Als Pianist, Komponist, Arrangeur und Organisator hat Wolfgang Dauner den deutschen Jazz mitgeprägt. Kurz nach Dauners 80. Geburtstag, im Januar 2016, fand im Stuttgarter Theaterhaus ein Konzert statt, dessen Mitschnitt jetzt auf CD erschienen ist. Thomas Rothschild stellt die Dauner-Aufnahme sowie eine neue CD des Klarinettisten Michel Portal vor.

CD

Jazz-Giganten

Man kann über den deutschen Jazz nicht reden, ohne von Wolfgang Dauner zu sprechen. Als Pianist, als Komponist, als Arrangeur und als Organisator hat er Zeichen gesetzt. Eins davon heißt United Jazz & Rock Ensemble. Es gehörte ein Vierteljahrhundert zu den führenden Big Bands und zu den Repräsentanten dessen, was man Jazzrock nannte. Kurz nach Dauners 80. Geburtstag, im Januar 2016, fand im Stuttgarter Theaterhaus ein Konzert mit dem seit 2012 unter dem Namen United Jazz & Rock Ensemble Second Generation auferstandenen UJRE statt. Einige der Gründungsmitglieder sind mittlerweile tot, aber ihr Sound, ihre Konzeption und nicht zuletzt Wolfgang Dauners Führungsqualität haben in den Nachfolgern überlebt.

Zu Dauners Begabungen als Musiker zählt seine Vielseitigkeit, und er konnte sie bei dem Jubiläumskonzert unter Beweis stelle. Er gehörte zu den Ersten, die in Deutschland mit dem Synthesizer experimentierten. Damit hat er nie aufgehört. Aber auch als Solist am Flügel überzeugt er immer wieder, auf der nun vorliegenden, im Theaterhaus mitgeschnittenen CD einmal mit einer Eigenkomposition, einmal mit einer Verneigung vor der Jazzgeschichte, einer kurzen Improvisation über ein Thema von George Gershwin. Daneben gibt es die Big Band-Arrangements von Kompositionen Dauners, darunter sein Superhit „Trans Tanz“. In Trio-Besetzung erweist Dauner seinem unersetzlichen verstorbenen UJRE-Kompagnon Albert Mangelsdorff Reverenz, und Christof Lauer, ebenfalls ein UJRE-Veteran, bläst ein Solo. Als Gäste treten unter anderem Larry Coryell, Klaus Doldinger, Manfred Schoof und Jon Hiseman auf – ein Fest, nicht nur für den Dauner-Fan, fürwahr. Auch dem Sohn Flo Dauner am Schlagzeug räumt der stolze Vater den gebührenden Raum ein.

Die Bassklarinette ist ganz allgemein und im Jazz im Besonderen ein seltenes Instrument, und sein Meister heißt Michel Portal. Im Zusammenspiel aber mit dem (klassischen) Streichquartett Quatuor Ébène und – auf neun von zwölf Titeln – mit dem Perkussionisten Richard Héry und dem Keyboarder Xavier Tribolet nimmt er sich so sehr zurück, dass man vergessen könnte, dass er immerhin der berühmte Doyen des Ensembles ist. Im Zentrum der CD jedoch stehen drei Stücke von Astor Piazzolla, in denen Michel Portal die Klarinette gegen das Bandoneon auswechselt, und da gibt er dem Affen Zucker. Siehe da – oder besser, höre da: der Franzose ist auf dem Knopftasteninstrument nicht weniger virtuos und erfindungsreich als auf dem Blasinstrument.

Die übrigen Titel entziehen sich einer Klassifikation. Unter die „klassischen“ Formen mischt sich ein „jazziger“ Sound, in den sich die Streicher doch nicht so recht integrieren lassen. Die Idee von einem Third Stream erhält hier, in kleiner Formation, eine neue Plausibilität.

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erstellt am 02.6.2017

Wolfgang Dauner
80 Jahre. Das Jubiläumskonzert
Termidor/SWR, 2017

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Michel Portal/ Richard Héry/ Xavier Tribolet/ Quatuor Ébène
Eternal Stories
Erato, 2017

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