Ravi Shankar

Ravi Shankar war der erste moderne Musiker der indischen Klassik. Sein Stil und sein musikalischer Ausdruck prägten Generationen indischer Musiker. Der Meister auf der Langhalslaute Sitar, ist nun mit 92 Jahren in Kalifornien gestorben. Clair Lüdenbach stellt den Künstler in einem Porträt vor.

Zum Tod von Ravi Shankar

Klang ist Gott

Von Clair Lüdenbach

Shankar: „Für mich ist Musik ein Ausdruck, der aus der Tiefe des Herzens und des Innersten kommt. Sie sollte etwas Spontanes sein. Und wenn sie gemocht wird, dann ist es gut und schön.“

Ravi Shankar wurde in Benares, der ältesten Pilgerstadt der Welt, geboren. Sein Vater, ein Sanskritgelehrter, Jurist und Politikwissenschaftler, hatte in Kalkutta, London und Genf studiert. Er beschäftigte sich mit Yoga und galt als ein herausragender Sänger vedischer Hymnen. Später arbeitete er als Anwalt in Genf und lehrte indische Philosophie in New York. Doch Ravi Shankar lernte seinen Vater erst als 8-jähriger Junge kennen. Denn seine Eltern waren schon getrennt, als der kleine Ravi geboren wurde. Als 20-Jähriger war der Vater mit einem elfjährigen Mädchen verheiratet worden, das, wie er, aus einer wohlhabenden Landbesitzerfamilie in Bengalen stammte, aber nicht einmal englisch sprach. Das junge Paar zog an den Hof von Jhalarwar, nicht weit von Benares, wo der Vater eine Anstellung als Dewan – als Minister – erhielt.

„Bei jedem Familienbesuch machte er sie schwanger, das war wohl das Einzige, was sie verband“. So beschrieb Ravi Shankar die Beziehung seiner Eltern. Kurz vor dessen Geburt verließ der Vater seine Familie endgültig. Zu dieser Zeit war er längst mit einer Engländerin verheiratet. Die Mutter zog mit ihren vier Söhnen in die heilige Stadt Benares, wo sie von einer kleinen Pension lebte, die jedoch zum größten Teil von korrupten Beamten einbehalten wurde. Daher verbesserte die Mutter ihr Einkommen mit Näharbeiten und dem Verkauf ihrer kostbaren Schätze aus höfischer Zeit. Trotz aller ökonomischer Schwierigkeiten erhielten die Söhne eine Ausbildung und erlebten Musik als einen Lebensmittelpunkt in der Familie. Die spirituelle Kraft der heiligen Stadt begleitet Ravi Shankar bis zuletzt.

Shankar: „An meine frühe Kindheit in Benares habe ich viele sehnsüchtige musikalische Erinnerungen. Ich weiß noch, wie entzückt ich war, wenn ich früh am Morgen aufwachte, lange vor Sonnenaufgang, und von meinem Bett aus dem Gesang der Pujaris lauschte,“ schreibt er in seiner Autobiografie.

Shankar: „Als jemand, der in eine Brahmanenfamilie aus Benares hineingeboren wurde, war es ganz natürlich, den gesamten Hintergrund unserer Religion mitzubekommen. Aber auch durch die vielen Jahre, die ich mit meinem Bruder im Westen verbrachte, wo er all die mythologischen Geschichten, wie die Tänze Krishnas aufführte, die vielen Geschichten aus unserer Mythologie, weckten mein Interesse für diese Dinge.“

Ravi Shankars Kindheit in Benares endete mit neun Jahren, als sein ältester Bruder Uday Shankar von einem zehnjährigen Studienaufenthalt in London nach Indien zurückkehrte. Uday war zuerst Maler, dann wurde er unter dem Einfluss der russischen Ballerina Anna Pawlowa Tänzer. Zurück in Indien baut er sein eigenes Ensemble auf. Auch der kleine Ravi bekam darin einen Platz. Zunächst bereiste die kleine Tanztruppe Indien, dann ging es nach Paris. In diesen aufregenden Jahren lernte Ravi Shankar alle berühmten Künstler seiner Zeit kennen. Denn die Musiktheater-Shows aus dem fernen Indien waren von Anfang an ein riesiger Erfolg.

