Zitate ohne Anführungszeichen und Quellenverweise gehören bei Thomas Meinecke zum künstlerischen Konzept. In seinem aktuellen Roman „Lookalikes“ hat der Autor diese Methode auf die Spitze getrieben und damit offensichtlich den Ton der Gegenwart nervenaufreibend präzise in Buchform gefasst. Plagiate haben zugenommen und sind in Politik und Literatur inzwischen äußerst brisant.

Thomas Meinecke hat bisher noch keine Plagiatsdebatte durchstehen müssen. Als Repräsentant eines postmodernen Literaturverständnisses war er im Wintersemester 2011/12 eingeladen, im Rahmen der Frankfurter Poetikdozentur über seine Art des Schreibens zu sprechen. Meinecke löste diese Aufgabe, indem er ausschließlich Zitate aneinanderreiht, die Dritte über ihn und sein Schreiben geschrieben haben. So entstand unter dem Titel „Ich als Text“ ein verschachteltes Zitate-Puzzle, das penetranter Dauerberieselung nahe kam. Wie viel System in den Puzzle-Teilen enthalten ist, blieb offen. Der Zuhörer musste sich einfach auf den Zitate-Strom einlassen und dabei entdecken, dass sich Passagen wie Refrain-Zeilen eines Liedes wiederholen. Welche Bilder sich auf diesem Weg ins Gedächtnis schreiben, dürfte bei jedem höchst unterschiedlich sein. Das Assoziationsnetz, das der auch als DJ aktive Autor in Vorlesung und Büchern ausgelegt hat, ist weit gespannt.

Wer die eigene Tonspur des Autors genauer erfassen will, ist auf Gespräche angewiesen, in denen er das Zitatekarussell verlässt. Gelegenheit hierzu bot eine Begegnung zwischen Thomas Meinecke und Klaus Walter, die in dessen Studio des Internetradios ByteFM stattfand. Auszüge aus dem Gespräch hat Bernd Leukert in Audiosequenzen zusammengeführt. (poll)

Audio-Mitschnitte

Thomas Meinecke im Gespräch mit Klaus Walter

»Palimpsest«

»Copyright«

»Übernahme«

»Patriotismus«

»Politische Musik«

erstellt am 07.3.2012

Thomas Meinecke legt Platten auf, Foto: Wolfgang Becker
Thomas Meinecke legt Platten auf, Foto: Wolfgang Becker

Thomas Meinecke liest aus »Lookalikes«

im Zehseiten-Video hier: