„Keine Angst vor Anglizismen“ sagt Gerhard Stickel und zeigt, dass und wie der Wortschatz der deutschen Sprache sich ständig erneuert, nicht nur durch die Entlehnung von Wörtern aus anderen Sprachen, sondern mehr noch durch die Bildung neuer Wörter aus vorhandenen eigenen Wörtern und Wortteilen. So wie die alte Vorliebe für Wörter aus dem Französischen sich überlebt hat, sind auch viele Anglizismen schon wieder untergegangen, und ihr übermäßiger Gebrauch sagt weniger über die Sprache als über ihre Sprecher – ganz abgesehen davon, dass das Deutsche nicht nur Wörter aus anderen Sprachen aufnimmt, sondern auch seinerseits Wörter an andere Sprachen abgibt. Die deutsche Sprache wird zum Faszinosum in diesem Vortrag des ehemaligen Direktors des Instituts für Deutsche Sprache, den Faust hier veröffentlicht.

Faszinosum Deutsch

Wörter und Unwörter

Von Gerhard Stickel

Nein, ich werde nicht vom ersten Satz des Johannes-Evangeliums ausgehen: Im Anfang war das Wort. Das wäre mir theologisch und philologisch zu heikel. Die Übersetzung des griechischen logos oder lateinischen verbum hat schon Goethes Faust Kopfzerbrechen bereitet.

Lassen Sie mich lieber mit Shakespeare beginnen: In der zweiten Szene des zweiten Akts von Hamlet fragt Polonius den lesenden Prinzen: „What do you read, my Lord?“ und Hamlet antwortet: „Words, words, words“, also „Wörter, Wörter, Wörter“ (in der Übersetzung von August Wilhelm Schlegel: „Worte, Worte, Worte”). Hamlet hätte noch allgemeiner antworten können: „einen Text“ oder „ein Buch“; denn er will sich von dem alten Langeweiler Polonius nicht ausfragen lassen und geht deshalb ins Allgemeine ausweichend nur scheinbar auf dessen Frage ein. Die Antwort ist aber in ihrem generellen Sinn zutreffend, denn alles, was wir sprachlich tun, was wir sprechen und hören, was wir schreiben und lesen, besteht ja aus Wörtern.

Manchmal verwenden auch wir Wort oder Worte in der Bedeutung von Redewendung, Zitat, Ausspruch oder Ansprache, wenn wir zum Beispiel jemanden bitten, zur Feier des Tages ein Grußwort zu sprechen, und ihm vielleicht anschließend für seine einfühlsamen oder aufmunternden Worte danken. Genau genommen können einzelne Wörter gar nicht aufmunternd oder einfühlsam sein, das kann nur eine Äußerung, die auf die jeweilige Situation Bezug nimmt. Ein Grußwort oder Machtwort besteht ja meist auch aus mehreren Wörtern. Manche von uns unterscheiden bei der Mehrzahl von Wort immer noch zwischen dem alten Plural Worte in der Bedeutung eines bedeutsamen kurzen Textes oder einer Redewendung und dem jüngeren Plural Wörter zur Bezeichnung von sprachlichen Einheiten, wie sie etwa im Wörterbuch stehen. Viele meiner Studierenden und andere Zeitgenossen machen diesen Unterschied nicht mehr; sie unterscheiden allenfalls stilistisch zwischen gehobenen Worten und schlichten Wörtern.

Ich bleibe heute bei dem Plural Wörter und meine damit die sprachlichen Einheiten aus Ausdruck und Bedeutung, aus denen Sätze und Texte bestehen. Viele Wörter kann man noch weiter zerlegen, in kleinere bedeutungs- und funktionstragende Elemente wie z.B. die drei Teile des Wortes Vor-les-ung, in Morpheme also, wie wir in unserer Fachsprache sagen. Und dann gibt es schließlich noch die minimalen Ausdruckseinheiten gesprochener und geschriebener Sprache, die Laute und Buchstaben. Die haben aber keine Bedeutung, sondern nur die Funktion, Wörter erkennbar und unterscheidbar zu machen. Erst Wörter sind uns als sprachliche Grundeinheiten aus Ausdruck und Bedeutung intuitiv erfassbar.

Auf das Problem, wissenschaftlich zu definieren, was ein Wort ist, will ich nur kurz eingehen. Es geht dabei unter anderem um die Frage, ob verschiedene Ausdrücke wie geben, gibt, gab, gabst, gegeben usw. mehrere verschiedene Wörter sind oder nur grammatisch verschiedene Formen desselben Wortes. Oder ob ein Ausdruck wie meine, je nach seinem Vorkommen mit anderen Wörtern, mal dieses Wort ist oder mal ein anderes. Man denke etwa an einen Satz wie Ich meine meine Freunde. Oder ob einschlafen mal ein Wort ist wie in „Bitte, nicht einschlafen!” und mal zwei wie in dem Satz „Sie schlafen hoffentlich nicht sofort ein”, wo schlafen und ein durch andere Wörter voneinander getrennt sind. Oder ob man sowohl kurze Ausdrücke wie das, und, auf, er und lange wie Planfeststellungsverfahren oder Bundesausbildungsförderungsgesetz alle unter einen Begriff ‚Wort’ fassen sollte. Es sind zumindest recht verschiedenartige Wörter. Zu solchen Definitionsproblemen gibt es eine Fülle linguistischer Fachliteratur und insgesamt auch plausible Lösungen. Ich will damit aber Sie und mich hier nicht weiter befassen und mich auf solche bedeutungstragenden Ausdrücke beschränken, die von den meisten deutschsprachigen Erwachsenen ohne weiteres als Wörter angesehen werden, falls sie nicht wie in manchen Ratesendungen „Begriffe” genannt werden – für uns Linguisten ein Graus.

