Shakespeare 400 – The Globe Collection

Shakespeare satt

Anlässlich des 400. Todestags von William Shakespeare ist eine Box mit 21 DVDs erschienen, die 19 Stücke Shakespeares sowie Christopher Marlowes »Doctor Faustus« in Aufführungen des Globe Theatre enthalten. Diese Box ist nicht nur eine Lektion in Shakespeare, sie liefert einen Einführungskurs in das Wesen des Theaters überhaupt, meint Thomas Rothschild. mehr

70. Geburtstag der Autorin Zsuzsanna Gahse

Ein gesatteltes Gespräch

Die Autorin und Übersetzerin Zsuzsanna Gahse ist heute 70 Jahre alt geworden. Faust-Kultur gratuliert ihr mit dem »gesattelten Gespräch« mit Bernd Leukert, in dem sie erzählte, was sie beim Schreiben bewegt und wie ihre Texte entstehen. mehr

REZENSIONSGESPRÄCH

Menschen in der Diktatur

Für seinen Roman »Die Wolfssymphonie« erhielt Marius Daniel Popescu 2008 den Robert-Walser-Preis. Darin geht es um das Leben in Ceausescus Diktatur, um das Land der Einheitspartei, der Popescu eine vielfältige Symphonie aus Wiederholungen, Variationen und Sprachspielen entgegenstellt. Hanne Kulessa ist begeistert. mehr

INGEBORG BACHMANN UND IHRE LYRIK

»Es kommen härtere Tage«

1954 war in einem deutschen Nachrichtenmagazin zu lesen, Ingeborg Bachmann sei philosophisch belastet. Sie hatte ihre Dissertation über die Rezeption Heideggers geschrieben und kannte ihren Wittgenstein. Ihre bezwingende Sprachkunst aber wirkt bis heute weiter. Ria Endres erinnert mit ihrem Essay an Ingeborg Bachmann, die nun 90 Jahre alt geworden wäre. mehr

DER PHILOSOPH MACHIAVELLI

Werter Herr Gesandter

Nachdem die Medici mit Hilfe der Spanier nach Florenz zurückgekehrt waren, verlor Niccolò Machiavelli alle seine Ämter, wurde gefoltert und auf sein Landgut verbannt. Dort schrieb er 1513 mit »verkrüppelten Händen« IL PRINCIPE, ein Werk, das bis heute in aller Welt nachgedruckt wird. In einem Brief, bei dessen Abfassung ihm Otto A. Böhmer über die Schulter sah, schildert er seine Situation in rosigen Farben. mehr

Kunstmessen in Basel 2016

Basel hoch drei

Die wichtigste kommerzielle Kunstwoche findet gerade in Basel statt. Art Basel, Volta Show und Liste sind dabei stets einen Besuch wert. Isa Bickmann war vor Ort und stellt sich wie in jedem Jahr die Sinnfrage in Form einer subjektiven Reportage. mehr

Howard Jacobson, Shylock

Eine heikle Abmachung

In seiner Nacherzählung des »Kaufmann von Venedig« erweckt der britische Romancier Howard Jacobson Shakespeares Shylock zu neuem fiktionalen Leben. Jacobsons Roman ist eine Reflexion über jüdische Selbstzweifel und jüdische Werte, aber auch eine frische Deutung des Shakespeareschen Stücks, meint Stefana Sabin. mehr

Internationaler Literaturpreis – HKW 2016

Treue entsteht durch Freiheit

Das kreative Können literarischer Übersetzer ist einzigartig und erfordert kongeniale Kompetenzen. Zum achten Mal rückt darum in diesem Sommer der im Haus der Kulturen der Welt in Berlin verliehene Internationale Literaturpreis (ILP) Autor und Übersetzer gleichzeitig in den Blick. Über Details des Übersetzungsprozesses hat Andrea Pollmeier mit dem renommierten Literaturübersetzter Hinrich Schmidt-Henkel gesprochen. mehr

INTELLEKTUELLE UND DER FUSSBALL

Faszination und Skepsis

Anlässlich der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft betrachtet Otto A. Böhmer in seinem Essay die Beziehung vor allem deutscher Intellektueller zum Fußball im Wandel der Jahrzehnte. Jürgen Roth und Eckhard Henscheid, Ror Wolf und weitere Autoren kommen dabei zu Wort. mehr

Carmen in Frankfurt

Auf der Treppe

Seit dem Riesenflop von 1992 hat es an der Oper Frankfurt keine Carmen-Inszenierung mehr gegeben. Nun verantworten der Regisseur Barrie Kosky und der Dirigent Constantin Cardys eine neue Inszenierung. In der gelungenen Mischung aus Irritation und Konvention verspricht sie ein Erfolg zu werden, meint Stefana Sabin. mehr

Eric Giebel: Im roten Sand

Bildungsroman en miniature

Im Zentrum der Erzählung »Im roten Sand« von Eric Giebel steht eine typisch deutsche Familie in den siebziger und achtziger Jahren: Großvater war im Krieg und später in Gefangenschaft, Großmutter im BDM. Eine Familie, die es geschafft hat, die Kriegserlebnisse zu verdrängen und sich nun den kritischen Fragen ihrer Enkel stellen muss. Elke Barker hat das Buch gelesen. mehr

Porträt des Autors Anthony Phelps

Ewiges Exil

In Haiti gehören Autoren wie Anthony Phelps zu einer besonderen Generation. Postkoloniale Fragen nach der eigenen Herkunft beeinflussten ihr Denken ebenso wie die Erfahrung der Okkupation durch die USA und das Leben in einer Diktatur. Zwei Werke von Phelps sind jetzt ins Deutsche übersetzt und werden von Marlène Séraphin und Andrea Pollmeier in deutsch- und französischsprachigen Beiträgen vorgestellt. mehr

Schweizer Theatertreffen 2016

Das Theater sucht sein Publikum

Zum dritten Mal fand, diesmal in Genf, das Schweizer Theatertreffen statt. Die Vorstellungen in fünf verschiedenen Häusern waren halbleer, Festivaleuphorie wollte nicht aufkommen. Als Höhepunkt des kleinen Theatertreffens erwies sich Ewald Palmetshofers Neufassung von Christopher Marlowes »Edward II«, berichtet Thomas Rothschild. mehr

DER PHILOSOPH DEMOKRIT

Noch nicht tot

Man nannte den Philosophen Demokrit von Abdera den lachenden Philosophen. Die heitere, gelassene Stimmung war ihm Ziel und Anliegen. Doch zu Hause, wie Otto A. Böhmer weiß, musste ihm das Lachen vergangen sein, besonders im fortgeschrittenen Alter, das ohnehin nicht so lustig ist. mehr

Ludwigsburger Schlossfestspiele 2016, Teil 3

Mit Engagement und Verve

Im dritten Beitrag über die diesjährigen Ludwigsburger Schlossfestspiele berichtet Thomas Rothschild vom Konzert unter der Überschrift »Telemann: Gipsy Barock« und vom charismatischen 92jährigen Pianisten Menahem Pressler, den das Publikum mit minutenlangen Standing Ovations ehrte. mehr

Bob Dylans 75. Geburtstag

Alias in den Städten

Während viele Künstler ihr Leben lang von einer Geschäftsidee zehren und damit ihre Fans begeistern, verlässt Bob Dylan permanent seinen ästhetischen Ort und begibt sich weiter fort. Zum Geburtstag hat ihm Volker Breidecker ein Loblied geschrieben. mehr

George Steiner: Ein langer Samstag

Der Onkel Kafkas

Der hochbetagte Universalgelehrte George Steiner wurde 2014 von der Journalistin und Verlagsleiterin der Éditions du Seuil, Laure Adler, in ein Gespräch verwickelt, in dem er zu den verschiedensten Themen seine Ansichten verriet. Die Bekenntnisse sind nun als Buch auf Deutsch erschienen, und Otto A. Böhmer hat es gelesen. mehr

FILME AFRIKANISCHER REGISSEURE

Zwischen uns das Mittelmeer

Flucht und Migration sind Themen, die eng mit den Folgen kolonialer Politik verbunden sind. Der Filmkritiker Enoka Ayemba gibt einen Überblick über Filme, die von afrikanischen Filmemachern gestaltet sind und sich bereits seit Jahrzehnten aus afrikanischer Sicht mit den Problemen von Vertreibung auseinandersetzen. mehr

Gespräch mit Nanette Snoep, Dresden

Genres, Zeiten und Orte verwischen

Drei Völkerkundemuseen: Leipzig, Dresden und Herrenhut soll Nanette Jacomijn Snoep attraktiver machen. Wie das gehen soll, erläutert sie im Gespräch mit Clair Lüdenbach. mehr

AUSSTELLUNG: Susan Meiselas in Frankfurt

Grenzen kreuzen

Die Magnum-Fotografin Susan Meiselas zeigt in Frankfurt wichtige Werkgruppen, die in Nicaragua, San Salvador, Kurdistan und an der amerikanisch-mexikanischen Grenze entstanden sind. Zu erleben sind die herausragenden Fotografien einer engagierten und mutigen Bildjournalistin, die Zeugnis ablegen von Krieg, Flucht und Vertreibung. Isa Bickmann berichtet von der Ausstellung. mehr

DIE KÜNSTLERIN LILLY LULAY

Die Leichtigkeit der Fotografie

Die Künstlerin Lilly Lulay erweitert die Fotografie ins Malerische und Skulpturale. Ihre Arbeiten sind derzeit bei zahlreichen Ausstellungen zu sehen, unter anderem in Paris. Ein umfangreicher Katalog ihrer Fotocollagen erschien kürzlich im Revolver Verlag. Eugen El stellt die 1985 geborene Künstlerin vor. mehr

AUSSTELLUNG: Georges de La Tour in Madrid

Im Kerzenlicht

Das Prado Museum in Madrid zeigt eine große Ausstellung des lothringischen Malers Georges de La Tour. Die chronologische Anordnung der Gemälde macht eine Entwicklung von einem derben Realismus zu einer stilisierten Theatralik sichtbar. In der räumlichen Nachbarschaft zu den spanischen Meistern werden zudem ungeahnte Verwandtschaften erkennbar, berichtet Stefana Sabin. mehr

90. GEBURTSTAG VON GERLIND REINSHAGEN

Beschwingtheit und Beweglichkeit

Am 4. Mai 2016 wird die Schriftstellerin Gerlind Reinshagen neunzig Jahre alt. Sie ist vor allem durch ihre gesellschaftskritischen Theaterstücke bekannt geworden. In vielen ihrer Stücke und Prosabücher, zuletzt in ihrem Roman »nachts« und dem jüngsten Theaterstück »Die Perseiden«, ist das Berlin der Gegenwart Handlungsort. Hans-Ulrich Müller-Schwefe würdigt die Schriftstellerin und stellt ihr Werk vor. mehr

Gespräch mit dem Dichter Robert Schindel

Hundert Blumen

Weil man im deutschsprachigen Bereich als zeitgenössischer Lyriker nahezu unbeachtet bleibt, wurde Robert Schindel 1992 mit dem Roman »Gebürtig« bekannt. Nach den ersten sechs Gedichtbänden, die im Band »Fremd bei mir selbst« (2004) zusammengefasst wurden, veröffentlichte Robert Schindel noch drei weitere, zuletzt »Scharlachnatter« (2015). Bernd Leukert erzählte er, wie bei ihm Gedichte entstehen. mehr

Ausstellung »ICH« in Frankfurt

Zartbunte, heiße Luft

Eine Ausstellung in der Frankfurter Kunsthalle Schirn zeigt Formen des Selbstporträts in der zeitgenössischen Kunst. Ellen Wagner hat sich die Schau angesehen. Sie vermisst in der Fülle und Dichte der Exponate die notwendigen Leerräume und kritisiert die kojenhafte Präsentation der Vorläufer der 1960er Jahre, mit denen die Ablösung von der Tradition des Selbstporträts einsetzte. mehr

Sigrid Damms neues Buch

Eine faszinierende Frau

Von der besonderen Beziehung Johann Wolfgang Goethes zur Hofdame Charlotte von Stein erzählt Sigrid Damms neues Buch »Sommerregen der Liebe«. Der Goethe-Kennerin par excellence ist ein wunderbares Buch gelungen, das in eine fein bemessene Welt zurückführt, meint Otto A. Böhmer. mehr

Claude Viviers Oper »Kopernikus«

Todeslust und Lebenshunger

Der Komponist Claude Vivier hatte im Einflussbereich der Nachkriegsavantgarde wohl keine Chance. Erst nach seinem Tod konnte man in Amsterdam hören, was für eine originäre und starke Musik er geschrieben hatte. Hans-Klaus Jungheinrich stellt nun eine neue CD mit Viviers Oper »Kopernikus« und anderes vor. mehr

Theater: »Der Sturm« in Frankfurt

Sind wir vom gleichen Stoff wie unsere Träume?

Andreas Kriegenburg hat Shakespeares letztes Stück am Schauspiel Frankfurt inszeniert. Die Komödie »Der Sturm« ist auch eines der kühnsten Stücke Shakespeares. In Frankfurt hat Kriegenburg die Bühne buchstäblich unter Wasser gesetzt. Die Inszenierung ist sehenswert, meint Martin Lüdke. mehr

JOSEPH ROTH UND STEFAN ZWEIG

Gespenster der Gegenwart

Im Briefwechsel Joseph Roths mit Stefan Zweig, in dem intensiven dialogischen Austausch dieser beiden so unterschiedlichen Temperamente, wird deutlich, wie früh Roth das Aufkeimen des Nationalsozialismus und die drohende Katastrophe vorausgesehen hat. Marion Gees hat den Briefwechsel noch einmal studiert und weist auf aktuelle Bezüge hin. mehr

ZUM GEBURTSTAG VON SAMUEL BECKETT

Geburt(s-tag) mit Fragezeichen

Samuel Beckett, der als Engländer geboren wurde, bevor er Ire wurde, gehört zur illustren Reihe stilbildender Iren. Eigensinnig, wie sie alle, schrieb er sich in eine formale Strenge hinein, die existentialistisch und absurd zugleich wirkt. 1969 erschien er nicht zur Entgegennahme des Nobelpreises. 20 Jahre später starb er. Ria Endres erinnert an ihn, der nun 110 Jahre alt sein müsste. mehr

THEATERGESCHICHTE

»Luzi, isch liebe disch unwahrscheinlisch!«

Hausbesetzungen, blutige Straßenschlachten, Proteste, Flugblätter, Demonstrationen; Wasserwerfer. Der Musiker, Komponist, Hörspielautor, Regisseur und Professor für Angewandte Theaterwissenschaft, Heiner Goebbels, erinnert sich im Vorwort zum Buch »Das TAT. Das legendäre Frankfurter Theaterlabor«, wie er damals aus dem Aufruhr in ein unvergessliches Bühnenerlebnis geriet. mehr

GESPRÄCH MIT ANNE-BÉATRICE CLASMANN

»Wir müssen weg von der Kurzatmigkeit«

Persönliche Erfahrungen bestimmen den Ton, wenn Anne-Béatrice Clasmann in ihrem Buch »Der arabische (Alb-)Traum« über den Konfliktherd »Naher Osten« spricht. Die dpa-Journalistin hat während ihrer langjährigen Korrespondententätigkeit einen Blick für die Prioritäten erworben, die in der brisanten Lage Orientierung geben können. Andrea Pollmeier hat mit der Autorin gesprochen. mehr

Frankfurter Poetikvorlesung, 6. Juli 1993

Die Entstehung der Wirklichkeit im Kaleidoskop

Vor fast 23 Jahren bestritten die rumäniendeutschen Dichter Klaus Hensel, Franz Hodjak, Richard Wagner und Werner Söllner die Frankfurter Poetikvorlesung. Wo das Dichten herrührt, welche Motive es antreibt und wie die Zeitumstände die künstlerischen Entscheidungen lenken, kurz: wie aus einem kleinen Jungen ein deutscher Dichter wurde, davon handelt der Beitrag Werner Söllners. mehr

500. TODESTAG VON HIERONYMUS BOSCH

Finstere Zeiten

Noch bis zum 8. Mai 2016 präsentiert das Noordbrabants Museum in ’s-Hertogenbosch die Ausstellung »Hieronymus Bosch – Visionen eines Genies«. Anlass ist der 500. Todestag des Malers. Mit neunzehn Zeichnungen und zwanzig Gemälden, die aus aller Weltzusammengetragen wurden handelt es sich um die größte Bosch-Ausstellung aller Zeiten. Martin Lüdke hat sie sich für Faust-Kultur angeschaut. mehr

GESPRÄCH MIT ROTRAUT DE CLERCK

»Jede Krankheit ist etwas Individuelles«

Vor 75 Jahren, am 28. März 1941, nahm sich Virginia Woolf in England das Leben. Die Psychoanalytikerin Rotraut De Clerck hat sich mit Leben und Werk der Autorin auseinandergesetzt. Andrea Pollmeier hat mit Rotraut De Clerck über die Rolle der Psychoanalyse in Virginia Woolfs Schaffen und über den heutigen Stellenwert der Schriften Sigmund Freuds gesprochen. mehr

DER PHILOSOPH ARISTOTELES

Nahezu nüchtern

Aristoteles war der Schüler Platons und der Lehrer Alexander des Großen, aber auch vieler anderer Epheben, die keine Strategen wurden. Der Philosoph sprach im Gehen mit seinen Studenten über Logik, Analytik, Ethik, Politik, Metaphysik, Physik und benutzte, wie Otto A. Böhmer weiß, zur Begrenzung seines Kurzschlafes einen Wecker. mehr

DER ARCHITEKT FERDINAND KRAMER

»Wenn es allen gefällt, ist etwas falsch«

Nachdem das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt bereits 2014 Einblick in Ferdinand Kramers gestalterisches Werk gegeben hatte, widmet sich das Deutsche Architekturmuseum noch bis zum 1. Mai 2016 den Bauten des »Architekten der Kritischen Theorie«. Geboten wird eine schlüssig aufbereitete Ausstellung und ein lesenswertes Begleitbuch, berichtet Isa Bickmann. mehr

Flüchtlinge in Europa

Anatomie einer globalen Krise

Die gegenwärtigen Flüchtlingsströme sind die Folgen der Destabilisierung des Nahen Ostens durch den Westen. Ein Blick auf die europäische Außenpolitik der letzten 20 Jahre genügt, um zu erkennen, dass Hilfe für Flüchtlinge keine Frage der Großzügigkeit ist, sondern Europas Verpflichtung, für die Ursprünge der Flüchtlingskrise einzustehen, meint Michele Sciurba. mehr

Der Dirigent Jewgenij Mrawinskij

Wiederkehr einer Legende

Der sowjetische Dirigent Jewgenij Mrawinskij kann jetzt wiederentdeckt werden. Eine CD-Kassette präsentiert rund sieben Stunden Musik mit Mrawinskij und seinen Leningrader Philharmonikern. Hans-Klaus Jungheinrich hat sich die Aufnahmen angehört und sieht in Mrawinskij einen vielseitigen Dirigenten und einen Pionier in Sachen Tschaikowskij. mehr

Gila Lustiger, Erschütterung

Gegen die Ohnmacht

Gila Lustiger hat die Pariser Terroranschläge am 13. November 2015 aus großer Nähe miterlebt. Die in Frankfurt am Main aufgewachsene Autorin hat nun einen großen Essay unter dem Titel »Erschütterung – Über den Terror« veröffentlicht. Gila Lustiger gelingt eine kluge Analyse der Ursachen des Terrors, meint Harry Oberländer. mehr

GESPRÄCH MIT DEM STREET-ART-KÜNSTLER KLONE

»Mein Zuhause ist in meinem Kopf«

Der 1983 im ukrainischen Charkow geborene, in Israel lebende Street-Art-Künstler Klone genießt ein internationales Ansehen. Bei einem Aufenthalt im russischen Nischni Nowgorod sprach er mit dem dortigen Internetportal »Culture in the City« über seine Herkunft und seinen künstlerischen Weg, über Subkultur und Street-Art in Israel. mehr

Ralph Dutli: Die Liebenden von Mantua

Göttliche Eiscreme

Im Februar 2007 wurden in Valdaro, einem Vorort der italienischen Stadt Mantua, zwei Skelette aus der Jungsteinzeit gefunden, die eng umschlungen in einem Grab lagen: »Die Liebenden von Mantua« oder auch »Die Liebenden von Valdaro«. Darauf basiert Ralph Dutlis neuer Roman, und er steckt voller Überraschungen, meint Harry Oberländer. mehr

Ausstellung: Painting 2.0

Aus dem Blauen heraus

Einen Überblick über die Malerei im Informationszeitalter zu geben, beginnend in den 1960ern, hat sich die Ausstellung »Painting 2.0« im Münchener Museum Brandhorst vorgenommen. Jede der drei Ebenen des Hauses widmet sich einem bestimmten Fragenkomplex. Dass die Ausstellung dabei auf klare Antworten verzichtet, ist ein Gewinn, meint Ellen Wagner. mehr

Peter Gülke: Musik und Abschied

Zurückbleiben. Und kein Trost

Der Dirigent, Musikologe und Schriftsteller Peter Gülke denkt Musik nie ohne ihre historischen, kulturellen und sozialen Kontexte. Und er überzeugt mit argumentativer Intelligenz. Sein Buch »Musik und Abschied« behandelt die letzten Dinge und hat Hans-Klaus Jungheinrich bewogen, es zu empfehlen. mehr

GESPRÄCH MIT THOMAS RÖSKE

»Ich hätte es nicht zu träumen gewagt«

Seit 2002 leitet der Kunsthistoriker Thomas Röske die Sammlung Prinzhorn in Heidelberg. Der historische Bestand der Sammlung wurde von Hans Prinzhorn in den frühen 1920er-Jahren zusammengetragen. Seit 1980 kamen etwa 17.000 weitere künstlerische Werke von Psychiatrie-Erfahrenen hinzu. Eugen El hat mit Thomas Röske über die aktuelle Ausstellung »Dubuffets Liste« und über die Arbeit der Sammlung gesprochen. mehr

Lyrik von T.S. Eliot

Der Tanz um den stillen Moment

Dass wir am Ende dort ankommen, wo wir begannen, gehört zu den mystischen Einsichten, die die »Vier Quartette« von Thomas Stearns Eliot als ›Summa‹ kennzeichnen, als Schlussstein seines poetischen Schaffens. Jan Volker Röhnert hat sich in das kunstvoll gebaute, von Norbert Hummelt neu übersetzte Werk vertieft und preist es wegen seiner Aktualität. mehr

Porträt des Malers Christian Schad

Der Maler mit dem Skalpell

Christian Schad (1894-1982) war ein Maler, der in die Avantgarde ebenso passte, wie ins Weltbild der Nationalsozialisten, aber gar nicht in unser Sortierkästchen von Freund und Feind passen will. Johannes Winter hat die Spuren der Bilder und des Künstlers aufgenommen und Fragen nach kunstgeschichtlichen Zusammenhängen gestellt. mehr

EXILGESCHICHTE

Unterschiedliche Blickwinkel

Als Monika Plessner 1951 ihren späteren Mann, den Philosophen und Soziologen Helmuth Plessner kennenlernte, entdeckte sie auf Long Island einen Dreh- und Angelpunkt des Exils. Ihre Aufzeichnungen vergegenwärtigen diese Welt, von Hannah Arendt bis Gershom Scholem, von Adorno bis Kracauer und Horkheimer. Detlev Claussen beleuchtet den ideengeschichtlichen Kontext der Aufzeichnungen. mehr

Ausstellung in Gießen

Peter Kurzeck als Maler und Zeichner

Vor kurzem erst wurde das bildnerische Werk des 2013 verstorbenen Schriftstellers Peter Kurzeck entdeckt. In Gießen zeigen nun mehrere Institutionen Kurzecks Arbeiten. Sein bildnerisches Werk ist vor allem für Literaturfreunde interessant, die posthum eine neue Facette aus dem Schaffen des Autors entdecken können, meint Dagmar Klein. mehr

Essay

Auf der Suche nach der Seele

Warum fragen in unserer computergesteuerten Lebenswelt auch aufgeklärte Bürger die Hirnforschung nach dem Sitz der Seele und sind enttäuscht, wenn kein Synapsenklumpen dafür dingfest zu machen ist? Otto A. Böhmer zeigt in seinem Essay, woher das Interesse kommt und wohin die Seelenreise geht. mehr

Die iranische Schriftstellerin Fariba Vafi

Dem Exil entgegen

Fariba Vafi ist eine Ausnahmeerscheinung in der iranischen Literatur. Nur vordergründig spielen ihre Geschichten und Romane fernab der Politik: Ihre Frauenfiguren analysieren selbstbewusst vorgeschriebene Rollenbilder und suchen sich ihren eigenen Weg. Maryam Aras stellt die Autorin vor. mehr

Teamwork in der Traumfabrik

Die im Dunkeln sieht man nicht

Wenn ein Film von einem berühmten Regisseur inszeniert wurde, heißt das: Er hat einen ­großen Teil gedreht. Aber keineswegs alles und nicht immer die Szenen, an die man am liebsten denkt. Anhand zahlreicher Filmbeispiele würdigt Kai Mihm die »Second-Unit« und ihre Regisseure. mehr

100 JAHRE DADA

Ein faszinierender Schatz

Am 5. Februar 1916 gründete Hugo Ball mit seiner Freundin Emmy Hennings in Zürich in der Spiegelgasse 1 das »Cabaret Voltaire«. Die »Dada«-Bewegung war geboren. Karl Piberhofer blickt auf die aktuelle Rezeption der Bewegung und empfiehlt Bücher zum Thema. mehr

In Erinnerung an Assia Djebar

Sich selbst Lebewohl sagen

Vor einem Jahr, am 6. Februar 2015, starb die algerisch-französische Schriftstellerin Assia Djebar. Riccarda Gleichauf hat ihren autobiographischen Roman »Nirgendwo im Haus meines Vaters« gelesen, in dem es um kulturelle Hybridität und um den Freiheitskampf einer Frau geht. mehr

Die »Klassische Documenta« von 1956

»Wie man Bilder nicht hängen sollte …«?

