25.06.2017 - Wer alles sieht, sieht nichts

Der Seher in der griechischen Tragödie ist blind. Was vor Augen liegt, bringt niemanden zum Staunen. Ein wacher Geist lebt von der Naivität; ein müder Kopf quält sich nicht mehr… Weiterlesen

24.06.2017 - Was ist Sinn?

„Sinn“ heißt, was als Zusammenspiel von Bedeutung und Bedeutsamkeit im Leben seinen Platz findet: nicht selten so, dass ein bestimmter Moment, eine überraschende Begegnung, eine wichtige Entscheidung, ein mutiger Schritt… Weiterlesen

23.06.2017 - Inkognito

Die von der Wissenschaft bevorzugte Rolle des Beobachters ist bei gesellschaftlichen Anlässen eine meist armselige Figur: anwesend, aber nicht beteiligt. Was beim Beobachter irritiert? Dass er sich hinter seinem Inkognito… Weiterlesen

22.06.2017 - Stimmt so

Jedes Lebensalter hat seinen eigenen Selbstbetrug. Der des reifen Alters heißt Erinnerung und hat die Aufgabe, die Lebensbrüche zu kitten, die Knicke im Nachhinein gerade zu biegen, im Ganzen eine… Weiterlesen

21.06.2017 - Triumph des Neuen

Wir leben in einer Zeit, in der das Originäre vom Originellen abgelöst wird. Das Schöpferische triumphiert über das Geschaffene. Im überlegenen Sieg aber wird es schon substanzlos, weil es, kaum… Weiterlesen

20.06.2017 - Das ganz gewöhnliche Spiel

Vom ersten Moment an ist die Liebe, trotz gegenteiliger Beteuerungen, ein Machtspiel. Ihren Reiz zieht sie aus den Entscheidungen, die sie findet auf Fragen wie: Wer unternimmt den ersten Schritt?… Weiterlesen

19.06.2017 - Übermitteln

In der Kommunikation repräsentieren die Präpositionen den Qualitätsstatus einer Beziehung. Mit Menschen zu sprechen sei angeblich besser, als über sie zu reden. So formuliert ist die Regel freilich blanker Unsinn.… Weiterlesen

18.06.2017 - Faustformel für den vollendeten Einkauf

{∑€ · (1 – x²) ⁄ P · (1 + x²) + PQ · (1 + x²)} + t · (1 – x) + U · (1 + x) = EE In Symbolen: €… Weiterlesen

17.06.2017 - Politik, Macht, Einsamkeit

Besuch bei Helmut Kohl am 18. Februar 2008, zehn Tage vor seinem schweren Sturz. Im Gespräch über Freundschaft: „Freund ist für mich jemand, der Anteil nimmt, der einem sagt, nicht… Weiterlesen

16.06.2017 - Status innocentiae

Nichts fordert die Verantwortung mehr als die Begegnung mit Menschen, denen man mit Fug den Stand der Unschuld zusprechen mag. Sie, die sich nicht selber schützen können, gilt es zu… Weiterlesen

15.06.2017 - Klartext

Auch wenn der investment case nüchtern daherkommt und über Kennzahlen durchschaubar und nachvollziehbar gemacht werden soll, steckt hinter jeder Ziffer nichts als ein schlichter Satz. Was mathematisch klar die internal rate… Weiterlesen

14.06.2017 - Im Geschwindigkeitsrausch

Die beiden Hauptmerkmale von Intelligenz sind Geschwindigkeit und Ungeduld im Denken.

13.06.2017 - Gefühlsecht

Nicht selten ist Selbstmitleid die einzige Form der Empathie, zu der Männer fähig sind.

