Moebius: SF-City
Moebius: SF-City
Zum Tod des bekannten Zeichners

Jean Giraud alias Moebius

Ein Nachruf des Comic-Zeichners Hanspeter Ludwig

Er war der Zeichner, der die Illustration und den Comic in den letzten vierzig Jahren am nachhaltigsten beeinflusst hat. Tausendfach kopiert, aber nie erreicht, hat auf Generationen von Zeichnern gewirkt und mit Scenaristen wie J. M. Charlier und Alejandro Jodorowsky, aber auch ohne Unterstützung durch Autoren, in völlig unterschiedlichen Genres, Meilensteine gesetzt: »Leutnant Blueberry« war der ersten Western-Comic von einem Realismus, der bis heute unerreicht ist und auf den sogar die Amerikaner nur neiderfüllt blicken konnten. Mit der »Garage Hermétique de Jerry Cornelius« schuf er eine drogeninduzierte Reise von einzigartiger Kompromisslosigkeit. Dieses Monstrum von Werk ist praktisch nicht dechiffrierbar – Moebius hat hier rein assoziativ gearbeitet, sich während des Zeichnens die Fortsetzung ausgedacht und damit die klassische Art, wie ein Comic bis dahin entwickelt wurde, komplett über Bord geworfen.
Mit dem Incal-Zyklus um den Privatdetektiv John Difool hat er, zusammen mit Alejandro Jodorowsky, ein SF-Epos vorgelegt, das ein eigenes Genre zwischen Phantastik, Esoterik, Science-Fiction und Hard-Boiled-Krimi begründet hat.

Moebius hat Filmen wie »Alien« (zusammen mit H.R. Giger), »Blade Runner« und »5th Element« seinen Stempel aufgedrückt und durch all diese Werke die Populärkultur beeinflusst wie kein anderer Zeichner im letzten Jahrhundert.
Möge er in das Universum, das er geschaffen hat, aufsteigen und uns lächelnd beobachten.
Er wird vermisst werden.

Moebius

Hanspeter Ludwig lebt als freiberuflicher Illustrator, Grafiker und Fotograf in Wetzlar.

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erstellt am 13.3.2012

Cover »Leutnant Blueberry«
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Moebius: Hunter
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Moebius: Blueberry
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