Wenn Menschen sich zu Sprache äußern, Sprachliches kritisieren oder nach Sprachlichem fragen, geht es meistens um Wörter: um Wörter, deren Bedeutung oder Herkunft man wissen möchte, um Wörter, die neu sind oder veraltet, Wörter, die jemand anders falsch gebraucht hat oder in beleidigender Absicht, um Wörter, die man gern benutzt oder um solche, die man lieber meidet. Um Wörter geht es meist auch in der Diskussion darüber, ob sich die deutsche Sprache zum Schlechten hin verändert oder gar verfällt. Veränderungen der Sprache werden nun einmal vor allem an Wörtern sichtbar und hörbar. Grammatischer Sprachwandel dauert dagegen länger. Teile des deutschen Wortschatzes sind viel mehr in Bewegung als etwa Form und Funktion des Genitivs oder die Wortstellung nach weil. Natürlich ändert sich nicht laufend der gesamte Wortschatz. In Bewegung sind vor allem die Bereiche, in denen es um die Bezeichnung von etwas Neuem geht. Da reichen oft die verfügbaren Wörter nicht aus. Um fehlende Ausdrücke zu bilden, setzt man schon vorhandene Wörter oder deren Teile zu neuen Wörtern zusammen (Beispiele Datenautobahn oder Klingelton, die es beide vor 20 Jahren noch nicht gab), oder man übernimmt Wörter aus anderen Sprachen, meist aus der Sprache, aus deren Gebiet die neuen Dinge, Konzepte oder Verhaltensweisen kommen (Beispiele Edutainment aus dem Englischen oder La Ola aus dem Spanischen). Oft geht es aber auch darum, etwas Altes neu zu bezeichnen, um es attraktiver zu machen: Das längst vergessene Gabelfrühstück ist als Brunch wiederentdeckt worden, Rauke heißt nun Rucola; und der Backfisch ist zum geschlechtsneutralen Teenager geworden.

Änderungen des Wortschatzes werden manchmal gezielt herbeigeführt, besonders in den Lebens- und Sachbereichen, die vom Staat oder anderen großen Institutionen beeinflusst werden können. Ein beliebtes historisches Beispiel ist der Wortschatz des Verkehrswesens, besonders der Eisenbahn. Der wurde Ende des 19. Jahrhunderts auf Betreiben des preußischen Oberbaurats Otto Sarrazin geändert. (Ob der ein Vorfahr von Thilo Sarrazin war, weiß ich nicht.) Unsere Großeltern haben sich vermutlich noch Retourbillets gekauft, sind auf den Perron gegangen, in ein Coupé eingestiegen und haben die Billets dem Kondukteur (Conducteur) gezeigt. Unsere Eltern haben sich dann Fahrkarten gekauft, sind auf den Bahnsteig gegangen, in ein Abteil gestiegen und haben die Fahrkarten vom Schaffner lochen lassen, der sie aber vermutlich in seiner Fachsprache nach den Fahrausweisen gefragt hat. Wir würden uns inzwischen kaum mehr wundern, wenn wir nach Tickets gefragt würden. Ganz so weit ist die Deutsche Bahn noch nicht. Einen Auskunftsschalter finden wir freilich im Bahnhof schon seit einigen Jahren nicht mehr. Man muss sich zum Service-Point bemühen.

Die Diskussion über Wert und Unwert neuer Wörter ist nicht neu. Heute gilt sie vor allem Wörtern, die aus dem Englischen ganz oder in Teilen ins Deutsche entlehnt werden, den Anglizismen. Auch in früheren Jahrhunderten wurde über die ‚Fremdwörter’ oder die ‚fremden Worte’ geklagt, die aus dem Lateinischen und seinen Tochtersprachen, vor allem dem Französischen, genommen waren. Aber schon vor über 100 Jahren wandte sich der damals mächtige Allgemeine Deutsche Sprachverein in einer Erklärung gegen die „Engländerei im Deutschen“ (Dunger, 1899/1909).

„Mit dem immer wachsenden Einfluß englischen Wesens mehren sich neuerdings in bedenklicher Weise die aus dem Englischen stammenden Fremdwörter. Auch in dieser Spracherscheinung treten die alten Erbfehler des deutschen Volkes wieder hervor: Über-schätzung des Fremden, Mangel an Selbstgefühl, Mißachtung der eigenen Sprache”.

