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Armin Petras hat in Stuttgart Jacques Offenbachs Operette „Orpheus in der Unterwelt“ in deutscher Sprache inszeniert. Petras outete sich dabei als eher konventioneller Regisseur. Er hielt sich ziemlich eng an das Libretto, berichtet Thomas Rothschild.

Armin Petras in der Opernwelt

Es hätte schlimmer kommen können

Was tut André Jung auf einer Opernbühne? Er singt „Als ich noch Prinz war von Arkadien“, und das ist auch schon der Höhepunkt dieser Stuttgarter Inszenierung von Jacques Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ in deutscher Sprache. Er artikuliert singend so deutlich, dass er als Einziger an diesem Abend keine Übertitelung benötigt.

Die Regie hatte Armin Petras. Es war sozusagen ein Rückspiel, nachdem der Intendant der Oper Jossi Wieler kürzlich am benachbarten Schauspielhaus beim Kollegen Petras Regie geführt hatte. Allerdings war es nur eine unvollständige Revanche, denn Jossi Wieler hatte ein Stück des Schauspielintendanten inszeniert. Er selbst aber schreibt keine Opern. Also wählte sich Armin Petras eine Offenbach-Operette, die sozusagen auf halbem Weg zwischen Oper und Schauspiel angesiedelt ist.

Die Premiere fiel mitten hinein in die Debatten, die Armin Petras mit der Mitteilung ausgelöst hatte, dass er seinen vorzeitig verlängerten Vertrag für Stuttgart doch nicht über 2018 hinaus erfüllen wolle. Sie hat auch zu unterschiedlichen Kommentaren zur künstlerischen Arbeit des Schauspieldirektors geführt. Wer nun erwartet hatte, dass er die Oper benützen würde, um mit gewagten Eingriffen und experimentellem Übermut zu provozieren, musste verblüfft feststellen, dass sich Petras, vor allem vor der Pause, als eher konventioneller Regisseur outete, der sich, mit mehr oder weniger komischen Einfällen, ziemlich eng an das Libretto hielt. Auch auf die zur Zeit der Entstehung zeitgenössischen, mittlerweile historischen Verweise, die ohnedies ohne Kommentar kaum noch verständlich sind, verzichtet Petras weitgehend. Die Dramaturgie oblag Malte Ubenauf, aber selbst dem scheinen ohne den Partner Christoph Marthaler die Ideen auszugehen.

Die Komik von „Orpheus in der Unterwelt“ beruht im Wesentlichen auf zwei Verfahren: der Verkleinerung von scheinbar Erhabenem – der Götterwelt, des Mythos – auf den Maßstab alltäglicher Trivialität und der Umkehrung des Vertrauten: Eurydike will Orpheus (in Stuttgart in der Maske Offenbachs, der hier auch schon „Hoffmanns Erzählungen“ einen Besuch abgestattet hat) gar nicht aus der Unterwelt folgen, sondern ihn lieber loswerden. Wäre da nicht Offenbachs Musik, erwiese sich das als ziemlich dünn.

Auf die Rückwand wurden Szenen projiziert, die teils an die Trickfilme von Georges Méliès, teils an frühe sowjetische Dokumentarfilme erinnerten. Auch Zwischentitel simulierten Kino, ohne dass das für die Gesamtkonzeption viel eingebracht hätte.

Wegen einer Umbesetzung trat Intendant Jossi Wieler vor Beginn der Vorstellung vor den Vorhang. Er kündigte „Orpheus und Eurydike“ an. Eine Freud‘sche Fehlleistung? Ein heimlicher Wunsch? Jossi Wieler ist viel zu freundlich und zu kollegial, als dass er das zugeben würde. Und während des Abends verbreitete sich die Nachricht, dass Van der Bellen in Österreich zum Bundespräsidenten gewählt wurde. Bei fast 50 Prozent der Stimmen für Hofer nicht gerade ein Sieg der Demokratie und wahrscheinlich auch nicht das Ende des „Höhenflugs von Rechtspopulisten weltweit“. Aber man ist, im Theater wie in der Politik, bescheiden geworden. Es hätte schlimmer kommen können.

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erstellt am 06.12.2016

Orpheus in der Unterwelt, Oper Stuttgart, Foto: Martin Sigmund

Operette

Orpheus in der Unterwelt

Von Jacques Offenbach

In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Musikalische Leitung Sylvain Cambreling, Hans Christoph Bünger
Regie Armin Petras
Choreografie Berit Jentzsch
Bühne Susanne Schuboth

Orpheus Daniel Kluge
Eurydike Josefin Feiler

Oper Stuttgart

Orpheus in der Unterwelt, Oper Stuttgart, Foto: Martin Sigmund