Boyadzhievs Orpheus
Orpheus

Da wären wir doch alle gern dabei gewesen! Die Einladung des Goethe-Instituts, bulgarische Ausgrabungsstätten zu besuchen, bekam aber nur der Dichter Jan Volker Röhnert. Er hat von jedem Tag seiner Reise einen Bericht an Faust-Kultur gemailt, damit wir alle das attraktive Projekt nachvollziehen können: Das Thrakische Tagebuch. Des Dichters Vorfahr, der Sänger und Magier Orpheus, kommt aus diesem Land und wird noch heute dort verehrt. „Orpheus also, dem die Landschaft ihre Verzauberung verdankte und der noch heute auf die eine oder andere Weise in regionalen Bräuchen eine Rolle spielt; den Spuren der Könige, die sich auf Orpheus beriefen, dem mächtigen Reitervolk der griechischen Antike, gilt diese Expedition.“

Auf Orpheus' Spuren durch Südbulgarien

Thrakisches Tagebuch

Von Jan Volker Röhnert

Vor zwei Jahren, im Sommer 2010, saß ich in Sofia mit Dr. Rudolf Bartsch, Leiter des dortigen Goethe-Instituts, beim Kaffee. „Immer diese schlechten Schlagzeilen – Korruption, Menschenhandel, Umweltzerstörung … das ist ja nur die halbe Wahrheit über Bulgarien…“, meinte er. „Klar“, pflichtete ich bei, „dass der Wein zu den Spitzensorten, die Berge zu den atemberaubendsten, die archäologische Fundorte sich mit Ägypten und Griechenland messen können, ist nicht so aufsehenerregend …” – „Gehen Sie doch mal mit Archäologen auf Tour und schauen sich dabei Land und Leute an“. Ein fabelhafter Vorschlag.
Das Goethe-Institut knüpfte Kontakte zu bulgarischen Archäologen, stellte eine exklusive 10-Tage-Route zusammen, die entlang der vor kurzem erst entdeckten thrakischen Königsgräber, dann weiter an den Orpheus-Heiligtümern in den östlichen Rhodopen führt, bis diese in das den Thrakern heilige Strandscha-Gebirge und zu den alten griechischen Schwarzmeersiedlungen Apollonia (heute Sozopol) und Mesembria (heute Nesebar) münden. Von dort über das für seine Wandmalereien berühmte Grabmal von Kazanlak und Plovdiv, die heimliche Hauptstadt Bulgariens mit die Landschaft überragendem Ampitheater nach Sofia zurück.
Ein Kameramann ist dabei, der für Tanja Georgieva, deutsche Filmproduzentin mit bulgarischen Wurzeln, Aufnahmen macht – sie plant einen Film über die thrakischen Landschaften. Thrakien: antiker Name für die Gegend zwischen dem heutigen Bulgarien, Nordgriechenland, Westtürkeit, der auf einen Flussnymphe namens Thrake zurückgehen soll. Homer spricht von den „rossetummelnden Thrakern”, die für Troja gegen die Achaier in die Schlacht zogen; Herodot zählt die vielen thrakischen Völkerschaften, ihre Goldschätze, ihre Mythen auf. Dazu gehörten die Verehrung einer großen Erdmutter, aus der die griechische Kybele hervorging; eines Gottes mit janusköpfigem Antlitz, der zwischen der Sonne des Tages und dem Dunkel der Nacht changiert – Apollon und Dionysos im griechischen Olymp. Und Orpheus, der Sänger, der mit seinen Liedern Tiere und Bäume bewegte und thrakischen Weibern, die ihn nicht verstanden, zerrissen wurde – Teilnehmer an der Fahrt der Argonauten zum Goldenen Vlies und Urkönig aller thrakischen Dynasten: Ihm zu Ehren wurden nächtliche Mysterien abgehalten, auf die nur Eingeweihte Zugang hatten; die Kultstätten lagen in schon damals und noch heute schwer zugänglichen Bergregionen. Orpheus also, dem die Landschaft ihre Verzauberung verdankte und der noch heute auf die eine oder andere Weise in regionalen Bräuchen eine Rolle spielt. Den Spuren der Könige, die sich auf Orpheus beriefen, dem mächtigen Reitervolk der griechischen Antike, gilt diese Expedition.

20.9. Sofia, Sofia Tea House, Nachmittag

„Jetzt ist der Sommer auch hier vorbei.” Heftige Sturmböen peitschen durch die Boulevards der Hauptstadt, Platzregen lässt mich vor dem Historischen Museum und in der Unterführung zwischen Präsidentenpalast, Ministerratsgebäude und ZUM-Kaufhaus Unterschlupf suchen. Spuren des römischen Sofia, das Konstantin der Große als sein Serdika bezeichnete, allerorten ausgegraben oder vorgezeigt. Die Gegend Sofias wurde vom thrakischen Stamm der Serden besiedelt, daher sein antiker Name. Wie mir Dr. Nekrizov, Thrakologe am Archäologischen Institut, am Vormittag erzählte, finden zur Zeit im nahegelegenen Kostinbrod Ausgrabungen statt, bei denen man Konstantins Sommerresidenz freizulegen hofft – der byzantinische Imperator hielt sich wegen der heißen Quellen, die noch heute unvermindert zum Segen der Sofioter im Zentrum sprudeln, gern und oft hier auf. Bei der neuen U-Bahnstation „Serdika” hat man gerade über zweihundert Meter römischen Pflasters freigelegt – das neue Vorzeigeprojekt von Kommune und Städteplanern, die u.a. damit in Anwartschaft auf den Status der europäischen Kulturhauptstadt 2017 stehen. Die neuen Ausgrabungen bringen nur umso mehr, welch ein Palimpsest das Pflaster Sofias ist; darin steht es weder hinter Athen noch Rom zurück. Auf den Ruinen, die jeder Einfall von Barbaren hinterließ, erhoben sich neue Mauern, so dass jede Vergangenheit immer schon an der Gegenwart mitarbeitete; selbst auf einem Trümmerfeld gibt es keine ,Stunde Null'. Die freigelegten Reste und Schichten lassen die Imagination an verschiedenen Zeiten und Räumen teilnehmen, zum Nachbarn einer Geschichte werden, die pausenlos Trümmer- auf Trümmersteine häuft, ohne dass daraus je ein sinnvolles Gemäuer ,für die Ewigkeit' entstünde. In der Anwesenheit so vieler Schichten spürt man die Vorläufigkeit allen Daseins, aller Gegenwart,aller Vorkehrungen, sich ,auf Dauer' einzurichten. Dauer gäbe es nur für einen Blick, der die vertikale Abfolge von Trümmern und Fragmenten für einen einzigen Moment in der Horizontalen vergegenwärtigen könnte. Die Herbststürme brausen dem Engel der Geschichte in Flügel und Gesicht, dem Engel, der nicht weiß, welche Zukunft in seinem Rücken blüht.
Am Morgen ein Live-Interview mit dem bulgarischen Nationalradio anlässlich unseres Projektes; danach ein interessierter Radiojournalist auf der Pressekonferenz; nebenan finden die Deutschprüfungen des Goethe-Institutes statt. Dr. Bartsch möchte das Ganze gern weiterverfolgen; da er die Wochenenden am liebsten auf seinem Weingut in der thrakischen Ebene verbringt, weiß er um das Spektrum an Perspektiven, das hier schon ein Blick in ein wenig aufgeschürfter Erde bietet.

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Lost in translation. Das totzitierte Bonmot Robert Frosts ist gründlich missverstanden worden. Statt es als billiges Argument für die Unübersetzbarkeit von Gedichten anzuführen, müsste man es einmal mit dem Novalis-Wort „Alle Poesie ist eigentlich Übersetzung” konfrontieren. Unter dieser Perspektive wäre der Satz, „Poetry is, what gets lost in translation” nicht das, was in der Übersetzung verlorengeht, sondern vielmehr erst recht das, was sich in die Übersetzung verirrt, was sich in sie hinein verliert, also: was im Gegenteil erst einmal übersetzt werden muss. Freilich ist es keine Übersetzung von Vokabular, sondern die Welt an sich, welche in Poesie ,übersetzt' werden will. Das Fremde, das ich sehe, die Fremdheit, die mich ergreift, ,übersetze' ich mir in beiläufige Notizen, die das Fremde gerade nicht auf das, was man bereits daran zu kennen meint, festnageln, sondern es zeigen als Ansichten vom großen Irrgarten der Welt. Poesie bleibt vorläufig, ist fragile, nicht festgestellte Form, die laufend ihre Erscheinung ändert. Ich erkläre mir die Welt, indem ich sie in Vorläufiges übersetze. Manchmal erkenne ich mich dabei in den Stimmen anderer wieder; manchmal läuft es auf ein paar Verszeilen hinaus. Es sind Mit-Schriften vom Unterwegssein, hier in Bulgarien, das für mich Poesie ist, weil ich ,der Fremde' darin bin, dessen ,Schrift' es, wie die der Thraker, für mich gar nicht gibt. Es geht nicht darum, das Land und seine Antike zu bestimmen, es geht um das Unterwegssein darin. Die Notizen, Zitate, Verse, Augenblicksmitschriften sind mein „Roadmovie” von hier, meine ,Übersetzung', die, wie jede Übersetzung, nie endgültig vollendet, sondern stets nur eine vorläufige Wegmarke im Irrgarten ist.

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Zur Pressekonferenz. Der Leitfaden der archäologischen Entdeckungsreise bietet viele Möglichkeiten, die Gegenwart des Landes aus verschiedensten Blickwinkeln zu streifen, sie ist eine Kette, an der sich verschiedene bunte, verschieden große Perlen einzeln auffädeln lassen – ein Anlass, um auf Streifzüge der Wahrnehmung zu gehen: die Archäologie nicht nur als Ausgrabungsstätte in der Erde zu begreifen, sondern als Methode, es mit dem, was ich sehe, nach unterschiedlicher Richtung hin aufzunehmen – nenn es „Landschaft”, „Menschen”, „Altertümer”, „Sprache”, „Wetter”, „Schönheit”, „Küche”, „Kunst” oder „Poesie”. Alles fließt am Ende zusammen im Gedicht.