12.06.2017 - Allein mir fehlt …

… der Glaube: was sich nicht garantieren lässt, weil es geschenkt worden ist. Mehr jetzt um 17:05 Uhr in SWR 2

12.06.2017 - Vom Sinn des Nein

Wir haben die Negation erfunden, damit wir in der Gewissheit dessen, was wir mögen, weswegen wir zustimmen, wie wir gestalten, wo wir unser Zuhause finden, wann wir aufbrechen, noch genauer… Weiterlesen

11.06.2017 - Gedächtnislücke

Je älter ein Erinnerungsstück ist, das einem nach Jahren unbeachteter Mitexistenz unversehens in die Hände fällt, desto weniger mag es Anlass sein, sich einer lang vergangenen Situation zu entsinnen (seltsam… Weiterlesen

10.06.2017 - Nackter als im Sonnenbad

Jeder Auftritt vor Publikum ist ein Kalkül mit dem Scheitern. Dem Risiko einer öffentlichen Niederlage entspricht unmittelbar der Mut, sich auf eine unkontrollierbare Situation einzulassen. Im Glücksfall wird er belohnt… Weiterlesen

09.06.2017 - Guckloch

Neugier: in die Beobachtung hinein kanalisierte Leidenschaft.

08.06.2017 - Kaum zu glauben

Die Philosophie sei ein Kampf gegen die Verhexung unsres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache, heißt es im § 109 der „Philosophischen Untersuchungen“ von Ludwig Wittgenstein. Doch wie diese Auseinandersetzung führen?… Weiterlesen

07.06.2017 - Recht so?

Die Einführung des Rechts lässt sich als Verzweiflungsakt einer Gesellschaft lesen, die erkannt hat, dass sie mit Moral und Religion an sich selbst scheitert. Dumm nur, dass die Frage, warum Menschen… Weiterlesen

06.06.2017 - Selbstdisziplin

Über die Jahre sammeln sich etliche Geschichten in der Biographie eines Menschen, Erlebnisse, die nach draußen drängen und erzählt werden wollen. Nicht zuletzt dieser ungeordnete Reichtum an Eindrücken und Widerfahrnissen… Weiterlesen

05.06.2017 - Jetzt rede ich

Nicht selten geht Macht einher mit dem Unwillen zuzuhören. Spricht ein anderer, und sei es nur eine Minute, ist das für so manchen narzisstisch ungeduldigen Vorgesetzten anderthalb Minuten zu lang,… Weiterlesen

04.06.2017 - Zwölfmal Geist

Geist ist … … die Kraft, Leben zu gestalten; … die Fähigkeit, Spannungen lebendig auszuhalten; … die Lust, Lebensaufgaben nie nur zu verwalten; … die Macht, Unlebendiges auszuschalten; … die… Weiterlesen

03.06.2017 - Paartherapie

„Wir arbeiten hart an unserer Beziehung“, sagt sie stolz. „Das einzige, was ihr fehlt, sind die Feierabende. Wie früher“, brummt er matt in sich hinein.

erstellt am 03.2.2017

Kolumne

NOTIZEN von Jürgen Werner

In der Kolumne NOTIZEN schreibt der Philosoph Jürgen Werner täglich Gedankensplitter nieder, nicht auf Papier, aber in seinem Blog. Faust-Kultur gibt sie regelmäßig in Auszügen wieder. Die Kurzform ist die Kunst derer, die keine Zeit haben. Aber auch das Maß der Verdichtung, das ein Gedanke oder eine Beobachtung verträgt. So mag sich später entscheiden, ob der rasch skizzierte Satz nach einer Auslegung verlangt, die beiläufige Bemerkung vertieft werden will. Notizen sind unentschlossen. Am meisten faszinieren sie, wenn der Zufallsfund genau konstruiert ist und die knappe Art aussieht, als sei alles gesagt. Von Jürgen Werner ist jüngst im Frankfurter Verlag tertium datur das Buch »Tagesrationen. Ein Alphabet des Lebens« erschienen, ein Band, der mit erhellenden Reflexionen und aphoristischen Pointen dem Selbstverstehen des Menschen den Weg bereitet. (Texte © Jürgen Werner)