1956 erschreckte der Documenta-Gründer Arnold Bode Besucher des Hessischen Landesmuseums in Kassel mit einer modernen Inszenierung der während des Krieges ausgelagerten und damals gerade aus Wien zurückgekehrten alten Meister. Eine Kabinettausstellung im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel gibt Einblick in diese Umbruchszeit, die zugleich auch ein Kapitel der Geschichte vom Ausstellungskuratieren einnimmt. mehr

Buchhandlung Parnassus Books

Der Laden brummt

Die amerikanische Erfolgsschriftstellerin Ann Patchett hat in Nashville einen Buchladen gegründet. In den USA kreierte sie damit einen neuen Trend: die Renaissance der kleinen, städtischen Buchhandlung. Martin Lüdke empfiehlt die Reise nach Nashville, hat aber auch einen Tipp für Zauderer. mehr

Gespräch mit Jean-Luc Nancy

Ja, es ist Krieg

Jean-Luc Nancy spricht mit Shoichi Matsuba über die Anschläge von Paris und geht vor diesem Hintergrund auf Krieg und Kriegsrecht, Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Christentum und Islam, aber auch auf das Leben im gegenwärtigen Kapitalismus und in Zeiten von Angst und Verunsicherung ein. Dabei zeigt er die Logik der Ökonomie auf und erläutert, wie Star Wars unser Verständnis von Macht verändert hat und warum er mit dem »Unsichtbaren Komitee« sympathisiert. mehr

Eine herausragende Klassik-Novität

Liszts Lamartinomania

Franz Liszt, der Popstar? Das war wohl eher eine Geschäftsidee der 1970er-Jahre. Aber ein Star war der Kosmopolit schon! Als Klaviervirtuose war er konkurrenzlos und als Komponist eine Autorität. Die neue CD, die Michael Korstick mit Liszts Werken realisierte, hat Hans-Klaus Jungheinrich zu klärenden Überlegungen angeregt. mehr

Gespräch mit dem Autor Patrick Chamoiseau

Kultur der Kulturen

Patrick Chamoiseau zählt zu den wichtigsten Autoren der Karibik und war mit seinem Buch »Die Spur des Anderen« auf der Shortlist des Internationalen Literaturpreises. Im Interview mit Andrea Pollmeier spricht er über die Herausforderung, nationale Denkmuster zu überwinden und im transkulturellen Umfeld weltweit individuelle Autonomie zu entfalten. Am Wochenende ist er Gast der Litprom-Literaturtage 2016 in Frankfurt. mehr

DER FILMEMACHER RAOUL PECK

Beben im Innenhof der Elite

Der aktuelle Film des haitianischen Regisseurs Raoul Peck ist ein sozialkritischer Spielfilm, der zeigt, wie sehr das Erdbeben in Haiti die Grenzen zwischen Arm und Reich verschoben hat. Der Film, der jetzt in die deutschen Kinos kommt, ist Teil einer Folge politischer Filmessays, in denen der Regisseur nach Art des französischen Autorenkinos zeitgeschichtliche Ereignisse analysiert, beschreibt Andrea Pollmeier. mehr

ZUM TOD VON DAVID BOWIE

Die Farbe der Trauer

Zwei Tage nach der Veröffentlichung seines neuen Albums ist David Bowie völlig überraschend gestorben. Isa Bickmann erinnert an Bowies letzten öffentlichen Auftritt und empfiehlt die gerade erschienene CD »Blackstar«. mehr

Erinnerung an Pierre Boulez

Vitaler Solitär

Pierre Boulez war der dritte der drei Musketiere der Neuen Musik. Mit Karlheinz Stockhausen und Luigi Nono repräsentierte er die junge Generation, die bei den Darmstädter Ferienkursen vom Anfang der 50er Jahre an den Ton vorgab. Als Komponist, Dirigent, Institutsleiter (IRCAM) und Organisator wirkte er nicht nur in Frankreich auf die Musikentwicklung ein. Hans-Klaus Jungheinrich zum Tod von Pierre Boulez. mehr

Abschied und Neuanfang: Harry Oberländer

Mit fliegenden Rockschößen

Harry Oberländer, der Soziologie studierte, im Buchhandel, als Journalist und als Logenschließer in der Oper arbeitete, bevor er zum Literaturbüro kam, schrieb früh Gedichte und hat mindestens drei Gedichtbände veröffentlicht. Nun wurde er als Leiter des Hessischen Literaturforums verabschiedet. Bernd Leukert hat einen farbigen Aspekt bei ihm ausgemacht. mehr

Gespräch mit dem Philosophen Dieter Henrich

Sterbliche Gedanken

Alexandru Bulucz besucht den Philosophen Dieter Henrich. Der Dialog, den sie führen, bringt tatsächlich Einsichten hervor, die der einsame Schreibakt nur schwer ermöglicht. Anlässlich des 89. Geburtstags des Philosophen veröffentlicht Faust-Kultur einen Gesprächsausschnitt, der von Celibidache über Heidegger und den Tod zu Kafka und Hölderlin führt. mehr

Gespräch mit dem Schriftsteller Bora ?osi?

Epileptiker sind nicht melancholisch

Bora Cosics Monumentalroman »Die Tutoren«, der die Chronik einer in Slawonien angesiedelten Familie erzählt, galt als fast unübersetzbar. Seit letztem Herbst liegt er in der Übersetzung von Brigitte Döbert auf Deutsch vor. Im Gespräch mit Alexandru Bulucz spricht Cosic über Epilepsie, über das Knirschen des Kieses, auf dem Robert Walser spazierte, über Peter Handke, über dummes Geschwätz und über den Ernst. mehr

VIDEOPROJEKT »ZOON POLITIKON«

Lehrstück und Gedächtnismaschine

Jonas Englerts Projekt »Zoon Politikon« ist ein Online-Video-Archiv, das beständig erweitert wird. Ausgewählte Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und Kunst werden gebeten, über ihr Leben und Wirken zu berichten. Bereits teilgenommen haben Bazon Brock, Daniel Cohn-Bendit, Frigga Haug, Hilmar Hoffmann, Oskar Negt, Burghart Schmidt und Christina Thürmer-Rohr. Ralph Fischer stellt das Projekt vor. mehr

NATUR UND POESIE

Ein dauerhaft goldener Schein

Brigitte Kronauer hat sich gerne in die Natur begeben und deren Wirkung mit ihrer Kunst verewigt. Nun sind zum 75. Geburtstag der Schriftstellerin ihre Essaybände »Poesie und Natur/Natur und Poesie« erschienen. Otto A. Böhmer nimmt sie zum Anlass für einen Streifzug durch philosophische Naturbetrachtungen. mehr

Wiederentdeckung: Henry James

Von Künstlern und Verzweifelten

Das Lavieren zwischen der amerikanischen Moderne und der europäischen Tradition war das prototypische Thema des Schriftstellers Henry James. Zwei gelungene Neuübersetzungen wollen nun die Wiederentdeckung des Erzählgroßmeisters anstoßen, berichtet Stefana Sabin. mehr

Gespräch mit Roland Kaehlbrandt

10 Jahre Engagement für die Stadtgesellschaft

Vor 10 Jahren entstand in Frankfurt die Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Sie möchte bürgerliches Engagement und Verantwortung ermöglichen und fördern. Das gemeinnützige Interesse der Stiftung richtet sich vor allem auf Frankfurt am Main. Petra Kammann führte anlässlich des 10-jährigen Stiftungsjubiläums ein Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden Roland Kaehlbrandt. mehr

Helmut Lachenmann und das Ensemble Modern

Eine nicht vermessene Welt

Man hat den Komponisten Helmut Lachenmann einst den großen Verweigerer genannt, nur weil er dem Publikum das Konventionelle vorenthielt. Getäuscht sah sich allerdings derjenige, der deshalb in dieser Musik bitterste klangliche Armut erwartete. Das Gegenteil ist heute noch zu hören, da das Ensemble Modern zum 80. Geburtstag Lachenmanns einige seiner Werke auf CD neu herausbrachte. Hans-Klaus Jungheinrich hat sich damit beschäftigt. mehr

Das Gewicht unserer Geschichte, Teil II

Der Geist heute

Jean-Luc Nancy nimmt im zweiten Teil seiner Ausführungen zum »Gewicht unserer Geschichte« Marx‘ Rede vom »Geist geistloser Zustände« zum Anlass, um erneut nach dem Sinn des Wortes Geist zu fragen. Seine Überlegungen zeigen, dass Geist dort aufhört, Geist zu sein, wo dessen Sinn fixiert wird, so dass die Grundlage für Dogmen und Gesetze, ob religiöse oder politische, entstehen kann. Daher gelte es, den pluralen Sinn des Geistes zuzulassen. mehr

Gespräch mit Jan Kuhlbrodt

Verkappte Anarchisten

Jan Kuhlbrodt ist Philosoph und Poet. Er kam einst aus Chemnitz, studierte in Leipzig und in Frankfurt am Main. Er lebt in Leipzig, lehrte dort am Deutschen Literaturinstitut und schreibt gern über die Grenzen hinweg. Im Gespräch mit Bernd Leukert erklärt er, worum es ihm dabei geht. mehr

Essay zur Blindheit, Teil 2

Das Auge verschlingt sich selbst

Ein Aug, in Streifen geschnitten, / wird all dem gerecht – so lauten die letzten Verse aus Paul Celans Gedicht »Weißgrau«, die Ingo Ebener nicht nur zu verstehen versucht. Sie dienen ihm auch als Ausgangspunkt einer zweiteiligen, kurzen Geschichte der Blindheit. Teil II führt von Husserl zu Leibniz und Jean-Luc Nancy. mehr

Essay: Der Zuspruch der Erinnerung

Spiel auf Zeit

Rüdiger Safranski hat ein Buch geschrieben, das den Titel »Zeit« trägt. Otto A. Böhmer hat daraus den Aspekt der Erinnerung gefischt, die er in einem weiten Bogen philosophischer und literarischer Zeugnisse auffächert. Er weist uns damit nicht nur auf die Fragilität unserer Gedächtnisleistungen, sondern auch auf die letzten Dinge hin. mehr

Solitude Atlas

Kein Zentrum, keine Peripherie

Im 25. Jahr ihres Bestehens präsentiert die Akademie Schloss Solitude ihre Sicht auf die Welt mit einem großen Atlas. Der Band versammelt Schilderungen aus etwa hundert Städten und Orten der Welt, verfasst von rund zweihundert ehemaligen Stipendiaten der Akademie aus annähernd fünfzig Ländern aller Kontinente, berichtet Volker Breidecker. mehr

Kulturelles Selbstverständnis: Brüche und Chancen

Ist hier der Westen?

Wenn wir angesichts der Flüchtlingsströme um den Bestand unseres kulturellen Selbstverständisses fürchten, löst sich dieses Selbstverständnis gerne in Luft auf, falls wir erklären, was wir darunter verstehen. Wörter wie Moral, Recht, Patriotismus, Religion, Globalisierung, Nationalismus und Regionalismus, die Fremden, Furcht und Liberalismus werden zu oft unter der Flamme der Vorurteile zusammengekocht. Der österreichische Philosoph Peter Strasser hat sie ihrer Bedeutung nach sortiert und in einen klärenden Zusammenhang gebracht. mehr

Der Künstler Brian Eno in Frankfurt

Dark Room mit Entschleunigung

Mit einem groß angelegten Programm fand in Frankfurt vom 7. bis 11. Oktober 2015 die B3 Biennale des bewegten Bildes zum zweiten Mal statt. Zu dem diesjährigen Leitthema »Expanded Senses« passte wunderbar der Ehrengast Brian Eno, dessen Auftritte Isa Bickmann beobachtet hat. Seine Ausstellung »My Life in Light« ist noch bis zum 3. Januar 2016 im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt zu sehen. mehr

70 Jahre UN-Gründung

Europas Flucht vor der Flüchtlingskrise

70 Jahre Vereinte Nationen in einer Welt, die an ihren Widersprüchen und dem Gefälle zwischen Arm und Reich fast zerbricht. Die Europäische Union ist bei der Flüchtlingsfrage uneins wie nie. Michele Sciurba geht der Frage nach, ob nach mehr als 20 Jahren EU der europäische Gedanke einer sozialen und gerechten Solidargemeinschaft am Ende ist. mehr

Friederike Mayröckers Prosa

Madonna und das Lämmchen

Die Grande Dame der österreichischen Poesie, Friederike Mayröcker, hat nach den »Études« den zweiten Band ihrer Prosa-Texturen vorgelegt, »Cahier«. In ihm führt die Autorin ihre eigenwillige und einzigartige Schreibweise fort. Bernd Leukert hat sich eingelesen. mehr

Erich Mühsams Tagebücher in der Festungshaft

»Und jetzt will ich an Zenzl schreiben«

Der Schriftsteller und Anarchist Erich Mühsam (1878-1934) war maßgeblich an der Ausrufung der Münchner Räterepublik im Jahr 1919 mitbeteiligt. Nach deren Niederschlagung kam Mühsam in Festungshaft. Im Verbrecher Verlag ist nun ein weiterer Band seiner Tagebücher erschienen, in dem Mühsam sein Leben in Haft festhält. Harry Oberländer hat das Buch gelesen. mehr

Rund um die ganze Musik und Georg Kreisler

Frido Mann trifft einen virtuosen Gratwanderer

Frido Mann, der Lieblingsenkel von Thomas Mann, studierter Musiker, katholischer Theologe und Psychologe, hat ein Buch geschrieben, das »An die Musik« heißt. Hans-Klaus Jungheinrich erzählt, was er darin gelesen hat. Darüberhinaus hat er eine CD-Neuerscheinung entdeckt, auf der erstaunlicherweise klassische Kompositionen von Georg Kreisler zu hören sind. mehr

Friedenspreis an Navid Kermani

Gläubiges Staunen

Mit Karl Kardinal Lehmann war er schon einmal so über Kreuz, dass ihm vorübergehend der Hessische Kulturpreis aberkannt wurde. Diesmal aber hat der in Siegen geborene Schriftsteller, Publizist und Orientalist Navid Kermani ohne Probleme den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels empfangen können. Petra Kammann war zugegen und stimmt in den Lobgesang ein. mehr

Zum 100. Geburtstag von Arthur Miller

Ein idealistischer Moralist

Arthur Miller hat ein Werk geschaffen, das das amerikanische Drama und das Theater geprägt hat. In seinen Stücken geht es immer um eine freie, mündige Entscheidung, um kollektive und um individuelle Moral. Stefana Sabin würdigt den Dramatiker, der vor hundert Jahren geboren wurde. mehr

Roman über den deutschen Spion Fritz Kolbe

Eine unbeugsame Seele

Per Zufall stieß der Hamburger Schriftsteller Andreas Kollender auf die Geschichte des Spions Fritz Kolbe, begann zu recherchieren und schrieb darüber einen Roman. Kollenders »Kolbe« zeigt, wie ein deutscher David todesmutig gegen den übermächtigen Goliath namens Naziregime agiert. Peter Henning empfiehlt das Buch. mehr

Zur Frühgeschichte der »Süddeutschen Zeitung«

Trübe Anfänge des liberalen Flaggschiffs

Knud von Harbou hat ein Buch über die Frühgeschichte der »Süddeutschen Zeitung« vorgelegt. Am Beispiel der SZ beschreibt Harbou, wie rasch sich im Pressewesen nach 1945 Mitläufer und Vorbelastete wieder breitmachten. Das Buch ist ein aufschlussreiches Stück deutscher Nachkriegs- und Pressegeschichte, meint Claudia Kühner. mehr

Steve Sem-Sandbergs Roman »Die Erwählten«

Die Literatur gibt den Opfern eine Stimme zurück

Steve Sem-Sandberg hat mit »Die Erwählten« einen Roman über die Verbrechen am Wiener Kinderkrankenhaus »Am Spiegelgrund« während der Nazizeit vorgelegt. Sem-Sandberg präsentiert die Geschichte als einfachen Bericht, lässt den Leser vor Wut beben, treibt ihm die Tränen in die Augen. »Die Erwählten« ist ein großer Roman, meint Martin Lüdke. mehr

Nigel Barley Indonesien-Romane

Abendmahl und Pin-Up Girls

Der britische Ethnologe Nigel Barley erzählt in seinen Büchern von Indonesien. Es sind zum einen seine Erfahrungen bei den Toraja, die Barley erzählerisch ausgestaltet und mit Dialogen bestückt. In »Bali. Das letzte Paradies« demonstriert Barley das Wechselspiel zwischen europäischer und balinesischer Kultur, berichtet Ruthard Stäblein. mehr

»Körper-Ich« und »Roots«

Gandalf im Goldfischglas

Der Frankfurter Kunstverein zeigt mit »Körper-Ich« und »Roots« zwei Ausstellungen, die sowohl die technologische Sinneserweiterung als auch die Notwendigkeit thematisieren, die eigene Wahrnehmung und Handlungsfähigkeit ohne Prothesen auszunutzen. Die Ausstellungen erweisen sich als perfektes Team, meint Ellen Wagner. mehr

Gespräch mit Emma Bonino

Europa im Stillstand

Emma Bonino ist eine Radikale im öffentlichen Dienst. Und das Schönste daran ist, dass sie dabei auf Rechtsstaatlichkeit pocht, die sich auf Toleranz, Respekt für die Rechte des Individuums und Rechtsgarantien gründet. Im Gespräch mit Giovanna Casadio macht sie deutlich, dass das kein Widerspruch ist und was Institutionen für Europa bedeuten. mehr

Zu Besuch bei Eldad Beck

»Hier zu leben, ist wirklich nicht einfach«

»Israel ist an allem schuld« lautet der provokante Titel einer Streitschrift der Journalisten Georg M. Hafner und Esther Schapira. Sie wollen aufzeigen, warum dieser Staat in Teilen der deutschen Öffentlichkeit so leidenschaftlich gehasst wird und was das mit Antisemitismus zu tun hat. Faust-Kultur veröffentlicht daraus das Porträt von Eldad Beck, dem in Berlin lebenden Deutschlandkorrespondenten der israelischen Tageszeitung »Yedioth Ahronoth«. mehr

Theater

Michael Eberths theatrale Wiedervereinigung

1990 beruft Thomas Langhoff den westdeutschen Dramaturgen Michael Eberth an das ehemalige Staatstheater der DDR. Eberth, getragen vom Erneuerungselan bundesrepublikanischer Bühnenkunst, stößt dort auf ein betagtes Konzept neuen Theaters und bestenfalls auf eine Mauer subversiven Gehorsams. In seinen Tagebüchern schreibt er alles auf. Und das könnte Ärger geben, meint Karlheinz Braun. mehr

Robert-Gernhardt-Preis 2015

Rest der Geretteten

Gila Lustiger ist auf Dokumente gestoßen, die ihr Vater Arno Lustiger einst im Displaced Persons-Camp Zeilsheim für die amerikanische Lagerbehörde ausfüllen musste. Die Rätsel, die sich für sie daraus ergeben, beschreibt sie in einem Buch, dessen Fertigstellung mit dem Robert-Gernhardt-Preis 2015 gefördert wird. In ihrer Dankesrede beschreibt die Autorin, worum es darin geht. mehr

Einige Überlegungen zur Konzeptkunst von Francis Alÿs

Vom Gebrauch des Gehens als Waffe

Das Werk des belgischen Fotografen, Malers, Aktions- und Videokünstlers Francis Alÿs lebt von der künstlerischen Praxis des Gehens, das Politik und Poesie miteinander verknüpft. Bei seinen Spaziergängen, den so genannten »paseos«, greift Alÿs vor allem die Interventionsunfähigkeit der Menschen auf und setzt dabei nicht selten sein Leben aufs Spiel. Alexandru Bulucz stellt den Künstler vor. mehr

Würdigung der italienischen Politikerin

La Bonino

Daniel Cohn-Bendit stellt anlässlich der Veröffentlichung des Buches »Freiheit verpflichtet« die Autorin, Politikerin und Aktivistin Emma Bonino vor. Bonino, die unerschütterlich für demokratische Verhältnisse kämpft, war für ein knappes Jahr, nämlich im Kabinett Letta, Italiens Außenministerin. mehr

Literaturfestival Sprachsalz

Peter Bichsels verheimlichte Wahrheit

Bereits zum 13. Mal fand in Hall in Tirol das Literaturfestival »Sprachsalz« statt. Zu den Höhepunkten zählten der Auftritt von Peter Bichsel sowie ein Gespräch zwischen Bichsel, Georg Stefan Troller und Walter Pilar. Als Überraschungsgast fand Michail Schischkin den Weg nach Hall, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Ulrich Beck über Zygmunt Bauman

Wer überlebt – gewinnt

Der Soziologie hat Zygmunt Bauman einen Weg aus der gegenwartsfixierten Generalisierung gewiesen mit der Transformationstheorie »Liquid Modernity«. Der zu Jahresbeginn 2015 gestorbene Soziologe und Philosoph Ulrich Beck fächert in seiner brillanten Laudatio Hintergrund und Kontext von Baumans Theorie auf. mehr

Goethe-Medaille 2015 an Sadik Al-Azm

Der Islam ist grundsätzlich in der Lage, sich anzupassen

Der Härte, mit der der syrische Diktator Baschar Al Assad die zivile Bürgerbewegung in seinem eigenen Land niederschlägt, ist bisher ungebremst. Wie konnte die Lage in Syrien so eskalieren? Der syrische Philosoph Sadik J. Al-Azm hat die Hintergründe dieser Entwicklung analysiert und schon früh die Haltung der westlichen Politik kritisiert. Für sein Engagement erhielt Sadik Al-Azm am 28. August in Weimar die Goethe-Medaille 2015. mehr

Essay zu Europa

Ein unvollendetes Abenteuer

Folgt man dem polnisch-britischen Soziologen und Philosophen Zygmunt Bauman, dann gibt sich die Europäische Union als ein zänkischer Verein eigennütziger Staaten, weil darin die europäische oder gar globale Idee mit dem nationalen oder gar lokalen Denken kollidiert. Warum das so ist, beschreibt er in seinem Essay »Ein unvollendetes Abenteuer«. mehr

