bis 13. Mai 2018 - Städtische Galerie Dresden, Wilsdruffer Straße 2, 01067 Dresden

Im Café, 1925

Bernhard Kretzschmar. Deutung des Daseins

Er gehört zu den Protagonisten jener Dresdner Malerei, die nach dem Ersten Weltkrieg blühte und sich zwischen Sezession und Neuer Sachlichkeit bewegte: Bernhard Kretzschmar, 1889 in Döbeln geboren und 1972 in Dresden gestorben. An der Dresdner Kunstakademie ausgebildet, stieß Kretzschmar zum Kreis der Expressionisten, flirtete mit der Neuen Sachlichkeit, gründete die Dresdner Sezession mit – und wurde dennoch von diesen malerischen Strömungen bei seinem Versuch, Szenen des Alltagslebens darzustellen, nur bedingt beeinflusst. Und auch die Versuchung des Sozialistischen Realismus überstand Kretzschmar, der Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden war (einer seiner Schüler war A.R. Penck!), eher unbeschadet.

 

Nun würdigt die Städtische Galerie Dresden Kretzschmar mit einer Ausstellung, die zwar keine wirkliche Retrospektive ist, da Zeichnungen und Aquarelle fehlen, aber dennoch als Werkschau angelegt ist, weil darin der Werdegang des Künstlers von den spätimpressionistischen Anfängen über den Nachexpressionismus bis zum expressiven Realismus der letzten Jahrzehnte nachvollziehbar gezeigt wird. 29 Gemälde und dreißig Druckgrafiken bieten einen Überblick über das Kretzschmarsche Werk und stellen sowohl den großen Koloristen als auch den subtilen Graphiker vor. Zwar verfügt die Städtische Galerie über einen umfangreichen Bestand an Gemälden und Graphiken, aber der Titel scheint einem geliehenen Bild entnommen zu sein: einer Café-Szene von 1926, in der die unterschiedliche Blicke und Gesichtsausdrücke der Caféhausbesucher tatsächlich eine „Deutung des Daseins“ darstellen. (sab.)

 

Abb.: Bernhard Kretzschmar, Im Café, 1925, Lindenau-Museum Altenburg © VG Bild-Kunst Bonn, 2018


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erstellt am 10.6.2015