Forum Zukunft

BuchCamp 2012: »Zukunft gestalten«

BuchCamp 2012
BuchCamp 2012

Von Jannis Plastargias

Das vom „Forum Zukunft“ des Börsenvereins organisierte BuchCamp fand dieses Jahr zum dritten Mal im Mediacampus Frankfurt in Seckbach statt und trug den Namen „Zukunft gestalten“. Bereits zwölf Stunden nach Öffnung der Anmeldung waren alle 140 Plätze belegt – ein sichtbarer Beweis, wie wichtig und notwendig diese Veranstaltung ist. Doch was ist ein BuchCamp überhaupt? Es ist eine Sonderform des BarCamps, welches auch „Unkonferenz“ oder „Ad-hoc-Konferenz“ genannt wird, in der einige für eine Tagung untypische Merkmale hervorstechen. Dieses offene Veranstaltungsdesign nivelliert Statusunterschiede, alle Teilnehmer sind per Du, gleichrangig und vor allem gleichzeitig Zuhörer und Referent, denn hier hat jede die Möglichkeit ein oder mehrere „Slots“ mit eigenen Beiträgen zu füllen. Und das funktioniert so: Man gibt eine Anfangszeit vor, in der man sich gemeinsam trifft und die Veranstaltung starten lässt. Dann darf jeder, der einen oder mehrere Vorschläge für „Sessions“ hat, vortreten und in einer Minute sich selbst und den Beitrag vorstellen. Das hört sich chaotisch an und ist es auch für diejenigen, die das Format nicht kennen. Bei diesem dritten BuchCamp zeigte sich aber, dass viele der Teilnehmer schon Erfahrungen aus den vergangenen Jahren mitbrachten. In Rekordzeit wurden die 24 Slots zusammengestellt, denn genau 24 Vorschläge wurden gemacht. Immer vier Sessions fanden in vier verschiedenen Räumen des Mediacampus statt, man hatte also acht Mal die Qual der Wahl, welchem spannenden Thema man sich 45-50 Minuten widmet. Zwischendurch gab es Pausen zum Verpflegen und natürlich Vernetzen.

Die Themen der Sessions waren so spannend, wie sie vielfältig waren: „Flashfiction Projekt: Vorstellung und Mitstreitersuche“, „Working Mums der Buchbranche“, „´Pottermore´ – das Geschäftsmodell von J.K. Rowling und seine Bedeutung für die Branche“, „Volontäre, Studentenprojekte, Business Development oder reiner Zufall: Wo kommen die Innovationen her?“ oder „Smart Content: Durch semantische und soziale Vernetzung vom Content- zum Service-Anbieter“ sind nur einige Beispiele.

Julia Graff (Hädecke Verlag) und Steffen Meier (Verlag Eugen Ullmer) diskutierten über das „Prinzip Verlag: Gatekeeper oder Kurator?“. Schon zu Beginn des BuchCamps ging es da heiß her. Verlage sind Teil der Kreativindustrie und müssen heutzutage mehr denn je als Wirtschaftsbetriebe funktionieren, mehr Professionalisierung und Prozessoptimierung werden gefordert, doch auch neue Berufsbilder wie z.B. „Contentmanager“ werden benötigt. Viele Fragen werden aufgeworfen: Brauchen die Nutzer/innen tatsächlich die Verlage als Kurator/zur Filterung? Wozu braucht man Verlage heutzutage überhaupt?
Wibke Ladwig (Sinn und Verstand Kommunikationswerkstatt) und Stefanie Leo (Buecherkinder.de) boten eine „Selbsthilfegruppe für Facebook-Admins“ an, in der sie einerseits kurz referierten, warum Verlage und Buchhandlungen eine Facebook-Fanseite haben sollten und worauf es dabei ankommt: „Die Inhalte bei Facebook sollten am besten eine gute Mischung zwischen Flausch und Inhalt enthalten“. Mehr zu dieser sehr schönen Session hier Bei der Session „Lesen ist sexy“, ebenso von Wibke Ladwig geleitet, diskutierten wir über mögliche Image-Kampagnen für das Lesen. Eine Bekenntnis-Seite nach dem Motto: „Lesen ist…“ fiel uns dabei ebenso ein wie eine deutsche Version von awesomepeoplereading herzustellen. Hier werden berühmte amerikanische Persönlichkeiten lesend fotografiert. Es sind etliche Bloggeraktionen und andere Ideen gesammelt worden, gerne kann man auch hier mehr erfahren.

Aus anderen Sessions wie „Handyroman: Ein Lesephänomen in Japan, in Deutschland nahezu unbekannt“ oder „Flashfiction Projekt: Vorstellung und Mitstreitersuche“ entstanden neue Facebook-Gruppen oder Arbeitsgemeinschaften, die gemeinsam neue Ideen und Inhalte spinnen möchten.

Die zwei Tage im BuchCamp waren wie immer total fruchtbar, sehr inspirierend, eine tolle Stimmung herrschte vor, die Teilnehmer haben sich rege ausgetauscht und vernetzt. Letzteres geht nach dem BuchCamp im Internet weiter. Es wird auch heftig darüber diskutiert, wie es im nächsten Jahr mit einer Fortführung aussehen wird, man möchte sich vergrößern, man möchte mehr „Entscheider“ dabei haben.

„Die Zukunft gestalten“ war das Thema – zumindest diejenigen, die dieses Wochenende beim BuchCamp dabei waren, sind gerade dabei, die Zukunft des „Buches“ und des „Lesens“ zu gestalten. Das BuchCamp hat Hoffnung gemacht und wieder neu motiviert.

Mehr dazu auch hier:
BuchCamp

Kommentare


Grace - ( 13-07-2012 05:49:01 )
Sehr geile Idee!Die Frage ist doch, wenn ich einmal eine schf6ne Stadt behsuce und Fotos mache, und diese in meinem Blog verf6ffentliche, bekomme ich dann eine Klage, die aussagt nach Paragraph blablubb Street View 2010, darf dieses Haus zwar fotografiert aber nicht verf6ffentlicht werden…? Unsere Mitbfcrger sind einfach nicht genfcgend aufgekle4rt, es wird Zeit das zu e4ndern, nutzt ja nichts wenn wir uns immer darfcber aufregen, was die Bundesregierung so bestimmt, wir finden das immer alles scheisse, aber die Leute, die das abnicken, tun das ja nur, weil sie nicht Bescheid wissen, kf6nnen ja nicht alle im Netz versauern, und damit wir das nicht tun Ich spiel dann man den Weckdienst

Abdo - ( 13-07-2012 12:15:35 )
Liebe Wibke, danke Dir ffcr den guten dcberblick und Eindruck vom BuchCamp. Eine Sache aus Deinem Text mf6chte ich auch noch einmal von usnreer Seite aus unterstreichen: Wir waren gerade so davon begeistert, dass in diesem Jahr im Vergleich zum letzten Jahr ganz konkret diskutiert und eben gerade weniger luftig fcber zumeist Abstraktes gesprochen wurde. Und wenn es um Abstrakteres ging, wie etwa bei Deiner Session zum Prinzip Buch, dann wurde doch immer wieder versucht, den Geffchlen, Stimmungen und Gedanken ganz konkret auf den Grund zu gehen. Das habe ich als sehr wohltuend und motivierend empfunden; es hat ffcr mich wesentlich zu der optimitischen Atmosphe4re unter den Teilnehmern beigetragen, die ich manchmal bei anderen Branchenveranstaltungen, auf denen auch gerne mal ins Blaue lameniert und e4ngstlich geredet wird, vermisse.

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erstellt am 16.5.2012