Diese Klage über die Zunahme an Anglizismen ist Teil der von Hermann Dunger verfassten Erklärung „Wider die Engländerei in der deutschen Sprache”, die 1899 von der Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins einstimmig angenommen wurde (Dunger 1909, Vorwort). Die, wie es heißt, „an alle Freunde der Muttersprache” gerichtete „dringende Mahnung, diesem neu aufkommenden Fremdwörterunwesen mit Entschiedenheit entgegenzuwirken”, scheint in den Folgejahren nicht die erwünschte Wirkung gezeitigt zu haben. Zehn Jahre später (1909), sieht sich Dunger zu einer erweiterten Auflage veranlasst, in der er eine Vielzahl neuer unliebsamer Entlehnungen aus dem Englischen aufführt, die in der Zwischenzeit in Gebrauch gekommen waren. Unter anderem äußert er seinen Unmut darüber, dass man neuerdings ein kleines Kind „Baby” nenne. Offensichtlich hat es in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts über Baby eine ähnliche Diskussion gegeben wie zu Beginn des 21. Jahrhunderts über das Wort kids. Die Klage über Englisches im Deutschen, über Anglizismen, ist also nicht neu. Heute gilt sie weniger den Entlehnungen aus dem britischen als den Übernahmen aus dem amerikanischen Englisch.

Interessant fand ich bei der Lektüre der alten sprachpflegerischen Schrift, dass neben einer Reihe von Anglizismen, die heute ganz unauffällig in allgemeinem Gebrauch sind wie Boiler, Film, Partner, Pudding und Safe eine große Anzahl von entlehnten Ausdrücken getadelt werden, die im wilhelminischen Deutschland offensichtlich gern gebraucht wurden, derzeit aber in deutschen Kontexten kaum oder gar nicht mehr vorkommen. Heutzutage würde man sich schwerlich mit seinen Bekannten zum Luncheon oder Supper im Grill-room verabreden, zu einer Garden-Party oder zum Five o'clock tea im häuslichen Drawing-room, um den Kauf von Shares zu erörtern. In Berlin und Dresden scheint dies noch vor hundert Jahren durchaus üblich gewesen zu sein. Solche Ausdrücke sind längst außer Gebrauch geraten wie auch Havelock, Ulster, Ribbon Tie, Mackintosh, Fronts, Knicker-bockers und Reefer, die man nicht mehr trägt, die Dog-carts, Gigs, Breaks, Tilburies und Broughams, mit denen kein Mensch mehr fährt, die Tänze Two step, Sir Roger und Cake walk, die kaum mehr jemand kennt, oder Hotchpotch und Mock-turtel-soup, die man anders als Rostbeef und Rumpsteak auf hiesigen Speisekarten nicht mehr findet. Dafür kannten Dunger und seine Zeitgenossen noch keine Hamburger, Cheeseburger und Hot-dogs, trugen kein T-Shirt, Sweat-Shirt, Dress-Hemd, Shorts oder Jeans, fuhren in ihrer Freizeit weder Skateboard, Mountainbike noch Inline-Skates und diskutierten als Geschäftspartner sicher nicht darüber, ob sie das Recyceln demnächst outsorcen sollten. Mit dem Kommen und Gehen mancher Sachen und Sachverhalte kommen und gehen offensichtlich auch die Wörter.

Seit Dunger und seinem Kampf gegen die „Engländerei in der deutschen Sprache” ist in Deutschland, mit Deutschland und der deutschen Sprache viel passiert. Der Allgemeine Deutsche Sprachverein, später Deutsche Sprachverein, führte nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg seinen Kampf gegen Fremdwörter, einschließlich der Anglizismen, unvermindert weiter. Die Nazis nutzen diesen weitgehend chauvinistisch motivierten Sprachpurismus in den ersten Jahren ihrer Herrschaft für ihre Zwecke, um ihn jedoch 1940 wieder abzublasen, weil er zu ihren damaligen Weltmachtplänen nicht mehr passte (s. Bernsmeier 1983). Das wurde aber von großen Teilen der deutschen Bevölkerung anscheinend nicht bemerkt – schließlich war Krieg – so dass sich nach dem ebenfalls verlorenen Zweiten Weltkrieg lange Zeit die Meinung halten konnte, der Sprachpurismus sei von den Nazis, wenn nicht erfunden, so doch auf die Spitze getrieben und erst nach dem Krieg von den Siegermächten unterbunden worden. Die Nachfolgeorganisation des Deutschen Sprachvereins, die Gesellschaft für deutsche Sprache, hat aber die Fremdwortjagd längst aufgegeben und widmet sich vor allem der Sprachaufklärung und Sprachberatung. (1)

1997 wurde eine Organisation unter dem Namen „Verein zur Wahrung der deutschen Sprache” gegründet der inzwischen „Verein Deutsche Sprache“ heißt. Der stellte sich bis vor kurzem im Internet mit folgenden Sätzen vor:

„Uns vereint der Überdruß an der Vermanschung des Deutschen mit dem Englischen zu Denglisch; uns geht das pseudokosmopolitische Imponiergehabe vieler Zeitgenossen, wie es sich insbesondere im hemmungslosen Gebrauch von überflüssigen Anglizismen äußert, gewaltig auf die Nerven.“ (www.vds-ev.de)

