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Essay

Wahrheit und Spiegel

Die Wahrheit, die so dringlich in der Welt ist und doch nichts Benennbares bedeutet, beschäftigt denkthätig – wie Schelling schreibt – die Autoren bis heute. Schelling definierte, salopp gesprochen, so die Flicken, mit denen die kosmologischen Erklärungslöcher vernäht sind, und prägte deshalb den Ausdruck „der nothwendigen oder ewigen Wahrheiten“: „Gewöhnlich wird dieß nur auf die mathematischen bezogen.“, schreibt er, „Aber der Begriff ist viel weiter.“8 Für die mathematischen, auch physikalischen ‚Wahrheiten’ werden leicht Beispiele gefunden, der erweiterte Begriff aber bleibt merkwürdig leer. Hans Blumenberg zitiert aus Goethes „Maximen und Reflexionen“: „Wäre es Gott darum zu tun gewesen, daß die Menschen in der Wahrheit leben und handeln sollten, so hätte er seine Einrichtung anders machen müssen.“ Blumenberg bemerkt dazu: „Hier wird zumindest angedeutet, was eigentlich in unseren eben formulierten naiven Fragen unter ›die Wahrheit‹ zu verstehen ist: eine gewisse Durchsichtigkeit der Weltstruktur, eine letztlich unkomplizierte Publizität des Schöpfungswillens, eine Vorbehaltlosigkeit des Sich-mitteilens des Seienden, die ›Intensität‹ der veritas ontologica. …“

Erstaunlich ist, wie unbewusst der Begriff der Wahrheit auch in der reflektierenden Literatur gebraucht wird. Stets wird mit ihm eine Art höherer Gültigkeit gegenüber anderen Aussagen über die Welt behauptet. Was sie aber dazu macht, entzieht sich wunderbarerweise dem Zugriff, so wie der Blick hinter den Spiegel, der doch, wie es heißt, die Wahrheit sagt, bestenfalls ins Leere geht.

Bernd Leukert hat in der Literatur nach der »Wahrheit« gesucht. Sein Essay als PDF-Download:

hier

erstellt am 17.5.2012