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Foto: Jamal Tuschick
Foto: Jamal Tuschick

10. November 2017

Alles Wesentliche weglassen

Die Radikalen Jüdischen Kulturtage wachsen sich zur Revolution aus. Eine biografische Valeska Gert Revue von und mit Marina Frenk lief aus dem Ruder. Jüdinnen übernahmen das Maxim Gorki Theater im Vorgriff auf die Übernahme Deutschlands.

Assimilierung ist keine Option mehr. Der Faschismus gab dem Zionismus die besten Argumente. Viele Nachkommen von Leuten, deren jüdische Herkunft ihnen ohne Hitler auf ewig am Knie vorbeigegangen wäre, hängen nun an den zionistischen Tröpfen und atmen trotzdem schwer. Um die Gegensätze, Widersprüche und noch mehr Differenz überschaubar erscheinen zu lassen, arbeitet man mit Begriffen wie Radical Diversity und Diversity of tactics. Doch die schicken Formeln können nicht darüber hinwegtäuschen, woher das Multidivers seine Gravitation bezieht. Jugendbewegte Strategien ziehen Energien aus Heimweh nach einem Früher, als man noch selbstbestimmt und ruchlos auf sein Jüdischsein pfeifen konnte, so man es denn wollte. Das Ziel ist eine Welt, in der das möglich ist.

Valeska Gert – The Animal Show – eine biografische Revue von und mit Marina Frenk

Valeska Gert (1892 – 1978) ist eine Erscheinung von Damals und daher kommt ihre Faszination. Sie glaubte noch, eine Freiheit zu haben, die ihren Grund wohl kaum in gesellschaftlichen Verhältnissen hatte. Ihre Exzentrik gestattete ihr wenig Normalität. Deshalb machte sie daraus ein Genre, das zur globalen Ermutigung der queerzionistischen Abteilungen wurde. Davon erzählt Marina Frenk in einer biografischen Revue auf der Bühne des im Berliner Maxim Gorki Theater eingelassenen STUDIO Я – „einem Kunstasyl für marginalisierte Themen und Denkweisen, Plattform für Diskussionen und Schaffensprozesse – postnational, queer, empowernd!“

Valeska Gert habe gern alles Wesentliche weggelassen, sagt Frenk. Sie meint damit das Wesentliche der anderen, das für Valeska Gert eben nicht wesentlich war.

„Gehirngulasch“ ist ein Schlüsselbegriff der Inszenierung. Es gibt aber nur Burger. Das Dekor erschöpft sich in einem Sarg. Der Anstrich tendiert zur Trendfarbe Rotbraun. Als Valeska bedrängt Frenk das Publikum, den Willigsten gibt es Tiernamen und -masken. Am Ende erkennt man wohl, Zeuge eines Spiels mit gezinkten Karten geworden zu sein. Die „Freiwilligen“ haben sich auf Vorfeldern des Geschehens zu Hilfskräften hochgedient.

„Wie spielt man Sterben?“

Valeska Gert tanzte Zustände von der Nervosität bis zum Orgasmus. Vermutlich erfand sie den geräuschlosen Todesschrei. Jedenfalls legt das Frenk in ihrer Ausgelassenheit dem Auditorium nah. Sie bringt es zum Schreien und setzt es polonaisisch in Gang.

Zu einem unpassenden Zeitpunkt zog Valeska Gert in Berlin ihr erstes Kabarett auf. Der „Kohlkopp“ bewies, so Frenk, eine Liebe zur spartanischen Improvisation mit Nosferatulicht. Die Künstlerin schätzte die kleine Form in jeder Hinsicht. Sie machte nichts, was richtig gut laufen konnte. Die Machtergreifung zwang sie zu einer Nomadenexistenz. Bis zum Krieg kam sie immer wieder nach Deutschland, zu spacig für solide Abneigung. Zwei Jahre nach dem Sieg kehrte Valeska Gert wieder in Europa ein. Neunundvierzig eröffnete sie in Berlin die „Hexenküche“, traumatisiert von ihrer Zeit als Spülerin in New York. Klaus Kinski trat in dem Kabarett als Ilse Koch auf. Nein, so war es nicht. Frenk stellt die Sache richtig. Kinski kochte in der Hexenküche und Valeska Gert erschien ihm als Konzentrationslagerleiterin.