Shankar: „Was mich damals wirklich erregte, waren die Frauen. Ich wollte in ihrer Nähe sein, sie riechen und fühlen – ich konnte mich nicht zurückhalten. Und sie liebten mich! Sie schmusten mit mir, küssten mich, weil sie natürlich dachten, ich sei ein junger, süßer Junge. Doch ich fühlte mich nicht wie ein kleiner Junge! Ich war ständig sehr erregt.“

Shankar: „Dann traf ich meinen Guru Baba Allaudin Khan. Er war ein Moslem, aber er war so eine phantastische Persönlichkeit. Er stammte aus einem hinduistischen Dorf und kannte alle Elemente unserer Religion und die religiösen Geschichten. Vor allem hatte er ein so großes Herz, in dem Platz für alle Religionen war, ganz gleich, ob Jesus Christus, Maria, Zarathustra, Buddha, Krishna oder Shiva. Obwohl er ein bekennender Moslem war, hatte er diese Größe des Herzens. Und das hat mich sehr beeinflusst. Hinzu kam meine eigene große Empfänglichkeit für das Spirituelle; das vergrößerte noch mein inneres Empfinden.“

Doch bevor Ravi Shankar sich aus der Glamourwelt verabschiedete, lernte er auf Tourneen in Europa und Amerika die berühmtesten Künstler der 30er Jahre kennen. Er sah Toscanini dirigieren, hörte Casals, Kreisler und Haifez musizieren. Schon damals tummelte sich auch der kleine Yehudi Menuhin in der Szene. Ravi Shankar war von französischer Musette und spanischem Flamenco beeindruckt. Und in Amerika erweiterte der Jazz sein musikalisches Bewusstsein. Auf einer Autofahrt in London verblüffte er George Harrison, als er eine Musik in den Kassettenrecorder legte.

Harrison: Als er fragte: „Was ist das“?, sagte ich: „Oh das ist Cab Calloway, du wirst ihn nicht kennen“. Da sagte er: „Oh doch, ich sah ihn um 1933 im Cotton Club.

Diese frühen, internationalen Erfahrungen prägten Jahre später sein eigenes musikalisches Schaffen. Doch nun wollte Ravi Shankar zunächst einmal Schüler von Allaudin Khan werden, der die Truppe eine Weile auf einer Tournee begleitet hatte. Den alten Meister störte der Glanz und der Luxus, der den jungen Schützling umgab. Nach seiner Auffassung konnte man Musik nur durch Verzicht erlernen. – Als sich die politische Situation in Europa zuspitzte, ging das indische Tanzensemble 1938 zurück in die Heimat. Ravi Shankar verließ seine Familie, um bei Allaudin Khan das musikalische Handwerk zu lernen. Der alte Meister glaubte nicht, dass Shankar ohne den gewohnten Luxus auskommen und die Disziplin aufbringen würde, um die Sitar zu meistern. Sein späterer Schüler Gaurav Mazumdar berichtete über Ravi Shankars Schülerjahre im kleinen Königreich Maihar, wo Allaudin Khan als angestellter Künstler lebte.

Mazumdar: Er kam vom Luxusleben, das er in Paris führte, mit Fünf-Sterne-Hotels und all dem Luxus. Und so jemand lebte dann in einem Dorf wie Maihar ohne Radio und Kino. Er schlief auf einer Liege, die aus Kokosseilen gefertigt war, das war sehr schwierig für ihn, und dazu war das Zimmer voller Schaben und Schlangen. Nur wenige wären dazu in der heutigen Zeit bereit.

Mit geschorenen Haaren, einem Blechkoffer in der Hand und in grober Baumwollkleidung, so präsentierte sich Ravi Shankar vor seinem Lehrer. Dieser theatralische Auftritt zeigte die berechnete Wirkung, auch wenn er sich fühlte, „als würde er zur Schlachtbank geführt“. Bald verband ihn eine tiefe Freundschaft mit Allaudin Khans Sohn Ali Akbar. Ali Akbar und andere Schüler mussten Schläge und Beschimpfungen erdulden, wenn die Leistungen dem jähzornigen Meister nicht genügten. Nur über Ravi Shankar geriet er selten außer Fassung. Nach nur anderthalb Jahren durfte er sein Solodebüt geben. Mit diesem Erfolg vor den bedeutendsten Musikern seiner Zeit etablierte er seinen künstlerischen Ruhm. Doch verließ er sich nicht allein auf sein Handwerk, sondern suchte immer wieder nach Neuerungen, die ihn zu einem unverwechselbaren Künstler machten.

