Roman errang sogleich die begehrte ILP-Auszeichnung im Haus der Kulturen der Welt in Berlin. mehr

Die Philosophin Margarete Susman

Jüdisches Denken als politisches Denken

Margarete Susman, 1872 in Hamburg geboren und 1966 in Zürich gestorben, ist eine deutsch-jüdische Philosophin, die es noch zu entdecken gilt. In ihrem neuen Buch untersucht Elisa Klapheck, Politologin und Rabbinerin, Susmans philosophisches Denken zwischen Judentum und politischer Philosophie. mehr

Gespräch mit Ria Endres

Den Luxus der Wörter finden

Die Dramatikerin, Hörspielautorin und Essayistin Ria Endres hat über die Jahre auch lyrische Werke verfasst, die unter dem Titel »Froher Wahnsinn« erschienen sind. Im Gespräch mit Bernd Leukert erzählt die Autorin von der Entstehung, der Bedeutung und der Kunst ihrer Verse. mehr

Eine Werkbetrachtung

Die Stadt als Purgatorium

Loulou Cherinets Videoinstallation »Big Data« entstand zwischen 1996 und 2014 in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba und ist dokumentarisch, ergänzt durch Spielszenen. »Big Data« ist Teil der Ausstellung »Die Göttliche Komödie« im Frankfurter Museum für Moderne Kunst. Isa Bickmann hat sich das Werk näher angeschaut. mehr

100. Geburtstag von George Tabori

Flucht in den Witz

George Tabori machte schreckliche Witze. Sie führten möglichst zu dem Punkt, wo das Groteske, das Entsetzen und die Banalität in eins fallen und man sich, wenn es schon zu spät ist, fragt, ob es erlaubt war zu lachen. Zum 100. Geburtstag des großen Theatermanns hat Wend Kässens ihn gewürdigt. mehr

Künstlerporträt: Pennacchio Argentato

The Idea of Repetition and Sameness

Ein Atelierstipendium der Hessischen Kulturstiftung führte das in Neapel und an der Frankfurter Städelschule ausgebildete italienische Künstlerduo Pennacchio Argentato nach London, wo es seitdem lebt und arbeitet. Isa Bickmann hat Marisa Argentato zu ihrer jüngsten Ausstellung befragt. mehr

TUMULT auf Faust

Die Mitmacher

In seinem Text »Die Mitmacher« setzt sich Jürgen Paul Schwindt mit der »neuen deutschen Universität« auseinander. Anstelle des erkennenden Universalwissenschaftlers tritt der forschende Teilforscher, Fachbereiche werden »zu teilautonomen Dienstleistungsbetrieben« und zu Instrumenten der Waren- und sogar der Waffenproduktion. mehr

Gespräch mit Valeria Luiselli

Schreiben ist ein Ort der Erforschung

Die mexikanische Autorin Valeria Luiselli gilt als vielversprechende neue Stimme Lateinamerikas. Sie lebt in Mexiko City und New York, lehrt an der Columbia University und gelangte mit ihrem Roman Die Schwerelosen auf die Shortlist zum Internationalen Literaturpreis 2013. Gabriele Spiewok und Renate Heß sprachen mit der Autorin. mehr

5. Todestag des Regisseurs Jürgen Gosch

Auf der Suche nach einer Sprache der Liebe

Michael Eberth beschreibt am Beispiel des vor fünf Jahren gestorbenen Regisseurs Jürgen Gosch, welchen Abstürzen und Missverständnissen ausgesetzt ist, wer sich »auf der Suche nach einer Sprache der Liebe« von nichts anderem als dem eigenen Gefühl leiten lässt. mehr

Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim

Der menschliche Ausdruck im Drama unserer Zeit

Die Kunsthalle Mannheim zeigt eine Retrospektive der französischen Bildhauerin Germaine Richier (1902-1959). Das Hauptwerk der vierziger und fünfziger Jahre ragt in jener vom Surrealismus und Existentialismus geprägten Zeit heraus. Isa Bickmann hat die Ausstellung besucht. mehr

Gespräch mit Hans Christoph Buch

Vielfalt statt Standardisierung der Weltliteratur

Sechs Autoren aus fünf Ländern sind im Haus der Kulturen der Welt in Berlin für die Shortlist des Internationalen Literaturpreises 2014 nominiert worden. Welches Nadelöhr die Schriftsteller weltweit passieren müssen, um als Teil der Weltliteratur wahrgenommen zu werden, beschreibt Jurymitglied Hans Christoph Buch im Gespräch mit Andrea Pollmeier. mehr

Gespräch über Kunst mit Jos Diegel

»Das Schlimmste ist, authentisch zu sein«

Der 1982 geborene Künstler Jos Diegel ist in den Bereichen Film, Videokunst, Performance, Malerei, Installation, Theater und an deren Schnittstellen aktiv. Eugen El hat mit Jos Diegel über Kunst und Widerstand in der Gegenwart, über politisches Engagement und Posen gesprochen. mehr

Komponistenporträt

Die Welt des Joseph Marx

In den 1920er Jahren formierten sich in Wien Kräfte, die weiterhin Tonalität und spätromantisches Raffinement priesen. Dazu gehörte der namhafte Komponist Joseph Marx. Hans-Klaus Jungheinrich stellt den vor 50 Jahren verstorbenen Eigenbrötler vor. mehr

Aktueller Bericht aus Syrien

Wohnen im »sicheren« Viertel, in dem die Angst umgeht

»Ich wurde aller Rechte beraubt. Das einzige Recht, das mir geblieben ist, ist das Recht zu sterben«, schreibt Salma Salim. Sie lebt in der Innenstadt von Damaskus, die kaum direktem Beschuss ausgesetzt ist – ein Luxus, den nur wenige Menschen in Syrien genießen. Trotzdem ist das Leben dort das wahre Grauen. mehr

Gespräch mit dem Künstler Gerhard Lang

Wahlverwandtschaft zwischen Kunst und Wolken

Gerhard Lang war als Stipendiat der Hessischen Kulturstiftung in New York. Isa Bickmann hat mit dem Künstler über seinen New Yorker Wolkenspaziergang, über das Erfahren des Stadtraums mittels des Rückwärtsgehens mit einem Claude-Lorrain-Spiegel und die Vorzüge des Schwarz-Weißen korrespondiert. mehr

badenweiler musiktage

Daheim im Musik-Glück

Der Veranstalter und ehemalige Betreiber des Hotels »Römerbad«, Klaus Lauer, ist nach zehnjährigem Exil in Bad Reichenhall nach Badenweiler zurückgekehrt und führt dort die ruhmreichen Musiktage weiter. Hans-Klaus Jungheinrich hat das Festival besucht. mehr

Eine Bildbetrachtung

Die Stadt, ein brausender Sturm

Die Künstlerin Julie Mehretu wurde 1970 im äthiopischen Addis Abeba geboren und lebt in New York. Ihre 2009 entstandene Zeichnung »Fragment« changiert zwischen architektonisch-grafischer Gegenständlichkeit und malerischer Dynamik. Sie ist zurzeit im Frankfurter Museum für Moderne Kunst zu sehen, berichtet Eugen El. mehr

Tumult auf Faust

Die See, jenseits der Grenzen

TUMULT heißt jetzt »Vierteljahresschrift für Konsensstörung«. Der philosophische Schriftsteller Ralf Rother aus Wien hat sich darin Carl Schmitts »Nomos der Erde im Völkerrecht des Jus Publicum Europaeum« aus dem Jahr 1950 angenommen und stellt fest: Die Freibeuter sind unterwegs! mehr

Porträt der rumänischen Dichterin Nina Cassian

Ein neues altes Leben

Sie wurde zu einer der bekanntesten rumänischen Dichterinnen: Nina Cassian, 1924 als Tochter einer bürgerlichen jüdischen Familie in der Hafenstadt Galati geboren. Ihre Lyrik spiegelt das ästhetische und politische Klima Rumäniens über Jahrzehnte hinweg wider. Seit 1985 lebte Cassian in New York, wo sie am 15. April 2014 starb. Stefana Sabin erinnert an die Dichterin. mehr

Porträt der Autorin Gisèle Prassinos

Die arthritische Heuschrecke

Mit ihrer ersten eigenständigen Publikation wird sie 1935 über Nacht zur gefeierten Schriftstellerin und zur Muse des von Männern dominierten Surrealismus: Gisèle Prassinos. In Alexandru Bulucz' Porträt der Autorin steht das Titelgedicht ihrer ersten Publikation im Mittelpunkt. mehr

La Frontera: Künstlerporträt

»Ich bringe die Galerie auf die Straße«

Der Maler und Graffitikünstler Alfredo Libre Gutiérrez arbeitet am Rand der Gesellschaft. Ganz Tijuana ist sein Atelier. Er ist überzeugt: Kunst muss Missstände sichtbar machen. mehr

Fritz Bauer und der Frankfurter Auschwitz-Prozess

Ermittlung, Prozess und Urteil

Eine neu erschienene DVD stellt Fritz Bauer, der vor fünfzig Jahren als Generalstaatsanwalt den Frankfurter Auschwitz-Prozess auf den Weg brachte, anhand von Statements, Interviews und Gesprächen vor. Eine weitere dokumentiert den Auschwitz-Prozess. Diesen DVDs kann man nur große Verbreitung wünschen, findet Thomas Rothschild. mehr

Aktueller Bericht aus Syrien von Haitham Hussein

Revolution … Traum und Heimat

In der Syrischen Arabischen Republik, wie Syrien offiziell heißt, wurde die kurdische Identität untergraben. Kurdisch in der Öffentlichkeit zu sprechen, war zeitweise verboten. Der Schriftsteller Haitham Hussein beschreibt in seinem Essay, welche Hoffnungen er sich als Kurde zu Beginn der Revolution machte und warum er schließlich doch das Land verlassen musste. mehr

Märchen und Geschichten der Beduinen im Sinai

Die Wüste lebt!

Die Wüste lebt! Noch. Denn Tiere, Menschen und Dämonen geraten in einen Schwundmodus. Rechtzeitig noch hat Marion Victor sich von Tarabin-Beduinen Märchen erzählen lassen, deren zwei, zusammen mit Überlegungen von Klaus Reichert, hier zu finden sind. mehr

Kongress in Frankfurt: »Politische Romantik«

Wir müssen mehr geben als nur »Gedankenfreiheit«

Ein heilloses Durcheinander: Jeder weiß sofort, was mit »Politischer Romantik« gemeint ist. Aber jeder meint etwas anderes. Die Folgen für Diskussion im In- und Ausland benennt die Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, Hortensia Völckers, in Ihrer Einführung zur Frankfurter Tagung »Politische Romantik«. mehr

Zum Tod von Peter Heusch

… ein Lied von Wiederkehr

Peter Heusch war Schauspieler, Regisseur und Autor. Vor allem aber war er Vorleser. Öffentlich las er die gesamte »Suche nach der verlorenen Zeit« von Marcel Proust und viele andere Klassiker. Im Frankfurter Literaturforum war er die professionelle Stimme der Literatur. Dessen Leiter Harry Oberländer nimmt Abschied vom Sprechkünstler Heusch. mehr

Porträt: Eine Erinnerung an Helmuth Plessner

Der unergründliche Mensch

Helmuth Plessners philosophische Anthropologie musste fast zwangsläufig zwischen alle Stühle geraten. Heute jedoch scheint sich wieder ein vorsichtiges, wenngleich beiläufiges Interesse für Plessners Denken bemerkbar zu machen. Otto A. Böhmer erinnert an Leben und Werk des Wissenschaftlers. mehr

Tatort Dresdener Zwinger

Unverhoffte Begegnung mit einem Fälscher

Wer ist das, der die Sammlung alter Meister besucht? Das sind wir, das staunende Publikum, das sind potentielle Bilderdiebe, Kunsthistoriker und Ikonoklasten, unbekannte Maler und berühmte Bilderfälscher. Und manchmal läuft man sich über den Weg. Johannes Winter hatte in Dresden eine seltsame Begegnung. mehr

Porträt des portugiesischen Autors

Manuel Jorge Marmelo

»Eine tausendfach wiederholte Lüge« (Uma mentira mil vezes repetida) heißt Manuel Jorge Marmelos Roman, für den er im Februar mit einem portugiesischen Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Dass das Preisgeld vermutlich für die tägliche Lebenshaltung draufgehen wird, ist wie Marmelos Schriftstellerkarriere eine portugiesische Geschichte, meint Michael Kegler. mehr

Kunstprojekt

Manifeste 14

Für Faust-Kultur hat Jonas Englert junge Künstler gebeten, Manifeste zur Relevanz von Kunst in der Gegenwart zu formulieren. Bei der ersten Folge dieses experimentellen Projekts, das die Rechtfertigung beziehungsweise Infragestellung der Existenzberechtigung von Kunst zum Thema hat, präsentieren – neben Jonas Englert – Jos Diegel, Tarik Goetzke, Norman Hildebrandt und Gian Spina ihre Manifeste. mehr

Gespräch über Kunst von Tammam Azzam

»Verzweiflung ist die einzige Wahrheit«

Der syrische Künstler Tammam Azzam verbindet europäische Kunsttraditionen mit der Katastrophe in seinem Heimatland. Als seine ersten Bilder auf Facebook die Runde machten, begeisterte er viele mit seiner ungewöhnlichen Kunst. Martina Sabra hat ihn Anfang 2014 anlässlich einer Ausstellung in Beirut getroffen. mehr

Porträt des Schriftstellers Paolo Colagrande

»Schweig, nicht einmal dein Feind hört zu.«

Hierzulande noch gänzlich unbekannt, ist Paolo Colagrande in Italien renommiert: Für seine Romane hat er schon mehrere Preise gewonnen, darüber hinaus Essays und Erzählungen veröffentlicht und eine Literaturzeitschrift gegründet. Herbert Jaumann stellt den Schriftsteller auf Faust-Kultur vor. mehr

Thema Syrien: Interview mit Rafik Schami

»Die Zeit der Versöhnung ist vorbei«

Vor 43 Jahren musste der Schriftsteller Rafik Schami Syrien verlassen. Früh hatte er gegen die Herrschaft Hafiz al-Assads Position bezogen. Im Faust-Gespräch mit Andrea Pollmeier beschreibt er seine Erfahrungen aus der Entstehungszeit der Diktatur und erläutert innen- wie außenpolitische Hintergründe, die zur katastrophalen Entwicklung der Revolution beigetragen haben. mehr

Porträt: Theodor Lessing

»Und so ward grau die Welt«

Von heute aus gesehen wird man Theodor Lessing (1872-1933), der ein äußerst umfangreiches Werk hinterlassen hat, am ehesten als einen Kulturwissenschaftler und Moralisten bezeichnen können. In ihrem Essay entfaltet Ria Endres Lessings Leben und Werk im Spiegel der Zeit. mehr

Wo Orpheus begraben liegt

Realität zeigen

Ilija Trojanow und Christian Muhrbeck haben zu einem Zeitpunkt, als sich in den Medien eine voruteilsschwere Debatte über das EU-Land Bulgarien ausbreitete, einen einfühlsamen Blick hinter die Grenzen des Landes ermöglicht. Informationen zur Rezeption des Buchs »Wo Orpheus begraben liegt« und ein Lesungs-Video von Corinna Hackel gibt es hier. mehr

Digitaler Wandel

Näher, mein Wort, zu Dir

Immer wieder ist die Klage darüber zu lesen, das Internet zerstöre die Literatur, sei überhaupt wort- und insgesamt kunstfeindlich. In seiner Entgegnung plädiert der Schriftsteller Alban Nikolai Herbst für eine netzaffine Literatur und macht die Notwendigkeit ihres Wandels angesichts von Digitalisierung und Globalisierung deutlich. mehr

Aktueller Bericht von Mamdoh Azzam

Sie schießen auf die Freiheit!