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(Thrakisch)

Sonne in Plovdiv
Orpheus in Thrakien
von Boyadzhievs Hand
das römische Pflaster
im Stadion glatt
Englisch am Hügel
Lautsprecherschall
Schöner als Absatzkeile
ein Mädchen das lacht
Mittag im Feigenschatten
magische Hand
Aus allen vier Winden
flutet es blau
im Süden die Berge
gleichen der Geliebten
abwesenden Frau
reizendes Rätsel
magnetische Spur
ein Leben genügt nicht
vielleicht zwei oder drei
hinter den Augen
den endlosen Film
auf uns beide
zu schneidern synchron
das Licht empfindlich
die Lieder verwischt
am besten folgst du
hier und heute
den flüchtigen Dingen
eine Schrift
gibt es nicht

19.9. Plovdiv, römisches Theater, Nachmittag

Am Vormittag Abschied vom Tal der Könige mit einem Blick ins Museum Kazanlaks, wo die Fundstücke von Kitovs Expeditionen versammelt sind. Als Kitov die goldene Maske des thrakischen Priesterkönigs aus der Erde zog, muss ihm für einen Moment sein eignes Spiegelbild entgegengesehen haben.

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(Mogila)

Was die Scherben dir sagen
ist trockener Wind
die Stimmen der Bacchanten
ein kreisrunder Stein

Herbst auf den Feldern
Zeit für den Wein
das vergossene Blut
die Walnüsse grün

du fährst durch Landschaft
in sprachlose Jahre zurück
im Atem Geschichte
eine versunkene Stadt

südwärts die Piste
Pferde am Weg
sprachloser Blick
die Hügel verlassen

Wein, Blut und Ocker
an den Wänden ein Lied
Metall, Scherben und Klang
die Walnüsse grün

„…vielleicht ein Storch, der eine Schlange im Mund hält und noch zögert, sie zu verschlucken. Oder die Natur wird plötzlich bleich, oder es fliegen glühende Farben über den Boden hin. Oder die Gestalten von verstorbenen Anerwandten nahen, mit Gesichtern, welche Spuren furchtbarer Leiden tragen.”
(Nietzsche, Morgenröthe)

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Plovdiv, das thrakische Pulpudeva, mazedonische Philippopolis, römische Trimontium, osmanische Paldin, die Siebenhügelstadt, von der thrakischen Ebene umgeben, fern im Norden der Balkan, nah im Süden die Rhodopenkette, das Tor nach Griechenland, dem ägäischen Blau. Noch ein paar Aufnahmen auf dem Nebet Tepe, dem Altstadthügel, gemacht – hier nahm die Stadt ihren Anfang, hatten die Thraker schon einen Tempel, der Muttergöttin, dem Reiterheros, dem Apollon und Dionysos von den Griechen geweiht, später fielen Barbaren ein, jetzt klettern Touristen auf den Trümmern, schallt es auf Englisch von der Gasse mit den bulgarischen Wiedergeburtshäusern herauf. Seit den letzten Jahren wurden viele antike Spuren wieder freigelegt und hübsch ins Stadtbild integriert; neben der Moschee kann man auf römischen Pflaster durchs Stadion gehen; Mosaiken in den Unterführungen betrachten, von der Flaniermeile aus die Grabungen am Odeon verfolgen; in der warmen, wolkenlosen Sonne wird daraus ein schwereloses Ineinander von Zeiten, die zu zeitloser mittelländischer Schönheit auf den Gesichtern verschmelzen.

Im Haus von Zlatyu Boyadzhiev (1903-1976), dem besten bulgarischen Maler aller Zeiten, sehe ich mir das monumentale Orpheus-Gemälde an, eine eigenwillige, kraftvolle Interpretation des thrakischen Heros, die aus der bulgarischen Landschaft und Überlieferung ihre Stärke bezieht. Boyadzhiev war nach einem Schlaganfall im Alter von 40 Jahren in der rechten Hand total gelähmt, der Zauber all seiner berühmten Gemälde floss aus seiner Linken.

Morgen Vormittag ist im Goethe-Institut Sofia eine Pressekonferenz angesetzt. Heute und hier soll dieses Bild vom mythisch lebendigen Thrakien am Ende der Reise stehen.

18.9. „Komplex Chiflika”, Kazanlak, Nacht

Erde. Durchsiebte Erde. Ton. Steine. Scherben. Stein und Keramik sind die materielle Basis der Archäologie. Auf Metall, Gold, Silber, Bronze, Kupfer, Zinn, eiserne Gegenstände zu stoßen, ist hingegen schon als Glücksfall zu bezeichnen. Dies sind die Dinge, hinter denen die Schatzgräber mit ihren Detektoren und der Antik-Schwarzmarkt mit seiner Mafia her sind. Legt man gar intakte Malereien, Fresken, Wandzeichnungen frei, darf das als Wunder gelten; meisten haben die schlechte Witterung, Sauerstoff, Staub, Erosion diese Lebens- und Glaubenszeugnisse der alten Zivilisation im Lauf von zweieinhalbtausend Jahren zerstört. Es erklärt, weshalb man vermeintlich spitzfindige Sicherheitsvorkehrungen im berühmten, UNESCO-gelisteten Freskengrab von Kazanlak getroffen hat. 1944 war man während des Zweiten Weltkriegs beim Bauen von Flak-Stellungen darauf gestoßen, doch gab es immer schon ein unbewusstes Wissen um die Heiligkeit des Ortes, einen römischen Tempel und ein osmanisches Familiengrab hier oben. Touristengruppen bekommen heute gewöhnlich nur die Kopie des Freskos zu Gesicht; uns erlaubt man, nach zäher Überzeugungsarbeit und einer Geduldsprobe des Ausharrens und Wartens auf die Museumsangestellte, für drei Minuten vor Ort zu filmen und uns umzusehen. Wir erhalten weiße Kittel, als beträten wir ein chemisches Labor. Eine Klimaanalage ist unten im Schacht installiert, mit Frischluftgebläse, Feuchtigkeitssensoren. Wir dürfen nicht sprechen: das Heilige sucht sich heute wissenschaftliche Schlupfwinkel als Alibi. Einzig die häßlichen Auslegware-Fußabtreter auf dem Fußboden widersprechen der Ergriffenheit, die sich beim Anblick der galoppierenden Thrakerrosse, der geschmückten Krieger- und Dienerscharen, auf Streitwagen rollend oder zu Fuß heranschreitend, einstellt – konzentrisch im Kegelrund streben sie dem in heroischer Götterruhe thronenden Herrscherpaar entgegen. Im Tunnel der Vorraummauer Kampfszenen: Krieger, behelmt, auf Pferden mit Lanzen, Schwertern, zu Fuß mit Schild und kürzeren Klingen, die Feindscharen abwehrend. Erdige Farben, Rot- und Gelbtöne überwiegend, als sei Tierblut hineingemischt. Ein Kreis von Stierschädeln schließt das Fresko nach unten ab.

Eine weitere thrakische Freskenkammer im Nachbarort Maglish ist für die Öffentlichkeit gesperrt, weil sich dort ein Rüstungsbetrieb befindet, und leider hat man uns den Zugang zum anderen erhaltenen Grabgewölbefresko, der von Kitov gehobenen Anlage von Aleksandrovo, bereits vor sieben Tagen verwehrt – dafür jedoch sehen wir heute im Tal der Könige Bemalungsreste im freigelegten Tempel von Ostrusha. Zu erkennen ist vor allem noch ein brünettrotes melancholisches Frauengesicht. Dass es um 300 v. Chr. in eines der Deckenquadrate des später mit Erde wieder zugeschütteten Tempels hineingemalt wurde, spielt zum Verständnis keine Rolle; der menschliche Ausdruck ist zeitlos, hat das individuelle Absterben überlebt. Kitov grub in diesem Tal, wo sich Felder und Weiden mit Ziegen, Kühen, Büffeln finden, deren Milch man hier verkauft, vor allem nördlich in Richtung des in Balkangebirge führenden Shipka-Passes, in den vergangenen beiden Jahrzehnten spektakuläre Heiligtümer aus: Grabkammern, Altäre, Weiheplätze der thrakischen Odrysen – übernahmen sie von den Ägyptern diese Art, das Heilige fremdem Blick verborgen klaftertief in Gängen und Kuppeln in eigens zum Hügel aufgeschütteten Erd- und Scherbenreich zu versiegeln? Oder ist es nur die künstliche Erweiterung und Verfeinerung der natürlichen Höhlenform als eines Orts, der über Generationen von Geschlechtern wie ein Mutterleib Geborgenheit gewährte? Nach Herodot beklagten die Thraker jedes Neugeborene, den Toten gaben sie ein Fest.