Ein Gespräch mit der Lyrikerin Anneke Brassinga

Ich gehe gern fort

Der Tod des Vergil brachte sie zum Dichten. Die niederländische Übersetzerin und Poetin Anneke Brassinga erzählt im Gespräch mit Bernd Leukert von der Literaturszene Amsterdams, von Liebe, Tod und der Kunst des lyrischen Schreibens. mehr

Einzelbilder des amerikanischen Traums

Wim Wenders über Edward Hopper

Wim Wenders liebt das Zwielicht. In der Stunde zwischen Nacht und Tag entdeckt er Stimmungen, die zu seinem unbeirrbar eigenen, ästhetischen Stil beigetragen haben. Wie offen der renommierte Regisseur Künstler anderer Sparten und Epochen wahrnimmt, zeigt der Sammelband »Die Pixel des Paul Cézanne« und die daraus entnommene Hommage an Edward Hopper. mehr

Doug Aitken in Frankfurt

Nur Augen für Dich …

Die Schirn Kunsthalle stellt ihre gesamten Räume dem amerikanischen Filmkünstler Doug Aitken zur Verfügung. Isa Bickmann hat die Frankfurter Ausstellung besucht und sie mit einem Ohrwurm verlassen. mehr

Georg Stefan Troller im Gespräch mit Harry Oberländer

Emigrant auf Lebenszeit

Georg Stefan Troller hat uns Deutschen seit 1962 mit seinem Pariser Journal Leben, Selbstverständnis und Kultur der Hauptstadt-Franzosen auf den Bildschirm gebracht, von 1971 an mit seiner sonoren Stimme 70 ungewöhnliche Interviews unter dem Serientitel Personenbeschreibung geführt. Mit dem Regisseur, Dokumentarfilmer und Schriftsteller sprach Harry Oberländer. mehr

Zum 125. Todestag von Vincent van Gogh

Der jähe Abbruch auf dem Höhepunkt seines Schaffens

Vor 125 Jahren starb der Künstler Vincent van Gogh in einer armseligen Kammer des Gasthauses der Familie Ravoux in Auvers-sur-Oise. In seinem Essay erinnert J. R. Bechtle an die rätselhaften Todesumstände und die von einem Schaffensrausch geprägten letzten Lebensjahre van Goghs. mehr

Amos Oz im Gespräch mit Max Czollek

Dieses Buch ist wie ein Kammermusikstück

Der israelische Schriftsteller Amos Oz und die Übersetzerin Mirjam Pressler sind die Preisträger des Internationalen Literaturpreises – Haus der Kulturen der Welt 2015. Aus diesem Anlass sprach Max Czollek mit Amos Oz über seinen neuen Roman »Judas«, dessen historische und literarische Referenzen sowie über den Stellenwert von Übersetzungen. mehr

James Ensor, ein Leben in Ostende

Der Maler, das Meer, die Masken

Der Maler der Masken, James Sidney Ensor, der 1860 in Ostende zur Welt kam und dort nicht nur 1949 starb, sondern sein langes Leben hauptsächlich in dem westflandrischen Seebad verbrachte, war eine streitbare Persönlichkeit. Johannes Winter hat die Spuren des belgischen Künstlers in dessen Heimatstadt aufgesucht. mehr

Gesellschaft

Zur Lage der Menschenrechte in Usbekistan

Das Massaker von Andischan jährte sich am 13. Mai 2015 zum zehnten Mal. Trotzdem scheint die bewaffnete Niederschlagung eines friedlichen Aufstands im Südosten Usbekistans in Deutschland immer noch unbekannt zu sein. Michele Sciurba nimmt sich diesen Umstand zum Anlass, darauf aufmerksam zu machen, dass sich die Menschenrechtslage in Usbekistan in den letzten zehn Jahren nicht verbessert hat. mehr

Die Malerin Lotte Laserstein

Lottes lange Rückkehr

In der Weimarer Republik war sie eine gefeierte Malerin. 1937 musste Lotte Laserstein (1898-1993) nach Schweden fliehen. Nach langer Zeit in Vergessenheit wird Laserstein nun in Deutschland wiederentdeckt. Eugen El erzählt von seiner persönlichen Begegnung mit dem Werk der Malerin. mehr

WELTKULTUREN: Gespräch mit Mareile Flitsch, Zürich

Wissen über Feuer

Das Völkerkundemuseum der Universität Zürich ist eine Besonderheit. Es liegt, ganz romantisch, im alten botanischen Garten mitten in der Stadt. Dort können zum einen die Bürger kostenlos hervorragend kuratierte Ausstellungen besichtigen. Zudem ist das Museum auch ein Ort des Lernens und Lehrens. Die Direktorin Mareile Flitsch macht das wunschlos glücklich, wie sie im Gespräch mit Clair Lüdenbach gesteht. mehr

Essay

Eine tragische Liebesgeschichte

Seit der Aufklärung haben sich viele jüdische Intellektuelle zu Martin Luther und zur Bedeutung der Reformation für die Moderne zu Wort gemeldet. Angesichts des Abgleitens maßgeblicher protestantischer Theologen in antisemitische Denkweisen seit 1933 kann man von einer großen Tragik der jüdischen Liebesgeschichte mit Luther sprechen, meint Christian Wiese. mehr

Gespräch mit Ronja von Rönne

»wie ein Zementsack direkt unter der Bauchdecke«

Ihr in der WELT veröffentlichter Text „Warum mich der Feminismus anekelt“ löste eine kontroverse Debatte aus. Nun wurde Ronja von Rönne zum Bachmannpreis-Wettbewerb nach Klagenfurt geladen. Alexandru Bulucz sprach mit der jungen Autorin über Ich-Journalismus, Unterprivilegierung und den perfekten Shitstorm. mehr

Erforscher der NS-Zeit

Ernst Klee: seine Bücher, sein Erbe

Ernst Klee war Investigativjournalist und Schriftsteller. In seinen Zeitungsartikeln, Filmen und Büchern befasste er sich mit Behinderten und psychisch Kranken, dann schrieb er über die Euthanasie und die Medizin im Dritten Reich. Ohne seine Arbeit wären viele NS-Verbrechen verborgen geblieben. Walter H. Pehle, sein Freund und Lektor beim S. Fischer Verlag, erinnert an den außergewöhnlichen Aufklärer. mehr

ITALIEN FEIERT DANTES 750. GEBURTSTAG

Dante Superstar

Das genaue Geburtsdatum ist nach wie vor ein spekulatives Datum: Mai oder Juni 1265. Seit Mai feiert Italien den 750. Geburtstag des Nationaldichters Dante Alighieri – und findet dabei zu einer neuen Hoffnung jenseits von Politikverdrossenheit, Wirtschaftskrise und Flüchlingskatastrophe. Stefana Sabin erklärt, warum Dante immer noch aktuell und populär ist. mehr

Über Kunstmigration in Deutschland

Fremde Zeitgenossenschaften

Die Begegnung zwischen Kulturen in einer Einwanderungsgesellschaft der Gegenwart führt oft zu gegenseitiger Distanz und Befremden. Auch Künstler bekommen das zu spüren. Ljudmila Belkin zeigt die für Deutschland spezifischen Schwierigkeiten und Differenzen am Beispiel postsowjetischer Kunstmigranten. mehr

Zur Aufarbeitung des NSU-Skandals in Hessen

Die »Kasseler Problematik«

Der Beamte des Hessischen Verfassungsschutzes Andreas Temme war anwesend, als der »Nationalsozialistische Untergrund/NSU« den 21-jährigen Halit Yozgat in dessen Internet-Café in Kassel erschoss, im April 2006. Im zweiten Teil seines Beitrags berichtet Johannes Winter über die Aufarbeitung des Falls durch den NSU-Untersuchungsausschuss im Hessischen Landtag. mehr

Günter-Eich-Preis an Ror Wolf

Ein Augenblick des Entzückens

Ror Wolf ist für seine Hörcollagen zum Fußball bekannt; für seine kunstvollen Gedichte, Prosatexte und Bildcollagen aber sollte er vom poetischen Himmel einen Stern bekommen. Nun hat er für sein literarisches Schaffen den Günter-Eich-Preis 2015 bekommen. Wir gratulieren mit einer Hommage von Jürgen Roth. mehr

Wem gehört das Werk der großen Choreographin?

Das Tanzerbe von Pina Bausch

Der Tanz ist eine der flüchtigen Künste, und dann ganz besonders gefährdet, wenn seine Schöpfer nicht mehr da sind. Seit langem diskutieren Tanzwissenschaftler, Tanzkünstler und Tanzinteressierte darüber, wie man mit dem Tanzerbe umgeht. Es gibt nicht die eine Methode, zeigt Regina Heidecke am Beispiel des Falls Pina Bausch. mehr

Interview mit dem Autor Rana Dasgupta

Das Kapital der Capitale

Die Liebe brachte den Autor in die Stadt seiner Vorväter. Nun braucht er ein großes Herz, um Delhi – die Stadt der Abzocker und Ausbeuter zu lieben. Mit poetischer Feder und profundem Wissen zeichnet Rana Dasgupta das Bild einer zutiefst traumatisierten Stadt. Im Gespräch mit Clair Lüdenbach erklärt er die dort herrschende Geldgier. mehr

Biennale in Venedig

Video und Installation

Vermutlich müssen wir die Idee, dass in großdimensionierten Kunstausstellungen wie der Biennale Venedig immer die qualitative Auslese zu sehen ist, aufgeben. Thomas Rothschild hat das Bemerkenswerte dort ausgemacht, aber auch deutlich vermerkt, was nicht dazu gehört. mehr

Eine Annäherung an Wittgensteins »Lecture on Ethics«

Das Schweigen brechen

Ausgehend von Hans Blumenbergs Bemerkung, dass wohl keiner der Ratschläge eines Philosophen weniger befolgt worden sei als der letzte Hauptsatz von Ludwig Wittgensteins »Tractatus«, versucht Ingo Ebener in seiner Annäherung, Wittgensteins eigenem Verstoß gegen das Schweigen in der »Lecture on Ethics« bis zu den Grenzen der Sprache zu folgen. mehr

Biennale in Venedig

Wasser, das in der Sonne glitzert

Okwui Enwezor, der Direktor des Münchener Hauses der Kunst und Kurator der gerade begonnenen 56. Biennale in Venedig, hat seinem Konzept offensichtlich die Überforderung zugrunde gelegt, der sich das gegenwärtige Leben in einer globalen Welt konfrontiert sieht. Ellen Wagner erzählt, wie die Künstler darauf reagiert haben. mehr

Badenweiler Musiktage 2015

Keine Bagatellen

Nicht nur Annette Kolb, René Schickele, Oskar Schlemmer und Anton Tschechow, die dort lebten und litten gehören zum Mythos Badenweiler, sondern auch die legendären Römerbad Musiktage, die ihr künstlerischer Leiter Klaus Lauer 1973 gründete. Wie er sie heute gestaltet, berichtet Hans-Klaus Jungheinrich. mehr

Faust-Gespräch mit dem Autor Dany Laferriere

»Das Rätsel der Rückkehr«

Dany Laferrière musste erst 18 Bücher auf Französisch publizieren, bevor ein Werk von ihm ins Deutsche übersetzt wurde. Dann allerdings bekam er gleich den Internationalen Literaturpreis. Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Andrea Pollmeier hat mit dem Autor über seinen Roman »Das Rätsel der Rückkehr«, seine Heimat und seine Exilerfahrungen gesprochen. mehr

Eine Woche Oper in Frankreich

Musikalische Reise mit losem Ende

Die mediale Auswahl, die sich auf Nachrichten über Skandale, Katastrophen, Mord und Totschlag konzentriert, kann das, was kulturelles Wollen hervorbringt, kaum berücksichtigen. Anderes interessiert Hans-Klaus Jungheinrich. Er hat das Opernangebot französischer Städte angenommen. Seine Bestandsaufnahme bietet Pleiten und Überraschungen. mehr

Ausstellung in Bremen

Émile Bernard: Künstler der Widersprüche

Der Franzose Émile Bernard (1868 – 1941) steht als ein Beispiel dafür, wie Avantgardisten den Eintritt in den Kanon der Moderne verpassten, weil sie sich im Verlauf ihres OEuvres dem scheinbar geradlinigen Verlauf der Kunst hin zur Abstraktion verweigerten. Nun zeigt eine Ausstellung ihn auch in Deutschland. Isa Bickmann hat sie besucht. mehr

Junges Literaturforum Hessen-Thüringen 2015

Eine Nagelprobe ist noch kein Beinbruch

Fast ein Drittel Jahrhundert lang hat der Literaturwissenschaftler Martin Lüdke in der Jury des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen gewirkt. In der Preisrede auf die Gewinner des letzten Wettbewerbs erzählt er von seinen Erfahrungen mit den Kollegen und den jungen Autoren, von denen einige heute bereits älter und berühmt sind. mehr

Gespräch mit Adam Jankowski

Jedes gemalte Bild ist ein Fetisch

Der 1948 in Gdansk geborene Maler Adam Jankowski wuchs in Wien auf und studierte in Hamburg, wo er lebt und arbeitet. In Berlin hat Jankowski kürzlich ein neues Atelier eröffnet. Eugen El hat mit Adam Jankowski über die Städte seines Lebens und über gesellschaftlich relevante Malerei im digitalen Zeitalter gesprochen. mehr

Essay

Varoufakis? Erratischer Marxismus oder Non-Marxismus?

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis ist in kürzester Zeit zu einem medialen Phänomen, zum Starökonom aufgestiegen. Seine Sicht auf die politische Ökonomie und auf Marx könnte über diesen Aufstieg Aufschluss geben. Um sie aber zu verstehen, bedarf es einer Rekonstruktion der marxschen Theorie, meint Achim Szepanski in seinem Essay. mehr

Ein Gespräch mit dem Künstler Marc Behrens

Es gibt Götter, die sind im Himmel

1970 in Darmstadt geboren und mit seiner sorgfältig komponierten elektronischen Musik bekannt geworden, bereist Marc Behrens heute die Erdteile. Was er dabei an optischen und akustischen Fundstücken sammelt, bearbeitet und montiert, löst sich vom Ort und gewinnt seinen Eigensinn. mehr

Georg Elser und sein Attentat auf Hitler

Dreizehn Minuten

Georg Elser plante ein Attentat, das Hitler und die Gesamtführung der NSDAP im Münchener Bürgerbräukeller Anfang November 1939 töten sollte. Aber Hitler hatte die Kundgebung dreizehn Minuten früher als erwartet verlassen. Zu Georg Elsers 70. Todestag startet der Film »Elser« des Regisseurs Oliver Hirschbiegel. Für Faust-Kultur erinnert Helmut Ortner an den verkannten Helden. mehr

Gespräch mit Autor Horst Samson

Steppenwolf

Horst Samson, Schriftsteller, Lehrer und Journalist, bekennt, kein Freund von Grautönen zu sein, und plädiert für eine Schule des Ungehorsams. Im Gespräch mit Eric Giebel geht es um den korrupten Literaturbetrieb, um das Schweigen der Rumänen, die »rumdeutsche« Literatur, um Schönheit und Gedichte. mehr

Essay

Über die Lüge

Die Lüge ist ein seltsames Spiel. Wer der Überzeugung ist, dass wir mit jedem Atemzug die Wahrheit leben müssen, kann der Lüge nicht gerecht werden. Der Frankfurter Schriftsteller Pete Smith hat in seinem Essay »Über die Lüge« den Weg vom persönlichen Erleben zum allgemeinen des Lügners und seiner Lüge gefunden. mehr

NSU und Verfassungsschutz

Nichts gesehen, nichts gehört

Die Geschichte des Andreas Temme: der Beamte des Hessischen Verfassungsschutzes war anwesend, als der NSU (Nationalsozialistische Untergrund) den 21-jährigen Halit Yozgat in dessen Internet-Café in Kassel erschoss, im April 2006. Temme war Augen- und Ohrenzeuge. Seitdem tobt ein Kampf um Deutungen, Gewissheiten, Wahrheiten, berichtet Johannes Winter. mehr

Huchel-Preis an Paulus Böhmer

Paulus Böhmers geheimer Pakt mit dem Unbegrenzten

Dem in Frankfurt lebenden Poeten Paulus Böhmer ist der diesjährige Peter-Huchel-Preis zuerkannt worden, der am 2. April in Staufen verliehen wurde. Ria Endres hat sich mit den Besonderheiten der Böhmerschen Dichtung befasst und berichtet in ihrem kurzen Essay von dessen »Universen, wo Schrecken und Schönheit dicht beieinander liegen.« mehr

Peter Strasser im Gespräch mit Alexandru Bulucz

Helligkeit und Trost

Der Widerspruch zwischen den eiskalt gezogenen Konsequenzen einer gerade relevanten Denkfigur und einer sozialen Verantwortung ist der Philosophie immer wieder vorgeworfen worden. Im Gespräch mit Alexandru Bulucz erläutert der österreichische Philosoph Peter Strasser seinen Blick auf die einfachen Dinge des Lebens. mehr

Porträt des jiddischen Dichters Avrom Sutzkever

Die Kette der Vergangenheit

1913 in Weißrussland geboren und in Wilna aufgewachsen, erlebte Abraham (Avrom) Sutzkever die Blütezeit der jüdischen Kultur in Osteuropa, ihre Zerstörung während der Schoah und den Neubeginn jüdischen Lebens in Israel. Daniel Kahn erzählt vom Leben und Werk des großen jiddischen Lyrikers am Beispiel des Gedichts »Vi Azoy«. mehr

Über die Schwierigkeit von Prognosen

Als das Wünschen noch geholfen hat

Schon in der Antike wusste man, dass der Bote für die schlechte Nachricht bestraft wird. Auch heute werden negative Prognosen gebrandmarkt. So auch im Fall des vom Aussterben bedrohten Mediums Zeitung. In seinem Essay erinnert Thomas Rothschild daran, dass es den Journalismus als Beruf nicht immer schon gegeben hat, und dass auch andere Berufe verschwunden sind. mehr

Der Autor Mircea C?rt?rescu im Gespräch

»Der Demiurg zweiter Hand«

»Die Flügel«, der letzte Band von Mircea Cartarescus »Orbitor«-Romantrilogie, ist eine Satire über die rumänische Revolution. Für sein literarisches Werk wird Cartarescu mit dem diesjährigen »Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung« ausgezeichnet. Harry Oberländer und Alexandru Bulucz haben mit dem rumänischen Autor gesprochen. mehr

Mieczys?aw Weinberg und einige verwandte Geister

Ein Flüchtling. Eine Ankunft

Der polnisch-jüdische Komponist Mieczyslaw Weinberg gehört zu den vielen Opfern unserer Vergessenskultur. Erst im Jahre 2010, vierzehn Jahre nach seinem Tod, gerät sein Name in die Öffentlichkeit, weil seine Oper »Die Passagierin« bei den Bregenzer Festspielen aufgeführt wurde. Hans-Klaus Jungheinrich stellt seine Werke und die anderer Musiker vor. mehr

GESPRÄCH MIT der Schriftstellerin KIM THÚY

Poesie zwischen den Schusslinien

Die 1968 in Saigon geborene Kim Thúy verbrachte ihre ersten zehn Lebensjahre in Vietnam, bevor sie 1978 mit ihren Eltern und zwei Brüdern als »boat people« nach Kanada floh. Heute lebt sie als Schriftstellerin französischer Sprache in Montréal. Petra Kammann traf Kim Thúy am Rande der Literaturtage Südostasien 2015 in Frankfurt. mehr

Videocomic

Der Künstler Volker Reiche

Der Comiczeichner und Maler Volker Reiche setzt sich in seiner Kunst mit menschlicher Gewalt und ihrer medialen Verarbeitung auseinander. Im Gespräch mit Sarah Schuster hat der Künstler seine Motive, biographischen Hintergründe und seine Arbeitsweise erläutert. In einer Produktion von Coco Hackel und Ossian Hain ist ein sechsteiliges Video entstanden, das hier zu betrachten ist. mehr

Jean-Luc Nancy ZUR HEIDEGGER-REZEPTION

Tatsachen aus Heften

Der Streit, der um Heideggers »Schwarze Hefte« entbrannt ist, dass es nicht entbehrlich ist, sie zu lesen, bevor man Urteile über sie fällt. Peter Trawny, dem Herausgeber dieser Denktagebücher, wirft der Herausgeber der Heidegger-Gesamtausgabe, Friedrich-Wilhelm von Herrmann, Diffamierung des Existenzphilosophen vor. Der französische Philosoph Jean-Luc Nancy entgegnet Herrmann auf Faust-Kultur. mehr

Der portugiesische Dichter Luís de Camões

Die liebe Seele

Als ihn der schwarze Tod holte, war das Land, für das er als Soldat und Dichter gekämpft hatte, verloren. Das Werk des Luís de Camões, der die Edda der Portugiesen verfasste, ist in der Sammlung »Com que voz? Mit welcher Stimme?« Übersetzern aus vier Jahrhunderten willkommen gewesen. Bernd Leukert hat sie gelesen. mehr

Gespräch mit dem Künstler Helmut Werres

»Hinterzeichnen«

Die zwischen Ratio und Gefühl changierende Kunst des Druckgraphikers, Zeichners und Malers Helmut Werres hat viele Facetten. Sie ist eine Kunst sowohl der Versenkung als auch des genauen Hinschauens und Hinterfragens. Eugen El und Alexandru Bulucz haben Helmut Werres in seinem Atelier besucht. mehr

Faust-Gespräch mit Raoul Peck

Ein eigenes Leben ist möglich

Raoul Peck zählt zu den engagiertesten Regisseuren der zeitgenössischen Filmszene. Als ehemaliger Kulturminister Haitis hatte er die Chance, politische Prozesse nach dem Erdbeben 2010 in Haiti von innen zu verfolgen und in seinen Filmen zu verarbeiten. Sein neuester Film »Meurtre á Pacot« hat gerade auf der Berlinale Europapremiere. Andrea Pollmeier sprach mit Raoul Peck über Defizite und die Zukunft von Entwicklungsprojekten. mehr

Erinnerung an MATTHIAS BELTZ

Gnade für niemand – Freispruch für alle

Bevor Matthias Beltz am 27. März 2002 an einem Herzinfarkt starb, wurde er am 31. Januar 1945 geboren. Dazwischen fand in seinem Leben die lange deutsche Nachkriegsgeschichte statt, in der er zu einem großartigen Kabarettist wurde. Harry Oberländer gratuliert ihm zum 70. Geburtstag. mehr

Alfred Grosser zum 90. Geburtstag

Streitbar und auf dem Qui Vive

Der 1925 in Frankfurt am Main geborene französische Publizist, Soziologe und Politikwissenschaftler Alfred Grosser hat die Geschichte der beiden Länder Deutschland und Frankreich wie kein anderer beobachtet und kommentiert. Petra Kammann stellt den unabhängigen Denker, der am 1. Februar 2015 neunzig Jahre alt wird, vor. mehr

Thema Europa

Vom Nutzen und Nachteil geopolitischen Denkens

Das nicht zu denken, was andernorts Tatsache geworden ist, rächt sich. So ist es auch mit der Geopolitik nach dem Zweiten Weltkrieg, die aus den europäischen Einschätzungen verschwand. Mit den internationalen Krisen der Gegenwart aber ist die Geopolitik in die politische Agenda zurückgekehrt, erklärt Herfried Münkler in seinem Essay. mehr

Donbass-Essay aus »Merkur«, Teil 2

Zur Vielheit in der Ukraine

Für viele Ostukrainer war die Ganzheit des Landes, das ehemals Sowjetunion hieß, selbstverständlicher als die ukrainische Unabhängigkeit, die sie ihrerseits als Separatismus empfanden. Im zweiten Teil ihres Essays beleuchtet Ljudmila Belkin die kontinuierliche Entwicklung sezessionistischer Bestrebungen in der Ostukraine seit 1991. mehr

Gespräch mit dem Dichter Marcus Roloff

Ein gutes Gedicht steht da wie ein Himalaja

Der vierte Gedichtband des in Neubrandenburg geborenen und in Frankfurt lebenden Lyrikers Marcus Roloff erscheint in Kürze. Viktor Fritzenkötter und Sarah Schuster von der Literaturzeitschrift Otium kamen mit Roloff über Dichtung, Netzwerke und seine DDR-Vergangenheit ins Gespräch, um zu erfahren, wie er die Dinge heute sieht. mehr

