bis 13. Juli 2018 - Theater Dortmund, Hiltropwall 15, 44137 Dortmund

Szenenfoto: Birgit Hupfeld

Der Theatermacher

Kay Voges, Intendant am Schauspiel Dortmund und Regisseur mit Hang zu digitalen Medien, ist wahrscheinlich der derzeit innovativste und experimentierfreudigste Regisseur der Republik. Sein neuster Coup: „Der Theatermacher“ von und nach Thomas Bernhard am Schauspiel Dortmund.

 

Die Hauptfigur des bei den Salzburger Festspielen 1985 uraufgeführten Stücks ist der Staatsschauspieler Bruscon. Bruscons Ansprüche sind maßlos gegen sich selbst, gegenüber seiner Familie – und dem Ort des Schauspiels. In langen Tiraden ereifert er sich über die Verkommenheit der Welt, die Talentlosigkeit seiner Kinder und die Geistfeindlichkeit des Weiblichen.

 

Mit seinen beiden Kindern und seiner Frau will er in einem Dorfgasthof in Utzbach seine Menschheitskomödie „Das Rad der Geschichte“ aufführen. Damit die Wirkung des herausragenden Werks sich voll entfalten kann, so Bruscon, muss am Ende der Vorstellung jegliches Licht im Gasthof „Schwarzer Hirsch“ verlöschen, auch die Notbeleuchtung! Damit enthält „Der Theatermacher“ deutliche Anspielungen auf den berühmten „Notlicht-Skandal“ im Zusammenhang mit der Salzburger Uraufführung von „Der Ignorant und der Wahnsinnige“ (1972), als wegen der Weigerung der Festspiele, den Theaterraum am Ende vollständig zu verdunkeln, nur eine einzige Vorstellung über die Bühne ging;

 

Letztlich scheitert das Vorhaben, der ganzen Welt eine „Geschichtsstandpauke“ zu halten, an der bei Bernhard häufig demonstrierten Übermacht der Natur: ein Gewitter verursacht einen Brand im Pfarrhof, die Menschen laufen aus dem Wirtshaussaal und ziehen das reale Spektakel der dramatischen Kunst vor.

 

Thomas Bernhard hat mit dieser Komödie, allen Kunsttyrannen und Theaterbesessenen ein Denkmal gesetzt. Kay Voges inszeniert diese Komödie als einen Ritt durch die Regiestile von 1985 bis heute und überlässt es den Zuschauer*innen, die verschiedenen Varianten zu erkennen. Ein Riesenspaß und eine Lehrstunde, was Theater alles sein und leisten kann. Dabei handelt diese Inszenierung nicht nur von dem, was auf der Bühne so alles passiert – sie macht auch aufmerksam auf das, was im Netz und auf der Straße geschieht.

(Walter H. Krämer)

 

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erstellt am 10.6.2015