Thomas Rothschild kritisiert, dass der deutsche PEN Rüdiger Safranski in seinen Reihen duldet, einen Autor, der Rolf Peter Sieferles „Finis Germania“ verteidigt und die kritischen Reaktionen darauf als „Skandal“, als „fahrlässig und hysterisch“ qualifiziert.

Kontrapunkt

Finis PEN

Ich habe den deutschen PEN verlassen, nachdem auf der jüngsten Jahresversammlung eine Clique von Pharisäern – den Beweis für diese Behauptung liefere ich gerne nach – in das Präsidium gewählt wurde. Dass meine Entscheidung richtig war, wurde mir seither gleich mehrfach bestätigt. Dass die Schriftstellervereinigung einen Generalsekretär hat, der die deutsche Grammatik nicht beherrscht: geschenkt. Dass die Präsidentin Regula Venske einen offenen Brief an den Präsidenten und den Ministerpräsidenten der Türkei publiziert, dessen gute Absicht durch Peinlichkeiten und Selbstüberschätzung desavouiert wird: geschenkt. Dass der PEN aber einen Autor in seinen Reihen duldet, Rüdiger Safranski nämlich, dem es ein dringendes Bedürfnis ist, Rolf Peter Sieferles „Finis Germania“ zu verteidigen und die kritischen Reaktionen darauf als „Skandal“, als „fahrlässig und hysterisch“ zu qualifizieren, lässt sich nicht einfach stillschweigend hinnehmen.

Zwar sind solche Ausfälle bei dem weit rechts gelandeten Safranski, der sich schon in der Flüchtlingsfrage als Scharfmacher geoutet hat, nicht überraschend. Aber immerhin steht in den Statuten des internationalen PEN, die auch für den deutschen PEN gelten: „Members of PEN should at all times use what influence they have in favour of good understanding and mutual respect between nations; they pledge themselves to do their utmost to dispel race, class and national hatreds, and to champion the ideal of one humanity living in peace in one world.“ Wie sich diese Forderung mit dem Buch von Rolf Peter Sieferle vereinbaren lässt, muss das Präsidium des deutschen PEN erst beweisen. Das wäre jedenfalls eine dringlichere Aufgabe als die dümmliche und verkaufsfördernde Entfernung des Titels aus einer Bestsellerliste, die gerade mit dieser Aktion ihre Glaubwürdigkeit endgültig verspielt hat. Auch hier gilt, wie bei Regula Venskes blamabler Brief-Dichtung: der gute Wille – geschenkt. Was zählt, ist das Ergebnis.

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erstellt am 02.8.2017

Germania von Friedrich August von Kaulbach
Germania von Friedrich August von Kaulbach, 1914