Die Mogili, die Kulthügel, gruppieren sich um das von Kitov 2004 ans Tageslicht gebrachte Grab von Seuthes III., dem mächtigen Odrysenherrscher, der Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. Alexanders Diadochen Lysimachos die Stirn bot und eigene Münzen prägen ließ. Das Grab war ungeplündert erhalten und barg Münzen, Kopfplastik, Beinschienen, Helm, Gold- und Weinbeigaben. In den benachbarten Hügeln finden sich Altäre, Wände, die noch rot von Tierblut sind, Skelette toter Pferde, Stiere und anderer geopferter Tiere, kreis- und halbkreisrunde Steine und Steinbänke, steinerne Türen, eiserne Haken, an denen Kerzen brannten oder Kleider abgelegt wurden – auf den Eingängen, im oder am Stein karyatidenartige Säulenreliefs mit den orphischen Forme(l)n, die wir auf die eine oder andere Weise an allen anderen thrakischen Heiligtümern, die wir besuchten, wiederkehren sahen. Um ein Ritual des wilden, besessenen Gottes zu begehen, zogen sich die Initiierten in die unterirdischen Steinkammern zurück, dorthin, wo die Reben Wurzeln schlagen, wo Panik, Zuflucht, Rausch regieren. Seuthes' Residenz Seuthopolis, die einzige thrakische Stadt, die bislang lokalisiert wurde, steht unter Wasser, seit man in den sechziger Jahren im Zuge des sozialistischen Fortschrittsprogramms den heutigen Koprinka-Stausee südlich Kazanlaks flutete – wir werden ihn morgen auf dem Weg nach Plovdiv in Augenschein nehmen. Boshidar Dimitrov, Historiker, Geschäftsmann und Minister ohne Portfolio, will Seuthopolis ebenso wie die unter den Meeresspiegel gesunkenen Griechenstädte Apollonia und Mesembria in Sozopol und Nessebar mit Millionengeldern wieder an die Oberfläche heben lassen: Größenwahn als profane Variante thrakischer Besessenheit. Der Student, der uns mit Stablampe und guten Kenntnissen gerüstet durch die Hügel führte, nimmt kein Geld – schließlich sei es sein Job, uns all dies zu zeigen, das von provisorischen Asbestabdeckungen und Holzgerüsten geschützt noch seiner Restaurierung harrt.

17.9. Kazanlak, Abend, »Komplex Chiflika«

Am Morgen Abschied von den Archäologen in Sinemorets; da es stürmt, mit heftigen eisweißen Gischtbergen vom Meer her, so dass man sich kaum dem Meer zu nähern wagt, reinigen sie Keramikscherben und versuchen sie zusammenzufügen – diese Puzzlearbeit ist Alternative, wenn für Ausgrabungen das Wetter ungünstig ist. Der Kollege Wassil Dobrev ist zu Besuch bei Daniela Agres Team – der einzige bulgarische Archäologe, der gegenwärtig in Ägypten gräbt. Er erzählt von einem Skarabäus, der im Rhodopendorf Mugla in den siebziger Jahren gefunden wurde und in Smolyan zu sehen ist: das einzige altägyptische Fundstück in Europa aus der Zeit um 500-400 v. Chr. Es bestätige Herodots Bericht, wonach die Ägypter in Kontakt mit den Thrakern standen. Bis auf Herodot fehlen der Wissenschaft noch alle Argumente dafür, wie der Skarabäus um diese Zeit überhaupt in die Rhodopen kam.

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Pomorie nördlich von Burgas. In den Lagunen wird Salz durch Verdunstung gewonnen. Unweit ein Vogelzugreservat. Das Weinfeld reicht an das freigelegte thrakische Kuppelgrab heran. Beeindruckende Ausmaße. An die 7 Meter in Höhe und Umfang, Säulenrund und Eingang mit Ziegelstein gemauert, wie man es viel später erst an orthodoxen Kirchen zu tun pflegte. Der Innenraum verfügt über einen natürlichen Abzugsschacht. Weinbauern fahren mit frischer Traubenernte aus dem Feld: auf einer Art von Schlitten, den ein Traktor zieht; unter den Sitzbänken Platz für viele Traubeneimer.

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Mittägliches Wiedersehen mit Burgas. Die Hauptstadt der Mutri, der neureichen Mafiosi, wie M. sagt, und der flaniersüchtigen Sonnenjugend. Burgas verdankt seinen Namen den Kreuzfahrern, doch ist es schon immer ein Schmelztiegel der Schwarzmeerkulturen gewesen. Perser, Skythen, Griechen, Daker, Römer, Goten, Byzantiner, Osmanen. Beliebt bei Reisenden aus Russland und Israel. Burgas gab dem Exodus der türkischen Armenier ein Exil. Der Anschlag vor zwei Monaten auf dem Flughafen von Burgas traf ins Herz eines naiven Weltvertrauens, dem ich selber nur allzu bereitwillig mich angeschlossen hatte. Da offenbarte sich plötzlich die Fragilität einer Unschuld, die sich unberührt vom Grauen weiß, solange sie selber bloß an der Peripherie der großen Nachrichten erscheint. Der korruptionsverdächtige Innenminister, der mit sichtlichem Widerwillen vor die Mikrofone trat; der hemdsärmelige Präsident, der “alles unter Kontrolle” habe. Noch eine Hiobsbotschaft, und es wäre um die Unschuld an der Peripherie geschehen.

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Windkrafträder auf thrakischem Karst.

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Was wir meinen, wenn wir einen klaren Satz zu schreiben suchen, zielt auf eine Klarheit jenseits aller schönen Sätze ab. Es betrifft unser Verhältnis zur Welt und die Art, durch sie hindurch zu gehen; die Kunst, auf trüben Spiegeln klar zu lesen.

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Die Landstraße vom Meer ab westwärts: Karnobat, Sliven, Kazanlak. Tal der thrakischen Könige. Welliges, in mehreren Staffeln ansteigendes und abfallendes Hügeldunkelgrün, bisweilen karst- und steppengelb. Jede dieser ungezählten Kuppen könnte eine thrakische Grabstätte beherbergen, beherbergt haben. Die Ebene bewirtschaftet mit Wein, Obstbäumen, auch Solarstromtafeln sind aufgestellt. An der Straße reife Früchte feilgeboten: Pfirsiche, Aprikosen, Melonen, Äpfel, Nüsse, Wein. Im Hintergrund auf kargen Flächen Vieh, Hirten mit Kuh-, Schaf-, Ziegenherden; vereinzelt Pferde grasend. Bei abnehmendem Licht in Kazanlak, der „Rosenstadt”. Der Geruchssinn, anders als Hören oder Sehen, sorgt für eine Erinnerung, die sich nicht verfälschen lässt. Holzofenrauch im Hof der Herberge.

16.9.

„Pri Bai Stefan”, Sinemorets, Pontus

Der Pragmatismus des Englischen provoziert eine neuartige Fremdheit, die oberflächlich Vertrautheit mit den Dingen suggeriert, jedoch das Gegenteilige erreicht – ein glattes Kennenlernen und Umgehen der Welt, das auf ehrliches Verständnis und Verstehenwollen verzichtet. Die Engländer, die Amerikaner finden eine schlechte, manchmal unfreiwillig zynische Kopie ihres eigenen Idioms an jedem Ort der Welt; ihr Pragmatismus im Umgang mit der Welt prallt voll auf sie zurück, die Welt mit ihrem Händlerkauderwelsch erfüllt ihnen jeden Wunsch und schließt sie zugleich schroff von ihren Geheimnissen, die nur die Muttersprachen kennen, aus.

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Dem Surrealismus können wir nicht genug für die Einsicht danken, dass nicht eigentlich die verwandten, sondern die entfernten Dinge miteinander korrespondieren. Der Ägyptologe Jan Assmann sagte einmal auf die Frage, wie er zu seinem Beruf gekommen sei, ein Kinderbuch mit Abbildern der Hieroglyphen habe ihn einst inspiriert. Ich turnte als Kind auf den rätselhaften slawischen Dolmen und Hügelgräbern der Insel Rügen herum.

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Daniela Agre ist eine Archäologin, die wenig von gewagten Hypothesen hält. Was die Kultur der Thraker betrifft, so will sie nur über die Dinge reden, für die es anhand der Ausgrabungen Anhaltspunkte gibt. „Was wir mit Bestimmtheit wissen, ist, dass sie die große Muttergöttin verehrten, die in Athen als Bendis, andernorts als Kybele bekannt war. Sie verkörperte das thrakische Grundprinzip. Später kam der Reiterheros hinzu, den man immer wiede rin verschiedenen Varianten auf Reliefs und Applikationen findet.” Das Dionysische, Orphische, die Musen, Mars und Apollon, die die Griechen den Thrakern zugeschrieben haben, sind schon eine Ableitung oder Interpretation ihrer ekstatischen, manischen Rituale, Feste und Gesänge. Auf dem Hügel über dem Strand von Sinemorets haben Agre und ihr Team große Weinamphoren freigelegt; der Wein an sich ist ein Synonym der thrakischen Kultur.
In ihrem Film lässt Ginka Tscholakowa Autoren zu Wort kommen, die im Feuertanz der Einwohner von Bulgari ein entferntes Echo des thrakischen Orphismus erkennen wollen. Das Dorf hat einen nestinar oder eine nestinarka, die Tieropfer festlegen und im ekstatischen Zustand prophezeien.Jedes Jahr zum 3. Juni, dem Tag des heiligen Konstantin, versammeln sich die Einwohner, um mit verzückten Schreien durch Kohlenglut zu tanzen. Die von Ginka Interviewten schwärmen davon, wie sie durch dieses Ritual an Leib und Seele genesen seien. Wenn es heute gegen Geld für die Touristen aufgeführt werde, so habe dies nichts mehr mit der Tradition zu tun. Die ist mit den letzten nestinari ausgestorben.

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Die Archäologen graben hier den ganzen Monat über. Sie beginnen zwischen sechs und sieben und schließen die Arbeit gegen drei in der Nachmittagssonne ab. Die Roma, die beim Ausgraben helfen, werden bar ausbezahlt.

