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Jeder Schriftsteller, der schreibt, braucht ein Publikum, das liest. Denn, so Montaigne: »Das Wort gehört zur Hälfte dem, welcher spricht, und zur Hälfte dem, welcher hört.« Im Sinne Montaignes beginnt Faust-Kultur eine Reihe mit Texten junger Autoren auf der Suche nach einem Publikum. Jannis Plastargias sucht Texte und Autoren aus und stellt sie in loser Folge vor.

Junge Literatur

Das halbe Wort

»Das Wort gehört zur Hälfte dem, welcher spricht, und zur Hälfte dem, welcher hört.« Das sagt Montaigne in seinen Essais. Wir wünschen uns etwas zu sagen, wünschen aber auch gehört zu werden. Dies könnte ein Anfang sein: Die Texte in der Reihe Das halbe Wort werden so unterschiedlich sein wie die Ansätze ihrer Autorinnen und Autoren.

Wir erhalten Bezeichnungen, die weder elegant noch zutreffend sind, wir werden „Menschen mit Migrationshintergrund“ oder gar „Migrantinnen und Migranten“ genannt, ohne jemals migriert zu sein – und wenn, dann aus dem einen deutschen Bundesland in das andere.

So gibt man uns jetzt den Namen „Menschen mit Migrationshinweis“, um anzudeuten, dass unsere Eltern oder Großeltern mal migriert sind, nicht weniger schön dieser Begriff, unpoetisch und trivial. Früher wurden wir verächtlich Gastarbeiter-Kinder gerufen. Oder Ausländer. Doch wir sind keine „Ausländer“. Uns wurde gesagt: „Sie sprechen aber gut Deutsch“ und wir waren versucht zu erwidern: „Ja, Sie aber auch!“ Wir gingen hier auf das Gymnasium, machten das Abitur, studierten. Wir wurden gefragt: „Aus welcher Kultur stammen Sie?“ Und wir überlegten, was damit gemeint ist. Viele von uns hatten keine Lust mehr zu überlegen, ob sie nun deutsche Griechen oder Türken, griechische oder türkische Deutsche seien. Wir suchten unsere Identität, so wie sie Jugendliche suchten, die keine anderen Einflüsse in ihrer Herkunft hatten, auch ihre Eltern mischten sich in diesen Prozess ein. Nur: unsere Eltern machten es uns vielleicht noch schwerer, versuchten ihre „Traditionen“ und ihre „Sehnsüchte“ auf uns zu projizieren. Es wurde gesagt, dass wir „zwischen den Stühlen sitzen“, „in zwei Kulturen lebten“. Als manche von uns plötzlich gute Ergebnisse in der Schule zeigten, sich zu Deutschland bekannten, ihre Zukunft hier verbringen wollten, wurde gesagt, dass wir es schafften, „einen dritten Stuhl zu besetzen“. Wovon reden die, fragten wir uns? Es wurde uns schwer gemacht, uns zu integrieren: von unseren eigenen Leuten, von „der Gesellschaft“, vielleicht am meisten von „der Politik“. Wir wurden diskriminiert, gemobbt, nicht ernstgenommen. Wir wurden mit Klischees beworfen, mit Vorurteilen, mit Bildern im Kopf, die nichts mit uns zu tun hatten.

Wer sind wir eigentlich? Welche Sprache sprechen wir? Welchen Einflüssen wurde diese Sprache ausgesetzt, welche haben wir davon in unser Schreiben integriert? Der eine wird seine Wurzeln in seine literarischen Texte eingebaut haben, Begriffe benutzen, die er vielleicht aus zwei Sprachsystemen zusammengesetzt hat, die andere wird vielleicht eher ihre Suche nach dem Ich inhaltlich in ihre Texte überführen. Eine wird sich ihrer Sprache vielleicht aus der gelesenen Literatur gesaugt haben, die auch aus Süd- oder Nordamerika stammen kann, ohne dort Wurzeln zu haben. Wieder ein anderer wird die Jugendsprache oder das so genannte Kiez-Deutsch in seine Texte einbinden, etwas, das angeblich alle „Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ reden.

Jannis Plastargias

das halbe wort

Jan Skudlarek

Jan Skudlarek wurde 1986 in Hamm (Westf.) geboren und lebt in Berlin. Ab 2008 veröffentlichte er Gedichte in Zeitschriften und Anthologien. Im November 2013 erschien sein erster Band “elektrosmog” bei Luxbooks.

