Vierteljährig erscheint eine neue Weltempfänger-Bestenliste, aus der die Chefredakteurin der Zeitschrift LiteraturNachrichten, Anita Djafari, ihren favorisierten Buchtitel auswählt und den Faust-Lesern vorstellt.

Lese-Entdeckung

Anita Djafaris Buchtipp

Aminatta Forna
Aminatta Forna

Weltempfänger 16Aminatta Forna: »Ein Lied aus der Vergangenheit«

Nach der Lektüre des Buches „Ein Lied aus der Vergangenheit“ von Aminatta Forna wollte ich diese Autorin unbedingt einladen. Entweder auf die Frankfurter Buchmesse, für die wir gerade das Programm im Weltempfang mit dem Themenschwerpunkt Afrika organisiert haben. Oder wenigstens zu unseren Afrikanischen Literaturtagen im Januar 2013. Beides wird nicht klappen. Die Frau ist zu beschäftigt. Das ist kein Wunder, denn nicht nur aus meiner Sicht gehört sie zu den vielversprechendsten Autorinnen Afrikas. In Glasgow geboren, aufgewachsen in Sierra Leone, erfolgreich als Journalistin für die BBC, legte Forna jetzt ihren zweiten Roman vor, mit dem sie endgültig ihre Karriere als Schriftstellerin begründet.
Aminatta Forna erzählt eine Geschichte, die man so schnell nicht vergisst. Adrian, ein englischer Psychologe, der zu Hause Frau und Kind hat, geht aus einem gewissen Überdruss heraus nach Afrika, nach Sierra Leone; in einem Krankenhaus will er den vom Bürgerkrieg traumatisierten Menschen helfen. Dort betreut er unter anderen den alten sterbenden Elias, der offenbar noch eine Schuld abzutragen hat und sich ihm nach und nach offenbart. Im Krankenhaus freundet er sich an mit seinem jungen Kollegen Kai, der als Chirurg Tag und Nacht arbeitet, um die äußerlichen Wunden der Kriegsversehrten zu versorgen, ihnen wieder auf die Beine zu helfen und mit dieser Unermüdlichkeit seine eigene Schlaflosigkeit und Traumata zu bekämpfen. Zudem träumt er davon, wegzugehen. Schließlich verliebt sich Adrian in Mamakay, geht mit ihr eine Beziehung ein, nicht ahnend, wie sehr ihre Geschichte mit den beiden anderen Männern zusammenhängt.
Mehr will ich nicht verraten von diesem äußerst vielschichtigen Roman, wie ein Puzzle erschließt sich der stimmige Plot. Man merkt, Aminatta Forna kennt sich aus in beiden Welten, sie versteht ihr Handwerk, aber vor allem hat sie etwas zu erzählen. Das tut sie in präziser und anschaulicher Sprache, nach offenbar gründlicher Recherche. Das Buch ist zudem gut übersetzt, und so kann man sich hineinfallen lassen in die Geschichte, die da handelt von Liebe (auch der erinnerten, auf die der Originaltitel “The Memory of Love” anspielt), von Tod und Verrat, von Verletzung und der heilenden Kraft der Versöhnung. Kurz: von den großen Themen der Literatur und des Lebens, die uns alle angehen, ganz unabhängig vom Schauplatz des Geschehens.

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erstellt am 07.10.2012

Aminatta Forna wurde in Glasgow geboren, wuchs in Sierra Leone auf und kehrte als Erwachsene nach Großbritannien zurück. Nach einer preisgekrönten Karriere als Journalistin für BBC Television arbeitet sie nun als freie Autorin in London. Ein Lied aus der Vergangenheit ist ihr zweiter Roman; er wurde u.a. mit dem Commonwealth Writer's Prize ausgezeichnet.

Platz 2 der litprom-Bestenliste
Weltempfänger

Aminatta Forna
Ein Lied aus der Vergangenheit
Roman
Aus dem Englischen von
Giovanni und Ditte Bandini
DVA 2012

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