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In der Bucht von Rezovo. Ein Kanal trennt Europa von der Türkei. Auf der andren Seite bauscht sich der Halbmond im Wind. Eine riedgedeckte hölzerne Strandbar am Ende Europas, von der aus man in die Türkei hinüberblickt; auf meinem Handy erscheint bereits das türkische Netz. Das Pärchen hinter der Theke versteht nur Englisch, ist aus Argentinien, vom Besitzer angeheuert, der auf Bali die Herbstsaison verbringt. Die türkische Seite ohne Menschen, Wellen treiben gegen den Zirkel des Sandstrandes. Grenztürme, Zäune, breit ausgefahrene Wagenspuren im Sand, Wald; hügelig und lautlos im Nachmittagsglast verliert sich das Vorland Istanbuls; der Pontus ein riesiges Niemandsland aus Klippen, Eichenwäldern, Staub und Gischt.

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Malko Tarnovo im Strandzha-Hinterland, die kleine Schwester der alten Zarenhauptstadt Veliko Tarnovo nördlich im Balkangebirge. Wenn es blinde Flecken an der Peripherie Europas gibt, so fremd, dass selbst die Landsleute sie nicht kennen, dann ist zweifellos die Gegend um Malko Tarnovo ein solcher. Weder Kossi als Fahrer noch Harry als Kameramann sind jemals zuvor hier gewesen. Tanja wiederum verbindet ein Teil ihrer Familiengeschichte mit dem Gebirgsstädtchen; der Großvater, als Rekrut kaserniert, lernte die Großmutter kennen, die aufs einzige Gymnasium der Gegend ging. Eine orthodoxe und, seltsam für Bulgarien, eine katholische Kirche; am Ortsrand Roma- Vorgärten. Sieben Kilometer hinter der Stadt der Grenzübergang zur Türkei; die Landstraße führt von dort weiter nach Istanbul. Unterwegs wollen Grenzer, wie schon in Mezek, unsere Papiere sehen. Vor dem Café im Zentrum Malko Tarnovos deutsche Stimmen; zwei Radtouristen auf Rast. Die Gegend ist Nationalpark; mit dichtem Eichenwald gesäumt; tiefdunkler Wabenhonig die Spezialität der Region. Georgi Kitov und Daniela Agre gruben hier 2004 eine Nekropole aus – über 40 Grabstätten aus römischer Zeit; auf dem Plateau des Hügels ein thrakisches Kuppelgrab. Als wir das Waldstück hinan steigen, begleiten uns Vogelrufe, unsichtbares Geflatter hinter den Zweigen – die Wächterschaft der Gräberstadt. Die Form des Kuppelgrabs – Pforte, Vorraum, kreisrunde Kammer, spitzer Dachkegel – erinnert frappierend an das, was wir bei Starosel, Mezek, Chljabovo sahen; das Ausmaß der Anlage wiederum an Perperek und Harman Kaya. Ein Odrysenherrscher muss hier zwischen 900 und 200 v. Chr. bestattet worden sein. Die Kompassnadel spielt verrückt; eine Eisenader tritt ans Tageslicht, voller Erznuggets der Pfad. Diesiger Tagesrest; in den Wäldern versteinert die Zeit, die Quellen im Karst geben sie frei. Das Wasser, die Lieder und Vögel dringen über den Horizont bis ans Meer.

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Die Titandisc im Herzen der Voyager 2 wird die größte Nekropole der Menschheit sein, ein virtuelles Gedächtnis für niemanden, wenn es uns nicht mehr gibt. Die Stimme der rhodopischen Sängerin Wala Balkanska repräsentiert die bulgarische Überlieferung darauf, eine hohe fremde verzaubernde Obertonstimme von sehr weit her aus Raum und Zeit. Die Überwältigung, die man empfindet beim Sternenhimmel-Blick auf das, was gewesen ist, als man selber noch nicht war, und das, was sein wird, wenn man selber nicht mehr ist, enthält dieser Gesang.

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Mir fällt ein gewisser ,französischer' Zug am bulgarischen Wesen auf, sich mit Vorliebe über Küche und Essen zu unterhalten, die irdischen Genüsse, die ,von Natur aus' da sind – Honig, Pilze, Innereien, Kräuter, Wein und Sauermilch. Doch sind sie erd-näher hier; die übertriebene Verfeinerung der Franzosen bleibt den Bulgaren fremd. Es gibt noch einen weiteren ,französischen' Transit: die Bogumilen des ausgehenden Mittelalters, als Manichäer, Häretiker von der Kirche streng verfolgt, verbanden sich mit den Freigeistern der Albigenser und Katharer in der südfranzösischen Berg- und Eichenwäldereinsamkeit.

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Auf der Rückfahrt hoch brandende Gischt in den Buchten der kleinen Küstenorte. Nächtliches Wetterleuchten; Blitzgeäst am Meereshimmel. Morgen den Pontus aufwärts bis zum Kuppelgrab von Pomorie, zwischen Sozopol und Nesebar; dann ostwärts ins Balkangebirge, zum Tal der thrakischen Könige bei Kazanlak.

15.9.

Sinemorets, Pontus, „Bai Stefan”, Mitternacht

Mann hinter der Kamera. Bilder machen: direkter Zugriff auf die Welt. Umweg des Schreibens, sich herumschlagen mit sprachlichen Näherungswerten. Der Verzicht der Thraker auf die Schrift lässt sich retrospektiv auch so erklären: Sie wollten lieber in direkte Beziehung zu den Elementen, Dingen, Göttern treten, mit Pferd und Hund begraben sein. Vorteil beim Gedichtemachen: Du gibst nur dir selber Rechenschaft; Filmemachen bedeutet verhandeln müssen mit vielen anderen; zu viele Augen und Hände fügen die Bilder aneinander – im Gedicht gilt dein Auge und dein Wort.

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Zum Shopskasalat die Mineralwasserflasche voll bernsteintrüben, hausgemachten Rakias vor uns auf dem Tisch.

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Am Morgen im Tundzhafluss. Das Tal hallt von den Schüssen der Jäger, die vor Sonnenaufgang polternd in ihrer Tarnanzügen aufgebrochen sind. Ein großer Grünspecht pfeilt aus den Wipfeln, sein spitzer Schrei über dem Flussufer. Nach den Jägern ist es wieder still, die knisternden Laute der Vögel in der Luft. Wir sind Bilderjäger.

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Erinnerung an ein Kindheitsbild: Odysseus, in irgendeiner Verfilmung seiner Verfilmung seiner Irrfahrten, zerstampft mit bloßen Füßen Weintrauben im Bottich, ein archaisches Ritual, das die Mattscheibe wiedergab; es muss nach der überstandenen Sirenenepisode der Aufenthalt bei den Phäaken und Nausikaa gewesen sein.

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Über das Strandzhagebirge zum Schwarzen Meer bei Sinemorets. Die am wenigsten bekannte, am wenigsten bevölkerte Gegend Bulgariens. Ein Niemandsland mit Feldern, mit fetter schwarzer Humuserde, niedrigen Sträuchen und Bäumen, Vögel schießen durch die blaue Luft. Ein Zwischenreich.

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Feld-Arbeit Archäologie. Der Tumulus im Acker, dürres Gras, trockene Mohnkapseln im Wind. Eine Vogelschar schreckt auf.

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Mir stand der Mund offen: Ein Zug Pelikane über der Lagune von Burgas.

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Das Team von Daniela Agre gräbt direkt in der Bucht von Sinemorets, die Mündung des Veleka-Flusses im Rücken, vor und unter sich die Bläue des Meers. Vielleicht der schönste Ausgrabungsort Bulgariens. Eine thrakische Festung aus dem dritten Jahrhundert vor Christus; auf dem Hügel gegenüber hat sich vor einigen Jahren das Grab einer reichen thrakischen Frau entdeckt. Dieser lokale thrakische Herrscher kontrollierte von dieser Burg aus den Verkehr zwischen den griechisch-thrakischen Küstenstädten Apollonia und Mesembria, dem thrakischen Hinterland und Kleinasien. Der weite Sandstrand unter dem Hügel ein wenig wegen des schönen Wetters und des Wochenendes bevölkert; die Wagen: Sofioter Kennzeichen. Die türkische Grenze keine zehn Kilometer entfernt. Auf der Landstraße alte sowjetische Kerosinlastwagen, dunkelhäutige Roma dichtgedrängt im Führerhaus, auf der Ladefläche frisch geschlagenes Eichenholz.

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Ich frage Dejan, den Assistenten Daniela Agres, wie die Thraker ihr kollektives Gedächtnis kultivierten, da sie keine Schrift besaßen. Fahrende Sänger, Barden, Lieder, Chöre, Tänze, wiederkehrende Rituale. Pantomimen. Malereien. Initiationen.
Am Abend sitzen wir mit dem Team von Daniela Agre in einem Café über dem Meer, schauen uns auf dem PC Ginka Tscholakowas Dokumentation über den Feuertanz im Strandzhadorf Bulgari an. Ein künstlerisches und ethnographisches Vermächtnis ersten Ranges. Es erinnert mich an wenig an die Filme Maya Derens über den haitianischen Voodookult. Ginka muss gespürt haben, dass diese Tradition, die sie auf die manischen Mutter- und Sonnen-Kulte der Thraker zurückführt, nach Jahrtausenden der Überlieferung nunmehr im universalen Konsumkapitalismus aussterben wird oder nurmehr als blinde Folklore überlebt.

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Braune Pferderücken in der Abendsonne über den Klippen von Sinemorets, im Hintergrund die grünen Strandzhahügel, die sich westwärts in den blauen Horizont hinein verlieren. Für Momente tragen sie dich aus der Zeit.

14.9.

Morgen, Kardshali, „Arpesos”

Aufbruch nach Mezek und Chljabovo, in die thrakische Vorzeit der Dolmen und Steingräber, südostwärts Richtung Griechenland und Türkei. Die Hauptstadt der römischen Provinz Thrakia, Perinthos, lag am Marmarameer, das römische Adrianopolis ist das heutige Edirne hinter der Grenze bei Svilengrad – es gibt immer Dinge und Orte, die wir nicht sehen werden, die auf der Wunschliste zurückbleiben, für später, vielleicht. Wir verlassen die Rhodopen und nähern uns dem Strandzhagebirge, der Landschaft schlechthin mit thrakischen Tumuli, das mythische Land der thrakischen Vorstellungswelt, ein heiliger Bezirk. Im dritten Jahrhundert v. Chr. waren die Kelten hier eingefallen und hatten ein 70 Jahre währendes Reich errichtet; nach der Hauptstadt sucht man noch.