„Wir sind alle noch nicht tot.“

Frenks Revue mündet in der Simulation einer Sondersendung direkt nach Übernahme des Maxim Gorki Theaters im Zuge der Radikalen Jüdischen Kulturtage. Während die klügsten Köpfe der Nation auf die Bevölkerung beruhigend einwirken, etabliert sich im Gorki als erste Kampfhandlung der „Salon Varnhagen Reloaded“. In Gestalt von Marina Frenk erscheint Rahel Varnhagen als Nofretete von Jerusalem auf deutschen Boden. Organisiert und diszipliniert von Tobias Herzberg folgen die Aktivist*innen den Anweisungen aus einem Drehbuch von Max Czollek und Tobias Herzberg. Den amerikanischen Okkupationsbeistand koordiniert und repräsentiert Stella Hilb.

Valeska Gert – Ausschnitt aus der Dokumentation „Cabaret Berlin – Die wilde Bühne 1919 – 1933“

Radikale Jüdische Kulturtage, vom 2. bis 12. November 2017 im Studio Я, Maxim Gorki Theater, Berlin

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Micha Brumlik, Foto: Jamal Tuschick
Micha Brumlik, Foto: Jamal Tuschick

6. November 2017

Radical Diversity im Zeichen von Social Justice

Eine klare Stellungnahme für die jüdische Diaspora – Micha Brumlik und Max Czollek präsentierten im „Studio Я“ des Maxim Gorki Theaters das u.a. von ihnen herausgegebene Periodikum „Jalta“

Der Bogen von der AfD bis zu Donald Trump spannt sich selbst. In der westlichen Welt schwindet die Freiheit, während ein überwunden geglaubter Chauvinismus an die Tröge der Macht zurückkehrt. Die Zivilgesellschaft steht unter Druck. Ihr begegnen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Nationalismus. Dem stemmen sich die Herausgeber*innen des im Neofelis-Verlag erscheinenden Diskursmagazins „Jalta“ entgegen. Eingerahmt von Max Czollek, stellte Micha Brumlik stellvertretend für Anna Schapiro, Hannah Peaceman, Lea Wohl von Haselberg und Marina Chernivsky die neue Wunderwaffe für den intellektuellen Nahkampf in der Ahnengalerie der Auserwählten vor. Das Foyer der Maxim Gorki Studiobühne besticht während der Radikalen Jüdischen Kulturtage als Galerie von Ansichten weiblicher Scharfschützen der Roten Armee. Brumlik sprach von „Flintenweibern“. Man ließ ihm das durchgehen.

„Wir sind die Differenz“ – Bemerkungen zu einer Anti-Leitkultur

Brumlik forderte die Abkehr von der Imagination einer gesellschaftlichen Mitte. „Wir definieren die deutsche Leitkultur von außen“, ergänzte Czollek.

Der Magazinname spielt nicht nur auf eine Konferenz im Winter Fünfundvierzig an, die Deutschland zur Verfügungsmasse der Alliierten erklärte. Die Herausgeber*innen berufen sich mit „Jalta“ auf eine jüdische Feministin des vierten Jahrhunderts, die ihre Vehemenz in den Dienst einer Kritik der männlichen Thoraauslegung stellte und als Tochter eines Führers in der babylonischen Diaspora sieben Mal im Talmud erwähnt wird. Brumlik rezitierte „An den Strömen von Babel, da saßen wir und weinten, wenn wir an Zion dachten. Wir hängten unsere Harfen an die Weiden in jenem Land“ in hessischer Mundart. Babylon bot sich als Stichwort für ein korrespondierendes Periodikum an. „Babylon“ erschien von 1986 bis 2010 mit „klaren, vom Glanz der Frankfurter Schule beschienenen Stellungnahmen für die jüdische Diaspora“ im Verlag „Neue Kritik“.

