Faust-Kultur gehört als unabhängige, nichtkommerzielle Autoren- und Künstlerplattform zu den wenigen Qualitäts-Portalen im Netz. Trägerin ist die Faust-Kultur-Stiftung. Wir arbeiten daran, dass www.faustkultur.de weiterhin eine »Kultur-Oase« im Internet bleibt. Sie können uns dabei unterstützen. Spenden sind willkommen!

Bankverbindung der Faust-Kultur-Stiftung:
Nassauische Sparkasse, IBAN: DE89 5105 0015 0159 0420 01, BIC: NASSDE55XXX

Ich möchte für Faust-Kultur spenden


Der amerikanische Violinist Joshua Bell ist ein seltener Gast in Frankfurt. Nun hat er Mendelssohns Violinkonzert e-Moll in den Mittelpunkt seiner Europa-Tournee gestellt, die in der Alten Oper Frankfurt mit dem hr-Sinfonieorchester unter Andrés Orozco-Estrada begann. Solist und Orchester haben das Publikum begeistert, berichtet Stefana Sabin.

Konzert in Frankfurt

Ein Schlager der Klassik

Joshua Bell
Joshua Bell, Foto: Alexduff / Wikimedia Commons

Auf der terrassenförmig gestalteten Nordseite des Pleißemühlgrabens in Leipzig, die seit 2007 Mendelssohn-Ufer heißt, wurden scheinbar wahllos hölzerne Sitzelemente aufgestellt. Sieht man aber die Stufen als Notenlinien an, dann entspricht die Anordnung dieser Sitzelemente den Noten des Anfangsthemas des ersten Satzes aus Mendelssohns Violinkonzert e-Moll. Das ist eine subtile Reverenz der Stadt Leipzig an den berühmten Komponisten und an ein Hauptwerk der europäischen Musik, das hier einst uraufgeführt wurde.

Schon als Dreizehnjähriger hatte Felix Mendelssohn Bartholdy ein Violinkonzert in d-Moll geschrieben, das er aber als erwachsener Komponist verwarf (und das Yehudi Menuhin dann doch bekannt machte). Im Juli 1838 kündigte Mendelssohn seinem Freund, dem Geiger Ferdinand David, ein Violinkonzert in e-Moll an, das er erst sechs Jahre später, 1844, vollendete und das David am 13. März 1845 in Leipzig uraufführte.

Das Violinkonzert war gleich ein Erfolg und wurde zu einem von Mendelssohns populärsten Werken und zu einem absoluten Schlager der klassischen Musik. Nun hat der amerikanische Violinvirtuose Joshua Bell das Stück in den Mittelpunkt seiner Europa-Tournee gestellt, die in der Alten Oper Frankfurt mit dem hr-Sinfonieorchester unter Andrés Orozco-Estrada begann.

In Frankfurt ist Bell ein seltener Gast – entsprechend war der Große Saal ausgebucht und das Publikum hustenfrei wie nur selten. Von Anfang an trat Bell, der die berühmte Huberman-Stradivari von 1713 spielt (4 Millionen Dollar hat er 2001 dafür bezahlt!), mit selbstbewusster Gelassenheit auf: er verlieh dem Hauptthema, das Mendelssohn dem Soloinstrumenten – und nicht wie bis dahin üblich dem Orchester – zugewiesen hat, einen verbrämt modernisierenden Schwung und bewahrte der Kadenz im ersten Satz die melancholisch romantische Note, führte den Dialog mit dem Orchester im ersten Satz sicher dem Fagott zu, blieb auch bei den Variationen im zweiten Satz im Einklang mit dem Orchester und lenkte souverän ein, als es ihn einmal zu übertönen drohte. Auch mit seiner gekonnt uneitlen Erscheinung und einer jugendlichen Freundlichkeit gewann Bell die Sympathie des Publikums, das ihm begeistert applaudierte – und das auch im zweiten Teil des Konzerts belohnt wurde: die hr-Sinfoniker ließen sich von Orozco-Estradas zu einem geschmeidigen Wechsel zwischen den expressiven und den melancholischen Partien von Mahlers 5. Sinfonie animieren und arbeiteten die progressive Tonalität des Stücks besonders heraus. Solist und Orchester haben in der Alten Oper Frankfurt das Publikum begeistert – und werden es bei ihren bevorstehenden Auftritten in Ljubliana, Udine und Budapest mit demselben Programm bestimmt auch tun.

Kommentare

Kommentar eintragen









erstellt am 10.3.2017

hr-Sinfoniekonzert

Joshua Bell Violine
Andrés Orozco-Estrada Dirigent

Felix Mendelssohn Bartholdy Violinkonzert e-Moll
Gustav Mahler 5. Sinfonie

9. / 10. März 2017, jeweils 20 Uhr
Alte Oper Frankfurt, Großer Saal

Weitere Informationen