Dieser Verein hat es inzwischen immerhin auf mehr als 30.000 Mitglieder gebracht (nach eigenen Angaben). Er macht unter anderem mit der Forderung nach einem Sprachschutzgesetz von sich reden. Seit einiger Zeit veröffentlicht er in Buchform wie auch im Internet einen „Anglizismen-Index“ (Junker 2011). Diese an den katholischen „Index der verbotenen Bücher“ (2) gemahnende Wortliste verzeichnet rund 6000 Anglizismen, alte und neue. Betulich unterschieden wird darin zwischen „ergänzenden” und „differenzierenden”, also guten und tolerablen Anglizismen (Clown, Computer), und „verdrängenden” (Power, Shop, Event), also schlechten Anglizismen.

Die Sorge vor einer Beschädigung der deutschen Sprache wird meist mit der großen Menge von Anglizismen begründet, die in neuerer Zeit in Gebrauch gekommen sind. Wie auch der mit besonderer Akribie arbeitende Linguist und Wissenschaftsjournalist Dieter E. Zimmer (2005, 108 ff.) gezählt hat, haben die Entlehnungen aus dem Englischen in den letzten Jahren zweifellos zugenommen. Wir alle können tagtäglich beobachten, dass viele Gespräche nicht mehr ohne o.k. (okay) auskommen. Über Zimmer (2005, 110 f.) bin ich auf die sorgfältigen Zählungen der irischen Germanistin Edel O’Halloran aufmerksam geworden. Sie hat unter anderem ermittelt, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Bereich der Mode 80% der Fremdwörter aus dem Französischen stammten und nur 20% englischer Herkunft waren. Bis Ende des Jahrhunderts, also bis vor wenigen Jahren, hat sich das Verhältnis genau umgekehrt (O’Halloran 2002, 38ff.).

Offensichtlich ist die Orientierung an der alten Prestigesprache Französisch durch die an der neuen, eben dem Englischen amerikanischer Prägung, ersetzt worden, jedenfalls in manchen Domänen, in denen Neues und Interessantes geschieht. Kleider werden von einem Model vorgeführt statt von einem Mannequin. Man sucht kein Appartement mehr, sondern ein Apartment. Man verabredet sich auch nicht mehr zu einem Rendezvous, sondern hat ein Date. Und wegen eines Kredits spricht man nicht mit einem Bankier, sondern einem Banker, und statt Pardon heißt es Sorry. Unbestreitbar hat jedoch die Anzahl der Anglizismen im deutschen Wortschatz bisher nicht die der Romanismen, einschließlich der Latinismen, erreicht. Von den rund 60.000 Lemmata, die das Duden Fremdwörterbuch (2010) verzeichnet, sind die meisten Romanismen, Gräzismen oder mit entsprechenden griechischen oder lateinischen Elementen im Deutschen gebildet, jedoch nur relativ wenige Anglizismen.

Die aktuelle öffentliche Sprachkritik scheint die Meinung zu stützen, dass neue Wörter und Wendungen im Deutschen überwiegend oder gar ausschließlich Entlehnungen aus dem Englischen seien. Dem ist aber nicht so. Dies ergibt sich aus neueren Untersuchungen, die generell auf Neuwörter im Deutschen gerichtet waren oder noch sind. Da ist die Neologismengruppe im Institut für Deutsche Sprache. Diese Forschungsgruppe ist nicht auf Anglizismen fixiert, sondern beschäftigt sich umfassend mit neuen Wörtern und Wendungen, die seit 1990 in Gebrauch gekommen sind. Sie sieht dabei von sprachlichen ,Eintagsfliegen' (also Gelegenheitsbildungen) und solchen Wörtern ab, die ausschließlich fachsprachlich verwendet werden. Hier eine kleine Auswahl aus dem vor wenigen Jahren erschienen Neologismenwörterbuch:

Beispiele für Neologismen der 90er Jahre (aus Herberg et al. 2004):

  • a) Neubildungen ohne englischsprachige Anteile: Armutsfalle, Besserwessi, Datenautobahn, Elchtest, Euro-Land, gaucken, Gentomate, Hörbuch, Leitseite, Minusrunde, Ostalgie, Quengelware, schönrechnen, Spaßkultur, Waschbrettbauch;
  • b) ,reine' Anglizismen: Blinddate, Bodypainting, Booklet, Burnout, Couch-Potato, Globalvillage, Hypertext, Inline-skates, Mobbing, online, outen, Ranking, Shareholder-Value, Wellness;
  • c) Mischbildungen: abspacen, Ärztehopping, Chat-Raum, Eventkultur, Kuschelrock, Mobbing-Beratung, Online-Kaufhaus, Partydroge, Semesterticket, verlinken.