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das halbe wort

Matthias Nawrat

Matthias Nawrat wurde 1979 in Opole/Polen geboren und kam 1989 nach Deutschland. Er hat diverse Preise gewonnen, Stipendien erhalten, viele Veröffentlichungen – und kann mittlerweile vom Schreiben leben.

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das halbe wort

Lena Gorelik

Lena Gorelik, 1981 in Leningrad (heute St. Petersburg) geboren, kam 1992 mit ihrer Familie nach Deutschland. Inzwischen ist sie eine gefragte Publizistin und Schriftstellerin. Lena Gorelik lebt in München.

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das halbe wort

Dmitrij Gawrisch

Dmitrij Gawrisch, geboren 1982, wuchs in der Schweiz auf und lebt seit 2010 in Berlin. 2013 wurde seine Erzählung „schaukelgestühl ganse en bräune“ beim 21. open mike in Berlin mit dem Preis für Prosa ausgezeichnet.

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das halbe wort

Marvin Chlada

Marvin Chlada, geboren 1970, ist Singer/Songwriter, Übersetzer, Herausgeber diverser Sammelbände und Anthologien. Seine Gedichte zitieren die Beat-Literatur, sie sind im besten Sinne Underground.

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Das halbe Wort

Lydia Daher

Lydia Daher, geboren 1980, ist eine Dichterin und Sängerin, die etwas zu sagen hat, und die jeder in Deutschland kennen sollte.

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Das halbe Wort

Vesna Lubina

Vesna Lubina, geboren 1981, ist Tochter bosnischer Einwanderer. Sie hat in Konstanz, Tübingen und New York studiert und lebt nun in Kalifornien.

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Das halbe Wort

Deniz Utlu

Deniz Utlu, geboren 1983, veranstaltet zahlreiche Lesungen und Bühnengespräche mit namhaften Autoren. Er veröffentlicht Gedichte, Essays und Erzählungen. Im Jahr 2014 erscheint sein erster Roman, „Die Ungehaltenen“.

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Das halbe Wort

Sandra Klose

Sandra Klose, geboren 1994, ist Preisträgerin des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen. Gebunden wurden ihre Worte bisher nur in der Anthologie des „Schreibzimmer 2011“ und „Nagelprobe 29“. Sie lebt in Offenbach.

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Das halbe Wort

Tabea Xenia Magyar

Tabea Xenia Magyar, geboren 1988, ist Mitglied des Berliner Lyrikkollektivs G13, das in der Szene zunehmend von sich reden macht. In den Geisteswissenschaften ist sie ebenso zuhause wie in der Lyrik und im Tanz.

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Das halbe Wort

Gerrit Wustmann

Gerrit Wustmann, 1982 geboren in Köln, kennt die Geschichte Istanbuls und der Türkei. In seinem Gedichtband „Istanbul Bootleg“ sehen wir diese Stadt vor uns, wir riechen, spüren und schmecken sie.

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Das halbe Wort

Fouzia Taibi

Wären Fouzia Taibis Worte andere, wenn sie „urdeutsch, ohne andere Wurzeln wäre“? Fouzia sieht sich trotz allem als “a Frankfurter Mädsche“. Das ist sie! Und vor allem: sehr talentiert.

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Das halbe Wort

Max Czollek

Max Czollek, geboren 1987 in Berlin, interessiert die jüdisch-deutsche, die jüdisch-ostdeutsche Perspektive, das Schweigen zwischen dem ritualisierten Gerede. Es geht ihm um eine Form der “Gegenwartsbewältigung” (nach Daniel Kahn).

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Das halbe Wort

Felix Tota

… Genau genommen sei Felix Tota zur Hälfte Rumäne, zum Viertel Ungar und zum Viertel Moldauer, sagt er. Er sei mit 2,5 Jahren mit Muttern nach Deutschland (Wuppertal) und habe ausreichend Zeit gehabt, die deutsche Sprache zu lernen. Ja, offensichtlich, denn er studiert nun in Hildesheim kreatives Schreiben und Kulturjournalismus.