Obwohl die Demonstranten in der südsyrischen Provinz und gleichnamigen Stadt Suwaida für Freiheit und Würde auf die Straße gingen, obsiegte bei der Mehrheit der drusischen Bevölkerung die Angst vor der Ausbreitung eines radikalsunnitischen Islam. In seinem Essay schildert der Schriftsteller Mamdoh Azzam diese bedrückende Atmosphäre der Angst und die damit einhergehende Spaltung der Gesellschaft. mehr

Erinnerung an Elisabeth Borchers

Zwischen den Sprachen

Elisabeth Borchers, die Übersetzerin, Verlagslektorin und strenge Patin der Poesie, wäre am 27. Februar 2014 achtundachtzig Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass gibt der Frankfurter Verlag weissbooks eine Auswahl ihrer Gedichte heraus, die in kargem, lakonischem Ton und stillstem Pathos vom Abschied erzählen. Klaus Reichert erinnert an die große Dame der Literatur. mehr

Vom Leidwesen der Dichter und Denker

Das Grab auf meiner Wange

Kann ein gesunder, glücklicher Mensch schöpferisch tätig sein? Nein? Aber vorauszusetzen, dass er krank und unglücklich sein muss, ist auch nicht schicklich. Es sei denn, er ist glücklich, weil er fürchtet krank zu sein. Otto A. Böhmer hat sich über das Leidwesen der Dichter und Denker gebeugt. mehr

Gespräch mit Adam Zagajewski

Ein Gedicht ist das Gegenteil von Routine

»Meine Meister fragen mich um Rat.«, schrieb einst der große polnische Dichter Adam Zagajewski, der im Jahre 2002 aus dem Pariser Exil nach Krakau zurückkehrte. Jakub Gawlik und Philipp Stadelmaier haben mit ihm gesprochen, um zu erfahren, was ein Gedicht ist. mehr

Essay

Zum Gruß

Jeden Tag grüßen und begrüßen wir: Menschen und allerlei Dinge. Aber was heißt Grüßen? Dieser Frage geht Thomas Schestag in seiner präzisen und preziösen Kurzstudie »Zum Gruß« nach. mehr

Ukraine – Gespräch mit Juri Andruchowytsch

Kein Theater, kein Spiel

Mit anderen ukrainischen Schriftstellern kam der Dichter und Schriftsteller Juri Andruchowytsch aus den Auseinandersetzungen auf dem Majdan und den Straßen der ukrainischen Städte, wo Tausende seiner Landsleute seit Monaten gegen das Regime Janukowytsch protestieren, zu einer Lesung nach Frankfurt. Bernd Leukert traf ihn dort, um ihn zu Tat und Wort zu befragen. mehr

Berlinale 2014

Einsame Menschen

Künstlerisch anspruchsvolle Filme vermögen es, gesellschaftliche Asymmetrien und Herrschaftsverhältnisse sichtbar zu machen. Dies gilt für Georgien ebenso wie für Griechenland, für unsere Gegenwart ebenso wie für eine Vergangenheit, die nicht vergehen will. Thomas Rothschild berichtet vom Internationalen Forum der Berlinale. mehr

Aktueller Bericht von Yassin Al Haj Saleh

Mein Weg ins Exil

Islamistische, mit AL-Kaida verbundene Gruppierungen beherrschen immer größere Gebiete im Norden Syriens. Viele Aktivisten und Intellektuelle werden von ihnen entführt, etliche getötet. Andere haben Syrien verlassen. Einer von ihnen ist der international bekannte Journalist und Publizist Yassin Al Haj Saleh. Er berichtet über seinen beschwerlichen Weg ins Exil. mehr

Beitrag zum Walter-Benjamin-Kongress

Benjamins Optik

Geschichte ist nicht der Pluralbegriff von Geschichten: Walter Benjamin dachte sich Geschichtserkenntnis jenseits aller Historiographie seiner Zeit. Wie, erklärte Burkhardt Lindner Mitte Dezember 2013 zur Eröffnung des Internationalen Walter-Benjamin-Kongresses »Über den Begriff der Geschichte / Geschichte schreiben«. mehr

Johann Georg Hamanns »Aesthetica in nuce«

Der philologische Kreuzzug eines sonderbaren Denkers

Der Philosoph und Schriftsteller Johann Georg Hamann war ein Mann der extremen Gefühle. Er war so lange Hypochonder, bis er schließlich krank wurde. Doch hat der ›helle Kopf‹ (Goethe) mit seinem dunklen Werk enormen Einfluss ausgeübt. Seine »Aesthetica in nuce«, die er »eine Rhapsodie in Kabbalistischer Prose« nannte, hat Sarah Schuster wiedergelesen. mehr

Faust-Interview mit raul zelik

Verbrannte Erde in Lateinamerika

Raul Zelik lebte bis 2013 in Medellín (Kolumbien) und lehrte an der Nationaluniversität Politische Theorie. In zahlreichen Publikationen setzte er sich mit Mechanismen von Herrschaft, Gewalt und sozialem Wandel u.a. in Kolumbien und Venezuela auseinander. Im Faust-Interview erläutert Zelik auf der Basis eigener Beobachtungen die aktuelle Situation in Lateinamerika. mehr

Faust-Gespräch: Reihe Weltkulturen in Museen

Große Zukunft

Ein neues Haus am Kölner Neumarkt ist seit 2010 die Heimat des Rautenstrauch-Joest-Museums. Hier kann der Besucher die Geschichte und Traditionen der Völker aus allen Erdteilen verfolgen. Es ist eine Schau der Dinge und der Wandlungen vieler Kulturgeschichten. Clair Lüdenbach sprach mit Klaus Schneider, dem Leiter des Kölner Museums der Kulturen der Welt. mehr

Faust-Interview mit Alan Mills

Ich bin in keinem Korsett gefangen

Der guatemaltekische Autor Alan Mills bezeichnet sich selbst als Nomaden, der es liebt, den Entwicklungspfaden ihm fremder Kulturen nachzuspüren. Seine Gedichte und Erzählungen sprechen über Identitätssuche und Andersartigkeit. Im Faust-Interview mit Corinna Santa Cruz berichtet Alan Mills von seinen persönlichen und literarischen Grenzgängen. mehr

geheimnis

und du bekommst spam-
nachrichten aus der ganzen welt,
die menschen sind heute
so verstreut, wenige hotelzimmer
als fluchtpunkte, ein kuss, der traf,
der sein ziel nicht verfehlte, bitte vergiss
mich nicht: ich erinnere mich
an alles: unerpressbar.

Julia Mantel

Aktueller Bericht von Khaled Khalifa

Jeder Blick ein Abschied

Viele syrische Intellektuelle haben das Land bereits verlassen. Khalid Khalifa ist einer, der geblieben ist – obwohl er als international bekannter Schriftsteller viele Möglichkeiten gehabt hätte, dem Horror zu entfliehen. Sein Rettungsanker ist das Schreiben. Aber, so fragt er sich, hat das Schreiben Sinn, wenn das Leben im Warten auf den Tod besteht? mehr

Gerhard Falkners »Pergamon Poems«

Telefriesion: Von Giganten und Gedichten

Wahrscheinlich wurde immer über die Vergangenheit geschrieben, um mit ihr die Gegenwart zu kommentieren. Selten aber geschah dies mit Hilfe der Sinnlichkeit. Gerhard Falkner hat auf diese Weise 21 Gedichte zu den Reliefs im Fries des Berliner Pergamonaltars geschrieben. Und Jan Wilm preist die große, geheimnisvolle Kunst der »Pergamon Poems«. mehr

Reihe Weltkulturen in Museen

Es ist was anderes

Die Suche nach dem letzten Mohikaner hat sich für das Weltkulturen Museum erledigt. An ihre Stelle tritt in Frankfurt die permanente Evolution des Ausstellungskonzepts: Wissenschaftler und Künstler reagieren mit ihren aktuellen Ideen auf die Zeugnisse der Fremde. Clair Lüdenbach sprach mit der Museumsleiterin Clémentine Deliss. mehr

Essay

Im Sog des Internets

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Wer sich ins Internet begibt, überschreitet die Grenze der Privatsphäre. Von Rechts-, Informations-, Kontroll- und Schamgrenzen handelt ein Essay von Göttrik Wewer mit dem Titel »Die Verschmelzung von öffentlicher und privater Sphäre im Internet«. mehr

Aktueller Originaltext von Khalil Sweilih

Innere Emigration und flüchtige Begegnungen

Wird Syrien bald zu einer erinnerten Vergangenheit – wie Dinosaurier oder Fossilien? Der Autor Khalil Sweilih beschreibt die Verlorenheit, die der Zurückbleibende mitten im schwersten Fluchtstrom der Zeitgeschichte fühlt. mehr

Reihe Weltkulturen in Museen

Sobald ein Objekt im Museum ist, ist es etwas Vergangenes

Im Herzen von Basel am Münsterplatz steht das Museum der Kulturen. Es ist ein Häuser-Ensemble aus Fachwerk und Stein mit einem lichten Neubau aus jüngster Zeit. Im Gespräch mit Clair Lüdenbach erklärt die Museumsleiterin Anna Schmid das Konzept ihres Hauses. mehr

Ausstellung im Martin-Gropius Bau Berlin

Barbara Klemm – Fotografien 1968-2013

Man muss Barbara Klemm bei der Arbeit sehen: unprätentiös, im Hintergrund, abwartend; dann, mit einem untrüglichen Sinn für die sich selbst arrangierende Szene und ein an ein Wunder grenzendes Gespür für den richtigen Augenblick tritt sie zügig hervor und drückt den Auslöser. Jetzt gibt es in Berlin eine große Ausstellung ihrer Fotografien. Alexandra Hartmann erzählt davon. mehr

Reihe Weltkulturen in Museen

»Ich glaube, man muss andere Fragen stellen«

Seit einigen Jahren versuchen die völkerkundlichen Museen, sich neu aufzustellen und sich zeitgemäßer zu präsentieren. Clair Lüdenbach begab sich auf Reisen und befragte Museumsleiter und Kustoden. Zum Auftakt dieser Reihe sprach sie mit der Ethnologin Larissa Förster aus Köln über die Gründe für diese Entwicklung. mehr

Zum Tod von Peter Kurzeck

Der Chronist des vergangenen Jahrhunderts

Er hätte mehrere Leben gebraucht, um das Wichtigste seines Lebens zu erzählen. Der Schriftsteller Peter Kurzeck ist aus der unentwegten Verwandlung der Erinnerung in Literatur gerissen worden. Björn Jager hat ihm einen Nachruf geschrieben. mehr

Faust-Interview mit Irina Khalip

Zwanzig Jahre Diktatur in der Mitte Europas

Die weißrussische Journalistin Irina Khalip setzt im Kampf um Demokratie und Meinungsfreiheit ihr Leben aufs Spiel. Im Faust-Interview kritisiert sie die klassische Doppelmoral der EU-Politik gegenüber Weißrussland. Mit Irina Khalip sprachen Eugen El und Andrea Pollmeier. mehr

faust-gespräch mit jonas englert

»Wir sind eine Art neue romantische Bewegung«

Innerhalb weniger Jahre hat Jonas Englert eine der interessantesten künstlerischen Positionen im Umfeld der HfG Offenbach entwickelt. Eugen El sprach mit dem jungen Künstler über seine Projekte, über ästhetische Überforderung, Zeitgenossenschaft und Zukunftspläne. mehr

Zeitraffer-Video

Visualisierte Musik: Romantik

Sahest du nie die Schönheit im Augenblick des Leidens? Dann sieh bei Schiller nach! In der »visualisierten Musik« haben sich Mediengestalter aus Mainz und Musiker aus Frankfurt mit der Romantik auseinandergesetzt. In einem Zeitraffer-Video treibt sie eilends dahin. mehr

Peter Härtling zum Achtzigsten

Dichter, Erzähler, Zeitgenosse

Unermüdlich schreibt er, unermüdlich vermittelt er Literatur. Peter Härtling kann jahrelang über literarische Positionen sprechen, in seiner Erinnerung ist das Beziehungsnetz der schreibenden Personen und ihrer Ideen fest installiert. Zu seinem 80. Geburtstag gratuliert ihm Martin Lüdke. mehr

100. Geburtstag von Albert Camus am 7. November 2013

Die Krise des Menschen

»The Human Crisis« hieß ein Vortrag, den Albert Camus Ende März 1946 an der Columbia University in New York hielt – und der nichts an Aktualität verloren hat. Deshalb veröffentlicht ihn Faust-Kultur hier erneut. mehr

Aktueller Beitrag aus Syrien von Amer Matar

Eine Leiche legt Zeugnis ab

Am 14. August 2013 explodierte in Rakka, einer Stadt im Nordosten Syriens, eine Autobombe. Seit jenem Tag wird der Aktivist und Bürgerjournalist Muhammad Nur Matar vermisst. Amer Matar, Journalist und Bruder des Vermissten, hielt sich zu jener Zeit in Rakka auf und beschreibt die bange Suche seiner Familie. mehr

50. Jahrestag der Frankfurter Auschwitz-Prozesse

Der Auschwitz-Prozess

Vor 50 Jahren begann in Frankfurt der erste Auschwitz-Prozess. Zwar konnten insgesamt nur wenige Täter vor Gericht gestellt werden, doch führten die Aussagen der Opferzeugen das verbrecherische Geschehen in den Lagern der Öffentlichkeit deutlich vor Augen. Dies betont Werner Renz in seinem Vorwort zur Neuauflage von Bernd Naumanns Prozessbericht. mehr

