Zeitzeugen-Video

Erinnerung an Ivan Nagel

Ivan Nagel, dieser wagemutige, ja waghalsige Intendant, dieser sanfte, kultivierte Herr, dieser feinsinnige Erforscher des Theaters und der Kunst konnte einem mit seinen kühnen und manchmal abenteuerlichen Gedankengängen den Kopf verdrehen. Er, der Intellektuelle und Künstler, begann seinen Artikel „Der Intellektuelle als Lump und Märtyrer“ mit dem Satz: „Der Intellektuelle ist der Bankert der absoluten Monarchie, die er umbringen wird.“ Da liest man weiter, gerät in einen Strudel von Informationen und historischen Zusammenhängen und ging, wie aus seinen spannenden Vorträgen, etwas verändert hervor. Nicht nur die Texte zu Kortner Zadek Stein (München 1989), vor allem Autonomie und Gnade. Über Mozarts Opern (München 1985), Gedankengänge als Lebensläufe. Versuche über das 18. Jahrhundert (München 1987), Der Künstler als Kuppler. Goyas Nackte und Bekleidete Maja (München 1997) und zuletzt Giotto, Masaccio, Leonardo. Gemälde und Drama (München 2009) gehörten und gehören zur Pflichtlektüre eines jeden, der die anspruchsvolle Anregung nicht verschmäht. Nun da er tot ist, bleiben uns seine Bücher und ein Video, in dem er die Herkunft des Gemäldes erklärt. -ert

© www.zeitzeugen-tv.com

»Ivan Nagel war jüdisch und schwul und frei. Einer jener gewaltigen unbeugsamen jüdischen Männer, von denen Heinrich Heine gesprochen hat. Ein Schriftgelehrter, der für das Theater, die größte aller Menschenkünste und gegen Unverstand und Unrecht stritt. Einer, der die deutsche Sprache herrlich weitergeschrieben hat, der schrieb wie unser besseres Wir, das Amalgam von ehedem, das jüdisch-deutsche.« Ulla Unseld-Berkéwicz

erstellt am 17.4.2012