*

„I have known the golden disc,
I have seen it melting above me.
I have known the stone-bright palace,
The hall of clear colours.”

In der Tat unter den Dichtern der Moderne kommt keiner besser der antiken Wahrnehmungskraft, der Stasis des taghell durchleuchteten Augenblicks, im tanzenden Melos steinbehauenen Ausdrucks so nahe wie Ezra Pound.

*

Fahrtnotizen

Zur Gegenwartsarchäologie. Ein Stück Thüringen, DDR, rostet auf den Feldern um Haskovo, Mähdrescher aus Weimar, IFA-Traktoren aus Mühlhausen, Simson-Mopeds aus Suhl, ersatzteillos vor sich hin.

*

Sommer: Melonen auf der Pritsche eines Lkw, braunes Pferd im Walnussschatten. Kinderhand in blauer Luft.

*

Mezek. Das Land der Griechen vor der Tür. Männer vor der Mechana, schwarze Maulesel am gelben Felderrand.

*

In der Ortschaft Ljubimets, drei Kilometer vor der Grenze, ein frisch ummauerter stacheldrahtbewehrter Komplex; kein Gefängnis, sondern ein „Auffanglager” für illegale Emigranten, die es hierher, im Dreiländereck über die grüne Grenze aus Griechenland oder der Türkei kommend, geschafft haben. Tanja, die im März ein paar Kilometer weiter, auf der griechischen Seite, einen Film über die dort ,empfangenen' Illegalen gedreht hat, weist mich darauf hin.

*

Die Transitautobahn frisch asphaltiert; die Ortschaften an den Ausfahrten verfallen.

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Griechenland. Der Grabtumulus von Mezek ist direkt im Grenzbereich, der Wächter zeigt auf den Baum mitten im Feld, hinter dem sich ein junger Kiefernwald bis an den Horizont, zwischen bewaldeten Bergen zur Rechten und der Weinfelder-Ebene zur Linken, erstreckt – „hinter diesem Baum beginnt Griechenland.” Einen Grenzturm gibt es hier nicht mehr, dafür ein verfallenes Patrouillenhaus, und einen morschen Schießstand, an dem noch die ausgeblichenen, zerfetzten Zielscheiben mit zerfranster Menschenfigur flattern; oberhalb des Grabhügels seien die Scharfschützen postiert gewesen, erklärt der Museumswärter. Sein Sohn, im Vorschulalter, spielt es mit einer Plastikpistole nach; es sind eher Posen, die aus amerikanischen Actionkrimis stammen, wie er sie im TV gesehen hat. Ich frage ihn, ob er sich nicht einsam fühlt ohne andere Kinder; aber er spiele auch gern für sich.

Das Grab wurde bereits 1931 entdeckt und ist das größte seiner Art in Bulgarien – ein zwanzig Meter langer Tunnel führt ins Mausoleum; mannshohe Marmorquader, die Gewölbedecke in einen Spitzgiebel zulaufend; ein Vorraum trennt den Tunnel von der eigentlichen Grabkammer. Der Junge zeigt auf eine Fledermaus, die oben an der Decke wie reglos klebt. Die Grabkammer in ihrer Hallenform, die halbkreisartige Sarkophagplatte an die Gräber in Starosel und Tatul erinnernd; zweifellos, hier war ein mächtiger Herrscher, vielleicht der Odrysenkönig Seuthes bestattet; die kostbaren Grabbeigaben in die Museen abgewandert.

Da noch eine Wegstrecke vor uns liegt, verzichten wir auf die Ruinen der Byzantinerfestung Neutsikon, wollen aber nicht ohne eine Weinprobe verschwinden – Mezek ist bulgarienweit für seine Spitzenweine mindestens so gut wie Melnik im Südwesten bekannt, von wo sich Winston Churchill jährlich 300 Liter anliefern liess. Wir finden ein „Weinmuseum”, das ein Winzer und Freizeitmaler betreibt, der uns jungen roten Mavrud und Merlot zu kosten gibt. Die Weine sind hervorragend, kräftig aber nicht zu schwer (nur dass sie noch lange reifen könnten…), der Ort bezaubernd, ein stilles Tusculum am Tor zu Griechenland.
An der Ausfahrt von Mezek halten uns Grenzposten uns an, ein stämmiger Typ vergleicht blinzelnd das Foto im Reisepass mit meiner gegenwärtigen Erscheinung. Svilengrad, die Stadt mit einem Übergang nach Griechenland, einem zur Türkei, fliegt an uns vorbei. Wir nähern uns dem Strandzha-Gebirge, das Land wird flacher, hügelwelliger, trockener, knisternd gelb. Mit Wein bewirtschaftete Felder. Vor Chljabovo das Dolmengrab aus präthrakischer Zeit – vielleicht drei-, vier- oder fünftausend Jahre alt. Die Form im Grunde an die der thrakischen Stätten erinnernd, vielleicht das Ur-Mausoleum schlechthin: Eingang, Pforte, Vorraum. Ein kleineres, ein Kindergrab, daneben von halber Größe. Im Umkreis gewaltige Steine aus dem Boden ragend, eine Saat von Dolmen, die sich im angrenzenden Weinfeld verliert. Unter der Deckenplatte des großen, des Adelsgrabes, die Lehmspirale eines Schwalbennests. Im hohen trockenen, beinah schilfartigen Wiesengras raschelt es, schwarzweiß gerasterte Eidechsen huschen, lange Stabheuschrecken nicht von den Stängeln zu unterscheiden. Die Landschaft beim Hindurchfahren voller Tumuli, die immer wieder aus dem Boden ragen, halbrunde Hügel, manchmal eichen- oder walnussbaumbewachsen, an die sich Felder, Weiden, weitere Hügel schließen. Hinter Topolovgrad erreichen wir Knjashevo, wo die Archäologin Daniela Agre in den letzten Jahren ein Mausoleum aus der Zeit Alexanders des Großes ausgegraben hat. Hier biegen wir in Richtung des Tundzha-Flusses ab – nach ein paar Kilometern parallel zum Ufer ein paar Häuser im Grünen: unser Hotel für die Nacht.

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In der Grabkammer von Mezek wechselte das Netz auf dem Display meines Telefons; der thrakische König, wer immer er war, hatte Anspruch auf das griechische Elysium: “WIND Welcomes You To Greece! In Case Of Emergency, Call 112 And 171 For Tourist Police, Free Of Charge. The Local Currency Is Euro.”

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Mitternacht, Keshta Tundzha, Selo Krem

Grillenzirpende Sternennacht. Unter dem Balkon der Tundzhafluss. Ein Jägerhotel: An den Treppenwänden Jagdaufnahmen, nach uns am Abend fuhr ein Jeep mit Jagdbeute ein, der Haushund bellte auf. Die Frau des Hauses wartet mit Shopska-Salat und Gjuvech auf. Während wir aßen heulende Rufe aus den Bergen; wir redeten uns Wölfe ein, aber als wir danach fragten, erfuhren wir, dass es Schakale seien, die hier leben. Die morgige Route umgeschneidert: Da Daniela Agre gegenwärtig in Sinemorets, fünf Kilometer vor der türkischen Grenze am Schwarzen Meer, gräbt, werden statt nach Sozopol dorthin fahren; Wanja Koubadinska vom Goethe-Institut hat umgebucht.

13.9. – Kardshali, »Arpesos«

„Dawn enters with little feet, / like a gilded Pavlova” (E. P.)

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Ernst Jüngers Orakeln vom Elementaren und Titanischen war letztlich nicht als verhüllte Trauer darüber, dass es keine Götter mehr gibt.

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„Dance the dance of the Phallus / and telle anecdotes of Cybele!” (E. P.)

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„… Stepping beneath a boisterous wind from Thrace …”

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Walnussbäume werden in den türkischen Dörfern der Umgegend als heilig verehrt.

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Geschichte des thrakischen Königs, der sich zum Schein begraben ließ, um drei Jahre später, als vergöttlichter Heros auferstanden, zu den Seinen zurückzukehren und sie in Panik zu versetzen.

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Harman Kaya. Heimstatt der Winde, Thrakien auch dies. Raoul schreibt, laut Herodot habe Thrakien auch die Musen den Griechen geschenkt. Seit tausenden Jahren hat sich in dieser Landschaft wenig verändert, bis auf die Elemente – die Steine, die von Wind und Sonne abgeschliffen werden. Die Menschen hier mögen jetzt Muslime sein und sich für Türken halten, doch die chthonischen Götter leben in ihrem Alltag und Aberglauben und Frühlingsfeiern fort. Das Heu – oder Grummet. es wird zum zweitenmal gehauen sein – auf eigentümliche Weise zum Trocknen aufgeschüttet: Ein Baum, in der Mitte von einer Art ,Vogelnest' umgeben, auf dem sich das Heu kegelartig um den Stamm und die entästete Krone, oder eine hohe Stange statt der Krone, türmt. Lang gehörnte Kühe auf den Weiden, Glocken am Hals, grasen ohne Einschränkung, ein Hirt schaut von weitem nach ihnen, nach uns, als wir den Wagen abstellen. Das Dorf, in dessen Flur Harman Kaya liegt, heißt Bivoljane – soviel wie „Büffelweide”. Das Wäldchen auf der Hügelkuppe verströmt Kiefernharzgeruch. Hin und wieder Schürflöcher im trockenen Boden, wie sie Schatzgräber mit ihren Detektoren hinterlassen. Dann die überwältigende tuffsteinrote Felstenstätte, mehrere amphitheatralische Halbkreise mit riesigen versprengten Brocken, die selben Vertiefungen, Löcher, Quader, Wannen wie in Perperikon. Dies ist wie Perperikon vor seiner Entdeckung. Linien durch den Tuff gezigen, Bögen im Ausmaß einer Fußballfeldhälfte auf abschüssigem Terrain, eine schiefe Ebene: die thrakische Sonnenuhr? Felsnischen, immer wieder Nischen – was wurde darin zelebriert, war dort aufgestellt? Keramikscherben, Obsidiankeile, Feuersteinsplitter vor einer höhlenartigen Spalte: dieser Ort ist sehr alt. Aus allen Richtungen braust der Wind heran, über das Panorama der Rhodopen hinweg, als kämer er hierher, an diesen im Umkreis höchstegelegenen Pinkt, um sich zu sammeln, der trotzige thrakische Karststurm, der die griechischen Haine überfällt.