Essay

Parallelwelten des Kunstbetriebs

Die Kunst steht vor zunehmender Ökonomisierung. Museen sehen sich gezwungen, Markt- und Sponsoreninteressen zu genügen, während das »Kunstbetriebsprekariat« weiter wächst. Am Beispiel des Frankfurter Museums für Moderne Kunst zeigt Isa Bickmann, wie stark wirtschaftliche Interessen Einfluss finden, und stellt zwei neuere Publikationen vor, die die Spaltungsprozesse von verschiedenen Seiten beleuchten. mehr

Robert Neumann: 40. Todestag am 3.1.2015

Der Gute Glaube der Deutschen

Robert Neumann war als Romancier, Parodist und politischer Autor bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts in der Bundesrepublik durchaus präsent. Danach schien die Zeit sein Werk verschluckt zu haben. Bernd Leukert erinnert an den streitbaren Autor. mehr

Der rumänische Lyriker Tudor Arghezi

Rettung vor dem bedrohenden Nichts

Als eine Art Gelegenheitsübersetzung hat der renommierte Übersetzer Hartmut Köhler ein Gedicht von Tudor Arghezi, des rumänischen Nationaldichters, verdeutscht. Das Gedicht und die Köhlersche Übersetzung sind hier nachzulesen. Darüber hinaus stellt Stefana Sabin den hierzulande weitgehend unbekannten Dichter vor. mehr

Gespräch mit dem Dichter Wulf Kirsten

Ich bin so einer

Wer Wulf Kirstens Gedichte liest und vielleicht die große Anthologie »Beständig ist das leicht Verletzliche«, die er herausgegeben hat, bekommt eine Vorstellung davon, was für Maßstäbe damit gesetzt wurden. Im Gespräch mit Harry Oberländer und Bernd Leukert erzählt Kirsten vom Leben mit Gedichten. mehr

Der Komponist Rolf Riehm

Musik als Szene

Der in Frankfurt am Main lebende Komponist Rolf Riehm fällt aus der Rolle, die den politisch wachen Künstlern auferlegt scheint. Er arbeitet ohne System und montiert die unterschiedlichsten Elemente zu einem Kunstwerk aus handelnden Klängen. Bernd Leukert beschreibt seine Arbeitsweise. mehr

Essay zur sozialen Dimension der Europäischen Verträge

»Europa ist keine Sozialunion?« – Da irrt die Kanzlerin

Im 4. Teil seiner Analyse der Europäischen Verträge fordert Friedhelm Hengsbach von EU-Politikern mehr als marktgemäße Schadensbegrenzung. Es gelte stattdessen eine Finanzarchitektur zu entwickeln, die sich in den Dienst realer Beschäftigung und regionaler Konvergenz stelle. Fraglich sei auch, ob ein Staat zur Finanzierung öffentlicher Güter auf Kredite von privaten Banken angewiesen sein soll. mehr

Zum 200. Todestag des Marquis de Sade

Die Pflicht, ein Verbrecher zu sein

Simone de Beauvoir hat in den fünfziger Jahren einen Essay über den Marquis de Sade veröffentlicht, der es in sich hat. Denn der Adlige ist bei ihr nicht göttlich und nicht satanisch, sondern ein starker Moralist. Bernd Leukert hat den Text wiedergelesen und kann ihn weiterempfehlen. mehr

Martin Bubers chassidische Märchen

Die Pflicht des Epischen

Er ist zum Klassiker geworden: Martin Buber, der philosophische Schriftsteller und Märchensammler. Buber hat die Märchen des osteuropäischen Judentums gesammelt, literarisch aufgearbeitet und sie somit zum inhärenten Teil europäischer Volksliteratur gemacht. Anlässlich der Neuausgabe bei Manesse stellt Stefana Sabin die Erzählungen der Chassidim vor. mehr

Erinnerungskultur: 1. Weltkrieg

1914/2014 – Überlegungen zum Gedenkjahr

Der 1. Weltkrieg galt bis vor kurzem als ein Ereignis, das nur noch für Historiker von Belang ist. Doch erleben wir derzeit eine zeitliche Schwelle, an der die Erinnerungen an den »Großen Krieg« wiederentdeckt, neu verhandelt und umgewandelt werden für die Zukunft. In ihrem Essay untersucht Aleida Assmann, inwiefern das Gedenkjahr 2014 zur Herausbildung eines europäischen Gedächtnisses beitragen könnte. mehr

Andreas Hapkemeyer im Gespräch mit Nanni Balestrini

Mentale Emotionen

Nanni Balestrini gehört zu den großen Meistern der italienischen Gegenwartskunst. Gerade wird er im Museion Bozen mit einer kleinen, feinen Ausstellung gewürdigt. Mit Andreas Hapkemeyer hat Balestrini über Literatur und bildende Kunst und ihre Bedeutung gesprochen. mehr

Erinnerung an Peter Kurzeck

»Hätten wir nur das Heute, wir wären der Rede nicht wert«

Peter Kurzeck war zu Lebzeiten ein Solitär. Harry Oberländer hat den Schriftsteller, der seine unaufhörlichen, mäandernde Erinnerungen schreibend zu bändigen versuchte, anlässlich seines ersten Todestages porträtiert. mehr

Essay: Respublica litteraria

Partei mit einem Programm der Parteilosigkeit

Der Gebrauch des Begriffs Gelehrtenrepublik, der in seiner lateinischen Version aus dem italienischen Renaissancehumanismus hervorging und sich später zu einer Staatsmetapher für die Kommunikation in der Gelehrtenkultur entwickelte, begegnet uns heute zwar immer häufiger, er unterliegt dabei aber vielen Missverständnissen. Zu deren Kritik hat sich Herbert Jaumann eine Begriffsrekonstruktion vorgenommen. mehr

ESSAY

Literatur und Krieg

Erich Auerbach, 1892 in Berlin geboren, floh 1935 vor den Nazis nach Istanbul, wo er europäische Philologie lehrte. Dort hielt er Vorträge zu europäischen Klassikern und zum Reflex des Zeitgeistes in der Literatur. Nun wurden diese ins Deutsche zurückübersetzt und ediert. Faust-Kultur veröffentlicht den Aufsatz »Literatur und Krieg« von 1941 in leicht gekürzter Fassung. mehr

Zu den Fotos von Stefan Moses

Das Ende von etwas

Stefan Moses, Jahrgang 1928, begann als Theaterfotograf und arbeitete dann für die Illustrierte Stern. Bekannt geworden ist er mit seinen ungewöhnlichen Porträts von Menschen aus der arbeitenden Bevölkerung. Peter Iden schreibt über Moses' Werk, das gerade in Duisburg gezeigt wird. mehr

Erinnerungen zu Leonard Cohens 80. Geburtstag

Nächte mit Leonard

Am 21. September 2014 ist der Singer-Songwriter Leonard Cohen 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass erinnert sich der Schriftsteller Gert Heidenreich an die langen Nächte des bewegten Jahres 1968, durch die Cohen ihn mit seiner Musik und seinen Versen begleitete. mehr

Dichterporträt

Georg Trakl – Lebensversager und Wortträumer

Als Georg Trakl 1914 an einer Überdosis Kokain starb, war er 27 Jahre alt. Angst, Verzweiflung und Drogensucht bestimmten das Leben des Mannes, der einige der großen Gedichte des Expressionismus geschrieben hat. Ria Endres hat den österreichischen Poeten anlässlich seines 100. Todestags am 3. November 2014 porträtiert. mehr

Auf der Panamericana durch Kolumbien

Coca und Terror, Uniformen und Bananen

Die Panamericana ist zum langen Sehnsuchtsort unterschiedlichster Abenteurer geworden, auch zum Mythos eines Völker und Kontinente vereinigenden Verkehrswegs. Johannes Winter hat einen Streckenabschnitt innerhalb Kolumbiens befahren, der nicht überall befriedet ist. mehr

Gespräch mit Büchner-Preisträger Jürgen Becker

Ich bin kein Geschichtenerfinder

Den Büchnerpreis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung bekommt in diesem Jahr der Lyriker und Prosaautor Jürgen Becker. Er hat jahrzehntelang mit seinem unprätentiösen Stil Schriftsteller und Leser beeinflusst. Wie es dazu kam und warum Imagination für das Schreiben unerlässlich ist, beantwortet er im Gespräch mit Harry Oberländer und Bernd Leukert. mehr

Porträt des brasilianischen Autors Paulo Scott

Beunruhigend sollte alle Literatur sein

Indianer, die ursprünglichsten Bewohner Brasiliens, haben in der Literatur ihres Landes bisher keine Stimme gehabt. »Unwirkliche Bewohner« von Paulo Scott ist der erste Roman, der eine indigene Person in der brasilianischen Literatur Subjekt sein lässt. Michael Kegler hat sich mit der Entstehungsgeschichte des Buchs befasst. mehr

Künstlerporträt

Tanz auf dem Papier

Die Frankfurter Künstlerin Christine Brunella-Birkert arbeitet ausschließlich auf Papier. Sie hat ihren Weg zur Kunst über einen Umweg beschritten, der aber im Hinblick auf ihr heutiges Werk höchst konsequent und geradlinig erscheint, meint Isa Bickmann. mehr

Gespräch mit Jean-Luc Nancy

Philosophie der Mit-ologie

Ob der französische Philosoph Jean-Luc Nancy das tagespolitische Geschehen oder Themen anderer großer Philosophen aufgreift, er lässt stets an seinem Denken, das mehr ein Spurensuchen ist, teilhaben. Im folgenden Auszug aus dem Gespräch, das Redakteure der Zeitschrift Otium mit ihm führten, erweist sich Nancy einmal mehr als ein Denker, der sich verstärkt auch im Politischen lokalisiert. mehr

brotlos, brustlos

brotlos bin ich /brustlos nicht
leg dich zu mir/das macht sinn
wir beide/so bemerkenswert
& rumgekommen/steuern gemeinsam
auf die altersarmut hin.

kein twitter/ kein facebook/
handies bleiben bitte ausgeschaltet.

Julia Mantel

Ein Atelierbesuch bei Jürgen Krause

Rhythmus und Struktur

Der Künstler Jürgen Krause arbeitet täglich parallel an fünf Werkgruppen. Mit seiner klar strukturierten Arbeit legt er Prozesse hinter Zeichnung, Malerei und Bildhauerei frei. Eugen El hat Krause in dessen Frankfurter Atelier besucht. mehr

Lena Gorelik im Faust-Gespräch

Die Menschen, nicht der Staat

In ihren Büchern thematisiert die 1981 in Leningrad geborene, in München lebende Schriftstellerin Lena Gorelik den Alltag der Migration, jüdische Identität und das Fortleben sowjetischer Geschichte. Im Faust-Gespräch mit Eugen El erzählt Gorelik von den Fallstricken des Schreibens und von ihren Erinnerungen an Russland. mehr

Eva Demski im Gespräch mit Harry Oberländer

Ich habe keine Angst gehabt

Die Frankfurter Schriftstellerin Eva Demski, deren dritter Roman »Scheintod« jetzt wiederveröffentlicht wurde, erzählt im Gespräch mit Harry Oberländer von ihrem Vater, von Marcel Reich-Ranicki und davon, dass sie das ganze Idealismusgetue gründlich satt hat. mehr

Cioran reloaded

Entschleunigung und Transparenz

Der erste Teil von Alexandru Bulucz' Beitrag zum Problem der Entschleunigung im Werk E. M. Ciorans ist eine Auseinandersetzung mit der Eigentümlichkeit seiner Aphorismen und der Kritik an seine philosophischen Mitstreiter. mehr

Nino Haratischwili im Faust-Gespräch

Den Fluch brechen

Nino Haratischwili blickt aus georgischer Sicht auf hundert Jahre Zeitgeschichte. Ihr opulenter Roman Das achte Leben ist vor dem Hintergrund der Konflikte in der Ukraine hochaktuell und zudem ein bedeutsames Werk der Gegenwartsliteratur. Dass es auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis fehlt, ist unverzeihlich. Andrea Pollmeier führt ein Gespräch mit der Autorin. mehr

Medientheorie

Das Museum im Zeitalter der Globalisierung

Weil im digitalen Zeitalter die Museen so museal wirken, fordert Peter Weibel, Direktor des Zentrums für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, das performative und perforierte Museum der globalisierten Gegenwart. mehr

Reportage

Bei den »Corinthern« am Walchensee

Es schien der perfekte Rückzugsort. Am Ufer des Walchensees im oberbayerischen Urfeld kaufte sich der Maler Lovis Corinth 1919 ein Haus und fand dort zu seinem Altersstil. Das entdeckte Johannes Winter auf seinen Wanderungen durch Bildmotive und andere Landschaften. mehr

80. Geburtstag von Oskar Negt

Arbeit und menschliche Würde

Oskar Negt hat sich seine intellektuelle Redlichkeit durch nichts abhandeln lassen. Als Forscher, Lehrer und Autor ist er eine Instanz. Detlev Claussen gratuliert ihm zum 80. Geburtstag. Temporär und exklusiv zeigt Faust-Kultur überdies einen Ausschnitt aus Jonas Englerts Videoarbeit »Zoon Politikon«, in dem Oskar Negt von seinem Leben erzählt. mehr

Porträt des rumänischen Malers Jules Perahim

Der letzte Surrealist

Wie andere rumänische Künstler vor ihm ist auch der Maler Jules Perahim nach Paris emigriert und hat dort Karriere gemacht. Er galt als letzter Surrealist. Stefana Sabin erinnert an Leben und Werk des vor hundert Jahren in Bukarest geborenen Malers. mehr

Daniel Kehlmanns Frankfurter Poetikvorlesung

Geister der Nachkriegszeit

In seiner Frankfurter Poetikvorlesung ließ Daniel Kehlmann die Themen und Motive seines Schreibens deutlich werden. Das zweite große Thema von Kehlmanns Vorlesung war die schwierige, wenn nicht unmögliche Suche nach Gerechtigkeit und Ethik in der Nachkriegszeit, berichtet Eugen El. mehr

Die Philosophin Margarete Susman

Jüdisches Denken als politisches Denken

Margarete Susman, 1872 in Hamburg geboren und 1966 in Zürich gestorben, ist eine deutsch-jüdische Philosophin, die es noch zu entdecken gilt. In ihrem neuen Buch untersucht Elisa Klapheck, Politologin und Rabbinerin, Susmans philosophisches Denken zwischen Judentum und politischer Philosophie. mehr

Gespräch mit Ria Endres

Den Luxus der Wörter finden

Die Dramatikerin, Hörspielautorin und Essayistin Ria Endres hat über die Jahre auch lyrische Werke verfasst, die unter dem Titel »Froher Wahnsinn« erschienen sind. Im Gespräch mit Bernd Leukert erzählt die Autorin von der Entstehung, der Bedeutung und der Kunst ihrer Verse. mehr

Porträt: George Tabori

Flucht in den Witz

George Tabori machte schreckliche Witze. Sie führten möglichst zu dem Punkt, wo das Groteske, das Entsetzen und die Banalität in eins fallen und man sich, wenn es schon zu spät ist, fragt, ob es erlaubt war zu lachen. Zum 100. Geburtstag des großen Theatermanns hat Wend Kässens ihn gewürdigt. mehr

Erinnerung an Jürgen Gosch

Auf der Suche nach einer Sprache der Liebe

Michael Eberth beschreibt am Beispiel des vor fünf Jahren gestorbenen Regisseurs Jürgen Gosch, welchen Abstürzen und Missverständnissen ausgesetzt ist, wer sich »auf der Suche nach einer Sprache der Liebe« von nichts anderem als dem eigenen Gefühl leiten lässt. mehr

Komponistenporträt

Die Welt des Joseph Marx

In den 1920er Jahren formierten sich in Wien Kräfte, die weiterhin Tonalität und spätromantisches Raffinement priesen. Dazu gehörte der namhafte Komponist Joseph Marx. Hans-Klaus Jungheinrich stellt den vor 50 Jahren verstorbenen Eigenbrötler vor. mehr

Porträt der rumänischen Dichterin Nina Cassian

Ein neues altes Leben

Sie wurde zu einer der bekanntesten rumänischen Dichterinnen: Nina Cassian, 1924 als Tochter einer bürgerlichen jüdischen Familie in der Hafenstadt Galati geboren. Ihre Lyrik spiegelt das ästhetische und politische Klima Rumäniens über Jahrzehnte hinweg wider. Seit 1985 lebte Cassian in New York, wo sie am 15. April 2014 starb. Stefana Sabin erinnert an die Dichterin. mehr

Porträt der Autorin Gisèle Prassinos

Die arthritische Heuschrecke

Mit ihrer ersten eigenständigen Publikation wird sie 1935 über Nacht zur gefeierten Schriftstellerin und zur Muse des von Männern dominierten Surrealismus: Gisèle Prassinos. In Alexandru Bulucz' Porträt der Autorin steht das Titelgedicht ihrer ersten Publikation im Mittelpunkt. mehr

Fritz Bauer und der Frankfurter Auschwitz-Prozess

Ermittlung, Prozess und Urteil

Eine neu erschienene DVD stellt Fritz Bauer, der vor fünfzig Jahren als Generalstaatsanwalt den Frankfurter Auschwitz-Prozess auf den Weg brachte, anhand von Statements, Interviews und Gesprächen vor. Eine weitere dokumentiert den Auschwitz-Prozess. Diesen DVDs kann man nur große Verbreitung wünschen, findet Thomas Rothschild. mehr

Kunstprojekt

Manifeste 14

Für Faust-Kultur hat Jonas Englert junge Künstler gebeten, Manifeste zur Relevanz von Kunst in der Gegenwart zu formulieren. Bei der ersten Folge dieses experimentellen Projekts, das die Rechtfertigung beziehungsweise Infragestellung der Existenzberechtigung von Kunst zum Thema hat, präsentieren – neben Jonas Englert – Jos Diegel, Tarik Goetzke, Norman Hildebrandt und Gian Spina ihre Manifeste. mehr

Thema Syrien: Interview mit Rafik Schami

»Die Zeit der Versöhnung ist vorbei«

Vor 43 Jahren musste der Schriftsteller Rafik Schami Syrien verlassen. Früh hatte er gegen die Herrschaft Hafiz al-Assads Position bezogen. Im Faust-Gespräch mit Andrea Pollmeier beschreibt er seine Erfahrungen aus der Entstehungszeit der Diktatur und erläutert innen- wie außenpolitische Hintergründe, die zur katastrophalen Entwicklung der Revolution beigetragen haben. mehr

Porträt: Theodor Lessing

»Und so ward grau die Welt«

Von heute aus gesehen wird man Theodor Lessing (1872-1933), der ein äußerst umfangreiches Werk hinterlassen hat, am ehesten als einen Kulturwissenschaftler und Moralisten bezeichnen können. In ihrem Essay entfaltet Ria Endres Lessings Leben und Werk im Spiegel der Zeit. mehr

Ukraine – Gespräch mit Juri Andruchowytsch

Kein Theater, kein Spiel

Mit anderen ukrainischen Schriftstellern kam der Dichter und Schriftsteller Juri Andruchowytsch aus den Auseinandersetzungen auf dem Majdan und den Straßen der ukrainischen Städte, wo Tausende seiner Landsleute seit Monaten gegen das Regime Janukowytsch protestieren, zu einer Lesung nach Frankfurt. Bernd Leukert traf ihn dort, um ihn zu Tat und Wort zu befragen. mehr

Originaltext von Albert Camus

Die Krise des Menschen

»The Human Crisis« hieß ein Vortrag, den Albert Camus Ende März 1946 an der Columbia University in New York hielt – und der nichts an Aktualität verloren hat. Deshalb veröffentlicht ihn Faust-Kultur hier erneut. mehr

Erinnerung an Horst Bingel

Der Bingel, den ich kannte

Er ließ zur Frankfurter Buchmesse 1973 eine Büchertram fahren und veranstaltete Lesungen auf Bahnhöfen und in Werkhallen. Denn Horst Bingel wollte Literatur ohne Dogmatismus in die Gesellschaft tragen. Als er 80 Jahre alt geworden wäre, hielt ihm der Schriftsteller Uve Schmidt eine Geburtstagsrede. mehr

Gespräch mit Regisseur Dimiter Gotscheff

Geboren am Fluss, in dem Orpheus badete

Ein eigenwilliger Regisseur ist gestorben. Dimiter Gotscheff war eins mit seinem Beruf, seiner Berufung. Er trug das Theater, das er doch jedesmal neu schaffen wollte, in sich. Verwandte Geister beschwor er im Gespräch mit Michael Eberth, Samuel Finzi und Wolfram Koch. mehr

Faust-Gespräch mit Wilhelm Genazino

In einer feinen Buchhandlung rumsauen

Der Schriftsteller Wilhelm Genazino wird stets als der Flaneur unter den Schriftstellern bezeichnet. Seine Formulierungslust überführt, was seine Sinne auf der Straße aufsammeln, in melancholisch-groteske Detailbeschreibungen. Im Gespräch mit Harry Oberländer spricht er über Ängste, Erfolg und den Zusammenhang von Leben und Literatur. mehr

Porträt: Sören Kierkegaard

Der tiefere Grund

Vor zweihundert Jahren wurde Sören Kierkegaard, der Ahnherr der Existenzphilosophen, geboren. Otto A. Böhmer hat in seinem neuen Buch »Reif für die Ewigkeit. Sören Kierkegaard und die Kunst der Selbstfindung« den scharfsinnigen Denker als einen modernen Zeitgenossen identifiziert. mehr

erstellt am 02.8.2010

LÜDKES LIEDERLICHE LISTE

Cailloux und Bantelmann-Betz

Der Literaturwissenschaftler Martin Lüdke bespricht in seiner liederlichen Liste die »Haschischgeschichten« von Bernd Cailloux sowie die Studie »Historische Wiederaufbauten englischer Landhäuser« von Anne Bantelmann-Betz. mehr

Wozzeck in Frankfurt

»Das stöhnt, als stürbe ein Mensch.«

Die Premiere markierte das Halbfinale der Saison an der Oper Frankfurt: Alban Bergs Oper »Wozzeck« in einer Inszenierung von Christof Loy mit Sebastian Weigle am Dirigentenpult und mit Audun Iversen in der Hauptrolle. Weigle ließ sein Orchester zu Höchstform aufspielen, und Iversen gab einen schauspielerisch und musikalisch beeindruckenden Wozzeck, berichtet Stefana Sabin. mehr

GEDICHTE

Augen auf – Augen zu

Rasch nach ihrem Lyrik-Debüt »Froher Wahnsinn« hat Ria Endres ihren zweiten Gedichtband mit dem Titel »Augen auf – Augen zu« veröffentlicht. Er ist durchzogen von Namen, Themen und Titeln der bildenden Kunst. Natürlich gibt es in diesem Buch auch ganz anders geartete Gedichte, von denen wir drei kürzere vorstellen. mehr

CDs: Strawinsky, Reger und Braunfels

Übersetzung als Kunstform

In der Musik sind Noten Notate. Die Musiker müssen die Idee des Gelesenen erfassen und in Klang umsetzen. Darum heißen sie auch Interpreten. Die Grenze von der Interpretation zur Bearbeitung ist fließend. Es gibt aber auch freiwillige Bearbeitungen, deren Reiz Hans-Klaus Jungheinrich anhand von CD-Neuerscheinungen mit Musik von Strawinsky, Reger und Braunfels beschreibt. mehr

Ludwigsburger Schlossfestspiele 2016

Pianistische Virtuosität und modernes Tanztheater

Zur Halbzeit der Ludwigsburger Schlossfestspiele interpretierte der israelische Pianist Boris Giltburg Rachmaninows »Variationen über ein Thema von Corelli« und Stücke von Schostakowitsch, Skrjabin und Prokofjew. Ein weiterer Höhepunkt war »Fractus V«, eine Tanzproduktion des belgischen Choreographen Sidi Larbi Cherkaoui. Zudem berichtet Thomas Rothschild aus Stuttgart, wo Gauthier Dance ein neues abendfüllendes Handlungsballett zeigte. mehr