„Die Frage nach der Identität ist immer eine Art von Wurzelbehandlung.“ Max Czollek

Die „Jalta“-Macher*innen sondieren „Hybride jüdischer Identitäten“. Die erste Ausgabe widmete sich der „Selbstermächtigung“. Im letzten Jahr fiel bei den „Radikalen Jüdischen Kulturtagen“ kein Podiumswort häufiger als Empowerment. Im Heft geht es um Rebellinnen, Schäferhunde und „die Verbindungen von Schwarzen und Juden“. Es geht darum, aus der Sterilität einvernehmlicher Radikalität herauszutreten und es auf Krach ankommen zu lassen.

„Wir positionieren uns. Wir nehmen keine Rollen an, die uns von außen zugetragen werden.“

Der erste Nachschlag verhandelt die Standpunkte der „Desintegration“ als Metapher und Methode im Kulturkampf. Brumlik begrüßt die Ungemütlichkeit der verschärften Teilhabeforderungen von Minderheiten. Desintegration ist „die Diskokugel der Migration“. Die Zauberformulierung lautet: „Radical Diversity im Zeichen von Social Justice“.

Radikale Jüdische Kulturtage, vom 2. bis 12. November 2017 im Studio Я, Maxim Gorki Theater, Berlin

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Abb.: Lutz Klüppel / Radikale Jüdische Kulturtage
Abb.: Radikale Jüdische Kulturtage

4. November 2017

Textland

Jogurt im Knobelbecher

Am zweiten Abend der „Radikalen Jüdischen Kulturtage“ erschien „Celan mit der Axt“

„Wir haben die Koffer ausgepackt.“

So lautet ein Hauptsatz in Max Czolleks Selbstgespräch für eine Person im „Echoraum der toten Juden“. In der Inszenierung von Sapir Heller erscheint der Erzähler (Till Wonka) als wiederholt gescheiterter Versuch, ein „richtiger Deutscher“ zu sein und sich wohl zu fühlen in der bundesrepublikanischen „Selbstoptimierungsgülle“. Das gestundete Ich variiert Schrumpfvarianten eines wie nach Fahrplan misslingenden Lebens. Es erscheint als Skizze und gewinnt Bildhaftigkeit nur, wenn es sich historischen Größen anverwandelt. Im Verlauf des Bühnengeschehens tritt es dem Publikum als Paul Celan, Hannah Arendt und Thomas Brasch entgegen. Ferner macht es einen Bordell- und Immobilienunternehmer namens Amichai Süß aus sich. Es entlarvt Martin Walsers Paulskirchenrede von 1998. Schließlich suggeriert es dem Publikum, aus dem Stehgreif Heldentaten eines Uropas und eines Opas ins Spiel zu bringen.

„Celan mit der Axt“ geht von einem literaturgeschichtlichen Ereignis aus. Im Mai 1952 folgt Celan einer Einladung von Hans Werner Richter zur Teilnahme an der 10. Tagung der Gruppe 47 in Niendorf an der Ostsee. Der Dichter reist aus Paris an. Ihm ist nicht wohl in der Gesellschaft ehemaliger Wehrmachtssoldaten und Flakhelfer, die auf „literarischen Knüppelpfaden“ in „literarische Schützengräben“ umgezogen sind und ihre Prosa „um den Preis der Poesie“ (Wolfgang Weyrauch) gewinnen. In den Männern laufen in jeder Hinsicht starke Verdrängungsmotoren. Die Gruppe 47 beherrscht den Betrieb, sie setzt ihre Autoren durch; später auch erfolgreich gegen nachfolgende Generationen. Im Kreis der Tüchtigen liest Celan aus „Mohn und Gedächtnis“, der den ersten Band, „Der Sand aus den Urnen“, einschließt. Er liest die „Todesfuge“. Czolleks Kolportage macht daraus eine Sitzung auf dem „heißen Stuhl“. Gelächter unterbricht den Vortrag. Die da lachen sind, so Czollek, „geistiges Proletariat“.

