Elfriede Jelineks Stück „Am Königsweg“, das am Schauspiel Frankfurt Premiere hatte, handelt von Donald Trump. Es wird klar: Frau Jelinek hat etwas gegen den US-Präsidenten. Ansonsten passiert nicht viel. Miloš Lolićs Inszenierung ist erstaunlich unterhaltsam, meint Martin Lüdke.

Premierenkritik

Wie war das mit den Hund?

Elfriede Jelinek, die österreichische Literaturnobelpreisträgerin von 2004, hat mal wieder ein neues „Theaterstück“ herausgebracht, Titel: „Am Königsweg“. Sie versucht darin möglicherweise ein unbegreifliches Phänomen zu begreifen, vielleicht auch nur zu umkreisen: diesen phänomenalen amerikanischen Präsidenten, der zum Schrecken der halben und zum Erstaunen der ganzen Welt, seinem Amt völlig neue Dimensionen erschließt. Möglich, dass er am Rand des Abgrunds wandelt, dabei ein unterhaltsames Spektakel bietet. Möglich, dass er die ganze Welt mit in den Abgrund reißt.

Das Stück wurde in Hamburg erfolgreich uraufgeführt und jetzt auch im Frankfurter Schauspiel (in den Kammerspielen), gefällig beklatscht, auf die bonbonfarbige, bunte Bühne gebracht. Jelineks, wie es der Frankfurter Dramaturg Konstantin Küspert zurecht nennt, „Textfläche“ lässt sich variabel handhaben. Der Bayerische Rundfunk hat in einer Hörspielfassung sehr ordentliche sechs Stunden darauf verwendet. Die Hamburger Aufführung von Falk Richter soll sich über viereinhalb Stunden gedehnt haben, während nun Frankfurt mit nur hundert Minuten auskommt.

Zirkushaft: Elfriede Jelineks „Am Königsweg“ am Schauspiel Frankfurt, Foto: Robert Schittko

Es geht, man muss es so sagen, um Trump. Donald Trump, den gegenwärtigen amerikanischen Präsidenten, der zwar nie direkt benannt, aber immer direkt gemeint ist. Das kleine Ensemble bemüht sich erfolgreich, die Textpassagen, die ihm zugefallen sind, hübsch variiert, über die Rampe zu bringen.

Es passiert nichts. Es ist aber viel los, auf, anfangs auch vor der Bühne.

Was der Text nicht hergibt, das muss die Regie leisten. Allerdings hat auch die Jelinek nicht gespart an literaturgeschichtlichen und sogar philosophischen Bezügen, historischen Anspielungen und gegenwärtigen Verweisen. Figuren der antiken Tragödie, dem „blinden Seher“, bis hin zu Gestalten der Popkultur, „Alf“ , dem Außerirdischen, tummeln sich bumsfidel auf engem Raum.

Miloš Lolić, der Belgrader Regisseur, hat sich wirklich einiges einfallen lassen, um den Raum zu füllen, den der Text nicht bietet. Oft ohne, manchmal mit losem Bezug zu dem, was da gerade gesprochen wird, bewegen sich die fünf Schauspieler, die ja keine Rollen spielen, sondern nur Texte präsentieren sollen, in wechselnden Kostümen über die am Ende völlig leere (kahle, schwarze) Bühne.

Leere Bühne: „Am Königsweg“ am Schauspiel Frankfurt, Foto: Robert Schittko

Es wird klar: Frau Jelinek hat was gegen Trump. Mit dieser Haltung kann sie auf Beifall rechnen. Nur was sie gegen Trump hat, das bleibt unklar. Da hilft ihr auch kein herbeizitiertes, griechisch eingefärbtes (Bildungs-)Wissen.

Wir können offenbar, was sich da gegenwärtig (nicht nur in Washington) abspielt, kaum mehr begreifen. Kunst reicht da, wie schon der alte Hegel nüchtern beklagte, nicht mehr ganz hin. Vor diesem Dilemma stehen auch solche „Textflächen“, wie sie uns Elfriede Jelinek bietet.

Ich kann es kurz machen: Scherz, Satire, Ironie, nur ohne Christian Dietrich Grabbes „tiefe Bedeutung“. Kurzweilig, harmlos. Bunt, schön anzuschauen, und erstaunlich unterhaltsam. Wie die vielen Berichte über vielen Auf- und Fehltritte des mächtigen Mannes der Welt.

Wir sehen tatsächlich nur betroffen: Vorhang zu und alle Fragen offen. Darunter, wie anders, auch die letzte, die Frage nach dem Hund. Denn wie war das mit dem Hund? Es heißt ja: Hunde, die bellen, beißen nicht. Aber wer garantiert uns das? Die Hunde selber sicher nicht.

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erstellt am 16.1.2018

„Am Königsweg“, Schauspiel Frankfurt, Foto: Robert Schittko

Theater

Am Königsweg

Von Elfriede Jelinek

Regie Miloš Lolić
Bühne Evi Bauer
Kostüme Jelena Miletić
Dramaturgie Konstantin Küspert

Besetzung Heidi Ecks, Sarah Grunert, Nils Kreutinger, Michael Schütz, Wolfgang Vogler, Luciano Hiwat, Solomon Quaynoo (Tänzer)

Schauspiel Frankfurt