An Amphoric Future 2011, Foto Christoph Lehmann
An Amphoric Future 2011, Foto Christoph Lehmann

Unter dem englischen Titel A Journey of Beginnings zeigt das Museum für Angewandte Kunst Frankfurt 80 Glasobjekte der Schweizer Künstlerin Monica Guggisberg und des us-amerikanischen Künstlers Philip Baldwin, einem inzwischen international renommierten Duo, das die Formsprache der Glaskunst neu formuliert. Sabine Runde, die Kuratorin dieser Sonderausstellung, hat die Werke regelrecht in Szene gesetzt. Ihr Aufsatz über die Arbeiten dieses Künstlerduos ist auf Faust-Kultur exklusiv zu lesen.

Ausstellung Glaskunst

Heiß und Kalt – eine Allianz der Gegensätze

Von Sabine Runde

Heiß und kalt sind Eigenschaften, sie beschreiben Zustände, charakterisieren Extreme – Temperaturen. Symbolisch stehen sie für gegensätzliche Temperamente, sich ergänzend, sich vollendend wie Yin und Yang – wer kennt es nicht, das plötzliche Gefühl, wenn wir im Wechselbad der Gefühl heiß und kalt empfinden – aufregend und sehr lebendig.

Der Vorgang des Glasblasens ist ein Spiel mit dem Feuer und der Zeit. Höchste Konzentration ist nötig, um in der kurzen Zeitspanne aus der rotglühend fließenden Glasmasse vor ihrem Erkalten mit dem eigenen Atem die Gestalt zu formen. Eine erwartungsvolle Anspannung begleitet den Prozess, den Baldwin&Guggisberg beide beherrschen und dessen Gesetzmäßigkeiten sie tief verinnerlicht haben.

Die Form, sie fließt, sie wächst, gesteuert durch Erfahrung, die jede Faszie des Körpers, jede Bewegung, jede Gewichtsverlagerung bis zum Atem gezielt einzusetzen weiß. Eine magische Anziehungskraft geht von dieser aufregenden Aktion aus, gerade weil die Form selbst in vielen entscheidenden Nuancen das Ergebnis einer starken, intuitiven Kraft ist, die für beide Künstler maßgebend ist – ein symbiotischer Vorgang zwischen Technik und Inspiration, den Baldwin als Tanz charakterisiert.

Diese Genese, die sich in der Silhouette, dem Stand, der Mündung, der Haut, den delikaten Farbschichten, der Taktilität, auch im Gewicht jeder Form artikuliert, haben Baldwin&Guggisberg erst 1994 um ein nahezu komplenymisch zu nennendes Ausdrucksmittel erweitert, die „kalten Schnitte“.

Zum „heißen Glas“ bilden die „kalten Techniken“ ein in jeder Hinsicht komplementäres Temperament aus. Feuer und Wasser, Atem und rotierende Räder, weich fließende Konturen und die Präzision der scharfen Kanten stehen für das interessante Miteinander zweier gegensätzlicher Medien. In der Zusammenarbeit mit Paolo Ferro und später seinen Söhnen Riccardo und Pietro entwickelten Baldwin&Guggisberg diese Technik zu einer zweiten Ausdrucksebene. Die Werke erschließen sich als komplexe Gebilde aus untereinander korrespondierenden Sprachmitteln. Die fließenden Formen und subtile Farbpalette, die für sich schon einen ganz eigenen Kosmos eröffnet, interagieren mit der Struktur der „Cuts“; so ergeben sich im Ausdruck höchst differenzierte Kompositionen aus Form, Farbe und Linie.

Die „Cuts“ bei Baldwin & Guggisberg sind gezielt eingesetzte Raster, mit einer jeweils ganz eigenen Diktion aus Linien und Flächen, die Farbschichtungen offen legen und in freien Rhythmen die Erscheinung des Glaskörpers durch eine Haut aus grafisch-räumliche Strukturen interpretieren.
Auch diese grafische Ebene wird in Experimenten und „test cuttings“ in ihren technischen Möglichkeiten von Baldwin&Guggisberg permanent weiterentwickelt. Ihre volle Ausdruckskraft wächst ihr allerdings, obwohl sie auch zeichnerisch vorbereitet wird, erst im symbiotischen Dialog aller Komponenten im Schaffensprozess zu. So umfängt die fertigen Werke jeweils eine ganz eigene, in letzten Details intuitiv erzeugte Aura, die Naturstimmungen vermittelt und neuerdings Rhythmus und Takt des urbanen Lebens reflektiert. Überlagerungen, Richtungswechsel und Gleichzeitigkeiten unserer digitalen Welt, der spezifische Charakter unseres heutigen Sehens und Lebens, finden sich gleichsam eingefangen mittels dieser vitalen Schnittstrukturen. Paris, Venedig, New York sind besondere Orte der Inspiration für beide Künstler, man hört förmlich den Verkehr, fühlt sich geblendet vom krassen Lichtwechsel städtischer Architektur oder empfindet abstrakte Stille. Jedes Stück atmet eine Atmosphäre, die man spüren kann und die in den poetischen Titeln, als letzte Note der Gesamtkomposition, als schöner Reflex nachklingt.

Sabine Runde

Sabine Runde ist Kuratorin im Museum für Angewandte Kunst Frankfurt

Kommentare


Lovely - ( 01-01-2013 06:06:38 )
Wolfgang Fuchs sagt:Sieht lecker aus, muss ich mal asrerobipuen!Ich finde Hirse ideal als Frfchstfcck, weil Hirse auch ohne Zucker irgendwie sfcdf schmeckt daher die ideale gesunde Alternative ffcrs Marmeladebrot ist.Weil er besonders gut schmeckt und weil es gerade in der Frfch oft schnell gehen muss nehm ich den feinem Hirse „schnellkochend“ (mein Favorit ist der Bio von Davert – auch wenn er aus China kommt ), muss man nur kurz aufkochen und dann noch ein paar Minuten ziehen lassen, schon fertig.Oft werfe ich nur ein bisschen frisches Obst, Naturjoghurt und Nfcsse drauf zur gekochten Hirse, schmeckt super lecker…

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erstellt am 26.10.2012

Arctic Voyage 2011, Foto: Christoph Lehmann
Arctic Voyage 2011, Foto: Christoph Lehmann

Die Sonderausstellung A Journey of Beginnings ist im Museum für Angewandte Kunst Frankfurt noch bis zum 2. Dezember 2012 zu sehen. Das Begleitprogramm zur Ausstellung heißt „Glasgeflüster“ und bietet thematische Führungen und Vorträge.

MAK Frankfurt

Arizona Dreaming 2011, Foto: Christoph Lehmann
Arizona Dreaming 2011, Foto: Christoph Lehmann
Detail: Arizona Dreaming 2011, Foto: Christoph Lehmann
Detail: Arizona Dreaming 2011, Foto: Christoph Lehmann
The Zephyrs 2007, Foto Christoph Lehmann
The Zephyrs 2007, Foto Christoph Lehmann