80.Geburtstag von Horst Bingel

Der Bingel, den ich kannte

Er ließ zur Frankfurter Buchmesse 1973 eine Büchertram fahren und veranstaltete Lesungen auf Bahnhöfen und in Werkhallen. Denn Horst Bingel wollte Literatur ohne Dogmatismus in die Gesellschaft tragen. Als er 80 Jahre alt geworden wäre, hielt ihm der Schriftsteller Uve Schmidt eine Geburtstagsrede. mehr

Essay von Pete Smith

Die Erfindung der Allwissenheit

Wer nicht untergehen will im System der Vermarktung, ist gezwungen mit höchsten Superlativen für seine Produkte zu werben. Dies mag umsatzsteigernd sein, für Gesellschaft und Politik ist das katastrophal. Pete Smith hat den Superlativ aus philosophischer Sicht aufgegriffen. mehr

Aktueller Essay von Dima Wannous

Erstarrtes Warten

Die Brutalität, mit der der Krieg in Syrien geführt wird, hat die Menschen überrascht. Die in Beirut lebende syrische Schriftstellerin Dima Wannous beschreibt die Spaltung der syrischen Gesellschaft und geht der Frage nach, wie die Syrer – Unterstützer und Gegner der Revolution, Opfer und Täter – in einer Post-Assad-Ära wieder gemeinsam in einem Land leben können. mehr

Zum Tod des Regisseurs Dimiter Gotscheff

Geboren am Fluss, in dem Orpheus badete

Ein eigenwilliger Regisseur ist gestorben. Dimiter Gotscheff war eins mit seinem Beruf, seiner Berufung. Er trug das Theater, das er doch jedesmal neu schaffen wollte, in sich. Verwandte Geister beschwor er im Gespräch mit Michael Eberth, Samuel Finzi und Wolfram Koch. mehr

Philipp Mosetter: Tragischer Vorfall Nr. 11

Festrede zur Eröffnung der Buchmesse 2013

Rassendemokratie ist ein Mythos

Selten gab es auf der Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse eine so kritische und vom Publikum so enthusiastisch gefeierte Ansprache. Luiz Ruffato, brasilianischer Autor und literarischer Festredner des Ehrengastlandes, machte schon in den ersten Sätzen seiner Rede deutlich: Brasilien ist nicht nur Wirtschaftswunderland, sondern auch ein Ort, an dem »Raubtierkapitalismus« nicht bloß als Metapher wirkt. mehr

Trend gegen die Todesstrafe

Zeit der Hoffnung?

Den jährlichen Berichten der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist zu entnehmen, dass sich ein globaler Trend gegen die Todesstrafe langsam fortsetzt. In seinem kulturpolitischen Essay rekapituliert Helmut Ortner eine mörderische Geschichte und entwirft ein entschiedenes Plädoyer gegen die Todesstrafe. mehr

100. Geburtstag 2013

Meret Oppenheim und der Hass auf die Pelztasse

Sie war die Muse der Surrealisten, das Motiv Man Rays und die Kürschnerin der Pelztasse. Die deutsch-schweizerische Künstlerin Meret Oppenheim hat auf vielen Gebieten Phantastisches in die Welt gesetzt. Der Kunstkritiker Rudolf Schmitz empfiehlt deshalb die Retrospektive im Martin-Gropius-Bau Berlin. mehr

300. Geburtstag von Denis Diderot

Dass ihn der Teufel hole

Denis Diderot, Schriftsteller und Mitherausgeber der »Encyclopédie«, war ein Intellektueller, der schreibend die Trennung zwischen Kopf- und Handarbeit aufheben wollte. Zum 300. Geburtstag fasst Otto A. Böhmer Diderots Leben zusammen. mehr

Theater

Das Frankfurter Experiment

Vor fünfzig Jahren wurde der Neubau des Frankfurter Schauspielhauses am heutigen Willy-Brandt-Platz eingeweiht. Aus diesem Anlass blickt der Dramaturg Michael Eberth auf die Auseinandersetzungen um das Mitbestimmungstheater zurück, die sich in einer Zeit voller gesellschaftlicher Umbrüche abspielten. mehr

Zum Tod von Marcel Reich-Ranicki

Der Unvergleichliche

Auf dem Weg zu seinem Lieblingscafé Christine im Frankfurter Dichterviertel kam Marcel Reich-Ranicki häufig am Sitz der Faust-Redaktion vorbei. Nicht nur deshalb wird uns MRR fehlen: Im Namen der Redaktion blickt Martin Lüdke auf das Leben und Wirken des mächtigsten und einflussreichsten deutschen Literaturkritikers zurück. mehr

Goethe – Kunstwerk eines Lebens

Für andere wird auch eine Sonne scheinen

Schon sein Buch über die deutsche Romantik ist auf ein enormes Interesse gestoßen. Nun hat Rüdiger Safranski mit seiner Biographie des Weimarer Dichterfürsten die Reihe seiner profunden literarischen Lebensbeschreibungen gekrönt. »Goethe – Kunstwerk des Lebens« ist ein umfangreiches, aber sehr gefragtes Werk. Otto A. Böhmer beschreibt die Gründe dafür. mehr

KURZPORTRÄT UND VIDEO

Alles für die Sture Schnecke

Alain Mabanckou, aufgewachsen in der Republik Kongo, hat beim 2. Weltempfänger-Salon von litprom mit dem Journalisten Ruthard Stäblein über seinen Roman »Zerbrochenes Glas« und sozialpolitische Wurzeln seines Schreibens gesprochen. Einführendes Porträt und Videoauszug gibt es hier. mehr

Robert-Gernhardt-Preis 2013 für

Paulus Böhmer und Ricarda Junge

Der Robert-Gernhardt-Preis gehört zu den wenigen Preisen, die für Unfertiges vergeben werden, damit es die Möglichkeit erhält, fertig zu werden. Am 5. September 2013 ist er zum fünften Mal verliehen worden. Der Autor und Literaturkritiker Christoph Schröder verrät in seiner Laudatio, wie und warum diesmal Ricarda Junge und Paulus Böhmer bedacht wurden. mehr

GRAPHIC NOVEL: Faust-Gespräch mit Luke Pearson

»Ich zeichne gerne und erzähle gerne Geschichten«

Der 25-jährige Zeichner Luke Pearson erschien aus dem Nichts auf der internationalen Comic-Bühne und wurde sofort in diesem Jahr für die Eisner Awards, die Oscars der Comicbranche, nominiert. Thomas Scholz sprach mit Pearson über seine Arbeit. mehr

Schwerpunkt: LUSOPHONE LITERATUR

Rafael Sperling – Augenblickliche Unbestimmtheit

Rafael Sperling fand über die Musik den Weg zum Schreiben. Er studierte Songwriting an der Universität in Rio de Janeiro. Inzwischen ist ein erstes Buch erschienen, zudem publiziert er Kurzgeschichten und Blog-Beiträge zu krassen Themen. Das »böse Spielkind der brasilianischen Literatur« stellt Michael Kegler im Faust-Schwerpunkt vor. mehr

Kunst-Projekt

World Wide Wheat

Die Künstler Nora Al-Badri und Jan Nikolai Nelles nähern sich im Rahmen ihres Projekts »World Wide Wheat« mit künstlerischen Mitteln dem weltweiten Phänomen der Spekulation mit Agrarrohstoffen. Die erste Station ihrer Recherchen war Ägypten. Faust Kultur dokumentiert hier exklusiv die Ergebnisse ihrer Reise. mehr

Briefwechsel

Thomas Bernhard – Gerhard Fritsch

Der österreichische Schriftsteller Gerhard Fritsch (1924-1969) hatte früh von den großen und wilden Gesängen des Thomas Bernhard geschrieben und, als Redakteur mehrerer Literaturzeitschriften, Berater von Verlagen und Mitglied in literarischen Jurys, kräftig an dessen Karriere mit gearbeitet. Gerade ist beider Briefwechsel erschienen, der offenbart, wie alles anfing. mehr

Etymologische Anekdoten

Fisimatenten und andere Kuriositäten

Unser heutiger Wortschatz besteht zu großen Teilen aus Wörtern, die vor langer oder kürzerer Zeit aus anderen Sprachen übernommen worden sind. Warum und wie sich die Bedeutung dieser Wörtern wandelt, erzählt der Sprachwissenschaftler Gerhard Stickel in kleinen etymologischen Anekdoten. mehr

Faust-Gespräch zum Thema Urheberrecht

Die »Aufnutzung« geistiger Werke

Immer häufiger gerät der Endnutzer online publizierter Texte in die Grauzone ungeklärter Urheberrechtsfragen. Im Faust-Gespräch mit Andrea Pollmeier spricht Alexander Peukert, der eine umfassende Schrift zum Thema »Die Gemeinfreiheit. Geistiges Eigentum und Wettbewerbsrecht« publiziert hat, über den Konservatismus des Urheberrechts im digitalen Zeitalter. mehr

Essay

Bildung schadet

Andrea Roedig hat die Lebenswirklichkeit von Kopfarbeitern mit spitzer Feder nachgezeichnet und strukturelle Eigenarten in Universitäten, Verlagen und Medien herausgestellt. In ihrem Essay zeigt sie, welchen Wert inhaltliche Arbeit in der viel beschworenen Wissensgesellschaft hat. mehr

Essay

Das Kino stirbt! Stirbt es …?

Sie mehren sich, die Rufe vom Tod des Kinos. Vor allem Hollywood sei schuld an der Misere. Warum diese Rufe nicht neu und vor allem nicht richtig sind, erklärt Kai Mihm in seinem Essay. mehr

200. Geburtstag 2013

Offener Brief an Richard Wagner

Was sind schon 200 Jahre für jemanden, der ohnehin in anderen Dimensionen dachte! Richard Wagner hat nicht nur als Komponist ein vielgestaltiges OEuvre hinterlassen, sondern ebenso umfassend als Schriftsteller gewirkt. Wagnerexperte Michael von Soden widmet ihm ein öffentliches Sendschreiben. mehr

100. Geburtstag von René Leibowitz

Arbeit am Unerledigten

Der Komponist René Leibowitz, der 1972 in Paris starb, war auch Dirigent, Musikpädagoge, Schriftsteller. Zu seinem 100. Geburtstag ist nun eine Doppel-CD erschienen, die Hans-Klaus Jungheinrich zum Anlass nimmt, den fast vergessenen Künstler wieder ins Gedächtnis zu rufen. mehr

Wilhelm Genazino: Der Zettel

Ein ungefähr zwölfjähriger, dunkelhaariger Junge geht von Tisch zu Tisch. In der linken Hand trägt er einen Zettel, den er den Leuten vor das Gesicht hält.
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Essay über das Mitleid

Auf ein Lächeln

Ein Unbehagen, das uns durch den städtischen Alltag begleitet. Armut und Bedürftigkeit umgeben uns aber auch global. In seinem eindringlichen Essay reflektiert Pete Smith über die Bedingungen des Mitleids. mehr

Reportage aus Syrien

Die Intensivstation

In dicht gesetzten Reihen drängen sich die Zuhörer, um Navid Kermanis Bericht aus beunruhigten Regionen der Welt zu hören. Als er seine Erlebnisse auf der Intensivstation eines syrischen Krankenhauses beschreibt, herrscht beklommene Stille. Video und Text – hier
 

Thomas Brasch

Editorisches Mammut

Nach dreijähriger gemeinsamer Arbeit haben Martina Hanf und Kristin Schulz Thomas Braschs gesammelte Gedichte im Suhrkamp Verlag herausgegeben. Jamal Tuschick hat mit ihnen gesprochen. mehr

Festrede von Aris Fioretos

Sieben Topoi für den Roman

In seiner Festrede zur Verleihung des Preises im Haus der Kulturen der Welt verweist Aris Fioretos eindringlich auf die asyl- und schutzgebende Wirkung von Fiktion und lenkt den Blick auf Missstände gegenwärtiger Asylpolitik. mehr

Faust-Gespräch mit Wilhelm Genazino

In einer feinen Buchhandlung rumsauen

Der Schriftsteller Wilhelm Genazino wird stets als der Flaneur unter den Schriftstellern bezeichnet. Seine Formulierungslust überführt, was seine Sinne auf der Straße aufsammeln, in melancholisch-groteske Detailbeschreibungen. Im Gespräch mit Harry Oberländer spricht er über Ängste, Erfolg und den Zusammenhang von Leben und Literatur. mehr

30 Jahre Junges Literaturforum Hessen-Thüringen

Raum für Poesie

Vor 30 Jahren ist das Junge Literaturforum Hessen gegründet worden, dem später Thüringen hinzugefügt wurde. Mit Seminaren und Wettbewerben bietet es jungen Menschen, die schreiben möchten, die Möglichkeit, ihr eigenes Handwerk kennenzulernen. Der Wettbewerb 2013 ging in Wiesbaden mit der feierlichen Preisverleihung zu Ende. Wir stellen ehemalige und aktuelle Preisträger vor. mehr

Faust-Gespräch mit Friedhelm Hengsbach

Geheimwissen bewusst gemacht

Die Sorge, Finanzmärkte könnten als »fünfte Gewalt« eine »Wächterrolle« übernehmen, ist bereits alarmierend real geworden. Der Sozialethiker Friedhelm Hengsbach hat diesen Prozess aus der Perspektive des Ökonomen und Theologen analysiert und  Alternativen formuliert. mehr

200. Geburtstag – Sören Kierkegaard

Der tiefere Grund

Vor zweihundert Jahren wurde Sören Kierkegaard, der Ahnherr der Existenzphilosophen, geboren. Otto A. Böhmer hat in seinem neuen Buch »Reif für die Ewigkeit. Sören Kierkegaard und die Kunst der Selbstfindung« den scharfsinnigen Denker als einen modernen Zeitgenossen identifiziert. mehr

Briefwechsel 1936/37

Beckett in Deutschland

In seinen Werken ist die Kunstfertigkeit, aber nicht das Individuum Samuel Becketts zu finden. Wer eine Ahnung vom Reichtum seiner Persönlichkeit bekommen möchte, muss seine Tagebücher und seine Briefe lesen. Vier seiner Briefe, die er während seiner Reise aus dem nationalsozialistischen Deutschland schrieb, sind hier zu finden. mehr

Gespräch mit Nancy Hünger

Ohne Verbeugung oder Verbiegung

Die Schriftstellerin Nancy Hünger wirkt scheu, spricht entschieden und auffallend präzis. Ihre neuen Verse kommen bildlich daher und halten sich im Gedächtnis fest. Für Faust-Kultur hat sie einige ihrer Gedichte gelesen, und im Gespräch mit Bernd Leukert berührt sie die wichtigen Kriterien ihrer Arbeit. mehr