THEATER: Die Nervensäge

Ein Heidenspaß

Ein Auftragskiller bereitet sich darauf vor, von einem Hotelzimmer aus sein Geschäft zu erledigen. Da kommt ihm die »Nervensäge« in die Quere. Sie hat ihr eigenes Problem, sie will Selbstmord begehen. Wie die beiden mit einander zurecht oder vielmehr nicht zurecht kommen – davon erzählt Francis Vebers Komödie »Nervensäge«, die nun am Stuttgarter Studio Theater Premiere hatte. mehr

Frankfurter Poetikvorlesung

Die Sehnsucht des Schreibens

Die Schriftstellerin Katja Lange-Müller hält unter dem Titel »Das Problem als Katalysator« die Frankfurter Poetikvorlesungen im Sommersemester 2016. Riccarda Gleichauf war bei der ersten Vorlesung dabei und berichtet von ihren Eindrücken. mehr

Maxim Billers Roman »Biografie«

Keine Langeweile

Maxim Billers fast 900-seitiger Roman »Biografie« spaltet die Kritiker. Beim Frankfurter Festival »LiteraTurm« stellte Biller das Buch im Gespräch mit Daniel Cohn-Bendit vor. Eugen El hat den Roman gelesen und war bei der Buchvorstellung in Frankfurt dabei. mehr

Theater: »Oshi-Deutsch« in Osnabrück

Zwischen Deutschland und Namibia

Im Rahmen des Osnabrücker »Africa is rising«-Festivals hatte ein Stück über afrikanische Flüchtlingskinder in der DDR Uraufführung. Eine große Bühne bietet »Oshi-Deutsch« dabei namibischen Teenagern, die an der Seite von Profischauspieler/innen agieren. Das gelingt – trotz einiger wohlfeiler Passagen – sehenswert, meint Bruno Laberthier. mehr

Theater: »Struwwelpeter« in Frankfurt

Und die Mutter blicket stumm auf dem ganzen Tisch herum

Rainald Grebe, Liedermacher, Schauspieler, Kabarettist, Autor und Regisseur, hat Heinrich Hoffmanns Kinderbuch-Klassiker »Struwwelpeter« in Frankfurt auf die Bühne gebracht. Die Premierenbesucher hatten sich amüsiert und wussten nur nicht so recht, auf welchem Niveau, berichtet Martin Lüdke. mehr

DVD: Matthäus-Passion

John Neumeiers großer Wurf

Die 1981 uraufgeführte »Matthäus-Passion« ist der große, längst in die Ballettgeschichte eingegangene Wurf des Hamburger Ballett-Chefs John Neumeier. Die kürzlich erschienene DVD oder Blu-ray konserviert eine Aufzeichnung von 2005 aus Baden-Baden. John Neumeier ist hier Tanztheater im engsten Verständnis gelungen, meint Thomas Rothschild. mehr

Buchkritik

Unicorns don't swim

Erfrischend alternative weibliche Wirklichkeiten werden in der Anthologie »Unicorns don't swim« von der Herausgeberin und Mitautorin Antje Wagner vorgestellt. Die darin versammelten Texte teilweise sehr junger Autorinnen erzählen mit einer Selbstverständlichkeit von gesellschaftlich immer noch wenig etablierten Verhaltens- und Lebensweisen. Riccarda Gleichauf hat das Buch gelesen. mehr

DIE MACHT DER STIMMEN

Gesungen – großformatig oder mit Fragment-Hintergrund

Dass die Sieger die Geschichte schreiben, gilt auch für die Künste, selbst wenn es dabei um Pyrrhussiege geht. Wie heißen denn die Sieger, die sich gegen die Komponisten Franz Schmidt und Carl Goldmark durchgesetzt haben? Hans-Klaus Jungheinrich stellt deren und Claude Debussys+ Werke auf neuen CDs vor. mehr

Zum aktiven Gedenken

Über eine Idee, die Jürgen Lentes gehabt haben könnte

Jürgen Lentes, Buchhändler und Buchliebhaber, Herausgeber und Literaturjournalist, ist im Mai 2016 in Frankfurt am Main verstorben. In Gedenken an ihn, wünscht sich Heiner Boehncke wieder eine schöne, richtige, gut sortierte Buchhandlung in der Frankfurter Innenstadt. mehr

»Junges Licht« von Adolf Winkelmann

Ruhrpottromantik

Adolf Winkelmann hat den Roman »Junges Licht« von Ralf Rothmann aus dem Jahr 2004 verfilmt. Der Stoff ist im Bergbaumilieu des Ruhrgebiets angesiedelt und erzählt die Geschichte eines Heranwachsenden in den begrenzten Verhältnissen einer Kleinfamilie der 60er Jahre. Riccarda Gleichauf hat sich von dem Film berühren lassen. mehr

Euthanasie-Opfer im Nationalsozialismus

Geschichtsschreibung und Moral

Euthanasie ist ein Euphemismus. Wofür dieser Begriff bei den Nationalsozialisten stand, ist Massenmord. Sie haben der Ärzteschaft nicht nur die Lizenz zum Töten der Menschen, die sie für geistig oder psychisch behindert hielten, erteilt, sondern sie dazu beauftragt. Thomas Rothschild stellt zwei Bücher zu diesem Thema von Carola S. Rudnick vor. mehr

Hörspielpreis der Kriegsblinden 2016

Wie ein doppelter Espresso: Das Hörspiel lebt…

Zum 65. Mal ist in Köln der »Hörspielpreis der Kriegsblinden« verliehen worden. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr Sibylle Berg und Marina Frenk für das Hörspiel »Und jetzt die Welt!«. Träger des Preises ist der Bund der Kriegsblinden und seit 1994 auch die Film- und Medienstiftung NRW. Ein Beitrag von Petra Kammann. mehr

Im Blickwinkel

Kay Rosen: STEPS

Die neue Reihe »Im Blickwinkel« nähert sich erklärungsbedürftigen zeitgenössischen Kunstwerken. Diesmal stellt Claudia Olbrych »STEPS« vor, ein Werk der 1949 geborenen Amerikanerin Kay Rosen. mehr

Guntram Vesper, Frohburg

Erinnerungsbilder

Von verdichteter Gegenwart, in der so viel Vergangenheit mitspielt, dass es schon mal wehtun kann, berichtet Guntram Vespers Roman »Frohburg«, der mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2016 ausgezeichnet wurde. »Frohburg« ist ein ungemein reichhaltiges Buch, das den Leser in seinen Bann zieht, meint Otto A. Böhmer. mehr

Theater: »Macbeth« in Mainz

Sondermüll im Staatstheater, entsorgt

Nach der Walpurgisnacht setzt sich das Hexentreiben fort. Vielleicht stützt sich die Mainzer »Macbeth«-Inszenierung schon deshalb auf grundlosen Boden. Aber hat William Shakespeare sein mörderisches Stück für die Situation im Jahre 2016 geschrieben? Martin Lüdke war bei der Premiere dabei und hat sich echt gewundert. mehr

IM BLICKWINKEL: Jonas Burgert

Faszination für die Macht

Die neue Reihe »Im Blickwinkel« nähert sich erklärungsbedürftigen zeitgenössischen Kunstwerken. Diesmal stellt Sarah Leinweber »Trug«, ein Gemälde des 1969 geborenen Berliner Künstlers Jonas Burgert, vor. mehr

Alexandru Bulucz, Gedichte

Aus sein auf uns

Es geht um Teufel und Engel, um Hasenscharten, Magengeschwüre und den goldenen Schnitt. In den Gedichten von Alexandru Bulucz springen die Gedanken hoch, und über den Abgründen reimt sich alles aus den ungereimten Versen zusammen. In seinem Debütband »AUS SEIN AUF UNS« ist zu lesen, in welcher Tradition sich der Lyriker sieht und was vom UNS zu halten ist. mehr

Christoph Ribbat: Im Restaurant

Von Köchen und Kellnern

Der Amerikanist Christoph Ribbat erzählt in seinem Buch »Im Restaurant« Geschichten aus anderthalb Jahrhunderten westlicher Restaurantgeschichte. Den Bogen spannt Ribbat von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Er verzichtet dabei weitgehend auf akademischen Zierrat. Bruno Laberthier empfiehlt die Lektüre des Buchs. mehr

DEBATTE

Lyrik braucht Inhalt

Allmählich nehmen auch die etablierten Medien Notiz von der gegenwärtig laufenden Lyrikkritik-Debatte, welche Tristan Marquardts Text »Zur prekären Lage der Lyrikkritik« auslöste und insbesondere in einigen Online-Zeitungen ausgetragen wird. Daran anknüpfend plädiert Ioana Orleanu in ihrem polemischen Debatten-Beitrag für mehr Einfachheit und Inhalt in der Lyrik und für eine persönliche Art des Rezensierens. mehr

Oper: »Reigen« von Philippe Boesmans

Es muss nicht Aida sein

In Stuttgart hat Nicola Hümpel die Oper »Reigen« des Belgiers Philippe Boesmans inszeniert. Das Libretto stammt von Luc Bondy. Er hält sich sehr eng an das skandalumwitterte Stück von Arthur Schnitzler. Am Premierenabend gab es anhaltenden Beifall für das gesamte Ensemble und den angereistendemnächst achtzigjährigen Boesmans, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Liebesgrüße aus Minsk

In einem unbekannten Land

Ein Praktikum führte Nadine Lashuk im Jahr 2006 in die belarussische Hauptstadt Minsk. Daraus wurde weit mehr als eine Zwischenstation, wovon Lashuk nun in einem Buch erzählt: »Liebesgrüße aus Minsk«. Das Buch zeichnet trotz seiner Schwächen ein persönliches und plastisches Bild des Alltags und der Menschen in Belarus, meint Eugen El. mehr

Pop-Splitter: Jan Böhmermann

Vom Ich abgekoppelt

Ein Fernsehbeitrag des Satirikers Jan Böhmermann wird wohl, wie vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gefordert, ein Strafverfahren nach sich ziehen. In seinem Kommentar macht Michael Behrendt auf die ästhetische Dimension von Böhmermanns umstrittenem Beitrag aufmerksam und ordnet ihn im popkulturellen Kontext ein. mehr

AUSSTELLUNG IN MADRID

Das Fenster, die Straße, die Stadt

In einer großen Ausstellung präsentiert das Museum Thyssen-Bornemisza in Madrid die Künstlergruppe, die unter dem Namen »Realistas de Madrid« bekannt ist. Die gezeigten Interieurs, Gärten und Stadtlandschaften sind auf fast melancholische Weise menschenleer und erinnern zugleich durch kleine Details an die menschliche Allgegenwart, berichtet Stefana Sabin. mehr

Zarzuela in Madrid

Schlicht und volkstümlich

In Spanien erfreut sich die Zarzuela, eine der Operette vergleichbare Variante des Musiktheaters, das mit gesprochenen Passagen durchsetzt ist, großer Beliebtheit. In Madrid wird die Zarzuela in einem prunkvollen Logentheater mitten in der Stadt gepflegt. Außerhalb Spaniens ist sie aber so gut wie unbekannt. Thomas Rothschild hat eine Zarzuela-Aufführung besucht. mehr

Zum Tod von Udo Riechmann

Der Champion des Zwischenrufs

Udo Riechmann glaubte, dass sich das falsche Bewusstsein in ein richtiges konvertieren lässt. Zwischen Adorno und Spontis agierte er und empörte sich darüber, wie jemand gegen seine eigenen Interessen handeln konnte. Bernd Leineweber gedenkt seiner mit einem Nachruf. mehr

Zum Tod von Josef Anton Riedl

Sonderfall im Arsenal der Klänge

Josef Anton Riedl war der bekannteste deutsche Klangaktionist der Nachkriegsära. Riedl befasste sich mit fast allem, was nicht etabliert war, mit Lautpoesie, mit visualisierter Musik, mit dem experimentellen Film. Er schrieb Stücke für Papier, Karton, Glas oder andere handelsübliche Materialien. Am Karfreitag 2016 ist er in Murnau gestorben. Der Komponist und Schauspieler Michael Hirsch erinnert an den ungewöhnlichen Künstler. mehr

GEHEIMDIENSTE: Die Starek-Akten

Spitzel gibt es überall

Jirí Starek, vor 1968 Kulturattaché an der Botschaft der CSSR in Wien, war Informant für den tschechoslowakischen Staatssicherheitsdienst. Später versorgte er den Bundesnachrichtendienst mit Informationen. Thomas Rothschild hat im Archiv der Hoover Institution Stareks Aufzeichnungen studiert und ist dabei auf einige überraschende Daten gestoßen. mehr

DVD: Erinnerungen an Österreich

Im Exil geblieben

Der Journalist Rudolf Stoiber (1925–2013) hat 1978 elf Österreicher, die im amerikanischen Exil lebten, interviewt und aus den Gesprächen einen Film montiert, der nun auf DVD verfügbar ist. Interviewt werden unter anderen der Politiker und Publizist Joseph Buttinger, Gustav und Alma Mahlers Tochter Anna Mahler (Foto) und der Schriftsteller Frederic Morton, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Hass und Hetze im Internet

Gerüchte und Gewalt

Eine Tagung in Frankfurt beschäftigte sich kürzlich mit der digitalen Verbreitung von extremistischer Propaganda und Hasskommentaren. Nicht zuletzt seit der Kölner Silvesternacht brodeln auf den Social-Media-Plattformen allerlei Gerüchte über Geflüchtete. Auch islamistische Propaganda findet sich im Netz. Der Ton ist rauer geworden, berichtet Doris Stickler. mehr

VIRGINIA WOOLFS BLICK AUF DIE PSYCHOANALYSE

Krankheit und Kreativität

Die Psychoanalytikerin Rotraut De Clerck hat sich mit Leben und Werk Virginia Woolfs auseinandergesetzt und auch ihre Nähe zu den Schriften Sigmund Freuds neu bewertet. Zur Bedeutung der Psychoanalyse für Virginia Woolf und über Einflüsse auf ihr kreatives Schaffen äußert sie sich in einem ausführlichen Essay (zum Download auch in Englisch und Französisch). mehr

DVD: Der Sohn der Anderen

Die Stimme des Blutes

Ein junger Mann, der als israelischer Jude aufgezogen wurde, erfährt mit 18 Jahren, dass seine leiblichen Eltern Palästinenser sind. Die Identitätsfrage wird zu einer politischen Problematik. Interessant ist am nun auf DVD vorliegenden Film »Der Sohn der Anderen« das Thema. Künstlerisch ist er allenfalls Mittelmaß, meint Thomas Rothschild. mehr

Musik

Um 1960

Buddy Rich zählt zu den Superstars des Jazz-Schlagzeugs. Zu den Stars des Rock'n'Roll gehörte Eddie Cochran. Zur gleichen Zeit, in der Rich und Cochran ihre Erfolge feierten, reüssierte in Frankreich Georges Brassens, der bis heute als einer der größten Schöpfer und Interpreten des Chansons gilt. Thomas Rothschild hat sich neu aufgelegte Aufnahmen der drei Musiker angehört. mehr

Hofstede: Der Himmel über Paris

Eine unmögliche Liebe

In »Der Himmel über Paris«, dem Debütroman der jungen niederländischen Autorin Bregje Hofstede, geht es um die Liebe in all ihrer wundersamen Eigenmächtigkeit. Der Roman ist durchweg gut erzählt, vorzüglich übersetzt und spart nicht mit feiner Ironie, meint Otto A. Böhmer. mehr

»I'm searching for I.N.R.I« in Stuttgart

Katerstimmung

Jossi Wieler hat am Schauspiel Stuttgart ein Stück des Kollegen Fritz Kater inszeniert. »I'm searching for I.N.R.I« spielt in der Zeit von 1941 bis 1989. Im Mittelpunkt stehen zwei Menschen, die einander fremder nicht sein könnten und sich doch lieben. Wielers Regie kann man am ehesten als minimalistisch kennzeichnen, meint Thomas Rothschild. mehr

ORIGINALTEXT

Living in the blllckk glasss

Bekannt geworden in Rumänien ist Bogdan Cosa (geb. 1989) mit seiner Romantrilogie »Poker«, deren letzter Teil sich in Vorbereitung befindet. 2014 erhielt er einen zweimonatigen Stipendiaten-Aufenthalt im Literaturhaus Villa Clementine in Wiesbaden. Alexandru Bulucz hat einem Auszug aus dem ersten Teil der Trilogie übersetzt. mehr

Empathie-Tests von Leslie Jamison

Erzählungen über den Schmerz

In ihrer Essaysammlung »Die Empathie-Tests« thematisiert die 1983 geborene Autorin Leslie Jamison die schmerzhafte Körperlichkeit. Zunächst wird man mit dem Leiden der Autorin konfrontiert. Von Essay zu Essay werden die Leser immer stärker in den Sog fremder Emotionen hineingezogen, berichtet Riccarda Gleichauf. mehr

Theater tri-bühne

Die Enten auf der Autobahn

Das Stuttgarter Kleintheater tri-bühne hat den Nachwuchs eines renommierten ungarischen Theaters eingeladen, unter dem Titel »Fernweh« eine Revue in losem Zusammenhang mit Märchen der Brüder Grimm zu schreiben und zu inszenieren. Thomas Rothschild erinnert daran, dass noch immer das Leben die schönsten Märchen schreibt. mehr

»THE WASTE LAND« VON T. S. ELIOT

Ein Urort der modernen Poesie

T. S. Eliots Langgedicht »The Waste Land« gehört zu den Marksteinen der literarischen Moderne. Es zu übersetzen zählt zu den schwierigsten Vorhaben. Der Lyriker und Essayist Norbert Hummelt hat das Gedicht sprachlich in die Gegenwart transponiert und dabei verflacht, meint Stefana Sabin. mehr

THEATER UND BALLETT

Die Sprache der Körper

Am Zürcher Opernhaus inszeniert Herbert Fritsch Henry Purcells »King Arthur«. Fritsch konzentriert sich auf die gesprochenen Teile mehr als auf die gesungenen. Für die jüngsten Stuttgarter Kammerballette ist auf der Bühne die Körpersprache zumindest ebenso bedeutsam wie das Wort. Thomas Rothschild berichtet aus Zürich und Stuttgart. mehr

Vorhang auf!

Gerlind Reinshagen: nachts

Gerlind Reinshagen, bedeutende Schriftstellerin der Nachkriegszeit, ist vor allem durch ihre gesellschaftskritischen Theaterstücke bekannt geworden, die u. a. von Claus Peymann inszeniert worden sind. In ihrem 2011 erschienenen Roman »nachts« bringt sie noch einmal große Themen wie Jugend, Alter und Tod auf die Bewusstseinsbühne des 21. Jahrhunderts. Faust-Kultur veröffentlicht einen Auszug aus dem Roman. mehr

Handke, Bernhard und Grieg in Wien

Die Macht der Kunst

Die beiden Kontrahenten der österreichischen Gegenwartsliteratur, Peter Handke und Thomas Bernhard, stießen unmittelbar aufeinander. Die Premieren von Handkes neuestem Stück in einer Inszenierung von Claus Peymann und Oliver Reeses Dramatisierung von Bernhards »Auslöschung« fanden im Abstand von einem Tag statt. Thomas Rothschild berichtet aus Wien. mehr

BUCHKRITIK: Ott, Die Auferstehung

Heile Familien und ihre Abgründe

Ein Familienvater stirbt, und die erwachsenen Kinder versammeln sich am Totenbett. Die Ausgangssituation des neuen Romans von Karl-Heinz Ott ist nicht ganz ungewöhnlich. »Die Auferstehung« ist ein kluger, manchmal auch witziger Roman, der die Freunde philosophischer Höhenflüge ebenso bedient wie die Verehrer salopper Streitkultur, meint Otto A. Böhmer. mehr

Film-DVD-Reihe

Vor Castorf

Vlado Kristl hat in seinen Filmen bereits alles verwirklicht, was heute auf den Bühnen als zeitgenössisch gefeiert wird. Nun kümmert sich eine DVD-Reihe des Münchner Filmmuseums um sein Werk. Auf der jüngsten Doppel-DVD findet man neben »Der Brief« von 1966 auch den »Obrigkeitsfilm« von 1971 sowie mehrere Kurzfilme, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Der Revisor in Frankfurt

Ins Leere gelaufen

1836 wurde Nikolai Gogols Komödie »Der Revisor« in fünf Akten in St. Petersburg uraufgeführt. Nun wurde Gogols Prunkstück von Sebastian Hartmann am Schauspiel Frankfurt kleingehackt. Martin Lüdke berichtet von seinem Leiden an einer unausgegorenen Aufführung. mehr

Novitäten in der NEUEN MUSIK

Theologie und dicht daneben

Dass religiöse Menschen versuchen, ihren Gott vor der Kirche zu retten, indem sie sich künstlerisch radikalisieren, ist nicht überraschend; eher schon, dass glaubensferne Künstler allmählich der Gravitation geistlicher Rituale zuneigen. Hans-Klaus Jungheinrich hat in seiner CD-Novitätenempfehlung einige metaphysische Varianten untergebracht und nebenbei noch eine Ehrenrettung einst heftig geschmähter Komponisten. mehr

Popsplitter

Musiker gegen Donald Trump

Oft werden Songs bei politischen Veranstaltungen gegen den Willen der Autoren und Interpreten eingesetzt. Für den jüngsten großen Aufreger in dieser Hinsicht sorgte der US-Milliardär Donald Trump. Neil Young, R.E.M., Aerosmith und Adele wehren sich gegen Trumps Vereinnahmungsversuche, berichtet Michael Behrendt. mehr

Sowjetische Literatur: Ilf und Petrow

Die Banalität des Absurden

Die wichtigsten Werke des legendären sowjetischen Autorenpaars Ilja Ilf und Jewgeni Petrow sind nun auch der deutschsprachigen Leserschaft zugänglich. Ilf und Petrow schufen eine Art sozialistischen Surrealismus. Stefana Sabin stellt die aufwendig gestalteten Bände vor. mehr

Film: Heimat – Eine deutsche Chronik

Nicht ohne Klischees

Den ersten Teil seiner Fernsehtrilogie »Heimat – Eine deutsche Chronik«, der in den Jahren 1919 bis 1982 spielt, hat der Regisseur Edgar Reitz zu einem digital restaurierten Kinofilm bearbeitet. Nun liegt er auf sieben DVDs und fünf Blu-rays vor. Reitz bleibt der historischen Wahrhaftigkeit verpflichtet, kann sich aber nicht ganz von Klischees freimachen, meint Thomas Rothschild. mehr

LEDERMUSEUM IN OFFENBACH

Vor dem großen Schritt

Seit dem in den siebziger Jahren einsetzenden Strukturwandel ist das Deutsche Ledermuseum eines der wenigen verbliebenen Wahrzeichen der früheren Industriestadt Offenbach. Dem Museum steht ein Jahr vor dem hundertsten Jubiläum ein Wandel bevor. Eugen El hat die seit November 2014 amtierende Direktorin Inez Florschütz nach ihren Plänen befragt. mehr

Axel Honneth: Die Idee des Sozialismus

Ein toter Hund

Um den im 20. Jahrhundert gründlich diskreditierten Sozialismus steht es nicht gut. Der Frankfurter Philosoph Axel Honneth geht in seinem Buch »Die Idee des Sozialismus« der Frage nach, wie die sozialistischen Ideen wiederbelebt werden könnten. Es ist ein informatives und nützliches, allerdings auch weitgehend spannungsfreies Buch, meint Otto A. Böhmer. mehr

Verdis »Stiffelio« in Frankfurt

Gnade vor Rache

In den letzten Jahren wurde die wenig bekannte Verdi-Oper »Stiffelio« wiederentdeckt. Nun wird sie in Frankfurt in einer Inszenierung des australischen Regisseurs Benedict Andrews unter der Leitung des französischen Dirigenten Jérémie Rhorer aufgeführt. Der Premierenbeifall galt entschieden mehr den Sängern als der Inszenierung, berichtet Stefana Sabin. mehr

Kultur in Budapest

Museum pur

Man kann sich ganz gut in Viktor Orbáns zunehmendem Totalitarismus einrichten, wenn man auf Opposition verzichtet. Das gilt auch für die Kultur. Thomas Rothschild war unterwegs in Budapest und hat Eindrücke aus dem Konzert- und Opernleben der ungarischen Hauptstadt mitgebracht. mehr

Köhlmeier, Das Lied von den Riesen

Deftiges Honorar

In vierzeiligen Strophen erzählt Michael Köhlmeier die Geschichte eines Riesen, den er »Kristall« nennt und der in den einzelnen Abschnitten Figuren aus Mythen und Märchen unterschiedlicher Herkunft begegnet. Köhlmeier hat schon literarisch und auch thematisch bedeutendere Werke geschrieben, meint Thomas Rothschild. mehr

Flüchtlinge in Darmstadt

Das schnellste Buch

Der Fotoband »Willkommen in Darmstadt«, den die südhessische Stadt im Herbst 2015 herausgab, dokumentiert exemplarisch die Willkommenskultur und das bürgerschaftliche Engagement für Flüchtlinge. Das Engagement hält zwar unvermindert an, doch dominieren mittlerweile Ängste und Vorbehalte die öffentliche Debatte. Bruno Laberthier stellt das Buch vor. mehr

Film: Men & Chicken

Tierische Jungs

In der schwarzen Komödie Men & Chicken lässt der dänische Regisseur Anders Thomas Jensen fünf seltsame Wesen, Menschen mit tierischen Elementen, auf die Zuschauer los. Die düstere, kunstvolle Kulisse, kluge Dialoge und ein tolles Schauspielteam machen aus dem Film etwas Besonderes, meint Riccarda Gleichauf. mehr

FILMMUSIK

Die Melodie des Marlboro-Mannes

Eine der bekanntesten Musiken zu einem Western ist die von Elmer Bernstein für »Die glorreichen Sieben«. Sie ist im Film ständig präsent und hat sich über ihn hinaus verselbständigt. Sie kann als Filmmusik für den Western schlechthin gelten, meint Thomas Rothschild. mehr

ERINNERUNG AN EDUARDO GALEANO

Ein Werk voller Geschichten

»Die offenen Adern Lateinamerikas« machten Eduardo Galeano vor mehr als vierzig Jahren weltberühmt. Das Buch wurde zur meistgelesenen Analyse der Unterentwicklung Lateinamerikas. Auch wenn Galeano sich als Linker verstand, verschonte er seine politischen Freunde nicht mit Kritik. Galeanos langjähriger Verleger Hermann Schulz erinnert sich an den Autor. mehr

Buchkritik: Ani, Der namenlose Tag

Jenseits der Regelaltersgrenze

Der Schriftsteller Friedrich Ani ist ein Krimiautor von Format. In seinem neuen Roman „Der namenlose Tag“ schickt er den Kriminalkommissar Jakob Franck ins Rennen. Der frisch gebackene Ruheständler wird in einen älteren Fall hineingezogen. Anis Roman gewinnt seine Spannung aus einer beharrlichen Langsamkeit, meint Otto A. Böhmer. mehr

Buchkritik: Mounk, Echt, du bist Jude?