Shankar: „Ohne dass ich daran denke, mische ich automatisch das Spirituelle und das Unterhaltende. Meine Musik vermittelt spirituelle Gefühle und öffnet sich für alle anderen Aspekte. Sie ist zum Beispiel poetisch, spielerisch, spannend. Das alles zusammen macht eine Aufführung aus.“

Bevor er all die musikalischen Eindrücke aus seiner frühen Jugend in eigene Werke einbringen konnte, musste er sich erst als Sitarmeister im eigenen Land beweisen.

Shankar: „Aber natürlich ist die Sitar meine erste Liebe und wichtiger. Das ist das eine. Ich liebe es, Neues zu schaffen, neue Ideen durch verschiedene Instrumente und unterschiedliche Musiker. Das finde ich sehr spannend. Es gibt kein Polizeigesetz, das über die Kreativität des Einzelnen bestimmt. Es kommt darauf an, ob es gemocht wird oder nicht, das ist das alles Entscheidende. Als Sitarist habe ich mich streng an die Tradition gehalten. Aber ich war auch immer innovativ, darin hat mich selbst Nikhil Bannerjee nachgeahmt. Und auch viele andere Musiker haben mir als Sitarist nachgeeifert, nicht als Komponist. In diesem Sinne war ich ein Pionier von Anfang an. Wenn ich spiele, kann ich Verwandlungen vornehmen, zum Beispiel beginne ich in einer Aufführung mit dem Dhrupadstil, einem sehr traditionellen Stil im Dhamar Rhythmus, dann wechsle ich zum Khyal, dann Dhun, worin alles möglich ist, so wie es jeder Musiker macht. Das heißt, ich mache ganz Unterschiedliches, aber ich bin gleichzeitig dieselbe Person, die gleiche Seele.“

Der Shankar-Schüler Gopal Krishan: „Ein Beispiel: Jemand fragte mich: Was ist ihr Eindruck von Pandit Ravi Shankar? Ich sagte, ich warte darauf, daß er aus dem Rhythmus kommt. Man kann eine Katze aus dem Fenster werfen, sie fällt immer auf die Füße. So ist es auch mit Pandit Ravi Shankar, was man auch macht, er gerät nie aus dem Rhythmus. Das ist das Höchste, was man erreichen kann, denn wir Musiker geraten immer mal wieder aus dem Rhythmus.“

Mit dieser Anekdote zeigte der Vinaspieler Gopal Krishan seine Hochachtung für seinen Lehrer Ravi Shankar. – Zu einer Aufführung von Ravi Shankar gehört der besondere Klang seiner Sitar: das Flirren der Töne, wenn er zu Anfang eines Konzerts ein Arpeggio über die Saiten streicht. Seinem Instrument hat er eine tiefe Basssaite hinzugefügt; damit erreicht er fast den Klang der Surbarhar, und er passt sich ebenso geschmeidig an das Klangspektrum der Sarod an. Denn im Zusammenspiel mit Allaudin Khan und seinem Sohn Ali Akbar entdeckte er zum erstenmal die Vorteile einer tief-tönenden Sitar. Später entwickelte sich aus dem Zusammenspiel die Aufführungsform Jugalbandi, das Spiel im Duett, das es bis dahin in der indischen Musik nicht gab. Am Ende seiner Lehrzeit in Maihar wurde Ravi Shankar, nicht ganz freiwillig, mit Anapurna, der Tochter seines Lehrers, einer hochbegabten Musikerin, verheiratet. Sie bekamen einen Sohn. Doch die Ehe hielt nicht lange. Zunächst aber verließ das Trio die Stille von Maihar und ging in die Filmmetropole Bombay.