150. Geburtstag von Gabriele D’Annunzio

Der Sang der Zikaden

Seine Villa in Gardone Riviera gehört zu den Attraktionen des Gardasees. Gabriele D’Annunzio war ein italienischer Symbolist, Dramatiker, Kriegshasardeur und Frauenheld. Nach Erscheinen des zweisprachigen »Alcyone« können wir nun den Dichter D’Annunzio entdecken. Bernd Leukert empfiehlt das Werk allen, die gute Dichtung schätzen. mehr

Eine Geschichte in Briefen

»Ginster« und anderes von Siegfried Kracauer

Schon Peter Suhrkamp hatte über die Veröffentlichung der gesammelten Essays und des Romans »Ginster« nachgedacht, dann ermunterte Adorno Suhrkamps Nachfolger Siegfried Unseld, mit Kracauer erneut Kontakt aufzunehmen und den Plan voranzutreiben. Den unveröffentlichten Briefwechsel darüber dokumentiert Faust-Kultur hier exklusiv. mehr

Faust-Gespräch mit Michail Schischkin

Schreiben war meine Arche Noah

Michail Schischkin zählt zu den wichtigsten russischen Autoren der Gegenwart. Sein Roman »Briefsteller« über die Liebe, das Sterben und die Aufhebung der Zeit zeigt einen politisch feinsinnigen Autor, dem das artistische Spiel mit Sprache zur zweiten Natur geworden ist. mehr

INTERVIEW MIT CHIRIKURE CHIRIKURE

Lautmalerei und Rebellion

Als die Republik Simbabwe 1980 ihre Unabhängigkeit erklärte, war Chirikure Chirikure gerade 18 Jahre. Dieser Wendepunkt hat den Dichter geprägt. Das widersprüchliche Zusammenwirken afrikanischer Tradition und kultureller Prägung durch die britische Kolonialmacht gibt seinen Texten eine spannungsreiche Dramaturgie. Welche Bedeutung das für seine Lyrik hat, erläutert er im Faust-Gespräch mit Andrea Pollmeier. mehr

Faust-Gespräch mit Harry Oberländer

Soll die Welt mal zufrieden sein

Dass Harry Oberländers Leben bis jetzt in einer gewissen Spannung zu seiner Lyrik verlief – eine Spannung, die er gleichmütig zum Normalfall verklärt –, erklärt den biographischen Schwerpunkt des Faust-Gesprächs, in dem es schließlich um Poesie geht. Bernd Leukert sprach mit dem Schriftsteller und Literaturvermittler. mehr

INTERVIEW MIT ILIJA TROJANOW

Globalisiertes Alphabetentum für Europa

Ilija Trojanow ist in Deutschland der bedeutendste Autor, der Schriftsteller aller Kontinente mit überzeugender Präsenz aktiv zueinander führt. Er ist misstrauisch gegen Begriffe wie Authentizität und Schubladen-Denken. Am Rande des Frankfurter Literaturfests »Afrikanissimo« spricht er mit Andrea Pollmeier über ein globalisiertes Alphabetentum und intellektuelle Enge in Europa. mehr

Porträt von Ravi Shankar

Klang ist Gott

Ravi Shankar war der erste moderne Musiker der indischen Klassik. Sein Stil und sein musikalischer Ausdruck prägten Generationen indischer Musiker. Der Meister auf der Langhalslaute Sitar ist mit 92 Jahren in Kalifornien gestorben. Clair Lüdenbach stellt den Künstler in einem Porträt vor. mehr

Gespräch mit dem Dichter Jan Wagner

Pure Sprachlust

Wer zu dem Schluss kommt, dass es fast richtiger wäre zu sagen, Dichter erreichen überhaupt niemanden, und dennoch unbekümmert sein Dichterleben weiter betreibt, dem kann man gewiss eine Obsession unterstellen. Im Faust-Gespräch gibt Jan Wagner Auskunft darüber, wie er zum Dichter wurde und warum es für ihn keinen Grund gibt, nicht Dichter zu sein. mehr

Porträt von Hermann Hesse

Mehr Sehnsucht als Erfüllung

Er ist einer der weltweit erfolgreichsten deutschen Schriftsteller, seine Werke werden in den USA gelesen, in El Salvador, Usbekistan, Neuseeland und China. Zudem hat er, meist unfreiwillig, ganze Generationen mit bekennender Literatur versorgt, allen voran die Hippies der sechziger und siebziger Jahre. Otto A. Böhmer erinnert an Hermann Hesse. mehr

Zur Lage der Kreativen

Die Wissensgesellschaft und ihre freien Idioten

Im post-industriellen Zeitalter tritt Wissen an die Stelle von Arbeit. Doch was so sauber klingt, so befreit vom Schmieröl der alten Industriegesellschaft, hat einen doppelten Boden. Was wäre, wenn das ökonomische Prinzip »Wissen« nicht die Handarbeit in den Himmel des Geistes hebt, sondern die Kopfarbeit ans Fabrikband drückt? Andrea Roedig hat die materielle Realität freier Autoren untersucht. mehr

Dichter-Porträt

Wallace Stevens – Hellwach

Was wissen wir über den amerikanischen Dichter Wallace Stevens? Mit Sicherheit zu wenig. Stevens gilt als der bedeutendste amerikanische Lyriker des 20. Jahrhunderts. Er war ein Kenner, ein skrupulöser Künstler, der wusste: Das Unvollendete ist unser Paradies. Bernd Leukert stellt ihn vor. mehr

Künstlerinnen-Porträt

Das weibliche Territorium der Justine Otto

Justine Otto beeindruckt mit einer handwerklich äußerst geschickten Malerei und vieldeutig-rätselhaften Darstellungen, in denen sie junge Frauen zwischen Schuld und Unschuld, Zartheit und Grausamkeit positioniert. »Albträume mit der malerischen Wucht eines Haudegens« nennt Jean-Christophe Ammann diese Werke. Faust veröffentlicht einen Auszug aus dem Katalogbeitrag des früheren Leiters des Frankfurter Museums für Moderne Kunst über die Künstlerin und stellt ihre Gemälde vor. mehr

erstellt am 02.8.2010

CD-Kritik von Thomas Rothschild

Hitchcock im Konzertsaal

Für seine Filme engagierte Alfred Hitchcock einige der gefragtesten amerikanischen Filmkomponisten. Die nun erschienene CD »Music for Alfred Hitchcock« enthält konzertante, zum Teil zu Suiten verarbeitete Einspielungen durch ein Symphonieorchester. mehr

Nic Pizzolattos Romandebüt

Galveston, Texas

Nic Pizzolatto, Drehbuchautor der aufsehenerregenden, kontrovers diskutierten TV-Serie »True Detective«, legte 2011 sein Romandebüt vor: »Galveston«. Nun ist es auf Deutsch erschienen und Kirsten Reimers hat es gelesen. mehr

Der Philosoph Edmund Husserl

Vom Brennen und Stechen

Indem er sich von den Glaubensartikeln und psychologischen Deutungen abwandte und die Philosophie wieder zu einer wissenschaftlichen Disziplin machte, wurde Edmund Husserl zu einem phänomenalen Phänomenologen. Otto A. Böhmer hat indessen einen besonderen Wahrheitsaspekt bei ihm entdeckt. mehr

cd-kritik

Sounds von gestern

Folkbluessänger, Singer/Songwriter in der Tradition der Beat Generation, brave Crooner. Anhand neu erschienener Aufnahmen von Ry Cooder, Tom Waits und Bobby Vinton zeigt Thomas Rothschild die Vielfalt der amerikanischen Musikszene der sechziger und siebziger Jahre. mehr

Anita Djafaris Buchtipp: Weltempfänger 24

Liebe in den Zeiten der Drogenkriege

Juan Gabriel Vásquez' neuer Roman »Das Geräusch der Dinge beim Fallen« handelt von den gesellschaftlichen Verhältnissen in Kolumbien und davon, wie diese das Leben einer ganzen Generation nachhaltig prägen. Das Buch ist ein regelrechter pageturner, meint Anita Djafari. mehr

47. Internationale Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt

Ein klingender Traum

Sie sind weltbekannt und berühmt: Die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt wurden 1946 gegründet, um den Austausch junger Musiker und Komponisten mit Instrumentaldozenten, Musikwissenschaftlern und -journalisten zu ermöglichen. Adele Jakumeit berichtet von den Kursen 2014. mehr

Der Philosoph John Locke

Die Idee des Notwendigen

John Locke wurde 1632, im gleichen Jahr wie der Rationalist Baruch Spinoza, geboren und vertraute vor allem seinen fünf Sinnen, der Idee und der Vernunft. 1690 veröffentlichte er seinen »Versuch über den menschlichen Verstand«, in dessen 2. Buch er »von der Kraft« schreibt. Darin taucht plötzlich ein Tennisball auf. Otto A. Böhmer hat die Fährte aufgenommen. mehr

Erinnerungskultur

Luftkrieg und Leid

Ein Kunstprojekt anlässlich des 70. Jahrestages des als »Brandnacht« bezeichneten alliierten Luftangriffs auf Darmstadt provoziert und polarisiert, formal wie inhaltlich. Es sollte gerade deswegen nicht unbeachtet bleiben, findet Bruno Laberthier. mehr

Kurzgeschichten

Nachrichten aus Neuland

In Amerika hat er bereits zahlreiche Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht. Jetzt liegt mit »Vier neue Nachrichten« das erste Mal ein Band von Joshua Cohen in deutscher Übersetzung vor. Cohen zeigt sich als ein moderner Erzähler, der die Fragen nach Identität und Wirklichkeit im digitalen Zeitalter literarisch gekonnt reflektiert, meint Michael Helwig. mehr

Kinderbuch

Baddbaddpur = Gerüchtestadt

In Indien ist Anushka Ravishankar bei Eltern und Kindern längst ein klangvoller Name. Nun ist ihr Buch »Ein Gerücht geht um in Baddbaddpur« auch ins Deutsche übersetzt worden. Clair Lüdenbach hat es gelesen. mehr

Fünfter Reisebricht

Journal der ostindischen Reise um 1600

Immer wenn Willem Bontekoe van Hoorn Gott um einen baldigen Tod oder die schnelle Rettung anflehte, dann geschah etwas. Mal waren es fliegende Fische, »jeder so groß wie ein Sting« oder Möwen, die sie mit bloßen Händen fingen. Und als die schiffbrüchigen Seeleute sich gegenseitig aufessen wollten, da kam Land in Sicht. mehr

Buchkritik

Vom Trinken und von Trinkern

Der Berliner Schriftsteller Peter Wawerzinek hat ein Talent, menschliche Katastrophen in Literatur zu verwandeln. Und er schöpft seinen literarischen Stoff aus der eigenen Biografie. In seinem jüngsten Roman »Schluckspecht« zeichnet Wawerzinek ein klares Bild vom Trinken und von Trinkern, meint Alexandra Hartmann. mehr

Holzwege: Der Philosoph Thales

Nie zur rechten Zeit

Seinen Satz über das rechtwinklige Dreieck durften wir in der Schule lernen, aber die thrakische Magd soll sich über den Himmels- und Wasserphilosophen Thales von Milet auch lustig gemacht haben. Immerhin beginnt mit ihm die abendländische Philosophiegeschichte. Otto A. Böhmer kennt ihn darüber hinaus als Kenner der Pünktlichkeit. mehr

Von den Salzburger Festspielen 2014

Merkel bevorzugt Buchbinder

Mediale Hofberichterstattung, ein selbstgefälliger Intendant und, trotz allem, zahlreiche musikalische Höhepunkte: Thomas Rothschild berichtet von der Schlussphase der diesjährigen Salzburger Festspiele. mehr

Buchkritik

Mit Hut und Blauharz

Mit ihrem neuen Roman »Wunderlich fährt nach Norden« vollzieht Marion Brasch einen Genrewechsel. Sie erzählt eine melancholische Geschichte, die die Grenzen der Realität und Logik überschreitet und der Phantasie Raum gibt. Literatur darf das, meint Stefan Geyer. mehr

Cd-Kritik v. Th. Rothschild

Der Drummer

Zu Beginn der sechziger Jahre hat Art Blakey mit seinen damaligen Jazz Messengers im Studio ein halbes Hundert Titel aufgenommen, die nun auf fünf CDs komplett vorliegen. mehr

Ausstellung: Architecture of Peace

Über Städte nach dem Krieg

Wir kennen Medienbilder von zerstörten Städten, weit weniger allerdings solche, die das Wohnen nach einem Konflikt zeigen. Eine Münchener Ausstellung zeigt nun Fallstudien zum Wiederaufbau von Städten und Szenarien zur Überwindung geteilter Metropolen in Afghanistan, Europa, Afrika und dem Nahen Osten, berichtet Christian J. Grothaus. mehr

Holzwege: Der Philosoph Raimundus Lullus

Wunder wider Willen

Die römische Kirche ließ ihn selig sprechen und seine Werke verbieten. Der mallorquinische Philosoph, Logiker und Theologe Raimundus Lullus, der im Mittelalter eine logische Maschine mit sieben drehbaren Scheiben konstruierte, begründete auch die europäische Orientalistik. In seiner Heimat sah ihn Otto A. Böhmer leicht missverstanden. mehr

Bayreuther Festspiele 2014: Tannhäuser

Zwischen Trieb und Treibstoff

Wagner-Opern, zumal der »Tannhäuser«, sind nicht so leicht totzukriegen, schon gar nicht von technischen Pannen, Regie und Dramaturgie. In Bayreuth hielten Sänger, Chor und Orchester, was sie versprachen und wurden mit langem, kräftigem Beifall bedacht, berichtet Martin Lüdke. mehr

Ungarn 2014

Viktor Orbans »New State«

Die Rede des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban im siebenbürgischen Badeort Baisse Tusnad wurde von den deutschen Medien geflissentlich übergangen. Darin skizzierte er einen grundsätzlichen Einblick in seine Zukunftsvisionen für Ungarn. Die Rede ist ein Ärgernis für jeden Demokraten, meint Wolfgang Klotz. mehr

Tumult auf Faust

Keine Souveränität für Niemand

In seinem Essay entlarvt Frank Böckelmann die in der gegenwärtigen Diskussion um das Internet vorherrschenden Konzepte von Privatheit und Macht als Phantasmen und skizziert einen möglichen, zukünftigen Umgang mit dem digitalen Dilemma. mehr

Gedicht (tschechisch-deutsch)

Hilda läuft

In seinem Gedicht »Hilda läuft« spürt der tschechische Autor Petr Madera »die geheimnisvollen Worte der Ahnen« auf. mehr