Die nie aus ihren Knobelbechern gekommenen Kollegen verreißen den Zerrissenen.

„Der liest wie Goebbels.“

Wonkas Spiel zeigt die Methode. Wieder hat keiner was von nichts gewusst, auch nicht, dass Celans Eltern von SS ermordet wurde. Man stößt sich an der Stimme und dem hohen, von einer Tradition beglaubigten Ton.

Hannah Arendt stellt Wonka als Befragte dar, im Nachgang der Diskussion, die den Prozessbericht „Eichmann in Jerusalem“ verfolgte. Zunächst dementiert Arendt einen jüdischen Kindheitshintergrund. Über ihre Herkunft sei sie auf der Straße aufgeklärt worden. Man habe sie zur Jüdin gemacht.

„Wer als Jüdin angegriffen wird, muss sich als Jüdin wehren.“

Bei allem bleibt Eichmann für Arendt ein „Hanswurst“.

So geht es weiter im Stück. Es wimmelt von bemerkenswerten Einfällen und Sätzen. Wonka verwandelt alle Textvorlagen. Vielleicht geht er darüber hinaus in seiner Würdigung der Altvorderen. Ein Urgroßvater habe noch als „guter Deutscher“ im Großen Vaterländischen Krieg Mut beweisen dürfen. Friedrichs Pour le Mérite verdient er sich vor Otto von Emmich. Sein Sohn weicht nach England aus und wird Pilot der Royal Air Force. In einer Avro 683 kreuzt er am Himmel über Deutschland auf.

Ziemlich zum Schluss sagt der von den Helden, die er anspielen durfte, gedopte Stellvertreter:

„Wir haben nichts mehr außer Erinnerungen an Dinge, die wir nicht erlebt haben.“

Aber endlich haben „wir“ einen gemeinsamen Feind. Das ist der Feind „unserer Werte“.

„Celan mit der Axt“, ein Text von Max Czollek. Regie: Sapir Heller

Radikale Jüdische Kulturtage, vom 2. bis 12. November 2017 im Studio Я, Maxim Gorki Theater, Berlin

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Moran Sanderovich als bewaffnete Mutantin, Foto: Jamal Tuschick
Moran Sanderovich als bewaffnete Mutantin

3. November 2017

Textland

Der gemütliche Mensch

„Die Geschichte vom Leben und Sterben des neuen Juppi Ja Jey Juden“ – Die Radikalen Jüdischen Kulturtage begannen auf der Studiobühne des Berliner Maxim Gorki Theaters mit einem Monolog von Sivan Ben Yishai

Angeblich ist kein Platz schöner hienieden, als der Garten der Diaspora in der Berliner Werner Michael Blumenthal Akademie. Das behauptet Sesede Terziyan in ihrer Rolle als israelische It-Persönlichkeit im Überschaum einer Danksagung auf deutschem Boden. Das theatralische Ich bedankt sich für ein zum Hirsch gewordenes Bambi in der Kategorie jüdische Superfrau aka „Juppi Ja Jey Jüdin“. Es eignet sich als angenehmes Gegenüber für Schuldgefühle. Es schmiegt sich an Erwartungen und geißelt die Erwartungsvollen. Es ist so gespalten wie seine Verbraucherinnen. Seine Ausführungen kehren immer wieder in den Garten der Diaspora zurück, der „als Raum des Austausches und der Reflexion, aber auch als Lern- und Anschauungsort für unsere pädagogischen Programme“ vermarktet wird.