Diese Musik für den Film „Pater Panchali“ von Satyajit Ray schrieb Ravi Shankar 1955. Zu dieser Zeit hatte er die ökonomisch schwierigen Anfänge überwunden. In den 40er Jahren geriet er in den Sog der Unabhängigkeitsbewegung. Shankar trat der Kommunistischen Partei bei, um für die „Indian People’s Theatre Association“ Ballett- und Theatermusik zu schreiben, die an die kühnen Ideen seines Bruders anknüpfte. Bald hielt er den politischen Druck nicht mehr aus und verließ das Ensemble. Stattdessen gründeten drei der Shankar-Brüder die Gruppe „Indian Renaissance Artists“. Ihr aufwendiges Stück „Die Entdeckung Indiens“ nach einer Vorlage von Jawarhal Nehru war eine wirtschaftliche Katastrophe. Ravi Shankar fühlte sich entmutigt und hoffnungslos. Aus dieser Niedergeschlagenheit befreite ihn die zufällige Begegnung mit einem Yogi. Ein Jahr nach der Unabhängigkeit Indiens erhielt Ravi Shankar den Auftrag, sowohl die indische Musik im Ausland zu vertreten, als auch in „All India Radio“ ein Orchester aufzubauen. Der Vinaspieler Gopal Krishan:

„Ravi Shankars Persönlichkeit hat zwei Aspekte: Er akzeptiert verschiedene Arten zu musizieren. Er ist auf der einen Seite sehr traditionell und auf der anderen Seite sehr kreativ. Das entstand wahrscheinlich unter dem Einfluss seines älteren Bruders Uday Shankar. Uday Shankar hatte eine große Truppe von Tänzern, und ein ganzes Orchester von Musikern spielte live in seinen Aufführungen. Es war nicht so, dass nur Ravi Shankar ein Orchester aufbauen wollte, sondern unser erster Premierminister Jawarhal Nehru wollte ein Orchester. Deshalb konnte er dieses Ensemble in All India Radio aufbauen. Diese Orchesterstücke basierten nicht auf leichter Musik. Sie waren themenbezogen, und daneben bauten sie auf westlicher Orchestrierung und Harmonisierung.“

Wesentlich für das Verständnis indischer Musik in der westlichen Welt war, dass Ravi Shankar nicht die Ragas in epischer Länge vortrug, sondern sich den Hörgewohnheiten eines westlichen Publikums anpasste. Schon früher hatten die aufnahmetechnischen Unzulänglichkeiten die indischen Meister gezwungen, sich kurz zu fassen.

Shankar: „In unserer Musik gibt es keine Restriktionen, sie ist nicht reiner, wenn sie über 2 Stunden oder zweieinhalb Stunden gespielt wird. Mich hat Baba selbst gelehrt, dass man einen Raga in nur wenigen Tönen ausdrücken kann, er muss nicht besonders lang sein. Bei einer kenntnisreichen Zuhörerschaft kann man lange spielen. Es ist keine olympische Disziplin, bei der man zeigt, wie lange ich spielen kann. Wesentlich ist, wie ich es mache, auch in kürzester Zeit. Als ich begann, unsere Musik im Westen vorzutragen, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, eine möglichst große Bandbreite zu zeigen.“

Schon in den 40er Jahren hatte Ravi Shankar musikalische Maßstäbe gesetzt und die alte Tradition mit neuen Ragaschöpfungen erweitert. Er fühlte sich nie als „Papagei“, der die Tradition in aller Reinheit fortführt, sondern als das „schöpferische Genie, das einen Raga entdeckt, wie ein Biologe eine Tierart findet“, so George Harrison. Ravi Shankar begnügte sich nicht mit der Entdeckung neuer Ragas, sondern entwickelte eine west-östliche Musik auf der Basis indischer Modi. Diese Werke, die für Ravi Shankar ungeheuer bedeutend sind, verknüpfen zwei ungleiche Systeme, wobei die Symbolkraft dieser Synthese stärker ist als der innovative Gehalt. Seine Kompositionen für indische und westliche Instrumente erhielten zum ersten Mal ein weltweites Forum, als er zusammen mit Yehudi Menuhin auf die Bühne trat. Die beiden waren sich schon in den 30er Jahren flüchtig in Paris begegnet. Auf dem Bath-Festival 1966 in England wurde dann die Welt auf das Duo aufmerksam.