*

(Harman Kaya)

Sonne in Ton gebrannt,
gib Erde darauf,
trockene Erde darauf,
der Tag zerfällt

mit dem Kreisel des Winds
in seine Scherben,
Gras darüber,
Nacht in den Spalten,

um die der Ton
mit der Sonne steigt,
Schatten sind Zweige
Wacholder und Dorn,

dein Nagel ritzt Kerben
in Rinde und Tuff,
die Sonne ein Tag,
an dem du nicht mehr bist.

12.9.

Nach Mitternacht ein aufbrausendes Motorrad auf der Straße unter dem Hotel. Klappernde und schleifende Getriebe. Bulgarien hat das Fußball-WM-Qualifikationsspiel gegen Armenien mit 1:0 gewonnen. Wir saßen vor dem Großbildschirm der Hotelbar „Maraya”, wo sich Kardshalis Jugend trifft, bei frischgezapftem kühlen Zagorka-Bier. Die Nacht: flackerndes Gebell hungriger Hunde und spitze türkische Halbmondsichel.

*

Manchmal lernt man die Vorzüge einer Unterkunft erst später schätzen. Die Zimmerdecke wird zur Mondlichtleinwand. Die Matratze wie neu, gut zum Schlafen, nicht durchgewetzt wie in den deutschen Moselherbergen.

*

Doppelrollen im bulgarischen Doppelleben: die Hotelrezeptionistin als archäologische Reiseführerin; der Chefarchäologe als Businessmann.

*

Ist es eine Projektion zu empfinden, hier sei die Grenze nah? Grenze zur zeitlosen Bergeinsamkeit. Grenze der Zivilisation (ja, hier in der Stadt die Fußballleinwand, vor der Stadt die Dörfer mit Kuh- und Schafherden, Menschen, die noch wie Nomaden wirken und wenig Bulgarisch sprechen), Grenze der Sprachen also und Religionen auch, Grenze des Kontinents (Europa bei abnehmendem Licht), Grenze zur Vorzeit (Perperikon, das bis ins Mittelalter, wechselnden Gottheiten geweiht, noch Kultstätte war).

*

6 Uhr früh: Die hungrigen Hunde bellen wieder auf. Da es kaum Stadtbeleuchtung gibt, siehst du den Morgen noch in seinen natürlichen Farben heraufdämmern – die Blickrichtung in die Rhodopen ostwärts ein Vorzug der Unterkunft. Das Farbensprektrum ein Fächer, der den Horizont umspielt, von unten flimmert die gelbe Erde in allen Nuancierungen ins blasse Blau hinein.

*

9. Jahrhundert. Europa ein Dreimächtekontinent. Im Westen die Franken Karls des Großen; im Osten die Bulgaren unter Kan Krum; im Südosten das oströmische Byzanz.

*

Nochmal: die Farbe der Sonne, die aus dem Boden ,steigt'. Stunde, in der die Götter ihr Antlitz drehen, aus dem nachtschwarzen Laken der Erde ins quarzitgleißende Tageslicht. Die Götter existieren nicht; sie sind Präsenz.

*

„In der ganzen Vorgeschichte der Menschheit setzte man Geist überall voraus und dachte nicht daran, ihn als Vorrecht des Menschen zu ehren. Weil man im Gegentheil das Geistige (nebst allen Trieben, Bosheiten, Neigungen) zum Gemeingut und folglich gemein gemacht hatte, so schämte man sich nicht, von Thieren oder Bäumen abzustammen (die vornehmen Geschlechter glaubten sich durch solche Fabeln geehrt) und sah in dem Geiste das, was es mit der Natur verbindet, nicht was uns von ihr abscheidet.” (Nietzsche, Morgenröthe)

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Perperikon.
Perperikon?
Perperek?
Hatte Alexander ,sein Perperikon' gehabt?

Professor Ovcharov, den wir mitten in den Ausgrabungen auf dem erst vor 20 Jahren von ihm entdeckten Komplex antreffen, geht von der Arbeitshypothese aus, dass „Perperikon” mit jener bei Herodot erwähnten großen Dionysos-Orakelstätte des Thrakerstamms der Bessen, sowie mit dem Orakel, das nach Plutarch Alexander dem Großen nach der Befriedung Thrakiens die Weltherrschaft weissagte, identisch sei. So ähnlich steht es auch auf der Willkommenstafel am Fuß des weitläufigen eichenlichten Berges, als Faktum in Englisch und Bulgarisch ausgegeben – doch bleibt es vorerst nichts als Hypothese.
Fakt ist, Perperikon war eine für prähistorische und antike Verhältnisse gigantische Anlage und ist heute ein nur in Bruchstücken begehbarer und freigelegter Komplex, von dem noch große Teile, überwuchert, unzugänglich oder zertrümmert in tiefem Dunkel liegen – doch auch was bereits ausgegraben ist, lässt einen den Atem anhalten; man spürt, das ist erst die Spitze eines Eis-, nein: Tempelberges. „Wie lange brauchen Sie hier noch – zwanzig Jahre?” – „Eher fünfzig”, meint Ovcharovs Doktorandin Detelina, die uns auf Anweisung des Meisters ein wenig herumführt. Wozu dienten die immer wieder anzutreffenden großen runden oder viereckigen Vertiefungen in den Steinquadern? Eine Hypothese lautet, dass sich darin Wein befunden haben soll – eine Akropolis mit Steinstufen voll kleiner, weingefüller Bassins; wer sich dann auf diesem Gipfel dem Apollon und Dionysos weihte, war bereits, seinen Willen mit der Welt zu messen. Doch woher rührt Perperikon?
Die gefundenen Keramikscherben weisen auf mindestens 6000 Jahre vor der Zeit zurück – das vorthrakische Prähistorikum, das Neolithikum, die Jungsteinzeit. Man muss damals wohl die natürliche Hohlform der Felsen ausgenutzt haben; auch ist der hier anzutreffende Kalkschiefer leicht zu bearbeiten; die Felsnischen als Lebens-Form: daraus entwickelte sich dann eine Art von Stadt, deren Aussehen und Aufteilung man hat sich auszumalen, so fremd wirken die über den weiten Bergrücken verstreuten Quader, Blöcke, Aufschichtungen, Rinnen, Rillen, Löcher – als sei man auf einem anderen Kontinent oder gar einem anderen Stern gelandet und stehe vor den Rätseln einer versunkenen, fremden Zivilisation; dabei haben wir 'nur' einen Zeit-Sprung von zweitausend, viertausend, achttausend Jahren gemacht; alles am gleichen Ort; viele Zeitsprünge auf einem Berg: Perperikon ist Palimpsest, vielfach um- und überbaut, so dicht 'beschrieben' wie mehrfach ungewendetes Pergament. Das wiederumfindet man in Thrakien nicht, auf Keramikscherben lediglich die Typen der Linear A- und B-Schrift sowie griechische Eponyme. Dort, wo Ovcharovs Ausgrabungsteam gerade gräbt, ist er fündig geworden, es handelt sich um eine römische Tempelanlage aus dem 3./4. Jahrhundert, auf der später bis ins Mittelalter hinein noch eine Kirchenanlage bestand. Ovcharov zeigt uns einen runden Stein, in den eine Swastika imprägniert ist und darüber in griechischen Lettern der Namen ALEXANDROS – das habe er vor einer Stunde erst gefunden.
Als Ausgräber hat er vor allem aus den umliegenden Dörfern stammenden türkische Familien rekrutiert – sie graben, hacken, sieben das Erdreich durch, das dann über lange Rutschen hinabbefördert wird. Staub liegt in der Luft. Frauen waschen die Tag für Tag gefundenen Scherben und verstauen sie in großen, mit genauem Fundort im Planquadrat beschrifteten Umschlägen; als wolle man geschredderte Papiere zusammenfügen, so schwer dürfte es fallen, diesen Fragmenten einen genauen Sinn zu geben. Die Ausbeute jeden Tages ist im Kindergarten des nächsten Dorfes Gorna Krepost deponiert.
Für zwei pansstille eichenblätternde blaue Stunden gehe ich an prähistorischen Sarkophagen, Felsquadern, runden Brocken, Schründen und Schlünden vorbei. In Italien muss es zur Zeit von Goethe und Moritz ähnlich gewesen sein; um 1780 steckte die Altertumswissenschaft noch in den Kinderschuhen, Goethe sah den Tempel von Segesta auf Sizilien so, wie er verlassen worden war – vor Ankunft der ordnenden und sammelnden Archäologen; Moritz verfolgte die Ausgrabungen von Pompeji und Herculanum im statu nascendi, mit erster englischer Technik zum Aufblättern der Schriftrollen – eine Maschine, deren es auf Perperikon wohl nicht bedarf. Die Thraker bleiben für die Nachwelt stumm, ein Volk mit monumentaler Zeichensprache, Weinstein auf dem Grund von Krügen, die zerborsten sind.