Holzwege: Der Philosoph Bonaventura

Die Wahrheit liegt im Himmel

Monatelang grübelte der Philosoph Bonaventura über das Wesen der Engel nach. Otto A. Böhmer erzählt, wie sich Bonaventura ausgerechnet beim Angeln der Lösung seines Problems nähern konnte. mehr

Zum 70. Jahrestag des Warschauer Aufstands

Messe für die verschwundene Stadt

Am 1. August 2014 jährte sich der Warschauer Aufstand zum 70. Mal. Vor 20 Jahren erschienen Miron Bialoszewskis Erinnerungen aus dem Warschauer Aufstand Nur das was war auf Deutsch. Detlev Claussen empfiehlt das Buch auch für die Lektüre heute. mehr

DVD-Kritik von Th. Rothschild

Hôtel Terminus

In Marcel Ophüls' Dokumentarfilm von 1988 geht es um Klaus Barbie, den »Schlächter von Lyon«, aber auch um das Fortleben des Nationalsozialismus nach 1945. mehr

Frisch ediert: Historisches, Brandneues und Persönliches

Klassiker; sozusagen

Unterhaltungsmusik, Jazz, Pop, Klassik – wer genau hinhört, wird merken, dass diese Etiketten nichts Reales bezeichnen, sondern ein Marketing-Schmarrn sind. Dann ist es doch schon gleich besser, jeder deutet sich seine eigenes Repertoire aus, wie es Hans-Klaus Jungheinrich mit seinen ›Klassikern‹ tut. mehr

Ludwigsburger Schlossfestspiele 2014, Teil 5

Die Demokratisierung der Klassik

Klassik-Festivals gelten nach wie vor als elitär. Nicht umsonst ist der Gegenbegriff zu »klassisch« »populär«. Die Demokratisierung der Klassik glückte bei den diesjährigen Ludwigsburger Schlossfestspielen zumindest musikalisch, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Tumult auf Faust

Die Mitmacher – Das »Zeitfenster«

Im zweiten Teil seiner Pathogenese der neuen deutschen Universität setzt sich Jürgen Paul Schwindt mit der Frage auseinander, was es heißt, Bildung und Wissenschaft nach Maßstäben wirtschaftlicher Effizienz auszurichten. mehr

Zum Tod von Volker Bohn

»Sonst gerne«

Den Frankfurter Germanisten Volker Bohn, der sein Denken auch im Politischen ungewöhnlich deutlich lokalisierte, zeichneten persönliche Bescheidenheit und sachliche Unerbittlichkeit aus. Am 5. Juli 2014 ist Volker Bohn im Alter von 72 Jahren gestorben. Uwe Wirth erinnert an ihn. mehr

CD: Mariss Jansons dirigiert Mozarts Requiem

Der Gipfel

Es gibt in der gesamten Musikgeschichte nur wenige Werke, in denen Orchester, Chor und Solisten eine so vollkommene Einheit bilden wie in Mozarts »Requiem«. Mit seinen Musikern bringt Dirigent Mariss Jansons die dramatischen ebenso wie die lyrischen Qualitäten des Requiems voll zur Geltung, findet Thomas Rothschild. mehr

75 Jahre Batman

Der Überlebenskünstler

Der Comic- und Film-Superheld Batman ist eine Ikone der Popkultur. Nach 75 Jahren des Kampfes gegen unzählige Gegner hat er nicht nur überlebt, er hat seinem bunten Vorbild und Antipoden Superman längst den Rang als beliebtester Superheld abgelaufen, meint Lukas Gedziorowski in seinem Essay. mehr

Van Morrison im Konzert und auf DVD

Musik pur

Auch wenn Van Morrison das genaue Gegenteil eines Showman ist: die Besucher des Stuttgarter Jazzopen erlebten ihn in Hochform. Wer Morrisons Konzert in Stuttgart versäumt hat, muss nicht verzweifeln. Es gibt eine neue DVD, die dem jungen Morrison gewidmet ist, dem Jahrzehnt 1964-1974, berichtet Thomas Rothschild. mehr

THEATER

Das selbstwertige Wort

Den Wortkaskaden, den Repetitionen, Permutationen, Variationen zuzuhören, die drei Ensemblemitglieder des Theaters und drei Studierende der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg vor einer surrealen Kulisse im Schauspiel Stuttgart vortrugen, war pures Vergnügen, meint Thomas Rothschild. mehr

Reisebericht von Mary Kingsley

Reisen in Westafrika um 1895

In tiefer Nacht über die Stromschnellen des Ogowé, tagelang durch moskitoumwölkte Mangrovensümpfe und endlich auf einen aktiven Vulkan wagte sich Mary Henrietta Kingsley 1895 auf der Suche nach unerforschten Fischen und Fetischen. mehr

Bozzolini-Fim auf DVD

The Italian Character

Ein neuer Film von Angelo Bozzolini ist das Porträt des italienischen Orchesters Accademia di Santa Cecilia, das sich in die erste Riege der Symphonieorchester hochgearbeitet hat. mehr

Open Air

Oper ohne Gehäuse

Wo können die Geigen so geheimnisvoll flüstern wie sonst nirgends? Und wo verschlanken sich das Getrommel und der Gesang so angenehm, dass man gefahrlos zuhören kann? Auf den Freiluftbühnen, denen Hans-Klaus Jungheinrich nachsinnt. mehr

Sibylle Lewitscharoffs »Killmousky«

Der falsche Maßstab

Kühnheit wurde Sibylle Lewitscharoff in der Laudatio zu ihrem Büchnerpreis attestiert. Doch daran fehlt es ihrem Krimidebüt »Killmousky« im beträchtlichen Maße. Kirsten Reimers hat das Buch gelesen. mehr

Preis der Autoren 2014

Jerusalem for Cowards

Zum ersten Mal in ihrer 41-jährigen Geschichte zeichnet die Autorenstiftung einen Dokumentarfilm mit dem Preis der Autoren aus. Warum die Jury Dalia Castel und Orit Nahmia für ihren Film Jerusalem for Cowards mit diesem außergewöhnlichen Schritt ehren, erläutert Laudator Claudius Lünstedt. mehr

Lyrik-Manifest

Bist du Dichtungsfan?

Der Kreis der Dichtungsfans. Der Arbeitskreis kommt zuweilen zusammen, tauscht Erfahrungen aus, liest und kritisiert sich. Die Gruppe, die eigentlich keine Gruppe ist, hat auch keineswegs ihre ideologische Konzeption, sondern ist schlicht und ergreifend anfällig für Ideen. mehr

Der spät entdeckte Mieczyslaw Weinberg

Wenn Musik durch die Spalten der Zeit fällt

Der tröstliche Spruch, nach dem die Zeit die Fülle der künstlerischen Hervorbringungen aussiebt und das wenige Beste zurückbehält, steht im Verdacht, Unterlassungssünden zu Himmelsgeschenken umzuwidmen. Hans-Klaus Jungheinrich belegt dies mit der Musik von Mieczyslaw Weinberg, die jetzt auf CD veröffentlicht wurde. mehr

Porträt: Toni Sender

Rebellin, Demokratin, Weltbürgerin

Die kleine, zierliche Person war eine starke Stimme der Arbeiterbewegung. Die Journalistin und ›stadtbekannte Agitatorin‹ Toni Sender war eine frühe Sozialdemokratin, die die erste deutsche Republik vorbereiten half. Christa Schell hat die kämpferische Frau, die heute vor fünfzig Jahren starb, porträtiert. mehr

Eine Kurzgeschichte von Julia Faust

Durchblicke schaffen. Einsichten.

Die Kölner Autorin Julia Faust interessieren weibliche Befindlichkeit und die Suche ihrer Protagonistinnen nach ihrem Platz in einer zusehends unübersichtlicheren Gesellschaft. Ihre Geschichten pflegen den wunderbar altmodischen Takt des schnörkellosen klassischen Erzählens, meint Peter Henning in seiner Einführung. mehr

Spurensuche

Otto Dix in seinem Exil

1933 gehörte Otto Dix zu den ersten Kunstprofessoren, die entlassen wurden. Darüberhinaus zwangen die Diffamierungen nationalsozialistischer Kollegen den Maler, Dresden zu verlassen und sich an den Bodensee zurückzuziehen. Dort begab sich Johannes Winter auf Spurensuche. mehr

Blaise Cendrars »Monsterroman«

»Kunstvoll verspielt und absolut moralfrei«

Blaise Cendrars war ein genialer Haudegen, bereiste schon mit 16 die ganze Welt, ein Abenteurer, der als Fremdenlegionär den rechten Arm verlor, der experimentelle Filme machte und seine innovativen Gedichte selbst druckte. Nun ist in der ›Anderen Bibliothek‹ sein starker Roman »Moravagine« neu herausgekommen und hat Martin Lüdke beeindruckt. mehr

Film: DVD-KRITIK

Durch Schlamm und Schnee

In den sechziger Jahren schien der amerikanische Western an Erschöpfung zu leiden. Da entdeckten die Italiener ihre Chance. Sergio Corbucci gehört neben Sergio Leone zu den großen Regisseuren des Italowestern. Nun ist eine DVD-Box mit seinen Filmen erschienen, die sich Thomas Rothschild angesehen hat. mehr

Internationale Literatur

LiBeraturpreis an Raja Alem

Die saudi-arabische Autorin Raja Alem wird für ihren Roman »Das Halsband der Tauben« mit dem LiBeraturpreis 2014 ausgezeichnet. Das Buch ist eine Zeitreise, die von der Moderne in vorislamische Zeiten führt und Einblick gibt in eine Welt, über die nur selten von innen heraus berichtet wird. Einen Textauszug lesen Sie hier.

Volker Weidermanns literarischer Essay

Ein letzter Sommer

In »Ostende« erzählt Volker Weidermann vom Sommer 1936, als sich eine Gruppe deutschsprachiger Exil-Schriftsteller im belgischen Badeort traf. Im Mittelpunkt des Essays stehen Stefan Zweig und Joseph Roth. Weidermann vermag die Balance zwischen literarischem Anspruch und Faktentreue zu halten, meint Eugen El. mehr

Dreigroschenoper in Stuttgart

Brecht, Weill, Baumgarten und der Affe in uns

Derzeit steht in Stuttgart eine neue Inszenierung von Bertolt Brechts »Dreigroschenoper« auf dem Spielplan. Dass es trotz einiger Ungereimtheiten ein vergnüglicher Abend ist, liegt an der Spielfreude des Ensembles, dem überbordenden Bühnenbild und an der Musik von Kurt Weill, findet Thomas Rothschild. mehr

Straelener Übersetzerpreis

»Übersetzer sind die Postpferde der Aufklärung«

Michael Kegler, verantwortlich für den Schwerpunkt zur portugiesischsprachigen Literatur auf Faust-Kultur, hat für die Übersetzung von Luiz Ruffatos Roman »Es waren viele Pferde« den renommierten Straelener Übersetzerpreis 2014 erhalten. Er teilt sich den Preis mit Marianne Gareis. Die Laudatio von Ulrich Blumenbach lesen Sie hier. mehr

Gespräch mit Klára Hůrková

»Der Wunsch nach Demokratie ist sehr stark«

In ihrer Anthologie »Über den Dächern das Licht / Nad Strechami Svetlo« versammelt die Dichterin Klára Hurková je 22 Autorinnen und Autoren aus Tschechien und Deutschland. Eric Giebel hat mit Klára Hurková über ihr literarisches und künstlerisches Werk sowie über die politische Gegenwart Tschechiens gesprochen. mehr

Peter Zumthor: Bauten und Projekte 1985-2013

Synthese aus Ort und Material

Seine Entwürfe versteht er als Suche, bis eine Synthese aus Ort, Nutzung, abstrakten Parametern, Visionen, Träumen und einer materialbasierten Alchemie gelingt. Die Rede ist vom Schweizer Architekten Peter Zumthor. Eine kürzlich erschienene Werkschau nimmt sich Christian J. Grothaus zum Anlass, Zumthors Arbeit vorzustellen. mehr

Künstlergespräch mit Victor Sanovec

»Die Ästhetik ist mein Werkzeug«

Der Künstler Victor Sanovec kann auf ein umfangreiches und vielseitiges Werk zurückblicken. Neben malerischen und druckgraphischen Arbeiten zählen Landschaftsprojekte ebenso zu seinem Œuvre wie kulturelle Initiativen. Eugen El sprach mit ihm über Kunst in Frankfurt, das Leben im Rheintal und die Kunst des Kochens. mehr

Nancy Hüngers Familienalbum

Sprung und Falte

Wenn die Haare glühen wie leuchtende Antennen, die heimlich Signale nach oben senden, befinden wir uns in einem poetischen Text von Nancy Hünger. Ihr neues Buch trägt den Titel »Wir sind golden, wir sind aus Blut. Ein Familienalbum«. Bernd Leukert hat es gelesen und empfiehlt es nachdrücklich. mehr

La Bohème in Stuttgart

Mimi und die Frankfurter Schule

Zu den wenigen exemplarischen Werken der Gattung Oper gehört Giacomo Puccinis ›La Bohème‹. Und weil sie so gut komponiert ist, wird sie immer ihr Publikum finden. Wer sie also neu inszeniert, muss sich für dieses Publikum etwas einfallen lassen. Thomas Rothschild war in der Stuttgarter Premiere, wo Andrea Moses Regie führte. mehr

Rüdiger Dingemann: »Mitten in Deutschland«

Feldwege statt Schutzwall

Rüdiger Dingemann ist entlang der ehemaligen Grenze zwischen den zwei deutschen Staaten gereist. Das daraus entstandene Buch vereint die Schönheiten der Gegend und die Widersprüche der von Menschen geschaffenen Geschichte, meint Thomas Rothschild. mehr

Tanz: Vortex Temporum

Nicht und Miteinander

Vor einigen Monaten fand die Weltpremiere des von Anne Teresa de Keersmaeker choreographierten Stücks »Vortex Temporum« statt, das im Juni in Mannheim aufgeführt wird. Marten Weise schildert seine Eindrücke vom Stück und analysiert das darin angelegte komplexe Verhältnis zwischen Tanz und Musik. mehr

Buchkritik

Ein Roman aus dem Leben

Der ungarische Schriftsteller Laszló Darvasi gilt als Autor, der seine Leser unterhält und ihnen zugleich einiges zumutet. Sein neuer Roman Blumenfresser ist kunstvoll geschrieben, poetisch bedacht und freudloser Gegenwart aufs feinste enthoben, meint Otto A. Böhmer. mehr

Afrikanische Literatur

Von Frisuren, Vorurteilen, Macht und Liebe

Zum Auftakt der Lesereise für ihr neues Buch kam Chimamanda Ngozi Adichie aus Lagos, Nigeria nach Frankfurt. »Americanah« ist ein bemerkenswertes Buch über rassistische Alltagssituationen in einer modernen westlichen Gesellschaft. Miriam Shabafrouz berichtet von der Lesung im Literaturhaus Frankfurt. mehr