„In der Mitte des Gartenraumes stehen vier scheinbar schwebende Stahlplateaus von ca. 4 × 14 Metern Fläche, die von einem Holzpodest umgeben sind. Die Plateaus können flexibel gestaltet und genutzt werden.“

Im Rücken der Preisträgerin erträgt eine bewaffnete Mutantin die regungslose Einsamkeit der Scharfschützin. Sie durchläuft eine Verwandlung Richtung Action. Ihr Gasdrucklader entpuppt sich als Gehhilfe. Ein Zeigefinger ersetzt die Nase. Die monströse Hässlichkeit verbirgt Moran Sanderovich. Zuletzt erscheint sie als verletzte Tigerin und Sitzgelegenheit.

Die Preisträgerin bittet das Publikum, ihr S. Freud zu sein. Sie gibt die Patientin in der Gewalt „blonder Bräutigame“. Die „blonden Boys“ wissen: „Wenn das Ende nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende.“

Die Braut ist heiß auf die Gene der anderen. Sie frisst ihre Liebhaber und trinkt ihr Blut. Ihren Eltern macht sie zum Vorwurf, sie „mit der falschen Sprache und dem falschen Pass“ ins Rennen geschickt zu haben. Sie hadert zumal mit der Mutter, einer Meisterin des Schwarzpfefferzaubers.

Nichts fürchtet sie mehr als „den gemütlichen Menschen“ in seiner Mordbereitschaft.

Sagt sie Herz, meint sie „die Blutpumpe“. Man soll sie nicht für eine halten, die zur Metapher flüchtet.

Terziyan spielt stark. Sie geht das Publikum an und sorgt für Irritationen. Sie wirkt erschlagend intensiv. Vor ihrem Rollenspott ist niemand sicher. Das deutsche Steuerrecht und Stiftungswesen bietet sich ihr zu Bemerkungen genauso an wie der Terrorismus.

„Die Geschichte vom Leben und Sterben des neuen Juppi Ja Jey Juden“ ist ein Monolog von Sivan Ben Yishai. Regie: Sasha Marianna Salzmann

Radikale Jüdische Kulturtage, vom 2. bis 12. November 2017 im Studio Я, Maxim Gorki Theater, Berlin

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Kommentare


Halina Bendkowski - ( 16-11-2017 12:51:01 )

RADIKAL?
wenn noch einmal jemand eine Radikalattüde beansprucht, werde ich auch radikal sagen, was es meistens ist: Kindertheater. Und ich habe nichts gegen Kindertheater, ganz im Gegenteil mehr davon, auch für Jugendliche, aber ich bin kein Kind. Alle meine letzten Theaterbesuche, waren den Weg nicht wert. Seitdem es die Regie überall knallen lassen will, wird man taub von dem überall großen theatralischen Krach. Daran ist auch die Theaterkritik schuld, die alles (gesellschaftliche) Reflektieren dahinfahren lassen hat und dadurch das schlingensiefende Kindertheater immer weiter antreibt. Und wie das so ist mit ewig Pubertierenden, sie schreien, weil sie keiner zum Nachdenken animiert. Dass ein emeritierter Professor, wie Micha Brumlik dabei auch noch mitmachen muss, hilft nicht weiter. Radikal war sein Versagen im Gespräch mit Omar Barghouti, der vor ein paar Jahren die BDS-Bewegung im TAZ Cafe der Linken schmackhaft machte, ohne dass Micha Brumlik ausreichend vorbereitet war, einem radikalen Antizionismus Paroli zu bieten. Dagegen hilft nun auch kein radikal jüdisches Festival.

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erstellt am 03.11.2017

Der Schriftsteller-Journalist Jamal Tuschick atmet die Kultur der Hauptstadt. Sein Evidenzbüro trägt er bei sich, wenn er Nacht für Nacht Theater, Lesung, Kino, Club, Musik, Ausstellung, Performance oder Diskussion aufsucht: den Notizblock. Der notorische Chronist schreibt sein laufendes Protokoll ins Textland auf Faust Kultur.