Ich will auf diese Wörter nicht weiter eingehen. Sie sollen hier nur illustrieren, dass der deutsche Wortschatz nicht – wie oft behauptet wird – überwiegend oder gar ausschließlich durch Anglizismen verändert wird. Die Wortbildung, also die Bildung neuer Wörter aus vorhandenen und entlehnten Wortelementen spielt weiterhin eine wichtige Rolle. Ihr sind gut 60% der Stichwörter in dem erwähnten Neologismenwörterbuch zuzurechnen. Darunter sind selbstverständlich auch die Mischformen zu verstehen. Denn sie werden ja nicht aus dem Englischen entlehnt, sondern unter Mitverwendung von englischen Elementen im Deutschen gebildet.

Mittlerweile kann das jeder, der über einen Rechner mit Internetzugang verfügt, auch selbst prüfen. Seit einigen Jahren betreibt eine Linguistengruppe unter Leitung von Lothar Lemnitzer „Die Wortwarte“. Dieser sprachliche Beobachtungsposten bietet im Internet nahezu täglich eine Liste der neuesten Neologismen (Lemnitzer 2000 ff.). Die Neuwörter werden durch Abgleich des Wortinventars der Online-Ausgaben mehrerer deutschsprachiger Zeitungen mit einer umfangreichen Menge von Vergleichstexten ermittelt, einem Textkorpus, wie wir sagen. Als Anschauungsbeispiel hier der Suchertrag eines Tages, den ich mir vor kurzem notiert habe:

Tagesliste neuester Wörter in der „Wortwarte” vom 16.10.2011
hier

  • Ausgabenanimateur, der
    Bartattacke, die
    Buddy-Affäre, die
    E-Flex-Antrieb, der
    Endlosstrom, der
    Fahrrad-Navi, der
    Folkpicking, das
    handarbeitsneutral, Adjektiv
    Herbstgriller, der
    Jedermenschcomputer, der
    Kosmetikkameradin, die
    Leihkeeper, der
    Light-Light-Lampe, die
    Marketingtransfer, der
    Nachrichtenstau, der
    Niedrigenergiemusizieren, das
    offroadfähig, Adjektiv
    On-Screen-Tastatur, die
    Plagiat-Clip, der
    überrenoviert, Adjektiv
    Ugly-Dance-WM, die
    Verdecktwerber, der
    Vorzeigezuwanderer, der
    Wissenstriathlon, der

Der Ertrag solcher Tagesrecherche muss selbstverständlich genauer geprüft werden. Endlosstrom und Nachrichtenstau sind sicherlich nicht neu und vermutlich nur in den Vergleichstexten nicht belegt. Jedermenschcomputer und Niedrigenergiemusizieren werden wahrscheinlich nicht mehr oft gebraucht und geraten wohl nicht in die Wörterbücher. Aber auch diese Beispiele sind symptomatisch für die Bewältigung von situativem und kontextuellem Wortbedarf, der sich nicht in erster Linie beim Englischen bedient. Neben Anglizismen wie Marketingtransfer und Ugly-Dance gibt es eben auch die Bartattacke, den Endlosstrom, den Verdecktwerber und den Vorzeigezuwanderer. Mischbildungen wie Leihkeeper und offroadfähig zeigen, wie auch entlehnte Elemente in deutsche Wortbildungsmuster integriert werden. (3)

Wer sich gar an produktiver deutscher Wortbildung berauschen möchte – und damit gerate ich an den Rand seriöser Datengewinnung -, der sollte im Internet mit einer Suchmaschine wie Google das Suchwort Warmduscher aufrufen. Man kommt dann über verschiedene Adressen zu umfangreichen Wortlisten, von denen einige laufend erweitert werden. Es sind durchweg Synonyme und Quasisynonyme zu dem Schimpfwort Warmduscher. Offensichtlich gibt es einen kaum zu befriedigenden Bedarf an Ausdrücken, mit denen Männer als zaghaft, weichlich, dumm oder pedantisch beschimpft werden können, und dass nur selten mit Anglizismen: vom Abschiedsheuler, Bananenbieger über den Daunendeckenkuschler, Frauenversteher und Pudelföhner bis zum Schattenparker, Wiskyverdünner und Zauberhaftfinder (4), zumeist Komposita und Zusammenbildungen. (5) Auch im Bereich lockerer Umgangssprache ist also die deutsche Wortbildung bemerkenswert produktiv.

Mit diesen Hinweisen und Beispielen will ich nicht davon ablenken, dass der Gebrauch von Anglizismen, besonders in seiner Penetranz, in manchen Lebensbereichen lästig, ärgerlich oder albern wirkt. Auch ich habe mich über den Service-Point im Bahnhof geärgert und ich lasse mich im Kaufhof nicht gern nach meiner Payback-Karte fragen. Und wenn mir beim Bäcker dunkle Backwaren unter der albernen Bezeichnung Enerjoy angeboten werden, nehme ich lieber andere Brötchen, Wecken oder Semmeln. Doch schwer zu verstehen sind auch manche Romanismen für Menschen ohne Latein- und Französischkenntnisse. Und juristische Laien haben Probleme mit altertümlichen Ausdrücken der deutschen Rechts- und Verwal-tungssprache wie etwa Ablaufhemmung, Besitzdiener, Fahrnis, Früchteanteil Rechtsbehelfsbelehrung oder Verkehrssitte, Wörter, die ja keineswegs aus anderen Sprachen stammen.