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Das halbe Wort

Viviana Iparraguirre De las Casas

Mittlerweile tritt Viviana Iparraguirre De las Casas im Rollkunstlauf für das Heimatland ihres Vaters an, „da ich bis jetzt auch die einzige Peruanerin bin, die das Land auf Wettbewerben repräsentiert“, sagt sie. Sie liebe die peruanische Kultur und sei stolz, eine doppelte Staatsbürgerschaft zu haben und für Peru an Wettbewerben teilzunehmen.

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Das halbe Wort

Jagoda Marinic

Jagoda Marinic hätte ich vielleicht als eine der ersten Autorinnen hier vorstellen müssen, gilt sie doch als „Mittlerin der Kulturen“. Sie veröffentlichte Anfang des letzten Jahres ihr E-Book „Rassismus sichtbar machen – Ein Plädoyer”, in dem sie die Frage zu beantworten versucht, wieso Rassismus für die deutsche Öffentlichkeit so unsichtbar geblieben ist, und zwar trotz der hitzigen Debatten über Integration und Migranten?

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Das halbe Wort

Martin Piekar

»Löwe Tier« nennt er sich auf Facebook. Das wusste ich bereits vor dem Open Mike. Ich hatte dort mit ihm kommuniziert. Es ging um eine Lesung von »sexyunderground« im Orange Peel, Jamal Tuschick hatte mich eingeladen. Martin Piekar hatte mich dabei besonders interessiert, ich stellte ihm auf Facebook eine Frage zu der Veranstaltung. Er war sehr nett. Leider kam mir im letzten Moment etwas dazwischen, ich konnte nicht zu der Lesung. Auch zum Open Mike schaffte ich es 2012 nicht.

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Das halbe Wort

Aisha Franz

Aisha Franz – sollte die Verfasserin von „Brigitte“ eine Neuvorstellung in „Das halbe Wort“ sein können? Aisha. Aha. Ich saß bei der Buchmesse Frankfurt am Stand vom Reprodukt Verlag, wollte mehr über deren Graphic Novels wissen, als gerade Jutta Harms von der Presse aufgeregt von einer Preisverleihung zurückkehrte. Sie wedelte mit der Urkunde des „Sondermann Preises“ für Aisha Franz (Kategorie: Newcomerin), den diese für „Brigitte“ erhielt. Ich hatte gerade hineingeschaut und war begeistert von dieser melancholisch, tiefsinnigen Graphic Novel. Aisha – war nun ein Elternteil aus der Türkei? Mitnichten.

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Das halbe Wort

Yevgeniy Breyger

Schaut einer nur auf den ersten Satz der Vita von Yevgeniy Breyger, dann ist der eine oder andere sofort versucht zu sagen: Ach ja, kam aus der ehemaligen Sowjetunion als Aussiedlerdeutscher oder Kontingentflüchtling, alles klar. Weiterhin ist der eine oder andere versucht zu sagen: Ach, die Jugendlichen haben doch damals für großen Aufruhr gesorgt in den deutschen Schulen. Ende der Neunziger, als Yevgeniy Breyger mit seinen Eltern (tatsächlich) als Kontingentflüchtling nach Deutschland zuwanderte, war ich Studierender der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.

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Das halbe Wort

Marjana Gaponenko

Marjana Gaponenko fasziniert mich. Weil sie so anders ist als ich. Sie schreibt „traditionell“ im stillen Kämmerlein, wie sie selbst sagt – sie könne nicht im Zug schreiben, in einem Café, irgendwo draußen mit einem Campari Orange… Ich schreibe gerade im Zug, gerade im Café – ich genieße dabei auch einmal etwas Leckeres, und nebenher laufen noch Facebook und Co, ich schreibe quasi öffentlich. Es gibt aber noch einen größeren Unterschied, der sich vielleicht gerade aus dieser Arbeitshaltung ergibt: Sie ist interessiert an Tiefe, an einer tieferen Klarheit, die nicht benannt werden müsse. Sie möchte keine Handlung erzählen, keine Geschichte, kein die-Person-ist-so-und-so und die-Person-hat-die-und-die-Eigenschaft… Eines Tages wachte sie auf und sagte sich, dass sie einen Sinn im Leben brauche – und plötzlich wurde ihr gewahr, dass dieser Sinn im Leben das Schreiben ist …

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Das halbe Wort

Magdalena Jagelke

Kofferkinder. So nannte man die Kinder der Gastarbeiter-Generation, die immer wieder zu den Großeltern »nach Hause« geschickt wurden, die weder im Herkunftsland noch in der neuen Heimat der Eltern eine feste Größe haben konnten. Welchen Begriff gibt es für Magdalena Jagelke, die oft zwischen Inland (Polen) und Ausland (Deutschland) wechselte, aus einem osteuropäischen Dorf in die westliche Urbanität, aus der polnisch-slawischen Kultur und Sprache in die westeuropäische? Sie sagt, dass in ihrer Wohnung überall Zettel mit Vokabeln, Sätzen auf Deutsch und Polnisch liegen.

