01. Juni 2017 bis 27. August 2017 - Frankfurter Kunstverein, Markt 44, 60311 Frankfurt am Main

© Melanie Bonajo

Melanie Bonajo: Single Mother Songs from the End of Nature

Die 1978 geborene niederländische Künstlerin Melanie Bonajo hat den Frankfurter Kunstverein in eine psychedelische Landschaft verwandelt. In fünf aufwendig gestalteten Räumen nimmt der Besucher auf mitunter plüschigen Sitzgelegenheiten Platz, um Bonajos Videofilme zu sehen. Der Ausstellungsbesuch erfordert Zeit. Fast alle Filme sind länger als dreißig Minuten.

Der Film „Economy of Love“ ist in eine pinkfarben schimmernde Höhle integriert. Junge New Yorker Amateur-Sexarbeiterinnen erzählen darin von unkonventionellen Liebespraktiken und ihrer Einstellung zum Körper. Bild und Tonspur gehen dabei zuweilen getrennte Wege. So sieht man eine Gruppe von sieben nackten Männern und Frauen, die sich schrittweise übereinander legen. Ihre Körper sind angemalt. Zusammen bilden sie schließlich einen Regenbogen.

 

Regenbogenfarben ziehen sich durch die gesamte Schau. Melanie Bonajo möchte der Kälte und Rationalität des modernen Lebens um jeden Preis entfliehen. Auf ihrer Suche nach alternativen Lebensformen trifft Bonajo Aussteiger, Außenseiter und Benachteiligte. Der Film „Fake Paradise“ erzählt von der halluzinogenen Droge Ayahuasca, die aus den Amazonasgebiet stammt. Dort wird sie für religiöse und medizinische Zwecke verwendet. Bonajo spürt einer Bewegung nach, die sich für die Legalisierung der Droge einsetzt.

Einen Dialog der Generationen dokumentiert die Filmarbeit „Progress vs. Regress“. Bonajo hat hochbetagte Frauen und Männer zu ihrem Umgang mit technischen Neuerungen der letzten Jahrzehnte befragt. Man erfährt unter anderem, dass Telefon, Fotokamera und Fernsehen nicht immer selbstverständlich waren. Präsentiert wird der Film in einer Szenerie, die Melanie Bonajo als „futuristisches Raumschiff“ beschreibt. Die einzigen Sitzgelegenheiten im Raum sind Rollstühle. (el)

 

Abb.: Melanie Bonajo, Night Soil #2/Economy of Love, 2015

 

Weitere Informationen zur Ausstellung


erstellt am 10.6.2015