18. Februar 2017 bis 25. Juni 2017 - MMK 1, Domstraße 10, 60311 Frankfurt am Main

Claudia Andujar, „Marcados“

Claudia Andujar: Morgen darf nicht gestern sein

Das Frankfurter Museum für Moderne Kunst (MMK) widmet der 1931 in der Schweiz geborenen, in São Paulo lebenden Fotografin Claudia Andujar eine umfangreiche Ausstellung. Seit Beginn der 1970er Jahre engagiert sich Andujar für die Yanomami, ein indigenes Volk, das im Amazonasgebiet im Norden Brasiliens lebt. Ihr Einsatz gipfelte Anfang der 1980er in einer Impfkampagne. Sie sollte die Volksgruppe vor Krankheiten schützen, die von Goldminenarbeitern ins Amazonasgebiet eingeschleppt wurden. Für die Impfkampagne porträtierte Claudia Andujar zahlreiche Yanomami. Die ursprünglich rein dokumentarischen Schwarzweißaufnahmen sind das Herzstück der Schau.

 

„Marcados“ („Markiert“) heißt die Serie. Den Porträtierten wurden zwecks Identifizierung für den Impfausweis Nummern um den Hals gehängt. „Die Yanomami tragen kulturell bedingt keine Namen“, erklärt der stellvertretende MMK-Direktor Peter Gorschlüter. Neben der Natur und den Yanomami begleitet Andujar auch das städtische Leben Brasiliens. Für die 1970 entstandene Serie „Rua Direita“ setzte sich Andujar auf eine belebte Straße in São Paulo und fotografierte die vorbeiziehenden Passanten. Die ältesten Aufnahmen stammen aus dem Jahr 1964. Sie zeigen Massendemonstrationen gegen den damaligen, linksgerichteten Präsidenten Brasiliens. Den Titel der Ausstellung hat Andujar mit Blick auf die Vergangenheit und die jüngsten politischen Umbrüche in ihrem Land gewählt: „Morgen darf nicht gestern sein“. (el)

 

Foto: Claudia Andujar, aus der Serie „Marcados“, 1981–1983, Courtesy Claudia Andujar and Galeria Vermelho, São Paulo, Brazil

 

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erstellt am 10.6.2015