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Das halbe Wort

Sunil Mann

Gibt es unauffällige Migrantengruppen? Welche, die sich versuchen, möglichst so weit anzupassen und sich nicht angreifbar zu machen, dass man ihnen einen anderen Status gewährt?
Ist ja nicht so, dass es in der Schweiz keine Minderheiten gäbe… Die Schweiz. Die Inder in der Schweiz. Sie scheinen beliebter zu sein. Bollywood? Die ihnen zugeschriebene Freundlichkeit? In Deutschland Kaya Yanar und seine Verballhornung von Indern, die jeden erheitert? Ich habe selbst erlebt, wie sich Jugendliche sofort mit einem indischen Geistlichen verbanden, weil der so lustig rede und so sympathisch sei wie der Typ im Fernsehen.
Sunil Mann hat einen indischen Hintergrund. In seinen beim Grafit Verlag erschienenen Krimis hat er einen Detektiv mit dem Namen Vijay Kumar in den Mittelpunkt gestellt, der einen indischen Hintergrund besitzt. Als Highlight wird von Leser/innen Vijays Mutter genannt, die einen kleinen Laden führt und ihren Sohn energisch in den Hafen der Ehe treiben möchte. Selbstverständlich mit einer Inderin. Als sie seinen Status als unerträglich ansieht, was sie in wortreichen Tiraden zum Ausdruck bringt, geht sie so weit, dass sie eine Verwandte aus der indischen Provinz nach Zürich holt.

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Das halbe Wort

Alkimos Sartoros

Buchmesse 2011. Alkimos Sartoros sitzt am Stand des Größenwahn-Verlages. Er sieht ein wenig schüchtern aus. Er liest aus seiner Erzählung „Niko“ vor. Abends: Wir sitzen nebeneinander in der Griechischen Gemeinde Frankfurts, in Bockenheim, scheinen beide etwas deplatziert zu sein. Griechische Wurzeln. Perfektes Deutsch. Sicher besser als unser Griechisch. Trotzdem. Dreht sich „Niko“ tatsächlich um diese Thematik „Heimat/Fremde“, entfernt er sich in den anderen Texten sehr von diesen griechischen Wurzeln. „gegen descartes und größenwahn / aber dingdingding“ ist so ›weltmännisch deutsch‹ wie ein Text es nur sein kann: Es zeigt den jungen Mann, der westlich sozialisiert wurde, viel von der Welt gesehen hat. Er ist ein Journalist – und dieser spezielle Blick auf die Welt scheint noch mehr Einfluss auf sein literarisches Schreiben zu haben als seine Herkunft.

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Das halbe Wort

Levend Seyhan

Herzblut. Wenn ich Levend Seyhan in einem Wort charakterisieren sollte, dann wäre das Herzblut. Alles, was er tut, tut er mit einem Engagement, das seinesgleichen sucht. Er lebt Literatur, atmet sie. Möchte sie aber auch anderen, benachteiligten Jugendlichen zum Beispiel, näher bringen: hier. Wie er schreibt? Exzessiv, sich selbst nicht schonend. Ob in seinem Blog, in seinen Prosa-Texten oder in seinem Roman-Projekt, in das ich einen Blick werfen durfte. Liebe, Krankheit, Tod – die großen Themen der Literatur, auch bei ihm allgegenwärtig, zum Beispiel in diesen Texten. Das Gedicht ist dabei sehr gegenständlich, realistisch, während der Prosa-Text ein wenig surreal wirkt und sehr dunkel.

