Auftakt-Festival 2011 in der Alten Oper Frankfurt:

Komponistenporträt George Benjamin

Mit sechzehn trat er als jüngster und zugleich letzter Student in die Kompositionsklasse Olivier Messiaens am Pariser Conservatoire ein, und schon wenige Jahre später wurde sein Orchesterwerk „Ringed by the Flat Horizon“ bei den Londoner Proms aufgeführt – ein aufsehen erregendes Debüt, das den britischen Komponist George Benjamin, 1960 in London geboren, in der internationalen Musikszene bekannt machte. Zahlreiche Kompositionsaufträge folgten: Stücke für Orchester wie „Sudden Time“, Kammermusik wie „Three Inventions“, und „Antara“, ein Stück für Kammerensemble und Elektronik, das 1987 am Pariser IRCAM entstand und die erste Komposition überhaupt ist, die mit dem Notationsprogramm Sibelius realisiert wurde. Seine kompositorische Handschrift trägt auch das „Concert à quatre,“ Messiaens letztes Werk, das Benjamin Mitte der 90. Jahre mit Yvonne Loriod und Heinz Holliger zu Ende orchestrierte. Und auch das erste „Meltdown“-Festival in London, das er 1993 leitete, spiegelte seine musikalischen Interessen wieder. Benjamin, der auch als Dirigent an den nahmhaftesten Orchesterpulten der Welt steht, vertonte Gedichte berühmter moderner Klassiker wie Wallace Stevens und William Butler Yeats und krönte schließlich seine Komponistenkarriere mit einer Oper, „Into the Little Hills“ nach einem Libretto des Dramatikers Martin Crimp, die 2006 beim „Festival d'Automne“ in Paris uraufgeführt wurde und so erfolgreich war, dass sie auf beiden Seiten des Atlantik inszeniert wurde. Eine weitere Oper, an der er wieder mit Crimp zusammen arbeitet, ist schon für nächstes Jahr in Aix-en-Provence geplant und soll danach an der Mailänder Scala, an der Bayerischen Staatsoper und während der Wiener Festwochen gespielt werden. Es ist vor allem die ungewöhnliche melodische Mischung, die, gepaart mit einer vollendeten harmonischen Handwerklichkeit, de besondere Wirkung von Benjamins Musik ausmacht.

Beim Auftakt-Festival 2011 wurde Benjamin, der den „Henry Purcell“-Lehrstuhl für Komposition am King's College London inne hat, mit einem unfangreichen Konzertprogramm, einer Podiumsdiskussion und einem wissenschaftlichen Symposium geehrt. Vokal- und Kammermusik und auch Orchesterwerke wurde aufgeführt und einen Überblick über sein kompositorisches Werk vermittelt. Unter der Leitung von Hans-Klaus Jungheinrich, langjähriger Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Rundschau, wurde während des Sympium unter dem Titel „Sometimes voices“ über die semantischen und metaphorischen Besonderheiten, die melodischen Strategien und die mehrschichtige Struktur der Werke Benjamins referiert und diskutiert. Schließlich wurde bei einer Podiumsdiskussion, an der Benjamin selbst teilnahm, die Frage nach der Modernität gestellt. (sab)

erstellt am 12.9.2011

George Benjamin
George Benjamin