Anregender und nützlicher als der meist fruchtlose Kampf gegen Anglizismen sind positive Initiativen von Sprachinstitutionen zu interessanten deutschen Wörtern. Seit 1977, also seit fast 30 Jahren, veröffentlicht die Gesellschaft für deutsche Sprache (nicht zu verwechseln mit dem schon erwähnten Verein Deutsche Sprache) „Wörter des Jahres“. Sie kann sich dabei schon längst des Interesses der Massenmedien erfreuen. Denn die alljährliche Nachricht vom „Wort des Jahres“ bringt es bis in die Tageschau und auf die erste Seite vieler Zeitungen. Die Abfolge dieser Wörter liest sich tatsächlich wir eine knappe Geschichte von Themen, welche uns in den letzten Jahrzehnten bewegt haben: von der konspirativen Wohnung 1978 weiter über Rasterfahndung, Ellenbogengesellschaft, Umweltauto, Glykol, Reisefreiheit, Besser-wessi, Sozialabbau, Reformstau, Schwarzgeldaffäre, dem alten Europa, Hartz IV, der Bundeskanzlerin, Fanmeile, Finanzkrise, bis zur _Abwrackprämie 2009, dem Wutbürger im vergangenen Jahr und dem Stresstest 2011. Die vollständige Liste ist in der neuen Duden-Rechtschreibung zu finden. Mir ist unter anderem aufgefallen, dass Gesundheitsreform schon Wort des Jahres 1988 war.

Während mit den „Wörtern des Jahres“ auf bemerkenswerte Schlüsselwörter des Zeitgeistes hingewiesen wird, soll mit der Publikation von „Unwörtern des Jahres“ Kritik geübt werden. Mit der Wahl von „Unwörtern“ wurde erst 1991 begonnen. Sie war zunächst auch eine Unternehmung der Gesellschaft für deutsche Sprache, die sich um die Wörter des Jahres kümmert. Nach einem Streit wegen des Kanzlerworts kollektiver Freizeitpark verselbständigte sich aber die Unwortgruppe 1994 und bildete bis 2010 unter Leitung des Frankfurter Germanisten Horst Dieter Schlosser und neuerdings unter der Darmstädter Professorin Nina Janich eine Jury in leicht wechselnder Zusammensetzung, die das jährliche Unwort auswählt.

Worum geht es dabei? Zunächst sollte man sich das Wort Unwort selbst etwas näher anschauen. Das Präfix un- verändert die Bedeutung des Stammworts in vielen Fällen in sein Gegenteil: Glück : Unglück, Sinn : Unsinn, freundlich : unfreundlich. Unwort passt aber nicht in dieses Bedeutungsmuster, denn es bedeutet ja nicht etwa das Gegenteil von Wort, was immer das auch sein könnte. Unwort verhält sich zu Wort ähnlich wie Unkraut zu Kraut, Untat zu Tat oder Unmensch zu Mensch. Auch ein Unkraut ist ein Kraut, doch stört es in Feld und Garten, und auch ein Unmensch ist ein Mensch, doch mit schlimmen Eigenschaften. So sind auch Unwörter keine Nichtwörter, sondern solche Wörter, die man nicht mag, mit denen Schaden angerichtet werden kann, deren Gebrauch bemängelt wird. Die Unwortgruppe will mit ihren jährlichen Aktionen, wie sie in ihrer Selbstdarstellung schreibt „sprachliche Missgriffe“ rügen: „Wörter und Formulierungen aus der öffentlichen Sprache, die sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen.“ Hier die bisher gerügten und veröffentlichten 20 Unwörter:
unwortdesjahres

  • 1991 ausländerfrei
    1992 ethnische Säuberung
    1993 Überfremdung
    1994 Peanuts
    1995 Diätenanpassung
    1996 Rentnerschwemme
    1997 Wohlstandsmüll
    1998 sozialverträgliches Frühableben
    1999 Kollateralschaden
    2000 national befreite Zone
    2001 Gotteskrieger
    2002 Ich-AG
    2003 Tätervolk
    2004 Humankapital
    2005 Entlassungsproduktivität
    2006 Freiwillige Ausreise
    2007 Herdprämie
    2008 Notleidende Banken
    2009 betriebsratsverseucht
    2010 alternativlos

Zur Begründung der Brandmarkung von alternativlos führte der damalige Vorsitzende der Jury Horst Dieter Schlosser an: “Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe. Behauptungen dieser Art sind 2010 zu oft aufgestellt worden, sie drohen, die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung zu verstärken.” (6)