Shankar: „Es ist kein Cocktail, eine Fusion-Musik mache ich nie. Was immer ich gemacht habe, es entsteht aus einer spontanen Eingabe. Ich versuche aber etwas anderes zu machen, denn als Sitarist habe ich auch mit Yehudi Menuhin gespielt. Alles basiert auf indischen Ragas und Talas. Wenn ich etwas für den Film oder andere Gruppen komponiere, dann ist das wiederum anders. Es entspricht meinem Gefühl, was zu dieser Situation passen würde. Das sind die verschiedenen Kategorien meiner kompositorischen Arbeit.“

In einer Komposition von Phil Glass spielte Ravi Shankar mal die repetitiven Muster des Minimalisten Glass, mal griff er auf indische Melodien zurück. Schon 1966 lernte Ravi Shankar George Harrison kennen. Er wurde sein Sitarlehrer und seine Verbindung zur vedischen Welt, wie Harrison schrieb. Und damit begann auch die Zusammenarbeit der Beatles mit Ravi Shankar. Erst durch diese Verbindung wurde die indische Klassik zum Exportschlager. Als Ravi Shankar im Westen wie ein Popstar empfangen wurde, freute er sich.

Shankar: „Mein Gott! – So empfangen zu werden in einem fremden Land. Nie fühlte ich für meine Musik so viel Liebe. Das inspirierte mich. Aber ich fragte mich auch, wie viel können sie verstehen, und wohin wird all dies führen?“

Die legendären Auftritte von Ravi Shankar auf Popfestivals der 60er und 70er Jahre machten die indische Musik weltweit bekannt. Von da an suchte eine ganze Generation indischer Musiker Anerkennung im Westen. Doch die Sphärenklänge aus dem Land der Götter und Yogis gerieten auch wieder in Vergessenheit. Ravi Shankar wurde berühmt und mit Ehrungen überhäuft. 1997 gründeten er und seine Tochter Anoushka Shankar in Neu-Delhi eine Stiftung und ein Shankar-Zentrum, wo begabte Schüler unterrichtet werden. Ende Januar 2010 gründete die Familie ein eigenes Musiklabel unter dem Namen „East meets West“. Ravi Shankar hat durch seine Anpassung an die westliche Musik sicher einer Verflachung der indischen Klassik Vorschub geleistet. Gleichzeitig unterstützt er die traditionelle Lehrer-Schüler Beziehung, wenn auch mit kürzeren Lehrzeiten.

Shankar: „Die Dinge haben sich verändert. So etwas kommt nie mehr zurück. Das sind heute Geschichten, wenn man von Leuten erzählt, die 14, 15 Stunden übten. Es klingt unglaublich. Aber früher konzentrierte man sich nur auf eine Sache, dem musste ich mich unterziehen, das war der alte Stil. Aber in der heutigen Welt hat man immer vieles im Blick. Leute mit einem großen Talent können Großartiges erreichen, denn sie benötigen nicht annähernd soviel Zeit.“

Ravi Shankar und all die großartigen Künstler, die in seinem Gefolge in den Westen kamen, haben die musikalische Vorstellungswelt erweitert. Er war der Anführer einer Musikergeneration, die nicht mehr von Maharajas abhängig war, sondern im unabhängigen Indien eine ökonomische Basis finden mussten. Mit einer klaren Vision und ungeheurem Talent entwickelte er seine Kunst, die ihn zu einem magischen Künstler machte.

Shankar: „Es gibt so viel in unserer Musik, das Tausende von Jahren zurückgeht: die Gebete in unseren Tempeln, die Schmerzen und Anstrengungen des Lebens, das Geräusch des Flusses, die Gesänge jenseits der Zeit. So viele Dinge sind in mir, wann immer ich spiele oder was immer ich mache. Musik ist die einzige Sprache, die ich wirklich verstehe. Der Klang ist Gott.“

Clair Lüdenbach

AUDIOS © Clair Lüdenbach

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erstellt am 13.1.2013

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