Das weiße Haus

Das Halldór-Laxness-Museum in Gljúfrasteinn

Von Stefana Sabin

Touristen wird in Reykjavik viel angeboten: Schiffsfahrten zur Insel der Papagaientaucher, Busfahrten zu spektakulären Wasserfällen, Entspannungsschwimmen in der Blauen Lagune am Fuße eines geothermischen Kraftwerks, Stadtbummel mit anschließender Degustation von Walspezialitäten … Was die Touristenbüros nicht in ihrem Angebot haben, ist ein Besuch des ehemaligen Domizils von Halldór Laxness in Gljúfrasteinn.

Das Haus liegt an der Hauptstraße, auf der alle Touristenbusse auf dem Weg von Reykjavík nach Thinkvellir, einem natürlich entstandenen Steinwall, wo von 930 bis 1798 die Volksversammlungen und 1944 die Unabhängigkeitsfeier der neu gegründeten Republik abgehalten wurden und der heute Weltkulturerbe ist, vorbeifahren. Obwohl es also einfach wäre, steht das Laxness-Haus auf keiner der angebotenen Standardtouren – nicht nur, sondern im Reisebüro wundert man sich geradezu, dass wir nach Gljúfrasteinn wollen, „wo es außer dem Haus eines Künstlers oder Dichters nichts zu sehen gibt.“ Der freundliche Touristenführer, der uns dann doch nach Gljúfrasteinn fährt, war selbst noch nie da und ist regelrecht dankbar für die Gelegenheit, das Haus zu sehen.

Das Städtchen Gljúfrasteinn liegt bei Mosfellsbær, in jener Gegend, wo der Dichter aufgewachsen war; auch aus nostalgischer Zuneigung zu dieser Gegend nannte er sich Laxness nach dem gleichnamigen Hof: Laxness bedeutet ‚Lachsinsel‘. Das Haus wurde von dem isländischen Architekten Ágúst Pálsson entworfen und 1945 gebaut; Weihnachten desselben Jahres zogen Halldór Laxness und seine zweite Frau Auður ein.

Sie hatten sich ein Landhaus gewünscht, das kein Bauernhaus, ein großes Haus, das unauffällig sein sollte. So entwarf Pálsson eine elegante Villa, bei der die Bauhaus-Formstrenge durch fast mediterrane Elemente verbrämt ist. Allerdings schaut man nicht aufs Meer, sondern auf Moos- und Buschfelder. Von der Straße führt eine breite Zufahrt zum ganz weiß verputzten Haus, vor dem ein weißes Auto steht: der in Reykiavik legendäre Jaguar von Laxness, der wie jederzeit fahrbereit wirkt. Es ist ein Jaguar V6 mit einem 3,4-Liter-Motor und 210 PS von 1968. Laxness hatte das Auto von einem isländischen Händler neu gekauft. Sowohl in Reykjavík als auch während den Reisen durchs Land fiel das Auto immer und überall auf!

Ein halbes Jahrhundert haben Laxness und seine Familie in dem Haus in Gljúfrasteinn gewohnt und gearbeitet und den weißen Jaguar gefahren. Laxness starb 1998; 2002 verkaufte seine Frau das Haus an den Staat, 2004 wurde es als Museum eröffnet – und auch das Auto wurde für das Museum zurückgekauft. Das Museum wird unter der Aufsicht des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kunst verwaltet. Die Einrichtung ist so geblieben, wie zu Laxness’ Zeiten, aber die Stimmung des dichterischen Ortes ist trotz Bildern, Büchern und Nippes verflogen.

erstellt am 11.9.2011

Laxness-Haus
Das Haus von Halldór Laxness
Das Haus von Halldór Laxness
Am Pool
Am Pool
Laxness' Auto
Laxness' Auto