Die Veröffentlichung des jährlichen Unworts führt fast immer zu lebhaften Diskussionen, die meist auch der Begründung gelten, welche die Jury für ihre Wahl angibt. Einige von Ihnen werden sich vielleicht etwa an die Diskussion über das 2004 gebrandmarkte Humankapital erinnern. Ich habe mich in Interviews und Artikeln kritisch zur Wahl von Wohlstandsmüll und Gotteskrieger geäußert. Für problematisch halte ich bei diesen und einigen anderen ‚Unwörtern’, dass nicht zwischen Wörtern und konkretem Wortgebrauch unterschieden wird. Wohlstandsmüll zum Beispiel ist für sich genommen ein nützliches, unverfängliches Wort. Zum Ärgernis wurde es nur, als der Nestlé-Manager Helmut Maucher sich damit auf arbeitsunwillige und arbeitsunfähige Menschen bezog. Es ging also in diesem Fall gar nicht um ein Unwort, sondern um eine sprachliche Untat. Zu rügen war nicht das Wort, sondern der Sprecher. Dies gilt für viele Fälle praktischer Sprachkritik, in denen Wörter bemängelt werden, eigentlich aber ihre Benutzer gemeint sind. Es gibt nur wenige Wörter, die so gemacht sind, dass sich mit ihnen kaum etwas Harmloses sagen lässt. Und dazu gehören in der Unwortliste am ehesten noch ausländerfrei, das sozialverträgliche Frühableben und Rentnerschwemme. Ich will aber die Diskussion um einzelne als Unwörter getadelte Ausdrücke hier nicht ausbreiten. Der Unwort-Jury ist allemal zugute zu halten, dass sie mit ihrer alljährlichen Aktion zu Diskussionen über die Sprache anregt und damit auch hin und wieder zur Reflexion des eigenen Sprachgebrauchs. Die Frist, Unwörter für 2011 vorzuschlagen, läuft noch bis Ende des Jahres. (7)

Rasch noch zwei weitere Beispiele für neue Aktionen, die deutsche Wörter betreffen und die zumindest mittelbar dazu beitragen können, dass wir uns Aspekten unserer Sprache etwas bewusster werden. Vor wenigen Jahren rief das Goethe-Institut in Verbindung mit dem Deutschen Sprachrat im In- und Ausland zur Wahl des „schönsten deutschen Wortes“ auf. Ich muss gestehen, dass ich mich zu Anfang gegen dieses Vorhaben ausgesprochen habe, zumal da keine deutlichen Kriterien für „schön“ angegeben wurden, und für „schönst” schon gar nicht. Genau genommen lassen sich ja nur Texte ästhetisch bewerten, Wörter allenfalls nach den Dingen, die sie bezeichnen, oder nach ihrem Klang, und der ist oft kaum von der Stimme bestimmter sprechender Menschen zu trennen. Wie schwer es offensichtlich fällt, zwischen Wörtern und dem damit Bezeichneten zu unterscheiden, wird deutlich, wenn man sich den Anfang der Häufigkeitsliste der Vorschläge anschaut. Die zehn am häufigsten vorgeschlagenen Wörter waren (8): Liebe, Kindergarten, Gemütlichkeit, Heimat, Sehnsucht, Frieden, Frühlingserwachen, Feierabend, Vertrauen, Freiheit.

Ich habe jedoch meinen anfänglichen Widerstand aufgegeben, als deutlich wurde, dass es bei den Vorschlägen weniger auf die jeweiligen Wörter als auf deren Begründungen ankommen sollte, also auf Texte. Und die lassen sich nach Originalität, Witz und Formulierung ver-gleichen und bewerten. Den 1. Platz erhielt dann der Vorschlag Habseligkeiten, eine Wahl, die bei manchen von uns Verwunderung hervorgerufen hat, weil in der Begründung auch ein Zusammenhang mit Seligkeit suggeriert wurde, der semantisch und sprachgeschichtlich gerade nicht besteht. Zu meinen Favoriten gehört Rhabarbermarmelade, weil dieser Vorschlag besonders witzig begründet wurde. Deshalb zitiere ich auch hier gern die Begründung von Frank Niedermeyer (aus Limbach 2005, 110):

Ich glaube, viele haben diesen Wettbewerb nicht verstanden. Es geht doch nicht darum, die schönste Sache zu wählen, sondern das schönste Wort zu prämieren.
Kinderlachen ist etwas Wunderschönes. Aber was für ein beknacktes Wort! Man stelle sich jemanden vor, der kein Wort Deutsch spricht. Jetzt sagt man zu ihm in einem etwas lauteren Tonfall „Kinderlachen“. Verschreckt wird er das Weite suchen! Auch Liebe, Glück und Heimat sind toll. Die Wörter dazu sind aber eher einfallslos und nicht wirklich schöner als „Hiebe“, „Mücke“ oder „Fahrrad“. Mein derzeitiges Lieblingswort ist „Rhabarbermarmelade“. Was für ein Klang! Und welches Wohlgefühl umfängt mich, wenn ich sonntagmorgens zu meinem Schatz sagen kann; „Barbara, reich mir doch bitte die Rhabarbermarmelade.“ Der Tag ist gerettet.