Projekt zur Lehrerförderung

Kolleg Schöne Aussicht

Das Literaturhaus Frankfurt hat ein deutschlandweit einzigartiges Projekt entwickelt, das die Lebensnähe eines Literaturhauses speziell für Lehrer produktiv werden lässt. Das besondere Format trägt den Namen »Kolleg Schöne Aussicht« und funktioniert, weil es sich inhaltlicher Vorplanung bewusst verweigert. mehr

Ausstellungstournee

David Bowie in Berlin

David Bowie meldete sich im vergangenen Jahr mit neuer Musik zurück. Außerdem startete eine Ausstellungstournee, die nun im Berliner Gropiusbau Station macht. Für Faust Kultur hat sich Isa Bickmann das Gesamtkunstwerk Bowie im Londoner Victoria and Albert Museum angesehen. mehr

Buchkritik: Hermann Kinders »Der Weg allen Fleisches«

Mehr als eine Krankenakte

Hermann Kinders neue Erzählung schildert die Geschichte einer Krankheit. Zu Beginn noch undramatisch, führt sie auf einen Leidensweg, der kaum auszuhalten ist. Kinder hat eine anrührende Erzählung geschrieben, die weit mehr ist als eine poetisch aufbereitete Krankenakte, findet Otto A. Böhmer. mehr

Petrarca-Preis an Franz Mon

Literatur ist nicht nur Bedeutung

Zu den letzten beiden Auserwählten des nun auslaufenden Petrarca-Preises, den der Verleger Hubert Burda 1975 gestiftet hat, gehört Franz Mon. Die Jury würdigte, dass Mon, unbeirrt von Moden und Stimmungen, sein literarisches Werk vorangetrieben hat. Im Gespräch mit Bernd Leukert, das im September 2013 geführt wurde, wird deutlich, wie es dazu kam. mehr

Alexander Kluge: 30. April 1945

Führerlos

Mit einem Schuss begann die Westbindung der Deutschen. So finden sich der Selbstmord Hitlers und die Aufteilung Deutschlands zusammengebunden in Alexander Kluges Buch »30. April 1945 – Der Tag, an dem Hitler sich erschoß und die Westbindung der Deutschen begann«. Johannes Winter hat das Buch gelesen. mehr

Video-Interview

Junges Ensemble TheaterGrueneSosse

Frankfurt hat sich zu einem bedeutenden Zentrum der Kinder- und Jugendtheaterwelt entwickelt. Teil dieser Szene ist das Junge Ensemble des TheaterGrueneSosse das seit 15 Jahren besteht. Das Jubiläum war Anlass, alle im Repertoire befindlichen Stücke in einer Festwoche aufzuführen. Faust-Kultur hat die Produktionen filmisch begleitet und mit den Künstlern gesprochen. mehr

Theater

Sätze zum MonoDrama

Karlheinz Braun hat einen Band mit Theaterstücken unter anderem von Thea Dorn, Rainer Werner Fassbinder, Barbara Honigmann, Dea Loher und F.K. Waechter herausgegeben, in denen jeweils nur eine Person das Drama gestaltet. Denn es handelt sich um Monodramen, wovon es mehr gibt, als man glauben möchte. mehr

Literatur trifft Malerei

Deutschstunden mit Emil Nolde

Emil Noldes Nähe zu nationalsozialistischem Denken wurde lange Zeit verkannt. Autoren und Performer unterschiedlicher Generation und Herkunft haben sich jetzt mit den Brüchen und Widersprüchen des Malers auseinandergesetzt und diskutieren im Literaturhaus Frankfurt ihre Positionen. mehr

Zum Tode von Reinhard Oehlschlägel

Strenge und Leidenschaft

Wer den Menschen Reinhard Oehlschlägel nicht kannte, für den war er immerhin eine Institution: ein mächtiger Rundfunkredakteur und, als Herausgeber der MusikTexte, ein bedingungsloser Aufklärer und Betreiber der neuen Musik. Nun ist er mit fast 78 Jahren gestorben. Hans-Klaus Jungheinrich erinnert an ihn. mehr

Kurzgeschichte

Mutmaßungen über Edith

Er pflegt den kalten Blick. Das Analytische regiert in seinen knappen Kurzgeschichten. Mit Michael Helwig begegnet der Faust-Kultur-Leser einer neuen, interessanten Autorenstimme aus Köln, vorgestellt von Peter Henning. mehr

das halbe wort

Jan Skudlarek

Jan Skudlarek wurde 1986 in Hamm (Westf.) geboren und lebt in Berlin. Ab 2008 veröffentlichte er Gedichte in Zeitschriften und Anthologien. Im November 2013 erschien sein erster Band »elektrosmog« bei Luxbooks. mehr

Zum Tod von Stefanie Zweig

»Die ganz einfachen Fragen«

Stefanie Zweig, die Autorin von »Nirgendwo in Afrika«, ist tot. Geboren 1932, musste sie 1938 mit ihrer Familie nach Kenia fliehen. 1947 kehrten die Zweigs nach Frankfurt zurück. Alban Nikolai Herbst sprach 2010 mit Stefanie Zweig über »Heimkehr in die Rothschildallee«, den dritten Teil ihrer Sternberg-Saga. mehr

Lyrik von Andrea Zanzotto

Fremd wie zuhause

»Ein kleines Buch außer der Reihe« ist von der Darmstädter Jury zum Buch des Monats im April 2014 gewählt worden: »Dorfspiel« von Andrea Zanzotto. Peter Härtling begründet die Wahl der Jury mit dem Hinweis auf die venetische Region, die Zanzotto auch mit Dialektgedichten repräsentierte. Bernd Leukert hat sich den Gedichtband angesehen. mehr

Buchkritik: Höllers »Der unbekannte Thomas Bernhard«

Eine Liebeserklärung

Neun Bernhard-Studien versammelt ein neuer, im Korrekturverlag erschienener Band des emeritierten Salzburger Germanistikprofessors Hans Höller. Alexandru Bulucz verteidigt Höllers emphatischen Ansatz, schließlich sei die Literaturwissenschaft, die Philo-logie, buchstäblich Liebe. mehr

Neue Klassik-CDs

Fast ins falsche Ohr gegeigt

In der Flut zweifelhafter Klassik-Neuerscheinungen gehen die wirklich interessanten Aufnahmen schnell unter. Hans-Klaus Jungheinrich sind diesmal zwei junge, prominente Geigerinnen, eine Sopranistin aus Südafrika sowie ein chinesischer Nachwuchspianist aufgefallen. mehr

Ausstellung

Die ersten Europäer

In eigener Weise erinnert das Jüdische Museum Hohenems an den Beginn des Ersten Weltkrieges – anhand von Objekten aus der Geschichte der »Habsburger Juden«. Museumsdirektor Hanno Loewy erläutert das Projekt. Anschließend diskutiert Erik Petry die Frage, inwiefern man die Juden als die ersten Europäer sehen kann. mehr

Über das Sterben, den Tod und die Trauer

»Wer die Menschen sterben lehrt, lehrt sie leben.«

Der Tod, das Sterben und die Trauer sind die letzten Tabus der Gesellschaft. Dabei gehören sie zum Leben dazu. Irgendwann werden wir alle damit konfrontiert sein. Aber wie ist einem Sterbenden zu begegnen? Wie möchten wir selbst sterben? Pete Smith berichtet von dem Sterben des Vaters und macht sich Gedanken über den Umgang mit unserer Endlichkeit. mehr

Kongress in Frankfurt: »Politische Romantik«

Melancholie heißt, zu wollen und nicht zu können

Die Frankfurter Tagung »Politische Romantik« suchte nach Leidenschaften in der Politik. Doch während deutsche Intellektuelle vor allem über die Vergangenheit redeten, kamen neue Impulse eher aus dem Ausland. Zum Beispiel von Srecko Horvat und Tariq Ali, meint Franz Viohl. mehr

Jean-Luc Nancy: Die Mit-Teilung der Stimmen

Hermeneias Annoncen

In seiner Schrift »Die Mit-Teilung der Stimmen« versucht sich der französische Philosoph Jean-Luc Nancy an einer Neubewertung der für die deutschen Geisteswissenschaften kanonischen Hermeneutikliteratur. Tillmann Reik hat diese frühe Schrift Nancys, die nun ins Deutsche übertragen wurde, gelesen. mehr

Pop-Ausstellung

Amy Winehouse: Ein jüdisches Mädchen aus Nordlondon

Das Jüdische Museum Wien rekonstruiert die Familiengeschichte der früh verstorbenen Popsängerin Amy Winehouse und stellt ihre Verbindung zum Judentum dar. Faust-Kultur veröffentlicht eine leicht gekürzte Fassung des Vorworts aus dem Ausstellungskatalog. mehr

Acht neue Erzählungen von Amos Oz

Immer wieder Regen

Um den Defizit zwischen individueller Sehnsucht und kollektiver Zufriedenheit im Kibbuz der sechziger Jahre kreisen acht neue Erzählungen von Amos Oz. Die emotionellen Nöte der Kibbuzniks reichen aber nicht mehr aus, um das psychologische Porträt einer Generation abzugeben, findet Stefana Sabin. mehr

Gespräch mit Ralf Portello

Meine Besessenheit

Ralf Portello vermeidet den Begriff Dichtung. Er ist ein Künstler, der Farbe und Material ebenso bewusst behandelt wie das Wort, das er einem permanenten Verwandlungsprozess unterwirft. Der aufgeschriebene Text ist ihm ein Aggregatzustand eines folgenden. Im Gespräch mit Bernd Leukert erklärt er seine Arbeitsweise. mehr

Rossini-Oper »Die diebische Elster« in Frankfurt

Der Entertainer experimentiert

Die prächtige Ouvertüre beginnt mit musikalisch ganz unnötigen Wirbeln auf Schnarrtrommeln. Sofort aber ist klar, diese Begleitgeräusche einer Hinrichtung stehen da nicht zufällig. Dann setzen die feierlichen Fanfaren des verrückten Lustspiels »La Gazza ladra« von Gioacchino Rossini ein, über das Hans-Klaus Jungheinrich anlässlich einer Frankfurter Neuinszenierung nachdenkt. mehr

Zum Tod von Urs Widmer

»Mei Kopp is aach so voll«

Urs Widmer hat stets auch die groteske Seite der Realität im Blick gehabt. Sie hat den Erzähler und Dramatiker motiviert und zu einem umfangreichen Werk getrieben. Nun ist der Schriftsteller in Zürich seiner schweren Krankheit erlegen. Marion Victor erinnert sich. mehr

Dokumentation einer Tagung

Die unheimliche Nähe

›Mystik und Totalitarismus‹ – dieses Begriffsgespann hat es in sich. Wenn man weiß, dass viele Führungspersönlichkeiten totalitärer Regime, vor allem des Nationalsozialismus, mystischen Traditionen nahestanden, entsteht Klärungsbedarf. Nach einer Tagung zum Thema erschien eine Dokumentation, die Jakob Ullmann sehr genau gelesen hat. mehr

Zum 80. Geburtstag von Ernstalbrecht Stiebler

Zu schade für Emotionen

Der Komponist Ernstalbrecht Stiebler hält den Anspruch seiner Musik hoch und den Pegel niedrig. Er will niemanden damit überwältigen, sondern nur, dass man dem Klanggeschehen zuhört. Jetzt, da er großes Publikumsinteresse gefunden hat, ist er 80 Jahre alt geworden. mehr

anita djafaris buchtipp

Schweinezeiten in Haiti

Gary Victor ist unter den haitianischen Autoren in seiner Heimat der meistgelesene Schriftsteller. In seinen surreal anmutenden Werken spiegeln sich kenntnisreich die schwierigen sozialen Realitäten der Inselrepublik. Anita Djafari stellt seinen Kriminalroman »Schweinezeiten« vor. mehr

Krimi

Die Dicken und der Diakon

In zeitgemäßer E-Book-Form bricht Carlo Schäfer mit den Gesetzmäßigkeiten der Krimiliteratur, indem er auf Subversion durch Witz, Kodderschnauze und Sinnverweigerung setzt. »Der Tod dreier Männer« heißt Schäfers Werk, das Bruno Laberthier äußerst lesenswert findet. mehr

Hans-Fallada-Preis 2014 an Jenny Erpenbeck

Die Sprache ist widerborstig bis zur Groteske

Gewalt, Vergessen, Tod: Jenny Erpenbeck hat in ihrem Roman »Aller Tage Abend« Familiengeschichten über mehrere Generationen skizziert und mit Politik und klassischer Literatur verknüpft. Dafür hat sie mehrere Preise bekommen, vor einigen Tagen den Hans-Fallada-Preis. Wend Kässens hat die Laudatio gehalten. mehr

Charles Dudley Warner und die Gartenarbeit

Kampf dem Unkraut

Auf »Nook Farm«, einer intellektuellen Kommune in Connecticut, betätige sich der Essayist Charles Dudley Warner auch als Hobbygärtner und bündelte seine Erfahrungen zu einem Gartenbuch, das 1870 zuerst erschien und seitdem immer wieder aufgelegt wird. Stefana Sabin stellt den Autor und sein Buch vor. mehr

1. Weltkrieg: Uwe Nettelbecks Dolomitenkrieg

Weltgeschichte in der Nähe

»Es kam zu regelrechten Kämpfen im Innern der Erde gegen den wühlenden, unsichtbaren Feind, dessen Herannahen man nur unbestimmt und ungefähr an den dumpfen Geräuschen in den Eingeweiden der Berge ahnte.« Uwe Nettelbecks Buch »Der Dolomitenkrieg« erinnert an eine sinnlose, menschenverachtende Auseinandersetzung. Das Nachwort schrieb Detlev Claussen. mehr

cd-kritik: Neue Aufnahmen

Was das Klavier erzählt

Es gibt Musik, die nach dem Hörer greift; und es gibt welche, die entdeckt sein will wie ein Mauerblümchen. Ebenso unterschiedlich muss sie gehört und gespielt werden. Hans-Klaus Jungheinrich beschreibt das genauer anhand neuer Produktionen für Tasteninstrumente. mehr

Konzert des City of Birmingham Symphony Orchestra

Lettisch-britische Freundschaft

Auch junge Dirigenten sind bestenfalls Animateure zeitgenössischer, zumeist aber Reanimateure klassischer Musik. Thomas Rothschild spricht dem Letten Andrís Nelsons, der in Wien mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra auftrat, alle belebenden Fähigkeiten zu. mehr

