Thomas Rothschild schaut nach Österreich, wo kürzlich eine Regierung unter Beteiligung der rechtspopulistischen FPÖ vereidigt wurde.

Kontrapunkt

Tu felix Austria

Heinz Christian Strache (rechts) über Sebastian Kurz (links): „Wir haben alle diese Themenbereiche in den letzten Wochen intensiv verhandelt und zwar auf einer Basis gegenseitiger Wertschätzung und Respekts. Wir haben dem Land und den Menschen in Österreich zu dienen, und das ist unser Verständnis, und ich darf mich daher auch bei Sebastian Kurz bedanken und darf mich auch bei Ihnen bedanken, und – alles Liebe.“

Am 18. Dezember werden sie von Bundespräsident Alexander van der Bellen angelobt. Und all jene, die einen Bundespräsidenten Norbert Hofer für die denkbar größte Katastrophe hielten, sind in Starrkrampf verfallen. Nicht die Ankündigung einer drastischen Verschlechterung der Bedingungen für Flüchtlinge, des Abbaus von Sozialleistungen, der Verstärkung von polizeistaatlichen Maßnahmen hat spontanen Massenprotest hervorgerufen, sondern dass das geplante absolute Rauchverbot in der Gastronomie gekippt werden soll. Eine Opposition, die so reagiert, hat schon verspielt. Wer weiß, ob diese Regierung, in der Norbert Hofer übrigens Minister ist, zustande gekommen wäre, wenn die Wahlen auf einen FPÖ-Bundespräsidenten hätten antworten müssen? Und wer erinnert Van der Bellen an seine Äußerungen zur ÖVP-FPÖ-Koalition vor 17 Jahren? Dabei war Schüssel im Vergleich zu Kurz ein Sozialdemokrat. Ach könnte der politische Verstand doch mit der Aufgeregtheit an der falschen Stelle Schritt halten. Kurz und Strache haben dem Bundespräsidenten „versichert, dass Österreich ein starkes Land im Herzen Europas ist und bleibt und eine aktive Rolle bei der künftigen Gestaltung der EU spielen will“. Na dann ist ja alles in Butter.

Apropos: „Dann möchte ich hier nicht mehr leben. Ich bin verzweifelt, denn ich habe durch meine Arbeit lange versucht, das zu verhindern, was jetzt eingetreten ist. Und ich sehe, dass Opposition nicht möglich ist.“ Das hat Elfriede Jelinek ebenfalls vor 17 Jahren verlautbart. Sie wolle Österreich verlassen, wenn es zu einer Regierungsbeteiligung der FPÖ kommen sollte. Es ist damals zu einer Regierungsbeteiligung der FPÖ gekommen. Es ist jetzt wieder zu einer Regierungsbeteiligung der FPÖ gekommen. Elfriede Jelinek lebt dem Vernehmen nach immer noch in Österreich.

Jetzt hat Österreich den Salat, und die Welt wird sich daran gewöhnen müssen, dieses Land in einem Atem mit Ungarn oder Polen zu nennen.

Alles Liebe.

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erstellt am 18.12.2017