Für Portugal repräsentiert der Fado eine unverwechselbare Musiktradition. Zu den bekannten jüngeren Fadistas zählt neben Mariza, Ana Moura, Amélia Muge auch die 1955 geborene Mísia. Die neue Doppel-CD „Do Primeiro Fado Ao Último Tango“ vereint 40 Titel aus ihrem Repertoire. Thomas Rothschild hat sich die Aufnahmen angehört.

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Fado und mehr

Was für die Wirtschaft und die Politik gilt, trifft auch auf die Musik zu: Dem Trend zur Globalisierung steht eine verstärkte Besinnung auf nationale und regionale Besonderheiten gegenüber. Offenbar hat man bei der Vision eines grenzenlosen Großraums, der in Wahrheit vorwiegend den Interessen der Global Players dient, unterschätzt, wie stark sich das Bedürfnis der „einfachen Menschen“ nach einer kulturellen Identität auswirkt. Was, nach Ernst Bloch, „allen in die Kindheit scheint“, ist eben auch die Sprache, die Literatur, der Humor und nicht zuletzt die Musik, mit der man aufgewachsen ist. Für Portugal repräsentiert der Fado eine unverwechselbare Tradition. Was Carlos Gardel für den argentinischen Tango, war Amália Rodrigues für den Fado. Inzwischen aber hat sich eine ganze Reihe jüngerer Fadistas profilieren können und ist aus dem Schatten der großen 1999 verstorbenen Amália herausgetreten. Zu ihnen zählt neben Mariza, Ana Moura, Amélia Muge auch die 1955 geborene Mísia.

Der Fado ist gekennzeichnet durch das „Verschmieren“ der Melodielinien und durch extensives Ritenuto und Rubato, das der Musik etwas Zögerliches, Verführerisches, Geheimnisvolles verleiht. Die Doppel-CD „Do Primeiro Fado Ao Último Tango“ vereint 40 Titel aus Mísias Repertoire. Neben dem Fado in seiner langsamen, sehnsuchtsvollen und in seiner beschleunigten Variante singt Mísia auch einen Tango von Astor Piazzolla und einen Cha Cha Cha sowie Hits aus dem internationalen Song-Schatz, darunter „As Time Goes By“, das bei ihr doch wieder wie ein Fado anmutet. Bei Philippe Sardes „Chanson d‘Hélène“ leistet ihr Iggy Pop in französischer Sprache Gesellschaft.

Das bevorzugte Begleitinstrument ist die zwölfsaitige portugiesische Gitarre, aber in einzelnen Titeln beherrscht auch das Klavier den Klang, und in „Hurt“ entfernt sich die Aufnahme endgültig vom typischen Fado-Sound zugunsten einer „modernen“ Instrumentierung. Ein Begleitheft liefert in portugiesischer und englischer Sprache ausführliche Informationen über die charismatische Sängerin sowie die Liedtexte.

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erstellt am 23.12.2016

Mísia
Do Primeiro Fado Ao Último Tango
Warner Music

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