Filmkritik

Aushilfsgangster

Von Kai Mihm

Ben Stiller und Eddie Murphy planen den ganz großen Coup, um sich an einem korrupten Finanzjongleur zu rächen

Nachdem sich Filme wie „Der große Crash“ oder das Fernsehspiel „Too Big too Fail“ auf sehr dramatische Weise und mit dem angemessenen Ernst mit der Finanzkrise befasst haben, beginnt nun auch die Komödiantenszene Hollywoods auf die Geschehnisse zu reagieren. Ben Stiller und Eddie Murphy machen den Anfang mit „Tower Heist“ (so der Orignaltitel), bei dem gleichwohl nicht die Hasardeure an der Wall Street im Mittelpunkt stehen, sondern die „kleinen Fische“ am anderen Ende der finanziellen Nahrungskette. Jene Leute, die praktisch über Nacht vor dem finanziellen Ruin standen.

Tiefgründiges sollte man nicht erwarten, der große Wurf zum Thema ist Regisseur Brett Ratner, der noch nie durch besondere Ambitionen oder gar eine inszenatorische Handschrift auffiel, nicht gelungen. Vergnügen bereitet der Film dennoch.
Ben Stiller verkörpert Josh Kovacs, den beflissenen Personalleiter eines Luxus-Wolkenkratzers in New York. In typischer Manier spielt Stiller Josh als hilfsbereiten, harmlosen Typ, dem man sofort seine Wohnungsschlüssel anvertrauen würde, den man beim Pferdestehlen aber lieber zuhause lässt.
Umso erstaunlicher sein Charakterwandel, nachdem die gesamte Belegschaft des Luxustowers von einem dort ansässigen Finanzjongleur um ihre Ersparnisse gebracht wird. Da die Justiz dem einflussreichen Mann machtlos gegenüber steht, beschließt ausgerechnet Josh, das Geld seiner Kollegen auf eigene Faust zurückzuholen: Mit Unterstützung einer Handvoll gleichgesinnter will er in die bestens gesicherte Wohnung des Betrügers eindringen, wo er einen geheimen Safe mit 20 Millionen Dollar vermutet. Zusätzliche Unterstützung holt er sich in Gestalt eines großmäuligen Schmalspurganoven namens Slide (Murphy).
Wer nun glaubt, der weitere Handlungsverlauf sei absehbar, der irrt. Natürlich ist von Beginn an klar, dass der Coup nicht so reibungslos ablaufen wird, wie geplant. Aber die Volten, die die Geschichte schlägt, sind fast durchweg überraschend, originell und in ihrer Ignoranz gegenüber jeder Plausibilität von einer tolldreisten Komik. Über Drehbuchlöcher spielt das gut aufgelegte Esemble munter hinweg. Neben Stiller geben vor allem Alan Alda als zynischer Finanzbetrüger und Matthew Broderick als abgehalfterter Broker dem Film darstellerischen Glanz. Allein Eddie Murphy, einer der großen Komödianten des amerikanischen Kinos, wirkt als schnodderiger Kleingauner reichlich unterfordert.
Ingesamt sind die kleinen Details hier schöner, als das große Ganze. Drehbuchautor Jeff Nathanson hat bereits in seinen Stories zu Spielbergs „Catch me If You Can” und „Terminal” eine schöne Subversion bürgerlicher Standards und amerikanischen Elitedenkens betrieben. Auf sein Konto dürften einige bittere Seitenhiebe auf die kapitalistische Klassengesellschaft gehen. Sein Co-Autor Ted Griffin schrieb mit „Ocean's Eleven” einen der erfolgreichsten Heist-Movies der letzten Jahre. Diesmal verkehrt er die Haltung des Soderbergh-Films auf bemerkenswerte Weise: ging es dort um die Geldgier einer Clique dekadenter Schönlinge, wird der Reichtum in „Tower Heist” am Ende unter dem Proletariat verteilt. Josh Kovacs und seine Crew wirken vielleicht nicht so „hip” wie Danny Oceans Bande. Sympathischer sind sie allemal.

Kai Mihm

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erstellt am 02.11.2011

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