Foto: Stefana Sabin
Ausstellung in Zürich

Bücherhimmel – Bücherhöllen

Mitten in der Zürcher Altstadt, nur wenige Schritte von den edlen Geschäften der Bahnhofstraße entfernt, ist das städtische Museum Strauhof in einem barocken Bürgerhaus aus dem 16. Jahrhundert untergebracht. Seit den 1950er Jahren wird der Strauhof für kulturelle Veranstaltungen genutzt, seit der umfassenden Renovierung 1989 vor allem für literarische Ausstellungen.

Wie meistens im Strauhof ist auch die jetzige Ausstellung eine Eigenproduktion: „Lesen & Sammeln zwischen Lust & Wahn“ erzählt vom Lesen und vom Umgang mit Büchern im Spannungsfeld politischer und religiöser Debatten. Vom Bücherhimmel im Erdgeschoß, wo von der reich stuckdekorierten Decke an fast unsichtbaren Nylonfäden offene Bücher hängen, über die Bücherhölle im ersten Stock, wo zwischen unförmigen Bücherstapeln nur ein enger Weg begehbar bleibt, bis zum Lokus, der mit Büchern ausgestattet wurde, werden verbotene Bücher, Bücher-Objekte und Kunstwerke, die Bücher ver- und bearbeiten, ebenso wie Porträts berühmter Büchersammler und eine kleine Auswahl an Ex Libris gezeigt und die Geschichten berühmter Bibliotheken und Buchhandlungen rekapituliert. Der Ausstellungsparcours ist abwechslungsreich, und es gibt immer wieder geschickte Einfälle (wie den Bücherhimmel), amüsante Einzelexponate (wie das Paper Passion-Parfüm vom Steidl Verlag) und subversive Kunstwerke (wie der „Waschsalon“ von Christoph Rüttimann). Und als Quasikatalog gibt es einen „Almanach der Bibliomanie,“ in dem Essays über die Faszination des Lesens, über das Kennen und Verkennen der Literatur, über Bücherwürmer und Büchernarren gesammelt sind. So wird im Strauhof das papierene Buch zum Symbol unserer untergehenden Zivilisation inszeniert.

Stefana Sabin

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erstellt am 04.11.2012

Foto: Stefana Sabin

Bis 25. November

Bücherhimmel – Bücherhölle.
Lesen & Sammeln zwischen Lust & Wahn.
Stadt Zürich.

Museum Strauhof