11.9. – Abends, Kardshali, „Hotel Arpesos”

Kardshali, das Zentrum der türkischen Minderheit. Vom realsozialistischen Schmalkomfort der Drei-Sterne-Hotelbetonröhre aus betrachtet eine graue interesselose Agglomeration, die man mit Blick auf die umliegende Berg- und Thrakerwelt gern übersieht. Tanja: „Seit ich vor siebzehn Jahren diese Stadt als Kind verließ, hat sich hier nichts geändert.”

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Fahrtnotizen auf dem Weg hierher.

Die Storchennester auf ausgedienten Masten und Schornsteinen der Dörfer. Frau mit weißem Kopftuch und dunkelblauen Schürzen im Stoppelacker.

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Trockenes Ufer. Die Mariza, der antike Hebros, wird zur Bewässerung der thrakischen Ebene herangezogen. Esel, Pferde, Schafe grasen im Schutt die wenigen Halme ab. Herodot und Plinius beschreiben den Hebros hingegen als breiten, schilflosen Strom. Ovid lässt das singende Haupt des erschlagenen Orpheus den Hebros hinab bis zur Mündung in der Ägäis treiben. Hebros trennt und bindet heute die Länder Griechenland, Bulgarien, Türkei. Wer hätte nicht gern einen Fluss im Namen? Mariza ist Anmut und Anspruch zugleich: So viele Sprachen wie ,ihr' Fluss führt auch Marica Bodrozic, die Dichterin, mit sich.

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Diesig-graue Wolkenschwaden über der Ebene; graugelbe, staubig-trockene Vegetation; der Sommer war sehr heiß.

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Elstern mit überlangem, schwarzen, pfeilartigen Schwanz.

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Tiefrote, fleischige, faustgroße Tomaten. Fahrer und Kamermann im Wagen vorn über die Vorzüge von Shkembe (Kuttelsuppe) und Kashkaval-Käse vom Schaf. Holpernd auf der Landstraße südostwärts gen Haskovo; das Land wird fruchtbarer, humusartiger der Boden. Bizarr geformte Kürbisköpfe an der Straße feilgeboten.

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Gesträhnte weiße Wolkenmähnen.

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Magere, braune Pferde, angekettet, im Roma-Vorort.

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Fetter rotschwarzer Traubenüberfluss an den grünen Rebstöcken.

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Reisen im Konjunktiv. Bäder-Touren. Gräber-Touren. Baedeker-Touren. Wein-Touren. Schäfer-Touren. Ikonen-Touren. Adler-Touren. Kräuter-Touren. Schmetterlings-Touren. Balkan-Touren.

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Apparuit. Die vermeintlich ,schöne' Sprache der Gedichte, die Arbeit am „Satzbau” (Benn), an image und sound, ist der Puzzelei des Ausgrabens vergleichbar; der Aufgabe, tausend Scherben und Fragmenten eine sinnvolle, schöne, nein: ihre alte, ursprüngliche Form zurückzugeben. Der vom Alltagsgebrauch zersprengten und deformierten Sprache ihre ursprüngliche Ganzheit und Schönheit zurückerstatten – das steckt letztlich hinter jedem Entwurf von Gedicht. Pound gebraucht die schwer zu meisternde Form der sapphischen Ode, um einen Moment von Schönheit darzustellen, der nur so lange dauert, wie der Atem die Strophen haucht; Moment, den es ,in Wirklichkeit' selbst im Altertum so nie gegeben hat: „Clothed in goldish weft, delicately perfect, / gone as wind! The cloth of the magical hands! / Thou a slight thing, thou in access of cunning / dard'st to assume this?” (“Kleid aus goldnem Geweb, vollkommne Zärtlichkeit, / hin wie der Wind. Das Tuch verzauberter Hände! / Du, ein hinfällig Ding, kam dich Kenntnis an, / wagtest den Wurf du?” (Übersetzung Eva Hesse)

*

„Grass, and low fields, and hills,
And sun,
O, sun enough!
Out, and alone, among some
Alien people!”
(E. P.)

(„Gras, niederer Anger, Hügel
Und Sonne,
Bloß viel Sonne!
Weitab und allein sein
Im fremden Land!”
(Übersetzung E. H.)

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Hinter Haskovo holen uns die Rhodopen ein. Honig, Paprika, Kartoffeln am Rand der Straßen zum Verkauf; auf den Feldern Sonnenblumen und Wein.

*

Sobald Rebenfelder in den Blick kommen, wirkt die Landschaft gesegneter und reich.

*

Schäferland. Die der Sprache entrückten Rufe der Hirten, die ihre Herden durch die Berge treiben.

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Marmor, Sandstein, Porphyr, Tuff und Kalk.

*

Kleine silberne Türme auf den weißen Minaretten der Pomakendörfer.

*

Analogien. Die Ameisen mit Stücken von Strohhalmen, die größer als sie selber sind, auf ihrer immergleichen Wimmelspur im Straub. Die Pomakenbäuerin mit einem Bündel Schilfgrasstengeln huckepack bergan – weltenferne Fron.

*

Thrakische Musik. Tympane, ein zu beiden Seiten konischer Metallkessel, der wie ein Tambourin geschlagen wurde. War das der Lärm der Korybanten, der den jungen Zeus auf Kreta vor dem Entdecktwerden bewahrte?

10. 9. – Abends, „Komplex Starosel”

Thrakische Nacht. Thrakische Dunkelheit. Eine Art „Landgut”, im bulgarischen Wiedergeburtsstil, zwischen dem Städtchen Starosel und dem Orpheusheiligtum. Aus dem Lautsprecher Popmusik der vergangenenen Jahrzehnte. Unter dem Restaurant ein Swimmingpool mit Mineralquellenwasser, auf das deutsche Heilbäder eifersüchtig wären. Schwalbennester in den Architraven der Säulen des Restaurants. La isla bonita. Die Nacht ist in der Tat völlg dunkel, keine Halbbeleuchtung, wie unsere Städte sie vorschreiben. Die Berge in Nacht versunken, grüne Wellentäler des Balkan.

*

Tragik der thrakischen Könige. Kotys I. im 5. Jh. v. Chr. wurde als mächtiger Herrscher des Odrysenreiches den Griechen gefährlich – dabei hatte er an sich an der griechischen Philosophie herangebildet. Seine beiden Vertrauten waren Platonschüler – und seine Auftragsmörder. Athen feierte sie für die Tat.
Rhoimetalkes III. brachte seinen Bruder um, zettelte einen Aufstand gegen das römische Imperium an. Rom ließ ihn in Ketten legen; in Alexandria erschlug man ihn.

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Starosel. Karussel. Altes Dorf. Star: Alt, Starren, altersstarr. Caruso. Carusos Dorf. Carusos altes Dorfkarussel.

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Pansmusik. Der Titel von Oskar Loerkes großem Gedicht schwebt über der Nachmittagsbalkanlandschaft. Die große Stille und Trockenheit. Im Süden des Tempels die thrakische Ebene; Glockengebimmel der Kuhherde, die panischen Rufe der Hirten. Im Norden die grüne Gipfelkette, muldenartig rund gestaffelt, als reihten sich hier thrakischer Grabhühel an Grabhügel; Odrysenkönig Sitalkes, schreibt der Archäologe, sei hier im Kampf gegen die Triballer gefallen, daraufhin errichteten die Odrysen ihm dieses Heiligtum, dessen Nordseite einen granitenen Weinkeller birgt. Steineichen. Dornenbüsche. Disteln. Trockenes Gras. Mimosen. Riesendorn, an dem ich mich beim Bildermachen riss, aus dem Knöchel schoss das Blut; aber Propolis verhinderte alles Schlimme.

*

Kitov, der berühmte Archäologe, starb in Starosel – das er als Orpheus-Kultstätte entdeckt hatte. Als Frauenschwarm, als womanizer geisterte er durch die Illustrierten Bulgariens. Die Fachkollegen ärgerten sich darüber, dass er Forschungsergebnisse kaum veröffentlichte. Mit amerikanischen Geldern die Grabungen beschleunigte. Bulldozer auffahren ließ, um schneller zum Erfolg zu kommen. Kontakt zu den Grabräubern gehabt haben werden soll. Jetzt gähnt in den Bergen die Überdachung des Orpheusheiligtums.

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Weinfelder. Starosel ist zugleich Weingut, Wirtschaft, Weltwunder. Wo der Wein in Vorgärten blüht, geht eine Art von Reichtum auf, die sich nicht in Zahlen messen lässt. Der Lautsprecher in der Mechana des Landguts spielt La Luna, Eric Clapton, Abba, herkunftslose Gitarrenriffs. Bulgarische Stimmen in der thrakischen Nacht. Fern ein Dutzend gelber Dorflaternen.

10. 9. – Sofia, Vormittag

Mausersegler. In Sofia sind sie noch, hoch oben im Blau, über dem Montagmorgenverkehr. Aus Braunschweig, Weimar, Frankfurt bereits abgeschwirrt, gedriftet gen Süd, Südost.
Auf die Autobahn jetzt nach Plovdiv, dann Starosel.

10. 9. – Morgen

Mineralquellen. Nach Island verfügt Bulgarien über die größte Dichte heißer Quellen in Europa. In die Thermalbäder von Kjustendil, dem römischen Pataulia, wurden in der osmanischen Zeit die Frauen des Sultansharems zur Erholung geschickt.

*

Nach dem Frühstück zum Treffen am Goethe-Institut, das auf den Grundfesten des römischen Stadions steht.