Buchkritik von Peter Hennning

»Weisses Rauschen«

Was für eine Idee! Eine Autofahrt von Alabama nach Florida, um die Apokalypse zu erleben, als mobiler Kommentar amerikanischer Zustände. Mary Miller hat daraus ihren Roman »Süßer König Jesus« gemacht, Alissa Walser hat ihn übersetzt; und Peter Henning empfiehlt ihn. mehr

lyrik von Altaf Tyrewala

Mumbai im Zorngesang

Bollywood? Stars und Glamour? Die rund 12 Millionen Einwohner Mumbais kennen ihre Stadt von einer anderen Seite, die Altaf Tyrewala in einem gewaltigen, zornigen Gedicht besingt: »Das Ministerium der verletzten Gefühle«. Bernd Leukert hat es gelesen. mehr

Film-DVD

John Fords O'Neill

1940 drehte John Ford einen Film, der den Titel »Der lange Weg nach Cardiff« trägt und auf vier Einaktern basiert, die Eugene O'Neill während des Ersten Weltkriegs verfasst hat. Thomas Rothschild zeigt, warum der Film auch heute noch sehenswert ist. mehr

AUSSTELLUNGEN IN FRANKFURT

Anarchisch und maßlos

In Frankfurt ist derzeit ein mehrere Medien und Stationen umfassendes, gemeinsames Ausstellungsprojekt von Mike Bouchet und Paul McCarthy zu sehen. Die Künstler wollen die Maßlosigkeit der westlichen Konsum- und Kunstwelt kritisieren. Die von ihnen gewählten Mittel werfen jedoch Fragen auf, berichtet Eugen El. mehr

Uraufführung: Oper von Mark Andre

Johannes Reuchlin in Israel

Was wäre, wenn der Hebräisch-Professor, Johannes Reuchlin, der vor 492 Jahren in Stuttgart verschied, heute am Flughafen von Tel Aviv ankäme und versuchte, nach Israel einzureisen? Der Komponist Mark Andre hat sich eine Oper dazu einfallen lassen, deren Klanglichkeit Thomas Rothschild sich nicht entziehen konnte. mehr

Verlagsgeschichte

Ein zu kostspieliges Unternehmen

Als kurz vor dem Abschluss der redaktionellen Arbeiten an der Benjamin-Werkausgabe der Verleger Peter Suhrkamp von seinem Plan zurücktreten wollte, wandte sich der Herausgeber Adorno an den Münchner C. H. Beck Verlag. Herbert Jaumann rekonstruiert einen Fall von »Was wäre gewesen, wenn?« mehr

Ausstellung in Wiesbaden

Der Meister und sein Schüler

Zu Ehren Max Weinbergs, der dieses Jahr seinen 86. Geburtstag feiert, zeigt die Wiesbadener Galerie Kaiser & Cream eine Auswahl seiner Werke sowie Arbeiten seines Schülers Jordan K. Artmaster. Max Weinbergs Bilder vibrieren förmlich und zeugen von ungebrochener Mallust, meint Eugen El. mehr

Buchkritik von Peter Henning

»Krieg«

Arnold, der Protagonist in Jochen Rauschs zweitem Roman, ist im Krieg. Mit seinen nie schweigenden Dämonen, mit seinem nicht nachlassenden Schmerz. Rauschs Roman, der die Geschichte eines scheinbar total gewordenen Verlusts erzählt, ist ein literarisches Ereignis, findet Peter Henning. mehr

Zwei Ausstellungen in Frankfurt

Bildhauerei jetzt!

Während Tobias Rehberger in der Schirn Kunsthalle Frankfurt sein Werk spektakulär-spektakelhaft inszeniert, erweist auch eine Ausstellung im benachbarten Frankfurter Kunstverein der objekthaften Plastik und ihrer künstlerischen Verräumlichung Referenz. Isa Bickmann hat beide Ausstellungen besucht. mehr

Weltkulturen: Faust-Gespräch mit Peter Junge, Berlin

Gleich und Gleich

Berlin-Reisende müssen nach Dahlem fahren, wenn sie das Ethnologische Museum besuchen wollen. Die Sammlung wartet noch auf die Umsiedlung ins zukünftige Humboldt-Forum im ehemaligen Berliner Stadtschloss. Mit dem Leiter der Afrika-Abteilung Peter Junge sprach Clair Lüdenbach über die Aufgaben eines ethnologischen Museums. mehr

CD-Entdeckungen

Pionierhaftes

Es ist ein Kreuz mit den Opern. Die zeitgenössischen mag man dem Publikum nicht zumuten, die alten sind aus konjunkturellen Gründen in Vergessenheit geraten. Zu entdecken gibt es aber vieles: etwa Das Unmöglichste von Allem von Anton Urspruch oder die Lieder von Erich Jakob Wolff, die beide von Hans-Klaus Jungheinrich vorgestellt werden. mehr

Porträt: Dieter Wellershoff

»Das Herz der Dinge«

Nach Zeitgeist, schnellem Trost oder Erbauung sucht man in seinen Werken vergebens. Dieter Wellershoffs Bücher bescheren ihren Lesern einen exquisiten Erkenntnisgewinn und Abenteuer von elektrisierender Wucht und Intensität. Peter Henning stellt den großen Kölner Schrifsteller vor. mehr

Ausstellung

Slava Seidels dART-Blätter

Slava Seidels überzeugend umgesetzte Bildeinfälle greifen nach dem Betrachter. In der Städtischen Galerie in Lemgo sind ihre abenteuerlich-phantastischen Arbeiten ausgestellt, und Florian Koch hat sie gesehen. mehr

»Der Kick« im Theater Willy Praml

Nationalsozialistischer Untergrund

Was nützt uns unser Selbstverständnis, wenn uns andere nach ihrem Bedürfnis zu der Person machen, die ihren Absichten entspricht? In milden Varianten begegnet uns diese Zumutung fast täglich. Eine mörderische hat Andres Veiel unter dem Titel »Der Kick« nach einer wahren Begebenheit im Theater Willy Praml herausgebracht. Detlef zum Winkel hat das Stück gesehen. mehr

Buchkritik: Der neue Roman von Zadie Smith

London NW

Zadie Smith' neuer Roman, markiert eine Rückkehr an den Ort ihrer Kindheit – den Londoner Stadtteil Willesden. Nach einer siebenjährigen Pause und gezielten Ausflügen in die Essayistik meldet sich die englische Schriftstellerin mit diesem Roman zurück. Das Warten hat sich gelohnt, findet Peter Henning. mehr

Giacinto Scelsi: Gesammelten Schriften

Ein fürstlicher Außenseiter

Scharlatan wurde er genannt, zumindest rätselhaft erschien der Komponist und Dichter Giacinto Scelsi seinen Zeitgenossen. Nun sind unter dem Titel »Die Magie des Klangs« seine Schriften in zwei Bänden erschienen. Bernd Leukert hat daraus einen charakteristischen Abschnitt ausgewählt und stellt den großen Klangmagier kurz vor. mehr

40-jähriges Jubiläum 2014

Die Berger Stadtschreiberei

Wo einst die Stammburg der Schelme stand, im heute zu Frankfurt gehörenden Stadtteil Bergen, wohnte der Schriftsteller Franz Joseph Schneider, der zum An-Stifter des Stadtschreiber-Amtes wurde. Anlässlich des 40. Jubiläums dieser vielbeneideten Einrichtung erzählte der einstige Stadtschreiber Peter Härtling von den Anfängen und Kuriositäten einer Literaten liebenden Gemeinde. mehr

Theater: Wir haben Deinen Traum im Mund

Schauen Sie!

»Wir haben Deinen Traum im Mund« ist Jakub Gawliks zweites Stück, das er am Frankfurter Autoren Theater inszeniert. Durch die musikalische und selbstbewusste Sprache, die aufs lakonisch Aufgesagte stößt, gelingt ihm in Zusammenarbeit mit Valery Tscheplanowa und Tolga Tekin eine besonderere Inszenierung, wie Andreas Engelmann berichtet. mehr

Maxim Billers Novelle

Visionen und Täuschungen

»Im Kopf von Bruno Schulz« heißt Maxim Billers stilistisch souveräne und dennoch verstörende Hommage auf den 1942 ermordeten Schriftsteller und Zeichner Bruno Schulz. Eugen El hat die Novelle gelesen. mehr

Empfehlung

Die Literaturzeitschrift »metamorphosen«

Warum ist es für eine Literaturzeitschrift bezeichnend, dass sie sich an dem Thema ›Wahnsinn‹ abarbeitet? Dieser Frage geht Alexandru Bulucz nach und durchläuft dabei »Nicht-Orte, Nicht-Plätze wie Flughäfen, Bahnsteige und Sanatorien« in Moritz Müller-Schwefes Literaturzeitschrift »metamorphosen«. mehr

CDs vom Ensemble Modern

Werke und ihre Geburtshelfer

Wenn sich ein Kunstwerk schließlich geschichtlich »durchgesetzt« hat, waren es mit Sicherheit einzelne Personen oder Gruppierungen, die sich dafür eingesetzt haben. Dass solche Agenten heute unverzichtbar sind, zeigt Hans-Klaus Jungheinrich an zwei CDs der Ensemble Modern Akademie. mehr

Buchkritik: »Wie überlebe ich als Künstler?«

Überlebenlernen als Full-Time-Job

Selbstvermarktung im Kulturbereich ist ein Thema, das bei der schlechten finanziellen Ausstattung der Etats immer wichtiger wird. Ina Roß will besonders Berufsanfänger motivieren, mit Kreativität Interessenten, Sponsoren, Stiftungen für Ideen und Projekte zu gewinnen. Isa Bickmann hat ihren Ratgeber gelesen. mehr

Offener Brief von Juri Andruchowytsch

Zur aktuellen Situation in Kiew

In einer komplexen, sich schnell wandelnden politischen Lage kann jede Berichterstattung nur eine Momentaufnahme sein. Eine solche Momentaufnahme hat jetzt auch der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch verfasst, mitten aus dem dramatischen Geschehen in Kiew. Sein Bericht klingt wie ein Hilferuf. mehr

Alain Badiou »Platons ›Staat‹«

Auf hoher See

Der viel diskutierte französische Philosoph Alain Badiou hat es gewagt, Platons ›Staat‹ neu zu schreiben, weil die Tatsache, dass sich in den letzten 2383 Jahren manches geändert hat, eine Aktualisierung des idealen Staates an die Gegenwart nahelegt. Bernd Leukert notiert, was ihm daran auffiel. mehr

Porträt: Platform Sarai

Wie bei guten Freunden

Familiär und dennoch international, nichtinstitutionell und dennoch anspruchsvoll: Das Frankfurter Ausstellungsprojekt Platform Sarai versucht einen nicht immer einfachen Spagat. Eugen El stellt das Projekt vor.

Der Schauspieler Bruce Dern

Lautlos in Hollywood

Der Schauspieler Bruce Dern kann zwar auf eine fünfzig Jahre währende Laufbahn zurückblicken, erhielt aber bislang nur wenig Anerkennung für seine Arbeit. Mit seiner Leistung in Alexander Paynes »Nebraska« rückt Dern nun endlich ins Rampenlicht. Für Faust Kultur porträtiert Kai Mihm den 77-jährigen Schauspieler. mehr

Arno Schmidts 100. Geburtstag

»Und nun auf, zum Postauto !«

Sein Opus magnum »Zettels Traum« ist seit Jahrzehnten Kult. Am 18. Januar 2014 wäre der Schriftsteller Arno Schmidt einhundert Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat die Arno Schmidt Stiftung im Suhrkamp Verlag einen Band mit vielen seiner bisher unveröffentlichten Briefe herausgegeben, die Gregor Szyndler gelesen hat. mehr

CD-Kritiken

Verunsicherungen

Bis heute begnügen sich viele Musikhörer mit Tönen, die sie möglichst schon kennen. Tonkünstler können ein Klagelied davon singen. Hans-Klaus Jungheinrich hat zwei Beispiele aufgetan, die dagegen auf Verunsicherung setzen: Frühe lateinamerikanische Vokalmusik und Werke von Rolf Riehm. mehr

dvd-Kritik

Verständnis für den Mörder

Die neu erschienene DVD-Box »Mörderische Gewalt« besteht größtenteils aus Interviews mit Fachleuten und Autoren, aber auch aus kurzen und kürzesten Geschichten und Opernszenen. Wie alles, woran Alexander Kluge beteiligt ist, erweist sich diese DVD-Box als überaus spannend, findet Thomas Rothschild. mehr

Der Kunstbegriff bei Niklas Luhmann

Weltkunst

Der Bildhauer Stephan Balkenhol soll einmal gefragt worden sein, wie er es bewerkstelligt, aus einem Stück Baumstamm einen Löwen zu formen. Seine Antwort: Ganz einfach! Ich schlage alles weg, was nicht nach Löwe aussieht. Niklas Luhmann hätte ihm vermutlich zugestimmt. Damit ist ein Problem geschaffen, dem Alexandru Bulucz nachgeht. mehr

Buchkritik

Kursbuch Neue Medien 2.013

»Medien, Netz und Öffentlichkeit« heißt ein neu erschienener Band, in welchem namhafte Autoren aus Wissenschaft, Medien, Wirtschaft und Politik die gesellschaftlichen und medialen Realitäten unseres digitalen Zeitalters analysieren. Bruno Laberthier hat den Band studiert. mehr

Graphic Novel

Fremde Heimat

Von einer Annäherung zweier israelischer Generationen an ihre verdrängte europäische Herkunft erzählt Rutu Modans Graphic Novel »Das Erbe«. Eugen El hat den kürzlich auf Deutsch erschienenen Band gelesen. mehr

junge oper

Peter Pan und der singende Hund

James Matthew Barries »Peter Pan« wurde vor allem als Disney-Zeichentrickfilm bekannt. Die Oper Stuttgart hat diesen Stoff nun auf die Bühne gebracht. Mit Erfolg, wie Thomas Rothschild berichtet. mehr

Porträt der brasilianischen Autorin

Andréa del Fuego

Schon der erste Roman der brasilianischen Autorin Andréa del Fuego gewann den Prémio José Saramago. Inzwischen erschien ihr zweiter Roman: »As Miniaturas«. Sie greift darin auf den Legendenschatz des Hinterlandes zurück und überdreht diese Geschichten zu einer Art magischem Hyperrealismus, meint Michael Kegler. mehr