Sehnsucht nach Normalität

In seinem Buch »Echt, du bist Jude?« erzählt Yascha Mounk von seiner allmählichen Entfremdung von Deutschland und der Auswanderung nach New York. Autobiografische Skizzen wechseln sich darin mit politischen Essays ab. Trotz einiger Ungereimtheiten ist Mounks Buch ein durchweg liberales Plädoyer für gesellschaftliche Pluralität, meint Eugen El. mehr

Theater: Hexenjagd in Zürich

Kein Anlass zur Heiterkeit

Arthur Millers Drama »Hexenjagd« von 1953 basiert auf einem realen Vorfall aus dem 17. Jahrhundert, zielt aber auf den McCarthyismus, zu dessen Opfern Miller gehörte. Am Schauspielhaus Zürich verlässt sich Jan Bosse ganz auf Arthur Millers Text. Er will nicht klüger sein als der Autor, und er nimmt ihn im wörtlichen Sinne ernst, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Buchkritik: Doris Knecht, Wald

Neuanfang in der Natur

Im neuen Roman »Wald« der österreichischen Autorin und Kolumnistin Doris Knecht ist der Wald für die Protagonistin die einzige verbliebene Rückzugsmöglichkeit. Dort versucht sie einen Neuanfang. In Knechts provokantem Roman geht es nicht zuletzt um den Wunsch nach mehr Wärme in partnerschaftlichen Beziehungen, meint Riccarda Gleichauf. mehr

Lyrik: Moya Cannon

Die Geschichte der Alice Licht

In ihrem Gedicht »Alice Licht« setzt sich die irische Dichterin Moya Cannon mit der Schoah auseinander. Der Entstehung des Gedichts spürt Eric Giebel nach. Er besuchte das Berliner Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt und traf dort die Übersetzerin Eva Bourke. Faust-Kultur veröffentlicht Bourkes und Giebels Übersetzung von »Alice Licht«. mehr

POLITISCHES KABARETT: Christoph Sieber

Der nette Junge von nebenan

Was der Kabarettist Christoph Sieber anbietet, ist nicht so weit entfernt vom Agitprop der sechziger und siebziger Jahre, als das Genre in Deutschland seine letzte Blütezeit erlebt hat. Was ihn unterscheidet, ist die Form: Schnellsprechen und eine gespielte Tollpatschigkeit anstelle stilisiert vorgetragener Ensemblearrangements. Thomas Rothschild stellt Sieber vor. mehr

Ausstellung in Wien

Konfessionelle Rücksichten

Die Geschichte der Juden an der Wiener Universität ist weitgehend eine Geschichte der Diskriminierung. Die Ausstellung »Die Universität. Eine Kampfzone« im Jüdischen Museum Wien konterkariert Zeugnisse des Antisemitismus mit Bildern und Dokumenten über den Beitrag jüdischer Wissenschaftler zur Lehre und Forschung, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Theater

Tanzen in Kafkas »Bau«

In München inszeniert Jakub Gawlik Franz Kafkas Erzählung »Der Bau« mit Valéry Tscheplanowa. Die Premiere fand am 4. November 2015 im Marstall des Residenztheaters statt. In einer minuziösen Konzentration auf den Text trifft Gawlik das Stück und den Spielort erstaunlich präzise, meint Andreas Engelmann. mehr

Zwei Gastspiele

Tauberbach und Kirschgarten

Armin Petras, der Intendant des Stuttgarter Schauspiels, bringt immer wieder hochkarätige Gastspiele in sein Haus. Mit »tauberbach« zeigt das Ensemble von Alain Platel ein unorthodoxes Tanzstück. Thorsten Lensings Theater T1 spielt Tschechows »Kirschgarten«. So viele hervorragende Darsteller sieht man selten zusammen auf der Bühne, meint Thomas Rothschild. mehr

POP-SPLITTER

Sugar Man

Erst der späte Ruhm, dann der preisgekrönte Dokumentarfilm »Searching for Sugar Man«. Nun ist auch ein Buch über die Suche nach dem legendären Seventies-Songwriter Rodriguez erschienen. Hat der »Sugar Man« das verdient? Michael Behrendt fragt sich, ob nicht vielmehr einige Selbstdarsteller ihren selbst kreierten Mythos befeuern. mehr

Architektur und Wahrnehmung

Himmelsdächer

Der Band »Raum_atmosphärische Informationen. Architektur und Wahrnehmung« untersucht die Wechselwirkungen von Nutzer, Raum, Material und Licht. Dieses Geflecht bestimmt die Atmosphären, in die Bauwerke gehüllt sind. Kurze theoretische Aufsätze wechseln sich mit anschaulich bebilderten Praxisbeispielen ab, berichtet Christian J. Grothaus. mehr

Don Carlo in Frankfurt

Don Carlo oder der katholische Daisch

Die Oper Frankfurt zeigt Verdis Don Carlo. Auch ohne explizite Verweise werden dort Parallelen zwischen der Gegenwart des fundamentalistischen Islams und der europäischen Geschichte sichtbar. Die Stärke der Frankfurter Inszenierung liegt darin, Tyrannen nicht als Monster, sondern als Menschen zu zeigen, meint Alban Nikolai Herbst. mehr

Penthesilea in Frankfurt

Wen die Liebe fällt

Die Uraufführung von Kleists »Penthesilea« fand erst 1876 in Berlin statt. Das Echo der zeitgenössischen Kritik war verheerend. Michael Thalheimer konzentriert sich bei seiner Frankfurter »Penthesilea«-Inszenierung allein auf den Text. Sie wird zu einem Theaterhöhepunkt des Jahres, meint Martin Lüdke. mehr

Buchkritik

Kassandras Fluch

Anke Stellings Roman »Bodentiefe Fenster« fragt, wie es möglich ist, dass Mütter zu Kindsmörderinnen werden. Wie die Psyche einer solchen Person aussehen könnte, wird durch die Lektüre des Romans deutlich. Stark wird der Text vor allem in den Beschreibungen der Fragilität des Daseins der Protagonistin, meint Riccarda Gleichauf. mehr

Musik: DVD

Strehlers Mailänder Figaro

Im Jahr 1980 hat Giorgio Strehler an der Mailänder Scala Mozarts Oper »Hochzeit des Figaro« einstudiert. Seine Interpretation war so überzeugend, dass man sie auch nach Strehlers Tod im Jahr 1997 auf dem Spielplan beließ. Nun ist eine Aufzeichnung von 2006 auf Blu-ray und als Doppel-DVD neu erschienen, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Nathan der Weise in Mainz

Die Umarmung bleibt aus

Lessings Prunkstück der deutschen Aufklärung, »Nathan der Weise«, wurde in letzter Zeit selten gespielt. Nun zeigt das Staatstheater Mainz die berühmte Ringparabel. Die Mainzer Inszenierung von »Nathan der Weise« demonstriert, wie man Klassiker entstauben und Kunstfiguren lebendig machen kann, meint Martin Lüdke. mehr

Ballett

Béjarts Erbe

In Stuttgart zeigte das Béjart Ballet Lausanne drei Klassiker des Choreographen Maurice Béjart sowie ein Stück des aktuellen Leiters der Compagnie, Gil Roman. Die Choreographien kosten die Dialektik von Eigensinn und Konformismus aus, von Eleganz und Groteske, von Stillstand und Bewegung, meint Thomas Rothschild. mehr

Gelebte Willkommenskultur

Neue Heimat?

Marina Naprushkinas Buch »Neue Heimat?« dokumentiert die Arbeit einer 2013 in Berlin gegründeten Nachbarschaftsinitiative für Flüchtlinge. Naprushkina zeigt, dass gelebte Willkommenskultur vor allem harte Arbeit ist, die viel Ausdauer, Menschenkenntnis, aber auch juristisches Geschick verlangt. Faust-Kultur veröffentlicht einen Auszug. mehr

Salome in Stuttgart

Jochanaan in Guantanamo

Die »Salome«-Inszenierung von Kirill Serebrennikov an der Stuttgarter Oper kleidet die psychologische Handlung in eine politisch aktuelle Gestalt. Mit seiner Interpretation gelingt es Serebrennikov, Gewalt als ein komplexes Phänomen zu zeigen, ohne Oscar Wilde oder Richard Strauss zu beschädigen, meint Thomas Rothschild. mehr

Neue Klassik-CDs

Von der Revolution zum Weltkrieg

Dass es einen Zusammenhang zwischen einem Kunstwerk und der Zeit, in der es entstand, gibt, ist offensichtlich. Wie aber nehmen wir den wahr? Hans-Klaus Jungheinrich hat anhand von neuerschienenen CDs mit Musik von Mehul, Schumann, Richard Strauss und Wolf-Ferrari Entdeckungen gemacht. mehr

Gastronomie Österreich

Gault & Millau 2016

Thomas Rothschild hat den österreichischen »Gault&Millau« 2016 durchgesehen, lobt aber auch die bodenständige Küche. mehr

Heike Geißler: Saisonarbeit

Wir Leiharbeiter

Die freischaffende Übersetzerin und Autorin Heike Geißler beschreibt in »Saisonarbeit« ihre Erfahrungen als Leiharbeiterin bei Amazon in Leipzig. Geißler balanciert meisterhaft zwischen literarischem Erzählen und politischem Inhalt, meint Riccarda Gleichauf. mehr

Die Künstlerin Sarah Schoderer

Brückenschläge

Die Malerin Sarah Schoderer war schon mehrfach in Kenia. Eine Auswahl von dort entstandenen Zeichnungen sowie sechs neue Gemälde sind nun in der Frankfurter Galerie Perpétuel zu sehen. Eugen El stellt die junge Künstlerin vor. mehr

Buchkritik

Vernarbte Seelen

Der amerikanische Autor Atticus Lisch kann auf Einsätze als Irak-Kämpfer zurückblicken und geht lieber ins Fitnessstudio als in Buchläden. Sein Roman »Vorbereitung auf das nächste Leben« erzählt davon, was es heißt, in den Weiten Amerikas auf eine verwandte, verständnisvolle Seele zu treffen. Das Buch ist anstrengend und höchst befriedigend zugleich, meint Peter Henning. mehr

Elfter Reisebericht

Wilhelm von Rubruk: Reise zu den Mongolen

Nach seiner Rückkehr von einer zweijährigen Mongolei-Reise 1256 schrieb der Franziskaner Wilhelm von Rubruk einen detaillierten Bericht und übergab ihn dem französischen König. In den folgenden zwei Ausschnitten wird aus den Gebieten am Don und Nordchina berichtet. mehr

Annegret Helds neuer Roman

Geschichte einer Landschaft

Annegret Helds Roman »Armut ist ein brennend Hemd« erzählt die Geschichte eines fiktiven Ortes im Westerwald. Er spielt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, einer von Stillstand, harter Arbeit, Hunger, Not und Leiden geprägten Zeit. Es ist ein großartiges Buch, meint Martin Lüdke. mehr

Pete Smith: Endspiel

Sommer der Erinnerungen

Der Historiker Lionel, Ich-Erzähler des Romans »Endspiel« von Pete Smith, lernt in einem Seniorenheim Elena Morgenstern kennen. Ihre Geschichte, die um Schuld und Aufarbeitung kreist, schreibt Lionel auf. »Endspiel« ist ein komplexer, akribisch recherchierter Roman, meint Maria Knissel. Faust-Kultur veröffentlicht einen Auszug daraus. mehr

Ausstellung im Schauwerk Sindelfingen

Das Autostereotyp

Die amerikanische Kunst der vergangenen Jahrzehnte bildet den Schwerpunkt in der Sammlung des Industriellen und Mäzens Peter Schaufler, der im August dieses Jahres gestorben ist. Nun sind im Schauwerk Sindelfingen rund 100 von den mehr als 3000 Werken aus der Sammlung zu sehen. Thomas Rothschild hat die Ausstellung besucht. mehr

100. Jahrestag des Genozids an den Armeniern

Nicht vergessen, sondern vertuscht

Seit den politischen Stellungnahmen dieses Frühjahrs ist klar: Der Massenraubmord von 1915 an den Armeniern war ein Völkermord. Doch wer war eigentlich auf welche Weise beteiligt? Und wer genau waren die Opfer? Valentin Schönherr stellt zwei Bücher zu diesem Thema vor. mehr

»Kinder der Sonne« in Basel

Theater statt Effekt

Maxim Gorkis Stück »Kinder der Sonne« wurde 1905 uraufgeführt. Wie in »Nachtasyl« gibt es ein Panorama unterschiedlicher Typen, die aber diffuser, weniger konturiert erscheinen als in Gorkis bekanntestem Drama. Nora Schlocker hat nun »Kinder der Sonne« am Theater Basel inszeniert. Ein großer Abend, meint Thomas Rothschild. mehr

Essay

Treue und Passion

In ihrem kürzlich erschienenen Buch »Treue und Passion« verbindet Elisabeth U. Straßberger literarische und theologische Deutung, um Liebesbeziehungen und ihr Scheitern in Gegenwartsromanen zu untersuchen. Faust-Kultur veröffentlicht daraus eine gekürzte Fassung von Straßbergers Einleitung. mehr

Ulrich Raulff: Das letzte Jahrhundert der Pferde

Der kentaurische Pakt

Das »Jahrhundert der Pferde« von »Goethe bis zum Zweiten Weltkrieg« ist Dreh- und Angelpunkt des monumentalen neuen Buchs von Ulrich Raulff. Raulff schreibt seine Geschichte aus der Gewissheit der epochalen Trennung von Mensch und Pferd. Dieses Buch lässt einen nicht mehr los, meint Detlev Claussen. mehr

Marlene Streeruwitz' Roman »Nachkommen.«

Die Regeln des Patriarchats

Die Protagonistin von Marlene Streeruwitz' Roman »Nachkommen.« ist eine 20-jährige Autorin, die es mit ihrem Romandebüt auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat. Streeruwitz thematisiert den Verfall der Literatur in einer Gesellschaft des Spektakels und die Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau, berichtet Riccarda Gleichauf. mehr

Doris Dörries Roman »Diebe und Vampire«

Helden haben keine Ladehemmung

Die Autorin, Regisseurin und Filmemacherin Doris Dörrie hat einen Roman über die von Schriftstellern gefürchtete Volkskrankheit Schreibblockade vorgelegt. »Diebe und Vampire« ist ein schönes Buch, das unterhaltsam ist, nachdenklich stimmt und am Schluss mit einer fein gewebten Pointe aufwartet, meint Otto A. Böhmer. mehr

CD-Kritik

Musikalische Aufklärung

Der Verdienst de CD »alla czeca« ist die Wiederentdeckung zu Unrecht vergessener Komponisten wie Josef Suk und Erwin Schulhoff, meint Stefana Sabin. mehr

Erinnerungskultur

Stationen und Meilensteine

Der Verein »Jugend für Dora« engagiert sich seit nunmehr zwanzig Jahren für KZ-Überlebende. In Nordhausen präsentiert sich der Verein mit einer sehenswerten kleinen Ausstellung, berichtet Bruno Laberthier. mehr

Film: Project of the Century

Das große Fortschrittsversprechen

Carlos Quintelas Film »The Project of the Century« spielt im kubanischen Nuclear City und changiert dabei zwischen Fiktion und Dokumentation. Die Geschichten der Menschen und ihre Erinnerung an Helden der Vergangenheit machen diesen Film zu einem Dialog zwischen den Generationen, meint Felix Hück. mehr

Lyrik-Anthologie

Lyrik von Jetzt 3

Die mit Spannung erwartete, von Max Czollek, Robert Prosser und Michael Fehr herausgegebene Anthologie »Lyrik von Jetzt 3 – Babelsprech« ist jüngst erschienen. Vor allem in der Lyrikzeitung und auf Facebook entstand kurz darauf eine lebendige Debatte. In ihrem Vorwort unterstreichen die Herausgeber, worin die Besonderheit des Lyrikprojekts besteht. mehr

Adam Soboczynskis Roman »Fabelhafte Eigenschaften«

Neues aus dem Betrieb

Adam Soboczynski, Co-Leiter des ZEIT-Feuilletons, hat mit »Fabelhafte Eigenschaften« seinen ersten Roman vorgelegt. Darin wimmelt es von Vertretern der urbanen Kultur- und Kreativelite mittleren Alters, die sich auf hohem Niveau zu langweilen scheinen. Nicht zuletzt daran scheitert Soboczynskis Roman, meint Eugen El. mehr

THEATER IN TEMESWAR

Die verblichene Pracht Temeswars

Die Festung Temeschburg befand sich, geschützt von Wassergräben, an der Stelle, wo heute das Nationaltheater Temeswar steht. Dorthin begab sich Thomas Rothschild, um sich während des Festivals »Eurothalia« für Tschechows »Möwe« zu begeistern und eine moderne »Elektra« zu betrachten. mehr

Der Film »Der Staat gegen Fritz Bauer«

Ein starker Charakter

Im neuen Film »Der Staat gegen Fritz Bauer« spielt Burghart Klaußner den Generalstaatsanwalt, der 1963 den Frankfurter Auschwitz-Prozess auf den Weg brachte. Regisseur Lars Kraume macht ihn zu einer wütenden, einsamen Figur, der es um die Sache geht, berichtet Riccarda Gleichauf. mehr

Festival für elektronische Musik und Klangkunst

Ungewollte Ähnlichkeiten

KONTAKTE 2015 ist kein Partnervermittlungsunternehmen, sondern ein internationales Festival für elektronische Musik und Klangkunst in der Akademie der Künste in Berlin. Bernd Leukert hat es auszugsweise besucht und beschreibt, was zu hören war. mehr

Musik: Der Mannheimer Ring

Hinter den Kulissen

Rudij Bergmann hat die Produktion des Mannheimer »Rings des Nibelungen« von Achim Freyer filmisch begleitet. Bergmann beobachtet, stellt aber auch Fragen. Nicht nur die Sänger, der Regisseur und der Dirigent kommen zu Wort, sondern auch die Repräsentanten der vielen Berufe, die der Zuschauer sonst nicht zu Gesicht bekommt, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Laurie Penny: Unsagbare Dinge

Verlorene Jungs – Perfekte Mädchen

»Feminismus ist für alle da«, erklärt die Autorin und Bloggerin Laurie Penny in ihrem neuen Buch Unsagbare Dinge: Sex, Lügen und Revolution und deckt dabei ohne falsche Zurückhaltung Pathologien unserer scheinbar so »gegenderten« westlichen Kulturen auf. Riccarda Gleichauf stellt eine neue weibliche Stimme vor, die dem längst überholten Alice-Schwarzer-Feminismus Konkurrenz macht. mehr

POP-SPLITTER

Von Agathe Bauer zu Taylor Swift

Wenn aus »I Got the Power« »Agathe Bauer« wird und aus einer R.E.M-Songzeile eine Aufforderung zum öffentlichen Pinkeln, dann sind wir mittendrin in der wundersamen Welt der falsch verstandenen Lyrics. Anhand mehrerer Beispiele berichtet Michael Behrendt über das Phänomen des mehr oder minder bewussten Missverstehens von Songs. mehr

Originaltext

Ludwig Emil Grimm: Italienreise

Der Ruhm der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm hat den jüngeren Bruder Ludwig Emil, Maler und Kunstprofessor, überschattet. Nun erscheinen seine Erinnerungen in einer Prachtausgabe der Anderen Bibliothek. Wie es sich für einen Künstler seiner Zeit gehörte, unternahm auch Ludwig Emil Grimm eine Italienreise, die er detailgenau festhielt – und die Faust-Kultur hier vorstellt. mehr

Gedicht

Ach die Tiere der Sprache

Ursprünglich geschrieben für den Film »Ming of Harlem: Twenty-One Stories (2014)« handelt Jean-Luc Nancys Gedicht »Ach die Tiere der Sprache« von der makellosen Wildheit des Tigers und des Alligators und den damit verbundenen abendländischen Konnotationen. mehr

»Gurre-Lieder« und Zwölfton-Paganinismus

Schönberg – was sonst!

64 Jahre nach Arnold Schönbergs Tod ist das Publikum reifer geworden und betrachtet Schönberg mittlerweile als raren Klassiker. Dem tragen neue Aufnahmen seiner »Gurre-Lieder« und der sinfonischen Dichtung »Pelleas und Melisande« Rechnung, die auf CD erschienen sind und von Hans-Klaus Jungheinrich ins Bewusstsein gehoben werden. mehr

Christoph Meckels »Tarnkappe«

Die Rede vom Blut

Christoph Meckel hat es fertiggebracht, ein starker Lyriker und ein beharrlicher Einzelgänger zu sein und zu bleiben. Zu seinem 80. Geburtstag sind seine »Gesammelten Gedichte« erschienen, die Bernd Leukert gerne weiterempfiehlt. mehr

Karl Wolfgang Flenders Debüt

Geld, Sex, Ökofraß

Mit »Greenwash Inc.« hat der 1986 geborene Autor Karl Wolfgang Flender seinen Debütroman vorgelegt. Dessen Protagonist Thomas Hessel poliert den Ruf von Unternehmen durch Fairness- und Nachhaltigkeitskampagnen auf. Obwohl um Aktualität bemüht, ist Flenders Roman literarisch kaum nachhaltig, meint Moritz Müller-Schwefe. mehr

Gedichte

Schwarzes Land

Bildkräftig und fern aller Idylle sind die Gedichte des kroatischen Schriftstellers Marko Pogacar, die in dem 2015 erschienenen, zweisprachigen Band »Schwarzes Land« versammelt sind. Zweisprachig werden sie auch hier, mit allen Bedeutungsverschiebungen, wiedergegeben: Das Licht ist das Maß aller Dinge. mehr

DVD: Ein Gespür für den Frieden!

