„Das gefundene Wort eines Rätsels erweist sich als das rechte dadurch, dass alle Aussagen desselben zu ihm passen. So lässt meine Lehre Übereinstimmung und Zusammenhang in dem kontrastierenden Gewirre der Erscheinungen dieser Welt erblicken und löst die unzähligen Widersprüche, welche dasselbe von jedem andern Standpunkt aus gesehn darbietet: sie gleicht daher insofern einem Rechenexempel, welches aufgeht; wiewohl keineswegs in dem Sinne, dass sie kein Problem zu lösen übrig, keine mögliche Frage unbeantwortet ließe. Dergleichen zu behaupten wäre eine vermessene Ableugnung der Schranken menschlicher Erkenntnis überhaupt. Welche Fackel wir auch anzünden und welchen Raum sie auch erleuchten mag; stets wird unser Horizont von tiefer Nacht umgrenzt bleiben. Denn die letzte Lösung des Rätsels der Welt müsste notwendig bloß von den Dingen an sich, nicht mehr von den Erscheinungen reden. Aber gerade auf diese allein sind alle unsere Erkenntnisformen angelegt: daher müssen wir uns alles durch ein Nebeneinander, Nacheinander und Kausalitätsverhältnisse fasslich machen. Aber diese Formen haben bloß in Beziehung auf die Erscheinung Sinn und Bedeutung: die Dinge an sich selbst und ihre möglichen Verhältnisse lassen sich durch jene Formen nicht erfassen. Daher muss die wirkliche, positive Lösung des Rätsels der Welt etwas sein, das der menschliche Intellekt zu fassen und zu denken völlig unfähig ist; so dass, wenn ein Wesen höherer Art käme und sich alle Mühe gäbe, es uns beizubringen, wir von seinen Eröffnungen durchaus nichts würden verstehn können.“

„Ich bin glücklicher als die meisten meinesgleichen. Mein Leben ist ein fortgesetztes Studium gewesen, das sein eigener Lohn ist, und ich schätze mich glücklich, daß ich mein ganzes Leben lang dieser Anlage folgen konnte, dieser Art von Instinkt, die mich an die Gegenstände bringt, für die ich gemacht bin, und dass ich immer Herr meiner Zeit gewesen bin. Wenn ich Reichtümer angesammelt hätte, würden sie mich nicht vor dem Leiden des Alters schützen; aber ich habe Kenntnisse gesammelt und das Interesse für die großen Wahrheiten gewonnen, für die Philosophie, für meine Werke, und das, was dazu gehört, ist das Wesen meines Daseins geworden. Das ist es, was mir Sicherheit vor der Langeweile des Alters gibt, es wird lange dauern, selbst bis ans Ende: ich kenne keine Langeweile, und bin unabhängig von den Menschen, in jeder Hinsicht.“

„Ein solcher Mensch, der nach vielen bitteren Kämpfen … seine eigene Natur endlich ganz überwunden hat, ist nur noch als erkennendes Wesen, als ungetrübter Spiegel der Welt übrig. – Er blickt nun ruhig und lächelnd zurück auf die Gaukelbilder dieser Welt, die einst auch sein Gemüt zu bewegen und zu peinigen vermochten, die aber jetzt so gleichgültig vor ihm stehn wie die Schachfiguren nach geendigtem Spiel oder wie am Morgen die abgeworfenen Maskenkleider, deren Gestalten uns in der Faschingsnacht neckten und beunruhigten.“

„Wenn man ein langes Leben in Unbedeutsamkeit und Geringschätzung zugebracht hat, da kommen sie am Schluß mit Pauken und Trompeten und meinen, es sei was.“

„Für mich, der ich eigentlich nicht sehr gesellig bin, sind ein heiteres und mildes Klima, in einer schönen Umgebung, deren Zugang keine große Stadt versperrt, die wesentlichsten Genüsse des Lebens.“

„Ich bin allezeit in jedem Wetter täglich spazierengegangen, zu großem Vorteil. Mit 72 Jahren bin ich stets kerngesund und durch meinen überaus raschen und leichten Gang noch jetzt auffallend. Ich lese ohne Brille, auch bei schwacher Beleuchtung, und blase immer noch täglich meine Flöte. Ich kann also sehr alt werden, – wenn nichts dazwischenkommt …“

Ausgewählt von Otto A. Böhmer.

erstellt am 07.9.2010