Abschließend nur noch ein Hinweis auf eine weitere Wortaktion: „Wörterwanderungen”. Sie ging wieder vom Deutschen Sprachrat und seinen Mitgliedsinstituten aus und wurde vom Dudenverlag unterstützt. Statt Fremdwörter im Deutschen wurden hierbei deutsche Wörter gesucht, die in andere Sprachen sozusagen ausgewandert sind. Das haben die Wörter natürlich nicht getan, denn sie sind ja zumeist nicht aus unserer Sprache verschwunden. Ähnlich wie es die Deutschen mit lateinischen, französischen und englischen Wörtern gemacht haben und noch tun, haben Sprecher anderer Sprachen deutsche Wörter, die ihnen nützlich erschienen, in ihren Sprachgebrauch übernommen. So geraten Russen noch heute in Zeitnot, wenn sie vor einem Schlagbaum warten müssen und dabei vielleicht ein Butterbrot essen – alle drei Wörter aus dem Deutschen übernommen. Amerikanische Kunstkritiker fanden offensichtlich kitsch und schmalz so nützlich, dass sie die beiden Wörter weiterhin gebrauchen. Schweden haben fingerspitzengefühl, Tschechen schreiben einen libesbrif und japanische Studenten machen arubaito (von deutsch Arbeit), wenn sie sich etwas Geld verdienen wollen oder essen baumukhen (Baumkuchen). Inzwischen präsentiert Wikipedia im Internet Listen von mehreren tausend Germanismen, die es in rund 30 verschiedenen Sprachen gibt oder geben soll. (9)

Auch das sind Unternehmungen, die nicht auf die leidigen Anglizismen im Deutschen fixiert sind, sondern sich auf deutsche Wörter in anderen Sprachen richten. Man könnte geradezu sagen: sprachkritische, sprachpflegerische Retourkutschen. Jetzt nur noch den naheliegenden Zusatz, dass wir unsere Sätze, unsere gesprochenen und geschriebenen Äußerungen nicht bloß aus einfachen und komplexen Wörtern zusammensetzen. Neben den Wörtern als bedeutungstragenden sprachlichen Bausteinen gibt es ja auch noch die mehr oder weniger festen Wendungen aus zwei oder mehr Wörtern, die wir einsetzen und die wir in den Texten anderer vorfinden. Für heute möchte ich es aber bei Wörtern belassen. Über Wendungen vielleicht ein anderes Mal.

(1) Siehe die Selbstdarstellung unter hier
Index librorum prohibitorum. Siehe hierzu die Anmerkungen des
(2) Index-Herausgebers unter hier
(3) Noch ärmer an Anglizismen ist die Liste der Neuwörter, die von der Wortwarte am 1.11.2011 gefunden wurde Wortwarte
Basis-Feuerbestattungs-Paket, das
Biofront, die
bleineblig, Adjektiv
Brutalo-Beton-Architektur, die
Datenstaubsauger-App, die
Diskurs-Scratching, das
E-Reading, das
Finanzmarktwarner, der
Gesprächsflow, der
Hebelungsmechanismus, der
Impro-Pop-Theater, das
Küchen-Nerd, der
Kuckuckskanzlerin, die
Mem-Archiv, das
Musterordnung, die
Nebenbei-Surfen, das
Selbstauslöschungsprogramm, das
Selfing-Ritual, das
Unterschwellenland, das
Wissenschaftssünder, der
Wurfkamera, die
Zeitzonenautomatik, die
(4) Die längste Wortliste dieser Art, die mir bisher vorgekommen ist, hat eine Schweizer Adresse und umfasst über 2000 Ausdrücke:
hier . Weitere Ausdrücke dieser Art sind etwa Turnbeutelvergesser, Balkonraucher, In-Fahrtrichtung-Sitzer, Sauna-Untensitzer, Brötchen-über-der-Spühle-Aufschneider
(5) Mir ist bisher nur eine weibliche Entsprechung solcher Schimpfwörter begegnet: Sitzbüglerin.
(6) Zitiert aus Tagesschau
(7) Näheres unter www.unwortdesjahres.net Unwortkandidaten sollen unter anderen sein: Stresstest, Rettungs-schirm und Schuldenbremse.
(8) Nach einer unveröffentlichten Zählung der Gesellschaft für deutsche Sprache.
(9) http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_deutscher_Wörter_in_anderen_Sprachen

Literatur und Internetquellen

Bernsmeier, Helmut, 1983: Der Deutsche Sprachverein im “Dritten Reich”. In: Muttersprache 93, 35-58.
Duden Fremdwörterbuch, 2010 (Der große Duden Bd. 5). 10. aktualisierte Aufl., Mannheim etc.
Dunger, Herrmann, 1909: Engländerei in der deutschen Sprache. 2., umgearb. u. stark verm. Auflage des Vortrags Wider die Engländerei in der deutschen Sprache. Berlin.
Gesellschaft für deutsche Sprache: im Internet unter www.gfds.de
Herberg, Dieter / Kinne, Michael / Steffens, Doris, 2004: Neuer Wortschatz – Neologismen der 90er Jahre im Deutschen. Berlin / New York.
Junker, Gerhard H. (Hg.), 2011: Der Anglizismen-Index, Gewinn oder Zumutung. IFB Verlag Deutsche Sprache GmbH : Paderborn. (auch im Internet unter: http://vds-ev.de/denglisch/anglizismen/).
Lemnitzer, Lothar, 2000 ff.: Die Wortwarte.
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erstellt am 13.12.2011

Unwort 2010