Tag der Befreiung

Eine DVD versammelt Filmbeiträge von Alexander Kluge und von der TV-Produktion der Neuen Zürcher Zeitung. Sie liefern Eindrücke zum 8. Mai 1945 aus Deutschland und der Schweiz. Kluge bleibt sich und seiner Handschrift treu, meint Thomas Rothschild. mehr

Being German – Deutsch sein

Wahlheimat Deutschland

Was bedeutet »Deutschsein« heute, 25 Jahre nach der Wiedervereinigung? Vier Autoren gehen dieser Frage bei Faust-Kultur aus eigener, biographischer Sicht nach. IsiL Yönter begriff erst mit der Zeit, dass sie sich nicht zwischen ihrer türkischen und ihrer deutschen Identität entscheiden muss, sondern beide leben kann. mehr

Tagebuch eines Philosophen

Die Maske »Kojève«

Ingo Ebener liest Alexandre Kojevès nun auf Deutsch erschienenes »Tagebuch eines Philosophen« und erkennt in den frühen Notizen des einflussreichen Hegel-Interpreten mehr als bloße Formsuche und Stilübung, nämlich die Freude an dem Spiel mit der Maske. mehr

Text und Audio

Anneke Brassinga liest Gedichte

Die orphischen Gedichte der niederländischen Dichterin Anneke Brassinga handeln von Verstorbenen, aber sie sind keine Grabsteine. Sie wirken wie dem Leben entnommene Clips, die das Erinnerte verwandelt vergegenwärtigen. mehr

Lyrik-Empfehlung

Schwarzes Land

Die junge kroatische Poesie hat einen bemerkenswerten Protagonisten, den 1984 in Split geborenen Marko Pogacar. Sein neuer Gedichtband »Schwarzes Land« ist zweisprachig, also auch deutschsprechenden Leserinnen und Lesern zugänglich. Eric Giebel stellt das Buch vor. mehr

Salzburger Festspiele 2015, Teil 3

Die Verfolgung und Ermordung Bertolt Brechts

»Mackie Messer. Eine Salzburger Dreigroschenoper« stand dieses Jahr auf Rothschilds Programm, ebenso wie »Iphigénie en Tauride«. Anne-Sophie Mutter spielte Tschaikowski, wie auch Daniel Barenboims West-Eastern Divan Orchestra. Warum viele weitere Aufführungen und Konzerte der Salzburger Festspiele nicht zur Sprache kamen, legt Thomas Rothschild offen. mehr

Musik-Empfehlungen

Groß oder klein, aber fein

Dass das, was die Geschichte überdauert, das Bessere sei, ist ein Irrglaube, wie auch, dass schnell zu leben und früh zu sterben zu den Tugenden eines gelingenden Lebens gehört. Hermann Goetz, der mit 36 Jahren begraben wurde, hinterließ ein gelungenes Frühwerk. Und Hans-Klaus Jungheinrich stellt es, zusammen mit Musik von Charles Villiers Stanford und seinen Schülern, vor. mehr

Architektonisches Erbe

Martin Elsaesser: Akteur der »neuen Sachlichkeit«

Dass er als Kirchenarchitekt bekannt war, ist beinahe vergessen. Dass er, zusammen mit dem Stadtbaurat Ernst May, zu den prägenden Architekten des ›Neuen Frankfurt‹ gehörte, noch nicht. Martin Elsaesser hat Gebäude entworfen, die selbst im neuesten Frankfurt Aufmerksamkeit erregen. Petra Kammann schreibt über einen kurzen, aber bedeutenden Abschnitt der Architekturgeschichte. mehr

Buchkritik

Hannah Arendt auf der Bühne

Der Zürcher diaphanes-Verlag publiziert seit kurzem eine Reihe liebevoll bebilderter Philosophen-Porträts für junge Leser. Nun ist auch ein Band über Hannah Arendt erschienen. Es wäre zu wünschen, dass Kinderbücher wie dieses noch Platz finden in den Regalen der Kleinen, meint Heimito Nollé. mehr

Buchkritik

Abwärts

Sara Grans düsteres Krimidebüt »Dope« führt in den letzten Höllenkreis der Heroinabhängigkeit hinter den schillernden Fassaden New Yorks der fünfziger Jahre. Ein Roman von großer Wucht und Unmittelbarkeit mit einer sehr eigenen Handschrift, meint Kirsten Reimers. mehr

Ein Atelierbesuch bei Andrea Blumör

Formen und Zeichen

Kleine Zettel, sowohl mit persönlicher Bedeutung, als auch Fundstücke, nimmt die Malerin Andrea Blumör zur Grundlage für ihre Arbeiten. Im Malprozess greift sie dann auf die altmeisterliche Imprimiturtechnik zurück. Eugen El hat Andrea Blumör in ihrem Offenbacher Atelier besucht. mehr

Buchkritik

Ein Meer von Blut und Tränen

Stefano D`Arrigo hat in seinem außergewöhnlichen Roman »Horcynus Orca« mythologische Erzählungen mit den großen Krisen der Gegenwart in Verbindung gebracht und damit ein europäisches Großwerk geschaffen, in dem der kriegerische Killerwal eine Hauptrolle spielt. Dieter Maier schreibt, warum dieses Buch so wichtig ist. mehr

CDs

Wie im Film

Man weiß, dass die meisten Kinobesucher die Filmmusik gar nicht hören, weil sie ganz mit dem bewegten Bild beschäftigt sind. Eine Musik sollte man aber hören, empfiehlt Hans-Klaus Jungheinrich, nämlich die des Klassikers »Modern Times«, die der Regisseur und Hauptdarsteller Charlie Chaplin selbst komponiert hat. Andere Hinweise betreffen besondere Musik jenseits des sowieso Bekannten. mehr

Babelsprech.International

Zeitgenössische brasilianische Dichtung

Im dritten Teil seines Brasilien-Beitrags kommt Ricardo Domeneck in der Gegenwart an und bereitet auf diese Weise eine Neufassung des Kanons brasilianischer Lyrikgeschichte vor. Damit setzt Domeneck die Reihe Babelsprech.International unter der Betreuung von Max Czollek und Max Oravin fort. mehr

Dialog über die Moderne

Le Corbusier trifft Mitscherlich

Anlässlich des 50. Todestages des Architekten Le Corbusier erscheint nun eine Neuausgabe seiner Schrift »Städtebau«. Einer der schärfsten Kritiker der funktionalistischen Stadtplanung war der Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich. Christian J. Grothaus lässt die einstigen Kontrahenten zu einem fiktiven Gespräch über die moderne Großstadt zusammentreffen. mehr

Albert Breier über Walter Zimmermann

Der Tonmetz

Der Komponist Walter Zimmermann hat, indem er die Impulse der New York School aufnahm, ein großes und vielfältiges OEuvre geschaffen, das wiederum dem kulturellen Kosmos Europas verbunden ist. Der Schriftsteller und Komponist Albert Breier legt nun eine überraschende Zimmermann-Monographie vor, die dem Geflecht der Werkbezüge nachspürt. Bernd Leukert hat sie gelesen. mehr

Aphorismen von Jules Renard

Melancholie und Leichtigkeit

Unter dem Titel »Das Leben wird überschätzt« hat Henning Ritter Aphorismen des französischen Autors Jules Renard (1864-1910) zusammengestellt und übersetzt. Renards Aufzeichnungen bewegen sich in einer eigentümlichen Zerrissenheit zwischen Ablehnung des literarischen Kanons und dem Wunsch nach Erfolg. Sie sind eine faszinierende Lektüre, meint Heimito Nollé. mehr

FRANKFURTER LYRIKTAGE 2015

Lesung und Lösung

Zehn Tage voller Gedichte. Auf den 4. Frankfurter Lyriktagen waren die alten Hasen und die jungen Hüpfer der Dichtkunst zu hören und zu sehen, und viel interessiertes Publikum nahm teil. Ein Gewinn für die Poesie, findet Bernd Leukert. mehr

Schubert-Edition

Viel Schubert mit Harnoncourt

Nikolaus Harnoncourt, einst als ikonoklastischer, dem historischen Originalklang verpflichteter ›Wilder‹ geschmäht, später aber als hoch geschätzter Dirigent vitaler Interpretationen gefeiert, hat mit den Berliner Philharmonikern ein CD-Bündel mit Aufnahmen aus dem Werk von Franz Schubert herausbringen lassen. Hans-Klaus Jungheinrich beschreibt die Edition. mehr

Maschen der Kunst

Verdichtungsverdichtung

Die in der Kunst seit der Moderne auftretenden Versuche, bildliche Ereignisverdichtung zu sabotieren, ändern wenig daran, dass jedes Bild im Hinblick auf gestaltete Visualität eine Oase in der Wüste des Nichtbildes ist. Zuweilen verdichten Künstler bereits Verdichtetes nochmals, wie Christian Janecke an diversen Beispielen zeigt. mehr

Texte von Rolf Riehm

Komponieren – wozu?

Der Komponist Rolf Riehm ist ein Künstler, der in unserer Kultur zuhause ist, was mit einschließt, dass er sich mit dieser Kultur permanent kritisch auseinandersetzt. In dem Band »rolf riehm | texte« sucht Doris Kösterke Antworten auf die Frage, warum sich Riehm als politischer Komponist versteht. mehr

Dany Laferrière: »Das Rätsel der Rückkehr«

Geheimnisvolle Heimkehr

Dany Laferrière ist im Mai 2015 in die Académie française aufgenommen worden. Laferrière ist der erste Haitianer und der erste Bürger Quebecs, der einen Sitz unter der Kuppel erhalten hat. Marlène Séraphin hat sein bisher einziges auf Deutsch erschienenes Buch »Das Rätsel der Rückkehr« gelesen. mehr

Atelierbesuch bei Anne Lina Billinger

Poetisches Potenzial

Während ihres Studiums entdeckte Anne Lina Billinger Beton als künstlerisches Material für sich. Die Abdrucke, die dieses Material ermöglicht, haben sie fasziniert. Billinger lässt die Schwere des Betons in Vergessenheit geraten, meint Eugen El, der die Künstlerin in ihrem Frankfurter Atelier besucht hat. mehr

Prosatext, Teil 3

Neapel. Sichtbar Verborgen

Als einen Mikrokosmos eines unsichtbaren Europa hat die Literaturwissenschaftlerin Marion Gees die süditalienische Metropole Neapel erlebt – und beschrieben. Auch im dritten Teil ihrer Aufzeichnungen verwebt sie literarische und filmische Reminiszenzen mit geschichtlichen Überblicken, um einen Eindruck von dieser höchst problematischen Stadt zu vermitteln. mehr

Max Annas: Die Farm

Eine zerrissene Gesellschaft

Max Annas’ Debütroman »Die Farm« zeichnet ein scharfsichtiges Porträt der südafrikanischen Gesellschaft, eingebettet in eine hochspannende Story, findet Kirsten Reimers. mehr

Wo die Ungastlichkeit Frankfurts ihren Anfang nimmt

Kaisersack, eine Wegsehenswürdigkeit

Mit seinem Hauptbahnhof hat Frankfurt eins der europaweit schönsten Stadttore. Die Gastlichkeit hört jedoch spätestens zwischen dem Bahnhofsvorplatz und der auf ihn zulaufenden Kaiserstraße auf. Dieser Zwischenraum, der Kaisersack genannt wird, ist für Volker Breidecker eine echte Frankfurter Wegsehenswürdigkeit. mehr

Slavoj Zizeks Opus magnum

Unwegsames Gelände

Slavoj Žižeks Hausheilige sind Hegel und Lacan, er hat aber auch Marx, Lenin und Mao im Angebot, ferner Platon und Aristoteles, Descartes und den Deutschen Idealismus. Um Hegel geht es auch in Žižeks neuem Buch, »Weniger als nichts«. Es ist, ungeachtet seiner Opulenz, ein wichtiges, hochpolitisches und vorbildlich übersetztes Buch, meint Otto A. Böhmer. mehr

Webers »Silvana«

Jägerromantik

Seine Oper »Silvana« wollte Carl Maria von Weber gerne in Stuttgart uraufgeführt sehen, aber dann wurde er am 9. Februar 1810 im Theater wegen Silberdiebstahls und Bestechlichkeit verhaftet. Obwohl unschuldig, musste er 2600 Gulden bezahlen und wurde vom König des Landes verwiesen. Hans-Klaus Jungheinrich beschreibt, was den Stuttgartern entgangen ist. mehr

KULTURWOCHE DER SINTI UND ROMA

Gegen Vorurteile und Klischees

Sinti und Roma sind Bürger des Landes, in dem sie leben, dort ist ihre Heimat. Doch oft scheint man ihnen dies nicht glauben zu wollen. Wie falsch solche Vorurteile sind, erklärte Romeo Franz, Geschäftsführer der Hildegard Lagrenne Stiftung, während der Berliner Kulturwoche. Katharina König war vor Ort und berichtet über das von Angehörigen der Sinti und Roma initiierte Projekt. mehr

Buchkritik

Der erste Schritt

Mit Messern, Gabeln und Marmorköpfen der britischen Denker verteidigten zuletzt die Belagerten von Krishnapur ihr Leben. Von einer grotesken wie wahren Geschichte aus Indien der Kolonialzeit handelt James Gordon Farrells Buch Die Belagerung von Krishnapur. Clair Lüdenbach hat es gelesen. mehr

CD-Kritiken

Neue Jazz-Aufnahmen

Eine CD enthält jetzt sämtliche Studioaufnahmen, die Miles Davis und Sonny Rollins miteinander gemacht haben. Der Trompeter Martin Auer hat sich kürzlich an Davis' Kind of Blue gewagt. Ebenfalls neu auf CD sind die Studioaufnahmen des Jimmy Giuffre Trios, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Buchkritik

Die Vulgarität des Hasses

Der Focus-Autor Michael Klonovsky positioniert sich deutlich rechts von der politischen Mitte und liefert mit dem Band »Aphorismen und Ähnliches« einen Rundumschlag. Klonovsky steht für eine meinungsgetriebene Spielart plakativer zeitgenössischer Aphoristik, meint Tobias Grüterich. mehr

Silvio Blatters Familienroman

Ungewisse Bilanz

Im Mittelpunkt des neuen Romans von Silvio Blatter stehen zwei ältere Menschen, die eigentlich zufrieden auf ihre Vergangenheit zurückblicken können. Und doch werden sie von der Frage umgetrieben, wie sie das letzte Lebensdrittel gestalten sollen, ohne es am Ende zu bereuen. Die Lektüre ist schmerzhaft, aber auch befreiend, meint Peter Henning. mehr

What Have They Done To My Song?

Homophobe Rapper haben’s schwer

Der einstige Skandalrapper Bass Sultan Hengz bewirbt sein neues Album mit einem Foto küssender Männer und gibt sich in puncto »Schwuchtel«-Rhetorik geläutert. Dass homophobe Raps heute seltener angestimmt werden, ist sicher auch ein Verdienst der immer breiteren internationalen Proteste, meint Michael Behrendt. mehr

Textauszüge

Leichter Wind

Die Autorin Carmen-Francesca Banciu siedelte nach ersten Erfolgen in Rumänien nach Berlin über und begann, deutsch zu schreiben. Ihr letztes Buch, in dem sie Reisenotizen zu poetischen Bildern über die Melancholie eines Schriftstelleralltags verwandelt, ist gerade erschienen. Auszüge lesen Sie hier

CDs des dänischen Komponisten

Nie war Nielsen spannender

Manches ist im Nachhinein von uns stillschweigend zur Kenntnis genommen worden, nachdem es zur rechten Zeit übersehen wurde, vieles nämlich, was die dänische Kultur hervorgebracht hat, wie etwa den unangepassten Komponisten Carl Nielsen, dessen sinfonisches Werk Hans-Klaus Jungheinrich vorstellt. mehr

Romandebüt

Abenteuerreise nach Besserland

Alexandra Friedmann, 1984 im weißrussischen Gomel geboren, kam 1989 mit ihrer Familie nach Deutschland. In ihrem autobiografisch gefärbten Romandebüt »Besserland« erzählt die in Berlin lebende Autorin von einer hürdenreichen und zuweilen abenteuerlichen Auswanderung. Eugen El hat das Buch gelesen. mehr

150 JAHRE MAX UND MORITZ

Falsches Jubiläum

In Frankfurt verfasste Wilhelm Busch unter anderem den ›Heiligen Antonius von Padua‹, den er mit einem Wildschwein gen Himmel fahren ließ, nachdem er vorher von einem schönen Mädchen versucht wurde, das sich aber als der Teufel entpuppte. Dieser Teufel ist nun in Wikipedia gefahren, wie Wilhelm-Busch-Biografin Gudrun Schury berichtet. mehr

Gespräch mit dem Autor Adam Zagajewski

Ein Gedicht ist das Gegenteil von Routine

Heute wird der polnische Schriftsteller Adam Zagajewski mit dem Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste ausgezeichnet. Im Gespräch mit Jakub Gawlik und Philipp Stadelmaier sprach Zagajewski über die Intuition des Dichters, den Elan vital des Gedichts und die Augenblicke poetischer Erhebung. mehr

Zum Tod des Dichters Tomas Tranströmer

»Morgenvögel«

Als Tomas Tranströmer im Oktober 2011 den Nobelpreis für Literatur bekommen hatte, aber schon nicht mehr sprechen konnte, hat Hanns Grössel, sein deutscher Übersetzer, in einem Interview für Faust-Kultur Auskunft über den schwedischen Dichter gegeben. Grössel starb am 1. August 2012, Tranströmer am 27. März 2015. mehr

Neunter Reisebericht

Henry M. Stanley: Wie ich Livingstone fand

»Dr. Livingston I presume«, diese formelle Begrüßung nach einer entbehrungsreichen Reise machte Henry M. Stanley berühmt. Der Journalist Stanley war vom New York Herald ins Innere Afrikas geschickt worden, um den totgesagten Forscher David Livingstone zu finden. Obwohl unerfahren als Expeditionsführer, gelang ihm das Kunststück. mehr

Atelierbesuch

Ordnung und Witz

In ihrer Kunst verbindet Daniela Kneip Velescu Ordnung und Struktur mit Gedankenreichtum und subtilem Witz. Kneip Velescus Werke sind derzeit im Frankfurter Kunstverein und im Kunsthaus Wiesbaden zu sehen. Eugen El hat die Künstlerin in ihrem Frankfurter Atelier besucht. mehr

Reportage

Auf den Spuren der Impressionisten

Monet, Manet, Renoir. Ist der französische Impressionismus als französisches Weltkulturerbe zu sehen? Als Phänomen von ungeheurer Anziehungskraft auf jeden Fall, meint Petra Kammann. Für Faust-Kultur ist sie durch die Orte des Impressionismus in der Normandie gereist. mehr

JAN WAGNER IM GESPRÄCH

Pure Sprachlust

Jan Wagner hat für seinen Gedichtband »Regentonnenvariationen« als erster Lyriker den Leipziger Buchpreis 2015 bekommen. Im Gespräch mit Bernd Leukert vom November 2012 gibt er Auskunft darüber, wie er zum Dichter wurde und warum es für ihn keinen Grund gibt, nicht Dichter zu sein. mehr

Lyrik: 100. Geburtstag von Karl Krolow

»Immortellen, Nebel«

Der Dichter und Büchnerpreisträger Karl Krolow wurde heute vor hundert Jahren, am 11. März 1915, geboren. An seine »ästhetische Botschaft«, die er uns in seinen Alltäglichen Gedichten hinterließ, erinnert Alexandru Bulucz. mehr

Buchempfehlung

Das Leben neu erfinden

In seinem Debütroman »Sterndeutung« umkreist der ukrainisch-deutsche Schriftsteller Jan Himmelfarb einen Lebenslauf zwischen Krieg, Verfolgung, Totalitarismus und Emigration. Stefana Sabin hat das Buch gelesen. mehr

Weltempfänger 26 – Platz 2

Löwen wecken

Der neue Roman der jungen Israelin Ayelet Gundar-Goshen handelt von Etan, dessen vermeintlich wohlgeordnetes Leben plötzlich auf den Kopf gestellt wird. Der Autorin gelingt es hervorragend, eine spannende Geschichte mit ständig neuen unerwarteten Wendungen zu erzählen, meint Anita Djafari. mehr

Lyrik: Gedanken zu Paulus Böhmer

Wasser will alles Wasser

Böhmers Gedichte springen dem Leser, aber auch der Leserin nicht ins Gesicht. Man muss sich der Energie dieses großen Gesanges überlassen, um ihm zu verfallen. Der Lyriker Thomas Kunst war vom Buch »ZUM WASSER WILL ALLES WASSER WILL WEG« des Lyrikers Paulus Böhmer mehr als bewegt. mehr

Ein Atelierbesuch

Vibrierende Formen

Ihre Arbeiten lassen an kleinste Organismen denken, die man nur unter einem Mikroskop zu sehen bekommt. Seit jeher interessiert sich die Künstlerin Michelle Concepción für die mit dem bloßen Auge kaum wahrnehmbaren Strukturen. Eugen El hat Concepción in ihrem Offenbacher Atelier besucht. mehr

Kulturgeschichte

Unterwasserballett: Jean Painlevé

Ursula Harter hat ein reich illustriertes Buch über »Aquaria in Kunst, Literatur und Wissenschaft« vorgelegt. Faust Kultur bringt einen Textauszug, in dem die Autorin sich mit dem Dokumentarfilmer Jean Painlevé beschäftigt, dessen Schaffen die Surrealisten inspirierte. mehr

Konzert ohne Dichter

Der Wille zum Werk

In seinem neuen Roman zeichnet Klaus Modick die Stimmung in der Künstlerkolonie Worpswede zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach und erzählt dabei die Geschichte eines der berühmtesten dort entstandenen Gemälde. Stefana Sabin hat das Buch gelesen. mehr

BERLINALE 2015

Zivilcourage

Die Bären haben ihren Dienst getan, doch es gab in Berlin auch Bemerkenswertes neben dem Showbusiness. Thomas Rothschild erzählt von Marcel Ophüls, von der feindlichen Übernahme des Moskauer Filmmuseums durch das System Putin, von einem Dokumentarfilm aus Burkina Faso und einem Spielfilm aus Spanien. mehr

Buchkritik

Alter, fremdes Land

Über die Zumutungen des Alters hat die Schriftstellerin Natascha Wodin einen Roman geschrieben, dessen Titel schon programmatisch anmutet: Alter, fremdes Land. Wodin ist es hoch anzurechnen, dass sie den Niedergang eigener Befindlichkeiten ohne Larmoyanz oder Aufdringlichkeit beschreibt, meint Otto A. Böhmer. mehr

Achter Reisebericht (1849-56)

Reisen und Entdeckungen im südlichen Afrika

David Livingstone lernte die Sprachen der verschiedensten Stämme im südlichen Afrika und verkündigte mit großer Überzeugungskraft den christlichen Glauben. Ebenso verschaffte er sich großen Respekt als Arzt. Von den Anfängen der Reise und der Entdeckung der Victoria-Fälle, die ihn weltberühmt machte, wird im folgenden Ausschnitt berichtet. mehr

Peter-Huchel-Preis 2015

Für Paulus Böhmer!