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Das halbe Wort

Safiye Can

Die Dichterin. Warum nenne ich Safiye Can so? Sie schreibt auch Prosa, und sie ist nicht, wie ich mir mein ganzes Leben schon eine Dichterin vorstellte – kein ätherisches Wesen, kein Mensch, der Luftschlösser baut, keine Frau, die nur aus Empfindlichkeit besteht. Diese Dichterin erinnert mich stets ganz prosaisch daran, dass ich auf dem Boden bleiben soll. Doch schaue ich mir ihre Texte an, weiß ich, wo es herkommt. Eine Dichterin, eine, die mehr sehen und ausdrücken kann als ich. Eine Dichterin, die auch in ihrer Prosa die Worte gut auswählt, kein Wort zu viel, kein Wort zu wenig. Eine Dichterin, die das visuelle Moment in ihre Texte einflicht – und besonders interessant tut sie dies in der dritten Strophe von Heyhat: im Bild der Handfläche, in der das Miteinander auseinander bricht. Ein starkes Bild. Auch die Kurzprosa ist sehr bild- und sehr zauberhaft. Die Dichterin lebt Dichtung.

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Das halbe Wort

OZ

Das ›Dazwischen‹ beschreibt OZ ganz gut. Irgendwo ›dazwischen« war sie zwei Jahre lang in der Textwerkstatt Darmstadt, zwischen denjenigen, die nur Prosa, und denjenigen, die nur Lyrik verfassen. Irgendwo ›dazwischen« scheint sie auch im Benutzen ihrer beiden ›Heimatsprachen‹, Deutsch und Türkisch, zu sein. Manche Redewendungen erscheinen fremd: „auf die augen schlägt die sonne ihr licht“ – und doch weiß man, was sie sagen möchte – fühlt es. Das ›Dazwischen‹ charakterisiert auch ihr Verhältnis zwischen Emotionalität und Rationalität, zwischen Sagbarem und Unsagbarem in ihren Texten. Das ›Dazwischen‹ findet sich in jedem ihrer hier veröffentlichten Gedichte: Liebe zwischen Sprachlosigkeit und Getriebenheit.

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Das halbe Wort

Lütfiye Güzel

Untergrund. Was bedeutet das bei Schreibenden? Sind Schriftsteller aus dem Untergrund welche, die bei keinem Verlag unterkommen? Sind per se alle Selfpublisher und Eigenverleger Untergrund? Sicher nicht! „Untergrund“ lebt „man“, Lütfiye Güzel lebt den Untergrund. Auf Poetry Slams die eigene Kunst vortragen, lose Blattsammlungen kopieren und den treuesten Fans in die Hand drücken, in Studenten- und Stadtmagazinen die Lyrik veröffentlichen. Untergrund-Literatur ist meines Erachtens immer ein Hin und Her zwischen sozialkritischem Zorn und Melancholie. Zorn auf die Politik, auf die gesellschaftlichen Zustände – wie zum Beispiel im Gedicht „Hinter dem Denken…“. Melancholie ist der Weltschmerz, Melancholiker werden die Menschen genannt, die sich eine andere Welt wünschen. Melancholie wird in der Psychologie der Neuzeit als Depression definiert. „Zimmer 525“: Was ist das für ein Zimmer? Ist das Kind fremd im Land? Wurde es von irgendwohin in dieses Zimmer verpflanzt? Will es nicht sein, wo es ist? Oder ist es gar pathologisch? Ist das Zimmer 525 in einem Krankenhaus oder einer Anstalt? „güzel“ heißt übersetzt „schön“ – in „Bonus“ kann die Dichterin zeigen, dass sie auch ein optimistischere Gedichte schreiben kann.

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erstellt am 01.1.2035

Jannis Plastargias

Jannis Plastargias, am 6.7.1975 in Kehl geboren, freier Autor und Blogger, im Brotberuf Diplom-Pädagoge mit Schwerpunkt Interkulturelle Erziehung, hat sich viel mit Migrantenliteratur und Interkultureller Literaturdidaktik beschäftigt.
Jannis Plastargias

Max Czollek
Felix Tota
Viviana Iparraguirre De las Casas
Jagoda Marinic, Foto: privat
Martin Piekar, Foto: Wolfgang Becker
Aisha Franz, Foto: Till Claassen, schönschrift.org
Yevgeniy Breyger
Marjana Gaponenko
Magdalena Jagelke
Sunil Mann. Foto: Eke Miedaner
Alkimos Sartoros
Levend Seyhan
Safiye Can
OZ
OZ
Lütfiye Güzel