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Suhad Abdulrazzaq Issa

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa & Ilke S. Prick

O Basra meiner Ahnen

Ich glaube den Bäumen nicht mehr
die sich leuchtend färben
aber keine Früchte tragen

Ich glaube unseren Öfen nicht mehr
denn das Feuer darin lodert nur
weil wir mit der Axt die Bäume fällen

An ihrer statt pflanzen wir noch mehr Öfen
und irren umher
in tausend Satelliten

Damit meine Brunnen nicht verbrennen
und ich keinen Händler erzürne
opfere ich tausend Flüsse

O Basra meiner Ahnen
Was ist geschehen?
Darf ich dich das jemals fragen?

Basra war ein Minarett
für Nachtschwärmer und die Liebhaber von Datteln
Basra war durchzogen von Flüssen
stillte mit seinem Nektar den Durst eines jeden
Basra war wie die schöne Rose,
von der jeder redete sogar noch im omanischen Sindschar

Ich glaube meinen Träumen nicht mehr
denn Basra gehört nun den Händlern.

Zainab Safi Alaeani

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa
Gereimt von Ilke S. Prick

Scheherazade tötet tausend Shahriars

Glücklicher König, lass es dir sagen,
mir wurde schon länger zugetragen:
in arabischen Ländern herrscht Krieg.
Märchen haben ihren Sinn verloren,
Zwist und Tod sind zu Hausherren erkoren
arabischer Frühling, absurde Politik.

Glücklicher König, man hat gesagt,
dass Frauen unschuldig und ohne Arg
als Gabe Gottes in die Welt gegeben
beim IS in Gefangenschaft nun leben.

Schlaflos folgt die Dichterin mir
in Iraks Himmel hat sie Quartier
schärft zum Schwert mir meine Worte
erschafft mit meinen Reimen Orte
denkt Tag und nächtens Poeme sich aus
schickt sie von Osten nach Westen hinaus
die Stimme über Meere und Wogen
ihre Liebe als Leuchtturm erhoben.

Man sagt, weiser König, dass meine Liebe
die Prophezeiung sei in diesem Kriege
eine Nacht, von all den Ereignissen matt,
und ein Schrei, der die Vögel vertrieben hat.

Nidaa Mohsin Hasan

Aus dem Arabischen von Jessica Siepelmeyer

Du wirst nicht kommen

Alles noch intakt.
Das Herz rast nicht,
die Glieder zittern nicht,
die Füße stolpern nicht,
die Lider flattern nicht.
Nur ein inneres Beben,
während ich am Bahnhof warte.
Um mich herum Lärm,
der Himmel wolkenverhangen,
kein Sonnenstrahl kommt durch.
Un Garten nicht eine Blume.
In mir ein dudelndes Lied
von heimatloser Liebe.
Wirst du kommen?
Oder bleibt meine Seele fefangen
im blassen Traum?
Immer wieder
geh ich den Weg.
Du aber kommst nicht.

Eine Seele in mir

Vom Frieden unberührt
seit dem 1. Weltkrieg.
Aus den Poren der Erde quillt Menschenlava.
In mir eine Seele,
die Leichtigkeit wurde ihr ausgetrieben.
Ich tanzte mit ihr durch den Raum,
blieb hier hängen.

Und dort
am Ende der Fäden Gottes
eine zerfetzte Karte
ein Land, in Schutt und Asche gelegt
vom Spiel des Westens.
Denn einziehen sollen dort
der Geist der Zerstörung,
Schrei zerrütteter Seelen
und verwaister Mütter.

Und wir –
wir folgen dem Leichenwagten,
mühen uns ab
auf Erden, wo es kein Exil gibt.

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erstellt am 15.4.2018

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