Im April wird Paulus Böhmer mit dem wichtigsten deutschen Lyrikpreis, dem Peter-Huchel-Preis, geehrt. In seiner Danksagung an Böhmer wirft Alban Nikolai Herbst einen Blick auf seine dreißig Jahre alte Freundschaft mit dem »Großen Alten Mann«, dem zunehmend junge Lyrikerinnen und Lyriker Bewunderung entgegenbringen. mehr

Wilhelm Furtwängler mit Beethovens Neunter

Die Gabe

Der leidenschaftliche Streit darüber, ob Wilhelm Furtwängler während der Nazi-Herrschaft nun ein Opportunist war oder nicht, lässt sich anhand seiner musikalischen Interpretationen nicht klären. In Luzern dirigierte er seine letzte Neunte. Hans-Klaus Jungheinrich hat sich die neu aufgearbeitete Aufnahme angehört. mehr

Dokumentarfilm

Propaganda

Den Dokumentarfilmern Walter Heynowksi und Gerhard Scheumann, die in der DDR arbeiteten, wurde im Westen Deutschlands politische Voreingenommenheit unterstellt. Nun sind die wichtigsten Filme des Teams als DVD-Box erhältlich. Sie sind unverzichtbar für jeden, der sich für die Geschichte des Dokumentarfilms interessiert, meint Thomas Rothschild. mehr

Gedicht von Debbie Lim

Recalling the Bats

Debbie Lim ist eine Lyrikerin aus Sydney. Gern behandelt sie in ihren Gedichten Tiere, die sie mit ihrer poetischen Charakterisierung in fiktive Mythen verwickelt. Eric Giebel hat neben ihr Gedicht Recalling the Bats seine Übertragung ins Deutsche gesetzt: Fledertiere, sich ihrer vergegenwärtigen. mehr

Babelsprech

Junge finnische Dichtung: eine Annäherung

In seinem Text über die jüngsten Entwicklungen finnischer Lyrik wirft Max Oravin einen Blick auf zwei Verlagskollektive und präsentiert ausgewählte Texte in englischer Übersetzung. Damit wird die von Max Czollek und Max Oravin betreute Reihe »Babelsprech.International« eröffnet. mehr

Neubewertung eines großen Komponisten

Jubiläums-Strauss

Der Komponist Richard Strauss geriet nach dem Zweiten Weltkrieg in Verruf, denn er wurde von den Nationalsozialisten zum Präsident der Reichsmusikkammer ernannt. Dass Strauss aber auch eine bedeutende Figur der Moderne war, ruft Hans-Klaus Jungheinrich in Erinnerung. mehr

Persönliche Erinnerung

Burkhardt Lindner gestorben

Der Germanist und Benjamin-Forscher Burkhardt Lindner ist in der Nacht vom 7. Januar 2015 in seinem Haus in Frankfurt am Main überraschend gestorben. Unter der Wirkung dieser schockierenden Nachricht erinnert Martin Lüdke an seinen Freund und Kollegen. mehr

Internet-Zeitalter

Digitales Faustrecht

Im Internet haben sich rechtsfreie Bereiche entwickelt. Was das Verhalten der großen Netzkonzerne leitet, ist nicht die Umsetzung von Recht, sondern eine Alternative zum Recht. Die Kriterien, die zur Löschung von Einträgen führen, zählen zu den Forschungsthemen eines Exzellenzclusters an der Frankfurter Goethe-Universität, berichtet Andrea Pollmeier. mehr

Philosophische Reflexionen

Ein Alphabet des Lebens

»Ohne Publikum kann das Schreiben nicht gelingen«, heißt es in dem Buch »Tagesrationen« von Jürgen Werner. Es besteht aus pointiert geschriebenen, philosophischen Reflexionen, ohne die auch das Lesen nicht gelingen kann. Auszüge daraus hier.

Rolf Hosfelds neue Heine-Biographie

Göttliche Bosheit

An Biographien berühmter Dichter und Denker mangelt es auf dem Buchmarkt nicht. Heinrich Heine rangiert dabei, nach Goethe, auf Platz zwei. Nun hat Rolf Hosfeld eine weitere, über 500 Seiten starke Heine-Biographie vorgelegt. Wer sich über Heine informieren will, wird bei Hosfeld ordentlich bedient, meint Otto A. Böhmer. mehr

Buchempfehlung

»Celan-Lektüren«

»Celan-Lektüren« nennt Markus Fischer seine eigene wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Paul Celans Dichtung und Poetologie. Mit den Mitteln der Komparatistik, Literatur- und Translationswissenschaft gelingt ihm eine schlüssige Celan-Vergegenwärtigung, meint Vasile V. Poenaru. mehr

Die Farben der Abstraktion

Retrospektive der Künstlerin Sonia Delaunay

Sie gehört zu jener heroischen Künstlergeneration, die die Abstraktion durchsetzte, doch blieb ihr Werk weitgehend unbekannt: Sonia Delaunay. Jetzt widmet ihr das Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris eine umfangreiche Ausstellung. So ist Sonia Delaunay endlich zu entdecken, meint Stefana Sabin. mehr

Zur Ausstellung »Das nackte Leben«

Die Kunst der Metropole

Die figurative Malerei kam nach 1945 unter Druck. Doch sind, inmitten des sich abzeichnenden Siegeszugs der Abstraktion, insbesondere in London viele Maler der Figuration treu geblieben. Eine Ausstellung in Münster stellt diese Künstler, unter ihnen David Hockney, Lucian Freud und Francis Bacon, nun vor, berichtet Eugen El. mehr

Jazz-CD-Empfehlungen

Armstrong & Monk

Als Entertainer, als Sänger und vor allem als Trompeter war Louis Armstrong eine singuläre Erscheinung. Auch der Aufnahmen des Pianisten Thelonious Monk wird man nicht überdrüssig. Thomas Rothschild empfiehlt neu erschienene CDs der beiden Jazzmusiker. mehr

Weltkulturen: Gespräch mit Christine Kron, München

Ein Museum für Susanne

Das älteste Völkerkundemuseum Deutschlands heißt nun: Museum Fünf Kontinente. Man orientiert sich an einem typischen Besucher, nämlich an Susanne, einer Frau in mittleren Jahren. Im Gespräch mit Clair Lüdenbach erläutert Dr. Christine Kron, die Direktorin des Museums, ihren Weg zu einem attraktiven Haus für die Kulturen aller Kontinente. mehr

Siebter Reisebericht

»Meine China- und Tibetexpedition«

Als Wilhelm Filchner von 1926 bis 1928 Tibet erkundete, begrüßten ihn seine Gastgeber vor ihrem Zelt in gebückter Haltung, mit ausgestreckten Armen und heraushängender Zunge. mehr

Zeitgenössische Kunst

Behutsame Irritation: Alles am richtigen Platz?

Mit minimalistischer Ästhetik, aber konzeptuell vielschichtig inszeniert der Frankfurter Künstler Bernd Metz den Ausstellungsraum. Er überrascht mit Irritationen im Miteinander von Raum und Objekt. Andrea Gremels und Maren Scheurer berichten von ihrem Ausstellungsbesuch. mehr

ESSAY AUS DER ZEITSCHRIFT TUMULT

Die Heterologie

Weil im Griechischen ›heteros‹ der Andere bedeutet, steht im Zentrum der Heterologie die Unterscheidung zwischen dem Heiligen und dem Unheiligen oder zwischen den Geschlechtern. Georges Bataille hat in TUMULT über das Heterogene in der Religion, der Soziologie und der Psychoanalyse nachgedacht. mehr

Autorengespräch

Wie ein Reiseschwein

Otto A. Böhmer steht mit beiden Beinen in der Philosophie, auf die er gerne skeptisch und belustigt herabsieht. Aber auch seine Romane ruhen auf Weisheiten, die oft miteinander kollidieren und den Menschen dumm aussehen lassen. Im Gespräch mit Arnold Maxwill erklärt der Schriftsteller sich und sein Buch »Das Jesuitenschlößchen«. mehr

Stücke im antiken Kontext

Mythen. Mutanten

Der Dramatiker Simon Werle hat »Acht Stücke im antiken Kontext« in die Welt gebracht, die mit ihrer sprachlichen Kraft auffällig sind. »Mythen. Mutanten« heißt der Band. In zwei Textproben zeigt sich, worum es geht. mehr

Wilhelm Genazino: »Bei Regen im Saal«

Im Leerlauf des Lebens

Der Schriftsteller Wilhelm Genazino hat seine letzten Romane durchweg mit etwas antriebsarmen Helden bestückt. Auch in seinem neuen Buch, »Bei Regen im Saal«, treffen wir auf einen Erzähler, der seine besten Jahre hinter sich hat. Weniger wäre mehr gewesen in diesem Roman, meint Otto A. Böhmer. mehr

Versuch, Weißrussland zu verstehen

Unterscheiden lernen

Nicht nur die Ukraine wird in der deutschen Öffentlichkeit als Teil der russischen Sphäre betrachtet. Auch Weißrussland wird oft einfach übersehen. Einen umfassenden Versuch, zu einem Verständnis des seit 1991 unabhängigen Landes zu verhelfen, unternimmt der Philosoph Valentin Akudowitsch in seinem Buch. Eugen El hat es gelesen. mehr

Tom Bresemanns neuer Gedichtband

Lyrische Widerborstigkeit

Tom Bresemanns bildungsaffine Gedichte sind bei den Kritikern vor allem für Witz, Wut und Widerborstigkeit bekannt. Ob er in seinem neuen Gedichtband »Arbeiten und wohnen im Denkmal« dieser Linie treu bleibt, untersucht Alexandru Bulucz. mehr

BUCHAUSZUG

House of Taswir

Das Buch »House of Taswir« von Almut Bruckstein Çoruh ist ein Denk-Labyrinth aus Notizen, Zitaten und Reflexionen – ein anarchisches, höchst idiosynkratisches Gebäude, in dem jüdische und islamische Philosophie, mittelalterliche und postmoderne Deutungstradition aufeinander treffen. Faust-Kultur druckt eine Seite daraus ab. mehr

DOKUMENTARFILMFESTIVAL IN DUISBURG

Diskretion nach unten und Respektlosigkeit nach oben

Die Duisburger Filmwoche, nunmehr in ihrem 38. Jahr, entzieht sich der Logik des Wachstums von Festivals. Und so standen auch diesmal nur so viele Dokumentarfilme auf dem Programm, wie man an fünfeinhalb Tagen unterbringen kann. Für jeden Film blieb außerdem eine Diskussionszeit von einer Stunde reserviert, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Gedanken über eine periphere Gattung

Ein zweites Leben für die Operette?

Die Operette war zwar die Popmusik der Großeltern und der Urgroßeltern, aber dennoch ist in diesen volkstümlichen Bühnenwerken, deren Musik auf neuen CDs sich Hans-Klaus Jungheinrich widmet, noch etwas, was die Begeisterung unserer Vorfahren erklärt. mehr

Der Philosoph Georg Simmel

Mit Seufzern behängte Träume

Der Stadtmensch Georg Simmel ist gerade dem raschen und ununterbrochenen Wechsel äußerer und innerer Eindrücke, die sein Nervenleben steigerte, aufs Land entrückt. Dort beeindrucken ihn, wie Otto A. Böhmer berichtet, nicht nur nächtliche Illuminationen, sondern auch ein Geist, den er einst beschwor. mehr

AUSSTELLUNG IN BERLIN

Moholy-Nagy und der Sinnenfall der Moderne

Der Bauhaus-Lehrer László Moholy-Nagy war ein Pionier der audiovisuellen Medien. Eine Ausstellung in Berlin zeigt nun, dass er die Empfindungen des menschlichen Körpers nicht im Gegensatz zur Moderne sah. Vielmehr war die Avantgardekunst für Moholy-Nagy eine Verlängerung und Potenzierung der menschlichen Sinne, meint Christian J. Grothaus. mehr

Oper: Wolfgang Rihms »Lenz«

Die Passion des Jakob Lenz

Wolfgang Rihm hat aus Georg Büchners Erzählung »Lenz« eine Oper gemacht, die zu den bedeutendsten Opern des 20. Jahrhunderts zählt. Andrea Breth hat sie nun in Stuttgart einstudiert. Die Stuttgarter Oper hat einen großen Abend kreiert, findet Thomas Rothschild. mehr

Opern in Wien und Bratislava

Autonomie und Gnade in Wien und Bratislava

Die beiden Hauptstädte Wien und Bratislava entdecken gerade ihre Nachbarschaft neu. Während das Theater an der Wien mit »Iphigénie en Aulide et Tauride« eine Oper im Doppelpack inszeniert, zeigt das Slowakische Nationaltheater Mozarts »La clemenza di Tito«. Beide Opern handeln von Edelmut und Gnade, berichtet Thomas Rothschild. mehr

MARTIN WALSERS TAGEBÜCHER 1979 BIS 1981

So geht Kulturgeschichte

Das Tagebuch eines Schriftstellers, in dem das Private als ausgestellte Intimität öffentlich wird, ist eine problematische Gattung. Der Fall liegt jedoch anders bei Martin Walser, der sein Leben zum Instrument seines Schreibens gemacht hat. Nun sind Walsers Tagebücher aus den Jahren 1979 bis 1981 erschienen, und Martin Lüdke hat sie gelesen. mehr

CD-Kritiken von Thomas Rothschild

Von Ayers bis Zappa

Experimentelle Rockmusiker wie Kevin Ayers oder Frank Zappa scheuten keine Anleihen beim Jazz. Man kann davon ausgehen, dass sie auch mit der Musik des Altsaxophonisten Lee Konitz vertraut waren. Von allen drei Interpreten sind nun neu bearbeitete Aufnahmen erschienen. mehr

Reisebericht von Mark Twain

Meine Weltreise nach Indien

»Ja, das ist Indien! Das Land der Romantik und der Träume, wo fabelhafter Reichtum und fabelhafte Armut wohnen, das Land der Pracht und der Herrlichkeit, der Lumpen, der Paläste und elenden Hütten, der Pest und Hungersnot …« Was Mark Twain anno 1895 erlebte, ist bis heute dort gegenwärtig. mehr

Albert Ostermaiers Gedichtband »Außer mir«

Stiefelschritte der Ameisen

Albert Ostermaier ist ein äußerst produktiver Autor, der in seinem neuen Gedichtband »Außer mir« der ekstatischen Liebe mit feinen und grellen Sprachbildern zu Leibe rückt. Bernd Leukert hat das Buch gelesen. mehr

Raja Alems Roman »Das Halsband der Tauben«

Ein Wimmelbild aus Mekka

Die saudi-arabische Autorin Raja Alem sprengt mit ihrem kulturgeschichtlich komplexen Roman »Das Halsband der Tauben« alle Klischees. 2011 wurde sie für ihr Werk mit dem renommierten International Prize for Arabic Fiction ausgezeichnet. Auf der Buchmesse in Frankfurt erhält sie den LiBeraturpreis 2014. Larissa Bender stellt den Roman vor. mehr

Wilder: Die Brücke von San Luis Rey

Die Brücke in den Tod

In seinem zweiten Roman »Die Brücke von San Luis Rey« kombinierte Thornton Wilder Liebes- mit Leidensgeschichten, das Tragische mit dem Pikaresken und entwarf ein traditionelles humanistisches Menschenbild. Anlässlich einer neuen deutschen Übersetzung hat Stefana Sabin den Roman wieder gelesen. mehr

Leonce und Lena am Stuttgarter Ballett

Büchner und die Pizzicato-Polka

Christian Spuck, ab 2001 Hauschoreograph in Stuttgart und seit zwei Jahren Direktor des Balletts am Opernhaus Zürich, hat zahlreiche abendfüllende Choreographien kreiert. »Leonce und Lena«, das nun wieder in den Spielplan des Stuttgarter Balletts aufgenommen wurde, zählt zu seinen schönsten, findet Thomas Rothschild. mehr

Bruce Holbert: »Einsame Tiere«

»Geschichte. Ein Wort, viele Möglichkeiten, oder?«

Bruce Holberts Debütroman »Einsame Tiere« spielt im US-Bundesstaat Washington Anfang der dreißiger Jahre. Holbert gelingt es, das Westerngenre zu modernisieren – mit Elementen des Serienkillerthrillers, großer Wortgewalt und ebenso poetischen wie entsetzlichen Bildern, meint Kirsten Reimers. mehr

Kurzgeschichten

Nachrichten aus Neuland

In Amerika hat er bereits zahlreiche Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht. Jetzt liegt mit »Vier neue Nachrichten« das erste Mal ein Band von Joshua Cohen in deutscher Übersetzung vor. Cohen zeigt sich als ein moderner Erzähler, der die Fragen nach Identität und Wirklichkeit im digitalen Zeitalter literarisch gekonnt reflektiert, meint Michael Helwig. mehr

Ausstellung: Architecture of Peace

Über Städte nach dem Krieg

Wir kennen Medienbilder von zerstörten Städten, weit weniger allerdings solche, die das Wohnen nach einem Konflikt zeigen. Eine Münchener Ausstellung zeigt nun Fallstudien zum Wiederaufbau von Städten und Szenarien zur Überwindung geteilter Metropolen in Afghanistan, Europa, Afrika und dem Nahen Osten, berichtet Christian J. Grothaus. mehr

Zum 70. Jahrestag des Warschauer Aufstands

Messe für die verschwundene Stadt

Am 1. August 2014 jährte sich der Warschauer Aufstand zum 70. Mal. Vor 20 Jahren erschienen Miron Bialoszewskis Erinnerungen aus dem Warschauer Aufstand Nur das was war auf Deutsch. Detlev Claussen empfiehlt das Buch auch für die Lektüre heute. mehr

Zum Tod von Volker Bohn

»Sonst gerne«

Den Frankfurter Germanisten Volker Bohn, der sein Denken auch im Politischen ungewöhnlich deutlich lokalisierte, zeichneten persönliche Bescheidenheit und sachliche Unerbittlichkeit aus. Am 5. Juli 2014 ist Volker Bohn im Alter von 72 Jahren gestorben. Uwe Wirth erinnert an ihn. mehr

75 Jahre Batman

Der Überlebenskünstler

Der Comic- und Film-Superheld Batman ist eine Ikone der Popkultur. Nach 75 Jahren des Kampfes gegen unzählige Gegner hat er nicht nur überlebt, er hat seinem bunten Vorbild und Antipoden Superman längst den Rang als beliebtester Superheld abgelaufen, meint Lukas Gedziorowski in seinem Essay. mehr

Der spät entdeckte Mieczyslaw Weinberg

Wenn Musik durch die Spalten der Zeit fällt

Der tröstliche Spruch, nach dem die Zeit die Fülle der künstlerischen Hervorbringungen aussiebt und das wenige Beste zurückbehält, steht im Verdacht, Unterlassungssünden zu Himmelsgeschenken umzuwidmen. Hans-Klaus Jungheinrich belegt dies mit der Musik von Mieczyslaw Weinberg, die jetzt auf CD veröffentlicht wurde. mehr

Porträt: Toni Sender

Rebellin, Demokratin, Weltbürgerin

Die kleine, zierliche Person war eine starke Stimme der Arbeiterbewegung. Die Journalistin und ›stadtbekannte Agitatorin‹ Toni Sender war eine frühe Sozialdemokratin, die die erste deutsche Republik vorbereiten half. Christa Schell hat die kämpferische Frau, die heute vor fünfzig Jahren starb, porträtiert. mehr

Eine Kurzgeschichte von Julia Faust

Durchblicke schaffen. Einsichten.

Die Kölner Autorin Julia Faust interessieren weibliche Befindlichkeit und die Suche ihrer Protagonistinnen nach ihrem Platz in einer zusehends unübersichtlicheren Gesellschaft. Ihre Geschichten pflegen den wunderbar altmodischen Takt des schnörkellosen klassischen Erzählens, meint Peter Henning in seiner Einführung. mehr

Spurensuche

Otto Dix in seinem Exil

1933 gehörte Otto Dix zu den ersten Kunstprofessoren, die entlassen wurden. Darüberhinaus zwangen die Diffamierungen nationalsozialistischer Kollegen den Maler, Dresden zu verlassen und sich an den Bodensee zurückzuziehen. Dort begab sich Johannes Winter auf Spurensuche. mehr

Blaise Cendrars »Monsterroman«

»Kunstvoll verspielt und absolut moralfrei«

Blaise Cendrars war ein genialer Haudegen, bereiste schon mit 16 die ganze Welt, ein Abenteurer, der als Fremdenlegionär den rechten Arm verlor, der experimentelle Filme machte und seine innovativen Gedichte selbst druckte. Nun ist in der ›Anderen Bibliothek‹ sein starker Roman »Moravagine« neu herausgekommen und hat Martin Lüdke beeindruckt. mehr

Gespräch mit Klára H?rková

»Der Wunsch nach Demokratie ist sehr stark«

In ihrer Anthologie »Über den Dächern das Licht / Nad Strechami Svetlo« versammelt die Dichterin Klára Hurková je 22 Autorinnen und Autoren aus Tschechien und Deutschland. Eric Giebel hat mit Klára Hurková über ihr literarisches und künstlerisches Werk sowie über die politische Gegenwart Tschechiens gesprochen. mehr

Peter Zumthor: Bauten und Projekte 1985-2013

Synthese aus Ort und Material

Seine Entwürfe versteht er als Suche, bis eine Synthese aus Ort, Nutzung, abstrakten Parametern, Visionen, Träumen und einer materialbasierten Alchemie gelingt. Die Rede ist vom Schweizer Architekten Peter Zumthor. Eine kürzlich erschienene Werkschau nimmt sich Christian J. Grothaus zum Anlass, Zumthors Arbeit vorzustellen. mehr

Alexander Kluge: 30. April 1945

Führerlos

Mit einem Schuss begann die Westbindung der Deutschen. So finden sich der Selbstmord Hitlers und die Aufteilung Deutschlands zusammengebunden in Alexander Kluges Buch »30. April 1945 – Der Tag, an dem Hitler sich erschoß und die Westbindung der Deutschen begann«. Johannes Winter hat das Buch gelesen. mehr

Lyrik von Andrea Zanzotto

Fremd wie zuhause

»Ein kleines Buch außer der Reihe« ist von der Darmstädter Jury zum Buch des Monats im April 2014 gewählt worden: »Dorfspiel« von Andrea Zanzotto. Peter Härtling begründet die Wahl der Jury mit dem Hinweis auf die venetische Region, die Zanzotto auch mit Dialektgedichten repräsentierte. Bernd Leukert hat sich den Gedichtband angesehen. mehr

Über das Sterben, den Tod und die Trauer

»Wer die Menschen sterben lehrt, lehrt sie leben.«

Der Tod, das Sterben und die Trauer sind die letzten Tabus der Gesellschaft. Dabei gehören sie zum Leben dazu. Irgendwann werden wir alle damit konfrontiert sein. Aber wie ist einem Sterbenden zu begegnen? Wie möchten wir selbst sterben? Pete Smith berichtet von dem Sterben des Vaters und macht sich Gedanken über den Umgang mit unserer Endlichkeit. mehr

Zum Tod von Urs Widmer

»Mei Kopp is aach so voll«

Urs Widmer hat stets auch die groteske Seite der Realität im Blick gehabt. Sie hat den Erzähler und Dramatiker motiviert und zu einem umfangreichen Werk getrieben. Nun ist der Schriftsteller in Zürich seiner schweren Krankheit erlegen. Marion Victor erinnert sich. mehr

Ein Erlebnisbericht zu Arno Schmidt

Tina oder über die Unsterblichkeit

Wo fällt man gleich über »Spitzbrüste voller Ungedeih«? Klar, in »Tina oder über die Unsterblichkeit«. So beginnt nämlich für Arno Schmidt der Weg ins Elysium. Was »Tina« darüber hinaus anrichten kann, schildert Gregor Szyndler in seinem rezensierenden Erlebnisbericht. mehr

BRIEFWECHSEL

Hans Blumenberg und Jacob Taubes

Der Religionssoziologe Jacob Taubes muss ein beeindruckender Rhetoriker gewesen sein, der dem Philosophen Hans Blumenberg beharrlich eine Zusammenarbeit antrug. Warum beide hoffnungslos aneinander vorbei redeten, erklärt Enno Rudolph in seiner Besprechung des Briefwechsels. mehr

kapitalismuskritik

Ein Philosoph der handfesten Dinge

Der Philosoph, Ökonom, Gesellschaftstheoretiker und Protagonist der Arbeiterbewegung, der behauptete, kein Marxist zu sein, hieß Karl Marx und starb vor 130 Jahren. Die letzten Jahrzehnte wurde er als »toter Hund« betrachtet, nun aber besinnt man sich auf seine Qualitäten. Hans-Martin Lohmann erinnert an den wortgewaltigen Schriftsteller und brillanten Theoretiker. mehr