Interview mit Eike Wernhard

Man soll Klavier spielen können …

Die Klavierschule »tastsinn« basiert auf einem neuen pädagogischen und gewissermaßen musikalisch-kulturellen Ansatz. Der Autor, der Pianist und Klavierpädagoge Eike Wernhard, erklärt im Gespräch mit Daniela Philippi, wie er vorgegangen ist und was er anders gemacht hat. mehr

graphic novel

Auf zu neuen Territorien

Mit ihrem Comic »Das Tagebuch des Ricardo Castillo« debütierten Alexis Martinez und Gunther Brodhecker im Stil der »ligne claire«, der Paradedisziplin franko-belgischer Comickunst. Thomas Scholz stellt den Band vor. mehr

Buchkritik von Bernd Leukert

Gedankennetz ohne Boden

Einst gehörte John Ashbery zusammen mit Lawrence Ferlinghetti und Allen Ginsberg zu den einflussreichen Beat-Poeten der Neuen Welt. Jetzt, betagt, aber mit unerschöpflicher Schaffenskraft, gilt er als der größte lebende US-amerikanische Dichter der Gegenwart. Bernd Leukert hat sein Langgedicht »Flussbild/Flow Chart« gelesen. mehr

Porträt: Ginka Steinwachs

Das verrückte Huhn

Gäbe es die Bezeichnung ›darstellende Schriftstellerin‹, träfe sie auf Ginka Steinwachs zu. Was es mit ihrer Wiederentdeckung der Sinnlichkeit auf sich hat, erklärt Martin Lüdke anhand ihres Buches »Bilderbuch einer StadtstreichLerin«. mehr

Ein Erlebnisbericht zu Arno Schmidt

Tina oder über die Unsterblichkeit

Wo fällt man gleich über »Spitzbrüste voller Ungedeih«? Klar, in »Tina oder über die Unsterblichkeit«. So beginnt nämlich für Arno Schmidt der Weg ins Elysium. Was »Tina« darüber hinaus anrichten kann, schildert Gregor Szyndler in seinem rezensierenden Erlebnisbericht. mehr

Anita Djafaris Buchtipp mit Romanauszug

Die Autobiografie meiner Mutter

In einer Sprache, die auch zwanzig Jahre nach der Erstpublikation des Romans »Die Autobiographie meiner Mutter« nichts an Kraft verloren hat, beschreibt die karibische Autorin Jamaica Kincaid Mechanismen weiblicher Unterdrückung. Zu Recht, so Anita Djafari, hat der Unionsverlag dieses Werk neu aufgelegt. mehr

Lyrik

Die Frankfurter Dichtungsfans

Die jüngst in Frankfurt initiierte Reihe »Dichtungsfans« versteht sich als Dialog und Werkstattgespräch zwischen Lyrikern und Lesern. Alexandru Bulucz berichtet vom ersten Treffen. mehr

Reportage

Zwischen Dählersgraben und Herbertsdelle

Mitten in Deutschland liegt das Biosphärenreservat Rhön, in dessen Mitte sich der Ort Setzelbach – heute Teil der Gemeinde Rasdorf – befindet: Ein Tatort mit Grenztoten. Mit einem komplizierten und spannenden Fall, dessen Aufklärung an Grenzen geraten ist. Johannes Winter ist den Spuren gefolgt. mehr

Der Schweizer Heinz Holliger – Komponist und Dirigent

Das Nahe und die Welt

Einst galt er als weltbester Oboist, dann als genau arbeitender, einfühlsamer Dirigent, schließlich und zeitgleich als wundersam undogmatischer Komponist. Heinz Holliger, der auch ein großer Musikvermittler ist, hat eine CD mit eigener Kammer- und Vokalmusik veröffentlicht. Hans-Klaus Jungheinrich stellt sie vor. mehr

Gedanken zur syrischen Tragödie von Fawwaz Haddad

Ein neuer Blick auf die glücklichen Demokratien

Freiheit und Gerechtigkeit, für die die Syrer auf die Straße gingen, scheint der Westen nur sich selbst zuzubilligen, schreibt Fawwaz Haddad in seinem Bericht. Die westlichen Staaten, die die syrische Revolution anfangs mit großen Worten unterstützten, haben das Land jedoch aus Angst vor den Dschihadisten im Stich gelassen. mehr

Buchkritik: Experimentelle Gedichte von Tristan Marquardt

»Du musst das System nicht checken, um es zu hacken«

Wer Gedichte liest – vermutet man – möchte Vertrautes wiedererkennen, – aber mit einem fremden Blick. Er möchte lesen, was er immer schon dachte, – aber so eben nicht. Tristan Marquardt hat sich diesem Leser mit seinem Band »das amortisiert sich nicht« gestellt und Malte Abraham zeigt sich davon begeistert. mehr

Buchkritik von Alexandru Bulucz

Thomas Bernhard und Gerhard Fritsch – Der Briefwechsel

Gerhard Fritsch war ein Freund, der Thomas Bernhard früh zur Seite stand und ihm eine öffentliche Bühne verschaffte, von der ihn später Theaterdirektoren und Verleger abholen konnten. Bernhard verabschiedete ihn nach seinem frühen Freitod mit den Worten: »Sein von ihm selbst verpfuschtes Leben war ihm über den Kopf gewachsen und hatte ihn ausgelöscht.« Alexandru Bulucz hat den Briefwechsel der seltsamen Freunde gelesen. mehr

JAZZ – Interview

Mr. Romantic

Der Jazzposaunist Nils Wogram hat mit der Gründung seines eigenen Labels nWog gezeigt, wer in seiner Musik das Sagen hat. Mit seinem neuen, mittlerweile sechsten Album »Riomar – Root 70 with strings« zeigt sich Wogram nun von seiner romantischen Seite. Tobias Premper sprach mit dem Zürcher Musiker. mehr

Elektronische Musik im Netz

Ein zeitgenössischer Blick

Wie sag' ich's meinem Kinde, was Akusmatik ist und was die Musik von Marco Dibeltulu damit zu tun hat? Es geht um Kino für die Ohren und um eine Erklärung von Bernd Leukert. mehr

DVD-Kritik

Der perfekte Amerikaner

Walt Disney steht im Mittelpunkt einer Oper von Philip Glass, die im Januar 2013 in Madrid uraufgeführt wurde und nun auf DVD vorliegt. Thomas Rothschild zeigt, inwiefern man Disney als »perfekten Amerikaner« bezeichnen kann und was ihn mit Philip Glass verbindet. mehr

Buchkritik

Gewäsch und Gewimmel

Was passiert, wenn man nach dem besten Buch noch ein besseres schreibt? Brigitte Kronauer hat einen genauen Blick auf die Gegenwart geworfen und ihre Beobachtungen mit heiterer Gelassenheit in ihren Roman »Gewäsch und Gewimmel« einfließen lassen. Otto A. Böhmer bewundert das Buch. mehr

Buchkritik

Auf dem Weg zur Mehrsprachigkeit

Die Zeiten der klaren sprachlichen Identität ist vorbei! Mehrsprachigkeit scheint alltäglich geworden zu sein. Was Mehrsprachigkeit tatsächlich bedeutet und wie das Verhältnis der Nationalsprachen zu der einen Weltsprache ist, beschreiben mehrere neue Bücher, die Stefana Sabin gelesen hat und kritisch kommentiert. mehr

dvd-kritik

Der Anti-Knopp

Marcel Ophüls' Dokumentarfilm »Das Haus nebenan« von 1969 trug in Frankreich wesentlich zur Eröffnung einer Debatte über die Kollaboration mit den deutschen Nationalsozialisten im eigenen Land bei. Thomas Rothschild über einen Film, der den Zuschauer nicht zur Ruhe kommen lässt. mehr

Klaus Walter erinnert sich

Lou Reed interviewen

Lou Reed, der die Abgründe des Lebens nicht nur vom Hörensagen kannte, hat sich frühzeitig zur Kunstfigur gemacht. Sein musikbegleitetes Sprechen war die klanggewordene Essenz dieser Stilisierung. Nach seinem Ableben beleben sich die Erinnerungen an den Kult-Künstler. Klaus Walter hat seine aufgeschrieben. mehr

CD mit Schubert- und Schumannliedern

Großes Erzählen

Johannes Martin Kränzle gehört nicht zu den unbekannten Sängern. Der Bariton wurde von der »Opernwelt« 2011 zum Sänger des Jahres gemacht, und jetzt ist von ihm eine neue CD mit dem Titel »Grenzen der Menschheit« erschienen. Hans-Klaus Jungheinrich schreibt, was davon zu halten ist. mehr

BRIEFWECHSEL

Hans Blumenberg und Jacob Taubes

Der Religionssoziologe Jacob Taubes muss ein beeindruckender Rhetoriker gewesen sein, der dem Philosophen Hans Blumenberg beharrlich eine Zusammenarbeit antrug. Warum beide hoffnungslos aneinander vorbei redeten, erklärt Enno Rudolph in seiner Besprechung des Briefwechsels. mehr

Buchkritik: RLF. Das richtige Leben im falschen

Alternativlosgesellschaft?

Als im letzten Jahrhundert in der Folge der Studentenbewegung die Suche nach einem alternativen Leben begann, hatte man das real existierende als das falsche erkannt. Nun, nach mehr als vierzig Jahren, muss sich diese Erkenntnis erst verbreiten. Friedrich von Borries hat mit seinem neuen Buch die Vorbereitungen getroffen. Christian J. Grothaus stellt das Aufklärungswerk vor. mehr

Porträt und Auszug

Rio de Janeiro, Tokio, Mastroianni

Das Buch des brasilianischen Gegenwartsautors Joao Paulo Cuencas »Das einzig glückliche Ende einer Liebesgeschichte ist ein Unfall« hat unter Rezensenten Begeisterung aber auch einige Verwirrung ausgelöst. Michael Kegler gibt ein einführendes Porträt. mehr

Literaturzeitschrift

Flandziu

Alexandru Bulucz stellt die nach einer Figur aus dem Werk Wolfgang Koeppens benannte Zeitschrift anhand eines Textes des Herausgebers Jürgen Klein zur Erinnerungskultur vor. mehr

Lyrik

Die gesammelten Verse von Wilhelm Klemm

Jorge Luis Borges übertrug 1920 mehrere seiner Gedichte ins Spanische. Er kannte Apollinaire, Hofmannsthal, Carl Einstein und Kurt Schwitters: Wilhelm Klemm war ein äußerst produktiver Dichter, dessen »Gesammelte Verse« Bernd Leukert hier vorstellt. mehr

Buchkritik

Liebe in Zeiten der Diktatur

Wie schreibt man die Geschichte einer Familie, die erfahren musste, dass das Streben nach einem selbstbestimmten Leben unter den Bedingungen einer Diktatur zum Scheitern verurteilt ist? Dieser Frage geht Lena Goreliks neuer Roman nach, den Eugen El für Faust Kultur gelesen hat. mehr

Literaturzeitschrift

Otium

OTIUM heißt eine literarische Zeitschrift, die von Literaturstudenten der Goethe Universität Frankfurt herausgegeben wird. OTIUM (lat. Muße) erfordert vom Leser Ruhe, um ihrem Gegenteil, nämlich reger Denktätigkeit, Raum zu geben. OTIUM heißt auch: literarische Beschäftigung. mehr

Dokumentarfilm auf DVD

Der Unbestechliche

Der Linguist Noam Chomsky kennt die sprachlichen Konventionen. Er schreibt und spricht darüber, wie sie wirken, aber auch, wie man mit ihnen Menschen manipulieren kann. Das hat ihn in den USA zum Warner, Mahner und bedeutenden Intellektuellen gemacht. Eine DVD, die Chomskys Persönlichkeit und politisches Engagement vermittelt, empfiehlt Thomas Rothschild. mehr

kapitalismuskritik

Ein Philosoph der handfesten Dinge

Der Philosoph, Ökonom, Gesellschaftstheoretiker und Protagonist der Arbeiterbewegung, der behauptete, kein Marxist zu sein, hieß Karl Marx und starb vor 130 Jahren. Die letzten Jahrzehnte wurde er als »toter Hund« betrachtet, nun aber besinnt man sich auf seine Qualitäten. Hans-Martin Lohmann erinnert an den wortgewaltigen Schriftsteller und brillanten Theoretiker. mehr

zeichnungen aus dem kz holzen

Bilder finden

Erst letztes Jahr wurden die Zeichnungen von Camille Delétang aus seiner Zeit als KZ-Häftling des Buchenwalder Außenlagers Holzen wiederentdeckt. Bruno Laberthier berichtet über diesen ungewöhnlichen Fund. mehr

Entgegnung

Versuch über Jacob Taubes

»Geschwätziger Irrtum« ist Hans-Martin Lohmanns Besprechung überschrieben. Darin bezeichnete er den Religionswissenschaftler Taubes als Scharlatan. Frei von einem Anspruch auf Objektivität macht Alexandru Bulucz in seiner Replik eine andere Sichtweise geltend. mehr

Cd-Kritik: Neue Musik

Vexierspiele

Im Mai 2013 wurde er noch totgesagt: Die Jury, die seine neue CD auf die Bestenliste setzte, schrieb – infolge einer Verwechslung – vom »zu früh verstorbenen Komponisten«. Glücklicherweise lebt der heitere Komponist seriöser Musik, Michael Reudenbach, und kann Hans-Klaus Jungheinrichs Besprechung seiner Werke mit eigenen Augen lesen. mehr

architektur-essay

Stadt-Zeit-Bilder

Wie ein Buch lässt sich auch ein Bild lesen – oder eine Stadt, besonders wenn sie als Vedute in einer Zeitschrift oder auf dem Bildschirm erscheint. Der Architekt und Autor Christian J. Grothaus versucht in seinem Essay, nicht nur die dritte Dimension für die Bilder von Stadt und Architektur (wieder) einzufordern, sondern auch die vierte. mehr

Max Horkheimer. Unternehmer in Sachen »Kritische Theorie«

Wir sind die einzige Gruppe

Er war der Motor, Finanzier, Manager und Planer des Instituts für Sozialforschung und der Herausgeber der »Zeitschrift für Sozialforschung«. Wie Max Horkheimer der Rektor der Frankfurter Schule wurde, ist jetzt in der knappen, informativen Monographie von Rolf Wiggershaus zu lesen. mehr

Buchkritik

Die vergessene Realität

Wolfram Ettes »Kritik der Tragödie. Über dramatische Entschleunigung« beschreibt den Zusammenhang zwischen politisch-kulturellem Kontext und der Entwicklung der Tragödie von Aischylos bis Heiner Müller. Bernd Leukert ist davon begeistert. mehr

Gespräch mit Bombay S. Jayashri

Imagination und Mathematik

Bombay S. Jayashri wurde mit dem Wiegenlied, das sie im Film »Schiffbruch mit Tiger« sang, für einen Oscar nominiert. In Indien wird die Sängerin schon lange als eine herausragende Interpretin der klassischen, südindischen Musik geschätzt. Clair Lüdenbach sprach mit ihr. mehr