Sofia, nachts

Angekommen. Neuerungen am Airport. Mehr Licht. „Supermarket”. Taxizentrale. Funkturm. Warme Septembernacht. Tanja Flug aus Berlin zeitgleich mit meinem aus Frankfurt.
Etwas Gegenwartsarchäologie. Fotos im Zentrum.
Bei Emilia Staicheva, Großnichte Ricarda Huchs, emeritierte Komparatistin. Ihre Großmutter heiratete 1899 den ersten bulgarischen Studenten, der an die Braunschweiger TU gekommen war. Eine andere Geschichte. Birth of a nation. Ihre Großmutter führte das Pflanzenstilleben als Sujet in die bulgarische Malerei ein.

9/9 – abends / Flug

Frankfurt Airport. Die wartenden Ströme. Sie tauschen den hochsommerblauen Nachmittag gegen die Rastlosigkeit im Terminal. Welchen Zielen zu? Flugzeuge scheinen mit dem Appeal ihrer Beschleunigung, ihrer aerodynamischen, glanzlackierten Metallhülse, ihrem schriftenverzierten Chique noch immer so etwas wie ,Zukunft' zu verkörpern. Eigentümlich, mich damit auf die Suche nach der antiken Vergangenheit zu machen. Die Thraker verehrten chtonische Götter, Erdgötter, die Sonne, die Nacht.
Vögel. Der „thrakische Reiter”, ein wiederkehrendes Heroenmotiv auf Gegenständen und Grabreliefs, ist manchmal auch mit Flügeln dargestellt. Phönix aus der Asche. 70% aller europäischen Vogelarten kommen auch in Bulgarien.

*

Was sucht man, wenn man in die Vergangenheit gräbt und meint, es käme dabei etwas zutage? Die Ergänzung zur mangelhaften Gegenwart. Was du siehst, bleibt jedoch stumm, spricht nur als Geburtshelfer der Imagination zu dir. Ezra Pound in „The tomb at Akr Caar” („Die Gruft zu Akr Caar”):

„I have read out the gold upon the wall
And I wearied out my thoughts upon the signs
And there is no new thing in all this place”
“Ich las die Goldschrift an den Wänden, laut,
Zerquälte an den Zeichen meinen Sinn,
Und nirgends gibt es etwas Neues hier.“
(Übersetzung Eva Hesse)

*

Thrakien, ein Zwischenreich. Zwischen Griechenland und den „Barbaren” nördlich der Donau. Zwischen Konstantinopel und Rom. Zwischen Adria, Ägäis, Schwarzem Meer. In der römischen Antike wurde die Provinz Thracia von Nordost nach Südwest von der Diagonalis, im Süden von der Via Egnatia gekreuzt. Die Thraker besaßen keine eigne Schrift, benutzten meist das Griechische zum Einmeißeln ihrer Eponyme; aber der Vater der Geschichtsschreibung, Thukydides, war zur Hälfte thrakischer Herkunft. In Athen war ein Tempel der thrakischen Göttin Bendis geweiht.

*

15.000 thrakische Grabhügel im Land. 30.000 Schatzgräber. 300 Archäologen. 3000 Jahre, die unter Schaufel, Spitzhacke und Bulldozer verschwinden.

*

Ich darf nicht vergessen, einer Person zu erwähnen, die maßgeblich den Anstoß zu dieser Expedition gegeben hat. Ginka Tscholakowa, 1970-86 die Frau an der Seite Heiner Müllers, Filmemacherin, Dramaturgin, Autorin. Während der Aufenthalte mit Heiner in den 70ern in Sozopol nahm sie an den ersten großen thrakischen Ausgrabungen im Strandschagebirge teil. Jetzt steht sie einer Stiftung zur Förderung der Thrakologie vor. Hat u.a. die Ausgrabungen in Starosel gefördert. Ich traf sie in Sofia, in einer Laube hoch über dem Moloch der Stadt, in Berlin mit Blick auf die Wipfel des Grunewalds. In Berlin zeigte sie mir den Film, den sie über Walter Höllerer gemacht hat, in Sofia tranken wir Rakia und sprachen über Archäologie.

*

Weltenwanderer. Die Nachbarn im Flugzeug klappen ihre Notebooks auf und sehen amerikanische Kinostreifen. Ein Schauspieler, der ein bisschen an Bill Murray erinnert, sitzt einem Schwarzen gegenüber. Das Meer brandet. Die Maschine rotiert. Die Reisenden im Flugzeug gleichen in ihrer Verschiedenheit den Schauspielern in einem Film, für jede Rolle ist gesorgt. Den Backpacker, den Rock'n'Roller, den Armani-Fetischisten, den Abenteurer mit australischem Hut, den Nadelstreifen-Geschäftsmann, die Großmutter, das Kind, den Leser.

*

Rhythmus. Pound sprach von Melopoeia, dem unübersetzbaren Sound. Nietzsches „ewige Wiederkehr” eigentlich ein Rhythmus-Phänomen: „Your mind and you are our Sargasso sea.” (Pound) Das fließt wie Wein aus tönernen Amphoren, konservierte Zeit, ein Rhythmus, wie ihn nur Dichtung, das ewig defizitäre Leben nie erreicht.

*

Die Bulgaren (die neben mir im Flugzeug?) als Nachfahren der Thraker? Ja, aber ebenso der Slawen, Urbulgaren, Kelten, Goten, Hunnen, Germanen, Heruler, Awaren, Perser, Griechen, Römer, Daker, Skythen, Kostoboken, Makedonen, Bithynier, Phryger, Phönizier…alles Völker, deren Wege sich im Altertum auf dem Balkan, oft blutig, kreuzten.

*

„Das grosse Ergebnis der bisherigen Menschheit ist, dass wir nicht mehr die beständige Furcht vor wilden Thieren, vor Barbaren, vor Göttern und vor unseren Träumen zu haben brauchen.“ (Nietzsche, Morgenröthe)

*

Jan Volker Röhnert, Thrakisches Tagebuch. Auf Orpheus’ Spuren durch Südbulgarien
Buch bestellen

erstellt am 10.9.2012

Die Reiseroute:

Sofia – Starosel – Haskovo – Aleksandrovo – Tatul – Perperikon (Perperek) – Harmankaya – Mezek – Chljabovo – Sozopol – Nesebar – Kazanlak – Plovdiv – Sofia

Der thrakische Reiter
Der thrakische Reiter
Serdikas Reste in den Markthallen
Serdikas Reste in den Markthallen
Serdikas Reste im Präsidentenpalast
Serdikas Reste im Präsidentenpalast
Konstantins Sommerresidenz?
Konstantins Sommerresidenz?
In der Unterführung
In der Unterführung
Im Feigenschatten
Im Feigenschatten
Kitovs größter Fund
Kitovs größter Fund
Boyadzhievs Orpheus
Boyadzhievs Orpheus
Boyadzhievs Schäfer
Boyadzhievs Schäfer
Die thrakischen Pferde
Die thrakischen Pferde
Plovdiv, Family Picture vor dem Amphitheater
Plovdiv, Family Picture vor dem Amphitheater
Plovdiv, Nebet Tepe
Plovdiv, Nebet Tepe
Plovdiv, Odeon
Plovdiv, Odeon
Plovdiv, Stadion
Plovdiv, Stadion
Seuthes' Rüstung
Seuthes' Rüstung
Die tummelnden Rosse
Die tummelnden Rosse
Orphische Steine
Orphische Steine
An der Pforte zu Seuthes
An der Pforte zu Seuthes
Binyova Mogila
Binyova Mogila
Burgas Airport
Burgas Airport
Orpheus' Frucht
Orpheus' Frucht
Unterwegs
Unterwegs
Thrakergrab aus Ziegelstein
Thrakergrab aus Ziegelstein
Das Kuppelgrab
Das Kuppelgrab
Nekropole Malko Tarnovo
Nekropole Malko Tarnovo
Ungepolstert
Ungepolstert
Harry Bai
Harry Bai
The End of Something
The End of Something
Rezovo
Rezovo
Esel bei Zlatinitsa
Esel bei Zlatinitsa
Die thrakische Festung
Die thrakische Festung
Deultum, Stadt von Augustus' Veteranen bei Burgas
Deultum, Stadt von Augustus' Veteranen bei Burgas
Der leere Altare
Der leere Altare
Daniela Agre
Daniela Agre
Erholung
Erholung
Wein-Selig
Wein-Selig
Grab-Tunnel
Grab-Tunnel
Grabkammer mit Schwalbennest
Grabkammer mit Schwalbennest
Die Pforte
Die Pforte
Das Grab bei Chljabovo
Das Grab bei Chljabovo
Orpheus Grab (Tatul)
Orpheus Grab? (Tatul)
Erdmutter…
Erdmutter…
Harman Kaya
Harman Kaya
Harman Kaya
Harman Kaya
Bei Bivoljane
Bei Bivoljane
Perperikon
Perperikon
Steinerne Hochzeit…
Der Tempelberg
Harry filmt
Alexandros
Alexandros
Keramikscherben aus der Jungsteinzeit
Scherben-Frauen…
Scherben-Frauen…
Diokletianopolis
Diokletianopolis
Heiße Quellen
Heiße Quellen
Stein-Pilze
Stein-Pilze
Stein-Pilze
Hahn und Pferd
Hotelbalkonpanorama
Hotelbalkonpanorama
Unterwegs
Unterwegs
Tanja und Harry
Am Orpheus-Heiligtum
Am Orpheus-Heiligtum
Am Orpheus-Heiligtum…
Am Orpheus-Heiligtum…

… und darin

Im Orpheus-Heiligtum
Im Orpheus-Heiligtum
Simeon ist atemlos
Simeon ist atemlos
 Filme machen
Filme machen
Die thrakische Ebene
Die thrakische Ebene
Die dorischen Säulen
Die dorischen Säulen
Orpheus' Heimat
Orpheus' Heimat

Sofia, Vormittag:

Sofia
Sofia
Sofiav
Sofia
Der Kameramann rechts (Harry) und der Fahrer (Konstantin)
Sofia