Sekundenauftritt

Der dreh

Von Ankalina Dahlem

Ich durfte keinen eigenen hund haben. Meine eltern waren dagegen. Aber ich hatte einen hund, toffi, eine weiße kleine promenadenmischung, mit der bin ich jeden tag gassi gegangen. Toffi war aber der hund von susan. Und susan war die tochter des hr-intendanten. Fürs tägliche gassigehen bekam ich mit 13 jahren ein kleines praktikum beim fernsehen zugeschoben – hörte sich aufregend an!

Also knatterten wir mit susans metallbraunem vw täglich zum dreh. Immer großes hallöchen. Aber dann wurde es wieder ein langweiler tag. Den ganzen tag wurde auf jemanden gewartet – wie bei godot. man wartet auf die schauspieler, wieder hallöchen, auf die maskenbildner, wieder hallöchen, auf die kulissenleute, den regisseur und den heißen kaffee. Standen bei eisiger kälte schlotternd vor kiesgruben, weil da für den film ein auto versenkt wurde. Wenn die schauspieler, die szene vermasselten, schaute man nervös auf die uhr und dachte sich: „na, komm schon, junge!“ – alle waren hektisch, aber es passierte eigentlich nichts. „Action, die szene haette ich gerne noch mal!“ – wieder warten! Jeder durfte seinen launen nachgehen, und es gab ein paar gutmütige trottel, die dann beschwichtigend auf die anderen eingingen.
Das war nichts für mich! Aber meine fernsehkarriere sollte noch nicht gestoppt sein. Bald brillierte ich als prinzessin mit vielen anderen prinzessinnen in einem kleinem märchen. Ich war jung und brauchte das geld!

Dann kam der produzent vorbei. Als die anderen 11 prinzessinnen herausfanden, dass das der produzent war – große aufregung und auch hier hallöchen, hallöchen! Die haben den mann einzeln in die mangel genommen und erzählten euphorisch von ihren talenten. Und was die alle konnten. Ballett, klavier, reiten, kreischen und vor allen dingen ne morz welle machen.

Dann gab es noch einen auftritt von mir bei wetten dass?. Ich sollte im publikum sitzen mit so 30 anderen und einer sollte raten, wieviel wir sind. Gekennzeichnet mit einer bademütze auf dem kopf, habe ich vergessen ihnen mitzuteilen. Es war auch grundpeinlich! Ich wusste gar nicht, ob ich so vor einem millionenpublikum bekannt werden wollte. Mein opa war schon sehr aufgeregt und platzierte sich abends vor dem fernseher, um meinen sekundenauftritt zu sehen. Nichts hat er gesehen. Weil die kamera so schnell über unsere hauben hinwegfegte. Ich hatte ein ganz schlechtes gewissen, weil ich ja wusste, der opa guckt sich ja extra wetten dass? an!
Opa sagte mir am nächsten morgen, er dachte, ich hätte gar nicht mitgemacht!

Und dann habe ich auch nicht mehr mitgemacht! Hab mir einen eigenen hund besorgt und zu schreiben angefangen. Das hallöchen kommt hier in form des geräuschs, wenn ich den computer anschmeiße. Dann ist es hier aber den ganzen tag still. Einen gutmütigen trottel, der sich um meine eskapaden kümmert, sollte ich mir vielleicht auch suchen. Ich begrüsse ihn dann gerne mit: hallöchen, hallöchen!

Ankalina Dahlem

erstellt am 09.9.2010