Der Musiker Bobby Darin feierte in den fünfziger und sechziger Jahren Erfolge zwischen Jazz, Pop, Rock‘n‘Roll und Crooning. Auf einer Doppel-CD sind nun seine Singles aus dieser Zeit erschienen. Thomas Rothschild stellt außerdem neu aufgelegte Aufnahmen von Sammy Davis Jr. und Peggy Lee vor.

CD-Empfehlungen

Jazzgesang für alle

An der Schnittstelle von Jazz, Pop, Rock‘n‘Roll und Crooning reüssierte in den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Bobby Darin. Seine Versionen von „Mack The Knife“, Charles Trenets „La Mer“, „Lazy River“ oder „Clementine“ präsentieren ihn als Jazzsänger, „Dream Lover“ als erfolgreichen Pop-Interpreten, „Splish Splash“ als Rock‘n‘Roller und „Was There A Call For Me“ als Crooner. Diese Songs findet man neben 57 weiteren Titeln, von denen er eine ganze Reihe selbst geschrieben hat, – darunter vier Instrumentalstücken, ein Mal mit Darin am Piano – auf einer Doppel-CD mit den Singles, die Bobby Darin zwischen 1956 und 1962 Erfolge bescherten. Er imitiert, was damals auf der musikalischen Tagesordnung stand, mit einer kraftvollen Stimme, glättet die provokanteren Vorbilder, macht sie, im besten Sinne, zu Entertainment.

Man muss nicht unablässig Ranglisten erstellen, und man muss, was man liebt, nicht vergrößern, indem man Vergleichbares verkleinert. Aber wahrscheinlich besteht Einigkeit im Urteil, dass auf dem Gebiet des populären Vokaljazz Sammy Davis Jr. eine Klasse für sich ist. Nicht allein wegen seines Stimmumfangs, sondern mehr noch wegen des Feelings, wegen des Timings, mit dem er jedem noch so bekannten Song seine eigene Note gibt. Die inflationär gebrauchte Redewendung, dass jemand etwas – in seinem Fall: den Jazz – im Blut habe, klingt hier plausibel. Eine Doppel-CD vereint 38 Titel, die der Superstar 1961/62 mit dem Bandleader Marty Paich aufgenommen hat. Dazu kommen 12 Bonus Tracks mit anderen Arrangeuren und Dirigenten. Neben Evergreens wie „Let There Be Love“, „Bye Bye Blackbird“, „What Kind Of Fool Am I“, „The Party‘s Over“, „Too Close For Comfort“ oder „Begin The Beguine“ findet man hier weniger verbreitete Songs und ungewöhnliche Versionen von Standards, so auch von Friedrich Hollaenders „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, bei dem man eher an Marlene Dietrich, auf jeden Fall aber an eine Frau denkt als an Sammy Davis Jr., obwohl auch die Beatles oder Kevin Ayers das Lied unter dem Titel „Falling In Love Again“ interpretiert haben.

Auch Peggy Lee hat es verstanden, den Jazzgesang einem breiten Publikum schmackhaft zu machen. Unter den langsamen, getragenen Songs gibt es gleich eine ganze Serie, die von durchschnittlichen, ja gemeinen Männern handeln, von denen die Sängerin nicht los kommt, weil sie sie so sehr liebt. Welcher mittelmäßige Mann vernähme so etwas nicht gerne? Freilich: der Gesang ist nur die halbe Miete. Was wäre er – und das gilt für Bobby Darin und Sammy Davis Jr. ebenso – ohne die Arrangements der Bands und Combos. Man höre sich beispielsweise Peggy Lees Version von „I Can‘t Give You Any Thing But Love“ an. Wie die Instrumente des Orchesters einstimmen, wie sie ihren Kommentar abgeben und die gesungenen Passagen einrahmen – das macht das Jazzvergnügen erst komplett. Dafür ist bei den Aufnahmen aus den Jahren 1954-62 und, als Bonus, einigen älteren Aufnahmen Benny Carter zuständig, einer der stilbildenden Altsaxophonisten des Jazz.

Aus dem Rahmen fällt der Hit „The Gypsy With Fire In His Shoes“ von Laurindo Almeida. Benny Carter spielt das Saxophon, Laurindo Almeida die Gitarre und Sammy Davis Jr. ist auch dabei: als Stepptänzer!

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erstellt am 06.2.2018

Bobby Darin
The 1956-62 Singles
2 CD
Jackpot/inakustik 01248775

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Sammy Davis Jr.
The Marty Paich Sessions
2 CD
Jackpot/inakustik 48776

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Peggy Lee
The Benny Carter Sessions
2 CD
American Jazz Classics/inakustik 99188

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